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Ein Jahr. Fünf Millionen Dollar. Ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann. Escort Ruby Scott ist es gewohnt, im Bett einer wohlhabenden Frau aufzuwachen. Womit sie nicht gerechnet hat, ist, mit einem Ring am Finger und verheiratet mit Yvonne Maxwell aufzuwachen, eine der Führungskräfte des Mistress Media Imperiums, und einer ebenso verführerischen wie kalten Frau. Seit zehn Jahren sitzt Yvonne auf einem Erbe, das sie nicht anrühren kann, solange sie nicht verheiratet ist. Eine Begegnung mit einer Escort in Las Vegas bietet die perfekte Lösung – eine Zweckehe. Als Gegenleistung dafür, dass sie ein Jahr lang die Rolle ihrer Ehefrau spielt, gewährt Yvonne Ruby ein Leben voller Luxus, Glamour und mehr Geld, als sie sich jemals erträumen kann. Yvonne beharrt darauf, dass ihre Beziehung rein professionell bleibt. Aber als Rubys unterwürfige Seite erwacht, kann Yvonne der Versuchung nicht widerstehen. Und Ruby ist berauscht von der gebieterischen Frau und der Erlösung, die sie verschafft. Während sie immer tiefer in Yvonnes dekadente Welt der Verführung und Machtspiele eintaucht, versuchen beide Frauen, ihre Herzen in ihrer Vereinbarung nicht zu verlieren. Aber als die vorgetäuschte Ehe gefährdet ist, müssen Ruby und Yvonne feststellen, dass sie weit mehr zu verlieren haben als das Erbe.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
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Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Epilog
Bücher von Anna Stone
Über die Autorin
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Ruby betrat die Hotelbar. Es war schon nach zwei Uhr morgens, aber der Raum war wie immer noch gut besucht. Die Aufregung auf dem Vegas Strip hörte nie auf.
Sie nahm an einem Tisch in der Mitte zwischen Bar und Eingang Platz, der perfekte Ort zum Leute beobachten.
Und der perfekte Ort für andere, um Ruby zu sehen.
Eine Kellnerin kam, um ihre Bestellung aufzunehmen. Während Ruby auf ihr Getränk wartete, schlug sie die Beine übereinander, lehnte sich zurück und betrachtete den Raum. Das Hotel war eines der exklusivsten Etablissements auf dem Strip, um nicht zu sagen, eines der teuersten. Die Gäste waren von höchstem Kaliber, allesamt wohlhabend, der Oberschicht angehörend und mit anspruchsvollem Geschmack.
Es war der ideale Ort für Ruby, um Kunden zu finden. Und sie brauchte Kunden. Sie war schon viel zu lange aus dem Escort-Geschäft draußen, nachdem sie eine langfristige Vereinbarung mit einem Kunden eingegangen war. Nach dem Ende der Vereinbarung hatte Ruby einen Job als Kellnerin angenommen, den sie aber nach ein paar Wochen wieder aufgegeben hatte, um erneut als Escort arbeiten zu können.
Der Wiedereinstieg erwies sich jedoch als schwierig. Obwohl es viele Interessenten gab, hatte Ruby Schwierigkeiten, jemanden zu finden, den sie als Kunden annehmen wollte. Es hätte einfach sein sollen. In der Vergangenheit hatte sie sich ihre Kunden nach Belieben aussuchen können. Ruby war nicht irgendeine Escort. Nur die Wohlhabendsten konnten sich auch nur eine Minute ihrer Zeit leisten. So hatte sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können, ohne sich abmühen zu müssen. Zumindest bis jetzt.
Ruby musste bald anfangen, Geld zu verdienen. Sie befand sich mit der Miete im Rückstand. Ihre Kreditkarten waren überzogen. Sie war pleite.
Die Kellnerin kam mit ihrem Getränk zurück. Ruby nippte langsam daran, während sie die Menge beobachtete. Was hatte sich verändert? Hatte sie ihr Gespür verloren? Sie war immer gut in ihrem Job gewesen. Sie wusste genau, was ihre Kunden wollten. Sie wollten die Erfahrung erleben, eine junge, schöne Frau zu haben, die ihnen vom Abendessen bis zu intimeren Aktivitäten zur Verfügung stand. Sie wollten eine ganzheitliche Erfahrung, und Ruby lieferte genau das.
Und sie wusste, wie man die richtige Kundschaft anzog. Sie trug ein Designerkleid und -schuhe. Ihr ausgewählter Schmuck war teuer, aber dezent. Sie hatte für ihre Outfits hart gespart oder sie von früheren Kunden geschenkt bekommen, damit sie deren Ansprüchen gerecht wurde. Ihr dunkelblondes Haar war perfekt gestylt, und sie hatte gelernt, sich mit Raffinesse und Klasse zu bewegen, was sie als Escort der besonderen Art auszeichnete.
Natürlich war das alles nur Illusion. Schon bevor sie eine Auszeit von der Escort-Branche genommen hatte, war Rubys Leben alles andere als glamourös gewesen. Sie verbrachte die meiste Zeit damit, in ihrer schäbigen Einzimmerwohnung in Jogginghosen herumzulungern. Das mühelose Selbstvertrauen und der Charme, den sie für ihre Kunden ausstrahlte? Auch das war Illusion. Sie war ein einziges Durcheinander voller Ängste und unbezahlter Rechnungen.
