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Eine verführerische ältere Chefin. Eine Reise nach Paris. Eine unwiderstehliche Affäre. Mit gebrochenem Herzen und langen Arbeitszeiten als Praktikantin bei Mistress Media sehnt sich Kat Walker nach einer Auszeit. Als sich ihr die Gelegenheit bietet, Lydia Davenport, die neue Finanzchefin des Unternehmens, auf einer Reise nach Paris zu begleiten, kann Kat nicht ablehnen. Die ältere Frau beherrscht ihre Fantasien seit dem Tag, an dem sie ihr Praktikum angetreten hatte. Eine zurückliegende Tragödie verhärtete Lydias Herz für die Liebe. Statt einer Beziehung bevorzugt sie lieber eine schöne Frau, die ihr zu Füßen liegt und sie „Herrin“ nennt. Eine Frau wie Kat – süß, unschuldig, eine verbotene Frucht, die gekostet werden will – ist alles, wonach sie sich sehnt. Nach einer Nacht muss Kat feststellen, dass Lydia im Schlafzimmer noch beherrschender ist als im Konferenzraum. Schon bald sind sie in eine sinnliche Affäre verwickelt, die sie beide zu verzehren droht. Können sich Kat und Lydia von ihrer Vergangenheit befreien, oder bleiben ihre Herzen für immer verschlossen?
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Veröffentlichungsjahr: 2025
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Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Epilog
Bücher von Anna Stone
Über die Autorin
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Kat schaltete den Kopierer ein, verschränkte die Arme vor der Brust und wartete darauf, dass das Gerät zum Leben erwachte. Ihr Blick schweifte durch die Büros von Mistress Media, ein endloses Glasmeer, durch das mehrere hundert Menschen strömten.
Seit einem Monat machte sie nun schon ein Praktikum bei Mistress Media. Nach ihrem Studienabschluss hatte sie sich auf ein Dutzend Praktikumsstellen beworben. Sie hatte eine Handvoll Angebote erhalten, aber die Entscheidung für das bezahlte Praktikum bei Mistress Media war ihr leicht gefallen. Ein internationales Medienimperium, das von einer Gruppe der reichsten und erfolgreichsten Geschäftsfrauen des Landes geführt wurde? Mistress war die richtige Wahl für sie.
Zumindest hatte sie das gedacht. Ihr Praktikum erwies sich als weit weniger aufregend, als sie erwartet hatte. Sie hatte turbulente Geschäftstreffen erwartet, dramatische Verhandlungen, einen Blick hinter die Kulissen eines milliardenschweren Unternehmens. Stattdessen musste Kat Tag für Tag Kaffee ausschenken und Kopien anfertigen. Gelegentlich bekam sie etwas Interessanteres zu tun, aber das war selten, und sie musste mit all den anderen Praktikanten um die Chance konkurrieren, die anspruchsvolleren Aufgaben zu ergattern. Das Mistress-Büro war riesig, mit einem Dutzend anderer Praktikanten, die alle hofften, einen guten Eindruck zu hinterlassen, um eine Festanstellung zu ergattern. Herauszustechen war schwierig.
Kat legte ein Dokument in den Kopierer ein und drückte auf Start. Sie schaute auf die Uhr an der Wand. Es war Nachmittag, aber bei ihren langen Arbeitszeiten war gerade mal die Hälfte ihres Arbeitstages vorbei.
Ihr Handy surrte in ihrer Hosentasche. Sie blickte sich verstohlen um, dann nahm sie es heraus. Es war eine Nachricht von Meghan, ihrer Mitbewohnerin.
Ich habe Freitagabend frei. Wir gehen etwas trinken.
Kat runzelte die Stirn. Es war ihr nicht entgangen, dass Meghans Einladung keine Bitte war. Meghan arbeitete in einer Bar und ihre Schichten waren unberechenbar, sodass sie nur selten einen freien Abend hatte, den sie mit Kat verbringen konnte.
Aber das war nicht der Grund, warum Meghan so entschlossen war, Kat dazu zu bringen, mit ihr auszugehen.
Sie tippte eine Antwort. Nur Drinks? Oder versuchst du, mich dazu zu bringen, jemanden zu treffen? Kat war nicht gerade eine Partymaus, aber Meghan versuchte immer, sie zu irgendwelchen Veranstaltungen zu schleppen. Und jedes Mal endete es damit, dass Meghan sich als ihre ungewollte Wing Woman aufspielte.
Meghans Antwort kam sofort, als ob sie Kats Frage erwartet hätte. Nur Drinks. Aber wenn du zufällig jemanden kennenlernst, ist das ein Bonus.
Kat seufzte. Meghan war so berechenbar. Bevor sie antworten konnte, kam eine weitere Nachricht von ihrer Mitbewohnerin.
Ach, komm schon. Du kannst nicht ewig zu Hause herumsitzen und Trübsal blasen.
Sie steckte ihr Handy in die Hosentasche, ohne darauf zu antworten. Meghan hatte nicht ganz Unrecht. Kat war in letzter Zeit ein wenig zur Einsiedlerin geworden.
