Der beste Mensch der Welt - Martin Seeliger - E-Book

Der beste Mensch der Welt E-Book

Martin Seeliger

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Beschreibung

Panik Panzer – Der Mann, der Mythos, die Legende! Panik Panzer, preisgekrönter Buchautor, Entrepreneur, Lebemann und Mitglied der allseits gefürchteten Antilopen Gang, ist zwar kein Batman oder He-Man. Doch hat er im Leben so einiges erlebt, das selbst Gott vor Neid erblassen lässt. Wer könnte von sich schon behaupten, dass er Mitglied einer Terrororganisation war, den Aufstand der Tiere gegen die Menschheit unterband und von Außerirdischen entführt wurde? Keiner! In seinen missratenen Memoiren verrät Panik Panzer, wie ihm sein unerschütterliches Mindset und seine unglaubliche Willenskraft geholfen haben, der beste Mensch der Welt zu werden. Übrigens: Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele. Also kauft dieses Buch! Wenn nicht für euch selbst, dann für eure Lieben. Danke!

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Seitenzahl: 254

Veröffentlichungsjahr: 2023

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PANIK PANZER MARTIN SEELIGER

DER BESTE MENSCH DER WELT

PANIK PANZER MARTIN SEELIGER

DER BESTE MENSCH DER WELT

Wie ich es schaffte, die Spitze der Nahrungskette zu erklimmen

riva

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen

[email protected]

Wichtiger Hinweis

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

Originalausgabe

1. Auflage 2023

© 2023 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Redaktion: Caroline Kazianka

Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer, Danny Kötter, Tobias Pongratz

Umschlagabbildung: Danny Kötter

Satz: Satzwerk Huber, Germering

eBook by tool-e-byte

ISBN Print 978-3-7423-2335-4

ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-2124-1

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-2125-8

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.rivaverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Gewidmet meinem Sohn Panik Panzer

INHALT

GRUSSWORT AN MEINE LESERWarnung an meine Fans

OH DU FRÖHLICHEWie ich zum Mann Panik Panzer wurde

SCHWARZ, ROT, GRÜNWarum ich Mitglied in allen Parteien bin

ICH WERDE FEUERWEHRMANWie ich als kleiner Mann die Leistungsspange erhielt

ES WAR EINMALWie ich einmal erfolgreicher Drogendealer wurde

DIE TOTEN BRENNENWie ich einen Flugzeugabsturz überlebte

DER MIT DEM LÖWEN TANZTWie ich den Aufstand der Tiere gewaltfrei niederschlug

SCHEISSE, DIE BULLEN!Wie meine Freundschaft mit der Polizei begann

DER GROSSE ZAPFENSTREICHWie ich einmal zur Bundeswehr ging

NUDELN MIT MEHLSCHWITZEOder die goldenen Regeln des Sparens

ANTIFA HEISST ANGRIFFWie ich einmal Mitglied einer linksradikalen Terrororganisation wurde

LICHT AN IM CLUBWie ein Türsteher mir mal das Leben rettete

I BELIEVEWie ich einmal von Außerirdischen entführt wurde

MANN ÜBER BORDWie ich einmal eine Kreuzfahrt machte

PANZY UND DIE STARKEN MÄNNERWie ich einmal Bodybuilder wurde

KINDER SIND TABUWie mich ein kleines Mädchen zu Tränen rührte

DIE LIEBE MASCHINEOder wie ich einmal durch die Zeit reiste

GESIEBTE LUFTWarum ich mal im Knast saß

WURST ODER KÄSEWarum ich einmal Fernfahrer war

DAS BESTE KOMMT ZUM SCHLUSSDas perfekte Rühreirezept

GRUSSWORT AN MEINE LESER

Warnung an meine Fans

Es gibt Bücher, die sich nicht dazu eignen, dass man sie liest. Damit könnten der Brockhaus, das Telefonbuch oder die Gelben Seiten gemeint sein, deren Lektüre von Deckel zu Deckel sich schon aufgrund des sperrigen Formates nicht anbietet. Eine Handlung entfaltet sich hier genauso wenig wie ein Lesevergnügen. Aber auch Hegels Philosophie des Geistes oder Heideggers Sein und Zeit liest niemand ernsthaft, denn sie sind zu kompliziert. Trotzdem reden die Leute darüber und es gilt als schick, sich die alten Schinken aufs Bücherbord zu stellen. Für mich ist das kein Problem!

Ich will hier ganz offen mit euch sein. Dieses Buch eignet sich nicht für eine lang andauernde Lektüre. Wenn ihr es nicht ab und an zur Seite legt, um den Inhalt sacken und wirken zu lassen – etwa auf einem ausgedehnten Spaziergang im Abendrot oder einem knackigen Workout im Fitnessstudio eurer Wahl –, lauft ihr Gefahr, den Faden zu verlieren oder wichtige Details zu übersehen, derer ihr erst beim zweiten oder dritten Durchdenken des Textes gewahr würdet. Wie ein Wein, der erst mit den Jahren reift, dann aber nicht nur geschmacklich, sondern auch preislich an Wert gewinnt, braucht dieses Buch Zeit, um seine wahre Bedeutung zu entfalten. Hierfür müsst ihr es nicht mal lesen. Selbst wenn ihr es ins Bücherregal stellt, wird es euch nützen, Glück und Zufriedenheit vermitteln und auf euren Wegen begleiten.