Ruby seufzte. Warum fiel ihr das so schwer? Könnte es sein, dass das Problem sie selbst war? Könnte es sein, dass sie einfach nicht mehr mit dem Herzen dabei war? Das wäre verständlich, wenn man berücksichtigte, was mit ihrem letzten Kunden geschehen war. Mit der Zeit war diese Person weit mehr als nur ein Kunde geworden.
Und dann hatte er sie mitsamt ihrem Leben zerstört.
Seitdem hatte Ruby alles versucht, um die Scherben aufzusammeln, um ihr Leben wieder zusammenzufügen, sich selbst wieder aufzubauen. Aber nachdem sie so lange machtlos gewesen war, wusste sie nicht einmal, wo sie anfangen sollte.
Ruby setzte sich aufrechter hin. Sie wollte sich davon nicht unterkriegen lassen. Sie wollte wieder ins Geschäft einsteigen.
Sie rührte in ihrem Getränk, einem Martini, und sah sich weiter im Raum um. Dabei bemerkte sie eine Frau durch die Tür kommen.
Ruby beobachtete die Frau verstohlen. Sie hatte langes braunes Haar, das fast schwarz wirkte, und dunkle, bezaubernde Augen. Ihr elegantes schwarzes, schulterfreies Kleid war figurbetont, aber auf geschmackvolle Weise. Sie war eher klein, aber ihr selbstbewusstes Auftreten und die zielstrebige Art, wie sie ging, ließen ihre Anwesenheit weitaus imposanter erscheinen. Einige Köpfe drehten sich um, als sie vorbeiging, aber die Frau beachtete sie nicht. Sie setzte sich einfach an die Bar und bestellte einen Drink.
Ruby nahm einen weiteren Schluck von ihrem Martini. Wenn sie eines gelernt hatte, dann, dass die Art von Frauen, die ihre Dienste in Anspruch nahmen – reich, mächtig, selbstbewusst in ihrer Sexualität – extrem spezifische Wünsche hatten. Einige von ihnen waren im Bett genau so, wie in allen anderen Bereichen ihres Lebens – souverän und beherrschend. Andere waren das genaue Gegenteil, sie suchten bei Ruby Zuflucht vor ihrem anspruchsvollen Leben, wollten loslassen und ihr die Zügel in die Hand geben.
Sie wusste, welchen Typ sie bevorzugte. Welche Art von Frau war diese dunkelhaarige Göttin?
Ruby war zu voreilig. War diese Frau überhaupt an Frauen interessiert? War sie auf der Suche nach Gesellschaft?
Ruby musterte sie, auf der Suche nach Antworten. Die Barkeeperin stellte die Bestellung vor der Frau ab, eine Flasche erstklassigen Scotch und ein einzelnes Glas. Das war ein gutes Zeichen. Zunächst einmal bedeutete es, dass die Frau wohlhabend genug war, um sich Rubys Zeit leisten zu können. Und was noch wichtiger war: Es deutete darauf hin, dass sie ihre Sorgen wegtrinken wollte. Ruby hatte die Erfahrung gemacht, dass Menschen in einer solchen Situation genauso gerne Gesellschaft benötigten, wie sie trinken wollten.
Die Hauptaufgabe von Rubys Arbeit lag darin, Gesellschaft zu leisten. Ihre intimeren Dienste? Die konnte jeder anbieten. Aber die Gesellschaft einer schönen, glamourösen Frau, die jedem Wort zuhörte, war etwas, das viel schwieriger zu bekommen war. Es war nicht ungewöhnlich, dass ihre Kunden ihre Herzen ausschütteten, ihre tiefsten Sehnsüchte und dunkelsten Geheimnisse zwischen den Laken preisgaben.
Welche Geheimnisse hütete diese Frau? Welche Sehnsüchte verbarg sie?
Plötzlich schaute die Frau in Rubys Richtung. Ihr Blick fiel auf Ruby, streifte über ihren Körper und kehrte dann zu ihren Augen zurück. Rubys Puls beschleunigte sich. Der Blick der Frau war nicht gierig oder lüstern, wie die Blicke, die so viele von Rubys potenziellen Kunden ihr zuwarfen. Aus den Augen der Frau sprach ein Verlangen, das mehr als nur körperlich war. Es war, als würde sie versuchen, tiefer in Ruby hineinzublicken.
Eins war sicher. Diese Frau wollte sie auf eine Weise, die Ruby nicht ganz verstand.
Ruby hielt dem Blick der Frau stand und ignorierte ihr rasendes Herz. Sie hatte dieses Spiel oft genug gespielt, um zu wissen, was als Nächstes passieren würde. In wenigen Augenblicken würde die Frau zu ihr kommen und mit ihr sprechen.
Doch stattdessen drehte sich die Frau wieder um und starrte auf ihren Drink.
