Der letzte Schuß - Heinrich Fonk - E-Book

Der letzte Schuß E-Book

Heinrich Fonk

0,0

Beschreibung

Roman über das Leben von Heinrich Fonk, von Geburt an bis 2017

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 306

Veröffentlichungsjahr: 2018

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Die letzten Kriegsjahre / Besatzungsmacht

Kindheit und Schulzeit

Jugend und Lehre

Das alte Lövenich vor der Eingemeindung

Mit Bruder Albert unterwegs per Anhalter

Berufswelt

Meine Rundreisen rund um den Globus

Große Radtouren durch halb Europa

Segelfliegerei in der Eifel

3 mal Marathon: Düsseldorf, Köln u. Berlin

Hausmeistertätigkeit

Rentnerdasein

Der letzte Schuss vor dem Krieg, von meinem Vater ohne Pulver und Blei, das war ich, Heinrich

Erinnerungen von Heinrich

geb. März 1939

Ein ganz normales Leben, oder doch nicht?

Liebe Leser,

ich bin ein einfacher, kein hochgebildeter Mensch. Ich hoffe, dass Sie mit einem Lächeln drüber weg sehen, wenn Grammatik und Satzstellungen nicht so sein sollen wie sie sein müssten... Danke

Die letzten Kriegsjahre

Die Bomben fielen hell leuchtend und silbrig glänzend in der Abendsonne.

Beängstigend und faszinierend zugleich. Die Bahnstrecke Köln – Aachen wurde mal wieder bombardiert. Die Bahn Flak hielt dagegen. Alles wackelte. Da meistens Nachts die Angriffe stattfanden sahen wir die Leuchtgeschosse in den Himmel schießen.

Das notwendigste unter dem Arm und ab in den

Luftschutzbunker, in den Keller, Eingang Nettengasse. Geschafft. Das Licht flackerte die Wände zitterten. Heftiges Atmen, stöhnen, Kinder weinen. Alte Leute Hand in Hand in der Ecke. Bange Minuten. Endlich, nach einer Ewigkeit, Sirenen Entwarnung. Alles wieder nach Hause. Mama meinte heute ist der Koffer aber besonders schwer was ist nur damit?

(Die notwendigsten Dinge standen immer gepackt bereit). Was war aber nun mit dem schweren Koffer? Mein kleiner Bruder hatte Brikett rein gepackt, damit es in der Stube immer zu heizen gab. Mein schwerhöriger Opa blieb bei Fliegeralarm immer zu Hause. Junge, Junge, heute hat es aber aber besonders gerummst, aber ich lebe ja noch.

Die kriegen mich so leicht nicht ins Grab. Aber in meinem Alter wäre das auch kein Beinbruch. Hinter unserem Haus dann sahen wir die Bescherung, zwei Bomben waren im Garten

hinter dem Haus runtergekommen und hatten zwei große runde Trichter in den Boden gestanzt, richtig akkurat rund.

Guter Rat von Mama, bleibt nah am Haus es könnte mal wieder Alarm geben. Aber die Großen nahmen mich immer mit. Mit einer selbstgebastelte Flitsch (Schleuder ) trafen wir uns zum Flieger abschießen, aber nie kam einer runter, so ein Pech aber auch. Der ganze Bahndamm lag voller Munition aller Art. Patronen haben wir gesammelt. Die „Großen“haben Feuer gemacht und wenn alle in Deckung waren flogen die Patronen in die Glut. Das hat immer so schön gezischt und geknallt. Bis zu einem schweren Unglück, mit tödlichem Ausgang. Ab diesem Zeitpunkt war Munition sammeln passe. Aber davon später mehr. Der Krieg ist aus. Wir konnten es nicht fassen, alles plötzlich so still und friedlich. Keine Flieger mehr, keine Bomben mehr.

Großer Kinderauflauf an der Schule, was war? Den ersten Neger hatten wir zu Gesicht bekommen.

Welch eine Aufregung war das, aber alles nette Kerle. Sie haben viel Schokolade und Kaugummi verteilt. Kaugummi war ja etwas vollkommen neues für uns Kinder. Ich sollte 1945 eingeschult werden, das war aber nicht möglich weil die Amerikaner als Besatzungsmacht die Schule in Beschlag genommen hatten und als Hauptquartier eingerichtet hatten. Unser Spielplatz war jetzt an der Schule. Wir bestaunten das Kriegsgerät.

Gepanzerte Fahrzeuge, Kräder, Jeeps, sogar rauf klettern durften wir. Es gab ja auch immer was zum abstauben. Von den Schwarzen lernten wir ja auch die ersten englischen Wörter. OK, YES, NO, HELLO; GOOD MORNING und so weiter. Zu hause hieß es dann des öfteren Ok, Yes, Hello usw. weil die Amerikaner als Besatzungsmacht die Schule in Beschlag genommen und als Stützpunkt eingerichtet hatten.

Als die Soldaten Lövenich „einnahmen“ wurden vorher weiße Fahnen gehisst. Da hatte doch einer noch die Hitler Fahne hängen. Die wurde runter geschossen. Das waren die einzige Schüsse bei der Einnahme von Lövenich. In den nächsten Tagen wurde alles durchsucht, Straße für Straße, Haus um Haus. Wir mussten bei Nachbarn Übernachten, Türen durften nicht abgeschlossen werden. Einige hatten trotzdem abgeschlossen.

Die wurden dann einfach halber aus den Angeln geschossen. Aufschießen war halt einfacher als aufschließen. Die durchlöcherten Türen sahen nicht grade einladend aus. Mein Opa hatte ein Stahlhelm hinter dem Kaninchenstall versteckt, aber nicht gut genug. Es muss wohl ein MG Feuerwerk auf den Stall gegeben haben. Gut das keine Kaninchen mehr im Stall waren, die waren vorher verspeist worden. Es mangelte ja an allem.