Solltet ihr vorab schlechte Rezensionen gelesen haben, kann das gar nicht sein. Und auch euch wird dieses Buch gefallen, denn was es enthält, sind die fesselnden Geschichten eines Abenteurers – die Geschichten des jungen, des Jungen und des Mannes Panik Panzer. Meine Geschichten, denn Panik Panzer, das bin ich. Ich bin ein Mann von Format und Stil und stehe mit meinem Namen für dieses Buch. Während ihr geschlafen habt, habe ich nicht geruht, sondern emsig geschrieben. Das ist für mich wichtig, denn ich will in die Geschichte eingehen, und das werde ich auch.

Ein Buch zu schreiben ist immer auch ein Wagnis. Für mich als Abenteurer sind Wagnisse kein Problem. Sie sind mein täglich Brot und ich brauche sie wie die Luft zum Atmen. Ich bin allerdings nicht nur ein Abenteurer, sondern auch ein Künstler und – bei aller Bescheidenheit – ein Genie. Aus diesem Grund gelten für mich andere Regeln als beispielsweise für euch. Etwaige in diesem Buch feststellbare Abweichungen von der regulären, das heißt im Duden festgelegten, Schreibweise erklären sich vor diesem Hintergrund. Ich muss mich nicht an Rechtschreiberegeln halten. Klar? Gut!

Vielleicht ist dieses Buch nicht eure Tasse Tee. Aber dieses Buch ist auch keine Tasse Tee, denn es ist ein Buch. Dieses Buch wird sehr schlechte Rezensionen erhalten, vielleicht habt ihr sogar schon eine gelesen. Davon dürfen wir uns nicht beeinflussen lassen. Wie eben ausgeführt, ist dieses Buch – wenn man es schnell und in komprimiertem Zeitraum liest – eine lehrreiche und angenehme Lektüre. Lest das Buch möglichst schnell, sonst seid ihr dumm, denn nur dumme Leute lesen langsam.

Was ich in diesem Buch sagen werde, wird nicht jedem gefallen. Ich muss es aber tun, denn was ich sage, sind die Wahrheit. Ungeschönt und schnörkellos werde ich berichten, was der Fall ist. 100 Prozent. Ich werde die Dinge auf den Punkt bringen und aussprechen, was sich sonst keiner zu sagen traut. Aber trotzdem bewegt sich dieses Buch auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Aus diesem Grund sind einige delikate Passagen nachträglich geschwärzt worden. Lasst es mich mal so ausdrücken: Mit diesem Buch hast du nicht viele Freunde, doch die, die du hast, teilen deine Träume.

Und nun viel Freude beim Schmökern der Geschichten aus dem Leben eines Abenteurers. Meinem Leben.

Herzlichst, Ihr Panik Panzer

OH DU FRÖHLICHE

Wie ich zum Mann Panik Panzer wurde

Kinder brauchen Träume. Die Zukunft liegt vor ihnen, doch zugänglich ist sie ihnen nur über ihre Fantasie. Auch ich war einmal ein Kind. Aber das ist lange her. Meine Kindheit fand mit gerade mal anderthalb Jahren ein jähes Ende am 24. Dezember 1986. Für alle Nichtchristen unter Ihnen möchte ich kurz erklären, dass es sich hierbei um den Weihnachtsabend handelt, eines der wichtigsten Feste des christlichen Abendlandes.

Leise rieselte der saure Schnee aus den Wolken auf das Autodach des roten Fiat 900 meiner Eltern, der wie immer unabgeschlossen vor dem Haus in der Friedensstraße parkte. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl hatte das ganze Jahr über die Schlagzeilen und Nachrichten dominiert, doch an diesem Abend waren alle Sorgen vergessen, denn die ganze Welt hatte sich anlässlich des Heiligen Abends auf einige Stunden Frieden, Freude und Eintracht geeinigt. Durch die Fenster der festlich dekorierten Häuschen des kleinen Aachener Vororts Haaren fiel ein behaglicher Lichtschein, der all die Angst vor den radioaktiv verstrahlten Lebensmitteln für einen Moment vergessen ließ. Beobachtete man das abendliche Treiben durch die Fenster der in Reih und Glied stehenden Fachwerkhäuser, lagen sich glückliche Familien bei Kerzenschein in den Armen.