Ruby schlug die Beine übereinander und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen. Die Frau musste also noch etwas überzeugt werden. Das würde nicht allzu schwer sein. Ruby würde warten, bis die Frau wieder in ihre Richtung sehen würde, und dann würde sie der Frau ein kokettes, einladendes Lächeln schenken. Dann würde die Frau direkt auf Ruby zugehen und sie erobern, in dem Irrglauben, es sei ihre eigene Idee gewesen. So funktionierte es.
Doch während die Minuten verstrichen, würdigte die Frau Ruby keines Blickes mehr. Sie tat auch sonst nichts. Sie starrte einfach weiter auf ihr Getränk.
Ruby runzelte die Stirn. Vielleicht benötigte die Frau eine kleine Ermutigung. Ruby überließ gerne den Kunden den ersten Schritt, aber dies war ein besonderer Fall. Ruby brauchte einen Kunden, und diese Frau erweckte ihre Neugier. Die Frau war auch an ihr interessiert, aber es war klar, dass sie nicht den ersten Schritt wagen würde. Das würde Ruby selbst erledigen müssen.
Warum also ließ der Gedanke, sich der Frau zu nähern, ihre Brust beben? Die Wirkung, die die Frau auf Ruby hatte, war gefährlich. Wenn es um ihren Job ging, konnte sie nur allzu leicht verletzt werden, sobald sie Gefühle zuließ. Sie hatte ihre Lektion durch ihren letzten Kunden gelernt. Ruby musste einen kühlen Kopf bewahren.
Sie riss sich zusammen. Die Frau war nur eine weitere potenzielle Kundin.
Ruby nahm ihr Getränk in die Hand und ging zur Bar.
* * *
Yvonne starrte auf die Flasche Scotch vor ihr. Sie war in die Bar gekommen, nachdem sie die Junggesellinnenparty ihrer Freundin verlassen hatte. Ursprünglich hatte sie vorgehabt, sich für die Nacht schlafen zu legen, aber sie war zu aufgewühlt. Sich stattdessen die Sorgen wegzutrinken, war nicht die klügste Entscheidung, vor allem wenn man bedenkt, wie viel sie dieses Wochenende bereits getrunken hatte. Normalerweise war sie verantwortungsbewusster.
Aber heute Abend hatte sie einen triftigen Grund zum Trinken.
Yvonne nahm die Flasche in die Hand und goss ein paar Finger breit den Scotch in ihr Glas. Sie starrte auf das Glas und schwenkte es hin und her. Millionen von Dollar. Ihr Erbe.
Und sie stand kurz davor, es zu verlieren.
„Das ist ganz schön viel Scotch für eine Person.“
Yvonne wandte sich der Stimme zu. Neben ihr stand eine große, schlanke Frau mit langem, dunkelblondem Haar, wie Altgold. Sie trug ein elegantes rotes Kleid und schwarze Pumps. Ihre Augen waren hellblau und ihre Lippen in demselben einladenden Karminrot wie ihr Kleid. Yvonne hatte die Frau schon zuvor bemerkt. Es war unmöglich, jemanden wie sie zu übersehen.
Aber Yvonne war im Moment nicht an Gesellschaft interessiert. Ohne die Frau zu beachten, wandte sie sich wieder ihrem Drink zu und nahm einen großen Schluck.
Die Frau setzte sich auf den Stuhl neben Yvonne, ein Martini-Glas in der Hand. „Keine Sorge, ich habe selbst etwas zu trinken. Ich dachte nur, Sie könnten etwas Gesellschaft gebrauchen. Übrigens, ich bin Ruby.“
Yvonne stellte ihr Glas ab und sah Ruby wieder an. Ruby lächelte. Ihre roten Lippen waren so verführerisch, ihre neckischen Augen schienen um Yvonnes Aufmerksamkeit zu betteln.
Yvonne unterdrückte ein Seufzen. Offensichtlich war sie zu gestresst, denn sie hatte viel zu lange gebraucht, um zu begreifen, was vor sich ging.
„Ich brauche keine Escort“, sagte sie.
„Wie kommen Sie darauf, dass ich eine Escort bin?“, fragte Ruby.
„Es kommt nicht oft vor, dass mich Frauen in Bars ansprechen. Oder eher überhaupt nie.“ Yvonne war sich sehr wohl bewusst, dass sie eine einschüchternde Ausstrahlung besaß. Das war ein Vorteil. Es hielt die Leute fern. Die meisten Leute.
Ruby strich sich ihr langes Haar über die Schultern. „Vielleicht bin ich die Einzige, die wild genug ist.“
„Eigentlich ist es mir so lieber.“
„Oh? Sie sind also der Typ, der gerne die Jagd aufnimmt? Das bevorzuge ich auch bei Frauen.“ Ruby schaute Yvonne mit schweren Augenlidern an. „Sie sind genau mein Typ.“
Yvonne warf Ruby einen harten Blick zu. „Das sagen Sie, und doch sind Sie hierhergekommen und haben sich wie ein Köder vor mir baumeln lassen. Ich durchschaue Ihr Spiel.“
Rubys Wangen färbten sich scharlachrot, und sie senkte den Blick. Anscheinend war sie es nicht gewohnt, dass man sie auf ihre Spielchen ansprach. Yvonne verspürte einen Anflug von Genugtuung.
