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Über das Buch In Form einer Reisebiografie schildert der Autor kleine Geschichten, Anekdoten, Erlebnisse und Erfahrungen des Ingenieurs Thomas Keller aus dessen jahrzehntelanger, weltweiter beruflicher Tätigkeit als Projektleiter im internationalen Stahl- und Anlagenbau. Der Leser erfährt vieles über Sitten und Gebräuche in exotischen Ländern, übers Reisen und Fliegen, über das Leben und Arbeiten im Ausland, aber auch einiges Wissenswerte aus seinem Fachgebiet. Eine ideale, leichte Lektüre für alle, die selbst gerne verreisen, aber nicht nur für solche. 484 Seiten, 178 Abbildungen
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Seitenzahl: 729
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Meiner geliebten Frau
Bedanken möchte ich mich bei all meinen Kolleginnen und Kollegen, die mir zugearbeitet und stets loyal waren, seien es die aus der eigenen Abteilung oder auch aus anderen Bereichen unseres Konzerns und der Tochtergesellschaften. Weiterhin möchte ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Übersee danken, die mir die Aufenthalte immer absolut stressfrei und angenehm gestaltet haben, was mir eine herausgehobene und erfolgreiche Arbeit ermöglichte.
Mein besonderer Dank gilt Kurdi, meinem Fahrer in Indonesien wie auch alle anderen, die mich sicher und unfallfrei durch die fremden Länder kutschierten und dem 'Housegirl' Masri, die mich immer bestens bekocht hat.
Beide waren etwa gleich alt wie ich, doch führten sie ein ganz anderes Leben.
Vorwort
Kap. 1 Übers Fliegen -
Von Flugangst bis Herrengedeck
Kap. 2 Leben und Arbeiten im Ausland -
Irgendwie anders
Kap. 3 Deutschland -
Die ersten Jahre und immer wieder
Kap. 4 Paris -
Eine oft besuchte Metropole
Kap. 5 Libyen -
Erste Begegnung mit dem Orient
Kap. 6 Indonesien -
Geheimnisvolles Land in Südostasien
Kap. 7 Australien -
Aus drei mach elf
Kap. 8 Malaysia -
Reisen in ein aufstrebendes Land
Kap. 9 Südkorea -
Ein schöner langer Flug
Kap. 10 Kairo und Ägypten -
Fast schon wie daheim
Kap. 11 Brasilien -
Darauf einen Caipirinha!
Kap. 12 Argentinien und Chile -
Down Under im Westen
Kap. 13 Nigeria, Venezuela, Japan -
Ohne mich, leider und gut so
Kap. 14 USA -
Irgendwann war es ja mal fällig
Kap. 15 Mexiko -
Dünne und bleihaltige Luft
Kap. 16 Dubai -
Märchen aus 1001 Nacht
Kap. 17 Thailand -
One Night in Bangkok
Kap. 18 Bagdad -
50 Grad im Schatten und ein schönes Hotel
Kap. 19 Österreich -
Linz, der Tafelspitz und rauchende Colts
Kap. 20 Italien -
Feine Anzüge und teure Schuhe
Kap. 21 Großbritannien -
Rosamunde lässt grüßen
Kap. 22 Russland -
Der Kongress tanzt
Kap. 23 Slowakei -
Besprechung im Tiefflug
Kap. 24 Benelux und Griechenland -
Alles im Nebel
Kap. 25 Finnland und Dänemark -
Jagd nach Elchen und Aufträgen
Nachwort
Anhang
Bild 1 - Boeing 747 auf dem Weg nach Südostasien
Mein Name ist Thomas Keller
Von Beruf bin ich Ingenieur, genauer gesagt, Bauingenieur. Das vorliegende Buch ist ein Reisetagebuch. Es handelt jedoch nicht von Urlaubsreisen, sondern von Reisen, die ich im Auftrag meines Arbeitgebers, einer international bekannten Stahlbauunternehmung aus Südwestdeutschland, über fast 25 Jahre unternahm. Zunächst als Statiker, nach ein paar Jahren als Spezialist für computergestütztes Konstruieren (CAD), dann als Baustellenkoordinator, später als Projektleiter, Consultant und Leiter der Angebotsabteilung im Stahlhochbau.
Es handelt sich aber nicht um ein Tagebuch, in das ich etwa täglich Eintragungen vorgenommen hätte, sondern eher um eine Reisebiographie, in der ich meine Erlebnisse an den wichtigsten und interessantesten Stationen meines Berufslebens, außerhalb meines Büroalltags, beschreibe. Es ist in Kapitel gegliedert und an den verschiedenen Stationen kann der Leser innehalten und versuchen, sich alles bildlich einzuprägen und somit nachträglich daran teilhaben. Und meine ehemaligen Kollegen erfahren endlich, was die dienstreisenden Kollegen im Ausland "so alles getrieben haben…" Neben den Erfahrungen, die ich auf meinen Reisen in weit über 50 Ländern sammeln konnte, lasse ich gelegentlich auch ein bisschen Fachwissen durchsickern, und die Leserin, bzw. der Leser erfährt so auch etwas über mein Metier, den Stahl- und Anlagenbau, aber nur so viel, wie man eben Laien zumuten kann.
Aber auch der Aspekt des Reisens per Flugzeug kommt nicht zu kurz. Vor allem der Rückblick auf die "Good old times", die beiden letzten Dekaden des 20. Jahrhunderts, als das Fliegen noch weitestgehend ohne Einschränkungen war, war es wert, dieses Buch zu schreiben. Doch das erste Kapitel enthält weit mehr als das. Von Flugangst bis Herrengedeck, von Start und Landung, von Unterhaltung und Leben an Bord, das Fliegen interkontinental, alles wird in diesem Kapitel behandelt, was mir wichtig und erzählenswert erschien und für mich den Reiz des Fliegens ausmachte und heute immer noch ausmacht.
Und im zweiten großen Kapitel beleuchte und beschreibe ich das Leben und Arbeiten im Ausland, in all seinen Facetten, so wie es sich mir darstellte, wie ich es beobachtete und erlebte, während meiner abwechslungsreichen Ingenieurstätigkeit. Liebeswürdiges und mitunter Skurriles kommt dabei zu Tage wie auch einiges Wissenswertes, darunter vieles, was man so nicht vermuten würde.
Die Projekte, um die es in den darauffolgenden einzelnen Kapiteln geht und deren Anlass die Reisen waren, sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Unmenge von Projekten, die in all den Jahren über meinen Schreibtisch gingen, oft mit ganz kurzen Bearbeitungszeiten. Andere wiederum zogen sich über Jahre hin, bis es endlich zum 'Letter of Intend' (LOI), der unverbindlichen Absichtserklärung oder zu dem ersehnten Auftrag kam. Viele Projekte verliefen aber auch enttäuschend, "im Sande" sozusagen, endeten mit einer Absage und mit hohen Projektierungskosten, die natürlich nie vergütet wurden.
Das Buch ist auch kein Reiseführer, obschon man beim Schmökern einiges über Länder, Städte und die dort lebenden und arbeitenden Menschen erfährt, was sich einem als Tourist nicht unbedingt und vielleicht nie erschließt. Vieles habe ich in diesen Jahren gesehen und erlebt, die Schönheit der Regionen und Landschaften, die Freundlichkeit der Menschen in fremden Ländern. Normalität des Alltags, aber auch viel Elend und unbeschreibliche Armut, Slums. Armutsbehausungen waren darunter, wie auch edle Villen und feinste Hotels. Heruntergekommene, vergessene Stadtviertel ebenso wie hypermoderne Cities, die vor allem in der südlichen Hemisphäre zunehmend wie Pilze aus dem Boden schossen, überall auf der Welt. Und da ich regelmäßig alle paar Monate immer mal abwechselnd in die verschiedenen Kontinente kam, sah ich mit eigenen Augen die stetige Veränderung, die mir vorkam wie ein Wettlauf um die modernste City, das schlankeste und höchste Hochhaus, die gewagteste Konstruktion, die verwegenste Glasfassade. Ich denke, so muss es auch in den 1920er Jahren in Nordamerika gewesen sein, als dort in den Großstädten die Downtowns regelrecht in die Höhe wuchsen.
Zeitweise ging es bei mir Schlag auf Schlag. Da gab es Reisen nach Übersee von nur drei, vier Tagen, aber auch Aufenthalte von mehreren Monaten, wie in Libyen oder Indonesien. Und keine Reise verlief wie die andere. Nichts war eigentlich spektakulär, aber immer irgendwie besonders, Abwechslung pur. Und einmal bin ich auch nur knapp dem Tod entgangen, auf der Autobahn, bei einer Fahrt zum Flughafen. Manchmal war es witzig, skurril, überraschend. An manches erinnere ich mich gerne, an manches andere nicht so sehr. Hinzudichten musste ich nichts. Alles, was nachfolgend beschrieben ist, hat sich auch so zugetragen. Die anfängliche Flugangst habe ich überwinden und in ein Gefühl der Freude und des Genusses umwandeln können. Die Höhenangst, die sich eines Tages durch ein traumatisches Erlebnis auf einer Baustelle in einem Stahlwerk bei mir einstellte, konnte ich in den Griff kriegen, aber sie holte mich leider auch immer wieder ein. Als besonders schlimm empfand ich, dass die Höhenangst ausgerechnet bei meiner allerletzten Indonesienreise 2002 nochmals unerwartet und stark zurückkam. Aber auch das habe ich heute überwinden können.