Fringsen war zur Zeit ein Schlagwort. Es stammte vom Kölner Bischof Frings. Er erlaubte so zu sagen den Mundraub und betteln eingeschlossen.

Bis nach Brauweiler, Freimersdorf, Königsdorf und weiter gingen wir Fringsen. Da hatten die meisten Bauern ihre Höfe, hier und da gab es aber nichts.

Beim Landwirt Pauli in Lövenich gab es für die „Großen“ auch schon mal eine Zigarette oder eine Zigarre, dann durften wir „Kleinen“ auch mal ziehen.

Die Linie L, Straßenbahn nach Lövenich kreischte und quietschte in die Goethe Straße rein. Das war für uns das Signal, auf zum „Lottchen“ so nannte sie der Volksmund. Schnell wurden die Aschenbecher geleert, waren die Leute erst mal draußen, kamen wir nicht mehr rein. Oft wurden wir aber auch vom Schaffner verscheucht. Wieder mal Ablieferung an die „Großen“ in der Gruppe. Es wurden auch Zigaretten aus Torf gedreht. Bauer Pirig hatte eine Gerätehalle aus Wellblech, da quoll der Torf raus, bestes Zigaretten Material. Matthias machte Torf Zigaretten mit Pfefferminz, Kamille oder Lavendel Geschmack, die Zutaten wuchsen in Papas Garten. Rauchholz wurde auch gequalmt.

Den größten Rauch aber sollte ich angestellt haben. An das Feuer konnte ich mich gut erinnern, ob ich es aber war? Nach allen Aussagen bin ich es wohl gewesen. Mein kleiner Bruder war auch dabei, aber er hätte noch kein Streichholz anzünden können. An diesem Tag spielten wir wie so oft in der Scheune, unsere Mutter war in der Küche. Sie hatte zum Glück den Rauch schnell bemerkt, und hat uns aus der Scheune geholt, aber gegen die Flammen war sie machtlos. Sie schlugen schnell in den Himmel. Nicht nur die Strohballen, auch Feldgeräte, Kartoffel und Zwiebel gingen in Rauch auf. Zu allem Unglück auch Nachbars Eismaschine viel den Flammen zum Opfer. Das bisschen Nebenverdienst war sehr Schmerzhaft für Onkel Christian. Aber sonst war uns nichts passiert, das war das wichtigste. Die Kinder beschimpften mich lange, sie kriegten ja kein Eis mehr. Das halbe Dorf, die Feuerwehr und Soldaten waren zum löschen da. Bevor mein Vater in den Krieg eingezogen wurde, war er auf dem Hof Kurt Pauli in Lövenich als Landarbeiter tätig. Sein Herz aber galt den Pferden. Er hatte ein Wusch der auch in Erfüllung ging. Er wurde zu einer Reiterstaffel eingezogen.

Mein Vater war im Krieg, der Verdammten Hitler Sauerei, wie alle wehrtauglichen Männer auch. Bis 1944 hatte mein Vater alles gut überstanden. Dann ist er verwundet worden. Die ganze rechte Seite voller Splitter, die bis auf ein Reptil im Kopf raus operiert wurden. Der Kopfsplitter sollte wegen der Gefährlichkeit später raus geholt werden. Wir haben unseren Vater im Lazarett in Teupitz bei Berlin besucht. Er lag rechts in der Ecke im großen Krankensaal. Neben ihm auf der Kommode stand ein kleiner Baum mit Ostereier behangen. Er humpelte noch stark, nur mit Krücken konnte er sich fortbewegen. Wir kamen dann für ein paar Tage auf einem Bauernhof unter. Da haben sie mich beim Eier klauen erwischt. Von Mama gab es eine ordentliche Standpauke. War das denn so schlimm? Da lagen doch so viele Eier im Stroh.

Alle für den Bauer und keine für uns. Das ist doch nicht gerecht. Kurze zeit später ist die Schwester von meinem Vater in Lövenich gestorben. Zum Begräbnis war er da. Meine Mama wollte ihn nicht zurück nach Berlin fahren lassen, weil sie so ein ungutes Gefühl hatte das etwas passieren würde.

Er lies sich aber nicht zurückhalten. Das kommt für einen treuen deutschen Soldaten nicht in Frage.

Außerdem, was soll unser Führer denken wenn er davon erfährt. So ist er dann gefahren. Die Ahnung meiner Mutter hat sich bestätigt. Der Zug ist bei Bielefeld von Flugzeugen angegriffen worden.

Wegen der Behinderung kam er nicht schnell genug aus dem Zug. Er bekam mehrere Bordwaffenschüsse in die Brust und in den Bauch.

Fast den ganzen Krieg hat er überlebt und dann so was. Schade, Schade, Schade. So ein Schicksal, verdammter Krieg. Es ist mal wieder Munition gesammelt worden. Die Erwachsenen durften die „Großen“ mitnehmen. Eine Brandbombe ist von einem „Großen“ aber mitgenommen worden. In der Annahme, das kein Zünder mehr drin ist. Zu hause hatte der Vater ein Feuer gemacht um Gartenabfälle zu verbrennen. Alles in Deckung und dann flog die Bombe ins Feuer. Wie nun der „Jüngste“ da plötzlich auftauchte, ein Rätsel? Die Bombe geht hoch und der Kleine bekam die Splitter in den Bauch. Alles zu spät, es war nichts mehr zu machen. Die Erwachsenen wurden dann geschult und angeleitet um weiter Munition zu sammeln. Ab diesem Tag war auch unsere Kriegsspielerei vorbei.

