Der Lungauer Bergbauernbua - Franz Seitlinger - E-Book

Der Lungauer Bergbauernbua E-Book

Franz Seitlinger

0,0
13,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Franz Seitlinger wächst nach dem Zweiten Weltkrieg auf einem Bergbauernhof im abgelegenen Lungau auf. Gespart wird an allen Ecken und Enden. Petroleumlampen dienen der Beleuchtung, das Wasser wird mit Leierpumpen in den Stall und in die Küche befördert, Schulwege werden zu Fuß über mehrere Kilometer bestritten. "Der Lungauer Bergbauernbua" ist ein Zeitdokument der 1940er- und 1950er-Jahre. Neben persönlichen Schilderungen illustriert der Autor Arbeitsabläufe im Haus, Stall und auf dem Feld, Brauchtum - wie Bratlessen, Pronga gehen, Kasermandl - und liefert ein Wörterbuch mit über 1 000 Lungauer Begriffen und Redewendungen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 576

Veröffentlichungsjahr: 2014

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Impressum

Einführung

Der Anfang

Dann kam ein neuer Abschnitt

Hausbau

Kriegszeit

Nachkriegsjahre

Hausarbeit

Alltagsessen

Leitang

Biersieden und Speck

Hausputz

Wie hat es im Stall, Tenne und Umgebung ausgeschaut?

Wirtschaftsgebäude (Stall, Tenne, Wagen- und Zeferhüttn)

Feldarbeit

Almsommer

Das Eachtleng grobn – die Kartoffelernte –

Gartenarbeit

Ribislernte

Obsternte

Moschlbee (Vogelbeere), Gischgalatzn (Berberitze), Padschn (Hagebutte), Fichtenzapferl

Flachsanbau und -verarbeitung (Hoo, Hoar)

Dreschen

Winter

Diverse Arbeiten zwischendurch oder jahreszeitenbedingt

Furm

Obstoachn

Zein

Holz gea und Strah hockn

Jauchn ausloatn, Häusldung auspumpn und Mistfüang

Murwiesl

Wegbau

Schweinemast

Nachtrag

Brauchtum

Weihnachten in den 50ern

Weihnachten 1955

Brauchtumsjahr

Für den Palmsonntag

Ostern

Weichgeher

Fronleichnamstag,

Maria Himmelfahrt

Persönliches

Einführung

Tiergeschichten

Kindheit

Schulweg

Sommerbefreiung

Lena

Außerordentliches

Gesundheit

Moped

Fachschule

Mittelschule

Erzählungen von Großvater, Vater und Mama

Lungauer Dialekt und auch in Vergessenheit geratene Bezeichnungen von Geräten und Ausdrücke aus dem täglichem Gebrauch

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2014 novum publishing gmbh

ISBN Printausgabe: 978-3-99038-227-1

ISBN e-book: 978-3-99038-228-8

Lektorat: Dr. Ursula Schneider

Umschlagfoto: Slavapolo | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

Innenabbildungen: Franz Seitlinger (87)

www.novumverlag.com

Einführung

Der Bergbauernhof, auf dem ich aufgewachsen bin, befindet sich im südlichen Salzburger Land, Bezirk Lungau, mit dem Hauptort Tamsweg. Ich bin zwei Jahre vor Kriegsende (2. Weltkrieg) geboren und erlebte die Nachkriegszeit. Aus den Erzählungen meiner Eltern erfuhr ich auch einiges über die Zwischenkriegszeit. Nach dem Krieg herrschte großer Arbeitskräftemangel auf dem Bauernhof, und meine Arbeitskraft wurde dringendst gebraucht. Ich mußte sehr bald anpacken und arbeitete bis zu meinem 20. Lebensjahr auf dem elterlichen Hof. Erst als weitere Geschwister heranwuchsen, empfahlen meine Eltern, mich „weiterzubilden“ bzw. eine höhere Schule zu besuchen, was ich auch tat.

