Der kleine Mönch - Der Weg - Silvano B - E-Book

Der kleine Mönch - Der Weg E-Book

Silvano B

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Beschreibung

"Der kleine Mönch – Der Weg" ist ein stilles, tiefgehendes Buch über die grossen Fragen des Lebens – und über den Mut, sich ihnen ehrlich zu stellen. Nach einem Leben voller Verantwortung, Tempo und Funktionieren beginnt für einen Mann ein innerer Weg. Nicht, weil er etwas sucht – sondern weil er nicht mehr fliehen kann. In der Begegnung mit dem kleinen Mönch, der zugleich Begleiter, Spiegel und innere Stimme ist, entstehen Gespräche über Angst und Mut, Schuld und Vergebung, Nähe und Wahrheit, Vertrauen, Loslassen, Sinn und das, was bleibt, wenn man aufhört, sich selbst zu überfordern. Dieses Buch ist kein klassischer Ratgeber. Es gibt keine Rezepte und keine schnellen Lösungen. Es ist ein leises Buch, das Raum lässt. Ein Buch, das nicht antreibt, sondern anhält. Ein Buch für Menschen, die viel getragen haben – und beginnen wollen, anders zu gehen. In ruhigen, poetischen Dialogen entfaltet sich ein Weg der Klärung und der inneren Ordnung. Der kleine Mönch führt nicht, er erinnert. Nicht an etwas Neues, sondern an etwas, das immer da war: Würde, Stille, Klarheit und die Fähigkeit, dem eigenen Leben wieder zu vertrauen. "Der kleine Mönch – Der Weg" erzählt von einem tiefen inneren Wandel: vom Funktionieren zum Dasein, vom Aushalten zum Gehen, von der Angst zur Haltung. Es ist ein Buch über Menschlichkeit, über das Wiederfinden der eigenen Stimme – und über den Mut, nicht perfekt, sondern wahr zu leben. Ein Buch für alle, die spüren: Der wichtigste Weg beginnt nicht im Aussen. Sondern in dir.

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Seitenzahl: 88

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Widmung

Dieses Buch widme ich allen Menschen,

die ihr Herz nicht verloren haben,

auch wenn das Leben sie hart gemacht hat.

Allen, die tragen, ohne laut zu sein.

Allen, die fühlen, ohne sich dafür zu rechtfer-

tigen.

Allen, die trotz allem Herzensmenschen ge-

blieben sind.

Silvano B.

Der kleine Mönch – Der Weg

Die grossen Fragen des Lebens

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Was ich nicht lehre

TEIL I – SEHEN

Wahrnehmen, was wirklich ist

Kapitel 1

Über Angst

Kapitel 2

Über Mut

Kapitel 3

Über Schuld

Kapitel 4

Über Müdigkeit

Kapitel 5

Über Einsamkeit

Kapitel 6

Über Zeit

TEIL II – KLÄREN

Ordnen, was uns lenkt

Kapitel 7

Über Leistung

Kapitel 8

Über Geld

Kapitel 9

Über Nähe

Kapitel 10

Über Wahrheit

Kapitel 11

Über Vertrauen

Kapitel 12

Über Loslassen

TEIL III – GEHEN

Leben, was wir erkannt haben

Kapitel 13

Über Sinn

Kapitel 14

Über Dienen und Weitergeben

Kapitel 15

Der Mönch ist immer in uns

Epilog

Ich gehe – und ich weiss, wie.

Was ich nicht lehre – Prolog des kleinen

Mönch

Ich bin nicht hier, um dir etwas beizubringen. Menschen erwarten das oft. Sie glauben, jemand wie ich müsse Ant-worten haben, Wege kennen, Wahrheiten formulieren. Aber Wahrheit lässt sich nicht überreichen wie ein Gegen-stand. Man kann nur neben jemandem stehen, während er sie entdeckt. Und selbst dann weiss man nicht, ob er wirk-lich hinschaut oder nur etwas mitnimmt, das ihn beruhigt. Du nennst mich den kleinen Mönch. Aber ich bin weder klein noch ein Mönch. Ich habe keine Lehre, kein System, keine Methode. Ich bin nur der Teil in dir, der nicht schreit. Der nicht beweisen will. Der nicht flieht. Ich bin der, der bleibt, wenn alles andere in dir schneller werden will. Der, der fragt, wenn du wieder eine Antwort suchst, um nicht fühlen zu müssen. Und manchmal bin ich der, der schweigt, bis du merkst, dass du dir selbst schon längst al-les gesagt hast.