In Lövenich gab es die Frl. Meusch, sie hatte einen Kurzwarenladen. Bei ihr gab es vom Knopf bis zum Garn alles zu kaufen. Milch gab es bei Frau Heller, aber nur wenn ein Gefäß mitgebracht wurde.

Flaschen oder Milchkartons gab es nicht. Beim Husmann konnte man von der Schraube bis zum Handbohrer alles haben, ein Vorläufer der heutigen Baumärkte. Familie Ossenberg hatten auf dem Dorfplatz einen Lebensmittelladen. Zum täglichen Essen gab es alles was man brauchte. Man konnte auch „anschreiben“ lassen, wenn das Geld knapp war. Am ersten wurde dann alles beglichen. Ihr Sohn Heinz Philipp und seine Frau sind Straßennachbarn von uns. Nette und sympathische Leute. Da gab es noch den Christian Baggeler mit seiner Frau. Sie hatten einen Obstladen auf der Widdersdorfer Straße. Wenn Zigarrenrauch durch das Fenster zog stand Christian mit der Obstkarre vor der Tür. Er war ein guter Verkäufer, aber noch besser, er schlug die Kokosnüsse auf, welche rasend gekauft wurden.

Darin war er Spezialist. Das hat so gut geklappt, mit dem Verkaufen, er war später stolzer Besitzer von Pirigs Hof. Das Talent des Geschäfte machen haben seine Nachkommen auch im Blut. Pirigs Bauernhof ist zu einem kleinen Imperium umgebaut und erweitert worden. Leider ist Hubert, der Sohn von Christian zu früh verstorben. Enkel Christian und Familie wird alles in Ehren weiterführen.

Familie und Schuljahre

Oh weh, meine arme Mama. Ich wurde zwei Tage lang geboren. Gut 11 Pfund und ein paar Gramm Kampfgewicht brachte ich auf die Wage.

Kugelrund wie ein Halloween Kürbis wurde ich im Krankenhaus bestaunt. Ich war der Star. Erst mit 7 Jahren kam ich in die Schule, weil sie ja noch von den Amerikaner belegt worden war. Welch eine Überraschung. Lehrerin Frl. Pfeifer war meine, aber auch meiner Mamas Lehrerin.

Die Eltern meiner Mutter lebten in Widdersdorf wo sie einen Lebensmittelladen hatten. Die andere Seite der Familie kam aus der Eifel. Mein Opa Albert verlor sein Au8genlicht bei einem Unfall im Sötenicher Kalkwerk. Er lief aber in Lövenich fast wie ein Sehender mit dem Stock umher. Seine Kinder erkannte er einzeln am Gang. So wusste er genau wer Abends zu hause war und wer nicht.

Eines Tages stand die Polizei vor dem Haus. Sie wollten ein Protokoll kassieren wegen Fahrens ohne Führerschein und Papiere. Albert! Komm mal raus, die Polizei will was von dir. Als sie ihn dann sahen sind sie verlegen abgezogen. Da hatte doch so ein Witzbold seine Adresse angegeben.

Von der Nettengasse sind wir dann zum Heidstamm umgezogen. Mein Vater hatte das Haus noch gekauft. Bis zu meinem 5 ten Schuljahr lief alles normal und unaufgeregt. Meine Mutter hatte inzwischen wieder geheiratet. Meine Eltern waren ein glückliches und gutaussehendes Paar.

Bei der zweiten Heirat stand mehr die Sicherheit im Vordergrund. Mein Stiefvater war Beamter bei der Bahn, regelmäßiges Gehalt und Pension, das war doch was. Meine Mutter konnte ich auch verstehen. Allein erziehend und mit zwei Kinder in diesen Nachkriegsjahren war wohl nicht einfach.

Heute hat jedes Kind sein eigenes Zimmer. Früher bei uns hatten wir zu viert ein Zimmer. Nix Doppelbett, ein Einzelbett wurde zu zweit geteilt.

Einen richtigen Furz musste man sich verkneifen, sonst hatte man Angst, das der Mitschläfer aus dem Bett flog. Ich selbst aber hatte ein Problem, aber jemand fragen war nicht möglich, man schämte sich einfach. Also, jeden Morgen einen Steifen, war das normal,? Oder war ich nicht wie jeder Andere. Was tun,? Also musste ich beim großen Bruder mal nachsehen. Nach langer Überlegung habe ich eines morgens beim Bruder mal nachgefühlt. Sein Pillemann war nicht steif.

Ganz vorwurfsvoll, was machst du den da,?? Jetzt war ich nicht schlauer wie vorher auch. Was dachte jetzt mein Bruder über mich. Will der wohl an meinem Ding spielen, oder was.? Viel später habe ich doch erfahren, dass ich ein ganz normales Kerlchen war und eine „Wasserlatte“ am Morgen das normalste der Welt ist. Dazu ein passender Witz. Fritzchen hatte geträumt, er wäre reich, sehr reich. Er ist Fabrikbesitzer. Als er morgens wach wird, keine Fabrik, er hatte nur den Kamin in der Hand. Ha ha ha...