Die nachfolgenden „Erinnerungen“ sind zum Großteil aus meinem Gedächtnis entstanden. Ich habe dazu keinerlei Recherchen angestellt (außer der Ahnenforschung). Nach 50 bis 60 Jahren tauchten Jugenderinnerungen wieder auf, die ich niederzuschreiben begann. Die Berichte aus dem Zeitbereich, bei dem ich nicht dabei war, stammen fast ausschließlich aus Erzählungen, vorwiegend von meinem Vater, von der Mama und dem Großvater, die uns alle bereits verließen, bevor ich mit dem Schreiben begonnen hatte. Interessante Informationen bekam ich auch von meiner Tante mütterlicherseits. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Berichtes war sie noch die einzig Lebende von meiner Vorgängergeneration. Was ich über die Arbeit und das Brauchtum schrieb, ist Selbsterlebtes. Ich war dabei und habe mitgearbeitet. Somit kann ich hautnah und wahr wiedergeben, wie es in den 50ern auf einem Bergbauernhof zugegangen und wie es mir in Erinnerung geblieben ist.

Ich lud meine Kinder zum Korrekturlesen ein. Es kamen Anregungen bzw. Bemerkungen zurück, die mich zu mehreren Ergänzungen und genaueren Ausführungen veranlaßten. Aber das oft angemerkte „nix deitsch“, weil die Satzkonstruktionen oft dem „guten Deutsch“ nicht entsprachen, korrigierte ich nur zögerlich.

Nach einigem Nachdenken, und auch durch teilweise zufällig geführte Gespräche, festigte sich meine Meinung, daß nicht nur Dialektwörter, sondern auch Satz- bzw. Ausdrucksweise typisch bleiben sollten.

Ich habe das Buch geschrieben, „wia ma da Schnobe gwoxn is“, wie man auf Lungauerisch sagt, und was nichts anderes heißt, als, ich erzählte frei von der Leber weg. Daß dabei natürlich original verwendete Ausdrücke einflossen, die dem „schönen“ Deutsch nicht angenehm sind, ist mir klar, und ich bestreite das auch gar nicht.

Mir war aber die Originalität wichtiger als ein gepflegtes Deutsch. So habe ich nicht nur viele Dialektwörter (die ich immer in Klammern übersetzte), sondern auch Phrasen und ganze Sätze „original“ geschrieben und belassen, soweit sie aus meinem Gedächtnis so entsprungen sind.

Was das Fotomaterial betrifft, wird der Leser streckenweise nichts finden. Das ist einfach erklärt. Die Hochzeitsfotos wurden vor 1950 nur von Fotografen gemacht. In den 40er Jahren fotografierte mein Onkel, von dem die Bilder aus dieser Zeit stammen. Ab 1958 hatte ich meine eigene Rollfilmkamera und später eine Kleinbildkamera.

Von da an brachte ich „meine“ Fotografien ein. Dazwischen gab es niemanden, der fotografiert hat, daher auch kein Bildmaterial, und ich wollte keine „fremden“ Fotos hereinnehmen, die zu meinen persönlichen Erzählungen gar nicht gepaßt hätten.

Der Verfasser

Der Anfang

Das Gut am Rain war im Besitz der Herrschaft Kuenburg in Tamsweg (bis 1538 nachweisbar).

1708 erkaufte sich offensichtlich ein Vorfahr die vorhandenen Rechte, damit der Besitz auf ihn überginge. Mehr Rechte wurden nicht erworben bzw. konnten nicht erworben werden, denn die Dienstbarkeit scheint bei den früheren Besitzern immer mit gleichen Beträgen auf (bis 1538 zurück).

Wertangabe: 740 Gulden (sehr vage umgerechnet: öS 260.000,– oder ca. € 20.000,–) Verkehrswert

Dienstbarkeit 1 Gulden, 4 Kreuzer

Robot 20 Heller

Siedlgeld 4 Heller

Schreibgeld 2 Heller

Total 1 Gulden, 4 Kreuzer, 26Heller – Abgabe an Kuenburg

Freistift – relativ wenig Rechte

Nebenbei: Schreibweise von Tamsweg: im Jahr 1645 Thambsweeg oder Tamathall (Thomatal), 1608 Thämbsweeg.

Ein Nachfahre mußte im Jahre 1885 bereits eine große Summe Geld aufnehmen, um eine ordnungsgemäße Übergabe zu gewährleisten, also lasteten schon beträchtliche Schulden auf dem Hof, die es dem neuen Besitzer nicht leicht machten.