An dieser Stelle möchte ich noch mit dem Vorurteil aufräumen, dass der Weihnachtsmann eine Erfindung der Coca-Cola Company sei. Coca-Cola hat vieles erfunden, zum Beispiel Coca-Cola, aber nicht den Weihnachtsmann. Später hat Coca-Cola auch die Fanta erfunden, kurz darauf Mezzo Mix und noch etwas später die herrlich spritzige Sprite-Limonade. Coca-Cola ist verantwortlich für Cola Light, Cola Zero, Vanilla Coke und Cherry Coke. Zwar hat Coca-Cola nicht das Mineralwasser erfunden, aber mit Bonaqua eine verdammt starke Marke internationalen Renommees in den Markt eingeführt. Nicht schlecht, Herr Specht!

Unweit meines Elternhauses lag still und starr der kleine Entenweiher, an dem ich im Sommer des gleichen Jahres versehentlich einige Lausbuben aus meiner Straße zum traurigen Mord an einem friedliebenden Erpel angestiftet hatte. Mit einem abgebrochenen Ast in einem Ölfass rührend, das am Ufer des miefigen Tümpels vor sich hin rostete, hatte ich die Bande von Idioten im Scherz gebeten, man möge mir das Tier bringen, sodass ich eine köstliche Entensuppe zubereiten könne. Das hatten die Jungs nicht als Scherz verstanden. Heute sage ich, das arme Tier hätte nicht getötet werden müssen, denn Tiere haben ein Recht zu leben und der Entenmann hatte uns nichts Böses getan.

Der Weihnachtsgottesdienst startete wie jedes Jahr pünktlich um 18 Uhr und der katholische Pfarrer Schreck hatte mich, meine Familie und die gesamte Kirchengemeinde mit einer rührenden Ansprache zu mehr Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Umweltschutz ermahnt. Umweltschutz als Problemkomplex einer nachhaltigen Entwicklung sowie die Herausforderung eines ressourcenschonenden Umgangs mit der Natur waren in der Bibel noch nicht als zentrale Aufgaben der irdischen Existenz herausgestellt worden, dennoch verwies der Kaplan der örtlichen Gemeinde in seinem Vortrag auf deren dringende Notwendigkeit. »Wenn ihr nicht aufpasst«, brüllte der Gottesdiener mit hochrotem Kopf, »wird die Natur euch fertigmachen, ganz genauso wie ihr sie fertigmacht!« – »Das werden wir noch sehen, du Einfaltspinsel«, erwiderte einer meiner Geschwister frech und die Gemeinde lachte über den dummen Kaplan, der sich hier von einem Fünfjährigen die Butter vom Brot nehmen ließ.

Plötzlich gab es einen lauten Knall. Einer meiner älteren Brüder war auf den Treppenstufen der Christuskirche gestolpert und kopfüber in die seit Wochen liebevoll installierte Krippe gefallen. Mit seinem dicken Schädel voran hatte er als Erstes das Jesuskind zertrümmert. Maria, Joseph, Ochs und Esel sowie die heiligen drei Könige gerieten ins Wanken, um schließlich in Zeitlupe umzufallen und mit einem lauten Klirren auf dem Boden zu zerschellen. »Gloria in excelsis deo« stand festlich verschnörkelt auf einer Leinenbanderole, die zwei Engelchen von links nach rechts über die Krippe gespannt hatten, während sie vergnügt in ihre Engelstrompete prusteten. Doch beim unbeholfenen Versuch, sich aus dem Scherbenhaufen zu befreien, stieß mein Bruder auch diese Figuren um und die Banderole riss entzwei.

Mein Bruder Populus, heute ein nicht ganz unbekannter Showzauberer, damals noch ein Kind von höchster Ungeduld und wenig Talent, das meine Eltern durch sein gefürchtetes Potenzial an jähzornigen Wutanfällen fest unter Kontrolle hatte, forderte vehement die Bescherung ein, noch bevor meine Eltern die Kirche fluchtartig verlassen konnten. Er hatte die Absperrung einer kleinen Wendeltreppe durchbrochen und war nach oben zum kirchlichen Orgelspieler vorgedrungen. So saß er nun auf der Empore vor den Orgelpfeifen der Christuskirche, ließ die Beine in der Höhe baumeln und drohte unseren Eltern damit herunterzuspringen, sollten diese nicht in den nächsten Minuten die weihnachtliche Bescherung einleiten. »Ich springe runter, ist mir scheißegal, dann sitzen wir eben gleich in der Notaufnahme«, brüllte das tyrannische Kind über die Köpfe der Kirchengemeinde hinweg. »Raus jetzt mit euch, verpisst euch endlich, ihr verdammten Heiden!!!«, schrie daraufhin der junge Pastor Schreck, der sonst schwer aus der Ruhe zu bringen war. »Weihnachten hin oder her, hier ist jetzt Schluss! Jedes Jahr das Gleiche mit euch! Raus! Raus, sage ich!!«

Das ließen wir uns nicht zweimal sagen, denn die Weihnachtsmesse war sehr langweilig und für die kurzen Aufmerksamkeitsspannen von mir und meinen Brüdern ohnehin nicht geeignet. Froh über die gewonnene Zeit machten wir uns auf den Weg zurück zum Auto. Meine Mutter zündete sich genervt eine Zigarette an. »Ihr Kinder bringt mich noch ins Grab«, seufzte sie.