Ab der 6 ten Klasse soll ich schon meinen eigenen Kopf gehabt haben. Vorlaut und frech sei ich gewesen. Auch mein Lehrer meinte, der Heinz hat seine eigenen Gedanken, der schert sich nicht darum was andere meinen. Die 6 te, 7 te und achte Klasse saßen in einem Schulraum. Ich war, das glaube ich, ein guter Schüler. Vieles kam aber auch auf das Lehrpersonal an. Schlechtere Noten bekam ich von einem Lehrer der mich nicht besonders leiden konnte. Mir war er auch nicht so sympathisch. Bei dem anderen, na ja,..am Anfang waren die Noten nicht so gut, mit der Zeit besserte sich das. Dann kam mein Lieblingslehrer an die Schule, bei ihm hatte ich die besten Noten. Ich saß in der letzten Reihe, weil da immer am meisten los war. Billy Jenkins, Tom Prox oder Konny Köll Hefte wurden unter der Bank gelesen. Trotzdem hatte ich meistens sehr gut in Beteiligung am Unterricht. Bei jeder Frage habe ich aufgezeigt, auch wenn ich es nicht wusste, meistens ging es gut. Als Messdiener habe ich eine Andacht mitgemacht. Der Pastor hat mich gleich mit Billy Jenkins unter der Andacht Fibel erwischt. Dich kann ich nicht brauchen, du brauchst nicht wiederkommen. War nicht so schlimm, das hat mir so wie so nicht gefallen. An einem Tag lief der Lehrer mit offenem Hosenstall durchs Klassenzimmer. Viel Gekicher hinter der vorgehaltener Hand, aber keiner traute sich etwas zu sagen. Nur der vorlaute Heinz machte ihn darauf aufmerksam. Herr Lehrer! Sie haben die Hose auf.! Das kann doch mal passieren, oder etwa nicht.? Mit einem allgemeinen Gelächter war die Sache dann erledigt. Im allgemeinen hatten wir mit Mädchen nicht viel am Hut. Wir kannten zwar die Namen der Mädchen in der Parallelklasse, aber das war es dann auch. Die Fine, Marlies, Elvira, Christel, Gertrud, das Röschen und wie sie alle hießen, waren durchweg alles nette Mädels, aber dem Klärchen und der Eva habe ich doch hier und da schon mal nachgeschaut. Beim nächsten Lehrer stand der Bodensee auf dem Programm.

Zwei Stunden waren ihm die Fische wehrt. Herr Lehrer hören wir auch noch etwas anderes.? Wie tief, wie lang und an welchen Länder grenzt der See.? Heinz, noch zwei Fische dann kommt das andere auch. Bei ihm hatten wir auch Musik.

Singen konnte ich nicht so besonders, Noten ging so. Trotzdem wusste er das ich Gitarre spielen konnte, war die Note nur drei oder sogar mal vier.

Sein Lieblingsschüler, singen konnte der, bekam regelmäßig eine eins. Aber der wollte nicht immer, da hat er auch schon mal ein Groschen vom Lehrer bekommen um zu singen. Unglaublich wenn man das ließt. Wenn wir ihn mal geärgert hatten warf er auch schon mal mit der Kreide nach einem. Heute würde ich sagen, das er uns Acht Klässler nicht im Griff hatte und er mir leid tun würde. Ich war auch meistens dabei zum Nachsitzen, auch wenn ich nicht direkt beteiligt gewesen bin. Aber auch unser erster Rektor hatte manchmal schlechte Laune die er an uns abreagiert Hat. Dem haben wir dann ein paar Streiche gespielt. Säcke mit Blätter vor die Tür gekippt, Klingel festgeklemmt oder Strichmännchen auf die Scheiben gemalt. Dann kam Herr Meyer als neuer Rektor an unsere Schule, der heute etwa über 98 Jahre alt sein müsste (2018) Ich wünsche Ihm noch viele Jahre und das er die 100 noch feiern kann. Dank seiner Anleitungen verbesserte sich auch mein Gitarrenspiel, aber immer noch mit leidlichem Erfolg, aber für den Hausgebrauch und im kleinen Kreis war es ganz Ok.

Unsere Schulzeit wurde mit einer Woche auf Burg Dattenberg bei Linz am Rhein beendet.

Später haben wir ihn nochmal besucht, wenn er mit einer Abschlussklasse auf der Burg war. Bei so einem Besuch ging es dann um eine Wette. Ich bin immer gelaufen ,(heute joggen) aber meistens alleine, da ich kaum Mitläufer fand. Wir waren zur viert im Auto nach Dattenberg. Wolfgang im Auto sagte, das er auch laufe, aber beim ASV Köln. Da bist du ja gut drauf und Top fit? Das kann man wohl sagen meinte er.

Dann können wir beide doch von hier (kurz hinter Bonn) nach Dattenberg laufen? Der Verlierer gibt einen aus. Dein ernst? Ne, ich mache da nicht mit.

Aus der Runde einstimmig, dann machst du es eben allein. Gut, mach ich. Laufschuhe an, Jacke an, raus aus dem Auto. Da stand ich am Rheinufer im starken Gegenwind. Oh weh, nichts wie durch und ab. Wir hatten ein Limit gesetzt bis 24 Uhr musste ich oben auf der Burg sein. Nach sehr anstrengendem Lauf kam ich an einem Bahnwärterhäuschen an wo der Weg hoch nach Dattenberg anfing. Was machst du denn um diese Zeit noch hier? fragte mich ein Wärter. Ich habe ihm von der Wette erzählt. Wenn du willst fahre ich dich mit meinem Moped hoch. Nee, das wollte ich nun auch nicht. Dann habe ich mich richtig da rauf gequält..

Mein Gott, mein Gott. Genau um fünf Minuten vor 24 Uhr kam ich da oben an. Da hatte man mich aber schon abgeschrieben. Aber ein großes Hallo zu Begrüßung. Am anderen Tag, trinken war frei, denn gestern ging nichts mehr. War das ein Tag g!!!. Zu dieser Zeit ging es zum Schulabschluss nach Dattenberg, Heidelberg oder höchstens nach Berlin.

Heute geht es nach Prag, Paris oder nach New York usw.