Unter meinesgleichen und unter Monteuren gibt und gab es ein Sprichwort, das allerdings die Arbeitgeber damals und auch heute noch nicht gerne hören: "Wir arbeiten dort, wo andere Urlaub machen". Dies wurde nur teilweise von den Leuten, die im Ausland mitunter sehr hart arbeiten mussten so gesehen. Manche antworteten auf die Anspielung dann, dass es natürlich noch schöner sei, tatsächlich in diesen fernen Ländern Urlaub zu machen. Und auch heute, im Rückblick, bringe ich es noch immer nicht über die Lippen, den von manchen mit einem "leider" versehenen ersten Teil dieses Satzes zu verwenden, weil es einfach nicht so war. Ich empfand es immer als ein Privileg, so in und um die Welt zu reisen, und das Reisen war hierbei ein maßgeblicher Faktor, ein Hauptbestandteil meiner langjährigen Arbeit als Ingenieur. Denn Anlass war immer auch nur der dienstliche oder zutreffender gesagt, der geschäftliche Zweck. Und dies ließen sich meine Firma und die Kunden einiges kosten. Allein die Ticketkosten beliefen sich auf mehrere hunderttausend D-Mark.
Wie so oft im Leben führten und führen Zufälle zum einen oder anderen Schritt im beruflichen Leben nach vorne. Mir gelang dabei nur eine vergleichsweise kleine Karriere, hatte zum Ausgleich dafür aber viele Freiheiten und "freie Hand". Ich brachte es aber immerhin zur Handlungsvollmacht, eine Art Prokura, und habe dadurch auch Projekte in zwei- und dreistelliger Millionenhöhe anbieten und verhandeln können. Meine jeweiligen Chefs und auch die Geschäftsführung waren zufrieden jemanden zu haben, der auf Grund seines fundierten Ingenieurwissens und seiner Sprachkenntnisse in die Welt, zu unterschiedlichsten Kunden aller Art, entsandt werden konnte. Und jetzt, wo ich das schreibe, diverse Recherchen anstelle über alle meine Einsätze und Reisen, bei denen sich jede von der anderen unterschied, wird mir erst so richtig bewusst, was es doch für ein Privileg war, diesen Job zu machen, anstatt tagein, tagaus im Büro zu sitzen und krampfhaft zu versuchen, mit und gegen andere am Stuhl des Chefs zu sägen, um ein bisschen weiter nach oben zu kommen.
Und gerade heute, im trocken-heißen Sommer des Jahres 2022, katapultiert mich die tropische Wärme, die ohne kühlenden Wind nun schon wochenlang ungestört anhält, zurück in viele Reisen und Aufenthalte mit ähnlich hohen und höheren Temperaturen und empfinde sie als sehr angenehm, als Erinnerung an schöne Zeiten. Ein besonders realistisches Dé·jà-vu.
Woher habe ich nun alle diese Informationen, die es mir ermöglichen, so präzise diese Rückschau zu halten? Nun, zum einen habe ich mir auf Empfehlung meines jüngeren Schwagers irgendwann eine Flugstatistik angelegt, mittels einer Software namens "Meine Flugstatistik", in der ich alle Reisen erfasst habe, lange bevor ich wusste, dass ich einmal diese Reisebiographie schreiben würde. In dieser Statistik sind alle Einzelflüge mit allen Flugdaten erfasst, die Flughäfen und Terminals, sogar, ob ich Business oder Economy geflogen bin. Dann habe ich weitestgehend die teilweise in Hochglanz und bis in DIN A4-Größe gehaltenen Speisekarten meiner Business- und First Class-Flüge gesammelt, einfach aus Lust am Archivieren und Sammeln. Und dann habe ich unter all den Flug- und Hotelinformationen letztens in einer Ecke meines Kellers noch die stattliche Sammlung meiner Original-Flugtickets entdeckt, so wie man sie früher benutzte. Es handelte sich um diese flattrigen, hauchdünnen Papiertickets in dem seltsamen Querformat von etwa 19 x 8 cm, meist in einen dünnen Umschlag geheftet, der noch die seltsam gefalteten Kopien enthielten, auf denen mittels Kohlepapier in rot oder schwarz geheimnisvolle Codes, Daten und allerlei Zahlensalat aufgedruckt waren. Und dazu Bordkarten über Bordkarten! Nicht ganz vollzählig, aber die, auf die es mir ankam, waren nun dabei, in meinem Archiv. Recherchiert habe ich übrigens auf unterschiedlichste Weise, um immer bei der Wahrheit und nahe an der Wirklichkeit zu bleiben. Ich habe feststellen können, dass ich so gut wie nichts an Dokumenten oder persönlichen Fotos weggeworfen habe, aus dieser für mich so aufregenden Zeit und habe nahezu alles wiedergefunden: fast alle meine Flugtickets, die Flugstatistiken inkl. des Schriftverkehrs zu Miles & More und anderer Frequent-Traveller-Programme, meine diversen Aufzeichnungen und Notizen zu den Projekten. Darüber hinaus Kalender und alle Visitenkarten, die ich jemals von Geschäftspartnern und Kollegen, von General Managern wie auch von einfachen Chauffeuren, die ich nur in Badelatschen kannte, erhielt, hunderte an der Zahl, überwiegend noch in den verstaubten Originalmappen und als diese voll waren, in ausgedienten Schuhkartons. Allein der Schriftverkehr über die Flug- und Hotelbonusprogramme füllt mehr Ordner als meine Steuererklärungen in dieser Zeit. Und nicht zu vergessen, alle meine Reisekostenabrechnungen, die schließlich, eng geheftet, zwei breite Leitz-Ordner füllen. Über alle Reisen musste penibel ein Nachweis der Kosten mit Hilfe eines Formulars geführt werden, wo Datum, Zweck und Grund der Reise, alle Kosten und Ausgaben, vom Trinkgeld für den Hotelportier bis hin zu Bewirtungskosten vermerkt und die Originalquittungen als Anlagen dazu beigeheftet wurden. Da meine Reisen manchmal dicht aufeinander folgten, kam ich seinerzeit nicht immer dazu, die Nachweise besonders ordentlich und zeitnah zu führen, eher schludrig. Und dass man irgendwann bei den späteren Reisen sogar die Uhrzeit des Grenzübertritts angeben musste, angeblich aus steuerlichen Gründen, ließ meine Bereitschaft zu uneingeschränktem Mitwirken auch eben nicht gerade steigen.
Jetzt, während des Schreibens, fast 20 Jahre nach meinem Ausscheiden, habe ich alle Nachweise erstmals ordentlich sortiert und nach Jahren chronologisch in Ordner abgelegt, von 1980 bis 2003. Lieber spät als nie, nur, ab jetzt brauche ich sie wohl nicht mehr.
Ich bin rückblickend auch sehr befriedigt darüber, dass ich alle Kontinente dieser Erde, mit Ausnahme der Antarktis, so bereisen konnte und dass sich über alle Jahre hinweg auch immer mal wieder eine Reise innerhalb Europas oder Deutschlands dazu gesellte. Manche Länder hätte ich gerne bereist, wie zum Beispiel Venezuela. Über andere Ziele, wie Nigeria, war ich froh, dass der der Kelch an mir vorüber ging. Und das Tüpfelchen auf dem "i" war die Möglichkeit, dass meine Frau mich hie und da auf meinen Reisen begleiten konnte und wir es dabei dennoch schafften, nie Privates mit Beruflichem zu vermengen. Gelegentlich meinte ich, mich beeilen zu müssen, dass sie nicht schon vor mir im Flieger saß, der in die Welt startete…
Vor allen Fernreisen, die über Europa hinausgingen, besuchte ich immer meine Mutter. Ich fuhr dann auch schon einmal einen kleinen Umweg zu ihrem Wohnort, wenn dieser nicht gerade auf der Route lag. Meine Mutter, der ich hin und wieder ein bisschen davon erzählte, wohin die Reise diesmal führte und um was es dabei ging, war immer sehr interessiert. Sie wusste ja von meinem Kindesalter her, dass ich immer "in die Welt" wollte. Aber immer, wenn ich mal wieder nach Indonesien fuhr, und das war sehr oft der Fall, hat bis zur letzten Reise immer Indonesien mit Tunesien verwechselt. Aber es fiel mir nicht schwer, ihr geduldig immer wieder den Unterschied zu erklären, jedoch letztendlich vergebens und ich ließ sie schließlich in dem Glauben.
Da die weltweiten Ziele nur mittels Flugzeug zu erreichen waren, nimmt - neben der aufs Notwendigste beschränkten Beschreibung der jeweiligen Tätigkeit und neben der Schilderung von kleinen Begebenheiten um das Geschäftliche oder Dienstliche herum - auch der Aspekt des Fliegens und die Eindrücke darüber einen Großteil dieses Reisetagebuchs ein, neben den kleinen Erlebnissen, die die Reisen so persönlich machte. Und bei der Recherche musste ich auch meine alten, längst entwerteten Reisepässe hervorholen, um anhand der Visastempel die eine oder andere Reise genauer nachvollziehen zu können. Je mehr ich mich mit den nunmehr Jahre zurückliegenden Ereignissen befasste, desto mehr kamen peu à peu die Erinnerungen zurück, wie von Geisterhand gerufen.