Ich gehe nicht vor dir. Und ich gehe nicht hinter dir. Ich gehe in dir. Und manchmal bleibst du stehen – nicht weil du nicht weiterkannst, sondern weil du zum ersten Mal spürst, dass du nicht mehr davonlaufen musst. Du hast lan-ge geglaubt, der Weg müsse irgendwohin führen. Zu einem Ziel. Zu einer besseren Version von dir. Aber der Weg ist kein Projekt. Er ist ein Gehen. Und Gehen wird stiller, wenn man aufhört, sich selbst zu überholen.

Dieses Buch ist kein Lehrbuch. Kein Wegweiser. Kein Versprechen. Es wird dir nichts geben, was du nicht schon in dir trägst. Aber vielleicht nimmt es dir etwas: den Lärm, die Eile, die Ausreden. Vielleicht erinnert es dich daran, dass du nicht geworden bist, was du bist – sondern dass du es nie aufgehört hast zu sein. Und dass der einzige Weg, der wirklich zählt, dort beginnt, wo du aufhörst, dich selbst zu verlassen.

Der kleine Mönch

Kapitel 1 – Über Angst

Ich sass auf der Bank vor dem Haus und tat so, als würde ich den Abend anschauen. In Wahrheit schaute ich in mei-nen Kopf. Dort war wie immer Bewegung. Gedanken, Plä-ne, Fragen, dieses ständige innere Weiter.

„Du bist unruhig“, sagte der kleine Mönch.

„Ich habe viel im Kopf“, antwortete ich.

Er nickte. „Das ist nicht dasselbe.“

Ich schwieg. Er liess mir Zeit.

„Was ist es diesmal?“, fragte er.

„Nichts Besonderes“, sagte ich. „Einfach… alles.“

Er sah mich an. Nicht bohrend. Nicht prüfend. Eher wie jemand, der schon weiss, dass „alles“ meistens „etwas“ heisst.

„Wovor läufst du gerade davon?“

„Ich laufe nicht davon“, sagte ich schneller, als ich wollte.

Er lächelte kaum merklich. „Dann bleib doch kurz stehen.“

Ich atmete aus. „Ich weiss nicht genau. Es ist eher so ein Druck. So ein inneres Getriebensein.“

„Angst“, sagte er ruhig.

„Nein“, sagte ich. „Ich habe keine Angst. Ich bin einfach… angespannt.“

„Das ist oft dasselbe in höflicher Sprache“, sagte er.

Ich wollte widersprechen. Aber irgendetwas in mir wusste, dass er recht hatte.

„Ich habe doch keinen Grund, Angst zu haben“, sagte ich. „Alles läuft. Es gibt Probleme, ja. Aber das ist normal.“

„Angst braucht keinen äusseren Grund“, sagte er. „Sie braucht nur einen inneren.“

„Und welcher soll das sein?“

Er sah mich lange an. „Dass du etwas verlieren könntest.“

„Was denn?“

„Kontrolle. Bedeutung. Sicherheit. Oder das Bild von dir, das du aufrechterhältst.“

Ich schaute auf den Boden. „Ich will einfach nur, dass es weitergeht.“

„Genau“, sagte er. „Und genau das ist Angst.“

Ich schwieg.

„Angst ist nicht nur Zittern“, sagte er. „Sie ist auch Antrei-ben. Beschleunigen. Nicht-stehen-bleiben-wollen.“

„Also ist jeder, der viel arbeitet, ängstlich?“

„Nein“, sagte er. „Aber viele arbeiten, um ihre Angst nicht hören zu müssen.“

„Und was, wenn man einfach Verantwortung trägt?“

„Dann trägt man Verantwortung“, sagte er. „Aber wenn man sie nicht mehr ablegen kann, selbst für einen Moment, dann trägt sie einen.“

Das sass.