Wie die Zeiten sich ändern. Später bin ich aber auch gefragt worden ob ich wirklich gelaufen bin. Kein Kommentar, sagte ich.

Jugend und Lehrjahre

Mittlerweile war unsere Familie auf 7 Personen angewachsen. Meine Kinder , deine Kinder und unsere Kinder. Wir haben uns aber alle gut verstanden. Wie ging es aber in so einer nicht gut betuchten Familie zu.? Gymnasium, studieren, darüber wurde erst gar kein Gedanke verschwendet. Nicht bezahlbar. Allein der Älteste Bruder besuchte die Mittelschule. Fernsehen gab es auch noch nicht. Aber dafür abends Brote schmiere. Zwei bis drei Brote gingen schon drauf, für vier Jungens. Die Hälfte wurde mit Marmelade bestrichen, Wurst und Käse war zu teuer für uns alle. Was wohl nicht jeder weiß, oder heute findet es keine Beachtung mehr, jede Scheibe hat zwei verschieden große Seiten, also wurde immer die kleinere Fläche bestrichen und belegt. In den Anfangsjahren nach dem Krieg hatten wir noch Kaninchen und Federvieh. Dafür musste Futter besorgt werden. Zwei mal pro Woche Gras nach Hause bringen. Was wir aber nicht gerne mochten.

Auch musste die Jauche aus dem Plumpsklo auf dem Hof geholt werden. Das war nicht jedermanns Sache. Besonders erst im Winter wenn die Kacke steif und hoch gefroren war. Es nutzte alles nichts, es musste getan werden.

Abgehackt in die Tonne und aufs Feld damit. Dafür gab es auch schon mal extra Taschengeld.

Kirschen klauen in Nachbars Garten war in. Die meisten sahen aber drüben weg, wenn wir erwischt worden sind. Bis auf Einen der uns erwischt hatte. Mit der Holzlatte lief er hinter uns her. Es war der liebe Jung aus der Vinzenz Allee , der so lieb gar nicht war wie er allgemein eingeschätzt wurde. Ein Lövenicher Original war der Michel, Hecking Michel. Den fragte ich mal, was denkst du so über den lieben Jung in der Allee? So ein Lieber ist der gar nicht wie er sich gibt im Karneval. Dem hätte ich gern mal kurz meine Meinung gegeigt. Ich habe ihn auch mal kurz kennen gelernt. In der Poststube standen wir in der Reihe um Marken zu kaufen. Da ging die Tür auf und der liebe Jung kam rein, der ging gleich bis nach vorne an den Schalter durch und wurde bedient. Es sagte keiner etwas…. Durch den Bahndammaufschüttung entstanden links und rechst kleine Täler, die an beiden Seiten mit Sträucher und Bäumen bepflanzt waren, das waren unsere Spielplätze. Nachtigallen Tal, Hexenloch, Bärenloch, so hießen die kleinen Einode. Da hatten wir unsere Baumhäuser und Erdhöhlen. Auch die ersten Liebespärchen wurden beobachtet. Heute gäb es eine Anzeige als Spanner. Gekämpft wurde aber auch noch, nicht wie im Krieg mit Munition, sondern mit Schleuder, Steinen, Bohnenstangen und ähnlichen Werkzeugen. Der Bahndamm war die Trennlinie, hier die Lövenicher und da die Weidener. Das schwere Geschütz war eine starke Astgabel , Gummis aus Autoschläuchen geschnitten mit einer Lederhalterung für die Steine. Fertig war die Standschleuder. Die Steine flogen dann über den Bahndamm in Feindes Gebiet. Ein Geschoss muss wohl das Feuerwehrhaus getroffen haben. Unser Geschütz wurde dann abgebaut. Der Kleinkrieg ging aber weiter. Im Gegenzug haben uns die Weidener mit Bohnenstangen attackiert. Da gab es manch eine Beule und auch eine blutige Nase. Wir legten Münzen auf die Eisenbahnschienen. Der Zug hat sie dann platt und groß gerollt. Das kannten die „hinter dem Bahndamm“ nicht. Wir sollten es ihnen zeigen. Wir hatten aber noch eine alte Rechnung zu begleichen.

(Bohnenstangenprügel) Da hatte jemand eine etwas makabere Idee. Ja, wir zeigen es euch, kommt in der Dämmerung zum Bahndamm, der Lokführer braucht uns nicht gleich sehen. Die Münzen lagen auf der Schiene, aber die kleinen Häufchen Kacke waren in der beginnenden Dunkelheit nicht mehr so gut zu sehen, ein Glück für uns, aber Pech für die Weidener. Der Zug kam angerollt, vorbei, und ein Aufschrei, so eine Sauerei.!! Einige rieben sich die Augen, Scheiße!!

Wir hatten uns aber schon abgesetzt und haben das Spektakel in einige Entfernung beobachtet.

Jetzt mussten wir aber wachsam sein, was nun den Weidener einfiel. Eines unserer Baumhäuser hatten sie dann zerstört. Die anderen zwei wurden bis abends spät bewacht. Dann, in der Dunkelheit kamen sie wieder. Die „ hinter dem Bahndamm “.

Last sie die Bäume erst mal hoch klettern. Unten waren die Stämme Astlos und glatt. Jetzt kam die Kacke nochmals ins Spiel. Den Einfall hatte mal, wie konnte es anders sein, unser Ältester. Der Stamm wurde dann beschmiert. Wir haben uns dann wieder ganz leise entfernt. Dann, Großes Geheul, verdammt!! wieder dies Scheiße, jetzt hatten sie aber die Schnauze voll. Das haben wir noch mitbekommen. Irgendwann später haben wir dann Frieden geschlossen. Wir sind doch nicht mehr in den Nachkriegsjahren... Schluss Ende!!!..