Obwohl die Kirche nur wenige Meter von der Gründerzeit-Villa entfernt lag, die meine Familie und ich in diesen Tagen bewohnten, griff mein Vater quer über das Armaturenbrett hinweg ins Handschuhfach des roten Fiat 900 und holte den ADAC-Straßenatlas hervor. Er wandte sich zu uns Kindern um und zwinkerte uns freundlich zu. »Sicher ist sicher! Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig nachgesehen!« Mit quietschenden Reifen setzte sich der Kleinbus in Bewegung. »Papa, mach die Heizung an!«, befahl ich meinem Erziehungsberechtigten. Kurz darauf waberten Schwaden grauen Zigarettenrauches durch das Fahrzeuginnere.

Der Wagen ruckelte, als wir über die von Schlaglöchern übersäte Straße fuhren. Meine Mutter hatte sich zwei weitere Zigaretten angezündet, die sie nun gleichzeitig rauchte. Die Rauchschwaden machten mir das Atmen schwer und ich wippte unruhig in meinem Kindersitz hin und her. Langsam und folternd kroch die Übelkeit in mir hoch, bis ich es schließlich nicht mehr aushielt und mich fontänenartig über meine Brüder erbrach, die sich längst ihrer Anschnallgurte entledigt und auf den hinteren Bänken des Kleinbusses die Anarchie ausgerufen hatten.

»Bah, du Ekelhafter!«, schrie mein Vater entsetzt, während er das Ausmaß meines Malheurs überblickte. Als die Familienkutsche kurze Zeit später vor unserem weihnachtlich dekorierten Haus hielt, zog er ein besudeltes Kind nach dem anderen aus dem Wageninneren. Mir wurde schwarz vor Augen.

Jede Familie hat ihre eigene Weihnachtstradition. Während die einen Jahr für Jahr ihre unliebsame Verwandtschaft einbestellen und die ungebetenen Gäste nur mit Unmengen Alkohol ertragen, haben andere sich vorsorglich aller Freunde und Verwandten entledigt und begehen den Weihnachtsabend traditionell einsam und allein. Manche Familien frönen dem Wichteln, andere ertränken sich gegenseitig in Kubikmetern von Geschenken, wieder andere haben sich gegen den Konsumzwang entschieden und erleben den Weihnachtsabend in innerer Einkehr oder surfen im Internet. Für viele Familien ist der Heilige Abend ohne Streit nicht vollkommen, manche Familien veranstalten ein Fondue, andere servieren traditionell Kartoffelsalat und Würstchen. In meiner Familie gab es immer all das auf einmal.

Der Höhepunkt eines jeden Weihnachtsfestes meiner Familie waren die Darbietungen meines Vaters. Den ganzen Sommer lang hatte der liebe Mann in seiner Schreibstube mit dem Verfassen von Weihnachtsgedichten verbracht, die er nun seiner Frau und den Kindern unter dem festlich geschmückten Tannenbaum vortrug. Die Gedichte trugen eine sozialkritische Note und problematisierten die fortschreitende Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes. Sie regten uns Kinder zum Nachdenken an und inspirierten unsere Mutter. Heute bin ich meinem Vater dankbar, denn ich hatte eine wunderschöne Kindheit.

Zu diesem Weihnachtsfest bekam mein ältester Bruder eine Baustelle von Playmobil. Mein zweitältester Bruder erhielt einen Kinogutschein für einen Film ab 12. Populus, der Zauberer, wurde mit einer Ritterrüstung bedacht. Und der mir altersmäßig am nächsten Stehende kriegte einen Chemiekasten. Selig spielten die Geschwister im behaglichen Schein der Kerzen des Weihnachtsbaumes.

All diese Schilderungen, liebe Leserinnen und Leser, kann ich Ihnen nun leider nicht aus erster Hand übermitteln, denn ich war gar nicht dabei. Vielleicht erinnern Sie sich an die eben beschriebene Szene, in der mein Vater die besudelten Kinder aus dem Auto gezogen hat. Sollten Sie sich nicht daran erinnern, blättern Sie bitte drei Seiten zurück und lesen Sie die Stelle gefälligst noch mal. Ich kann hier ja nicht alles für Sie vorkauen, und wenn Sie sich nicht konzentrieren, macht das hier alles gar keinen Sinn mehr und Sie verlieren den Faden. Egal.

Er zog also alle Kinder aus dem Auto. Nur mich vergaß er dort. »Papa, wo bist du?«, fragte ich nach kurzer Zeit mit trauriger Stimme in die Dunkelheit des Fahrzeuginneren. Es hatte wieder zu schneien begonnen und die Schneeflocken verdichteten sich zu einem Schneeteppich, der sich langsam über die Scheiben des Kleinbusses legte und das moderne Interieur abkühlte. Nur der Gestank des qualmenden Aschenbechers erinnerte noch daran, dass meine Familie und ich bis vor Kurzem gemeinsam in diesem Fahrzeug verweilt hatten.