„Ich dachte immer, Angst macht schwach“, sagte ich.

„Angst macht vorsichtig“, sagte er. „Aber ungefühlte Angst macht hart.“

„Ich will nicht von Angst geführt werden“, sagte ich.

„Dann hör auf, so zu tun, als gäbe es sie nicht.“

Wir sassen eine Weile schweigend da.

„Was, wenn ich sie zulasse?“, fragte ich.

„Dann wird sie kleiner“, sagte er. „Oder zumindest ehrli-cher.“

„Und wenn sie mir Dinge zeigt, die ich nicht sehen will?“

„Dann zeigt sie dir wahrscheinlich die Wahrheit.“

Ich atmete tief ein. „Und was, wenn ich damit nicht umge-hen kann?“

Er sah mich ruhig an. „Du bist dein ganzes Leben schon mit ihr umgegangen. Du hast sie nur anders genannt.“

Ich lehnte mich zurück.

„Angst verschwindet nicht, wenn man stark spielt“, sagte er. „Sie verschwindet, wenn man aufhört, vor sich selbst zu fliehen.“

„Und was bleibt dann?“

„Du.“

Wir sassen noch immer auf der Bank. Es war ruhiger ge-worden. Nicht draussen. In mir.

„Wenn Angst so allgegenwärtig ist“, sagte ich, „warum merken wir sie so selten?“

Der kleine Mönch sah in den Himmel. „Weil sie sich gut tarnt.“

„Als was?“

„Als Pflicht. Als Ehrgeiz. Als Vernunft. Als Verantwor-tung. Als Vorsicht. Als Stärke.“

Ich musste lächeln. „Das klingt, als wäre fast alles Angst.“

„Nicht alles“, sagte er. „Aber vieles wird von ihr angetrie-ben, ohne dass man es merkt.“

„Und wie merkt man es?“

Er schwieg kurz. „Wenn du etwas tust und innerlich nicht frei bist. Wenn du nicht kannst, nicht musst. Wenn du nicht aufhören kannst, obwohl du müde bist. Wenn du nicht los-lassen kannst, obwohl du weisst, dass es Zeit wäre.“

Ich sah auf meine Hände. „Das kenne ich.“

„Die meisten kennen es“, sagte er. „Sie nennen es nur an-ders.“

„Ich dachte immer, Angst zeigt sich in Schwäche.“

„Manchmal“, sagte er. „Aber sehr oft zeigt sie sich in Kon-trolle.“

„In Kontrolle?“

„Ja. In dem Bedürfnis, alles im Griff zu haben. Alles zu planen. Alles abzusichern. Alles vorherzusehen.“

„Ist das nicht einfach klug?“

„Klug ist, zu planen“, sagte er. „Angst ist, nicht mehr ohne Plan atmen zu können.“

Ich schwieg.

„Angst will Sicherheit“, sagte er. „Aber absolute Sicherheit gibt es nicht. Also arbeitet sie unermüdlich. Und wird nie fertig.“

„Und was ist mit Verantwortung?“, fragte ich. „Man kann doch nicht einfach alles laufen lassen.“

„Nein“, sagte er. „Aber man kann aufhören, alles tragen zu wollen.“

„Und wenn dann etwas schiefgeht?“

„Dann geht etwas schief“, sagte er ruhig. „Das gehört zum Leben.“

Ich merkte, wie sehr ich mich gegen diesen Gedanken sträubte.

„Du hast gelernt, stark zu sein“, sagte er. „Aber nicht, dich zuzumuten.“

„Was meinst du damit?“

„Dass du dich selbst nur in funktionierender Form zeigst. Nicht in zweifelnder. Nicht in müder. Nicht in unsicherer.“

Das traf.

„Angst sagt dir: Zeig dich nicht. Halt durch. Reiss dich zu-sammen. Dann verlierst du nichts.“

„Und stimmt das nicht?“

„Nein“, sagte er. „Du verlierst dich.“

Ich atmete aus.

