Der Gürtel der Astarte - Hanna Perlmann - E-Book

Der Gürtel der Astarte E-Book

Hanna Perlmann

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Beschreibung

Mit einem kostbaren Fundstück aus matriarchaler Zeit, dem Gürtel der Astarte, betörte einst die Bauchtänzerin und Studioleiterin Soraya ihre Zuschauer. Nach ihrem Tod beginnt eine aberwitzige Jagd nach dem verschollenen Gürtel, die von Süddeutschland nach Syrien führt. Welche Gruppe wird das Geheimnis um den Gürtel lüften?

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Seitenzahl: 95

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Hanna Perlmann

Der Gürtel der Astarte

Eine Abenteuererzählung mit mythologischem Hintergrund

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Der Gürtel der Astarte

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

Impressum neobooks

Der Gürtel der Astarte

In Erinnerung an Syrien, an die Begegnungen mit

seinen gastfreundlichen, wundervollen Menschen und

seinen einzigartigen archäologischen Schätzen

1. Kapitel

Schatzsucherseminare bei VHS und privaten Anbietern ausgebucht!

Fieberhafte Suche nach dem Gürtel der Astarte versetzt jetzt

auch Bremen und Oldenburg in Aufregung. Jüngste Gerüchte….

Fassungslos las Silke Moormann den Artikel zu Ende, den ihre Bremer Freundin zu ihrem Brief mitgeschickt hatte. Kopfschüttelnd begann sie, die Tastatur ihres Laptops zu bearbeiten und schrieb der Freundin eine Email:

Liebe Inge,

hab vielen Dank für deinen Brief. Erschüttert habe ich darin gelesen, dass inzwischen auch Bremen und Oldenburg von dem unglückseligen Fieber ergriffen ist, den sagenumwobenen Gürtel der Astarte zu finden. Du fragst, wie es dazu kam. Diese Frage hat mich jetzt dazu bewogen, die unglaublichen Ereignisse der letzten zwei Jahre zu rekapitulieren. Ich sitze gerade auf meinem Meditationskissen, vor mir mein Laptop, blicke auf das Foto von Margit – mein Gott, meine Tränen fließen immer, wenn ich darauf sehe – und lasse vor meinem inneren Auge das Vergangene aufsteigen. Ich werde es aufzeichnen, als Tatsachenbericht in Romanform. Den werde ich dann in meinem Esoterikladen vertreiben. Ich kenne zwar nicht alle Hintergründe, aber zur Not halte ich mich an James Hillman und seiner Theorie „Die Heilung erfinden“. Vielleicht hilft mir das Niederschreiben der Geschichte, die ja noch nicht abgeschlossen ist, selbst wieder zur Normalität zurückzufinden. Die einzelnen Sequenzen schicke ich dir per Mail. Wie du schnell herausfinden wirst, bin ich in der Geschichte Elke Klanz und Margit heißt dort Margot Dachstein.

Sei einstweilen ganz herzlich gegrüßt

Von Deiner Freundin Silke

Sie erhob sich, suchte verschiedene ätherische Öle zusammen und goss sie in ihre selbstgetöpferte Aromalampe. Tief atmete sie die Düfte von Orange, Zimt und Rosenholz ein. Sie versenkte sich geschlossenen Auges gute zwanzig Minuten in ihre Erinnerungen und wandte sich dann konzentriert ihrem Laptop zu:

Schwalben schossen blitzschnell unter dem wolkenverhangenen Himmel umher. Der Herbst prankte in voller Farbenpracht und die letzten Vogelschwärme waren wieder auf dem Weg nach Süden. Wohin gehe ich wohl? dachte Marlene Rosner wehmütig. Sie stand mit anderen Frauen vor dem Grab ihrer ehemaligen Lehrerin, der weithin bekannten Bauchtänzerin Soraya, die vor wenigen Wochen in Damaskus überraschend einer Viruserkrankung zum Opfer gefallen war und auf dem Münzberger Friedhof ihre letzte Ruhe fand. Verstohlen betrachtete Marlene die Umstehenden; alle waren sie ergebene Anhängerinnen ihrer Lehrerin gewesen und alle warteten insgeheim gespannt darauf, was der Notar nach dem anschließenden Leichenschmaus verkünden würde. Soraya, mit bürgerlichem Namen Sonja Müller, hatte in 25jähriger zäher Arbeit in Münzberg ein Bauchtanzzentrum beachtlichen Ausmaßes aufgebaut. Sie hatte sich nicht damit begnügt, billigen Orientflitter in das süddeutsche Städtchen zu importieren, nein, sie war selbst regelmäßig in den Nahen Osten, vor allem nach Syrien, gefahren und hatte dabei auf einer ihrer abenteuerlichen Reisen ein Stück von unschätzbarem Wert mitgebracht - den legendären Gürtel der Astarte. Bei ausgesuchten Vorstellungen brachte sie mit einem unglaublichen, nicht endenwollenden Schimmy regelmäßig ihr Publikum zum Rasen. Es hieß, in diesem Gürtel seien geheime Zauberkräfte am Wirken, die die Hüften der Tänzerin regelrecht elektrisierten und die Zuschauer in einen dionysischen Rausch katapultieren..... Elektrisierend schallte die Musik der ägyptischen Gruppe über den Friedhof, die einer Sondergenehmigung des evangelischen Pfarrers bedurft hatte und auf Wunsch der Verstorbenen die Stücke nach einem genau aufgeschriebnen Ablauf aufführte: Zwei Nays, untermalt von Zimbeln und einer Trommel, bildeten einen rhythmisch getragenen Klangteppich, währenddessen die schwarze Marmorurne in Form einer Lotosblume in die Erde gelassen wurde. Soraya hatte testamentarisch verfügt, verbrannt zu werden; sie hätte es nicht ertragen, dass ihr gepflegter Revuekörper von Würmern und Erde zersetzt werden würde. Kinder hatte sie, ungeachtet ihrer zahlreichen Liebhaber, nicht - lachend meinte sie immer, mit ihren Schülerinnen und Männern habe sie Kinder genug. Marlene wurde aus ihren melancholischen Gedanken gerissen, als Münzberger Bürger an dem Begräbnis vorbeigingen und eine ältere Frau gehässig raunzte: „Endlich isch des ordinäre Weib gschtorbe. Des Gfred um diese schamlose Dänz, des hat uns grad no gfehlt!“ Marlene schnappte nach Luft - das war ja nicht zu glauben! Alles, was nicht ins biedere Bild passte, löst bei den meisten Münzbergern immer noch Aggressionen aus. Wenn die könnten, würden sie glatt wieder Hexenverfolgungen einführen! Sie folgte den zahlreichen Versammelten zum anschließenden Leichenschmaus. Es gab eine gemischte Platte syrischer Vorspeisen, dazu Tee und Wein. Die anwesenden Frauen schweigen meist oder sprachen mit leiser Stimme. Nur Nagib, Besitzer der Bauchtanzboutique, versuchte, eine heitere Stimmung in die Runde zu birngen: „Tod nicht traurig sein! Ihr musst denken an Soraya. Sie jetzt ist glücklich!“o Eine Stunde später tauchte Dr. Eberle auf, der ortsansässige Notar, der ein begeisterter Bauchtanzanhänger war. Er hatte jede Vorstellung von Soraya besucht und ihr wertvolle juristische Tipps gegeben. Seine eifersüchtige Kanzleisekretärin Monika Dimpflhuber, die sich seit seiner Scheidung ebenso zäh wie vergeblich um ihn bemühte, hatte durchblicken lassen, dass dies kostenlos erfolgt war; mit vielsagendem Blick mutmaßte sie gezielt des öfteren Münzberger Spießbürgerinnen gegenüber, dass Sorayas Bezahlung aus etwas anderem bestanden hätte als aus finanzieller Gegenleistung.„Frau Dachstein, Frau Hersberg, Frau Rosner, Frau von Krems, dürft i Sie bitte, im Nebezimmer Platz zu nehme. Des Teschtament wird jetzt verlese.“ Ottilie von Krems und Dunja Hersberg schritten gelassen in das dunkel getäfelte Nebenzimmer, die beiden anderen - vor allem Margot Dachstein - setzten sich unsicher und nervös auf die bereitgestellten Stühle. Marlene nahm wahr, wie Margot alle Anwesenden misstrauisch beäugte, und dachte besorgt Mein Gott, die hat nur den Gürtel im Kopf! Hoffentlich hat Soraya daran gedacht, eventuellen Streitigkeiten vorzubeugen. Notar Dr. Eberle richtete sich feierlich auf und trug seine Ansprache im schönsten Honoratiorenschwäbisch vor.„Meine verehrte Damen, wie Sie alle wisset, isch mir die Aufgab übertrage worde, den letschten Willen der Verschtorbenen kundzutun...Also, als erschtes: Die Bauchtanzschul mit dem Auftrag, weitere Kurse und Workschops in Münzberg anzubiete, geht an Frau von Krems und Frau Hersberg. Beide send au scho vor dem Ablebe der Verschtorbene darüber informiert worde.“ Ottilie von Krems stand elegant lächelnd auf und sprach im druckreifen Hochdeutsch:

„Liebe Anwesenden, um es kurz zu machen - ihr wisst ja, dass ich und Dunja schon seit langem befreundet sind - : Mir als Buchhalterin und Dunja als menschlich und fachlich kompetenter Leiterin hat Soraya schon vor einem Jahr nahe gelegt. ihre Nachfolge gemeinsam anzutreten. Wir haben uns gerne dazu bereiterklärt. Dr. Eberle, machen Sie bitte weiter!“ Klaus Peter Eberle trug gelassen den Inhalt des Testaments vor. Erstaunlicherweise hatte Soraya wenig Barvermögen. Viel Geld war in vergangenen Jahren in Ausgrabungsexpeditionen geflossen; was verblieben war, stand als Kapitaleinlage der Schule zur Verfügung. Erst am Schluss horchten alle auf.„Meine verehrten Anwesenden,“ las Dr. Eberle schon fast hochdeutsch vor, „ihr werdet alle gespannt sein zu erfahren, wer mein Hauptvermächtnis - den Gürtel der Astarte - erben wird. Diejenige, die ihn findet, wird ihn erhalten. Soraya, Münzberg, am 12.10.2000.“ Die angespannte Stille durchbrach schließlich Margots schneidende Stimme.

