Der Fackelzug - Wilhelm Milch - E-Book

Der Fackelzug E-Book

Wilhelm Milch

0,0

Beschreibung

Kindheit und Jugend des Autors Wilhelm Milch im Wiesbaden der 30er und 40er Jahre.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2018

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Wilhelm Milch

„Wir werden weitermarschieren, bis alles in Scherben fällt …“

Eine Wiesbadener Jugend in der Hitlerzeit

Der Blick in seine Jugendzeit ist - trotz des gleichen Ortes, derselben Stadt, in der er lebte und noch lebt - wie die Reise in eine ferne, fremde Welt. Denn er gehört einer Generation an, die dazu bestimmt war, eigenes Denken, ja das ganze Dasein einem Wahn zu opfern, einem „Tausendjährigen Reich“. Er hat es nicht geopfert, dank seinem Elternhaus, seinem Vater zumal, dessen aschfahles Gesicht ihm noch heute vor Augen steht, mit dem er nach Hause kam, wenn er am Bahnhof Geschäftsfreunde gesehen hatte, Bekannte, zum Abtransport im Güterwagen bereitstehend. Das zwang schon früh zum Nachdenken, auch zum heimlichen Nonkonformismus, zum „Querdenken“. Das wirkt bis heute nach. Deshalb gehören die in diesen Lebensbericht eingeflochtenen Reflexionen dazu, auch wenn sie teilweise die des alten Mannes sind. Im Alter sieht man schärfer.

Inhaltsverzeichnis

Der Fackelzug

Tage unbeschwerter Kindheit

Im Museum

Dem Lebertran entronnen

Protestanten, Katholiken und Juden

Büdingen und die Ersatz-Religion

Der „Führer“ kommt

„Es zittern die morschen Knochen der Welt vor dem großen Krieg …“

„Haltet euer Blut rein!“

Aufmärsche

Leuchtplaketten

Erlebnis Ostsee

Bambergs Dom und die Beuys-Phobie

Luftwaffenhelfer

Süße Nudeln

Liebe und weniger liebe Besucher

Vom Töten

Thema 1

Zweifel am „Führer“?

Reichsarbeitsdienst

Sturmartillerist

O schöner Soldatentod …

Kampfeinsatz statt Urlaub

Die Mädchen hinter der Front

Auflösung

Waldspaziergang, Richtung Elbe

Kriegsgefangenschaft

Zum Engländer

Wanzen-Philosophie

Braunschweig

Heimkehr

„Nazi-Physiognomik“

Schule und Universität

Neues Leben

Der Zeitgeist

Das Ich, die Seele und - Gott

Anmerkung

Der Fackelzug

Eine der frühesten Erinnerungen ist der Fackelzug. Er kam den Kaiser-Friedrich-Ring herab, braune Kolonnen in Dreier- oder auch Viererreihen, die jeweils äußeren Männer links und rechts die Fackel in der Faust, bog am Landeshaus in die Moritzstraße ein; ob sie sangen, ob Musik mitmarschierte, hat der Bub vergessen. So etwas hatte er noch nie erlebt; es aus dem hohen Erker des Eckhauses heraus anzuschauen war doch etwas ganz anderes als die gelegentlichen Aufzüge des „Reichsbanners“ oder der Kommunisten, wenn sie mit ihren quäkenden Schalmeien, vom Bahnhof her kommend, den Ring herauf trotteten, scheel beobachtet von den Mitbewohnern auf der Seite dieser Alleestraße, wo die „Herrschaftswohnungen“ lagen, deren Mieter für solche linken Spektakel wenig Interesse zeigten. Die Wohnungen nach der Moritzstraße zu, auf der anderen Seite des Eckhauses, waren weniger „vornehm“. Der Bub - kaum sieben Jahre alt - wusste natürlich nicht, was sich die Menschen im Haus beim Anblick des abendlichen Schauspiels dachten; aber er konnte schon ahnen, was seine Großmutter empfand, die, im Parterre wohnend, dem Dröhnen der Schritte, den siegesstolzen Blicken der braungekleideten Männer mit ihren Sturmriemen unter dem Kinn viel näher war. Sie wählte deutschnational, sprach, wenn sie ihrem Enkel Bilder des abgedankten Kaisers zeigte, vom „Kaiser Drecksack“, weil sie ihm seine allzu eilige Flucht vom Thron (damals im November 1918) verübelte; aber ebenso heftig war ihre Abneigung gegen den „Nachfolger“, den Mann „mit dem Dreck unter der Nase“, den „Anstreicher“, jenen Hitler, zu dessen Ehren, weil er an diesem Tag, dem 30. Januar 1933, zum Reichskanzler ernannt worden war, der abendliche Fackelzug stattfand.