Aber Ruby gewann schnell ihre Fassung wieder. „Welches Spiel? Ich war es leid, darauf zu warten, dass Sie auf mich zugehen, das ist alles.“ Sie sah wieder zu Yvonne auf, ihre honigsüße Stimme senkte sich. „Und jetzt, wo ich hier bin, gehöre ich ganz Ihnen.“
Verlangen kribbelte über Yvonnes Haut. Rubys schüchternes Verhalten war vielleicht nur Show, aber sie konnte nicht vortäuschen, wie sich ihre Haut rötete, als Yvonne ihr diesen strengen Blick zugeworfen hatte …
Nein. Ruby war eine Escort. Es war ihr Job, so zu sein, wie ihre Kunden sie haben wollten. Und obwohl Yvonne eine Schwäche für Frauen hatte, die ihr gerne gefallen wollten, hatte sie kein Interesse an einer Frau, die ihr für Geld gefallen wollte. Yvonne wollte eine Frau, deren Bedürfnis, zu dienen, viel tiefer reichte. Sie bezweifelte, dass Ruby wirklich solche Wünsche hegte.
„Sie verschwenden Ihre Zeit“, sagte Yvonne. „Ich brauche keine Escort.“
„Nun“, sagte Ruby. „Es war eine ruhige Nacht für mich. Und es ist schon spät, also werde ich heute Abend keine Kunden mehr finden. Wenn ich diesen Drink ausgetrunken habe, mache ich Schluss für heute. Wie wäre es also, wenn wir bis dahin noch ein wenig plaudern?“
Yvonne hob eine Augenbraue. Ruby ließ also den Vorwand fallen, eine Escort zu sein? Das war offensichtlich nur eine Änderung der Taktik, ein weiterer Versuch, Yvonne unvorsichtig werden zu lassen. Aber Yvonne wollte nicht auf Rubys Tricks hereinfallen. Sie mochte es nicht, wenn man mit ihr spielte.
Aber es machte ihr Spaß, Ruby zappeln zu lassen.
„In Ordnung“, sagte Yvonne. „Lassen Sie uns plaudern.“
Ruby legte einen Arm auf die Bar. „Also, was führt Sie nach Vegas?“
„Eine meiner Freundinnen heiratet. Wir sind für ihr Junggesellinnen-Wochenende hier.“
„Klingt nach Spaß.“
„Vielleicht, wenn Sie leicht zu unterhalten sind.“ Vegas war nicht Yvonnes Vorstellung von Spaß, aber Yvonne war Trauzeugin, also hatte sie keine andere Wahl, als mitzukommen. Das und die ständige Erinnerung an alles, was mit der Ehe zu tun hatte, hatten sie das ganze Wochenende über in schlechter Laune gehalten.
Das schien sich in Yvonnes Gesicht zu spiegeln. „Sie scheinen sehr beschäftigt zu sein“, sagte Ruby. „Haben Sie etwas auf dem Herzen?“
Yvonne spottete. „Was mir durch den Kopf geht, übersteigt Ihre Gehaltsklasse.“
„Sie würden sich wundern. Die Leute sprechen oft mit mir über ihre Probleme. Das gehört einfach dazu.“
„Sie geben also zu, dass Sie eine Escort sind?“
„Vielleicht bin ich Therapeutin.“ Ruby rührte ihr Getränk mit dem Zahnstocher und wirbelte die Oliven darin herum. „Also, was ist es? Geht es um eine Frau?“
„Wie kommen Sie darauf, dass ich auf Frauen stehe?“
Ruby zuckte mit den Schultern. „Das ist nur so ein Gefühl. Sie stehen also auf Frauen?“
Yvonne fixierte Ruby mit ihren Augen. „Und Sie?“
Da war sie wieder, diese leichte Röte, die Rubys Wangen bei Yvonnes Worten hinaufkroch. Yvonne unterdrückte ein Lächeln. Sie hatte Ruby um den Finger gewickelt.
Aber Rubys zuversichtliche Fassade kehrte schnell zurück. „Ich wäre nicht hier, wenn es nicht so wäre. Also, was ist passiert?“
Yvonne verschränkte die Arme vor der Brust und musterte Ruby. War es leichtsinnig, einer Fremden, einer Escort, die sie in einer Bar kennengelernt hatte, von ihrem Erbe zu erzählen? Wahrscheinlich. Sie bezweifelte jedoch, dass diese Frau in der Lage war, sie über den Tisch zu ziehen. Yvonne war nicht leicht zu manipulieren. Sie war eine der erfolgreichsten Geschäftsfrauen des Landes und hatte den Ruf, rücksichtslos und unnachgiebig zu sein. Trotz Rubys Versuchen, sie zu verführen, war es klar, dass Yvonne die Oberhand hatte.
„Also gut“, sagte sie. „Hier ist die Kurzversion. Als mein Vater starb, hinterließ er mir ein Erbe. Aber es ist an Bedingungen geknüpft. Um darauf zugreifen zu können, muss ich innerhalb von zehn Jahren nach seinem Tod heiraten.“
Yvonnes Vater hatte es nie gefallen, dass sie lesbisch war. Er hatte vieles an seiner Tochter nicht gemocht, aber das war ein wesentlicher Streitpunkt. Er hatte natürlich gehofft, dass die Bedingungen des Erbes sie dazu bewegen würden, eine Beziehung mit einem Mann einzugehen, aber er hatte nicht festgelegt, welches Geschlecht Yvonne heiraten musste. Ihr Vater war so altmodisch, dass ihm die Möglichkeit der Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen nie in den Sinn gekommen war.