Aber sie hatte einen triftigen Grund. Dieser Grund war ihre Ex-Freundin. Es war Monate her, dass Kat Brooke beim Fremdgehen erwischt hatte, Monate, in denen Kat ihre Koffer gepackt hatte und aus ihrem gemeinsamen Apartment in Meghans Wohnung gezogen war, ohne auch nur ein Wort zu Brooke zu sagen.
Kat wollte sie nie wieder sehen. Aber die beiden waren seit der Highschool zusammen, und sie hatten viele gemeinsame Freundinnen. Außerdem kannte jede Lesbe in der ganzen Stadt die andere. Bei jedem gesellschaftlichen Ereignis lief sie Gefahr, ihrer Ex-Freundin über den Weg zu laufen. Es war einfacher, sie von vornherein zu meiden.
Und sie blies kein Trübsal, auch wenn Meghan das dachte. Kat hatte keinen Grund, Trübsal zu blasen. Sie hatte kein gebrochenes Herz. Soweit es sie betraf, war es eine gute Sache, die Wahrheit über ihre Ex herauszufinden. Es hatte sie davor bewahrt, noch mehr Lebenszeit mit Brooke zu vergeuden.
Außerdem war Kat jetzt frei, frei, all ihre Träume und Wünsche zu erkunden, ohne dass jemand sie zurückhielt. Brooke war ihre Highschool-Liebe gewesen, und Kat hatte langsam das Gefühl, dass sie sich während ihrer Beziehung überhaupt nicht verändert hatte. Sie hatte nie die Chance gehabt, sich zu entwickeln, das Leben zu erfahren und Abenteuer zu erleben, herauszufinden, wer sie wirklich war. Und jetzt konnte sie genau das tun. Das war eine Chance.
Zumindest redete Kat sich das ein, damit sie sich nicht so elend fühlte.
Sie sah sich Meghans Nachricht noch einmal an. Vielleicht sollte sie sich tatsächlich wieder auf die Partnersuche begeben. Die Sache mit Brooke war schon Monate her, und obwohl Kat mit Sicherheit keine Lust mehr auf Beziehungen hatte, war etwas Zwangloses nicht ausgeschlossen. Ein One-Night-Stand, eine Affäre, vielleicht? Sie wollte ja schließlich abenteuerlich sein.
Es gab nur ein Problem – ihre mangelnde Erfahrung mit Frauen. Sie war bisher nur mit Brooke zusammen gewesen, und wie die meisten Highschool-Beziehungen war es einfach passiert. Sie hatte noch nie mit jemandem geflirtet oder jemanden um ein Date gebeten. Sie wusste nicht, wie.
Andererseits brauchte sie etwas, irgendetwas, um ihr langweiliges Leben aufzupeppen.
Sie antwortete Meghan. Gut, ich werde kommen. Aber nur, damit du Ruhe gibst.
Sie legte ihr Handy weg und überprüfte den Kopierer. Er war gerade mal zur Hälfte fertig. Sie fummelte an ihren hellbraunen Locken herum und steckte eine wieder in den hohen Dutt, mit dem sie versucht hatte, ihr Haar zu bändigen.
Als ihr Blick noch einmal durch das Büro schweifte, entdeckte sie eine Frau, die sich von allen anderen abhob. Sie stand an den Schreibtischen der Praktikanten und sprach mit der Praktikumsbetreuerin. Ihr kastanienbraunes Haar war zu einem eleganten Pferdeschwanz zurückgebunden, und sie trug eine weiße Bluse mit Kragen, einen schwarzen Rock und hohe Schuhe. Es war ein einfaches Outfit, aber an ihr sah es alles andere als einfach aus. Ihre feine Kleidung war perfekt auf ihren Körper zugeschnitten, der enge Bleistiftrock betonte ihre schmalen Hüften, die Absätze ließen ihre schlanken Beine endlos erscheinen.
Lydia Davenport. Sie war eine der fünf Frauen, die Mistress Media leiteten, Mistress’ neue Finanzchefin. Kat hatte nur ein Dutzend Mal mit ihr zu tun gehabt. Lydia gab gelegentlich einem der Praktikanten eine Aufgabe, und jedes Mal, wenn Lydia sie auswählte, wurde Kat in ihrer Gegenwart nervös, errötete und stolperte über ihre Worte.
Zu sagen, sie sei verknallt, wäre eine Untertreibung. Lydia war mächtig, erfolgreich, geheimnisvoll und nicht zu vergessen wunderschön. Sie versprühte einfach nur Glamour und Eleganz. Sie war die Art von Frau, von der Kat nur träumen konnte.
Und da Kat einen Großteil ihres Arbeitstages mit sinnlosen Aufgaben verbrachte, hatte sie viel Zeit, um über Lydia zu fantasieren. Sie stellte sich vor, wie Lydia sie spät abends in ihr Büro rief, wenn alle anderen schon nach Hause gegangen und sie ganz allein waren. Was dann geschah, hing davon ab, wie kreativ Kat sich fühlte, aber normalerweise küsste Lydia Kat auf ihrem Schreibtisch.
