Der Bergdoktor 2320 - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor 2320 E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Als Model möchte Pia einmal die Laufstege der Welt erobern - doch nun führt ihr Weg sie zurück ins Zillertal, zur Geburtstagsfeier ihres Vaters. Seit dessen Wiederverheiratung hat sie ihr Elternhaus gemieden. Nicht ohne Grund: Seine neue Frau und ihre Stiefgeschwister begegnen ihr mit offener Ablehnung, sämtliche Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter wurden verbannt - und ihr Vater hat tatenlos zugesehen. Auch diesmal ist es nicht anders. Der Hof ist ein Ort des Schmerzes. Pia steht kurz davor, alles hinter sich zu lassen - als sie voller Entsetzen in den Spiegel blickt: Ihre linke Gesichtshälfte ist schlaff, ihr Auge halb geschlossen. Ihr schönes Lächeln - ausgelöscht! In panischer Angst vertraut sie sich dem Bergdoktor an. Während ihre Familie sie verspottet, ist er der Einzige, der sie tröstet. Aber die Diagnose ist erschütternd, die Zukunft ungewiss ...

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Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Das verschwundene Lächeln

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Das verschwundene Lächeln

Pia kämpft gegen die Gesichtslähmung – und um die Liebe ihres Lebens

Von Andreas Kufsteiner

Als Model möchte Pia einmal die Laufstege der Welt erobern – doch nun führt ihr Weg sie zurück ins Zillertal, zur Geburtstagsfeier ihres Vaters. Seit dessen Wiederverheiratung hat sie ihr Elternhaus gemieden. Nicht ohne Grund: Hannelore, seine neue Frau, und ihre Stiefgeschwister begegnen ihr mit offener Ablehnung, sämtliche Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter wurden verbannt – und ihr Vater hat tatenlos zugesehen.

Auch diesmal ist es nicht anders. Der Hof ist ein Ort des Schmerzes. Pia steht kurz davor, alles hinter sich zu lassen – als sie voller Entsetzen in den Spiegel blickt: Ihre linke Gesichtshälfte ist schlaff, ihr Auge halb geschlossen. Ihr schönes Lächeln – ausgelöscht!

In panischer Angst vertraut sie sich dem Bergdoktor an. Während ihre Familie sie verspottet, ist er der Einzige, der sie tröstet. Aber die Diagnose ist erschütternd ...

Pia Kröll konnte sich nicht erinnern, dass der Duft eines noch warmen Apfelkuchens sie einmal nicht zum Lächeln gebracht hätte.

Früher hatte ihre Mutter zu jedem Festtag einen Apfelkuchen gebacken, nach einem alten Familienrezept, das von ihrer Urgroßmutter stammte. Dieser Kuchen war der Höhepunkt einer jeden Kaffeetafel gewesen. Das Rezept war in einem Notizbuch aufgeschrieben, dessen Seiten inzwischen vergilbt waren und dessen lederner Einband längst abgegriffen war. Es wurde in ihrer Familie sorgsam bewahrt.

Bei ihrem letzten Besuch daheim hatte Pia es aus ihrem Schreibtisch geholt, sich damit im Schneidersitz auf ihrem Bett niedergelassen und langsam durch die Seiten geblättert. Es standen nicht nur Rezepte darin, sondern auch Hinweise für den Haushalt, Tricks und Kniffe, wie sie einem nur eine Mutter verraten konnte.

Nach dem Tod ihrer Mutter war das Büchlein auf Pia übergegangen. Sie vermisste sie unendlich, und darin zu blättern, fühlte sich an, als wäre sie ihr wieder nahe. Fast konnte Pia die Stimme ihrer Mutter beim Lesen hören und spürte wieder ihre sanfte Hand, die ihr tröstend über die Wange strich, wenn sie einmal traurig war. Darum war ihr das Büchlein auch so kostbar.

Als sie nun über die Haustürschwelle trat, wehte ihr der Kuchenduft entgegen wie ein warmes Willkommen. Fast sechs Monate war sie nicht mehr daheim gewesen. Nicht nur, weil sie in München viel zu tun hatte, sondern auch, weil sie sich daheim nicht mehr willkommen fühlte.