Schon als Kind war mir nie langweilig und so wusste ich die unverhofft aufgekommene Einsamkeit gut zu nutzen, indem ich mir komplizierte Rechenaufgaben stellte und mein absolutes Gehör schulte. Zu diesem Zweck stieß ich schrille Töne aus, die in der ausgestorbenen Straße des Aachener Vorortes Haaren verhallten. Mit der Kraft meiner Gedanken versuchte ich, den Schaltknüppel des Fahrzeugs zu bewegen. Es gelang mir ohne Probleme.

Plötzlich klopfte es an die Scheibe. Ich fuhr herum. Ein rotgesichtiger Mann mit einem weißen Rauschebart presste seine Nasenspitze gegen die Scheibe. »Finger weg von meinem Auto!«, schrie ich das Schwein an. Der freundlich winkende Störenfried kam mir gerade recht. »Hilfe! Man hat mich in diesem Auto vergessen und nun warte ich die ganze Zeit, bis man mich reinholt. Es ist bestimmt nur ein Missverständnis oder eine Art Mutprobe, aber man kann ja nie wissen.« Der Opa mit dem roten Anzug schien den Ernst der Lage nicht zu verstehen. »Bruder, du weißt«, setzte er immer noch winkend zu einer Erklärung an, »ich bin der Weihnachtsmann, und das heißt, dass ich gerade heute verpflichtet bin, dir zu helfen. Aber das heißt nicht«, wiegelte er ab, »dass ich mich hier vor allen Leuten zum Larry machen muss. Ich bin nicht ein Idiot. Wie stellst du dir das bitte vor? Wahrscheinlich gar nicht, denn du bist erst ein Jahr, du fette Sau!« Meine Augen wurden glasig. »Gegen mich bist du nichts. Du kannst froh sein, dass ich nicht zu dir reinkomme. Dann könntest du was erleben. Wenn ich nicht beruflich hier wäre, hätte ich dir schon längst eine gezimmert. Ich bin froh, dass ich keinen Sohn habe wie dich. Und wenn ich einen hätte, würde ich ihn auch im Auto vergessen.«

So ging es stundenlang weiter. Der bärtige Mann schimpfte wie ein Rohrspatz und wurde dabei nur durch die Glocken des nahe gelegenen Kirchturms unterbrochen, die zur Viertel- zur halben, zur Dreiviertel- und zur vollen Stunde die Zeit angaben. Es wurde sieben. Es wurde acht. Neun, zehn, elf Uhr. Ich muss eingeschlafen sein, aber als ich gegen 5:34 Uhr wieder aufwachte, war der Nikolaus immer noch da und schrie und wütete vor dem Autofenster. Schließlich zog er doch von dannen und ich atmete erleichtert auf. Gleichzeitig vermisste ich den gutmütigen Fettsack, denn er war mir in unserer kurzen gemeinsamen Zeit schnell ans Herz gewachsen.

Mit Schrecken betrachtete ich die Szenerie. Der Nikolaus hatte eine Schneise der Verwüstung in unsere Auffahrt und den kleinen Vorgarten unserer Gründerzeit-Villa geschlagen. Mit seinen schweren Stiefeln hatte die cholerische Sau das von Mutter sorgfältig gejätete Blumenbeet einfach zertrampelt. Dem Gewicht des Heiligen hatten die Stiefmütterchen, Tulpen und Rosen unmöglich standhalten können. Übrig geblieben war nur ein Haufen ausgerupften Unkrauts. So stellte ich mir die Hölle vor.

»Mein junger Panik Panzer, da bist du ja«, riss mich die liebliche Stimme meiner ehrwürdigen Mutter aus dem Schlaf. »Da hast du uns ja einen gehörigen Schrecken eingejagt. Einfach die ganze Nacht im Auto zu bleiben, was denkst du dir dabei?«, schrie sie mich liebevoll an. Ich versuchte, ihr zu antworten oder mich zu bewegen, doch es funktionierte nicht. Die kalten Temperaturen hatten meine Gliedmaßen einfrieren lassen, so wie die Pumuckeltorte im Kühlraum eines Bofrost-LKWs.

»Du musst wieder auf die Beine kommen, mein Junge«, sagte Mutter, »hier hast du fünf Mark. Hol mir mal ’ne Packung Ziesen, aber bisschen plötzlich! HB!« Ich wimmerte: »Mama, warum habt ihr mich alleingelassen?« Doch sie war bereits wieder im Innern unseres Hauses verschwunden. Mit aller Kraft zerrte ich an den Gurten meines Kindersitzes. Ich durfte meine Mutter jetzt nicht enttäuschen, denn sie brauchte mich. Sie war schwer nikotinabhängig und jede Minute ohne eine ihrer geliebten Glimmstängel bedeutete für die arme Frau einen schrecklichen, schier unaushaltbaren Suchtdruck.