Kats Wangen wurden heiß. Sie wandte sich wieder dem Kopierer zu. Sie musste sich konzentrieren. Sie hätte nicht auf diese Weise über Lydia Davenport nachdenken dürfen. Lydia war nicht nur ihre Vorgesetzte, sondern Kat bezweifelte, dass die Frau überhaupt wusste, dass sie existierte.
Plötzlich gab der Kopierer ein lautes klirrendes Geräusch von sich und verstummte dann. Kat stieß einen frustrierten Seufzer aus. Schon wieder? Es war, als verbrächte sie den halben Arbeitstag damit, sich mit Kopiererstörungen zu beschäftigen.
Als sie die Seite der Maschine öffnete und sich bückte, um sie zu inspizieren, hörte sie das Klicken von Absätzen, die sich näherten. Gleichzeitig erfüllte der süße Duft von teurem Parfüm die Luft.
Die Schritte hielten hinter ihr inne.
„Katherine. Ich habe nach Ihnen gesucht.“
Kat erstarrte. Sie würde diese sanfte, weiche und doch so befehlsgewohnte Stimme überall wiedererkennen. Sie drehte sich um, ihr Herz raste.
Lydia Davenport stand vor ihr und sah aus der Nähe noch verführerischer aus als in Kats Tagträumen. Ihre Lippen waren in einem tiefen Rotton, ihre hohen Wangenknochen mit einem Hauch von Rosa betont.
Kat sah sich um. Es war niemand sonst in der Nähe. Lydia hatte mit ihr gesprochen? Und sie kannte Kats Namen?
„Katherine stimmt doch, oder?“, fragte Lydia. „Ist Ihnen Kate lieber?“
„Ich … ich nenne mich normalerweise Kat“, antwortete sie. „Aber Sie können mich nennen, wie Sie wollen.“ Oh mein Gott, habe ich das gerade etwa laut gesagt?
Ein Hauch von Belustigung blitzte hinter Lydias blaugrauen Augen auf. „Dann Kat.“
Kat wollte am liebsten im Boden versinken. Als das nicht klappte, riss sie sich zusammen, zumindest so weit, dass sie sprechen konnte.
„Sie haben mich gesucht?“ Lydia hatte wahrscheinlich eine Aufgabe für sie. Es war immer noch ungewöhnlich, dass sie Kat persönlich aufgesucht hatte. Normalerweise kam Lydia, wenn sie etwas erledigt haben wollte, einfach vorbei und erteilte dem nächstbesten Praktikanten einen Befehl, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, Fragen zu stellen.
Lydia verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich muss mir für den Nachmittag einen Praktikanten ausleihen, und Sie sind die Einzige, die in der Lage zu sein scheint, Anweisungen zu befolgen.“
Kat hatte also einen Eindruck bei Lydia hinterlassen, und zwar einen positiven? Das hatte sie nicht gewusst.
„Wenn Sie beschäftigt sind, kann ich einen der anderen Praktikanten fragen.“
„Ich bin nicht beschäftigt“, sagte Kat etwas zu enthusiastisch. „Ich mache nur Kopien. Zumindest habe ich es versucht. Jetzt repariere ich den Kopierer.“ Sie hielt sich den Mund zu. Manchmal arbeitete er schneller als ihr Gehirn.
Lydia warf einen verächtlichen Blick auf den Kopierer. „Praktikanten mit solchen Aufgaben zu betrauen, ist eine solche Verschwendung. Ich bin sicher, Sie haben nicht studiert, um Bürogeräte zu reparieren. Sie müssen sich zu Tode langweilen.“
„Es macht mir nichts aus“, log Kat. „Jeder muss irgendwo anfangen. Ich bin nur dankbar für die Möglichkeit, bei Mistress zu arbeiten.“
„Eine so diplomatische Antwort. Ich kann verstehen, warum Ihre Vorgesetzte so viel von Ihnen hält.“ Lydia musterte Kat von oben bis unten. „Sie sind ein Volltreffer.“
Lydias Blick blieb an dem von Kat hängen, ihre Augen waren stürmisch. Sie hatte etwas an sich, das Kat in ihren Bann zog. Und das war nicht nur die Tatsache, dass Kat sie unwiderstehlich schön fand.
„Ich brauche Folgendes von Ihnen“, sagte Lydia. „Ich habe in einer halben Stunde eine Besprechung mit dem Marketingteam. Ich brauche jemanden, der für mich Protokoll führt. Das ist die Aufgabe einer Assistentin, aber ich habe noch keine eingestellt, also müssen Sie einspringen. Meinen Sie, Sie schaffen das?“
Kat nickte. „Sicher. Was immer Sie benötigen.“
„Die Besprechung findet im Konferenzraum drei statt. Gehen Sie sofort dorthin und bauen Sie den Projektor auf. Und wir werden Erfrischungen benötigen.“
Kat nickte. Aber Lydia war schon im Begriff, wegzugehen.