Drei Jahre nach dem Tod ihrer Mutter hatte ihr Vater wieder geheiratet. Anfangs hatte sich Pia für ihn gefreut. Ihn wieder glücklich zu sehen, hatte ihr das Herz leichter gemacht. Doch seine neue Frau war ihr fremd geblieben. Hannelore hatte das Zepter auf dem Hof übernommen und Pia energisch beiseitegedrängt.

Bis dahin hatte Pia ihrem Vater den Haushalt geführt. Sie hätte gern weiter mitgeholfen, aber Hannelore war das nicht recht gewesen.

Damals schien auf dem Hof kein Platz mehr für sie zu sein ...

Pia wandte sich um, um die Haustür hinter sich zu schließen. Dabei fiel ihr Blick auf die hohen Bergspitzen, die das Zillertal säumten wie uralte steinerne Wächter. Ein Lächeln flog über ihr Gesicht. Für sie waren die Berge wie alte Freunde, die sie beinahe so gut kannte wie sich selbst.

Der Hexenstein lag am nächsten. Mit seinen beiden schrundigen Gipfeln war er der Hausberg von St. Christoph. Ein dichter Kiefernwald, saftige Wiesen und gepflegte Bauernhäuser schmiegten sich an seinen Fuß. Auch der Hof ihres Vaters stand hier – umgeben von grünen Sommerweiden und einem Zirbenwäldchen. Seit über zweihundert Jahren bewirtschafteten die Krölls dieses herrliche Fleckerl Erde.

Die Haustür fiel ins Schloss. Pia stellte ihren Koffer in der Diele ab und vernahm plötzlich gedämpfte Stimmen aus der Bauernküche. Sie trat darauf zu und sah ihren Vater an der Arbeitsplatte stehen. Er hatte sich eine Schürze umgebunden, hielt eine Schüssel in der Hand und dekorierte gerade einen Kuchen mit Mandelblättchen. So langsam und bedächtig, als würde er ein Meisterwerk zaubern.

Pias Lächeln schmolz jedoch, als ihr auffiel, wie eingefallen und blass sein bärtiges Gesicht war. Er sah aus, als hätte er gerade erst eine schwere Krankheit überstanden. War er etwa krank gewesen? Warum hatte sie das nicht gewusst?

Neben ihm hatte sich ihre Stiefmutter aufgebaut. Die Hände in die Hüften gestemmt, schimpfte sie: »Warum machst du dir so viel Mühe, Anton? Die Zeit hättest du dir wirklich sparen können. Wir hätten auch einen Kuchen kaufen können.«

»Das wär' aber net dasselbe gewesen.«

»Und wen juckt das? Der Kostner unten in Mayrhofen zaubert wunderbaren Kuchen. Oder ist der dir etwa nimmer gut genug?«

»Freilich ist er gut. Aber wenn die Pia heimkommt, soll sie auch einen Kuchen wie früher haben. Einen, wie ihn ihre Mutter gebacken hätte.«

»Ach.« In der einen Silbe schwang ein ganzer Schwall an Vorwürfen mit. »Für das Goldstück ziehst du also alle Register, oder?«

»Hannelore.« Ihr Vater drehte den Kopf und sah seine Frau über den Rand seiner Lesebrille hinweg an.

»Ist doch wahr. Sie lässt sich ... wie oft hier blicken? Zweimal im Jahr? Und dann wird natürlich der rote Teppich ausgerollt.«

Pias Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Der Ton ihrer Stiefmutter legte nahe, dass sie etwas beschrieb, das sie gerade unter ihrem Schuh abgekratzt hatte.

Pia seufzte. Es stimmte ja, sie kam selten heim. Doch das hatte auch seinen Grund. Nicht nur Hannelore gab ihr das Gefühl, nicht mehr hierherzugehören, sondern auch die beiden Kinder, die die Stiefmutter mit in die Ehe gebracht hatte. Sie waren im selben Alter wie Pia, aber anstatt in ihr eine neue Freundin oder eine Schwester zu sehen, behandelten sie sie wie eine Rivalin.

