Was trennt uns wirklich voneinander? Was macht Gespräche hart, Beziehungen müde und Herzen verschlossen? In Band II der Reihe "Der kleine Mönch" begegnet der Erzähler erneut dem stillen Jungen, der keine Lehren verkündet – sondern Fragen stellt. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise zu drei der häufigsten inneren Irrtümer des Menschen: Besserwissen, Rechthaberei und Urteilen. Mit ruhiger, klarer Sprache und in erzählerischen Bildern zeigt dieses Buch, wie das Ego uns unmerklich von anderen und von uns selbst entfernt. Nicht durch Bosheit – sondern durch Gewohnheit. Durch das Bedürfnis, recht zu haben. Durch die Angst, falsch zu liegen. Durch den Wunsch, sich überlegen zu fühlen. Der kleine Mönch erklärt nicht. Er widerspricht nicht. Er lädt ein, hinzusehen. Jedes Kapitel ist eine kleine Begegnung, ein stilles Gespräch, ein Spiegel. Es geht nicht um Schuld, nicht um Moral, nicht um Selbstoptimierung. Es geht um Verstehen. Um das Erkennen der eigenen inneren Bewegungen. Und um die leise Rückkehr zu etwas, das wir alle kennen – aber oft vergessen: Klarheit, Einfachheit und Menschlichkeit. Dieses Buch ist kein Ratgeber im klassischen Sinn. Es ist eine Erinnerung. An das Zuhören. An das Loslassen. An den Frieden, der entsteht, wenn man nicht mehr gewinnen muss. "Der kleine Mönch – Band II" richtet sich an Menschen, die nicht mehr kämpfen wollen – weder gegen andere noch gegen sich selbst. An Leserinnen und Leser, die spüren, dass wahre Stärke nicht im Recht haben liegt, sondern im Verstehen. Ein stilles, tiefgehendes Buch über das Ego – und über den Weg zurück zu einem klaren, offenen Herzen.
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Dieses Buch widme ich allen Menschen,
die sich selbst zu lange getragen haben.
Allen, die stark waren, weil sie glaubten, es
zu müssen.
Allen, die mehr verstanden haben, als ihnen
gutgetan hat.
Und allen, die irgendwann gemerkt haben:
Nicht jeder Kampf muss gewonnen werden.
Manche dürfen einfach losgelassen werden.
Silvano B.
Inhaltsverzeichnis
Widmung
Prolog – Der kleine Mönch und die drei Stimmen in mir
Teil I – Das Erkennen
1. Der kleine Mönch ist wieder da 2. Warum wir uns so oft im Recht fühlen 3. Das leise Gift des Besserwissens 4. Wenn Wissen wichtiger wird als Wahrheit 5. Der erste Spiegel
Teil II – Die drei Irrtümer des Egos Der erste Irrtum: Besserwisser
6. „Ich weiß es besser“ – und höre nicht mehr zu 7. Wie Wissen zur Mauer wird
8. Gespräche, die keine mehr sind 9. Was der kleine Mönch über echtes Verstehen sagt
Der zweite Irrtum: Rechthaberisch
10. Warum Recht haben wichtiger wird als Frieden 11. Die Angst, Unrecht zu haben 12. Siege, die Beziehungen kosten 13. Der kleine Mönch und die Kunst, loszulassen Der dritte Irrtum: Urteilen
14. Das schnelle Urteil und der langsame Schaden 15. Warum wir andere verurteilen, um uns zu schützen 16. Die schwere Last der inneren Richter 17. Was geschieht, wenn man aufhört, zu richten
Teil III – Der Weg zurück zur Klarheit
18. Still werden statt recht behalten 19. Zuhören, ohne sich zu verteidigen 20. Sehen, ohne zu bewerten
21. Der kleine Mönch und die neue Einfachheit 22. Wenn das Herz wieder führen darf 23. Klarheit ist leise
Teil IV – Der gelebte Weg
24. Nicht mehr kämpfen, sondern gehen 25. Weniger Ego. Mehr Leben.
26. Der kleine Mönch ist kein Lehrer – er ist eine Erin-nerung
Epilog – Drei Irrtümer weniger. Ein Leben mehr.
