Der Bergdoktor 2158 - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor 2158 E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Wenn ein Jahr zu Ende geht, ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Was war gut, was schlecht? Welche Ziele habe ich erreicht? Welche Träume sind zerplatzt?
Milas Bilanz an diesem grauen, nasskalten Novembertag fällt bitter aus. Dabei war sie noch vor einem Jahr überzeugt, glücklich zu sein und es auch zu bleiben.
Ihr gütiger Onkel Franz, bei dem sie unzählige Male in St. Christoph zu Besuch war, hatte ihr bereits zu seinen Lebzeiten den Laubenhof vererbt. Ihre Freude darüber war anfangs unbeschreiblich.
Doch dann ist viel passiert im Laufe der kommenden Monate, und heute ist ihr Leben nichts als ein Scherbenhaufen ...

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Seitenzahl: 105

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Ein Jahr in Milas Leben

Vorschau

Impressum

Ein Jahr in Milas Leben

Wie der Bergdoktor ihr half, das Leben und ihr Herz in den Griff zu bekommen

Von Andreas Kufsteiner

Wenn ein Jahr zu Ende geht, ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Was war gut, was schlecht? Welche Ziele wurden erreicht? Welche Träume sind zerplatzt?

Milas Bilanz an diesem grauen, nasskalten Novembertag fällt bitter aus. Dabei war sie noch vor einem Jahr überzeugt, glücklich zu sein und es auch zu bleiben.

Ihr gütiger Onkel Franz, bei dem sie unzählige Male in St. Christoph zu Besuch war, hatte ihr bereits zu seinen Lebzeiten den Laubenhof vererbt. Ihre Freude darüber war anfangs unbeschreiblich.

Doch dann ist viel passiert im Laufe der kommenden Monate, und heute ist ihr Leben nichts als ein Scherbenhaufen ...

Es waren arbeitsreiche Wochen in St. Christoph, die hinter Mila und Florian lagen. Vom Beginn dieser Zeit an, genau drei Sommermonate, führte Mila ein Tagebuch, dem sie die ihre Gefühle und auch ihre geheimen Wünsche und Gedanken anvertraute. Irgendwann – später einmal – würde sie es durchblättern und ihre Erinnerungen auffrischen.

Der Laubenhof, den Mila von ihrem Onkel Franz Reisinger, dem Bruder ihres verstorbenen Vaters, nur allzu gern übernommen hatte, strahlte im Glanz frischer Farben. Mila und ihr Flori wollten sich in Kürze verloben, dann sollte natürlich alles perfekt aussehen.

Das im Tiroler Stil gebaute, urgemütliche Wohnhaus war makellos weiß getüncht. Türen, Balkone und die Zäune leuchteten in warmen Brauntönen, tannengrün präsentierten sich die beiden schönen, mit Schnitzereien verzierten Lauben und das geräumige Gartenhaus.

Auch die Nebengebäude waren renoviert und auf Hochglanz gebracht worden. Dazu hatte sich junge Paar allerdings tatkräftige und erfahrene Handwerker aus dem Dorf auf den Hof geholt. Denn irgendwann halfen nur noch echte »Experten«. Aus welcher Richtung man auch auf den Hof schaute, man hatte stets den Eindruck, dass alles aufs Schönste miteinander harmonierte.

Hier im idyllischen Weiler Hochbrunn war es eh wie im Paradies, jedenfalls kam es Mila so vor. Das »Alpenparadies« ergänzten die unzähligen Herbstblumen im großen Garten und die Streuobstwiesen mit Apfel- und Zwetschgenbäumen so perfekt wie ein Rahmen um ein Gemälde.

Ein herzerfrischendes und harmonisches Bild bot sich dem Auge des Betrachters. Man konnte sogar sagen, dass alles hier oben hundertprozentig zu Mila passte, zu ihrer Lebensfreude, aber auch zu ihren Träumen und Wünschen.

Dass Onkel Franz ihr noch zu seinen Lebzeiten den Hof vererbt hatte, war eine richtige und gut überlegte Entscheidung gewesen.