Die andere Großmutter, die in dem kleinen oberhessischen Städtchen, war hitlergläubig. Ihre Begeisterung für den späteren „Führer“ rührte vor allem daher, dass sie glaubte, er werde den alten Kaiser aus Holland wieder zurückrufen oder den Kronprinzen und zusam- men mit der Monarchie die Ehre Deutschlands wieder herstellen. Bei den heutigen Diskussionen darüber, wieso unser Volk dem Mann aus Braunau aufsitzen konnte, wird leicht vergessen, wie sehr die Deutschen die Demütigung durch den harten Versailler Vertrag getroffen hatte; der Ausgang des letzten Krieges hat unseren Nationalstolz so sehr abgebaut, dass wir uns kaum mehr in die Mentalität eines Großteils der Menschen aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zurückversetzen können und geneigt sind, allein die ökonomischen Gründe (Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise etc.) für den Erfolg Hitlers verantwortlich zu machen.

Eine noch frühere, recht dunkle Erinnerung des Buben: Aus der Ringkirche (vom Gottesdienst offenbar) zieht eine Kompagnie englischer Soldaten, khakifarbene Uniform, den Helm auf dem Kopf, der wie ein umgestülpter Suppenteller aussieht. Vor der Kolonne marschiert ein Mann mit einem gehörnten Ziegenbock, dem Maskottchen der Truppe. Der Kleine sieht die Gewehre, die die Soldaten tragen (also doch nicht aus dem Gottesdienst?) und fragt seine Mutter, was sie damit wollten. Die antwortet: „Sie wollen uns damit totschießen“. Scherz oder Ernst? Es muss vor 1930 gewesen sein; damals endete die Be-setzung des Rheinlandes. Der Antwort seiner Mutter war wohl, wenn sie Scherz gewesen sein sollte, auch Ernst beigemischt; sie hat später oft erzählt, wie in der Zeit der französischen Besatzung der Stadt, vor 1925, die Spahis, eine berittene Truppe von Kolonialfranzosen, die Passanten demütigten, indem sie mit ihren wehenden weißen Mänteln die Bürgersteige entlang ritten. Da half nur die Flucht in den nächsten Hauseingang. Auch das zur Antwort auf die Frage, warum die Deutschen so leicht Hitler zum Opfer gefallen seien.