Mit aller mir als Einjährigem verfügbaren Muskelkraft zerriss ich den Anschnallgurt. Im Hechtsprung zerbrach ich die unter meinem Einschlag in tausend Stücke zerberstende Autofensterscheibe und eilte im Stechschritt zum nächsten Zigarettenautomaten. Blut lief mir in die weit aufgerissenen Augen, doch das Adrenalin ließ alle Schmerzen verstummen. Mutter brauchte mich jetzt. Und ich würde sie nicht enttäuschen. Nicht jetzt und niemals.

Als meine kindlichen Muskeln die Polyesterfäden der Vergurtung durchtrennten, markierte dies nicht nur das Ende der Funktionstüchtigkeit des Sicherheitsgurtes, sondern auch das Ende meiner Kindheit. Bereits im zarten Kindesalter von einem Jahr wurde ich zum Mann. Manche Männer erhalten sich das innere Kind. Andere Kinder werden niemals zum Mann. Wieder andere Kinder sind nicht mal richtige Kinder. Doch mir hatte das Schicksal schon früh die Mannesprüfung auferlegt und diese Prüfung hatte ich gemeistert. Hatte der Nikolaus mir nicht allen Grund gegeben, die Flinte, wie man so sagt, ins Korn zu werfen? In der kältesten Weihnachtsnacht, die mein geliebtes Aachen je erlebte, beschloss ich, niemals aufzugeben. Egal was die anderen sagen. Immer mein Ding machen. Das war, was ab nun zählte, und ich wusste, was zu tun ist.

Was, liebe Leserinnen und Leser, will ich euch und Ihnen – denn ich kenne wahrscheinlich nicht alle hier persönlich – mit diesen Worten sagen? Also: Ich gebe immer 100 Prozent. Sollte es nötig sein, gerne auch mal mehr. Die 100 Prozent sind ein Mittelwert, der zustande kommt, weil er die durchschnittliche Ausprägung einer Grundgesamtheit abbildet. Aber das versteht ihr Idioten natürlich wieder nicht. Egal. Gebt einfach im Mittel immer 100 Prozent, dann macht ihr alles richtig.

SCHWARZ, ROT, GRÜN

Warum ich Mitglied in allen Parteien bin

Die meisten Leser wissen, dass mein Herz links schlägt. Wenn ich sage, dass mein Herz links schlägt, dann rede ich nicht von einer anatomischen Beschaffenheit, denn tatsächlich zeichnet mich eine körperliche Anomalie aus. Lacht bitte nicht über mich, aber mein Herzmuskel befindet sich auf der rechten Körperseite. Meine Organe sind spiegelverkehrt. Wenn ich sage, dass mein Herz links schlägt, dann meine ich, dass ich eine linke Socke bin. Was aber die wenigsten wissen, ist, dass ich auch konservativ bin. Und dass ich ein Liberaler bin. Gerade Liberale werden in unseren Zeiten angefeindet, und das ist auch gut so. Denn im legitimen Wettstreit der Positionen entfaltet die Parteiendemokratie ihr politisches Potenzial. Die liberale Öffentlichkeit ist ein hohes Gut und die Luft zum Atmen einer gesunden Demokratie. Ich zahle meine Steuern und lese jeden Morgen die Zeitung, um mich über die Vorgänge in Staat, Gesellschaft und Kultur, aber auch über neue wirtschaftliche Entwicklungen zu informieren. Das ist oberste Bürgerpflicht und sollte selbstverständlich sein, denn wir leben in der Moderne und nicht im Mittelalter.

Ich bin großer Fan von Politik und hier vor allem von der Demokratie. Zugegebenermaßen haben viele Staatsformen etwas für sich. Die absolutistischen Könige hatten beispielsweise sehr kleidsame Perücken. Und auch die Urgesellschaft der Steinzeit ließ den Höhlenmenschen viele Freiheiten. Gegenüber den traditionellen Gesellschaftsformen mag die Demokratie häufig ein wenig blutleer wirken. Demokratie ist aber, das sage ich ebenfalls in aller Deutlichkeit, in Maßen zu genießen, denn wie immer macht auch hier die Dosis das Gift. Angela Merkel hat mit ihrer Rede von der marktkonformen Demokratie auf den Punkt gebracht, worum ich mich schon lange sorge – die Steuerungsfähigkeit sozial- und christdemokratischer Politik unter Bedingungen rapider kapitalistischer Modernisierung.

Die Wurzeln meiner durch und durch politischen Haltung reichen zurück bis an die Anfänge meiner Biografie. Wie ich bereits erwähnte, wuchs ich vaterlos auf. Und auch wenn meine geliebte Mutter Tag ein Tag aus ihr Bestes gab, um die hungrigen Mäuler ihrer vielen Kinder zu stopfen, verging kaum ein Tag, an dem sie uns nicht mit knurrenden Mägen in unsere Kinderbettchen bringen musste. Da der Vater fehlte, musste ich alles selbst erledigen, was sonst Väter tun. Auch wenn ich nichts für überkommene Männlichkeitsmodelle und die patriarchale Weltordnung im Allgemeinen übrig habe, war ich in meiner Familie schon früh der Mann im Haus. Ich reparierte das Auto und ging zum Elternabend meiner eigenen Klasse. Zu Weihnachten verkleidete ich mich als Nikolaus und drang durch den Kamin in unser Haus ein, um meinen Brüdern ihre Geschenke unter den Weihnachtsbaum zu legen. Nur ich ging dabei leer aus, denn ich war zu früh erwachsen geworden.