Von einigen Ausnahmen abgesehen stand vor jeder Auslandsreise auch eine Reise in Deutschland an, jedenfalls immer dann, wenn unser direkter Kunde eine deutsche Firma war, oder unser Auftrag über unsere Muttergesellschaft oder auch über eine andere Tochtergesellschaft lief, was recht häufig der Fall war. Oder aber auch, wenn unsere renommierte Montageabteilung eingeschaltet war und diese die oberste Projektleitung gegenüber einem Endkunden innehatte. So ging es dann meistens nach Düsseldorf oder Oberhausen, nach Essen und Dortmund, aber auch nach München, an den Chiemsee oder nach Hamburg zu Lufthansa Systems, und häufig ins nur 400 Kilometer entfernte Paris zu unserer französischen Tochtergesellschaft oder ins nahe österreichische Linz zu Voest-Alpine. Was die Reisen zu den Besprechungen am Chiemsee anbetrifft, habe ich alles ausprobiert, was es so an Reisemöglichkeiten gab, außer Bahn. Mal bin ich mit dem Auto hin und zurück, mit Zwischenübernachtung natürlich, mal geflogen, mal allein oder mit einem Kaufmann, Juristen oder dem Montageleiter.
Bild 2 - Übersicht berufliche Flugreisen
Einmal begleitete mich im Mietwagen ab München ein aus Bremen stammender jüngerer Kaufmann. Es war schönes Wetter und die ersten Berge der Alpenkette kamen in Sicht. Ich war gut aufgelegt und meinte zu ihm, dass wir doch nach dem Meeting eine kleine Schnuppertour in die Berge machen und den spätesten Rückflug nach Hause nehmen könnten. Irgendwann, weit hinter München, kurz vor dem Irschenberg, eröffnete er mir, dass er sich im Grunde vor all den hohen Bergen fürchte und dass sie ihm unheimlich sind. Nein, mit einem kurzen Abstecher zum Alpenrand Richtung Ruhpolding oder Reit im Winkl, damit täte ich ihm überhaupt keinen Gefallen. Dass ich jedes Jahr in die Berge fahre, zum Wandern und Skifahren, konnte er fast nicht glauben.
Ein anderes Mal hatten wir ebenfalls einen Mietwagen vom Flughafen München bis Prien und zurück. Nach Ende der Besprechung fuhren wir zügig vom Chiemsee zurück Richtung München. Es war früher Nachmittag, die Strecke war frei, es war schönes Wetter und mein Begleiter und ich beschlossen, einfach auf der A99, der Umgehung um München, zu bleiben und am Flughafen vorbei gleich nach Hause zu fahren. Wir hätten sonst über drei Stunden am Flughafen verbringen müssen, so spät ging die Maschine. Mir war es auch gerade recht, denn die kleinen, wackeligen Kurzstrecken-Turboprops waren nicht unbedingt mein Geschmack. Gesagt, getan. Aber etwa eine Stunde hinter München gerieten wir in einen ausgewachsenen Stau, der uns einige Stunden kostete. Und so kam es, dass wir erst geschlagene zwei Stunden nach der Landung unserer Maschine in Saarbrücken eintrafen. So kann es einem auch ergehen, auf Reisen.
In den 1990er Jahren, etwa von 1989 bis 1999, bin ich so viel international geflogen, wie nie zuvor und nachher. Allein insgesamt 40 interkontinentale Reisen habe ich in diesen 11 Jahren absolviert, davon die meisten über die Drehscheibe Singapur und die überwiegende Anzahl davon im legendären B 747 Jumbo-Jet verschiedenster Airlines. Irgendwann sah ich die Welt auch aus einem anderen Blickwinkel und entdeckte in einem Kiosk im Duty Free Shop in Singapur zufällig eine Weltkarte, bei der Singapur den Mittelpunkt der Erde darstellt und der amerikanische Kontinent rechts davon und Europa, Vorderasien, Afrika und Russland linker Hand lagen. »Eine einzigartige Karte, die genau meine aktuellen Reiseaktivitäten widerspiegelt«, dachte ich. Ich kaufte sie mir natürlich gleich.
Manchmal frage ich mich, war ich nun eigentlich mehr zu Hause oder mehr auf Reisen? Eigentlich war es ja auch nicht verwunderlich. Die weiten Flure, Büros und Besprechungsräume in dem modernen vierstöckigen Bürogebäude, wo ich meinen Schreibtisch hatte, waren gespickt mit riesigen, großformatigen Hochglanzfotos von Baustellen aus aller Welt. Die meisten davon zeigten natürlich Industrieanlagen und Auslandsbaustellen, inmitten der ursprünglichen, natürlichen Umgebung, also umgeben von saftig grünem Urwald, Meer, gelbem Wüstensand oder Steppen und zeugten von einer geballten Ingenieurskraft. Das beeindruckte mich jedes Mal auf Neue, wie auch - zumindest in den Anfangsjahren - die hell erleuchteten Etagen des Großraumbüros, die ich morgens bei der Fahrt ins Büro von der Autobahn her schon von weitem sehen konnte, mit den riesigen Zeichenbrettern und den Konstrukteuren davor, die schon früh am Morgen an ihren Projekten arbeiteten. Dann waren da an verschiedenen Stellen, vor allem im Foyer oder vor den Besprechungsräumen, Prospektständer, an denen ich immer wieder wie ein kleines Kind stehen blieb und einen Blick in die Hefte und Broschüren warf, ja werfen musste.
Unsere Firma hatte schon von Anfang an eine sehr gut ausgestattete Werbeabteilung mit mehreren Fotografen, die alles festhielten, was von Schlossern und Schweißern daheim zusammengebaut und von den Monteuren in fernen Ländern montiert wurde. Public Relations wurde großgeschrieben, war äußerst wichtig! Die ansprechenden Werbebroschüren aus der Zeit der 1980er Jahre bestanden vornehmlich aus Farbfotos mit den dazugehörigen textlichen Erläuterungen der einzelnen Bauwerke und Anlagen, inklusive der Angaben über Objekt, Auftraggeber, Baujahr/Fertigstellung, Tonnage, Leistungs- und Lieferumfang. Das alles trug mit dazu bei, mich von Anfang an für Großprojekte und fürs Ausland besonders zu interessieren. Und natürlich hatte ich sie auch alle zu Hause, weil ich es als unabdingbar ansah, mich in den Projekten bestens auszukennen, denn es war das, was die Geschäftspartner immer als erstes interessierte, und man sollte doch die Firma und ihre Projekte präsentieren können, ohne ins Stocken zu geraten.
Aber es dauerte nach meinem beruflichen Start als Statiker dennoch ein paar Jahre, bis es dazu kam, zum ersten Mal den Wüstensand unter meinen Füßen zu spüren und die Projekte selbst vor Ort wachsen zu sehen. Und über den Recherchen zu diesem Buch habe ich auch nebenbei mögliche Gründe entdeckt, weshalb mich die arabischen Länder und Südostasien so faszinieren.
Die Liebe zu Arabien habe ich wohl vom Lesen der Karl-May-Bände 1 bis 6, die im alle Orient handeln. Die Liebe zu Südostasien wohl aus meiner Zeit als Messdiener, während dieser ich einige Male ein Missionshaus unweit meines Heimatortes besuchte und deren Missionare immer wieder einmal in Wort und Bild von ihrem Leben auf der tropischen Insel Formosa, dem heutigen Taiwan, berichteten. Da muss wohl einiges hängen geblieben sein…
Bild 3 - Flugrouten weltweit (inkl. private Flüge
Übers Fliegen - Von Flugangst bis Herrengedeck
Start und Landung
Die meisten Flugpassagiere machen sich keine besonderen Gedanken, wenn sie ein Flugzeug besteigen. Für viele ist das Fliegen heute so selbstverständlich, dass sie schon gar nicht mehr darüber nachdenken, über Start und Landung und warum ein Flugzeug überhaupt fliegt, Reisende mit Flugangst ausgenommen. Für diese ist das Fliegen ein Riesenproblem. Für mich war und ist es heute noch etwas ganz besonderes und eigentlich freue ich mich heute auf jeden Flug, egal wie weit und wie viele Stunden der Flug dauert, eine renommierte Airline vorausgesetzt. Das war nicht immer so, denn die Flugverbindungen und Airlines konnte ich mir nicht immer aussuchen.
Das Reiseerlebnis "Flug" beginnt ja eigentlich sehr viel früher, schon mit der Anreise zum Flughafen. Was hatte ich nicht alles an Varianten ausprobiert, bereitwillig und auch notgedrungen: Anreise mit der Bahn, mit dem eigenen Auto, per Mietwagen, der einem zu Hause vor die Tür gestellt wurde, Anreise mit Kollegen, von denen einige glaubten, sie müssten schon auf der Fahrt zum Flughafen die Startgeschwindigkeit eines Jumbos erreichen.
Das Höchstmaß an erreichbarem Komfort - von der Anfahrt per Chauffeur einmal abgesehen - war, wenn ich meinen Mietwagen direkt im Parkhaus des Terminals 1 in Frankfurt den Mitarbeitern der Vermietungsfirma zurückgeben konnte. Das sparte eine Menge Zeit und bequem war es dazu. Die Rückgabestation befand sich nämlich just auf dem gleichen Level des Parkhauses, auf dem sich auch die Check-In-Schalter befanden. Und der Check-In-Schalter der Lufthansa First Class war der erste in der Reihe. Wenn ich also Business Class eincheckte, war maximal ein Fußweg von 15 Metern bis dahin zurückzulegen, ohne Lift, ohne Treppen, nur durch eine Türschleuse.