Nachwort – Der Weg geht weiter
Kapitel 1 - Der kleine Mönch ist wieder da
Er kam nicht zum ersten Mal. Und doch fühlte es sich so an, als würde ich ihm neu begegnen.
Der kleine Mönch war schon einmal da gewesen. Vor Jah-ren. In einer anderen Zeit. In einem anderen Leben. Da-mals, als mein Körper stehen blieb und ich gezwungen war, es auch zu tun. Als die Hirnblutung mir den Lärm aus dem Leben nahm und mir stattdessen Stille gab – zuerst brutal, dann heilsam. In dieser Zeit hatte ich ihn kennenge-lernt. Oder besser: mich selbst, in einer Form, die ich hören konnte.
Dann kam das Leben zurück. Schritt für Schritt. Verant-wortung. Projekte. Unterwegssein. Menschen. Und wie das so ist: Mit dem Tempo verschwindet oft die Stille. Nicht ganz. Aber sie wird leiser. Und irgendwann habe ich ge-merkt, dass ich wieder mehr funktionierte, als ich lebte. Dass ich wieder mehr erklärte als spürte. Mehr wusste als hörte.
Und dann war er wieder da.
Nicht als Stimme. Nicht als Bild. Eher als ein Innehalten mitten im Gehen. Als ein Moment, in dem etwas in mir sagte: So. Jetzt reicht es wieder mit dem Lärm.
Ich sass irgendwo. Ich weiss nicht mehr genau wo. Viel-leicht im Camper. Vielleicht auf einer Bank. Vielleicht ein-fach in mir selbst. Und plötzlich war diese Präsenz wieder da. Diese ruhige, klare, unaufgeregte Art, die nichts fordert und doch alles verändert.
„Du bist wieder sehr beschäftigt“, sagte er.
Ich musste lächeln. „Das Leben eben.“
Er sah mich an. Lange. So, wie nur jemand schauen kann, der nicht beeindrucken will.
„Und bist du auch da?“, fragte er.
Diese Frage traf mich mehr, als ich erwartet hatte.
Ich hatte wieder angefangen, stark zu sein. Zu organisieren. Zu tragen. Zu helfen. Zu wirken. Alles gute Dinge. Und doch hatte sich etwas verschoben. Nicht falsch. Aber auch nicht ganz wahr.
„Du bist weiter gegangen“, sagte er. „Aber ein Teil von dir ist wieder vorausgerannt.“
Ich schwieg.
Der kleine Mönch war nie weg gewesen. Ich war es.
Er setzte sich neben mich. Oder in mich. Oder einfach in diesen Raum, der entsteht, wenn man aufhört, sich selbst zu erklären.
„Weisst du“, sagte er, „du musst nicht zurück. Du musst nur wieder ganz da sein.“
Seitdem ist er wieder da. Nicht als Erinnerung. Nicht als Notlösung. Sondern als Haltung. Als innerer Ort, zu dem ich zurückkehre, wenn ich merke, dass ich mich wieder verliere – im Tun, im Helfen, im Denken, im Rechthaben. Dieses Buch ist nicht entstanden, weil ich etwas Neues zu sagen hätte. Es ist entstanden, weil der kleine Mönch wie-der da ist – und weil ich wieder zuhöre.
Und vielleicht beginnt jeder echte Weg genau so: Nicht mit einem Aufbruch.
Sondern mit einem Wieder-Ankommen.