Aber das war für Yvonne keine Hilfe gewesen. Sie war nicht der Typ für eine Beziehung, geschweige denn eine Ehe.
„Es ist fast zehn Jahre her, dass mein Vater gestorben ist“, sagte Yvonne. „Und ich bin unverheiratet, was bedeutet, dass das ganze Geld stattdessen an meinen Halbbruder gehen wird.“ Es war schon schlimm genug, dass Nicholas den größten Teil des Vermögens von Yvonnes Vater geerbt hatte. Jetzt sollte er auch noch den Rest davon bekommen.
„Hm.“ Ruby nahm den Zahnstocher aus ihrem Drink, schob ihn in ihren Mund und pflückte die Oliven herunter. „Es gibt also wirklich keine Möglichkeit, die ganze Sache mit der Ehe zu umgehen? Keine Schlupflöcher?“
„Wenn es eines gäbe, hätte ich es gefunden.“ Yvonne hob ihren Scotch an und trank einen Schluck. „Ich habe es bereits akzeptiert. Das Geld ist so gut wie weg.“ Sie hatte sich mit dieser Tatsache bereits abgefunden, obwohl sie nicht glücklich darüber war.
Zwischen den beiden herrschte Schweigen. Yvonne war nicht überrascht, dass Ruby nichts zu ihrem Problem zu sagen hatte. Allerdings musste Yvonne zugeben, dass sie von der Frau fasziniert war, obwohl sie nicht die Absicht hatte, Rubys Dienste in Anspruch zu nehmen. Sie schlief nicht mit Escorts.
Aber es konnte nicht schaden, Rubys Gesellschaft noch ein wenig länger zu genießen.
Ruby nahm einen letzten Schluck ihres Cocktails und leerte ihr Glas. „So, das war’s mit meinem Drink.“ Sie stand auf. „Es war schön, mit Ihnen zu plaudern.“
Sie schaute Yvonne an, mit einem Hauch von Enttäuschung in ihren Augen. Als Yvonne nichts sagte, drehte sie sich um und begann zu gehen.
„Warten Sie“, befahl Yvonne.
Ruby hielt inne und drehte sich zu Yvonne um.
Yvonne winkte ihr mit einem Finger zu. „Trinken Sie Scotch?“
Ruby nickte.
„Sie hatten recht. Das ist zu viel Scotch für eine Person. Warum helfen Sie mir nicht damit?“
Rubys Lippen schürzten sich leicht. Sie schenkte Yvonne ein verlockendes Lächeln. „Wie ich schon sagte, ich gehöre ganz Ihnen.“
Für den Bruchteil einer Sekunde fragte sich Yvonne, ob das eine schlechte Idee war. Sich mit einer Escort in Vegas zu betrinken? Das war unverantwortlich.
Sie schob den Gedanken beiseite und bemerkte den Blick des Barkeepers. Er kam zu ihnen herüber.
„Wir benötigen ein weiteres Glas“, sagte Yvonne.
Ruby wachte mit pochenden Kopfschmerzen auf. Es war, als hätte jemand einen Presslufthammer gegen ihren Schädel geschlagen. Als sie sich umdrehte, überkam sie eine Welle der Übelkeit.
Sie stöhnte. So einen schlimmen Kater hatte sie seit ihrem neunzehnten Lebensjahr nicht mehr gehabt.
Ruby lag mit geschlossenen Augen da und wartete darauf, dass die Welt aufhörte, sich zu drehen. Sie lag definitiv nicht in ihrem eigenen Bett. Die Laken, die sie einhüllten, waren zu weich, die Matratze zu federnd. In wessen Bett war sie? In dem eines Kunden? Sie konnte sich kaum noch an etwas erinnern.
Ruby öffnete die Augen und hob sofort eine Hand, um sich vor dem grellen Sonnenlicht zu schützen, das durch das Fenster fiel. Es schien später Vormittag zu sein. Sie sah sich im Zimmer um. Es war eine der Premium-Suiten im Hotel der Bar, in der sie am Abend zuvor gewesen war. Sie war nur einmal in einer solchen Suite gewesen. Nur die wirklich verschwenderischen Leute konnten es sich leisten, was es für die meisten Leute unerschwinglich machte, selbst für ihre üblichen Kunden.
Sie warf einen Blick auf die Bettseite neben ihr. Sie war allein. Zumindest erinnerte sie sich daran, wen sie erwartet hatte – die Frau aus der Bar. Sie zerbrach sich den Kopf über ihren Namen. Yvonne. Nachdem sie sich in der Bar getroffen hatten, hatten sie und Yvonne ihr Bestes gegeben, um die Flasche Scotch auszutrinken. Alles, was danach kam, war verschwommen. Hatten sie Sex? Das war unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass Yvonne darauf bestanden hatte, dass sie nichts mit Escorts zu tun haben wollte. Und Ruby mischte nie große Mengen Alkohol mit Sex.