Im Hexenloch hatten wir eine riesige Rundschaukel die über ein große Pfütze voll mit grünem brackigem Wasser war. Da ist manch einer drin gelandet der sich nicht mehr festhalten konnte.

In den Sommerferien und auch mal Nachmittags haben wir beim Bauer gearbeitet. Das Geld aber mussten wir abgeben, eine Kleinigkeit gab es zusätzlich zum Taschengeld. Kartoffel und Tulpenknollen setzen und auflesen sowie Tulpen schneiden. Maschinen gab es noch keine, alles wurde noch in Handarbeit gemacht. Meistens hieß es „Mama mir sinnen de Tullepe“ Macht es gut und benehmt euch. Beim Bauer Dünn waren wir oft als „Saisonarbeiter“ auf dem Feld. Ein alter Lanz Bulldog Traktor hatte es uns angetan. Den hätten wir gerne auch mal gefahren. Der musste aber angekurbelt werden und das schaffte von uns Halbstarken noch keiner. Herr Dünn meinte, wer den an kriegt darf auch fahren. Dann, nach tagelangem probieren hatte ausgerechnet unser Kleinster und muskulöseste, der Leo, Erfolg. Der Leonhard war so besessen von der Kurbelei, das er den Schwengel nicht los ließ, auch nicht, wenn er wie eine Fahne im Wind an der Kurbel hing.

Jetzt durften wir auch fahren. Wir waren stolz wie die Fürsten. Beim Fahren wurde unser Traktor Spezialist, also der Kleine, immer von Dünns Hund begleitet. Auch wurde er immer begrüßt, uns lies er links liegen als wären wir gar nicht da. Bei jeder stürmischen Begrüßung fiel uns auf, das der Hund unseren „Kleinen“mit spitzer Rute freudig hechelnd begrüßte, es war mehr ein Bespringen als eine Begrüßung. Mensch hör mal, hast du den Hund etwa beglückt und ihm eine von der Palme geholt?

Seid ihr bekloppt, ich bin doch nicht pervers! Ein andermal, wir sollten zu viert antanzen. Die Schweine mussten geimpft werden. Die Sauen wurden von uns eingefangen, festgehalten und dann vom Bauer geimpft. Das war aber nicht immer so einfach wie es aussah. Die Biester zappelten, rissen sich los und zogen uns auch durch den Schweinestall. Der Bauer hatte uns vorsorglich alte Klamotten gegeben, die am Ende genau so aussahen wie die dreckigen Schweine.

Anschließend ging es unter die Dusche. Wir hätten uns so dreckig zu Hause nicht blicken lassen dürfen. Der Name Dünn ist heute nicht mehr so geläufig. Gut Klarenhof an der Bonnstrasse ist weit und breit ein Begriff. Im Hofladen wird eingekauft und im großen Rund wird getrunken und gegessen. In der Dämmerung am Abend ging es zum Kühe reiten. An die Pferde trauten wir uns nicht rann. Aus starkem Draht wurde eine Trense gemacht, mit Gras umwickelt, und eine dicke Schnüre als Zügel ins Maul damit und rauf auf die Kuh. Ein richtiges Kuhrodeo. Wider mal unser Kleinster hielt sich am längsten auf dem bockigen Kuhrücken. Jetzt hatte er schon zwei Titel, Hundefreund und Reiterkönig. Wir saßen zu viert im Hexenloch. Mit 13-14 -15 Jahren machten sich auch die ersten Hormone bemerkbar. In fröhlicher, etwas angespannter Runde wurde um die Wette onaniert. Hier bekam ich unverhofft auch meinen Titel.“ Der es am weitesten kann“. Na ja, etwas makaber und nicht vorzeigbar. Heute, ein richtig warmer lauer Sommerabend. Es ging mal wieder zum Liebespärchen gucken.

Etwas einmaliges wurde uns geboten. Zwei Frauen ein Mann amüsierten sich. Heute würde man von einem flotten Dreier sprechen, nichts besonderes mehr. Unsere „Spannerei“ wie das heute heißt war dann auch vorbei Es hatte sich wohl schnell herumgesprochen, das die Liebespaare aus gespäht wurden. Beim nächsten zuschauen haben wir eine tüchtige Tracht Prügel bezogen, sie hatten uns eine Falle gestellt. Wenn es im Sommer schön warm war gingen wir zum schwimmen ins nahe Schwimmbad nach Müngersdorf. Ich habe nicht erst groß Schwimmen gelernt. Kopfsprung ins Wasser, untergetaucht, von Ecke zu Ecke. Dann bin ich mal rein geworfen worden und ich konnte Schwimmen. Es hat mir immer viel Spaß gemacht mich im Wasser auszutoben. Salto vom einer und dreier Brett und Sprung vom Fünfer machten mir keine Probleme. Vom Zehner zu springen aber hatte ich schiss. Wenn nicht viel Zeit fürs Stadion blieb, lagen wir auch in den Wassertrögen der Pferde und Kühe. Wenn die Felder abgeerntet, Strohballen gepresst und zu haushohen Vierecken aufgestapelt waren , hatten wir auch darin unsere Verstecke. Des öfteren gingen aber auch Mädchen mit, das war dann immer so schön romantisch.

Mehr wie ein bisschen Knutschen und verschämt Küssen gab es aber nicht. Auf dem Feld standen die großen Strommasten, etwa 20 bis 25 Meter hoch. Da wurden unsere Mutproben abgehalten. Wer sprang von der höchsten Sprosse herunter?