Während des 1. Weltkrieges und danach, als sich Österreich wirtschaftlich kaum erfangen konnte, und als Ende der 20er Jahre noch die Wirtschaftskrise aus Amerika herüber schwappte, setzte auch das große Bauernsterben ein.

Wie auch immer, jedenfalls ging es nicht mehr weiter, auch die Preise für Vieh und andere Waren, die die Bauern verkaufen konnten, waren sehr schlecht. Jüdische Viehhändler beherrschten den Markt, und die drückten die Bauern mit den Preisen, wo sie nur konnten. „Das geb ich dir und keinen Groschen mehr“, so erzählte der Vater, als er einmal eine Kuh vor dem Krieg verkaufen mußte, und der gebotene Preis war niedriger, als man überhaupt wahrhaben wollte. Aber die Händler wußten genau, an andere Bauern konnte er nicht verkaufen, weil die kein Geld hatten, der Vater mußte verkaufen, weil er Geld brauchte, und die Situation wurde schamlos ausgenützt.

Dem Gut am Rain ging es immer schlechter. Gründe wurden verpachtet. Die Pachtbauern verwendeten die guten Gründe als Etz (Weide), und so wurde das Gut natürlich noch mehr herabgewirtschaftet.

Die Besitzerfamilie durfte im Haus bleiben, hatte noch ein paar Kühe und Hühner und das Gachtl (Gemüse- und Krautgarten), um gerade zu überleben. An der Peripherie wurden die einmähdigen Wiesen und Waldstücke verkauft, soweit man sie als solche bezeichnen konnte. Einige Stücke wurden sicher schon vorher verkauft. Die Felder waren so heruntergekommen, daß bereits Sträucher und Fichten darauf zu wachsen begannen.

Dann kam ein neuer Abschnitt

1937 im Herbst kaufte mein Großvater väterlicherseits (Lessach) für seinen einzigen Sohn (mein Vater) das Sachl (den Hof). Der Preis ist unbekannt – es wurden keine Dokumente dazu gefunden. Und im Jahr 1938 übergab er das Sachl an seinen Sohn.

Mein Vater war nicht besonders glücklich, er wäre viel lieber Roßknecht und Kutscher bei der Gräfin Szapari, die zur Zeit die Burg Finstergrün in Ramingstein besaß, geworden. Aber sein Vater lehnte den Wunsch kategorisch ab mit der Begründung, ein Bua muaß a Sachl hobn, also für einen Sohn sei ein Besitz verpflichtend – wohl auch aus der Geschichte verständlich.

Schließlich waren die Streiks der Arbeiter, die um mehr Rechte kämpften, noch in guter Erinnerung.

Es wurden ja die Gewerkschaften formiert, um die Arbeiterschaft zu einigen und zu starken Partnern gegenüber der Industrie zu machen. Aber allgemein wurden sie nur Proleten genannt – es gehörte sich einfach nicht, auf die Straße zu gehen und zu revoluzzen, das war Sandlervolk, das nicht arbeiten wollte. Und in den schlechten Zeiten in den 20er Jahren (in der Wirtschaftskrise) kamen zu den Bauern genug Walzinger (Arbeiter, die übers Land zogen), um Arbeit zu finden oder wenigsten etwas zum Essen zu erbetteln). Mein Vater erzählte oft genug davon, daß manchmal kaum ein Tag verging, wo nicht einer oder gar mehrere seinen Heimathof besucht haben – also es muß ihm ganz schön unter die Haut gegangen sein.

Die Vorbesitzer (meiner Heimat) waren bereits ausgezogen, die Kinder arbeiteten bei verschiedenen Bauern als Knechte und Mägde.