Check-In, Gepäckaufgabe, Passkontrolle und Sicherheitskontrolle - alles ist fast überall auf der Welt nach dem gleichen Schema angeordnet und war für mich schon sehr schnell zur Routine geworden. Ich konnte mir die Zeit bestens einteilen, wusste immer genau, ob ich noch Zeit für die Lounge oder den Duty Free hatte und war daher immer rechtzeitig am Gate. Dort konnte ich noch einen Blick in die eine oder andere dort ausliegende Zeitung werfen oder ein Börsenmagazin durchblättern, wenn der Blick aufs Vorfeld nichts hergab. Heute checkt man die Börsenkurse bekanntermaßen per Smartphone und die sind natürlich real time und nicht wie seinerzeit mindestens einen Tag alt.
First Class und Business Class Passagiere durften meistens als erstes an Bord und hatten bei den großen drei- und vierstrahligen Maschinen, die über eigene, getrennte Kabinen verfügten, auch eigene Eingänge. Das war Luxus pur, eine echte Vorzugsbehandlung, kein Gedränge. Man schlenderte gemütlich zur Kabinentür, wurde stets freundlich begrüßt und persönlich zum gebuchten Sitz geleitet. Sobald man Platz genommen hatte und alles Handgepäck verstaut war, kam auch schon die Stewardess mit einem Glas Champagner, einem weißen, sauber gerollten, kochend heißen Erfrischungstuch, das man sich auf die Stirn legte oder ganz einfach das Gesicht damit wusch, sowie mit dem obligatorischen, steril verpackten Kopfhörer und wünschte einen guten Flug.
In den Anfangszeiten konnte ich mit dem Kopfhörer nicht viel anfangen und verstaute diesen gleich wieder. Ich bevorzugte den Start ohne Begleitmusik oder Videofilme aus der Bordanlage. Nach einiger Zeit aber gewöhnte ich mir an, zum Start Musik zu hören. Zuerst alles, was es an Pop und Rock so gab. Dann entdeckte ich die beruhigende oder auch stimulierende Wirkung von Klassischer Musik zum Start.
Mein bevorzugtes Stück zum Start ist bis heute Mozarts Serenade "Eine kleine Nachtmusik", KV 525, 1. Satz. Und spätestens beim Anrollen und Aufheulen der Triebwerke, startete ich diese meine Lieblingsmusik. Sie hat für mich etwas Erhebendes, Elementares, die sehr gut zu den Geräuschen und der Dynamik der Startphase passt und ich ließ mich auch deshalb von dieser Musik begleiten, bis das Stück zu Ende war oder wir so etwa fünf bis sechstausend Meter an Höhe erreicht hatten. Danach war mein Bedürfnis nach Klassik an Bord fürs erste gestillt und wartete das Erlöschen der Anschnallzeichen ab, was meistens so nach längstens einer halben Stunde der Fall war. Man konnte fast die Uhr danach stellen, so genau traf es zu. Die Erlaubnis zum Griff nach der Zigarette wurde durch das Erlöschen des Zigarettensymbols schon sehr schnell nach dem Start erteilt.
Das waren noch Zeiten, als Rauchen an Bord erlaubt war! Lustig fand ich immer die Durchsage: "Aus Rücksicht auf die mitreisenden Passagiere bitten wir Sie, auf das Rauchen von Pfeifen und Zigarren zu verzichten". Es stank auch so schon genug nach Zigarettenqualm.
Es gab natürlich nicht immer diese Musik, einfach so zum Einklinken ins Bordprogramm, vor allem nicht auf Kurz- und Mittelstrecken. Dann benutzte ich eben meinen MP3-Player oder heutzutage mein Smartphone mit Dutzenden gespeicherten Musikalben. Zum Ansehen und Verfolgen von langen Videos aus dem Bordprogramm hatte ich nie richtig Lust, so sehr man sich auch bemühte, die Videothek mit neuesten Kino-Blockbustern zu füllen. Mir genügte Mr. Bean. Die kurzen Clips füllten meistens gerade die Zeit zwischen den Mahlzeiten und anderen Angeboten, gerade in den ersten Stunden eines Flugs. Die konnte ich mir auch ohne Ton anschauen, als Stummfilm. Allerdings wählte ich mich häufiger in die Mediatheken der Airlines ein, die die aktuellen News beinhalteten.
Den Flug über blieb und bleibe ich auch heute noch durchgängig angeschnallt, wenn auch auf der hintersten Einstellung. Allzu oft habe ich plötzlich einsetzende Turbulenzen erlebt, die gerade dann am heftigsten waren, noch bevor der Kapitän oder sein Co-Pilot ihre Durchsagen machten. Und wenn die Turbulenzen dann länger anhalten, stelle ich meinen Sitz in die Schlafposition, schließe die Augen und stelle mir vor, ich säße in einem dieser historischen Busse auf den holprigen Straßen Maltas. Das ist ein vergleichbares Erlebnis. Angst habe ich eigentlich nicht. Als Ingenieur habe ich mich natürlich auch damit einmal grundlegend befasst und mir das Verhältnis von Fluggeschwindigkeit zu Dauer und Amplitude bzw. Ausschlag der Turbulenz angeschaut. Dieser vergleichsweise minimale Ausschlag steht in keinem Verhältnis zur hohen Geschwindigkeit. Und das Wissen um die unterschiedlichen Dichten von Luft hat mich dann ein für allemal beruhigt. Sollte ich jemals in Turbulenzen kommen, die so stark sind, dass die Maschine hunderte Meter absackt, wodurch Passagiere sehr wohl an die Kabinendecke "fliegen" können, dann wäre das wohl der "Worst Case" und eben nicht mehr als eine weitere neue Erfahrung.
Man muss sich im Leben einfach einmal ein paar Dinge grundsätzlich anschauen, um Ängste zu verlieren oder Panik schon im Anflug zu vermeiden.
Als es in den 1990er Jahren einmal Serien von Kaufhausbränden gab, hatte ich kein gutes Gefühl mehr, in mehrstöckigen und unübersichtlichen Warenhäusern zum Einkaufen zu gehen, im Ausland schon gar nicht. Also ging ich hin und schaute mir in den größten Kaufhäusern unserer Stadt die Fluchtwege an. "Brandschutz im Hochbau" war ja eines der Fächer, die ich während meines Studiums hören musste. Sind die Fluchttüren groß genug und sind sie geöffnet? Sind die Treppen zugestellt oder frei? Wie ist der Weg nach draußen? Nachdem ich das alles einmal gecheckt hatte, was ich übrigens auch heute noch jedes Mal mache, wenn ich in großen und hohen Hotels erstmalig absteige, ging ich ab diesem Zeitpunkt ganz entspannt einkaufen.
Beim Landeanflug kann ich mich meist nicht mehr auf Musik konzentrieren. Zudem sammeln die Flugbegleiter die Kopfhörer ohnehin irgendwann ein und dann ist es sowieso vorbei. Den Landungsvorgang, der fast auf die Minute genau 30 Minuten vor der geplanten Landung hörbar und fühlbar eingeleitet wird, will ich doch jedes Mal bewusst erleben. Es ist ja auch die gefährlichste Phase eines Fluges, und da sollte man wachsam sein. Die Geräusche waren mir nach einigen Flügen vertraut, wie das Herausfahren der Landeklappen oder das Ausfahren der Fahrwerke. Das Ausfahren des Bugfahrwerks bekommt man in einer Boeing 747 ziemlich deutlich mit, wenn man vorne in der Kabine in der Spitze des Flugzeugs sitzt. Es rumpelt gewaltig beim Ausfahren und das fällt deshalb so auf, weil die Flugzeugspitze sonst die ruhigste Ecke im Flugzeug ist, denn der etwa 90 Zentimeter in die Kabine ragende Fahrwerksschacht bildet die "Theke", wo sonst die Zeitschriften ausgelegt oder die Getränke für die Nacht bereitgestellt werden.
Ohrenpfropfen sind auch ideal, um sich durch die Geräusche nicht beängstigen zu lassen. Ich fand das einmal für mich heraus, als ich in der Toskana im Auto von einem heftigen Gewitter mit Hagel und Starkregen überrascht wurde. Es war wirklich beängstigend laut. Ich hielt an und nahm etwas Papiertaschentuch, knüllte es zu Pfropfen und steckte mir diese fest in die Ohren. Alles war plötzlich sehr gedämpft um mich herum, das Prasseln des Hagels nur noch leise, ja geradezu beruhigend wahrnehmbar. Man macht schon seltsamste Erfahrungen, wenn man auf Reisen geht.
Immer wieder musste ich beim Landeanflug und da speziell beim Durchfliegen der ersten Wolkenschichten darüber sinnieren, wie weit wohl die Wolken entfernt sind. Sie sehen immer zum Greifen nahe aus, sind aber dennoch wohl Hunderte von Metern oder Kilometer weit weg. Man täuscht sich sehr im Abschätzen von Abständen. Ein eigenartiges Phänomen, hinter das ich nie ganz gestiegen bin.
Ich genieße meist dieses langsame Schweben und das allmähliche 'Heruntergehen' der Maschine, wie man so sagt. Ich genieße das Gefühl, sich stetig seinem Reiseziel zu nähern und das befriedigende und gute Gefühl, wenn die Fahrwerke wieder den Boden berühren und man dann erst die hohe Landegeschwindigkeit wahrnimmt. Das hat mich auf meinen Flugreisen immer begeistert und ist immer wieder schön. Eine einzige Ausnahme gab es, allerdings auf einer Privatflugreise nach Kreta. Da hatte ich das Gefühl und nahm es anhand der Geräusche auch so wahr, dass der Pilot den Landeanflug viel zu spät einleitete und unter hoher Geschwindigkeit, ja fast zunehmender Speed, die Maschine mit abgesenkter Nase und mit Vollgas Richtung Kreta steuerte. Der Anflug dauerte auch nur knapp 20 Minuten und keine halbe Stunde, wie sonst.
