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Der Autor lässt den Leser am wechselhaften Kriegsgeschehen des Zweiten Weltkrieges von den erfolgreichen Blitzkriegen bis zum verlustreichen Rückzug über mehrere Jahre und die letzten Durchbruchsversuche aus Einkesselungen durch seine authentische Schilderung teilhaben. Der soldatische Dienst als Funker in einer Sicherungsdivision änderte sich mit der jeweiligen Lage bis hin zum Infanteristen am Maschinengewehr. Die Erniedrigung und Ausbeutung als Bergarbeiter in der anschließenden russischen Gefangenschaft von drei Jahren bei Mangelernährung wird zur größten Herausforderung dieser Jahre. Selbst in den bedrückendsten Situationen ist der Überlebenswille für die Familie die tragende Motivation für die Bereitschaft zur Anpassung. Die Fähigkeit soziale Kontakte aufzubauen, der Mut, Verantwortung zu übernehmen, und die stabile psychische Verfassung erweisen sich als Rettungsanker. Nach der Vertreibung der Familie aus Schlesien muss sich die Ehefrau mit einem Neugeborenen, den Töchtern und den Eltern in Niederbayern unter kärgsten Bedingungen am Leben erhalten. Nach den ersten Informationen ist das Schicksal des Ehemannes noch unklar, bald stellt sich aber heraus, dass er in Gefangenschaft noch lebt. Der Verlust der geliebten Heimat hat den langen und mühsamen Weg zur beruflichen und gesellschaftlichen Wiedereingliederung zwar behindert, aber nicht aufhalten können. Der Herausgeber ließ den Text bis auf wenige Korrekturen unverändert. Die respektvolle Auswahl der Bilder, persönlichen Briefe und Dokumente vermittelt zusätzliche Einblicke in die familiären Beziehungen, die erschwerte Kommunikation und die Folgen für die weitere Lebensgestaltung der Familie. Für eine vertiefende Beschäftigung mit diesem Zeitabschnitt der Geschichte finden interessierte Leser Anregungen im Literaturverzeichnis. Kommentar einer jungen Erstleserin: "Das sollte jede(r) mal gelesen haben!"
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Seitenzahl: 224
Veröffentlichungsjahr: 2021
Impressum:
© 2021 Alfred Glatzer
Herausgeber: Dieter Glatzer
Das Bildmaterial stammt aus dem Archiv der Familie
Korrektorat, Satz, Umschlaggestaltung:
Angelika Fleckenstein, Spotsrock
Verlag & Druck:
Tredition GmbH
Halenreie 40–44
22359 Hamburg
ISBN
978-3-347-26529-5 (Paperback)
978-3-347-26530-1 (Hardcover)
978-3-347-26531-8 (e-Book)
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Alfred Glatzer
DER KLEINE KOMMANDANT
Die Geschichte eines Zeitzeugen
Zweiter Weltkrieg – Gefangenschaft – Vertreibung
Vorwort als Herausgeber
Mein Vater, Alfred Glatzer (geb. Juni 1908), hat meinen Schwestern, Irene und Herta und mir im Jahr 1985 seine Aufzeichnungen über die russische Kriegsgefangenschaft, die Vertreibung der Familie aus der Heimat Schlesien und die Integration in die neue Heimat Bayern überreicht.
1988 folgten weitere Aufzeichnungen, die den zweiten Weltkrieg aus seiner persönlichen Sicht schildern. Den Text zur Gefangenschaft und der Vertreibung der Familie hatte er schon im Juli 1947 geschrieben und beide Bücher liegen mir gebunden in Schreibmaschinenseiten vor. Im letzten Jahr habe ich alles mit dem PC abschreiben lassen.