Warum hatte sie dann das Gefühl, etwas Leichtsinniges getan zu haben?
Ruby strich sich die Haare aus dem Gesicht. Dabei spürte sie, wie das Metall eines Rings ihre Haut streifte. Das war merkwürdig. Normalerweise trug sie keine Ringe. Noch im Halbschlaf führte sie ihre Hand vor ihr Gesicht. Ihre linke Hand.
Sie trug einen goldenen Ring an ihrem linken Ringfinger.
Oh nein.
Ruby setzte sich kerzengerade auf. Schlechte Idee. Eine Welle der Übelkeit überkam sie, aber dieses Mal zog sie nicht vorbei. Sie kletterte aus dem Bett, ihre Beine verhedderten sich in den Laken, und machte sich auf den Weg ins nahe gelegene Badezimmer. Sie schloss die Tür hinter sich und fiel vor der Toilette auf die Knie, gerade noch rechtzeitig, bevor der Inhalt ihres Magens wieder hochkam.
Als sie sicher war, dass ihr Magen leer war, spülte Ruby die Toilette und ging zum Waschbecken, wobei ihr immer noch schwindelig war. Sie spülte sich gerade den Mund aus, da hörte sie ein Klopfen an der Badezimmertür.
„Ruby?“
Sie erstarrte. Sie kannte die Stimme vom Vorabend. Yvonne. Ruby stützte sich auf der Arbeitsplatte des Waschbeckens ab, als ihr wieder schwindelig wurde.
Yvonne rief wieder ihren Namen. „Bist du da drin?“
„Ja“, krächzte Ruby. „Ich komme gleich raus.“
Ruby hörte, wie sich Yvonnes Schritte von der Tür entfernten, während die Welt sich wieder aufrichtete. Was zum Teufel war in der Nacht zuvor passiert? Sie erinnerte sich an ihr Gespräch in der Bar. Yvonne hatte Ruby erzählt, dass sie ein Erbe erhalten würde, das sie nur beanspruchen konnte, wenn sie verheiratet wäre. Und nun stand Ruby im Badezimmer von Yvonnes Suite und trug einen Ehering.
Nein. Auf keinen Fall.
Ruby holte ein paar Mal tief Luft. Sie musste herausfinden, was passiert war. Sie spritzte sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht und betrachtete sich im Spiegel. Sie war ein Wrack, ihr Haar ein Chaos und ihre Augen geschwollen.
Warum dachte sie überhaupt darüber nach, wie sie aussah? Sie hatte viel größere Probleme.
Ruby holte noch einmal tief Luft und öffnete die Badezimmertür, um Yvonne auf der Bettkante sitzend vorzufinden. Sie sah genauso hypnotisierend aus wie am Abend zuvor. Wieder trug sie ein schwarzes Kleid, dieses Mal ein einfacheres. Ihr dunkles Haar war zu einem Dutt hochgesteckt, ihre haselnussbraunen Augen leuchteten im Tageslicht grün. Sie hatte die Arme verschränkt und musterte Ruby mit zusammengekniffenen Augen, ihr Blick war unergründlich.
Rubys Blick glitt hinunter zu Yvonnes linker Hand. Tatsächlich trug sie einen goldenen Ehering, der zu Rubys passte. Rubys Magen drehte sich um. Einen Moment lang dachte sie, sie müsste sich wieder übergeben.
„Ruby.“ Yvonne wies auf einen Stuhl in der Ecke. „Warum setzt du dich nicht?“
„Ich bleibe lieber stehen.“ Vielleicht musste sie noch einmal zur Toilette laufen.
Zwischen den beiden herrschte Schweigen. Yvonne studierte Ruby weiter, ihr Verhalten war ruhig und unergründlich. Warum flippte sie nicht so aus wie Ruby?
Schließlich ergriff Yvonne das Wort. „Du erinnerst dich nicht an letzte Nacht, oder?“
Ruby schüttelte den Kopf. „Nein, an gar nichts.“
„Dann sind wir schon zwei.“
Ruby runzelte die Stirn. Wenn Yvonne sich an nichts erinnern konnte, warum war sie dann so ruhig? Die Tatsache, dass sie jetzt mit einer Fremden verheiratet war, schien sie überhaupt nicht zu beunruhigen. Was war hier los?
„Das Letzte, woran ich mich erinnere, ist, dass ich uns beiden noch eine Runde Scotch eingeschenkt habe“, sagte Yvonne. „Dann bin ich aufgewacht und fand einen Ring an meinem Finger und dich in meinem Bett. Das habe ich auf dem Tisch gefunden.“ Sie hielt ein Stück Papier hoch. Es war eine Heiratsurkunde, auf der ihre beiden Namen standen. „Offensichtlich dachten wir, dass dies eine gute Lösung für meine Erbschaftsangelegenheit sei.“
Ruby erinnerte sich nur vage an die Nacht. Sie hatten die Hotelbar verlassen, um Gott weiß, wohin zu gehen. Sie hatten noch mehr getrunken. Schließlich waren sie in einer kleinen „Kapelle“ gelandet und standen vor einem als Elvis verkleideten Standesbeamten. Ruby erinnerte sich an nichts, was dazwischenlag, wie etwa, wann und warum sie beschlossen hatten, zu heiraten.