Kat stieß einen Atemzug aus. War sie so verknallt, dass sie vergessen hatte, wie man atmete, sobald Lydia in der Nähe war? Sie war vierundzwanzig Jahre alt, und sie benahm sich wie ein verknalltes Schulmädchen.
Sie musste sich selbst unter Kontrolle bringen. Zwischen ihr und Lydia Davenport würde nie etwas passieren.
Und selbst wenn, nach der Sache mit ihrer Ex-Freundin war Kat für immer mit Frauen fertig.
Lydia schloss die Augen und suchte Schutz vor dem grellen Licht ihres Laptop-Bildschirms. Es war schon spät am Abend, und sie hatte vor einer Stunde das Büro verlassen wollen, hatte aber noch zu viel Arbeit für ihre bevorstehende Geschäftsreise nach Paris zu erledigen.
Zum dritten Mal an diesem Tag notierte sie sich, dass sie eine Assistentin einstellen sollte. Sie hatte es schon viel zu lange vor sich hergeschoben. Das war ganz untypisch für sie. Aber sie wusste genau, warum sie es aufgeschoben hatte.
Denn die Einstellung einer Assistentin, einer festen Mitarbeiterin, würde bedeuten, dass sie endlich Wurzeln schlagen würde.
Sie streckte ihre Beine aus, lehnte sich in ihrem Ledersessel zurück und überblickte die weiteren Mistress-Büros durch die Glaswände ihres Chefbüros. Seit drei Monaten gehörte ein Fünftel von allem, was sie sehen konnte, ihr. Sie hatte mehrere Jahre lang als Finanzberaterin für Mistress Media gearbeitet, nachdem eine gemeinsame Freundin sie der CEO von Mistress, Madison Sloane, empfohlen hatte. Madison hatte ihr schon mehrmals eine Vollzeitstelle angeboten, aber Lydia hatte abgelehnt. Sie brauchte das Geld nicht, und sie war noch nicht bereit, einen so großen Schritt zu wagen.
Doch Anfang des Jahres machte Madison ihr ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnte – eine Stelle als CFO mit einem großzügigen Gehalt, einer erheblichen Unternehmensbeteiligung und einem Eckbüro. Lydia konnte keine Gründe dagegen finden. Sie nahm Madisons Angebot an und zog durch das halbe Land, um die Stelle anzutreten. Es war an der Zeit gewesen, ein neues Kapitel in ihrem Leben zu beginnen. Zeit, weiterzuziehen.
Aber wirklich weiterzuziehen – von ihrem alten Leben, von ihrer Vergangenheit, von Emilys Tod – war schwieriger als ein einfacher Umzug in eine andere Stadt.
Es klopfte an Lydias Tür. Lydia blickte auf und sah Yvonne Maxwell in der Tür stehen. Yvonne war die leitende Geschäftsführerin von Mistress und leitete das Unternehmen, während Madison auf ihrer einmonatigen Hochzeitsreise war. Was die Kolleginnen anbelangte, so mochte Lydia Yvonne. Sie schätzte die vernünftige Art der dunkelhaarigen Frau.
Lydia winkte sie herein.
„Hier.“ Yvonne legte einen Stapel von Akten auf Lydias Schreibtisch. „Das ist alles, was ich über das Belle Magazine habe, einschließlich der Finanzberichte der letzten zehn Jahre. Die älteren Berichte sind verfügbar, falls du sie benötigst.“
„Die sollten reichen“, sagte Lydia. „Danke.“
„Ich sollte mich bei dir bedanken, dass du diese Reise antrittst. Ich habe alle Hände voll zu tun mit Madisons Aufgaben.“
„Das ist kein Problem.“ Lydia freute sich schon darauf. Der Zweck der Reise war ein Treffen mit den Eigentümern des Belle Magazine, um über eine Übernahme zu verhandeln. Normalerweise kümmerte sich Yvonne um solche Geschäfte, aber Lydia hatte angeboten, stattdessen zu gehen. Sie sprach etwas Französisch, und obwohl sie es nicht fließend beherrschte, würde es die Kommunikation erleichtern.
„Wenn du noch irgendwas brauchst, um dieses Geschäft zustande zu bringen, lass es mich wissen“, sagte Yvonne. „Der Erwerb des Belle ist für unseren Plan, ein Mistress-Büro in Paris zu eröffnen, von entscheidender Bedeutung. Und es wird uns den Vorstand vom Hals halten, damit wir uns auf profitablere Unternehmungen konzentrieren können. Der erworbene sex-positive Frauenblog wird nicht gerade lukrativ sein, aber ein angesehenes, von Frauen geführtes Modemagazin passt zu unserem Leitbild, und es hat das Potenzial, profitabel zu sein.“
Lydia war sich der Bedeutung des Geschäfts durchaus bewusst. Obwohl die Finanzen von Mistress solide waren, waren die Gewinne wegen Madisons Beharren darauf, das Leitbild des Unternehmens nicht zu gefährden, nicht da, wo die Aktionäre sie haben wollten. Dies führte zu Konflikten zwischen dem Vorstand und der Geschäftsleitung.