Mit zwei Regenschirmen in den Händen ging es noch was höher runter. Dann wieder unser „Kleinster“ der Leonhard wie er sich gern selbst betitelte. Er klomm den ganzen Mast hinauf bis zum Blitzableiter, das hat sich von uns anderen aber keiner getraut. Er war halt unser kleinster und wildester. Irgendwann aber hatte ich großen Streit mit ihm. Er nahm für sich in Anspruch und meinte, ich bin zwar der kleinste, aber immerhin der Stärkste hier. Das meinst du aber nur, sagte ich.

Dann haben wir uns geprügelt, aber richtig. Als es dann immer fester wurde haben uns die Umstehenden auseinander gezogen. Nach aller Meinung ging die Rauferei unentschieden aus. Die Frage war nun geklärt und wir beide waren zufrieden.

Lehrjahre – in jeder Hinsicht

Was wollte oder sollte ich werden. Gefallen hatte ich am Handwerk. Schreiner , Klempner, Installateur oder auch Drechsler etwa, aber was habe ich gemacht, eine Postlehre angefangen.

Das Wort und den Rat der Eltern hatte damals noch Gewicht. Mensch Junge! Beamter und gute Rente, unkündbar, das ist doch was, oder nicht?

Ganz wohl war mir aber nicht dabei. Also dann, Heinrich von der Pooost!!!! Wie gesagt, ich fühlte mich nicht wohl, als sei ich im falschen Film. Die Arbeit selbst hat mir schon Spaß gemacht. Viel an der frischen Luft. Viel mit Menschen zu tun gehabt, aber das ganze drum und dran. Es ging irgendwie militärisch zu. Strenge Uniform Pflicht.

Krawattenzwang, sogar bei hohen Temperaturen, einzige Erleichterung, der oberste Knopf am Hemd durfte aufgemacht werden. So wollte es wenigstens unser Amtmann in Köln Braunsfeld. Eine Abmahnung habe ich mir eingefangen weil ich öfters ohne Schlips daher gekommen bin.

Besonderen Spaß machte mir die Geldzustellung, da gab es immer noble Trinkgelder. Eines Tages schickten mich die Kollegen zu einem Bauernhof aufs Land, alle mit einem Grinsen im Gesicht, was ich aber nicht zu deuten wusste. Am Bauernhaus angekommen, geklingelt , Tür geht auf, da stand sie vor mir, super blond und oben ohne. Es machte ihr richtig Spaß, so einen jungen Burschen zu verwirren und in Verlegenheit gebracht zu haben.

Das war aber noch nicht alles. Die Unterschrift als Empfangsbescheinigung musste auf der Brust erledigt werden. Zurück auf dem Postamt erst großes Schweigen, dann „ Wohl erste nackte Brüste gesehen? In das allgemeine Gelächter stimmte ich dann auch mit ein. Am Ende der Lehrzeit kam dann noch der Schichtdienst dabei, was mir nun gar nicht gefiel. Besonders die Nachtschicht war mir ein Graus. Als Junggeselle war ich zur Päckchen Verteilstelle nach Köln Deutz abkommandiert. Ausgerechnet zur Silvester Nacht.

Um Mitternacht, es war nichts zu tun, bin ich raus und hab mir das Feuerwerk angeschaut. Als ich zurückkam, musste ich ins Büro zum Aufseher. Der arme Kerl hatte ja auch Dienst. Postjungbote Heinrich, eine Abmahnung haben sie schon, jetzt kommt eine zweite dazu. Morgen als erstes melden sie sich beim Amtmann . In diesen Jahren kamen auch die ersten 12 Ender von der Bundeswehr ab. Die hatten ihre freiwillige Dienstzeit bei der Bundeswehr hinter sich. Nach kurzer Umschulung traten viele in den Postdienst ein und nahmen uns, die gelernt hatten die Planstellen weg. Oft wurden wir als Springer eingesetzt, dann wussten wir erst morgens, wo es hinging zu Arbeit. Da war das Maas voll. Am nächsten Morgen habe habe ich die Kündigung eingereicht. Ehe der Amtmann zu Strafpredigt anfangen konnte, legte ich ihm die Kündigung vor.

Er kriegte den Mund nicht mehr zu , so Überrascht war er wohl. So was war ihm noch nicht passiert.

Zum Entsetzen meiner Eltern und auch allen die mich kannten, Einhellig, wie kannst du so was machen. Aber vorweggenommen, ich habe es nie bereut. Das war es mit der Post. Harz 4 gab es nicht. Arbeitslosengeld? Keine Ahnung. Ich war auch so gut wie nie arbeitslos. Auf eine Zeitungsanzeige „suchen Sie Arbeit? Kommen Sie zur Information nach Köln zur Gaststätte zum Anker. Dort habe ich gleich einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Zeitschriften Neukunden werben.

Mit 400,- DM Vorschuss in der Tasche ging es nach Hannover. Meine Mutter fiel aus allen Wolken als sie meine Sachen samstags packte die ich montags mitnehmen wollte. Von dem großen Zeitschriftenverlag .bekam ich ein Studentenausweis „ Geschichte und Geografie“ im 4ten Semester. Heinz, du musst in Hannover deinen kölschen Akzent mehr betonen, dann kommst du da bei den Leuten gut an. Wie war, es lief gut mit der Neukunden Werbung. Die 400 DM Vorschuss hatte ich schnell zurückgezahlt, wogegen andere das nicht so schnell schafften .Mit denen wurde rigoros umgegangen. Nach einem halben Jahr sollte ich eine Gruppe übernehmen.