Ruby schüttelte den Kopf. „Wir müssen das annullieren.“
„Wenn du das willst“, sagte Yvonne. „Wir können die Ehe annullieren lassen, mit der Begründung, dass wir nicht in der Lage waren, der Ehe zuzustimmen, weil wir betrunken waren. Wir füllen ein paar Formulare aus, und es wird so sein, als wäre das nie passiert.“
Ruby atmete erleichtert auf.
„Aber es gibt auch eine andere Möglichkeit.“
Ruby erstarrte. „Was meinst du?“
„Wir können die Situation ausnutzen. Wir können verheiratet bleiben. Wir können eine Art Vereinbarung treffen.“
„Willst du verheiratet bleiben?“
„Nur so lange, bis ich mein Erbe erhalten kann. Natürlich werde ich dafür sorgen, dass es sich für dich lohnt.“
Ruby schüttelte den Kopf. Das war eine verrückte Idee. Außerdem wusste Ruby, dass sie sich nicht auf eine Vereinbarung mit einer Kundin einlassen sollte, besonders nicht nach dem letzten Mal, als sie das getan hatte.
Es gab nichts, was dies lohnend gestalten könnte. Oder?
„Wie würde es sich für mich lohnen?“, fragte Ruby.
„Es ist ganz einfach. Wenn ich das Erbe erhalte, bekommst du einen Teil des Geldes“, sagte Yvonne. „Was hältst du von einer Million?“
Rubys Augen weiteten sich. „Eine Million Dollar?“
„Natürlich gibt es zusätzliche Vorteile als meine Ehefrau. Ich bin sicher, dass eine Frau wie du an Luxus gewöhnt ist, aber der Luxus, den ich dir bieten kann, geht über den grellen Glanz von Vegas hinaus.“ Sie winkte mit der Hand durch den Raum. „Du wirst alles haben, was du dir nur wünschen kannst.“
Ruby drehte den Ring abwesend um ihren Finger. Das klang wirklich verlockend.
„Eine der Bedingungen für das Erbe ist, dass ich ein Jahr lang verheiratet bleiben muss, um den vollen Betrag zu bekommen. Aber sobald das Jahr um ist und ich das Geld habe, bekommst du deinen Anteil, und wir können uns scheiden lassen und getrennte Wege gehen.“
Ein Jahr. Das war eine lange Zeit. Aber eine Million Dollar war so viel Geld. Es gab so viele Dinge, die Ruby damit anstellen konnte. Wenn sie klug war, konnte sie sich damit ein Leben aufbauen.
„Was willst du dafür?“, fragte sie.
„Dass du meine Ehefrau bist“, antwortete Yvonne. „Zumindest für Außenstehende. Um mein Erbe anzutreten, brauche ich einen Zeugen, der bestätigt, dass unsere Beziehung echt ist, also müssen wir die Welt davon überzeugen, dass wir ein echtes Ehepaar sind. Du wirst bei mir wohnen, in meiner Wohnung. Die meiste Zeit wirst du tun und lassen können, was du willst. Du wirst deinem eigenen Leben nachgehen.“ Yvonne schlug ein schlankes Bein über das andere. „Aber wenn ich dich an meiner Seite brauche, als meine Frau, dann gehörst du mir.“
Ein Schauer durchzuckte Rubys Körper. „Ich weiß nicht.“
„Ich würde dir Bedenkzeit geben, dich zu entscheiden, aber leider habe ich im Moment keine Zeit. Ich fliege heute Abend aus Vegas ab. Du hast bis heute Nachmittag um 16 Uhr Zeit, darüber nachzudenken.“
Es war schon fast Mittag. Das war nicht genug Zeit, um eine so wichtige Entscheidung zu treffen.
Moment, ziehe ich das ernsthaft in Betracht?
„In der Zwischenzeit“, fuhr Yvonne fort, „werde ich die Papiere für die Annullierung ausfüllen. Wenn du dich entscheidest, die Annullierung durchzuziehen, werde ich sie einreichen. Aber wenn du mein Angebot annimmst, bleiben wir verheiratet, und du fliegst mit mir nach Hause.“
Ruby nickte. Sie war so überwältigt, dass sie nichts anderes tun konnte.
Yvonne erhob sich vom Bett und strich ihr Kleid glatt. „Ich muss mich mit meinen Freundinnen zum Mittagessen treffen. Du kannst das Zimmer für den Rest des Tages behalten. Bestell dir etwas vom Zimmerservice, mach, was du willst.“ Yvonne richtete ihren Blick auf Ruby. „Betrachte es als einen Vorgeschmack auf das, was dich erwartet, wenn du dich auf unsere Vereinbarung einlässt.“
Ruby stockte der Atem. Yvonnes Blick hatte diese Wirkung auf sie. Und er brachte sie dazu, zustimmen zu wollen.
„Wir sehen uns heute Nachmittag in der Bar, wo wir uns kennengelernt haben“, sagte Yvonne. „Du erinnerst dich doch daran, wo wir uns getroffen haben, oder?“
Ruby nickte.