Die Kindheit als solche ist eine Erfindung der frühen Neuzeit. Im Mittelalter gab es keine Kinder und keinen Erwachsenen. Das glaubt ihr nicht? Dann seht euch die Kinder von heute nur mal an. In ihren Kinderwägen und bunten Kinderkleidern sehen sie aus wie Außerirdische von einem anderen Stern. Im Mittelalter zeichneten die Gesichter der Menschen bereits im frühesten Alter tiefe Furchen. Vom ständigen Arbeiten trugen sie Schwielen an den Händen, sie hatten lange, schmutzige Fingernägel und blickten einander aus trüben, blutunterlaufenen Augen an. So sehen heute nur Vagabunden aus. Egal.

Im Angesicht der Not und Mangelerfahrung meines jungen Alters habe ich mir schon früh ein Versprechen gegeben. Das Versprechen, das ich mir schon früh gegeben habe, lautete wie folgt: Ich habe diese Welt in einem nicht zufriedenstellenden Zustand vorgefunden. Nun will ich, im Rahmen, den die freiheitlich-demokratische Grundordnung uns vorgibt, alles tun, um sie zu einem besseren Ort für dich und mich und alle Menschen zu machen. Das hier ist allerdings keine rechtsverbindliche Zusage. Es handelt sich lediglich um eine Absichtserklärung. Die Anwälte meines geliebten riva Verlages werden sich im Zweifelsfall darum kümmern. Also haltet gefälligst euer Maul!

Meine Weltsicht, meine Ziele und mein politisches Mandat speisten sich seit Kindertagen aus dem Wunsch, den Schwachen zu helfen und den Armen eine frohe Botschaft zu verkünden. Doch diese Botschaft sollte keine religiöse Kunde sein. Es rettet uns kein höheres Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun. Wenn ihr wirklich etwas ändern wollt, dann ruft eine Bürgerinitiative ins Leben oder werdet Mitglied im Ortsverein einer politischen Partei. Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Think global, act local.

Eines schönen Tages im Spätsommer 1990, durch das Elfmetertor von Poldi und Schweini waren wir gerade Weltmeister geworden, spazierte ich durch den Ortsteil am Aachener Stadtrand, in dem meine Familie und ich in diesen Tagen unsere Zelte aufgeschlagen hatten. Mit einem Mal erblickten meine kindlichen Augen etwas Schreckliches. Das, was meine kindlichen Augen da mit einem Mal erblickten, war wirklich schrecklich. Mit grell geschminkten Gesichtern und grün und blau gefärbten Haaren starrten mich am Marktplatz ein paar verlotterte Gestalten an. Aus einem Kassettenrekorder plärrte ein ohrenbetäubender Sound, ähnlich dem Klang von 1000 scheppernd übereinanderfallenden Blecheimern. Ich hasste diese Hurensöhne sofort. Da ich aber kein oberflächlicher Mensch bin, entschloss ich mich, den jungen Leuten ein Chance zu geben.

Sorry, ganz kurz: Sind wir nicht alle einmal jung gewesen? Es ist das Vorrecht der Jugend, neue Wege zu beschreiten und auch mal einen Fehler zu machen. Was meinen Sie denn, warum es sonst ein Jugend- und ein Erwachsenenstrafrecht gibt? Es gibt ebenso Gesetze, die gelten nur für Frauen oder Männer. Es gibt Erbrecht, Verkehrsrecht, Faustrecht und die Sharia. Es gibt internationales Recht, Hausrecht, das Recht auf Spaß, das Recht auf Internet. Es gibt auch Rechtsradikale, aber für die ist in dieser Aufzählung kein Platz. Jede dieser Rechtsordnungen ist für sich genommen sinnvoll und hat ihre Zeit und ihren Ort. Genauer möchte ich auf diesen Punkt in einem anderen Buch eingehen.