1938 übernahm mein Vater den Hof und machte sich gleich an die Arbeit, viel Arbeit. Es wurde erzählt, daß das Haus kaum zu heizen gewesen wäre, denn überall wehte der Wind durch die Spalten und Ritzen. Im Winter bildete sich manchmal eine kleine Schneewächte unterhalb der Bank in der Küche, die an der Außenwand stand. Es war normal, daß das Gsoachat (der Urin, es war noch immer der Kachel – Nachttopf – üblich) in den Wintermonaten am Morgen gefroren war. Der Nachttopf stand ja im Schlafzimmer jeweils unter einem Bett. Ja, wenn man scheißen mußte, gab es zumindest für die Burschenzimmer manchmal eine Vorrichtung – eine Art Rinne, wo man hineinmachte und das Häuferl dann mit einem Stecken hinaus schubste, wo es draußen auf den Misthaufen hinunter fiel. Beim Brunzen ging es für die Männer wesentlich einfacher. Wie die Menscha (die Mädchen) das machten, weiß ich nicht, dergleichen wurde nie erzählt, aber wahrscheinlich in den Kachel (Nachttopf), der in der Früh dann eben ausgetragen wurde. Der Geruch war sicher erträglich – ich erwähnte ja schon die zugigen Räume.

Also sofort machte sich der junge Bauer, mein Vater (er war 26 Jahre alt), daran, ein neues Bauernhaus zu bauen. Während des Winters 1938/39 wurden schon die behördlichen Sachen erledigt, was angeblich relativ leicht war. Österreich gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, Hitler marschierte ja am 13. März 1938 in Österreich ein, und das Land hörte als eigenständiger Staat zu bestehen auf – es war die Ostmark für das Deutsche Reich, für das 1000-jährige Reich unter dem Regime des Nationalsozialismus. Wohl aus den Erfahrungen des 1. Weltkrieges heraus ordnete Hitler an, daß alle Bauern, sofern sie einen ordentlichen Bauernhof bewirtschafteten oder eben wieder aufbauten, nicht zum Militärdienst brauchten, nicht zum Parass mußten, wie der Vater sagte.

Es wurden die teilweise hochverschuldeten Höfe entschuldet, günstige Kredite für die Neuanfänger bzw. den Wiederaufbau eines herabgewirtschafteten Gutes gewährt. Die Juden gab es nicht mehr, die die Bauern aussaugten wie Blutegel.

Hitler setzte auf eine gut funktionierende Landwirtschaft, die vollkommen in der Lage war, das Volk und die Soldaten im Krieg zu ernähren, damit im Krieg, der wohl schon geplant war, nicht von innen her Versorgungs- und Hungerprobleme entstünden (wie es eben im 1. Weltkrieg der Fall gewesen war).

Zurück zum Hof, das alte Haus wurde stehengelassen, das neue Haus wurde einfach vorne daran gebaut, also einfach um die Hauslänge weiter nach vorne versetzt. So konnten alle Leute noch im alten Haus wohnen.

Vom alten Haus gibt es eine Zeichnung, die jedenfalls vor 1938 entstanden sein muß.

Hausbau

Der Vater legte eine Seilbahn vom Hof hinunter zur Mur an, wo der Sand heraufgeseilt wurde.

Steine wurden von den Feldern geholt, nur Zement, Kalk und Mauerbinder mußten mühsam mit Pferdefuhrwerken den noch alten Weg heraufgeschunden werden. Eine Heuwagenladung von 400 kg Baumaterial war schon eine große Schinderei für das Pferd, und das mußte alles von Tamweg, vom Baumeister, geholt werden.

Kein Bagger, kein Kran standen beim Bau – alles wurde mit Schaufeln und Krampen bearbeitet.

Der Kelleraushub, der ja nicht soviel war, weil er ja ohnehin tiefer lag, wurde alles händisch herauf geschaufelt, wo jetzt die Küche, der Gang in den Stall und das Bad (ursprünglich Speis) sind.

Die Stützmauer wurde aufgestellt, somit konnte der Aushub einfach heraufgeschöpft werden.

Die Holzpfosten wurden daraufgelegt und der Küchenboden – einfache Holzbretter – wurde darauf verlegt. Der Kellerboden wurde schließlich betoniert mit Ausnahme des Kartoffelkellers, wo man den Erdboden beließ für die Lagerung der Erdäpfel und Zuckerrüben. Das Haus wurde im Jahr 1939 so weit fertig, daß es bewohnt werden konnte.

Der Vater hat auch erzählt, daß er immer schon um 4 Uhr in der Früh im Stall stand, um die Pferde und Rinder zu füttern, damit er um 6 Uhr schon am Bau sein konnte. Feldarbeit wurde nur das Wichtigste gemacht, es war ja nicht viel vorhanden. Der spärliche Graswuchs auf den Wiesen war leicht zu mähen, noch mit den Sensen damals, und auch die Heuernte ging bei der geringen Menge schnell vonstatten.