Erstens war der etwas knorrige, aber dennoch gütige Bergbauer kinderlos und hatte auch den Sprung in die Ehe (»Heiraten ist nix für mich, das sollen die anderen tun, mir ist die Freiheit lieber«) beharrlich abgelehnt, obwohl ihm die eine oder andere fesche Zillertalerin durchaus schöne Augen gemacht hatte. Als einzige Erbin war also Mila infrage gekommen, das »Patscherl«, wie ihr Onkel sie von Kind an genannt hatte.

Zweitens war es dem Reisinger-Franz gesundheitlich schon seit einiger Zeit nicht gut gegangen. Sein Leiden, eine chronische Arthritis, hatte die meisten Arbeiten auf dem Hof für ihn unmöglich gemacht. Ohne die Unterstützung seiner beiden treuen Helfer Hartl und Leni Gröbner und guter Freunde aus dem Dorf hätte es droben in den »Lauben« übel ausgeschaut.

Dr. Burger hatte alles getan, um die rheumatoide Arthritis seines Patienten rechtzeitig und sehr effizient zu behandeln, sodass der Franz trotz der chronischen Erkrankung auch jetzt noch Freude am Leben hatte. Aber Hände und Gelenke des Patienten waren nicht mehr so beweglich, dass er noch eine Schaufel oder einen Rechen halten konnte. Und wenn doch, dann nur unter großer Anstrengung.

Kurz und gut, Onkel Franz hatte sich zu Beginn des Jahres im Sinne der Vernunft von seinem Dasein als Hofbesitzer verabschiedet, obwohl es ihm nicht leichtgefallen war.

Für ihn hatte es ja eh schon immer festgestanden, dass er seiner Nichte, die ihm so lieb war wie ein eigenes Kind, eines Tages seinen Laubenhof überlassen wollte.

Inzwischen war er ins wärmere Kärnten nach Villach in eine schöne Senioren-Parterrewohnung umgezogen, vor Ort gab es auf Wunsch eine Betreuung. Außerdem hatte er in Villach Freunde und gute alte Bekannte, sodass er keineswegs auf nette Gesellschaft verzichten musste.

Etwa dreimal im Jahr wollte Franz Reisinger zu Besuch nach St. Christoph kommen und dann auch Dr. Burger aufsuchen, dem er in punkto Gesundheit immer noch am meisten vertraute. Zwischendurch waren natürlich Telefonkontakte geplant.

Alles war geregelt. Aber dennoch gab es einen Wermutstropfen. Denn Milas Mutter fand es unerhört, dass ihre Tochter begeistert und ohne langes Nachdenken die schöne Stadt Salzburg verlassen hatte und nach St. Christoph gegangen war.

Hätte Mila den Hof nicht verpachten können, anstatt alles hinter sich zu lassen? In Salzburg hatte sie als Assistentin eines angesehenen Hotelbesitzers im eleganten Hotel »Helenenbrunn« gearbeitet und es mit Gästen zu tun gehabt, die zu den sogenannten »besseren Herrschaften« gehörten. Das war ein ganz anderes Pflaster gewesen als St. Christoph!

Brigitte Reisinger wusste allerdings, dass Mila schon immer davon geschwärmt hatte, in den Bergen zu leben.

Ständig war sie nach St. Christoph zu ihrem Onkel gefahren, man hatte sie im Dorf gut gekannt und mit den Worten »Schön, dass du wieder da bist, Madel« begrüßt.

Trotzdem: Diese Schwärmerei für die Berge und das Landleben konnte Milas Mutter nicht mal ansatzweise verstehen. Frau Reisinger schüttelte den Kopf über ihre Tochter. Von Salzburg in die Einsamkeit der Berge ... unfassbar!

Der Laubenhof war das eine, der Umzug in das Zillertaler Bergdorf das andere. Den Hof hätte man doch wirklich verkaufen können, um hernach das Geld gewinnbringend anzulegen. Natürlich wäre der Franz, Brigitte Reisingers Schwager, bestimmt auf die Barrikaden gegangen und man hätte eine Weile auf ihn einreden müssen.

