Der Gullydeckelmörder - Birgit von Derschau - E-Book

Der Gullydeckelmörder E-Book

Birgit von Derschau

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Beschreibung

Ein Kind ist entführt worden. Gibt es Hoffnung für sein Leben? Welche Schritte unternimmt die Polizei? Warum verlangt der Entführer am Telefon eine seltsame, ungerade Summe Geldes? Welche Qualen durchleben die Eltern? Ein Szenarium, wie man es aus dem Fernsehkrimi kennt. Das hier Geschilderte aber läuft in der Realität ab. Aufgeklärt wurde dieser Fall ebenso wie der Raubmord, dessen Opfer eine Neunundachtzigjährige wurde, oder der Fall des Serientäters, der über die Balkone einstieg, um zu vergewaltigen.Das Buch rekonstruiert in acht schweren Fällen Tathergänge, zeichnet Täterpsychogramme und verfolgt den Komplex von polizeilicher Ermittlungsarbeit, Spurensicherung, Fahndung und Verhörtechnik, der die Überführung der Täter ermöglichte.Die Darstellungen beruhen auf Gesprächen mit Kriminalbeamten, Staatsanwälten und Personen im Umfeld der Tat sowie auf Einsicht in die Originalakten.

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Seitenzahl: 352

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Impressum

ISBN eBook 978-3-360-50047-2

ISBN Print 978-3-360-00970-8

© 2002 Das Neue Berlin, Berlin

Umschlaggestaltung: Verlag

Das Neue Berlin Verlagsgesellschaft mbH

Neue Grünstr. 18, 10179 Berlin

Die Bücher des Verlags Das Neue Berlin erscheinen

in der Eulenspiegel Verlagsgruppe.

www.eulenspiegel-verlagsgruppe.de

Birgit von Derschau

Der Gullydeckelmörder

Kriminalfälle aus Deutschland

Das Neue Berlin

Verehrte Leserinnen und Leser,

seit vielen Jahren sind Kriminalfälle mein tägliches Arbeitsfeld als Journalistin. Für die Sendereihe »Kripo live« des Mitteldeutschen Rundfunks stehe ich in Kontakt mit Polizeidienststellen in ganz Deutschland, um geeignete Fälle für die Fernsehfahndung auszuwählen und für die sonntägliche Sendung aufzubereiten. »Kripo live« bittet Woche für Woche die Fernsehzuschauer um Mithilfe bei der Aufklärung ungelöster Verbrechen. In Hunderten von Fällen konnte die Sendung helfen, durch die Ausstrahlung von Phantombildern und Überwachungsfotos oder die Rekonstruktion von Tatabläufen entscheidende Zeugen zu finden. Manchmal ist es dann der Anruf eines einzigen Zuschauers, der sofort zum Täter führt.

Bei dieser Arbeit werden mir tiefe Einblicke in die kriminalistischen Ermittlungen gewährt sowie in Schicksale und Charaktere von Opfern wie Tätern. Kriminalfälle interessieren uns Menschen wohl deshalb so sehr, weil hier in extremer Weise menschliche Beweggründe, Verhaltensweisen und Konflikte sichtbar werden.

Für dieses Buch habe ich Fälle der jüngsten deutschen Kriminalgeschichte ausgewählt, die mir wegen ihrer besonderen Schwere, wegen ungewöhnlich verlaufender Ermittlungsarbeiten oder auch wegen der bewegenden Schicksale der Opfer und ihrer Familien im Gedächtnis geblieben sind. Ich habe mich noch einmal vertiefend mit Tatabläufen, Hintergründen und handelnden Personen beschäftigt und danke allen, die mir dabei geholfen haben: Kriminalbeamten, Staatsanwälten und Angehörigen von Opfern. Gern würde ich hier Namen nennen, verzichte jedoch darauf im Interesse einer Anonymisierung der realen Geschehnisse. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes sind in den hier rekonstruierten und nacherzählten Fällen Namen von Orten und Personen sowie einzelne Handlungsabläufe verfremdet.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen

Ihre

Birgit von Derschau

Der Direktor und der Schuljunge

Entführungsfall David Hahn

Am 24. Oktober 1998, einem Sonnabend, sind in der sächsischen Großstadt A. zwei Menschen unterwegs, die sich nicht kennen, doch denen eine schicksalhafte Begegnung bevorsteht. Es wird eine Begegnung sein zwischen Täter und Opfer. Daß es eine Tat geben wird, ist zu diesem Zeitpunkt nur dem Täter klar. Er hat sie bereits seit längerem vorbereitet, perfekt, wie er natürlich glaubt. Die Auswahl des Opfers jedoch besorgt der Zufall.

Der neunjährige David Hahn ist an diesem Sonnabend vormittags in die Städtische Zentralbibliothek gefahren, denn in der dortigen Kinder- und Jugendabteilung gibt es Computer, auf deren Festplatte auch das eine oder andere Spiel installiert ist. Um 14.00 Uhr wird er von seinen Eltern zum Mittagessen zu Hause erwartet. David Hahn ist ein zuverlässiger Junge. Rechtzeitig macht er sich auf den Heimweg. Um in den Südosten von A. zu gelangen, muß er zuerst die Straßenbahn benutzen und dann noch drei Stationen mit dem Bus fahren. Der Tag, für Ende Oktober nicht untypisch, ist grau und regnerisch. Als David gegen viertel vor zwei an der Station Kappelner Straße den Bus verläßt, geht wieder einmal ein Regenguß nieder.

Von der Haltestelle bis nach Hause braucht der Junge normalerweise nicht mehr als fünf Minuten. Zehn Minuten vor zwei hätte er also bei seinen Eltern eintreffen können. Er trifft nicht ein. Nicht zehn vor und nicht zehn nach zwei. Weder halb drei noch um drei. Halb vier nicht und nicht halb fünf.

Zuerst denken die Eltern an alles Mögliche, nur nicht an ein Verbrechen. Auch dem Zuverlässigsten kann passieren, daß er im Eifer des Gefechts vor dem Monitor die Zeit vergißt. Straßenbahnen können wegen eines Schadens an der Fahrleitung liegenbleiben, die Reifen von Bussen können platzen. David könnte einen Freund getroffen und beim Gespräch mit ihm die Zeit vergessen haben. Der Junge hat sich in der belebten Innenstadt aufgehalten, und am frühen Samstagnachmittag sind sowohl Straßenbahnen als auch Busse voll von Fahrgästen, die vom Einkaufsbummel heimkehren. Wie kann ein pfiffiger Neunjähriger da verlorengehen? Das erscheint unmöglich.

Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr geraten die Eltern in Panik. Irgendwann haben sie alles getan, was Eltern in solchen Situationen zu tun pflegen: Sie haben alle Verwandten und Bekannten und die Freunde des Sohnes angerufen und diejenigen, die in der Nähe wohnen, sogar aufgesucht. Sie sind drei, vier, fünf Mal zur Kappelner Straße und zurück zum Haus gelaufen, sie haben an der Haltestelle auf den nächsten Bus gewartet und auf den übernächsten und den dann folgenden, sie kennen die Werbung an den Seitenwänden des Wartehäuschens auswendig und den Fahrplan auch. Mittlerweile ist ihnen klar, daß etwas Schreckliches geschehen sein muß. Ihr Sohn muß Opfer eines Verkehrsunfalles geworden sein. Eine andere Erklärung gibt es nicht.

Noch nicht.

Gegen 17.00 Uhr halten die Eltern die Ungewißheit nicht mehr aus. Immerhin kreisen ihre Gedanken mittlerweile auch um die Kinder, die Wochen nach ihrem Verschwinden ermordet aufgefunden wurden. Wenn nun auch David Opfer eines dieser Psychopathen geworden ist, als die man die Täter – nicht immer korrekt – bezeichnet? Drei Stunden ist der Junge immerhin schon überfällig, und bei einem Unfall wäre doch längst die Polizei erschienen!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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