Aber natürlich begann der Vater gleich schon mit Umackern, um Getreide (Winterroggen, Gerste, Hafer und später auch Weizen), Erdäpfel und Zuckerrüben anzubauen, damit die Selbstversorgung weitestgehend gesichert war.

Dazu kam noch, daß seine Mutter sehr krank war, sie starb am 26. August 1939, angeblich schon in der jetzigen Stube im neuen Haus. Sie soll sehr lästig gewesen sein, ständig hat sie nach dem Buam geschrien, ihm dann vorgehalten, daß er sich einen Dreck um sie kümmere, aber er hatte ja so viel Arbeit am Bau. Die Helfer, Maurer, Zimmerer durften nicht aufgehalten werden – alles kostete Geld und Zeit.

Abgesehen davon, daß das Haus noch nicht verputzt war, war das Wohnen im Winter 39/40 schon etwas komfortabler, damit meine ich, nicht mehr in zugigen Räumen zu wohnen. Elektrisches Licht gab es noch nicht, man mußte mit Petroleumlampen auskommen, Wasser wurde von der kleinen Quelle, die vor dem Haus vorhanden war, in einem Bassin aufgefangen (das Bassin war etwa dort, wo jetzt die Autogarage ist) und von dort mittels Leiherpumpe sowohl in den Brunntrog hinter dem Stall als auch in die Küche gepumpt – ich kann mich noch vage erinnern an diese Leierpumpe, die dort stand, wo jetzt das Waschbecken in der Küche montiert ist. Es gab nur diese eine Leierpumpe in der Küche – ein Hahn wurde umgelegt, dann wurde das Wasser in den Stallbrunnentrog umgeleitet, ansonsten wurde das Wasser in die Küche geleiert. Der gemauerte Herd hatte einen Gronta (einen eingemauerten Kupferkessel im Aufsatz), der mußte immer mit Wasser aufgefüllt werden, und so hatte man auch immer warmes Wasser zur Verfügung, sofern der Herd geheizt wurde. Aber der Küchenherd wurde sowieso immer geheizt, denn es mußte ja gekocht werden, und die Küche war vorerst wohl der einzige warme Raum im Haus.

Im Jahr 1940 wurde dann das alte Bauernhaus abgerissen und an dessen Stelle das Stallgebäude neu gebaut, direkt angebaut an das Wohnhaus in derselben Flucht zurück, etwa dieselbe Größe wie das Wohnhaus.

Zu diesem Zeitpunkt konnten höchstens 7–8 Stück Rindvieh, eine Ferkelsau (Muttersau) und 1–2 Mastschweinderln, die zu Weihnachten und zu Ostern geschlachtet wurden, gefüttert werden. Einige Hühner und Gänse versorgten die Bauernfamilie mit Eiern und Federn für die Bettwäsche, und ein paar Katzen paßten auf, daß nicht die Mäuse alles wegfraßen.

Oberhalb des Stallgebäudes wurde logischerweise die Tenne und die Hüdang (oberhalb der Tenne der Dachraum) aufgesetzt, wo das Heu und Getreide gelagert wurden.

Wer war zu diesem Zeitpunkt auf dem Hof?

Mein Vater, sein Vater (mein Großvater – väterlicherseits) und bis Ende August 1939 noch Großvaters Frau Rosina. Später noch teilweise eine Tante mütterlicherseits, die Gretl (1942/43/44) und ab etwa 1941 ein lediger Sohn eines Onkels, der Willi.

Später, als der Krieg ausgeweitet wurde, kam auch einmal ein Kriegsgefangener dazu (angeblich ein Polak, ein Pole, dessen Name ist mir nicht bekannt), der in die Familie integriert wurde – bei allen Arbeiten mithalf und am selben Tisch mit der Familie die Mahlzeiten einnahm, so wurde mir erzählt.

Als die größte Bautätigkeit vorüber war, hatte mein Vater auch Zeit für die Liebe. Aber nicht daß er viel Lust hatte zum Fortgehen, nein, gleich beim Nachbarn war eine Dirn, eine Tochter des früheren Bauern (vom Heimathaus).