Diese Texte habe ich immer wieder gelesen und sie auch an Verwandte, Freunde und Kollegen (Schulpsychologie in Baden-Württemberg) ausgeliehen. Den meisten ging es dabei wie mir: Seine authentischen Schilderungen geben einen unmittelbaren Einblick in die vielen, sehr belastenden Erlebnisse, aber es ist an entscheidenden Stellen spürbar, wie er versucht hat, sein Leben zu retten und weiter für die Familie da zu sein. Auch die jüngeren Leserinnen und Leser fanden es wichtig, diese Bücher zu lesen und regten mich dazu an, sie zu veröffentlichen, da sie, ähnlich wie ich in diesem Alter von Erzählungen von Lehrern mit schweren Verwundungen, sehr beeindruckt waren. Manche bewunderten speziell die Gedächtnisleistung meines Vaters, die sich in interessanten Details niederschlug. Wer sich in seine Lebenssituationen hineinversetzte, wurde emotional stark angesprochen und konnte es kaum fassen, wie er darin psychisch stabil bleiben konnte. Vielleicht lag es daran, dass er selbst in enttäuschenden und verzweifelten Situationen immer auch auf positive Reaktionen seiner Umgebung bewusst geachtet hat.
Meine Eltern hatten eine ablehnende Haltung gegenüber dem Hitler-Regime und mein Vater zeigt in den Texten deutlich, dass er mit Zwang eingezogen wurde und er keine Wahl hatte, den Kriegsdienst zu verweigern. Mein Großvater hat im ersten Weltkrieg seinen Sohn Hermann David verloren und diesen Verlust in einer aufsehenerregenden Todesanzeige bedauert: statt vom Heldentod zu sprechen kritisierte er den Krieg als grausamen Völkermord.
Als Funker hat mein Vater seine Vorkenntnisse (z. B. Morse-Alphabet, Kartenlesen, Verwaltung) gut einbringen können und die Nachrichtenabteilungen haben die Kriegsführung (erfolgreiche Blitzkrieg-Strategie in den ersten Kriegsjahren) entscheidend beeinflusst, z.B. beim Zusammenwirken von Luftwaffe, Artillerie, Panzertruppen und Infanterieeinheiten.
Mein Vater hat mir seine belastenden Kriegserlebnisse in vielen Gesprächen geschildert: Die Besonderheiten des hektischen Funkbetriebs, das Auffinden verstümmelter oder verbrannter Kameraden. Den heiklen Auftrag der Division, hart gegen Partisanen vorzugehen, hat er gekannt, musste aber als Funker bei keinen Erschießungen persönlich teilnehmen.
Um die Kriegszeiten meines Vaters besser zu verstehen, setzte ich mich intensiv mit den militärischen Planungen und dem Scheitern der Wehrmacht auseinander. Die Literatur dazu habe ich mit Kommentaren angefügt, und ich empfehle sie allen Leserinnen und Lesern, die sich noch nicht mit diesem wichtigen Zeitabschnitt unserer Vergangenheit auseinandersetzen konnten.
Mich beschäftigte speziell auch die Frage, worüber man als Soldat während des Einsatzes informiert wurde und welches die Ziele der Heeresführung waren und wie sie von einzelnen Soldaten aufgenommen wurden.
Für meine Schwestern und für mich war die Identität als Flüchtlingskinder lange sehr prägend für unsere Entwicklung: Die Schulbildung meiner Schwestern wurde durch die Vertreibung unterbrochen, die wirtschaftliche Situation bedingte eine provisorische Wohnsituation nach dem Krieg und die Einkommenssituation meines Vaters steigerte sich nur langsam. Unsere Vertreibung ist im Vergleich zu Flüchtlingen aus Ostpreußen glücklicherweise jedoch weniger dramatisch verlaufen, es gab keine Toten durch Frost oder Angriffe.
Mein Vater hat bis zu seinem Tod 1998 an den Folgen der Schwerarbeit in der Gefangenschaft bei Mangelernährung gelitten: Die erworbene und nicht therapiebare Muskeldystrophie hat dazu geführt, dass er sich schon mit 55 Jahren nur mit Stöcken, Gehhilfe und Rollstuhl fortbewegen konnte. Mit der russischen Sprache hat er sich bis drei Jahre vor dem Tod noch aktiv beschäftigt. Das zeigt, dass er diese Sprache ohne Groll gegen den einstigen „Feind“ weitergepflegt hat. Wie tief sich die Erinnerungen an diese traumatischen Erlebnisse in das Gedächtnis meines Vaters eingebrannt haben, wurde nach Schlaganfällen sichtbar. Danach brachen bei meinem Vater bedrohliche Albträume aus dem Kriegsgeschehen und Gefangenschaft auf: Er berichtete uns z.B. von fehlenden Funkverbindungen, fand „Tote“ in seiner Wohnung und meinte wieder verletzt im Lazarett zu liegen.