Flugangst
Flugangst drückt sich in Panik aus, in Panikattacken, ähnlich wie bei Höhenangst. Wenn das so ist, wie ich vermute, maße ich mir natürlich nicht an, jemand davon heilen zu können. Aber dennoch gebe ich gerne meine Erfahrungen weiter und vielleicht helfen sie anderen.
Ich weiß nicht, ob ich jemals unter Flugangst litt und ob dieses seltsame Gefühl in der Magengegend normal ist oder nicht, wenn man fliegt. Ich hatte vielleicht eher immer Angst vor einem Absturz, Angst vor einem tragischen, gewaltsamen Tod. Diese Angst habe ich allerdings auch, wenn ich mich nicht per Flugzeug fortbewege, sondern auf einer deutschen Autobahn im Jahre 2022, wo es keine Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt. Jedenfalls kam ich bei allen Überlegungen zu diesem unangenehmen Thema schließlich zu dem Schluss, dass es letztendlich keine Rolle spielt, ob man alleine oder mit 534 anderen Menschen bei einem Absturz ums Leben kommt. Der Tod hat immer nur mit einem selbst zu tun.
Die andere Art von Flugangst ist dieses beängstigende Gefühl, mit vielen Menschen eingepfercht in einer Kabine zu sitzen, ausgeliefert, was einen dann regelrecht panisch werden lässt, wenn man sich die eine oder andere Notsituation ausmalt. Und dass schon der Gedanke daran einen quasi erstarren lässt, einen bewegungsunfähig macht, wie einen nicht schwindelfreien Bergwanderer auf ausgesetzten Wegen. Das ist vielleicht sogar ein guter Vergleich. Auch da hat man das Gefühl, keinen sicheren Ausweg zu haben. Man kehrt bestenfalls um, und wenn man alleine unterwegs ist, braucht man sich dessen auch nicht vor jemand zu schämen. Diese Art der Flugangst kann ich voll verstehen und nachvollziehen, weil es mir mit meiner Höhenangst genauso ergeht.
Ein einziges Mal überkam mich tatsächlich auch für kurze Zeit ein solches Gefühl, beim Platz nehmen in einer vollgestopften, engbestuhlten Boeing 757 der Malaysian Airlines, auf dem Rückflug von der Insel Langkawi nach Kuala Lumpur. Da hatten meine Frau und ich natürlich Economy gebucht und die Maschine war richtig voll, typisch asiatisch voll. Aber das schlechte Gefühl konnte ich bald mental überwinden, durch gedankliche Akrobatik, zielführende Überlegungen und Ablenkung. Meine Frau hat davon nichts mitbekommen, sie freute sich, Hauptsache mal wieder fliegen!
Obwohl ich also nicht unter dieser typischen Form litt, blieb lange Zeit dieses unbestimmte flaue Gefühl in der Magengegend, wie rückwärts fliegende Schmetterlinge im Bauch. Und da es sich irgendwann abzeichnete, dass ich in Zukunft doch eher mehr als weniger per Flugzeug unterwegs sein würde, wollte ich mich dem Problem möglich rasch stellen und nachhaltige Methoden entwickeln, es unter Kontrolle zu haben. Meine Frau, die selbst leidenschaftlich gerne per Flugzeug unterwegs ist, nach dem Motto "Je weiter, desto lieber" tat immer alles, mir die Angst oder das ungute Gefühl zu nehmen. Hinzu kam natürlich auch immer der Gedanke, dass man so weit wegfliegt, stundenlang, mit einer Geschwindigkeit fünf bis sechs Mal schneller, als man gewöhnlich mit dem Auto unterwegs ist. Und jedes Mal verabschiedet man sich, für ein paar Tage, manchmal für ein paar Wochen von der Liebsten, tausende Kilometer weit weg...
Als ich ihr eines Tages meine Gedanken hierzu schilderte, meinte sie sehr überzeugend, dass nicht jeder das Glück und die Chance habe, so "durch die Welt" zu fliegen, alle möglichen Länder zu sehen. Ich solle daher versuchen, die Flüge, die dienstlichen Reisen, als Geschenk zu sehen. Auf Nachfrage meinerseits meinte sie dann, ich solle mich einfach immer ans Fenster setzen, hinausschauen und die Erde von oben genießen. Sie meinte damit, einfach ganz positiv an die Sache heranzugehen, und nicht negativ, als etwas, zu was man sich überwinden muss. Seltsamerweise wird mir im Flugzeug nicht schwindlig und ich verspüre auch keine Höhenangst, wenn ich aus dem Fenster nach unten schaue. Ich glaube aber, dass das damit zusammenhängt, dass man keine physische Verbindung zum Erdboden hat.
Ich habe dies dann direkt beim nächsten Flug genauso gemacht, wie sie es mir nahelegte, als eine von etlichen Methoden, einer Flugangst entgegenzuwirken. Ich nahm also entspannt auf meinem Sitz am Fenster Platz und erwartete zunächst die Startvorbereitungen und schließlich den Start. Ich ließ mir, wenn immer es möglich war, einen Fensterplatz buchen, ziemlich vorne in der Business Class. Da hatte man ohnehin meistens zwei Fenster zur Verfügung, also einen herrlichen Panoramablick nach draußen. Schon beim Anrollen und auch beim Start selbst, drückte ich meine Nase an die kalte Scheibe und versuchte so alles in mich hinein zu saugen, an guten, befriedigenden Eindrücken, bis die Maschine die Wolkendecke erreichte, in der es wegen der unterschiedlichen Luftdichteverhältnisse immer etwas "rumpelte" und man auch eine Zeit lang nichts mehr sah.
Das war dann der Zeitpunkt, wo ich meinen Kopfhörer, den ich vorsorglich mit angenehmer Steigflugmusik aus dem Bordprogramm voreingestellt hatte, wieder an die Ohren klemmte. Sobald die Sicht wieder frei war, genoss ich dann, wirklich angenehme Entspannungsmusik hörend, den Blick auf die dahinziehende und zurückbleibende Landschaft oder Stadt oder die Wolkendecke von oben. Das tat ich übrigens auch bei Starts mitten in der Nacht, wie häufig von Singapur, Bangkok und kürzlich erst von Dubai aus, bis die Stadt aus dem Sichtfeld verschwindet und man draußen nur noch schwarze Nacht sieht. Bei den meisten Flügen, gerade in der Business Class, blieb allerdings nicht so viel Zeit hierfür, wie ich mir gerne gewünscht hätte. Das kulinarische Programm an Bord, oder mitreisende Kollegen, die sich unterhalten wollten, schränkten das gelegentlich ein. Aber dennoch, wenn immer sich die Möglichkeit bot, nach draußen zu schauen, so von zwölftausend Metern Höhe, tat ich es.
Auch in der Nacht. Dann schaute ich auch schon mal nach oben, zu den Sternen, dann mal wieder nach unten, wo sich immer wieder herrliche Blicke auf die hell und orangefarbig erleuchteten Städte und Ansiedlungen ergaben, die alle eines gemeinsam hatten: diese langgezogenen, von Straßenlaternen beleuchteten Straßenzüge, die abrupt im Schwarz der Nacht endeten, wenn die Stadt zu Ende war. Die besten Eindrücke ergaben sich aber nur, wenn die Maschine um einiges tiefer flog als die normale Flughöhe und der Himmel wolkenlos war. Manchmal erschrak ich auch, weil ich mich trotz besserem Wissen immer noch von den Positionslichtern an den Enden der Flügel irreführen ließ, weil ich meinte, sie gehören zu einem anderen Flugzeug.
Einmal, auf einem langen Flug nach Südostasien, wohin ich inzwischen dutzende Male geschäftlich und privat gereist bin, wurde mir bewusst, dass ich vielleicht noch weitere Überlegungen anstellen müsste. Schließlich überfliegt man auf einem einzigen Flug von Frankfurt nach Bangkok mehr als ein Dutzend Krisen- und Kriegsgebiete, bzw. der Pilot 'umfliegt' sie ja meistens. Ein seltsames Gefühl in der Magengegend habe ich immer noch, wenn ich an einen Überflug über Sardinien und Korsika denke. Wir flogen zwar auf über zehntausend Metern Höhe, aber einige wenige Kilometer unter uns kurvte die Nato durch den speziell für eine Übung reservierten Luftraum, wie uns der Pilot aus dem Cockpit mitteilte. Dennoch, ich war immer über die Länder und Gebiete froh, in denen dauerhaft Frieden herrschte.
So kam ich auf die Idee, mir vorzustellen, wie das eigentlich wäre, wenn ich abstürzen würde. Richtig plastisch ausgemalt und vorgestellt habe ich mir das damals, in zwölftausend Metern Höhe, bei einer Geschwindigkeit von schätzungsweisen 950 Kilometern pro Stunde und 60 Grad Minus draußen. Vom Ereignis selbst ausgehend, welches man als Passagier ja nie beeinflussen kann, bis zur Überlegung, wie das ist, wenn man tot ist, wie das für meine Frau und Familie wäre. Darüber habe ich richtig intensiv nachgedacht, einige Zeit lang. Und anschließend habe ich mich besser und befreit gefühlt. Ich brauchte das auch nie mehr so zu machen, so stark hat diese intensive Beschäftigung mit dem Thema für einen inneren Ausgleich gesorgt.