Es war sicher eher eine praktische, wirtschaftlich notwendige Heirat, vielleicht war auch die Überlegung dabei, daß jemand wieder auf den Hof komme, der sich auskannte, schließlich war der Vater ja neu in diesem Dorf, und auf einen Bauernhof gehörte eben eine Bäuerin.

Wie ich mich erinnere, äußerte sich Mama über ihren Ehemann nicht unbedingt positiv. Z. B. sagte sie, sie habe sich vor dem Standesamt geschämt, als mein Vater bei der Frage nach der Schulbildung angab, er sei in der 4. Klasse Volksschule ausgestanden. Nun, lesen und schreiben konnte mein Vater, wenn auch das Schreiben eine Seltenheit war. Aber dieser „Frust“ der Mama zog sich durch die ganze Ehe, denn immer wieder ließ die Mama ihre Abschätzigkeit gegenüber meinem Vater spüren und spielte so ihre vermeintliche Überlegenheit mit ihrem Dickschädel aus. Mein Vater behauptete sich mit überragendem Fleiß und Einsatz, mit mehr zwischenmenschlicher Erfahrung und auch Weltoffenheit und, wenn notwendig, auch mit einem überlaut starken Streiten und Fluchen. Die Mama konnte allerdings auf 8 Jahre Volksschule verweisen, und sie war natürlich gescheit. Ich erinnere mich, als wir später zur Schule gingen und die Schreibschrift „Latein“ schrieben, bemühte sie sich sehr, auch diese fließend schreiben zu können. Schließlich hatten meine Eltern die Kurrentschrift in der Schule gelernt. Von der Mama lernte ich aber auch Kurrent schreiben.

Sie einigten sich und am 21. Juni 1941 wurde geheiratet. Wenn ich mich recht erinnere, hat Hitler genau an diesem Tag Rußland den Krieg erklärt – also der Krieg wurde ausgeweitet. Zumindest vorerst wurden die Bauern noch in Ruhe gelassen, aber als dann die deutsche Armee im Winter 41/42 den schnellen Vormarsch nicht mehr fortsetzen konnte und mit den ersten Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, wurde vorsichtshalber auch auf die Bauern zurückgegriffen.

Jedenfalls mußte mein Vater schon im Frühjahr 1942 die Grundausbildung zum Militär machen, Vorsichtsmaßnahme – wie es hieß. Dazu mußte er nach Grafenwöhr (in der Nähe von Erlangen in Deutschland) fahren. Sie dauerte nicht lange, ich weiß es nicht genau, aber ich glaube, kaum 2 Monate. Im Sommer war er wieder zu Hause, einige Monate.

Der Krieg wurde immer brenzliger, man brauchte mehr Soldaten, und so wurden auch die Bauern, nachdem die wichtigste Sommerernte vorbei war, einberufen.

Bereits Ende August ging es los, ab in ein Sammellager nach St. Marein im Mürztal. Dann wurden die Rekruten nach Göss bei Leoben überstellt, um auf den Abtransport an die Front zu warten. Die Ehefrau (meine Mutter) reiste mit, um ihren Mann zu verabschieden. Aber da sich die Mama allein nicht reisen traute, sie ja kam vorher nirgends wohin (außer zu Fuß nach Tamsweg zur Schule und Kirche), fuhr auch ihre Schwester mit, damit sie sich nicht zu fürchten brauchte. So erzählte mir meine Tante. Der Vater und die Mama konnten sich ein Zimmer im „Bahnhofshotel“ in Leoben nehmen (Vater bekam Kurzurlaub), und für die Tante war kein Zimmer mehr frei. Sie wartete am Bahnhof in Leoben, bis ihr um etwa Mitternacht der Bahnhofsvorstand sagte, daß ein Zimmer frei geworden wäre, und so konnte sie den Rest der Nacht im Hotelzimmer verbringen. Und laut meiner Tante sei ich damals wohl gezeugt worden.