Ein ewiger Zank hatte sich auf dem Hof eingeschlichen. Das wollte Pia weder ihrem Vater noch sich selbst antun, und so hatte sie zugegriffen, als sich ihr die Chance geboten hatte, nach München zu gehen und eine Ausbildung zur Fotografin zu beginnen. Eine alte Freundin ihrer Mutter hatte sie die erste Zeit bei sich wohnen lassen und ihr damit den Anfang erleichtert.

Pia stand noch an der offenen Küchentür, als ihr Stiefbruder mit einem iPad in der Hand die Treppe herunterstürmte und sie so heftig mit der Schulter anrempelte, dass ihr ein scharfer Schmerz durch den Körper raste.

Lucas war gut einen Kopf größer als sie selbst und vermutlich doppelt so schwer. Er hatte die hellblonden Haare seiner Mutter geerbt und war kräftig genug, um eine ganze Kuh zu stemmen. Er blickte flüchtig von seinem Spielzeug auf und murmelte etwas, das nicht zu verstehen war. Es konnte eine Entschuldigung ebenso wie ein Fluch sein.

Pia rieb sich die Schulter. »Hallo, Luc...«, setzte sie an, aber da war er schon an ihr vorbei und trat an den Kühlschrank, um sich eine Flasche Milch herauszunehmen.

In diesem Augenblick entdeckte ihr Vater Pia.

»Da bist du ja, Liebes! Ich hab dich gar net kommen gehört.« Ein breites Lächeln vertrieb die Schatten aus seinem Gesicht.

Er stellte die Schale mit Mandelblättchen ab, kam zu Pia und breitete die Arme aus, um sie fest und herzlich in seine Arme zu schließen. Sie verschwand beinahe in seiner Umarmung und schloss die Augen, dankbar für den wunderbaren Moment der Geborgenheit.

»Ich freu' mich so, dich zu sehen, Liebes.« Er gab sie wieder frei und lächelte sie an. »Wie war die Fahrt?«

»Ich bin gut durchgekommen. Nur kurz hinter München gab's einen kleinen Stau, aber der reichte zum Glück net weit.« Pia fuhr einen orangefarbenen Kleinwagen, den ihre Freundin Vreni liebevoll »Renn-Orange« nannte. Sie hatte ihn angeschafft, weil sie für ihre Aufträge mobil sein musste.

»Ich bin so froh, dass du kommen konntest.« Ihr Vater strich ihr mit einer mehlbestäubten Hand über die Wange.

»Um nichts in der Welt hätte ich deinen Geburtstag morgen verpassen wollen.« Pia wandte sich Hannelore zu, die sie kurz an sich drückte, bevor sie sie wieder von sich wegschob und eingehend musterte. »Du wirst immer dünner, Pia«, stellte sie fest und zog eine Augenbraue hoch. »Ich hab einen Tafelspitz zum Abendessen vorbereitet. Isst du später mit uns, oder nimmst du nur ein Pfefferminzbonbon?«

Pia war solche Anspielungen schon gewohnt und erwiderte ruhig: »Ich ess' sehr gern mit. Kann ich dir noch beim Kochen helfen?«

»Bewahre! Aber den Tisch kannst du für die Kaffeetafel decken, wenn du unbedingt etwas tun willst.«

»Natürlich.« Pia beschloss, später auszupacken, und trat an den Küchenschrank. »Isst Leonie auch mit oder ...«

Die Frage war noch nicht ganz heraus, als die Haustür hörbar zuschlug und eine helle Stimme rief: »Wir sind da-ha!«

Im nächsten Augenblick wirbelte Leonie herein – mit demselben hellblonden Haar wie ihr Zwillingsbruder und ihre Mutter und einer Vorliebe für Minikleider und knallige Farben. Während Lucas seine Haare kurz geschnitten trug, ringelten sich Leonies in weichen Wellen fast bis zu ihrer Taille. Sie war nicht allein, sondern zog an der Hand einen Burschen hinter sich her, den Pia nur zu gut kannte: Matteo!