Ich hatte mir im Laufe der Zeit eine ganze Palette an Möglichkeiten und Methoden zurechtgelegt, um Flugangst oder Reiseangst nie aufkommen zu lassen. Eine Methode war eigentlich sehr naheliegend, nämlich sich mit Alkohol zu "betäuben". So schlimm wie sich das liest, habe ich es nie getrieben, aber wenn immer die Möglichkeit bestand - und die gab es reichlich - setzte ich mich vor dem Abflug im Terminalbereich noch für ein Bier an eine Bar oder später, so ab 1992 als Frequent Traveller, in die Lounge der Airlines. Das war seinerzeit, in der Zeit vor dem 11. September 2001 ja noch wirklich möglich, denn da reichten zwei Stunden vor Abflug am Check-In zu sein ja noch völlig aus, entspannt seine Maschine zu erreichen, bei Business Class Flügen erst recht. Heutzutage reichen ja selbst drei Stunden vorher kaum, trotz Online-Check-In, ticketlosem Fliegen und automatisierten Passkontrollen. Gelegentlich aß ich in einem der Restaurants im Terminalbereich sogar noch etwas in Ruhe und trank ein Bier dazu.
Nur einmal wurde die Ruhe urplötzlich gestört. Ich war gerade mit dem Essen fertig, hatte schon bezahlt und nippte noch an meinem Bier, als es Bombenalarm gab. Das schien es häufiger zu geben auf Rhein-Main, denn flugs war alles mit den rot-weißen Warnbändern abgeriegelt und die Leute verließen fluchtartig den Restaurantbereich und die dazugehörige Bar. Zurück blieben leere Stühle mit ebenso leeren Tischen, die meisten mit gerade erst serviertem Essen darauf. Mal wieder Glück gehabt!
Auch in der Kabine selbst nahm ich bereitwillig so ziemlich alles an, was mir angeboten wurde, ob Champagner beim Einsteigen oder spätestens beim Platz nehmen, oder auch später, während der Mahlzeiten oder auch einfach zwischendurch. Wobei ja bekannt ist, dass Alkohol in der Höhe anders, um etliches stärker wirkt als auf Flughöhe Null. Das hatte ich immer auch bedacht und war entsprechend zurückhaltend, wenn es zu vermeiden war. Und ganz früher, steckte ich mir auch eine Zigarette dazu an. Ich rauchte zwar nur hie und da mal, aber meistens auf Reisen, und ich genoss es, weil es mir ein gutes Gefühl gab und sich die Anspannung etwas löste. Das Schwierigste beim Rauchen im Flugzeug war allerdings, den winzig kleinen Aschenbecher in der Armlehne zu treffen, wenn die Kabinenbeleuchtung schon ausgeschaltet war. Wenn man entspannt auf eine Reise gehen kann, gut vorbereitet, egal für wie lange und wie weit weg, dann gibt einem das ein gutes Gefühl. Man ist ausgeglichen und kann den meist anstrengenden Besprechungen im fernen Land mit ungewohntem Klima entspannt entgegensehen.
Was das eine oder andere Bier vor dem Einsteigen nicht geschafft hat, besorgte spätestens der unverwechselbare Geruch der Kerosin-Abgase, der einen immer am Flugzeugeingang empfing, ob man die Treppe hinaufstieg oder durch den "Finger" einstieg. Diese Dämpfe benebelten einen regelrecht, aber es war nie unangenehm, ich fühlte mich schon da spätestens 'wie auf Wolken'.
Flugsimulator & Co.
Etwas, das mir damals nebenbei auch half, einer aufkommenden Flugangst zu begegnen, war mein Flugsimulator FS 95, den ich mir irgendwann auf meinen PC installierte. Flugangst war aber nicht der Grund seinerzeit, mir diese Software zu installieren, sondern eher das allgemeine und auch spezielle Interesse am Fliegen. Ich wollte einfach einmal wissen, wie alles funktioniert. Und als ich den FS 95 installierte, hatte ich ja schon etliche reale Flüge hinter mir. Dass solch eine Software sehr hilfreich ist, in vielerlei Beziehung, fand ich erst beim intensiven Gebrauch heraus.
Meine Anfänge waren allerdings nicht von sehr viel Erfolg gekrönt. Ich vermasselte schon den Start, drehte mich ewig im Kreis, verpasste die Landebahn und landete im Wasser statt auf dem Flugzeugträger. Erst als ich mir auch einen Joystick dazu und vor allem das Buch 'Flugsimulator IV' der Autoren Leddin/Rabe/Dille anschaffte, stellte sich ein Erfolg ein. Ich konnte jetzt alles kontrollieren, von der Startvorbereitung an bis zum Start, dann den Flug selbst und vor allem auch die Landung. Die Geräusche, die der FS 95 erzeugte, waren wahnsinnig echt, so echt, dass ich mir zum Beispiel die Einleitung des Sinkfluges etwa eine halbe Stunde vor einer Landung oder auch den Zeitpunkt, zu dem das Fahrwerk ausgefahren wurde, einprägte und das heute, bei welchem Flugzeugtyp auch immer, genau feststellen kann. Sogar Landungen auf dem berühmt-berüchtigten Flugzeugträger habe ich hinbekommen. Mit der Zeit wollte ich natürlich mehr und mehr wissen und habe mir noch ein oder zwei Bücher dazu gekauft, mit allerlei Lageplänen von Flughäfen, Anflugplänen und Luftfahrtkarten, die aussahen wie die Anleitungen, die Näherinnen benutzen, wenn sie ein Kleid oder sonst irgendwas nähen.
Mit Hilfe dieser Flugkarten traute ich mich - und es gelang mir auch - komplette Flüge durchzuführen, wie zum Beispiel Frankfurt - London oder Paris - Hamburg, und zwar in Echtzeit. Das war natürlich äußerst interessant, mit den Instrumenten im Cockpit umzugehen, auf den jeweiligen Leitstrahl zu wechseln, immer zwei, drei Kompass-Richtungen im Blick, die Flughöhe und die Geschwindigkeit sowieso und schließlich mit der Autopiloteinstellung zu landen.
Genau diese Techniken decken sich weitgehend mit denen beim realen Fliegen, wie ich öfters auf Flügen mit der Fokker 50 feststellte, auf Flügen heimwärts von Linz nach Frankfurt oder von München nach Saarbrücken. Auf diesen Flügen ließen zur damaligen Zeit die Besatzungen nämlich oft die Tür zum Cockpit weit offen, eigentlich in allen Phasen des Fluges. Man war da sehr entspannt, bei diesen Tagesrandflügen. Da ich mir auf diesen Flügen so oft es ging die 1. oder 2. Sitzreihe buchte, am Gang, hatte ich meistens freien Blick ins Cockpit und auf das Geschehen dort.
Seit dem 11. September 2001 hat man das ja generell geändert und dafür gesorgt, dass die Cockpittür immer verschlossen gehalten wurde (was sich sehr viel später bei dem tragischen Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen als fataler Nachteil herausstellte, bei dem es einem Piloten gelang, den anderen auszusperren, so dass er die Maschine mit 138 Passagieren zum Absturz bringen konnte).
Bild 4 - Blick ins Cockpit eines Airbus A320
Beruhigend und angstlösend empfinde ich auch die recht aktuellen Videoclips, die Piloten mit ihren On-Board-Kameras von ihren (natürlich geglückten) Starts und Landungen drehen und ins Netz stellen. Da wird vieles erklärt, man hört die Geräusche, sieht gleichzeitig die Bilder der Maschinenteile dazu und kann das Abarbeiten der Checklisten, etwa vor dem Start mitverfolgen. Auch die Landeanflüge, aufgenommen aus dem Cockpit der Jets, wirken beruhigend, weil man sieht, wie exakt und genau die Maschinen mit dem eingeschalteten Autopiloten doch in Richtung Landebahn driften, bis zum Vernehmen der letzten Höhen, die vom Computer "vorgelesen" werden, "50 - 40 - 30 - 20 - 10" und dann immer wieder "Retard, Retard" bis zum Aufsetzen des Hauptfahrwerks. Aber damals, in den 1980er Jahren, gab es diese Videoclips noch nicht, weil es die Technik noch nicht gab, weder die On-Board-Kameras noch die digitale Umgebung, solche Videomitschnitte zu vermitteln, sprich Internet.