Kriegszeit

Der erste Militäreinsatz war in Norwegen – Ausbildung zum Hochgebirgsjäger. Der Vater erzählte nicht viel von dieser Zeit, nur daß die Lebensmittelrationen sehr knapp gehalten worden seien. Oft nur eine Dose Fisch und ein Stück Brot pro Tag oder eine Tafel Schokolade (aber die mochte er trotz Hunger nicht, und wenn er als Ration Schokolade bekam, tauschte er sie immer gegen Fisch).

Nach etwa drei Monaten gab es Heimurlaub, und nach drei oder vier Wochen Urlaub ging es wieder ab Richtung Norwegen, aber nur bis Hamburg. Dort wurden die Hochgebirgsjäger von Norwegen umgeleitet nach Rußland, nach Leningrad.

Er bekam die ganze Zeit keinen Urlaub, bis Ende Mai 1943 das Telegramm kam: „Sohn geboren, Bruder gestorben“. Für den verstorbenen Bruder gab es natürlich keinen Urlaub, der war schon weg und wertlos, aber ein geborener Sohn, Stammhalter und Mitglied des Deutschen Volkes, war natürlich schon eine Freude, und nur aus diesem Grund wurde ihm sofort ein Heimurlaub zugesprochen. Mein Vater war reisefertig, den Urlaubsschein in der Tasche – am nächsten Tag zeitig in der Früh sollte es losgehen, mit dem Zug ab in die Heimat – nach fast einem halben Jahr. Jedoch in der Nacht fand ein Angriff der russischen Armee statt – Alarm –, alle Urlaube wurden gesperrt, die geborenen Söhne vergessen. Auf zum Kampf. Mein Vater war Sanitäter und wurde logischerweise an der Front gebraucht.

1943 geriet die deutsche Armee schon in ordentliche Schwierigkeiten in Rußland, Stalingrad war verloren, mehr als 100.000 Gefangene mußte sie hinnehmen. Kein Urlaub die ganze Zeit.

Erst zu Weihnachten 1943 kam mein Vater wieder heim – ein volles Jahr war er weg gewesen, er sah mich in der Wiege sitzen, bereits 7 Monate alt. Als er mich aufheben wollte, soll ich geschrien haben, ich hatte ja Angst vor dem Mann, den ich noch nie gesehen hatte, in Soldatenkleidung. Wie bald mein Vater mich wieder in die Arme nehmen konnte, weiß ich nicht, davon hat er nie erzählt.

Mein Vater war bis zum Kriegsende dabei, wurde dreimal verwundet und konnte nach dem Lazarettaufenthalt jeweils den Heimurlaub genießen und das jeweils um die Winterszeit. Auch am Kriegsende hatte er Glück. Seine Kompanie war im Rückzug von Weißrußland, über Rumänien, durch Jugoslawien, wo ein mörderischer Partisanenkrieg herrschte. Dort wurde mein Vater wieder verwundet und kam ins Lazarett (so kam er zum Teil dem schmutzigen Partisanenkrieg aus), und als er wieder gesund war, war die Ostfront gänzlich zusammengebrochen.

Der Krieg war noch nicht vorbei, er mußte nochmals einrücken, nach Saalfelden, als Ersatz. Dort wurde wieder für den „Endkampf“ ausgebildet von jungen Ausbildern, die nie an der Front waren, mußten sich die fronterfahrenen Soldaten herumkommandieren lassen (hinlegen, robben, vorwärts). Daß das dem Vater die letzten Nerven kostete, versteht sich von selbst. Er sagte zu sich, im Einvernehmen mit vielen anderen Kameraden, entweder wir erschießen diese Kerle, oder wir hauen ab, letzteres taten sie auch. Von Saalfelden flüchtete er zu Fuß über den Tauern nach Tamsweg (meistens in der Nacht, denn es fuhren ja dauernd die Militärfahrzeuge – zuerst noch Deutsche, aber dann auch schon Amerikaner). Er schaffte es, und als er zu Hause war, war der Krieg vorbei, und er mußte nicht mehr ins Gefangenenlager der Amerikaner nach Salzburg, wo wieder viele, viele Soldaten auf die Entlassung warten mußten, und das dauerte Monate, bis die Amerikaner alle registriert hatten. Es gab kaum was zu essen, der Hunger soll groß gewesen sein (das hat mein Onkel erzählt, der diese Zeit mitmachen mußte). Aber der Vater war nicht mehr dabei. Aber über Vaters Militärgeschichten schreibe ich in einem gesonderten Kapitel, jetzt bleibe ich zu Hause mit meinen Erzählungen.