Madisons Antwort darauf war, Lydia einzustellen. Sie war überzeugt, dass Mistress jemanden brauchte, der ein Auge für die Finanzen hatte. Der Vorstand war anderer Meinung und bezeichnete die Einstellung von Lydia als unnötige Ausgabe. Lydia war entschlossen, ihren Wert zu beweisen.
„Keine Sorge“, sagte Lydia. „Ich werde mich um alles kümmern.“
„Daran habe ich keinen Zweifel“, sagte Yvonne. „Und wenn du auf deiner Reise Unterstützung benötigst, kannst du gerne einen der Praktikanten mitnehmen.“
„Das ist eine ausgezeichnete Idee.“ Ohne Assistentin könnte Lydia die zusätzliche Unterstützung gut gebrauchen.
„Sag mir, wenn du noch etwas brauchst.“ Yvonne sah auf ihre Uhr. „Ich bin mit den anderen zu einem späten Abendessen verabredet. Es war eine kurzfristige Sache. Hast du Lust, dich uns anzuschließen?“
„Die anderen“ bezog sich auf das restliche Führungsteam. Sie waren eine eingeschworene Gruppe, Freundinnen schon lange, bevor sie Mistress Media gegründet hatten. Lydia war die Einzige von ihnen, die nicht von Anfang an in der Firma dabei gewesen war. Sie waren alle sehr freundlich, aber Lydia war noch nie eine gute Teamplayerin gewesen. Sie zog es vor, für sich zu bleiben.
Außerdem hatte sie bereits Pläne für den Abend. „Leider muss ich passen. Ich habe meine eigenen Pläne.“
Yvonne nickte. „In Ordnung. Wir sehen uns dann morgen.“
Als Yvonne den Raum verließ, blätterte Lydia in den Akten, die Yvonne hinterlassen hatte, aber ihr Verstand war bereits abgemeldet. Sie legte die Akten beiseite und begann, ihren Schreibtisch aufzuräumen. Es war Donnerstag, beinahe Wochenende, und Lydia hatte das Bedürfnis, sich zu entspannen, zu entfliehen. Sie hatte eine ganz bestimmte Art, das zu tun.
Aber zuerst musste sie sich fertig machen.
Lydia ging zur Tür ihres Büros und drückte einen Knopf daneben. Wie von Zauberhand verdunkelten sich die umgebenden Glaswände und wurden blickdicht. Das moderne, ganz aus Glas bestehende Design der Mistress-Büros bot wenig Privatsphäre, aber glücklicherweise waren die Büros der Führungskräfte mit dieser Funktion ausgestattet.
Sie kehrte zu ihrem Schreibtisch zurück und holte ihre Tasche aus italienischem Leder aus der unteren Schublade. Sie öffnete den Reißverschluss der Tasche, nahm ein schwarzes Korsett mit Damastmuster heraus und zog es über ihre Bluse und schnürte es fest um ihre Taille. Sie griff erneut in die Tasche und holte ein Paar Stöckelschuhe hervor, die sie für ihre praktischeren Arbeitspumps eintauschte.
Sie betrachtete sich in dem Spiegel, den sie in der Tür des Schrankes in der Ecke angebracht hatte, richtete ihre Bluse unter dem Korsett gerade und glättete ihren Rock. Der Look war einfach, aber vermittelte die Botschaft. Sie war noch nie der Typ für Ganzkörperleder gewesen.
Als letzten Schliff holte Lydia ihren Lippenstift aus der Handtasche und trug ihn auf ihre Lippen auf, die dadurch ein tiefes, dunkles Karminrot erhielten, dann zog sie ihren Mantel an und knöpfte ihn zu.
Lydia schnappte sich ihre Tasche und verließ ihr Büro. Auf dem Weg zu den Aufzügen entdeckte sie Kat, die an den Schreibtischen der Praktikanten saß und ihren lockigen Kopf in ihren Laptop vergraben hatte.
Lydia würde einen Praktikanten mit nach Paris nehmen müssen, und sie musste sich vor Ende der Woche entscheiden, wen sie mitnehmen wollte. Kat war die offensichtliche Wahl. Sie arbeitete von allen Praktikanten am härtesten, und sie war immer so eifrig, es allen recht zu machen. Wann immer Lydia sie aufforderte, erschien Kat sofort, als hätte sie ununterbrochen darauf gewartet.
Als sich Lydia näherte, blickte Kat von ihrem Laptop auf. Ihr Blick wanderte an Lydias Körper hinunter bis zu ihren Stöckelschuhen. Ihre Lippen teilten sich leicht, aber es kam kein Ton heraus.
Lydia verlangsamte ihren Schritt und blieb vor Kats Schreibtisch stehen. „Gute Nacht, Kat.“
Kats Augen blickten zu Lydia auf. „Gute Nacht“, murmelte sie.
Sie hielten Augenkontakt. Und einen Moment lang konnte Lydia nicht anders, als sich zu fragen – ging Kats Eifer, zu beeindrucken, über ihre Arbeit hinaus? Als Lydia sie dafür gelobt hatte, wie gut sie Anweisungen befolgte, hatten sich ihre Wangen köstlich rosa verfärbt, und ihre bernsteinfarbenen Augen hatten mit etwas mehr als nur Zufriedenheit geleuchtet.