Ich merkte aber bald, das war nichts für mich. Ein richtiges Zigeunerleben war das. Wohnen in der WG. mit Eifersüchteleien, Sticheleien, Streitereien usw. Also, Schluss damit. In Lövenich bekam ich dann eine Anstellung in einer Kunststoff Spritzguss Firma als Lagerist. Da ich noch keinen Führerschein hatte, konnte ich diesen auf Firmenkosten machen. Später bekam ich dann raus, das es nicht so nobel war wie es den Anschein hatte. Der bisherige Lagerist war schon älter und auch öfters krank. Dann hatte ich das Lager allein zu verwalten, mit der Maßgabe, Dass ich morgens der erste und abends der letzte war 10 Stunden und mehr war die Folge. Überstunden Bezahlung, Fehlanzeige. Als der Lagerist dann starb, wurde alles noch mehr an Arbeit und Überstunden. Daran änderte auch eine kleine Gehaltserhöhung nichts. Kündigung war die Folge.

Ich durfte dann die letzten 3 Monate in der eiskalten Halle Spritzgussformen einölen. Das ging aber auch vorbei.

Bevor ich das Tischtennisspielen angefangen habe war ich etliche Jahre im Lövenicher Turnverein.

Das hat mir jede Menge Spaß gemacht. Frei nach der Devise Frisch fromm fröhlich frei, ist die deutsche Turnerei. „ Nach Turnvater Jahn“ Im Landkreis Köln, aber auch weiter weg nach Brühl, Bergheim, oder Düren gingen die Wettkämpfe. Ich turnte am Barren und machte den Hochsprung. Als letzter Mann stand ich auf der Pyramide, das war unser ganzer Stolz. Ganz schön hoch auf dem dritten oder vierten Kranz zu stehen. Eine Zeitlang habe ich mich auch als Ringer versucht, aber nach den vielen Verletzungen habe ich das wieder gelassen. Einen Star im Ringen hatten wir, er galt als unbezwingbar. Das war der Peter aus der Nettengasse. Soviel ich erlebt habe, hat er nie verloren. Nicht besonders groß, aber stark wie ein Bär, auch so haarig kam er daher. Zum Kampf Beginn gab es immer den obligatorischen Händedruck, die Hand hat er meistens nicht mehr losgelassen und schon hatte der Gegner verloren.

Nachher wurde der Händedruck beim Peter durch ein ehrfürchtigen Diener abgeschafft.(aber nur beim Peter) Auch fing er manchen Kampf mit einem gehörigen Furz an, der Gegner erschreckte sich und schon lag er auf dem Kreuz. Peter sollte auch im Russland Feldzug mit einem Bär gerungen und gewonnen haben, Legende? man weis es nicht. Im Dorf gab es das berüchtigte hahnen Köpfen. Quer über den Dorfplatz hing an der Leine ein Hahn mit dem Kopf nach unten, tot und gerupft. Diesem musste mit einem Holzschwert den Kopf abgeschlagen werden. Das war aber nicht so einfach, einer nämlich zog den Hahn immer in die Höhe, so das die meisten Hiebe den Hahnenhals nicht trafen. Jetzt mal wieder kam unser Peter ins Spiel. Ein Griff und da hat er doch wirklich den Hals durchgebissen. Er war der „Beißer- Hahnenkönig“

Karneval und aber auch sonst war er dem Bier und Schnaps angetan. Er soll mal volltrunken in einer Pfütze festgefroren sein. Da hat man ihn kurzerhand los gehackt. Nichts weiter passiert, außer einem kleinen Schnupfen. Jetzt aber genug vom Peter.

Pokale oder Urkunden habe ich nicht bekommen. Meist waren es 4te oder 5te Plätze, auch nicht schlecht. Die Vereine werden von vielen Mitgliedern unterstützt, die sich ehrenamtlich einbringen. Diesen Leuten kann man nicht genug Dank sagen. In meinem TTC möchte ich die Sportsfreunde Dieter Heiser, Karl Heinz Esser, Christian Werner und Norbert Redemann hervorheben, die zu meiner aktiven Zeit den Vorsitz inne hatten. Ein weiterer Verein, viel älter als der Tisch Tennis Club ist die Lövenicher Schützenbruderschaft St. Hubertus von 1883.

Spontan fallen mir die Familien Salentin, Schorn, Fassbender. Hoffmann und Alexander Ommer ein, die unter vielen anderen den Verein hoch halten. Alexander Ommer ist auch zur Zeit der Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft Lövenicher Neustädter von 1903, mit den Tanzgruppen „ Blaue Jungs“und „Kajüte Müsjer“. Die in der Karnevalszeit Spass und Frohsinn verbreiten. An Karnevalssonntag geht der Festzug durch Lövenich. Dichtgedrängt stehen die Leute am Strassenrand und schnappen Strüsjer und Kamelle. Weiter nicht zu vergessen die Franken Borussia Lövenich, der Fußballverein der in den Sportverein Lövenich Widdersdorf integriert wurde.

Zu deren Spielen war ich oft auf dem Lövenicher Fußballplatz. Ich erinnere mich noch genau an die Spieler Houschka, Axer, Kaiser, Nelles und Overzieher, der aber unter seinem Spitznamen Mante eher bekannt war. Zum Schluss noch eine sehr alte Gemeinschaft, Die Freiwillige Feuerwehr Köln, Löschgruppe Lövenich von 1898, eine der ältesten weit und breit. Das Gebäude sticht gleich ins Auge wegen der sehr schönen Graffiti an den Torausfahrten.

Über zwei Chefs will ich noch berichten, einem, sagen wir mal, Doof und Blödmann und einem richtig Guten.

Der Doofmann, wie der seinen Posten bekommen hat, völlig schleierhaft, vielleicht hat Papas Geld nachgeholfen. Er drückte mit seinem 8 Monaten Schwangerbauch mal gerne, besonders die Frauen und kleine Kerle wie mich, gegen die Bürowand. Ich hatte vergessen die Blumen im