„Gut.“ Yvonne hielt inne. „Damit das klar ist: Ich habe die Nacht auf der Couch verbracht. Wir haben nicht miteinander geschlafen.“
Mit diesen Worten drehte sie sich um und verließ den Raum.
Ruby ging benommen zum Bett hinüber und legte sich hin. Ihr Kopf schwirrte sowohl vom Kater als auch von Yvonnes Angebot. Eine Million Dollar? Ein Jahr, verheiratet mit einer Fremden, und einer unglaublich attraktiven noch dazu?
Sie blickte auf den Ring an ihrem Finger. Warum zögerte sie? Sie benötigte dringend das Geld. Ihre Kreditkarten waren überzogen, und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie nach Hause kommen und einen Räumungsbefehl an ihrer Tür vorfinden würde. Es hätte ein Kinderspiel sein müssen. Sie hatte schon früher solche Jobs angenommen, Jobs, die langfristig und exklusiv waren. Aber das letzte Mal, als sie so einen Job angenommen hatte, war aus ihrem Kunden etwas mehr geworden. Sie waren eine Beziehung eingegangen.
Und diese Beziehung hatte sie erschüttert.
Ruby schüttelte sich. Das war nicht wie beim letzten Mal. Diesmal würde es sich um eine rein geschäftliche Transaktion handeln, bei der keine Gefühle im Spiel sein würden. Ruby hatte definitiv nicht vor, Gefühle einzubringen. Sie fühlte sich zwar stark zu Yvonne hingezogen, aber das war nur auf der körperlichen Ebene. Ruby empfand Yvonnes Anwesenheit als unwiderstehlich, aber das war nicht mehr als das.
Sie sah sich in dem Raum um. Mit einer Million Dollar würde sich die Sache für sie wahrscheinlich lohnen. Nach der prunkvollen Suite zu urteilen, in der Ruby sich befand, und nach der Art, wie Yvonne sich kleidete, war die Frau steinreich. Bedeuteten eine Million Dollar für sie überhaupt etwas?
Ruby hob die Heiratsurkunde vom Nachttisch auf, wo Yvonne sie abgelegt hatte. Sie trug die vollen, gesetzlichen Namen der beiden. Ruth Josephine Scott. Yvonne Lin Maxwell.
Ruby runzelte die Stirn. Warum kam ihr dieser Name bekannt vor? Sie ignorierte die aufkommende Übelkeit, stand vom Bett auf und suchte ihre Handtasche. Sie zog ihr Handy heraus und gab Yvonnes Namen in die Suchfunktion ein.
Als sie die Ergebnisse las, begann sich alles zu fügen. Ein Lächeln zupfte an Rubys Lippen. Sie war sich nicht mehr sicher, ob sie das Angebot von Yvonne annehmen wollte oder nicht.
Aber wenn sie das tun wollte, musste sie sicherstellen, ob es Yvonne das auch wirklich wert war.
Yvonne saß an der Bar und trank einen Kaffee. Sie war versucht, etwas Stärkeres zu bestellen, aber nach der letzten Nacht hatte sie ihre Lektion gelernt.
Yvonne hatte nicht gelogen, als sie gesagt hatte, sie erinnere sich nicht an die Ereignisse der letzten Nacht. Sie hätte nüchtern nie so etwas Unüberlegtes getan, wie eben mal eine Fremde zu heiraten. Als sie aufgewacht war, hatte sie sich gefragt, ob Ruby sie irgendwie getäuscht und Yvonne zu einer Heirat verführt hatte, um ihr Vermögen zu stehlen. Zumindest, bis Ruby aus dem Badezimmer kam, offensichtlich genauso überrascht über die Situation wie Yvonne.
Es war eine verrückte Situation. Aber jetzt, wo sich die Gelegenheit bot, wollte Yvonne sie sich nicht entgehen lassen.
Sie sah auf die Uhr. Es war kurz nach 16 Uhr. Ruby würde jeden Moment hier sein. Yvonne hatte die erforderlichen Formulare für die Annullierung mitgebracht, aber sie bezweifelte, dass sie sie benötigen würde. Sie war sich sicher, dass Ruby zustimmen würde. Obwohl Ruby vorhin unsicher gewirkt hatte, war etwas hinter ihren blauen Augen aufgeleuchtet, als Yvonne das Geld erwähnt hatte.
Und dasselbe war passiert, als Yvonne gesagt hatte, dass Ruby ihr gehören würde.
Gefiel Ruby die Idee? Yvonne gefiel sie auf jeden Fall. Obwohl sie nicht die Absicht hatte, dass ihre Vereinbarung etwas anderes als ein Geschäft war, konnte sie nicht leugnen, dass sie sich zu Ruby hingezogen fühlte. Gab es eine Chance, dass Ruby der Typ Frau war, der sie vorgab zu sein?
Besaß Ruby wirklich eine unterwürfige Seite?
Das spielte keine Rolle. Dies war eine rein finanzielle Vereinbarung. Eine Transaktion. Mehr konnte es nicht sein. Yvonne musste sich auf den Grund konzentrieren, warum sie das tat – um ihr Erbe zu erhalten.