Und wie verlockend war das gewesen.
Aber Kat war eine Praktikantin. Lydia hätte nicht so über eine Angestellte denken dürfen, schon gar nicht über eine, die so viel jünger war als sie.
Lydia nickte Kat herzlich zu und machte sich auf den Weg zu den Aufzügen.
Wenn sie einen Ausweg suchte, musste sie ihn woanders finden.
* * *
Lydia betrat den abgedunkelten Club. Obwohl es unter der Woche war, war der exklusive, hochklassige Treffpunkt gut besucht. Die Leute, die den Club besuchten, waren auf der Suche nach einer besonderen, unkonventionellen Art der Flucht, die sie sehr ernst nahmen.
Lilith’s Den war einer der wenigen Orte in der Stadt, an denen sie diese Flucht finden konnten. Der Club war der Gipfel der Opulenz und bediente nur die wohlhabendste Kundschaft. Vor allem aber war es ein Ort, an dem die Menschen ihre dunkelsten, verdrehtesten Wünsche ausleben konnten.
Überall um sie herum taten die Leute genau das. In der Nähe führte eine Frau eine andere an einer Leine herum, während sie eine lange, dünne Peitsche schwang. Auf einer Bühne am Ende des Raumes wurde eine Frau langsam am ganzen Körper gefesselt.
Das war die Welt von Lydia. Der Club selbst war zwar neu für sie, aber die Welt, die er repräsentierte, war ihr bestens vertraut. Hier war sie in ihrem Element.
Sie nahm in einer plüschigen Chaiselongue an der Seite des Raumes Platz. Fast sofort kam eine Kellnerin vorbei und bot Lydia ihr übliches Glas Champagner an. Seit sie hierhergezogen war, war sie Stammgast in diesem Club. Wann immer sie das Bedürfnis verspürte, sich zu entspannen, kam sie ins Lilith’s Den, um eine eifrige, willige Unterwürfige zu finden, die nichts mehr wollte, als sich Lydia für eine Nacht, manchmal auch länger, hinzugeben. Meistens war kein Sex im Spiel. Es ging nicht um Sex. Es war einfach eine Möglichkeit für sie, sich selbst zu verlieren.
Aber in letzter Zeit fand sie es nicht mehr so befriedigend, wie sie es gewohnt war. Irgendetwas fehlte. Könnte es sein, dass sie sich nach etwas mehr als dem Körperlichen sehnte? Schließlich waren die perversen Machtspiele, die sie genoss, am befriedigendsten, wenn die Verbindung zwischen den Beteiligten tiefer ging.
Lydia hatte das nie mit jemand anderem als Emily erlebt. Die Liebe ihres Lebens. Ihre Frau.
Aber vor drei Jahren hatte Lydia Emily begraben. Und Lydias Herz mit ihr.
Das war der Grund, warum Lydia an Orte wie diesen kam, warum sie sich nach diesem Ausweg sehnte. Nach Emilys Tod hatte sich Lydia abgehärtet. Sie betäubte sich selbst gegen den Schmerz und die Hoffnungslosigkeit, die sie empfunden hatte, und setzte stattdessen auf Stärke, Macht und Kontrolle. Sie suchte Zuflucht im Vertrauten, setzte eine Maske auf und ließ ihre Domme-Seite die Oberhand gewinnen.
Mit der Zeit trug sie diese Maske rund um die Uhr.
Während sie an ihrem Champagner nippte, bemerkte Lydia eine Frau, die versuchte, ein Auge auf sie zu werfen. Sie warf immer wieder einen Blick in Lydias Richtung, bevor sie zaghaft wegschaute. Die Frau würde es nicht wagen, sich ihr zu nähern. Dies war Lydias Domäne. Hier hatte sie das Sagen. Wenn sie wollte, konnte sie die Frau – oder die Hälfte der anderen Frauen im Club – mit nur einem Blick zu ihren Füßen auf die Knie zwingen.
Aber Lydia war weder an ihr noch an irgendjemand anderem im Club interessiert.
War es ein Zeichen dafür, dass sie endlich bereit war, Emily loszulassen? Sicher, Lydia hatte bereits Schritte in diese Richtung unternommen. Sie hatte den Job bei Mistress angenommen. Sie hatte ihr altes Haus außerhalb von Chicago zum Verkauf angeboten. Sie hatte eine neue Wohnung hier in der Stadt gekauft.
Sie wollte weitermachen. Sie wollte mehr als ein Leben voller Trauer und Erinnerungen.
Dennoch fiel es ihr schwer, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Sie war noch nicht wirklich bereit, sich von Emily zu lösen. Vielleicht würde sie es nie sein.
Als Lydia ihren Blick durch den Club schweifen ließ, blieb ihr Blick an einer anderen Frau hängen, einer Frau mit hellbraunem, lockigem Haar und einem dezenten Halsband. Sie war groß und schlank, statt klein und mit winzigen Kurven, doch Lydia musste sofort an eine bestimmte Praktikantin denken.