„Was soll das heißen? Ist er irgendwo versteckt? fragte sie irritiert. Herr Dr. Eberle, können Sie das etwas verdeutlichen, bitteschön!“„Leider net, Frau Dachstein. Die Soraya het mir des genau so diktiert.“Energisch stand Margot auf und verließ den Raum. Draußen stieß sie mit Nagib zusammen.

„Hey, Margot, du siehst nix gut aus. Was gibt´s? Kann ich dich helfen?“„Lass mich in Ruhe!“ zischte sie und stieg in ihren schwarzen Porsche. Hektisch wählte sie eine Nummer auf dem Handy.„Elke, hörst du mich? Was? ... Ja, die Feier ist zu Ende, das Testament wurde verlesen. Der Gürtel? ... Das erzähl ich dir, wenn ich zurück bin. Ich bin verdammt geladen.... was, Bachblüten? Die kannst du dir sparen.... Lass in der Zwischenzeit lieber das Badewasser einlaufen...am besten Kneipp Melissenöl. Und vergiss bloß nicht, einen guten Rotwein aufzumachen“ Sie ließ den Motor aufheulen und brauste in die einsetzende Dämmerung davon.

2. Kapitel

Bewegungslos saß Margot Dachstein hinter der Thuja Hecke und spähte in den Garten. Die Vögel stimmten gerade ihre abendliche Hymne an, die Nachbarskatze äugte gezielt in die Bäume, ob nicht ein unerfahrener Vogel ihr Opfer werden könnte.Jetzt wird es langsam ungemütlich, dachte Margot fröstelnd, ob schon irgendwer Sorayas Haus heimlich durchsucht hat? Ausgerechnet jetzt im November den Garten abzugraben war schon blöd. Warum nur hatte Soraya das Haus in die Obhut einer außenstehenden Immobilienfirma gegeben, die es verkaufen sollte, um das Geld einer syrischen Grabungsgesellschaft zu übermitteln? Sie, die erfahrene Immobilienfrau, hätte das doch auch machen können - und zudem dann in Ruhe das Haus nach dem Gürtel durchsuchen können! Aber noch war das Haus nicht verkauft, also carpe diem, Margot! Die Dämmerung ging in die Nacht über und leise schlich Margot in den Garten. Aufmerksam betrachtete sie die kleinen Baumgruppen, den Rasen und die angelegten Beete. Welcher Platz wäre naheliegend? Der Rasen selbst wirkte unangetastet, keine Erhebung verriet etwas. Margot nahm ein Hügelbeet in Augenschein und setzte dort entschlossen den Spaten an.Du liebe Zeit, der Boden war völlig hart, der Frost hatte also schon zugeschlagen! Auch das ständige Fitnesstraining, bei dem sie kräftige Armmuskeln entwickelt hatte, konnte da nichts ausrichten. Damit halte ich mich gar nicht erst auf, besser, ich gehe gleich ins Haus! Sie beschritt den kleinen Steinweg, der hintenrum zu einer Souterrainwohnung führte, in der Soraya ihre internationalen Gäste hatte nächtigen lassen. Margot blieb ruckartig stehen: die Glastür war zerbrochen! Verdammt noch mal, da war jemand vor mir da! Angestrengt horchte sie hinein, kein Laut war zu hören. Vorsichtig trat sie durch die zerbrochene Glastür ins Innere des Hauses und versuchte, keinen Lärm zu machen. Sie wartete, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten und machte dann eine kleine Taschenlampe an. Im Lichtkegel sah sie, dass sämtliche Schrank- und Kommodentüren geöffnet waren, die zahlreichen Perserteppiche lagen aufgerollt umher. Margot musste unwillkürlich schmunzeln - hier musste sie also nicht mehr suchen, aber wo dann ? Sie ging die Treppe ins Erdgeschoss hoch, durchschritt Küche, Flur und den Wohn-Essraum. Gerade, als sie den ersten Stock hochgehen wollte, traf sie ein Lichtkegel von oben. „Wer verdammt noch mal ist hier eigentlich?“ rief sie unerschrocken. Sie eilte behende die Treppe hoch und schaltete ihre Taschenlampe auf großen Lichtkegel. „Ach, das gibt´s ja nicht, Osman! Was machst du denn hier?“ Höhnisch lächelnd trat er aus der Ecke heraus. „Das könnte ich dich auch fragen, Margot. Du schleichst hier rum wie eine Diebin der Nacht, macht keinen guten Eindruck. Ich könnte immerhin sagen, dass ich die alten Geschenke suche, die ich Soraya vor Jahren gegeben habe. Die will ich wieder.... und du, du suchst natürlich den Gürtel!“