Milas Umzug mit Sack und Pack war ein Spurwechsel in ihrem Leben, der sich bestimmt als Fehler herausstellen würde. Dessen war sich Brigitte Reisinger ganz sicher.

Über diesen »Spurwechsel« hatten Mila und ihre Mutter sich oft gestritten, und zwar sehr heftig. Heute, einige Monate nach dem Umzug, herrschte Schweigen. Der gegenseitige Kontakt zwischen Mutter und Tochter beschränkte sich inzwischen auf das Nötigste.

Frau Reisinger hielt immer noch nichts von dörflicher Idylle und auch nichts von den Alpen. Vielleicht mal kurz für ein paar Tage zum Ausspannen, wenn es denn sein musste – aber das war's dann auch schon.

Nach dem Tod von Milas Vater war sie nicht allzu lange in ihrer Trauer versunken. Sie hatte sich trösten lassen.

Ihr neuer Lebensgefährte war ein Juwelier aus Salzburg, immerhin ein sehr seriöser Mann, mit dem Brigitte Reisinger gern die Annehmlichkeiten der eleganten Mozartstadt genoss. Hin und wieder erfüllte er ihr auch einen kleinen Wunsch in Form eines goldenen oder glitzernden Schmuckstücks.

Unbegreiflich, dass Mila sich für ein ganz anderes Leben entschieden hatte!

Aber Mila stand dazu und war glücklich. Sie hatte ja nicht nur ihre persönlichen Sachen aus Salzburg mit nach St. Christoph genommen, sondern einen ganz wichtigen Menschen, nämlich Florian Kirner.

Sie kannten sich aus dem Hotel Helenenbrunn; er war für die Reservierungen und den reibungslosen Ablauf des gesamten Hotelbetriebs zuständig gewesen.

Sein Beruf als Hotelmanager war interessant, eigentlich ganz nach seinem Geschmack, wie er selbst zugegeben hatte. Aber ab und zu hatte er sich nach mehr Freiraum gesehnt. Einfach mal in den Tag hineinleben, an einen See fahren, radeln ... und nicht immer nur auf die Uhr schauen.

Mila hatte ihn schließlich überredet, mit ihr nach St. Christoph zu gehen: »Bitte, Flori, das ist doch viel schöner, als ständig in dieser Tretmühle zu stecken! Die wunderschöne Gegend, die Berge, ein eigener Hof und viel Zeit für uns, das ist doch ein Traum!«

Viel Zeit für uns. Worte, die sich bisher nicht bewahrheitet hatten.

Mila war trotzdem selig! Man wusste ja, wofür man täglich früh aufstand und sein Bestes gab – man tat es für sich selbst, für den Laubenhof und irgendwann, wenn es dann so weit war, für die Kinder, die eigene Familie.

Jetzt war sie sechsundzwanzig und in zwei Jahren sollte ein kleines Zwergerl in der Wiege schlummern, so hatte sie es geplant. Flori würde es recht sein, obwohl er bisher das Thema »Kinder« ausgeblendet hatte.

Er neigte neuerdings zur Schweigsamkeit. Wahrscheinlich brauchte er mal eine Auszeit. Man musste wieder miteinander ins Gespräch kommen.

Das brachte Mila auf die Idee, die Arbeit mal ganz und gar zu vergessen und ihm vorzuschlagen, das anstehende Herbst-Wochenende ganz entspannt droben am Berg zu verbringen.

Sie hatte nämlich nicht nur den Hof samt den Nebengebäuden geerbt, sondern auch eine kleine Hütte unterhalb vom Feldkopfmassiv. Onkel Franz hatte dort nicht nur gesellige Stunden mit Freunden verbracht, sondern sich auch gern auf sich selbst besonnen.

Ein bisserl »Seelenpflege« war für jeden Menschen wichtig!

Also nahm Mila am heutigen sonnigen Oktobertag im Garten den schweigsamen Florian beiseite und schmeichelte: »Schatz, möchtest du net mal wieder mit mir ganz allein den Sonnenuntergang bewundern – und dann bei Nacht den Mond und die Sterne?«

Er drehte sich zu ihr um.