Sie schluckte unwillkürlich, aber der Kloß in ihrer Kehle ließ sich nicht vertreiben.

Ihr Exfreund und ihre Stiefschwester? Waren die beiden wirklich ein Paar?

Leonie warf Pia ein schiefes Lächeln zu. Dann schmiegte sie sich enger an Matteo, nahm sein Gesicht in beide Hände und küsste ihn. Ein tiefer, lang anhaltender Kuss, bei dem Pia wegsah und ihr Vater irritiert die Stirn runzelte.

»Lass uns das später vertiefen, Baby«, murmelte Matteo, bevor er seinen Blick auf Pia richtete und sie angrinste. »Hey, lange nicht gesehen.«

Was sollte sie darauf erwidern? Aus seiner Sicht war es wohl lange her. Matteo hatte es mit der Treue nicht allzu genau genommen, als sie noch zusammen gewesen waren, deshalb hatte Pia die Notbremse gezogen und sich von ihm getrennt. Ob Leonie seine Untreue hinnahm? Oder hatte er sich für sie geändert? War er ihrer Stiefschwester treu, während Pia ihn nicht hatte halten können?

Bei diesem Gedanken fuhr ihr ein Stich ins Herz.

Sie holte sechs Kuchenteller aus dem Schrank und begann, den Tisch unter dem Herrgottswinkel zu decken. Ihr Vater fuhr derweil damit fort, den Kuchen zu dekorieren, während Hannelore die Kaffeemaschine einschaltete.

»Geht es dir gut, Vaterl?«, fragte Pia ihn leise. »Du schaust müde aus.«

»Ist alleweil viel Arbeit, aber ... Ja, mir geht's gut.« Er lächelte sie an, aber diesmal erreichte sein Lächeln nicht ganz seine Augen. Waren seine Lippen nicht auch bläulicher als sonst? Was fehlte ihm nur?

»Hey, sag mal, hast du wirklich einen Bandwurm im Bauch?« Lucas spähte über sein Glas Milch herüber und fasste Pia fest in den Blick. »Die Mutter sagt, du hättest ihn dir einpflanzen lassen, um so dünn zu bleiben.«

»Einen Bandwurm?« Pia riss die Augen auf. »Sicher net.«

»Und wie schaffst du es dann, so ein Strich in der Landschaft zu bleiben?«

»Ich esse diszipliniert und treibe Sport.«

»Nur das?« Hannelores Ton legte nahe, dass sie ihr nicht glaubte. »Keine Appetitzügler? Kein Erbrechen nach jedem Essen? Gar nix?«

»Nein.« Pia schüttelte den Kopf. Sie hatte die zierliche Statur ihrer Mutter geerbt und sich nie groß um ihre Figur sorgen müssen. Das kam ihr jetzt zugute.

Für ihre Arbeit durfte sie nicht zunehmen. Sie hätte es sich nie träumen lassen, aber während ihrer Ausbildung war sie einem Modelscout aufgefallen und zu Probeaufnahmen eingeladen worden. Zuerst hatte sie gar nicht hingehen wollen, aber dann hatte Tante Helene sie überzeugt, es zu versuchen.

Sie war ohne große Erwartungen zu dem Termin gegangen und hatte überraschend viel Spaß daran gehabt, vor der Kamera zu posieren. Ihre Aufnahmen hatten überzeugt, und so waren bald die ersten Aufträge für sie eingetrudelt.

Anfangs war Pia auf kleineren Modenschauen gelaufen. Inzwischen wurde sie öfter gebucht und war häufig auf Reisen – unterwegs zu Modenschauen und für Aufnahmen bekannter Mode-Label. Im Frühling war sie fast einen Monat lang in Rom gewesen und hatte es geliebt, dort zu arbeiten.

»Unsere Pia hofft wohl, eine zweite Claudia Schiffer zu werden«, sagte Leonie spöttisch.