„Viele Menschen leben in einem dauernden inneren Alarmzustand“, sagte er. „Nicht, weil es so gefährlich ist. Sondern weil sie verlernt haben, sich sicher zu fühlen, ohne alles zu kontrollieren.“

„Und wie lernt man das wieder?“

Er sah mich an. „Indem man anfängt, Angst nicht mehr zu verstecken.“

„Und dann?“

„Dann hört man ihr zu. Aber man gehorcht ihr nicht mehr.“

„Das klingt… riskant.“

Er nickte. „Leben ist riskant.“

Wir sassen still.

„Angst will dich klein halten“, sagte er. „Nicht, weil sie böse ist. Sondern weil sie glaubt, dich so zu schützen.“

„Und was willst du?“, fragte ich.

Er lächelte. „Dass du lebst.“

„Wenn Angst uns so sehr lenkt“, sagte ich, „woher kommt sie eigentlich?“

Der kleine Mönch schwieg einen Moment. „Meistens nicht aus dem, was gerade ist.“

„Sondern?“

„Aus dem, was einmal war. Oder aus dem, was einmal ge-fehlt hat. Oder aus dem, was du nie verlieren wolltest.“

Ich dachte nach. „Also alte Geschichten.“

„Ja“, sagte er. „Aber Geschichten, die dein Körper noch für wahr hält.“

„Und ich reagiere heute noch darauf?“

„Die meiste Zeit“, sagte er ruhig.

„Das ist unfair.“

Er lächelte. „Das Leben ist nicht gerecht. Aber es ist ehr-lich.“

Ich seufzte. „Also laufe ich mit alten Ängsten durch neue Tage.“

„Und wunderst dich, warum du dich manchmal verhältst, als wäre es immer noch früher.“

Ich nickte langsam.

„Angst entsteht oft dort“, sagte er, „wo du einmal gelernt hast, dass du dich anpassen musst, um sicher zu sein. Oder leisten musst, um zu gelten. Oder stark sein musst, um nicht verlassen zu werden.“

Das traf tiefer, als mir lieb war.

„Und was, wenn das heute nicht mehr stimmt?“, fragte ich.

„Dann lebt die Angst trotzdem weiter“, sagte er. „Bis du ihr etwas Neues zeigst.“

„Was denn?“

„Dass du heute da bist. Dass du tragen kannst. Dass du nicht mehr dieses Kind bist. Oder dieser Mensch in dieser alten Situation.“

Ich schwieg.

„Angst ist wie ein alter Wächter“, sagte er. „Er hat einmal gute Arbeit geleistet. Aber er hat nie gelernt, Feierabend zu machen.“

„Und wie schickt man ihn nach Hause?“

„Man bedankt sich. Und übernimmt selbst.“

Ich sah ihn an. „So einfach?“

„So einfach“, sagte er. „Und so schwer.“

„Und wenn ich versage?“

„Dann versagst du“, sagte er ruhig. „Und lebst trotzdem.“

Das sass.

„Du hast Angst, die Kontrolle zu verlieren“, sagte er. „Aber in Wahrheit hast du Angst, dich zu zeigen.“

„Weil ich angreifbar bin?“

„Weil du lebendig bist.“

Wir sassen eine Weile still.

„Angst verschwindet nicht“, sagte er. „Aber sie wechselt den Platz.“

„Welchen Platz?“

„Vom Steuerrad auf den Beifahrersitz.“

Ich musste lächeln. „Und manchmal steigt sie wieder aus?“

„Manchmal“, sagte er. „Aber selbst dann weisst du, dass du fahren kannst.“

„Und wenn ich wieder vergesse, wer fährt?“

Er sah mich an. „Dann erinnerst du dich wieder. Mehr ver-langt niemand.“

Ich atmete tief durch.

„Vielleicht ist Mut nicht, keine Angst zu haben“, sagte ich.

„Nein“, sagte er. „Mut ist, nicht mehr von ihr regiert zu werden.“

„Und wie merkt man das?“