»Sonne, Mond und Sterne«, erwiderte er knapp. »Na ja. Das haben wir hier ja sowieso.«

»Nicht so, wie ich es meine.«

»Und wie meinst du es?«

Sie seufzte. »Das weißt du doch. Wir wollen uns wieder ein bisserl näherkommen, miteinander reden und ... na ja. Es soll so sein wie früher, das wünsch' ich mir, Flori. Es wäre doch schön, wenn wir am Wochenende zur Murmelhütte wandern und dort auch übernachten. Das Wetter ist noch beständig und viel wärmer als sonst im Oktober. Im Herbst hat man außerdem eine ganz klare Sicht. In zwei, drei Wochen ist das anders. Dann schlägt das Wetter bestimmt um. Im November macht es keinen Sinn mehr, auf die Hütte zu gehen.«

»Am Wochenende willst du hinauf, also schon übermorgen?«

»Ja, wir nehmen einen Proviantkorb mit. Ich mache alles zurecht«, versprach Mila. »Und wenn wir am Sonntag zurückkommen, gehen wir abends im Berghotel essen. Es gibt richtig tolle Herbst-Menüs.«

»Eine gute Idee.« Florian harkte auf dem Kiesweg, der zur Laube führte, Laub und verwelkte Rosenblüten zusammen, die der Wind aus dem Rosengarten herübergeweht hatte.

Die rosafarbenen Beetrosen mit dem stolzen Namen »Bergprinzessin« blühten noch in der Herbstsonne, nur vereinzelt allerdings. Denn dass der Sommer schon längst seinen Abschied genommen hatte, ließ sich nicht leugnen.

Die letzten Rosen waren etwas Besonderes. Ein Hauch Melancholie umgab sie, ein stiller Gruß und gleichzeitig eine sanfte Erinnerung an die strahlenden Tage der vergangenen Sommerzeit.

Keine Schmetterlinge mehr, kein Bienensummen, kein übermütiges Vogelgezwitscher, nur hin und wieder hörte man noch die Bergfinken in den Zweigen der großen, alten Herzlinde am Brunnen – der Herbst war da.

Mila spürte in diesem Moment die Vergänglichkeit, das unwiderrufliche Lebewohl der Zeit, die vergangen war und niemals wiederkam. So viele Tage Stunden, Minuten und Sekunden, die man nie mehr wiederfinden würde, auch wenn man sie bis ans Ende des Lebens suchte.

Wohin war die Zeit verschwunden? In die Ewigkeit, in die Unendlichkeit oder in die stillen, weiten Räume unerfüllter Träume?

***

Sie zuckte zusammen, als sie Florians Stimme vernahm. So tief war sie in ihre Gedanken eingetaucht und hoch über die Wolken geflogen, dass es ihr schwerfiel, wieder auf den Boden zurückzukommen.

»Die Idee mit der Wanderung ist nicht schlecht«, wiederholte er. »Ich bin einverstanden. Am Wochenende also. Wir haben auch etwas zu besprechen, denke ich.«

»Ach, ich weiß, was du meinst – es geht um meine Pläne!«, rief Mila. »Ich will dich aber nicht damit nerven, falls du mal nichts davon hören willst. Es rutscht mir nur immer so heraus. Du weißt es ja, es ist die Sache mit dem Laubenstüberl, das ich so gern als kleine Einkehr eröffnen möchte. Und dann ist da noch meine Idee mit den zwei Ferienwohnungen im Salettl. Ich stell' mir vor, dass sich besonders diejenigen Leute bei uns sehr wohlfühlen würden, die zum Beispiel eine anstrengende Zeit hinter sich haben oder die sich einfach mal so richtig erholen möchten. Kein Krach, kein Autoverkehr, dafür schon beim Aufstehen ein herrlicher Bergblick und gratis dazu die beste Luft der Welt, rein und klar.«

»Du bist ja nicht zu bremsen.« Florians Stimme klang belustigt, aber auch eine Spur spöttisch. »Es kommt mir so vor, als ob du die Werbetrommel für St. Christoph und den Hof rührst. Als Chefin eines Reisebüros für Ferien im Gebirge wärst du einsame Spitze.«