Kapitel 2 - Warum wir uns so oft im Recht
fühlen
Es ist ein merkwürdiges Gefühl, dieses „Recht haben“. Es fühlt sich warm an. Sicher. Aufrecht. Für einen Moment sogar stark. Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir es so oft suchen. Es ist wie ein innerer Punkt, auf den man sich stellt, wenn der Boden unsicher wird. „Warum willst du eigentlich so oft recht haben?“, fragte der kleine Mönch eines Tages.
Ich wollte zuerst antworten: Weil ich recht habe. Und musste dann selbst darüber lächeln.
„Weil ich überzeugt bin“, sagte ich stattdessen. Er nickte. „Und was gibt dir diese Überzeugung?“
Ich schwieg.
Recht haben gibt Halt. Es ordnet die Welt. Es trennt richtig von falsch, gut von schlecht, ich von den anderen. Es schafft klare Linien in einem Leben, das sonst oft viel zu unübersichtlich ist. Wenn ich recht habe, weiss ich, wo ich stehe. Und vor allem weiss ich, wo die anderen stehen: auf der anderen Seite.
„Recht haben ist meistens kein Finden“, sagte der kleine Mönch. „Es ist ein Schutz.“
Dieser Satz blieb.
Ich begann zu beobachten, wie oft ich innerlich Position bezog, noch bevor ich wirklich zugehört hatte. Wie schnell ich mir eine Meinung bildete. Wie oft ich dachte: Das sehe ich anders – und damit eigentlich meinte: So wie du es sagst, darf es nicht sein.
„Was verteidigst du da eigentlich?“, fragte er.
Ich wollte sagen: meine Sicht. Meine Erfahrung. Meine Werte.
Aber die ehrlichere Antwort war: mich.
Rechthaben ist oft nichts anderes als Angst, Unrecht zu haben. Angst, falsch zu liegen. Angst, unsicher zu sein. Angst, an Halt zu verlieren. Und so bauen wir uns Meinun-gen wie Mauern. Nicht, um zu verstehen. Sondern um nicht ins Wanken zu geraten.
„Du verwechselst Standpunkt mit Standhaftigkeit“, sagte er einmal.
Ich verstand zuerst nicht, was er meinte.
„Ein Standpunkt kann dich festmachen“, sagte er. „Aber Standhaftigkeit entsteht, wenn du auch ohne festen Stand-punkt stehen kannst.“
Das war unbequem. Sehr unbequem.
Denn wenn man nicht mehr sofort recht haben muss, ent-steht ein Raum. Ein unsicherer Raum. Ein stiller Raum. Und in diesem Raum ist man nicht mehr überlegen. Aber man ist offen. Und Offenheit ist gefährlich für das Ego.
Ich begann zu merken, wie sehr Rechthaben mit Identität zu tun hat. Wie oft wir nicht eine Meinung verteidigen, sondern ein Bild von uns selbst. Ich bin jemand, der das versteht. Ich bin jemand, der das durchschaut. Ich bin je-mand, der weiss, wie es richtig ist.
„Was verlierst du, wenn du nicht recht hast?“, fragte der kleine Mönch.
Ich dachte lange nach. Und merkte: Ich verliere ein Bild von mir. Das Bild, der zu sein, der es weiss. Der es im Griff hat. Der sicher ist.
„Und was gewinnst du?“, fragte er.
Ich wusste es nicht. Noch nicht.
Später begann ich zu sehen, wie viel Energie es kostet, recht zu behalten. Wie viel innere Spannung entsteht, wenn man eine Position verteidigt, die längst zu eng geworden ist. Wie oft man nicht mehr zuhört, sondern nur noch war-tet, bis man wieder sprechen darf.
„Recht haben beendet Gespräche“, sagte der kleine Mönch. „Verstehen beginnt sie.“
Ich sah, wie viele Diskussionen eigentlich keine Begeg-nungen sind. Sondern zwei Monologe, die sich gegenseitig anschreien. Jeder will gewinnen. Aber niemand will wirk-lich sehen.
„Wenn zwei Menschen unbedingt recht haben wollen“, sagte er, „verlieren meistens beide.“