Äußerst kontraproduktiv empfand und finde ich aber heute noch diese speziellen TV-Reportagen über alle möglichen Flugzeugkatastrophen. Sie verstärken die Ängste ungemein. Sie sind meist US-amerikanischen Ursprungs und haben nur das Ziel, über Werbekunden Umsatz zu machen. Sie bedienen sich dabei dieser nervigen Mischung aus Off-Sprechern, eingeblendeten Zeitzeugen und angeblichen Fachleuten der Branche, in Deutsch mit absichtlich versetzt hinterlegtem amerikanischen Englisch. Und mangels Masse werden Wiederholungen bemüht, wie bei den meisten Doku-Soaps. Zudem war es schon seit Aufkommen der kommerziellen TV-Sender so, dass die Schreckensvideos plötzlich am laufenden Band auf dem Fernsehschirm waren, wenn mal wieder ein Unglück passiert war. Wie auf Kommando, holten und holen sie heute noch alle möglichen Flugzeugunglücke aus der Mottenkiste, je schlimmer und tragischer, desto besser. Und da empfehle ich, Augen zu oder Fernseher aus. Aber das ist meine persönliche Meinung
Fliegen interkontinental
Die interkontinentalen Reisen haben mich von Anfang an begeistert. Sie dauern für gewöhnlich länger, und man sieht einiges von der Welt. Auch meine Frau, die mich einige Male begleiten konnte, selbst auf kürzeren Reisen, war immer mit ganzem Herzen dabei. Sie war so begeistert, dass ich gelegentlich Sorgen hatte, dass sie eventuell schon vor mir heimlich ihren Flug bucht oder schon vor mir im Flugzeug sitzt. Dazu kam es natürlich nie, aber als Idee zu einer Geschichte fand ich die Vorstellung, dass es einmal so wäre, faszinierend. Sie liebte es, spätabends von Frankfurt nach Südostasien zu starten und was ihr rückblickend immer imponiert hat, war, dass meistens über Kalkutta das Frühstück serviert wurde. Das hat sie sich gemerkt und es mir nach den gemeinsamen Reisen nach Südostasien immer wieder erzählt. Es gelang uns zwar öfter, eine Teilstrecke gemeinsam in der Business Class zu fliegen, mit und auch ohne Upgrade, aber in der Regel flogen wir tatsächlich "getrennt", sie in der Economy und ich in der Business, strikt nach Bordkarte. Na ja, ich habe sie dann auch mal in der Nacht besucht, weil ich wusste, dass sie nie fest schläft. Das wäre geradezu sträflich, man könnte ja etwas verpassen!
Doch meistens flog ich alleine, gelegentlich mit Kollegen oder Geschäftspartnern. Und da ich wusste, wie sehr sie das alles schätzt, habe ich es den Kollegen gleichgetan und es mir nicht nehmen lassen, ihr vom Rückflug von Südostasien, wenn es über Bangkok ging, einen Bund frischer Orchideen mitzubringen, als Geschenk verpackt.
Bild 5 - Dubai International Airport. Vorne: B 777, hinten: A380
Ich war lange Zeit immer nur auf dem Airport selbst, in Transit, nie in der Stadt und das bestimmt fünfzehn Mal, bevor sich wegen diverser Projekte endlich eine Dienstreise nach Bangkok selbst ergab. Es waren übrigens immer die allerletzten Geschäfte, die gegen Mitternacht noch im Duty Free des Bangkok Airport getätigt wurden, ein letztes Souvenir, ein Bund Orchideen. Meistens war die Lufthansamaschine nach Frankfurt auch die letzte, die gegen halb eins nachts Bangkok Richtung Frankfurt verließ. Danach schlossen auch alle Souvenirshops, der Duty Free und auch die Orchideen-Verkaufsstände.
Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ bereits von Anfang an der Anflug auf Singapur wie auch später immer wieder der auf Jakarta. Man spürte förmlich, dass man sich in Äquatornähe befand, und zwar am Licht. Das Sonnenlicht erhellte noch einmal das ganze Flugzeug, bevor unmittelbar vor Singapur allmählich die Dämmerung einsetzte. Solange man noch auf Reiseflughöhe war, überflog man oft eine größere, aber sehr lockere Wolkendecke, nie geschlossen oder bedrohlich dunkel oder gar schwarz. Es waren eigentlich immer sogenannte Schönwetterwolken. Und die sahen von oben so herrlich groß und ausladend aus. Fast immer genau dreißig Minuten vor der geplanten Landung leitete der Pilot den Sinkflug ein, die Triebwerke wurden mit einem Schlag leiser und schon bald flogen die Wolkenfetzen am Fenster vorbei. Dann kamen auch schon die ersten kleinen Inseln vor der Küste Singapurs zum Vorschein, alles sehr friedlich von da oben anzuschauen, von meinem Fensterplatz aus.
Bild 6 - Inseln im Indopazifik vor Jakarta
Ich fragte mich immer wieder, wer da wohl wohnt, wie deren Leben, so fern von Singapur und noch viel weiter weg von uns, wohl aussieht. Dann wurden die Inseln immer größer und größer und aus den vielen bunten Punkten, die man auf dem Meer ausmachen konnte, wurden nach und nach Schiffe, riesige Container- und Tankschiffe, die sich wie magnetisierte kleine Kompassnadeln alle Richtung Singapur ausrichteten. Und ganz zum Schluss, wenn man in den Bereich der Küste von Singapur kam, nahm die Zahl der Riesenpötte immer mehr zu und zahllose kleine Fischerboote gesellten sich zu diesem einzigartigen Bild.
An dieses Bild musste ich oft denken, als ich Jahre später ein Angebot für Anlagen zur Überwachung des südchinesischen Meeres und der von Piraten bevölkerten Straße von Malakka erstellte und mich mit diesem Winkel der Welt näher befassen musste.
Die Stadt Singapur selbst konnte man beim Anflug nie sehen, da sie meist im Dunst lag, es sei, der Pilot drehte noch eine Warteschleife, was aber selten vorkam. Die Stadt selbst kannte ich lange Zeit nur von Ansichtskarten her, bis ich sie 1994 bei einem Stopover zusammen mit meiner Frau auf einem Flug nach Australien einen Tag lang ausgiebig entdecken konnte.
Bild 7 - Dreiklassengesellschaft: First, Business, Economy
Zu dieser Zeit war Singapur nicht nur eines der größten Drehkreuze des internationalen Flugverkehrs, lange bevor Dubai sich an die Spitze drängte, nein, auch der Hafen war seinerzeit schon einer der größten der Welt, wenn nicht sogar der größte oder gleichauf mit Rotterdam. Nirgendwo habe ich einen vergleichbar schönen Anflug auf einen Airport erlebt wie in Singapur.
Es herrschte immer eine eigenartige Stimmung an Bord, wenn die Maschine nach dem etwa einstündigen Stopp in Singapur zum zweiten Abschnitt der Reise südostwärts Richtung Jakarta abhob. Man war leicht übernächtigt, etwas verkatert von Wein, Bier und dem Herrengedeck und vor allem von zu wenig Schlaf. Dazu die feucht-warme Luft, die man immer einen kurzen Moment lang am Ende der Gangway, an der Flugzeugtür zu spüren bekam.
Ich genoss dieses fahrige Gefühl ebenso wie ich es hasste. Auf der kurzen Strecke von Singapur nach Jakarta erreichte die Maschine nie die normale Reiseflughöhe. So dauerte es auch keine halbe Stunde, bis das Bordpersonal mit dem Servieren der kleinen Zwischenmalzeit begann: Tomatensaft, dazu frisches tropisches Obst und einen Fruchtsalat mit Früchten der Region, eine Scheibe kalter Braten und ein Stückchen Camembert. Dazu die bekannte Palette an Getränken, von Kaffee über Tee bis hin zu Champagner. Die bis zur Hälfte heruntergelassenen Jalousien trugen ihr Übriges zu einer seltsamen Stimmung an Bord bei. Es war meist später Nachmittag, die Kabine nur noch spärlich besetzt, weil viele Passagiere bereits in Singapur ausgestiegen waren. So hatte diese kleine Gruppe, etwas verloren in der nun riesig anmutenden Business Class, etwas Elitäres gemein, den gemeinsamen Weiterflug in die "Südsee". So bezeichnete ich Indonesien oft, wenn ich nach Unterschieden zu anderen Ländern in der Region gefragt wurde. In Indonesien begann für mich die Südsee.
Die Sonne stand immer noch fast senkrecht über uns, schien jetzt aber schwächer und warf ein weiches Licht in die Kabine und auf die lockeren Wolken unter uns, wie es das nur am Äquator gab. Eine einzigartige Atmosphäre, die ich heute noch sehr vermisse. Es war auch der Zeitpunkt, zu dem ich meine Uhr auf Jakarta-Zeit umstellte und zwar eigenartigerweise wieder eine Stunde vor statt eine weiter zurück. Und beim Gedanken, in weniger als einer Stunde auf Java zu landen, bekam ich für kurze Zeit immer ein seltsames Gefühl in der Magengegend. Das Gefühl, das einem zu verstehen gibt: jetzt bist du richtig weit weg von zu Hause.
Für mich war und ist es immer ein besonderes Gefühl, fern von zu Hause, in den Tropen anzukommen. Man spürt schon beim Verlassen der Maschine die warme und feuchte Luft, alles ist so fremd. Die Anspannung, die sich vor der allseits bekannten und ebenso ungeliebten und unvermeidlichen "Immigration" aufgebaut hat, beim Warten in den mittlerweile mäanderförmigen Menschenschlangen davor, baut sich erst allmählich wieder ab. Man denkt immerzu daran, ob man auch dieses kleine Einreisedokument im Flugzeug exakt und wahrheitsgemäß ausgefüllt hat, die Angaben über mitgeführte Devisen vollständig sind. Oder ob man nicht noch etwas an Lebensmitteln bei sich hat, deren Einfuhr ja überall streng verboten ist. Und immer wieder stellt sich die Frage: Sind Schokolade und Bonbons nun Lebensmittel oder nicht? Beim Ausfüllen der Einreisedokumente auf Flügen in die USA musste man übrigens peinlichst darauf achten, nur ja die "Eins" als senkrechten Strich zu schreiben, sonst gab's Ärger.