Tage unbeschwerter Kindheit

Wir lebten in Wiesbaden, damals noch „Weltkurstadt“ genannt (obwohl das Kuren und der internationale Flair nach dem ersten Weltkrieg verschwunden waren), am noblen Kaiser-Friedrich-Ring in einer der „Herrschaftswohnungen“, allerdings oben im dritten Stock; in der Moritzstraße waren wir jedoch eher zuhause, denn hier gab es die Kaufläden, die an dem vornehmen Ring fehlten. Der Bub ging gar oft an der Hand seiner Mutter mit zum Einkaufen. Ein Stück die Moritzstraße hinein war rechter Hand das kleine Obst- und Gemüsegeschäft von Frau Steinmetz, wo diese mit ihrem Sohn Albert hinter der Theke stand. Zu Hause machte der Bub oft mit seinem Händchen ein spitzes Häuschen, den Daumen vor den Fingern quergelegt, und da standen beide wieder, im Spiel, hinter ihrer Theke. Ein paar Schritte weiter, an der Ecke zur Goethestraße, war die Bäckerei Schmitt, Bezugsquelle für Brot und Brötchen; wollte man was Feines zum Nachmittag, ging man hinüber zum Cafè Gerlach, wo Frau Gerlach an ihren fünf winzigen Marmor-Tischlein einen mit leckeren Törtchen bediente; die Nussschiffchen waren ein besonderer Genuss. Ihr Sohn, ein blonder Hüne, war schon vor dem Krieg Angehöriger der Waffen-SS; nach dem Krieg und der Zerstörung ihres Hauses hat man nie wieder etwas von ihnen gehört. Ging man ein wenig die Goethestraße hinauf, so war dort Butter-Eier-Käse-Kremer; brauchte man Butter, so schnitt einem Herr Kremer, mit einem lustigen Bürsten-Haarschnitt, ein Stück von einem riesigen Butterberg ab und wickelte es in viel Papier. Der Bub bekam dann regemäßig ein Scheibchen von einem der großen, im Schaufenster prangenden Edamer Käse abgeschnitten. Noch weiter oben, wo die Goethestraße Herderstraße hieß, lag unsere Metzgerei; auch dort gab es für die Kinder ein Stückchen Fleischwurst in die Hand. Die beiden Verkäuferinnen sahen wie rosige Marzipanschweinchen aus; meine Mutter meinte, das komme vom vielen Fleischessen.

Freilich war dieses idyllische Einkaufen damals, vor dem

Ausbruch des letzten Krieges, recht

zeitaufwendig; dafür brachte es Kontakte und mehr menschliche Wärme als heutzutage das Herumfahren des Wagens im seelenlosen Supermarkt. Nach Kriegsende verschwand diese Einkaufswelt. Unser Viertel wurde hart getroffen durch die Bomben des 2. Februar 1945, als auch Wiesbaden daran glauben musste. Viele Häuser der Moritzstraße waren zerstört; man erkennt das heute noch an den modernen nüchternen Fassaden neben den alten mit ihren mannigfachen Schmuckformen.

„In die Stadt gehen“ hieß bei uns, die Moritzstraße entlang bis an ihr Ende an der Rheinstraße, diese überquerend in die Kirchgasse; dort gab es die Geschäfte für Kleidung und manches andere. Wie schön war es, an der Hand seiner Mutter durch die (auch damals schon erleuchteten) Straßen zu spazieren! Am interessantesten war die schmale krumme Ellenbogengasse, denn dort lag Spielwaren-Schweitzer, das Paradies für alle Wiesbadener Mädchen und Buben. Mein Vater wusste, dass dieses Eldorado im Volksmund „es Bobbeschanettsche“ hieß, offenbar nach der Gründerin namens Jeanette, die Bobbe (= Puppen) verkauft hatte. Mein Vater kannte sich in unserer Stadt aus; er war gebürtiger Wiesbadener, Jahrgang 1893, aus der Müllerstaße, einer Seitenstraße der Taunusstraße, die ihren Bestand an spätklassizistischen Häusern bis heute prächtig erhalten hat. Das war damals, in der Zeit Wilhelms II, fast ein Wunder, denn überall schossen Bauten im wilhelminischen Barock in die Höhe. Zwischen solchen liefen wir also als Kinder durch die Straßen. Nächst dem „Bobbeschanettsche“ gab es da noch andere Attraktionen. Wenn man von der Kirchgasse in die Schulgasse einbog, stand man vor der großen Brandmauer der Metzgerei Bellwinkel, auf der, auf weiß getünchtem Untergrund, das riesige Bild eines Metzgers mit appetitlichen Schweinchen prangte. Das lud so richtig zum Wurstkaufen ein. Wenn auch hier die Preise höher waren als bei unserem Metzger Frank in der Herderstraße, so bekam das Kind trotzdem sein Stückchen Fleischwurst. Die Gasse hat sich heute durch den Ausbau von „Karstadt“ verändert. Wo dieser jetzt steht, war in jenen fernen Tagen das Kaufhaus Blumenthal. In den Nazi-Jahren vor dem Krieg wurde Blumenthal als „nicht-arisch“ vertrieben, es zog „Krüger und Brandt“ ein, dann „Karzentra“; nach dem Krieg machte man meinem Vater, weil er politisch unbelastet war, das Angebot, dort Geschäftsführer zu werden; er lehnte ab, weil dieser Anzug ihm zu groß erschien, und wurde Treuhänder eines Lebensmittelgeschäfts, dessen Inhaber „Nazi“ gewesen war. Davon später.

