De liewe Gott im Saarland - Raimund Eich - E-Book

De liewe Gott im Saarland E-Book

Raimund Eich

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2,99 €

Beschreibung

Die Küsterin von St. Marien, die gerade mit der Vorbereitung eines Festgottesdienstes beschäftigt ist, sieht sich in der Marienkirche plötzlich einer geheimnisvollen Erscheinung gegenüber. Dies löst ein außergewöhnliches Erlebnis für sie aus. Eine heitere und besinnliche Geschichte mit Mundartdialogen.

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Seitenzahl: 70

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Raimund Eich, Jahrgang 1950, lebt im Saarland.

Neben zwei Tatsachenromanen sowie einigen Büchern mit heiteren und besinnlichen Gedichten und Geschichten hat er einige Werke veröffentlicht, in denen er sich insbesondere mit gesellschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Themen befasst. Hierin lässt er auch naturwissenschaftliche und technische Aspekte in sehr anschaulicher Form mit einfließen. Daraus resultieren einzigartige Bücher, spannend, dramatisch, informativ und unterhaltsam zugleich.

Inhaltsverzeichnis

VORWORT

MAMA ELISA

DIE ERSCHEINUNG

WEGBEGLEITER

ABSEITS

AUF ACHSE

RICHTUNG NORDEN

AM VIERTEN TAG

RÜCKKEHR

NACHWORT

ANHANG

VORWORT

Leben wie Gott in Frankreich, über die Herkunft dieses geflügelten Ausdrucks streiten sich bekanntlich die Geister. So ist unter anderem zu lesen, dass er aus der Zeit der Französischen Revolution stammen könnte, als man glaubte, den lieben Gott entbehren zu können. Er wurde damals, zumindest bildlich gesprochen, in Rente geschickt, um fortan ein schönes und sorgenfreies Leben in Frankreich führen zu können.

Wie auch immer, warum denn in Frankreich, habe ich mich gefragt, und könnte er es sich nicht auch im Saarland gut gehen lassen? Ich bin mir dessen völlig sicher, zumal man uns Saarländer historisch bedingt „im Reich“ ohnehin bis auf den heutigen Tage zuweilen noch heute gerne als Saarfranzosen tituliert, was allerdings eher nicht als Kompliment aufzufassen ist.

Umso wichtiger erscheint es mir als Autor, unseren Schöpfer auch mit dem kleinsten und schönsten Bundesland der Welt in Verbindung zu bringen, ein zweites Mal übrigens nach „Es geschah am achten Tag“, einer heiteren, illustrierten Geschichte im Zusammenhang mit der Erschaffung der Welt. Werfen Sie diesbezüglich doch einfach mal einen Blick in den Anhang, falls es sie interessieren sollte.

Im vorliegenden Buch habe ich mich allerdings ausschließlich auf das Schreiben konzentriert, zumal mir das erheblich leichter fällt als das Zeichnen. Lassen Sie sich einfach davon überraschen, was mir dabei so alles in den Sinn, und zuweilen wohl auch in den Unsinn gekommen ist, der mich beim Schreiben hin und wieder übermannt. Es ist jedenfalls reine Fantasie, die ich als überwiegend heitere Geschichte mit spirituellem Hintergrund charakterisieren möchte. Mit dieser Thematik habe ich mich in einigen meiner Bücher aber auch sehr ernsthaft beschäftigt. Ich finde allerdings, dass selbst einem derartigen Thema eine Portion Humor gut steht, was nach meiner festen Überzeugung auch für den lieben Gott selbst gilt, dem wir letztlich unseren Humor verdanken.

Die saarländische Mundart wollte ich in dieser Geschichte ebenfalls zu Wort kommen lassen, wie der Buchtitel bereits vermuten lässt. Allerdings finde ich es selbst sehr anstrengend, längere Texte ausschließlich in Mundart zu lesen, sodass ich mich diesbezüglich bewusst auf Dialoge in Mundart beschränkt habe, sozusagen als Salz in der Suppe.

Motiviert zum Schreiben dieser Geschichte hat mich zudem eine kleine Auszeichnung im Rahmen des Saarländischen Mundartpreises 2019, die ich durchaus als Verpflichtung erachte, der Mundart auch in einem meiner Werke einen gebührenden Platz zukommen zu lassen.

Doch genug der Vorrede, ich wünsche Ihnen viel Vergnügen met em liewe Gott im Saarland.

Raimund Eich

MAMA ELISA

Irgendwann im Saarland. Elisabeth, die Küsterin von St. Marien in Neunkirchen ist heute schon gut eine Stunde früher als sonst mit Waldi unterwegs. Der betagte Rauhaardackel heißt genau genommen eigentlich Waldemar, hat aber nie so richtig auf diesen Namen reagiert, bis sie ihn vor Jahren kurzentschlossen nur noch Waldi rief, was ihm offensichtlich viel besser gefällt. Waldi trottet allerdings zu der für ihn ungewohnten Zeit eher lustlos hinter ihr her. Eine Schnüffelrunde durch den Stadtpark genügt ihm mittlerweile vollkommen, während sie früher oft stundenlang mit ihm unterwegs war. Doch heute hätte sie ohnehin nicht länger Zeit für ihn, denn hoher Besuch hat sich in der Marienkirche angesagt. Sehr hoher sogar, denn der neue Bischof wird im Rahmen seiner Antrittsreise durch das Bistum Trier als erste Station die Kirche St. Marien in Neunkirchen besuchen, ihre Kirche, in der sie schon seit ein paar Jahrzehnten tätig ist.