»Vielleicht träumt sie von einem zweiten David Copperfield, der sie auf Händen trägt«, ergänzte Matteo und grinste. »Sag, hast du inzwischen wieder jemanden?«

Pia ging nicht darauf ein. Sie würde ihr Liebesleben – oder das Fehlen eines solchen – ganz sicher nicht mit ihrem Exfreund diskutieren.

»Wie läuft es auf dem Hof?«, wechselte sie deshalb das Thema. »Hat das Feigl inzwischen ihr Kälbchen bekommen?«

Ihr Vater nickte, aber anstatt zu antworten, wischte er sich mit dem Handrücken ein paar Schweißperlen von der Stirn. Sein Gesicht schien von Minute zu Minute grauer zu werden.

Pia sah ihn alarmiert an.

»Geht's dir wirklich gut, Vaterl?«, fragte sie ihn leise.

»Schon«, ächzte er und rieb sich mit einer Hand den Brustkorb. »Aber es ist ziemlich warm hier drin, oder? Können wir vielleicht ein Fenster aufmachen? Ich ... ich glaub', ich brauch' ein bisserl frische Luft ...«

Er ließ von dem Kuchen ab und wandte sich dem Fenster zu, aber nach zwei Schritten knickten plötzlich seine Beine unter ihm ein ... Und bevor jemand eingreifen konnte, sank er in die Knie und stürzte mit einem lauten Poltern auf den Dielenboden!

»Vater!« Pia schrie erschrocken auf. »Was hast du denn?«

Er blieb reglos liegen und antwortete ihr nicht.

Sie kauerte sich neben ihn und fasste nach seiner Schulter.

»Vaterl? Was ist denn los? O bitte ... Vater?« Ihr Kopf ruckte hoch. »Ruft den Bergdoktor! Rasch! Er braucht einen Arzt!«

***

»Halte durch, Vaterl. Der Bergdoktor ist auf dem Weg.« Pia beugte sich vor und brachte ihr Gesicht nah an das ihres Vaters. Angstvoll suchte sie in seinen Zügen nach einer Reaktion auf ihre Worte, fand aber keine. »Kannst du mich hören?«

Er gab ein gedämpftes Stöhnen von sich.

»Hast du Schmerzen, Vaterl? Wo tut es dir weh?«

»In der ... Brust ...« Die Worte waren kaum zu verstehen und jagten Pia einen Schauer der Angst durch den Körper. Das Herz. Es musste sein Herz sein. Sein großes, gütiges, nach dem Tod seiner ersten Frau gebrochenes Herz.

Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie schloss die Finger um seine Hand und flüsterte: »Halte noch durch, ja? Hilfe ist schon unterwegs.«

»Mein Spatzerl ...« Seine Hand lag schlaff in ihren Fingern. Er schien zu matt zu sein, um den Druck zu erwidern.

Pia murmelte leise Worte, ohne zu wissen, was sie da überhaupt sagte. Ihr Vater sollte nur ihre Stimme hören, sollte wissen, dass er nicht allein war, dass sie alles tun würde, um ihm zu helfen.

Oh, wenn doch nur der Bergdoktor schon da wäre! Wo blieb er denn nur?

Bang lauschte sie, aber sie konnte nur die befehlende Stimme ihrer Stiefmutter hören, die ihren Sohn anherrschte, seinem Vater ein paar Sachen für das Krankenhaus zu packen.

Lucas stand wie versteinert am Fenster und wirkte unfähig, sich zu rühren, aber seine Mutter schien den Ereignissen bereits drei Schritte voraus zu sein. Sie rüttelte ihn und ermahnte ihn, eine Tasche mit dem Nötigsten zu packen.

Leonie schmiegte den Kopf an Matteos Schulter und schluchzte haltlos, während er den Arm um sie gelegt hatte und ihr leise Worte des Trostes zu murmelte. Seine dunklen, leicht gewellten Haare fielen ihm in die Stirn, und er hielt den Kopf zu Leonie gesenkt, sodass Pia seine Augen nicht sehen konnte.

Da, endlich, läutete jemand an der Tür.

Hannelore stürmte hinaus, um zu öffnen, und kam kurz darauf mit Dr. Burger zurück in die Küche.