Kat.
Warum sah Lydia hier und in diesem Augenblick das Gesicht von Kat? Die eifrige Kat, die immer auf Lydias Drängen hin zu ihr kam. Alles an ihr war so verlockend. Ihre honigsüße Stimme. Ihre hellbraunen Locken, mit denen sie immer spielte, wenn Lydia in der Nähe war. Ihre schimmernden goldenen Augen, die immer einen Hauch zu lange auf Lydias verweilten.
Ein Gedanke schlich sich in Lydias Kopf. Würde Kat an einem Ort wie diesem fehl am Platz sein?
Lydia leerte ihren Champagner und stand von ihrem Platz auf. Sie würde hier nicht finden, wonach sie suchte, nicht heute Abend. Und sie war eindeutig zu sehr mit der Arbeit beschäftigt, wenn man bedachte, dass sie sich nicht von Kat ablenken konnte.
Auf dem Weg zur Tür notierte sie sich, dass sie Kat gleich morgen früh bitten würde, mit ihr nach Paris zu kommen.
Kat schleppte sich am nächsten Morgen zur Arbeit, bereit für einen weiteren Tag voller Kaffeelieferungen und Kopiererstörungen. Es war Freitag, und sie konnte das Wochenende kaum erwarten. Eigentlich freute sie sich darauf, mit Meghan etwas trinken zu gehen.
Sie ging zu ihrem Schreibtisch. Sie war zu früh dran, aber wie zu erwarten war, war bereits eine weitere Praktikantin eingetroffen. Am Schreibtisch gegenüber von Kat saß eine dunkelhaarige, dunkeläugige Frau, die aus einer riesigen Tasse Kaffee trank. Courtney.
Sie und Kat waren zusammen auf der Uni gewesen. Courtney war die perfekte Studentin gewesen, und nun war sie die perfekte Praktikantin. Sie war schon immer sehr ehrgeizig und ein wenig der Lehrerliebling gewesen. Als Praktikantin war sie nicht anders. Sie würde sich keine Sorgen machen müssen, dass sie nach dem Ende ihres Praktikums keine Festanstellung bei Mistress bekommen würde.
Als Courtney Kat entdeckte, winkte sie. Bevor Kat die Gelegenheit hatte, Hallo zu sagen, zeigte Courtney auf Kats Schreibtisch. „Da ist ein Zettel für dich. Er ist von Lydia. Sie möchte dich sehen.“
Courtney neigte auch dazu, neugierig zu sein. Das hatte sich auch nach dem Studium nicht geändert.
Kat nahm an ihrem Schreibtisch Platz und hob den Zettel auf.
Kommen Sie zu mir, sobald Sie da sind. Ich werde in meinem Büro sein.
Der Zettel war mit Lydias Namen unterzeichnet.
Courtney schaute über den Monitor zu Kat. „Was will sie von dir?“
Kat entging der Hauch von Eifersucht in Courtneys Stimme nicht. „Ich habe keine Ahnung.“ Bis gestern hatte Kat gedacht, Lydia wüsste nicht einmal, wer sie war, und jetzt rief sie Kat persönlich in ihr Büro? „Ich denke, ich werde es herausfinden.“
Sie verließ ihren Schreibtisch und ging zu Lydias Büro. Die Tür war offen. Trotzdem klopfte Kat zaghaft an.
„Herein“, sagte Lydia, ohne zu ihr aufzusehen. „Und schließen Sie die Tür.“
Kat schloss die Tür und betrat den Raum. Das geräumige Eckbüro war sauber eingerichtet, mit einem großen Glastisch, der zu den Wänden passte, einer kleinen schwarzen Ledercouch und einem Couchtisch am Fenster. Die Mistress-Büroräume befanden sich im obersten Stockwerk des Gebäudes, und die Aussicht aus den Fenstern war spektakulär.
Sie bewegte sich auf Lydias Schreibtisch zu. Sie war allein mit Lydia in ihrem Büro, genau wie in all ihren Tagträumen. Sicher, jeder, der vorbeikam, konnte hineinsehen, aber das hinderte Kat nicht daran, sich alle möglichen unanständigen Szenarien auszumalen.
Lydia klappte ihren Laptop zu und schob ihn beiseite, dann lehnte sie sich in ihrem Ledersessel zurück und studierte Kat schweigend. Ihr durchdringender Blick gab Kat das Gefühl, dass Lydia all die Bilder sehen konnte, die ihr durch den Kopf gingen. Sie zwang sich, nicht zu erröten. Aber es funktionierte nicht.
Schließlich ergriff Lydia das Wort. „Haben Sie einen gültigen Reisepass?“
Kat nickte. „Ja.“ Sie hatte ihn nie wirklich benutzt. Sie hatte eine Reise nach Südamerika mit ihrer Ex-Freundin geplant, bevor sie sich getrennt hatten.