Eine große Ehre für die Pfarrgemeinde St. Marien, zumal Bischof Gregor dort sogar eine Messe zelebrieren will. Das hat natürlich einen besonderen Hintergrund, von dem nur die Wenigsten wissen, denn der Bischof ist Mama Elisas Sohn, ihr Pflegesohn, um genau zu sein. Sie hat ihn vor langer Zeit in ihrer Familie aufgenommen, als er gerade mal fünf Jahre alt war. Doch woher der Name Mama Elisa, werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. Ich will es Ihnen verraten.

Gregors Eltern Olga und Boris waren irgendwann aus Weißrussland ins Saarland gekommen, wo Boris Arbeit im Neunkircher Eisenwerk fand, während Olga eine Halbtagsstelle als Haushaltshilfe im Pfarrhaus St. Marien annahm. So lernten sich die fast gleichaltrigen jungen Frauen damals kennen und schlossen schon bald Freundschaft miteinander, unternahmen gemeinsame Ausflüge und gingen am Wochenende auch mit ihren Männern zusammen aus.

Elisabeth und Olga wurden zudem fast zur gleichen Zeit schwanger, und beide brachten im Abstand von ein paar Wochen jeweils einen Jungen zur Welt, Olga ihren Gregor, und Elisabeth ihren Martin. Und beide Frauen übernahmen jeweils für das Kind der anderen die Patenschaft.

Martin und Gregor wuchsen fast wie Geschwister miteinander auf und gingen auch zusammen in den Kindergarten. Doch das gemeinsame Glück der beiden Familien sollte nur von kurzer Dauer sein und nahm ein schreckliches Ende, als Boris und Olga bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben kamen. Gregor und Martin waren zu dieser Zeit im Kindergarten.

Elisabeth und ihr Mann zögerten damals keine Sekunde, Gregor als Pflegekind in ihre Familie aufzunehmen. Da seine Eltern sonst keine Verwandten in ihrer neuen Heimat hatten, stimmte das Jugendamt dem auch sofort zu, da der Junge ansonsten in einem Kinderheim hätte untergebracht werden müssen.

Gregor war ein sehr dankbares Kind, das die Liebe, die ihm seine Pflegeeltern schenkten, schon nach einer relativ kurzen Zeit der Trauer anzunehmen und zu erwidern vermochte. Insbesondere zu Elisabeth entwickelte er eine besonders innige Beziehung und fragte sie eines Tages, ob er sie Mama Elisa nennen dürfe, weil seine richtige Mama ja jetzt beim lieben Gott im Himmel sei.

„Awwer nadierlich derfschd du das, mei Bub“, hatte Elisabeth daraufhin erwidert, „nur, eichendlich hääs isch jo met em richdiche Vorname Elisabeth unn net Elisa.“

„Joo, schonn“, hatte er darauf spontan erwidert, „awwer der Name iss doch viel zu lang. Isch will e korzer Name fa dich, wie bei meiner richdich Mama. Unn Elisa klingt doch e bissje so wie Olga, wenigschdens e ganz kläänes bissje, odder?“

Und so war aus der Pflegemama Elisabeth auf Kinderwunsch im Handumdrehen die Mama Elisa geworden, wobei diese schon nach kurzer Zeit von allen nur noch so genannt wurde.

Gregor war ein braver Junge und auch ein sehr guter Schüler, der sich mit Martin den Messdienern in St. Marien anschloss, die irgendwann mit dem Pfarrer, einem Kaplan und der Küsterin zusammen eine Reise nach Rom antraten und im Vatikan sogar an einer Papstaudienz teilnehmen durften. Ein unvergessliches Erlebnis, das den kleinen Gregor nachhaltig prägte. Jedenfalls stand fortan sein Berufsziel unumstößlich fest.

„Isch werre schbäder aach emol Pabschd“, sagte er, „unn dann wohne mir all dort in dem Riesepalaschd in Rom. De Martin werd Scheff von de Schweizer Leibgard unn kriehd aach so e scheenie Uniform aan, unn du kochschd dann dort fa uns all, Mama Elisa. Isch bezahle dich aach guud.“

„Ei prima, mei Bub, so mache ma das dann“, hatte sie damals erwidert, worauf alle außer Gregor in schallendes Gelächter ausgebrochen waren.

„Wardens nur ab, ihr werre schon siehn“, hatte er daraufhin trotzig erwidert.

Ein paar Jahre später machten die beiden ihr Abitur am Steinwaldgymnasium. Gregor bewarb sich danach tatsächlich zur Ausbildung am Priesterseminar Trier, während Martin eine kaufmännische Ausbildung in einem Industrieunternehmen absolvierte. Irgendwann danach verließen die beiden das Elternhaus, was Elisabeth damals sehr schwer fiel, wie ihr jetzt wieder in den Sinn kommt. Und als Ersatz für ihre beiden Söhne trat dann eines Tages völlig unerwartet ein kleiner Dackelwelpe auf den Plan, den sie bei einem Waldspaziergang mit ihrem Mann angebunden an einem Baum und an allen Gliedern zitternd vorfanden und spontan mit nach Hause nahmen. Und seit dem Tod ihres Mannes ist nun der Waldi zu ihrem einzigen Lebensgefährten aufgestiegen, den sie abgöttich liebt und hoffnungslos verwöhnt.