»Hallo und guten Tag, ihr lieben Punks. Es ist sehr schön, euch hier zu treffen«, stieg ich gut gelaunt in das Gespräch ein, denn es ist wichtig, auch dem größten Arschloch immer freundlich zu begegnen. »Aber müsstet ihr nicht längst in der Schule sein?«, setzte ich interessiert hinzu. »Verpiss dich, Opa!«, blökte einer der Bunthaarigen. »Oder haste mal ‘ne Mark? Ich brauche Dosenravioli.« - »Mein Lieber«, fing ich, die Lederjackensau im Stillen verfluchend, an: »Wie schön, dass du fragst!« Innerlich kochte ich vor Wut. Was bildete sich diese dahergelaufene Kanaille eigentlich ein? Das Schwein stank aus dem Maul wie eine halb vergorene Wasserleiche und seine gespreizten Lippen gaben den Blick auf einige eitrige Zahnstummel frei. Die Vogelscheuche sah aus wie eine Mischung aus einem Kriegsversehrten und einem verwesenden Zombie. Ich leckte mir über die frisch implantierte Reihe glänzender Goldzähne, die ich als Privatpatient der Versicherungsgemeinschaft aus den Rippen geleiert hatte. Der normale Bürger wird durchschnittlich in Summe ganze 76 Tage seines Lebens mit Zahnschmerzen geplagt. Keinen einzigen Tag meines Lebens werde ich vergeuden, hatte ich mir kaum der Krabbelphase entkommen vorgenommen und Zeit meines Lebens mein Taschengeld gespart, um dem erlauchten Kreis der privaten Versichertengemeinschaft frühestmöglich beitreten zu können.

»Ausgerechnet heute habe ich meinen Notgroschen nicht bei mir. Dabei esse ich selbst für mein Leben gern Dosenravioli und hätte dir gern geholfen.« – »Dann verpiss dich endlich und geh mir aus der Sonne, du alter Knacker.«

Traurig wandte ich mich zum Gehen und sah aus den Augenwinkeln noch, wie einer der Asozialen eine halb leere Getränkedose der Marke Karlsquell nach mir warf. Zum Glück war die Drecksau so besoffen und unfähig, dass sie nicht mehr richtig zielen konnte. Die Dose verfehlte mich bei Weitem und kullerte nur klackernd in den Rinnstein.

Am Rande des Marktplatzes hatten kleine Gruppen engagierter Bürger mehrere Pavillons aufgebaut. Hier überboten sich junge Menschen in der werbenden Ansprache der Aachener Bürger. »Mehr Demokratie wagen!«, rief ein dicker, langhaariger Mann auf einer kleinen Holzkiste. »Wir brauchen eine geistig-moralische Wende. Deutschland muss wieder zu seiner gewohnten Stärke in der Welt zurückfinden. Das Wichtigste auf diesem Weg kann nur der Umweltschutz sein.« – »Ach nichts da«, unterbrach ihn eine müde Frau im türkisfarbenen Blazer. »Die einzige Chance, Deutschland nach vorne zu bringen, sind eine gemeinsame europäische Währung und die Atomkraft.« – »Elektrifizierung plus Sowjetmacht ebnen uns den Weg in die klassenlose Gesellschaft«, übertönte ein kleiner Mann mit Spitzbart auf einer Trittleiter die anderen. »Für den Kommunismus! Wenn Sie mich wählen, verspreche ich Ihnen, die DDR zurückzubringen!«

»Hilfe!«, rief ich wimmernd, »ich werde angegriffen. Wer mich vor der gnadenlosen Wut dieser frustrierten Jugendlichen schützt, dem verspreche ich meine Erst- und meine Zweitstimme. Das sage ich, so wahr ich Panik Panzer heiße.« Dass ich erst fünf und somit gar nicht wahlberechtigt war, musste ich diesen Einfaltspinseln ja nicht gleich unter die Nase reiben. »Arbeitsscheues Gesindel, lasst ab von dem Jungen Panik Panzer«, brüllte der spitzbärtige Kommunist und feuerte einen Warnschuss aus seinem Spazierstock ab. Die blazertragende Schlaftablette machte sich an ihrer Handtasche zu schaffen und zog ein schwarzes Plastikei hervor, das entfernt einer Granate ähnelte. »Was das hier ist, wollt ihr sicher wissen«, donnerte sie den verdutzten Angreifern entgegen. »Was das ist, spielt keine Rolle. Aber ich stelle euch die Frage: Wer von euch kann ausschließen, dass es sich um eine Granate handelt?« Die Punker kratzten sich am Kopf. »Nun ja, ausschließen können wir das natürlich nicht.« – »Eben«, setzte der langhaarige Obelix hinzu. Er war wirklich ziemlich dick. »Nein, das könnt ihr auch nicht«, fuhr er fort, »und jetzt seht zu, dass ihr Land gewinnt, bevor ich euch Beine mache.« Hochgeschlagen zogen die Punker sich zurück und nahmen die Leichen ihrer Freunde mit. Schon morgen würde all dies vergessen sein, doch heute gehörte der Triumph nur einem: Mir. Dem Jungen Panik Panzer.

»Das habt ihr gut gemacht, vielen Dank!«, gratulierte ich meinen Helfern. »Da ich das Wahlgeheimnis für ein hohes Gut halte, kann ich leider nicht sagen, wem meine Stimme zukommen wird. Aber so viel vielleicht, euer Schaden soll es nicht sein«, führte ich wahrheitsgemäß aus. »Als Zeichen meiner Verbundenheit und auch mit Blick auf Business Opportunities, die sich aus dieser Situation ergeben könnten, möchte ich all euren Parteien beitreten.«