„Gut. Sie kommen nächste Woche mit mir nach Paris.“
Kat blinzelte. „Tue ich das?“
„Wenn Sie nicht kommen können, kann ich einen der anderen Praktikanten fragen.“
„Nein. Ja, ich kann mitkommen“, sagte Kat schnell. „Aber warum wollen Sie, dass ich mit Ihnen gehe?“
„Sie haben sicher von den Plänen von Mistress gehört, in Paris unser erstes internationales Büro zu eröffnen, oder?“
Kat nickte. Sie hatte solche Gerüchte gehört, aber sie kannte keine Details. Schließlich war sie nur eine Praktikantin.
„Es gibt einen französischen Verlag, den wir übernehmen wollen und der die perfekte Grundlage für unser europäisches Portfolio darstellt. Sie geben das Belle Magazine heraus. Ich werde mich mit den Eigentümern treffen, um ein Geschäft auszuhandeln, und während ich in der Stadt bin, werde ich den Grundstein für die Gründung von Mistress Paris legen. Ich habe einen vollen Terminkalender. Ich werde eine Assistentin brauchen. Da ich noch keine eingestellt habe, habe ich beschlossen, stattdessen eine Praktikantin mitzunehmen.“
„Richtig. Okay.“
Lydia musterte sie. „Sie wollten wissen, warum ich Sie ausgewählt habe und nicht einen der anderen Praktikantinnen.“
Kat nickte.
„Das ist ganz einfach. Von allen Praktikantinnen sind Sie die kompetenteste. Sie heben sich von allen anderen ab. Überrascht Sie das?“
„Ein wenig. Ich dachte, Sie hätten mich gar nicht bemerkt.“ Kat spielte mit einer ihrer Locken herum. Sie musste ihre Gedanken wirklich für sich behalten.
„Natürlich habe ich Sie bemerkt. Wie könnte ich das nicht?“ Lydia beugte sich vor, verschränkte die Arme und stützte sie auf ihrem Glastisch ab. „Wie ich gestern schon sagte, haben Sie bewiesen, dass Sie Anweisungen gut befolgen können. Sie sind genau das, wonach ich suche.“
Kats Wangen wurden warm, eine Hitzewelle überkam sie. Das schien oft zu passieren, wenn sie in Lydias Nähe war.
„Nun zurück zur Reise“, sagte Lydia. „Wir werden von Montag bis Freitag in Paris sein. Unser Flug geht am Sonntagabend. Ich schicke Ihnen unseren Zeitplan sowie einige Unterlagen, die Sie vor der Reise lesen können. Der Plan von Mistress für die internationale Expansion, Informationen über das Belle Magazine. Ich möchte, dass Sie sich vor der Reise auf den neuesten Stand bringen.“
Kat nickte stumm. War es wirklich so weit? Sollte sie nach Paris gehen?
„Haben Sie noch Fragen?“, fragte Lydia.
Kat fand ihre Stimme wieder. „Nein.“
„Wenn etwas ist, fragen Sie einfach.“ Lydia klappte ihren Laptop wieder auf und nahm ihre Arbeit wieder auf.
Kat verließ Lydias Büro, ihr Magen bebte vor Aufregung. Sie würde nach Paris gehen, eine der schönsten und romantischsten Städte der Welt. Sicher, es war eine Dienstreise, aber sie hatte das Land noch nie aus irgendeinem Grund verlassen.
Und in wenigen Tagen würde sie mit Lydia Davenport nach Frankreich reisen, einer Frau, in die sie seit dem Tag, an dem sie sie zum ersten Mal gesehen hatte, verknallt war.
Sie nahm an ihrem Schreibtisch Platz. Sie musste sich auf das konzentrieren, was wichtig war. Diese Reise war eine Gelegenheit für Kat, Lydia zu beeindrucken. Kats Praktikum war zeitlich begrenzt. Am Ende würde Mistress nur einige wenige Praktikanten fest einstellen, und Kat war fest entschlossen, dazuzugehören. Dies war ihre Chance, herauszustechen.
Kat überprüfte ihren Posteingang. Und tatsächlich, da war bereits eine E-Mail von Lydia mit einem halben Dutzend Dokumenten im Anhang. Das mussten Hunderte Seiten sein. Und Kat sollte alles bis Montag lesen?
Sie seufzte. Selbst wenn sie jetzt anfangen würde, würde sie das ganze Wochenende mit Lesen verbringen müssen, und sie würde heute Abend lange arbeiten müssen.
Aber es würde sich lohnen.
* * *
Als Kat an diesem Abend nach Hause kam, fand sie ihre Mitbewohnerin fernsehsehend auf der Couch vor. Meghan trug eine Jogginghose, ihre kurzen, dunklen Haare waren unter ihrem Kapuzenpulli versteckt.
„Hey, Meghan.“ Kat ließ sich neben ihr auf die Couch fallen. „Ich hatte einen komplett verrückten Tag.“
Meghan sagte nichts, ihr Blick blieb auf den Fernseher gerichtet.
Kat runzelte die Stirn. „Was ist denn los?“
Meghan verschränkte die Arme. „Hast du etwas vergessen?“
„Was meinst du …“ Kat stöhnte.