Auf unseren Wegen durch die Stadt kamen wir nur selten bis zum Kurhaus (es ist auch heute noch das repräsentative Bauwerk Wiesbadens), noch seltener in den Kurpark, denn es saß vor dem engen Eingang in seinem hübschen Steinhäuschen (das steht noch) ein Uniformierter, dem man Eintritt zahlen musste; wieviel, weiß ich nicht; sollten es mehr als 20 Pfennige gewesen sein, musste ein Normalbürger sich solchen Luxus schon gut überlegen. War man drinnen, brauchte niemand Angst vor rasenden Radfahrern zu haben oder die Augen zu schließen vor auf dem Rasen lümmelnden Mitmenschen mit ihrer pa-pierenen Hinterlassenschaft. Auch im „Warmen Damm“, den frei zugänglichen Grünanlagen vor dem Theater, überhaupt in allen Parks der Stadt, war es verboten, den Rasen zu betreten; es tat dies auch keiner. Wer im Kurpark war, durfte stolzen Schrittes den Weiher umrunden; er gehörte zu den Privilegierten. Im Kurhaus selbst bin ich als Kind nie gewesen. Davor, zwischen den riesengroßen Platanen aus der Zeit des nassauischen Herzogs (als man sie zu Anfang des 21. Jahrhunderts fällte, ging ein Sturm der Entrüstung durch die Stadt), lag mit seinen Kaskadenbrunnen das „Pollinggrien“, wie der Volksmund es nannte, verballhornt aus „Bowling Green“, dem Ballspielplatz sehr früher Zeiten. Der Name spiegelt die Internationalität der alten Kurstadt. Als das „Alte Kurhaus“, der Vorgänger des jetzigen von 1906, noch stand, in dem einst Goethe verkehrte, muss die gesamte Anlage mit den beiden langen Säulenhallen und dem alten Theater auf der anderen Seite der Wilhelmstraße sowie dem Hotel „Vier Jahreszeiten“ (dies ist erst im letzten Krieg untergegangen) eines der vornehmsten Ensembles des deutschen Klassizismus gewesen sein. Zerstört hat es nicht der Bombenkrieg, sondern schon der wilhelminische Protzbau des Hotels „Nassauer Hof“ vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Wenn ich heute von der Portikus des Kurhauses hinüberschaue, wird mir das schmerzlich bewusst.

Neben dem Kurhaus stand - und steht noch - das prächtige, neo-barocke Theater. Das Innere lernte ich erst als Halbwüchsiger kennen, als meine Mutter fürchtete, ich müsse noch Soldat werden (das Ende des Krieges war nicht abzusehen, der frühe Tod für „Führer, Volk und Vaterland“ lag im Erwartungshorizont eines jeden größeren Buben) und deshalb meinte, sie sollte mir noch einiges Schöne bieten; da ging sie mit mir in die Oper. Wer kann heute noch die Ängste einer liebenden Mutter von damals nachempfinden? Das Theater spielte noch; das Aus kam endgültig erst mit der Zerstörung am 2. Februar 1945. Es waren leichtere, für größere Kinder leicht zugängliche Opern. An einen „Tannhäuser“ erinnere ich mich noch gut: Wenn wie Todesahnung Dämmrung die Lande deckte und der Abendstern glänzte, sah man bei dem weiblichen Publikum Tränen und Taschentücher. Würde man die - dabei - heute noch sehen? Sind wir so gefühllos geworden? Und wodurch? Damals sind zur selben Stunde draußen in der Welt vielleicht Tausende von Soldaten erschossen, in Lagern gequält worden. Krokodilstränen? Objektiv ja, möglicherweise. Subjektiv nein. Wieviele dachten wohl bei dem sanften Entschwinden der Elisabeth an den unsanften Tod des Sohnes, des Mannes, des Bruders? Der „Tannhäuser“ ist eine meiner Lieblingsopern geblieben - wenn er einigermaßen werkgetreu aufgeführt wird und nicht den Eskapaden renommierhungriger Regisseure zum Opfer fällt, die sich gegenseitig mit Absurditäten überbieten wollen.