Beruflich habe ich als Schulpsychologe drei Trainings über Kriseninterventionen an Schulen in Samara und Togliatti (Russland) mit meinem bayerischen Kollegen Bernhard Meißner durchgeführt und einmal auf Einladung der pädagogischen Hochschule in Samara unsere Arbeit vorgestellt.
Dazu gehörten auch Besuche in Schulen und sonderpädagogischen Einrichtungen. Besonders erinnere ich mich an ein Projekt in einem Gymnasium, bei dem die Schüler die Kriegserlebnisse ihrer Eltern darstellen sollten. Die Fotos in den Gängen hätten genauso von deutschen Soldaten stammen können. In jeder der beiden Städte führten uns die Kolleginnen zu den Gedenkstätten des Sieges der Roten Armee. Im Militärmuseum in Togliatti stand ich vor vielen der Panzer, Flugzeuge, Lastwagen und Artilleriegeschütze, die in den Erzählungen meines Vaters vorgekommen waren.
Mit der Herausgabe des Berichts über die schwierigsten Zeiten im Leben unserer Familie möchte ich über unsere Familie hinaus ein Dokument der Erinnerung und Mahnung an die Folgen eines Krieges zugänglich machen.
Diese Darstellung meines Vaters könnte ein Beispiel dafür sein, sich auch in verzweifelten Lebenslagen treu zu bleiben und den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen.
Dieter Glatzer
Mai 2021
Inhalt
Der Zweite Weltkrieg
Die Machtergreifung durch die NSDAP
Gezwungen zur Wehrmacht
Der Überfall auf Polen
Heimaturlaub
Frankreich - Feldzug
Heimkehr nach Schlesien
Wieder im Militärdienst
Feldzug gegen die Sowjetunion
Unternehmen „Barbarossa“
Die Schlamm-Periode 1942
Die Sommer-Offensive 1942
Heimaturlaub 1942
Kampf um Stalingrad 1942
Einkesselung der 6. Armee 1943
Verlieren wir unseren Funkwagen?
Einsatz mit 2 PS (Pferdestärken) 1943
Wieder einmal eingekesselt
Nachrichtler als Infanteristen
Sonderurlaub 1943
Zurück zur Truppe 1944
Die Schlammperiode 1944
Heimaturlaub 1944
Die Invasion an der Westfront
Zum weiteren Rückzug gezwungen
Der letzte Versuch
Marsch in die Gefangenschaft
Meine Erlebnisse in der russischen Kriegsgefangenschaft
Vorwort
Gefangen
Ins Lager
Lager Nr. 144/6
Arbeit im Schacht 7
Das „Erholungslager“
Im Kohlenschacht
Lager Nr. 144/2 in Brjanka - Perwomaisk
Kolchose Petrowenka
Wieder im Schacht
Unfall im Schacht
Übersiedlung in das Lager Nr. 144/9
Fahrt in die neue Heimat?!?
Endlich in Deutschland
Reise in die neue Heimat
Vertrieben aus der Heimat Schlesien
Vorwort
Kriegsdienst
Der Feldzug gegen die Sowjetunion
Beginn der Evakuierung
Vertreibung am 20. Februar 1945
Wird Bayern unsere neue Heimat?
Heimkehrer, Heimatvertriebener, Flüchtling …
Wachdienst bei der Industrie-Polizei
Endlich wieder im Öffentlichen Dienst
Ein schwerer Schicksalsschlag!
Wiedersehen mit der Heimat (Juli 1976)
Erinnerungen in Bildern
Hertas Ahnentafel
Karten und Dokumente
Literatur
Glossar