Zeit zur Entspannung hat man im Allgemeinen erst später, auf dem Weg zur Gepäckausgabe. Man ist regelrecht erleichtert, wenn man diese erste Hürde unbeschadet überwunden hat und freut sich auf "seinen" Koffer, ein Stück Heimat, das man gleich wiedersieht. Meistens ist es sinnvoll, einfach der Menge zu folgen, denn die meisten wissen, wo es langgeht. Auch wenn sich naturgemäß mehrere Passagierladungen durch den Engpass der Immigration quälen - alle wollen letztendlich an ihr Gepäck. Es schwingt zwar auch da schon wieder eine gewisse Anspannung mit, auch den allerletzten Abschnitt der Flugreise mit dem Verlassen der Gepäckkontrolle ebenso unbeschadet zu überstehen. Jetzt rächt es sich, wenn man versehentlich oder mit Absicht doch etwas in den Koffer gepackt hat, was vielleicht nicht erlaubt ist. Wie zum Beispiel dicke Aktenordner mit geheimem Schriftverkehr, Spezifikationen, Muster, Technische Zeichnungen, Equipment und dergleichen, was Einfuhrbestimmungen unterworfen ist, die man natürlich nicht beachtet hat. Hierfür, wie auch für die Besorgung eines Businessvisums war vor meinen Reisen eigentlich nie Zeit, so kurzfristig waren diese oft anberaumt. Also reiste ich, häufiger als mir lieb war, als 'Tourist' ein, denn als 'Businessman'.
Und so kam immer einmal für einen längeren Moment die Angst hoch, dass ein Zöllner einen Blick in den Koffer werfen möchte, dessen Inhalt natürlich gar nicht zu einem Touristen passt, der man eben gerade durch den kleinen Stempel im Reisepass geworden ist, mangels Businessvisum. Und Ausgänge, mit dem Hinweisschild "Nothing to Declare", gab und gibt es nicht überall. Den Kopf immer recht voll mit diesen Gedanken, wusste ich nie, wohin ich am sinnvollsten schauen sollte, wenn ich mit meinem Gepäck-Trolley auf den Zollbeamten zu fuhr, der sich vielleicht gerade einmal drei, vier Meter vor dem rettenden Ausgang befand. In die Augen, an ihm vorbei, an die Decke, auf mein Gepäck schauen? Ich glaube, ich habe alles ausprobiert. Genutzt hat es nie. Wie oft musste ich den Koffer auf diese widerlichen Bänke aus Stein oder Aluminium hieven, öffnen und erklären, schweißgebadet alles wieder reinstopfen und ihn wieder schließen! Letztlich ging es immer gut, nicht zuletzt dank eingeübter Ausreden…
Spätestens dann, wenn auch diese letzte Hürde genommen ist, geht es nach draußen, raus aus der klimatisierten Luft, rein in die Wärme. Eine feucht-warme und überaus milde Luft umhüllt einen sofort, nimmt einen in Beschlag, meine Brille ebenfalls. Bei meinen Flügen nach Südostasien war die Ankunft meistens bereits in der Dämmerung oder im Dunkeln, da es in den Tropen in der Regel ja schon um halb sechs abends fast stockdunkel ist. Noch im Terminal musste ich immer mit den Händen zuerst das Wärmeschutzglas an den Wänden berühren, um mich auf diese Wärme, die mich gleich empfängt, vorzubereiten. Mir war immer danach, erst einmal tief durchzuatmen, bevor ich durch die breite Schiebetür nach draußen trat.
Und da wartete auch schon das nächste Highlight auf einen: Man trat durch die sich automatisch öffnende Ausgangstür und blickte in die Gesichter von gefühlt Hunderten von Menschen, durchweg Einheimische, alle wild gestikulierend und Namen schreiend oder rufend. Die einen winkten, andere wiederum hielten ihre bedruckten oder selbst gemalten Schilder mit irgendwelchen, mir unbekannten Namen über ihren Kopf in die Höhe, als wollten sie mit ihrem ausgefallenen und verziertem Namensschild in A4-Größe den ersten Preis gewinnen.
Ein immer gleiches, einmalig buntes Bild, unvergesslich jedes Mal. Unwillkürlich suchte man dann nach einem Schild, auf dem sich sein eigener Name befand. Da ich meistens vereinbarungsgemäß abgeholt wurde, war ich ohne Sorge, dass man mich auch sehr schnell entdeckt, gerade unter den vielen Einheimischen, unter denen man sich plötzlich befand. Deswegen wartete ich immer eine kurze Weile vor dieser Wand von fremden Menschen, blieb einige Augenblicke ruhig stehen, um mich einfach leicht entdecken zu lassen, was auch immer schnell von Erfolg gekrönt war. Wenn ich von einem Fahrer unserer Niederlassung abgeholt wurde, war die Begrüßung dann auch immer herzlich, vor allem, wenn man sich schon kannte und der Fahrer einen schon hunderte von Kilometern durchs Land kutschiert hatte.
Wenn es gut lief, erwartete mich ein Fahrer des gebuchten Hotels mit seiner Limousine Denn nicht immer klappte das mit den Fahrern unserer Firma so wie man es gerade brauchte. Sie fuhren den Chef, und außer mir gab es ja auch immer andere Besucher der Niederlassung. So war ich schon öfter auf ein Taxi angewiesen. Das war meistens preiswert und je nach Hotel musste man auch keines der roten, gelben oder grünen Taxis nehmen, sondern ließ sich vom Flughafenpersonal eine Limousine rufen. Man stieg immer hinten ein und setzte sich so, dass man stets Blickkontakt hatte und gut mit dem Fahrer reden konnte. Aber auch das war in den wenigsten Fällen möglich, weil viele noch nicht einmal ein einziges Wort Englisch sprachen. Vielleicht taten sie auch nur so, was ich eher vermute, denn pfiffig und ausgebufft waren sie alle.
Einmal, als mich ein Taxifahrer - es war ein gelbes Taxi - raus zum Airport Cengkareng in Jakarta brachte, hielt dieser plötzlich auf halber Strecke an. Er meinte ziemlich unwirsch und aufgebracht zu mir, er stelle gerade fest, dass sein Wagen einen Defekt habe und müsse ihn heute Abend noch zur Reparatur bringen. Daher solle ich ihm gleich hier das Geld für die Fahrt geben, was ich nach kurzer Diskussion dann auch tat. Wie ich später erfuhr, machen diese Fahrer ansonsten kurzen Prozess. Sie laden das Gepäck aus und lassen einen einfach an der Autobahn stehen, wenn nicht sofort bezahlt wird. Scheinbar hatte er schlechte Erfahrungen gemacht, dass gerade Ausländer am Airport plötzlich keine lokale Währung oder US-Dollar mehr hatten, sondern nur noch ihre Kreditkarten, mit denen er ja nichts anfangen konnte. Solche und ähnliche kleine Vorfälle kamen häufig vor, ich habe sie nicht alle behalten, so viele waren es.
Schlafen an Bord
So unterschiedlich meine Flugziele waren, so unterschiedlich waren auch meine Gewohnheiten, die langen Nächte im Flugzeug angenehm zu verbringen und gut zu überstehen. Nicht wenige Menschen bezeichnen einen Flug von vier Stunden ja schon als Langstreckenflug und hätten bei einem Flug von zwölf bis dreizehn Stunden wahrscheinlich größte Probleme. Im Laufe der Zeit haben sich die Methoden auch stetig verändert - zum Besseren hin. Anfangs schlief ich tatsächlich sehr schlecht. Sehr schlecht ein und sehr schlecht durch.
Einmal, als ich selbst auf meinem bequemen Business Class Sitz am Fenster, mit viel Bein- und Ellenbogenfreiheit nicht einschlafen konnte, stieg ich kurzerhand über meinen Sitznachbarn hinweg, schlich in der abgedunkelten Kabine, nur mit Strümpfen an den Füßen über den Gang nach hinten in die Economy Class des Jumbo-Jets. Da waren diesmal einige Sitzreihen unbesetzt, vor allem im mittleren Bereich, also zwischen den Gängen, was ich bei einem Besuch der Toilette zuvor ausgespäht hatte. Ja, beim Fliegen muss man erfinderisch sein. Ich suchte mir also eine passende Reihe aus, die schön abgedunkelt war, klappte die Mittelarmlehnen hoch und streckte mich genüsslich über alle vier Plätze aus. Das waren mindestens zwei Meter Liegefläche, eben und am Stück. Ich schaffte es dann auch im Dunkeln mich mit einem der Mittelsitzgurte anzuschnallen, diesen wie immer auf die weitestmögliche Position einzustellen und schlief mit den Gedanken ein, es allen mal wieder gezeigt zu haben.
Allzu viel planen konnte ich ja im Hinblick auf das Schlafen an Bord im Voraus nicht. Mal hatte ich nur einen Laptop oder ein Notebook dabei, dann wieder einmal einen dicken Aktenkoffer, mit dem man, gut angeordnet, die Liegefläche über die Fußstütze hinaus verlängern konnte. Dazu stellte ich diesen mal quer, mal längs oder auch mal hochkant, je nach Bedürfnis. Jedenfalls hatte ich mir anfangs keine sonderlichen Gedanken ums Schlafen gemacht. Natürlich habe ich mir nach dem Abendessen noch einmal die Zähne geputzt und das Gesicht gewaschen; das gehört sich so. Dann fuhr ich meinen Sitz in die bestmögliche Schlafposition, stellte noch meinen Aktenkoffer so vor den Sitz, dass ich meine Beine gut auf ihm ausstrecken konnte. Mit einem Meter neunundsiebzig war ich ja nicht gerade klein und schielte auch deshalb oft etwas neidisch auf asiatische Mitflieger von kleinerem Wuchs.