Im Museum

Sonntags ging mein Vater mit mir manchmal ins Museum. Wir spazierten von unserem Haus, Kaiser-Friedrich-Ring 88, an der Ecke zur Moritzstraße, den Ring hinunter Richtung Hauptbahnhof; zunächst am „Opel-Haus“ vorbei, zwischen Adolfsallee und Bahnhofstraße gelegen, damals das größte Autohaus der Stadt. Als es gebaut wurde, in den 30er Jahren, war es Gesprächsstoff für die Umwohnenden, denn um einen Hof herum gruppierten sich „schuhkartonförmige“ Bauten (wie wir sie heute zur Genüge kennen) mit flachen Dächern, im Bauhaus-Stil, damals in unserer Stadt gewöhnungsbedürftig. Wir gingen dann am Bahnhof vorbei; vor ihm schöne Anlagen mit immergrünen Hecken, Taxus und Ilex, wohl auch Kirschlorbeer; darin gab es Nachtigallen, die sich von dem schon damals rollenden Autoverkehr beim Singen nicht stören ließen. Dem Hauptbahnhof gegenüber lagen - und liegen noch - die Reisinger-Brunnen-Anlagen von 1932 mit ihren langen Wasserbassins und kleinen Springbrunnen. In ihrem Ende stadteinwärts kniete die Skulptur einer nackten Frau im Wasser, wohl ein Symbol für Wiesbaden als Bäder-Stadt; von uns bespöttelt, weil sie im Winter mit einem komischen Holzkasten umkleidet wurde, damit sie nicht so fror. Ich kann mich noch dunkel an die Zeit vor der Entstehung der schönen Anlage erinnern: Wer aus dem Bahnhof trat, stand vor Schrebergärten mit verschieden hässlichen Holzzäunen und fragte sich, wo denn hier die Stadt sei. Dem hat Herr Reisinger, vermögen-der Deutsch-Amerikaner, mit seiner Stiftung abgeholfen und der „Weltkurstadt“ zu einem anständigen Entrée verholfen. Fünf Jahre später, 1937, folgte ihm der Apotheker Herbert mit der Erweiterung der Anlagen zur Innenstadt hin, der Herbert-Anlagen. Da wir nicht weit entfernt wohnten, konnten wir ihre Entstehung gut verfolgen. In meiner Erinnerung summt noch die „Aeolsharfe“, die da auf dem Tempelchen eingebaut werden sollte; was das war, wussten wir nicht, haben es auch später nicht vermisst. Wenn man vom Ring zum Museum wollte, konnte man, statt durch die Anlagen, auch durch die Kaiserstraße gehen, die heutige Friedrich-Ebert-Allee; ihre Ostseite war noch unbebaut, die Innenstadt begann mit unserem schönen Museum von 1913/4. Das Museum war ein „Drei-Sparten-Haus“, das heißt, es beherbergte die Sammlung Nassauischer Altertümer, die Naturkundliche Sammlung und die Gemäldegalerie; der Grundstock für alle drei Sparten war schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts zusammen gekommen, auch unter der Mitwirkung von Goethe. Der thronte deshalb in schön