Während des Krieges ging am Hof die Arbeit voran, mit viel Arbeitseinsatz, aber wie ich hörte, wurde noch sehr umständlich gearbeitet. Der Großvater schaffte an, er vertrat seinen Sohn als Bauer.

Z. B. bei der Heuernte mußten alle zusammen helfen, die einachsigen Leiterwagen aufs Feld zu schieben, auch im oberen Feld, ganz hinauf. Das Heu wurde zusammengeheut (mit Holzrechen, die man selber fertigte), und mit Holzgabeln wurde dann das Heu, das zu einem Heuschlag zusammengeschlagen war, auf den Leiterwagen aufgeladen. Einer mußte Fuder machen – die einzelnen Gabelportionen mußten genau geschlichtet werden an den Ecken und Rändern, und immer mußte auch dazwischen wieder eingelegt werden, damit der Halt gegeben war. War das Fuder groß genug, kam der Fuderbaum drauf – vorne am Goslatz (am Heuwagen ein vertikal befestigtes Brett mit Löchern) aufgesteckt – und der Goslatznagel, der in eines der Löcher am Goslatz eingesteckt wurde, hielt den Fuderbaum fest, und mit dem Heuseil an der Rückseite wurde nach einem bestimmten System festgezogen. Erst dann, wenn alle verfügbaren Loatagochn (Leiterkarren) voll beladen waren, wurden die Kühe eingeweddet – das Joch aufgesetzt und mit dem Jochream (Jochriemen) festgebunden –, und damit wurden dann die Heufuder entweder zur Heuschupfen oder damals noch meistens in die Tenne, oberhalb des Stalles, gebracht. Da es ja steil bergab ging, mußte eingeschliffen werden, aber die Leiterkarren hatten keine Bremsvorrichtung, so wurde einfach ein Hiefler (starker Holzstecken) in die Speichen gesteckt, damit ein Rad oder manchmal beide Räder blockierten. Das verursachte zwar manchmal tiefe Furchen in der Wiese, aber anders ging es nicht.

Pferde waren zu diesem Zeitpunkt keine mehr am Hof, die Bautätigkeit war vorbei, und für das bissel Landwirtschaft waren Pferde nicht rentabel. Somit mußten Kühe, jeweils im Doppelgespann, die Zieharbeit erledigen. Aber damit sie nicht zu sehr an Milchproduktion verloren, wurden sie eben auch geschont. Nicht Heuwagen den Berg hinaufziehen, nicht bei heißem Heuwetter auf den Wiesen herumstehen müssen und den bösen Attacken der Bremsen ausgeliefert sein. Diese setzten sich ja traubenweise rund um die Augen oder auch um After und Euter an, und das war sicher nicht angenehm. Wir Kinder wurden ja oft angehalten, wenn es so war, mittels eines abgerissenen Haselstrauchs die kleinen Bösewichte zu vertreiben. Aber wenn es zu arg wurde, sind die Kühe auch manchmal „narrisch“ worden und sind davongerannt ins Gebüsch und haben so versucht, im Gestrüpp die lästigen Viecher loszuwerden – das wurde Bisna genannt. Man half sich teilweise mit Aufschmieren von verschiedenen stinkenden Salben – eine Zeitlang wurde die Boasoim (Beinsalbe) verwendet. Irgendwoher, vielleicht von der Bauernzeitung, bekamen die Eltern den Hinweis, Knochen zu sammeln (Schweine, Rinder oder Schafe), und dann wurde der Boasalmbrenner geholt. Einer kam von Tirol, glaube ich, aber ich kann mich auch täuschen, jedenfalls machte er ein Feuerchen vor dem Hausgartl und kochte in der Glut die Knochen weich. Ob er irgendwelche Zutaten verwendete, entzieht sich meiner Kenntnis, jedenfalls stank es grauslich, und das Endprodukt war die Boasolm (Beinsalbe), eine schwarze Schmiere, die wirklich grauslich stank. Diese wurde den Zugtieren auf den Hals, unter die Augen, um den After, auf den Bauch in Euternähe geschmiert, und das hielt die lästigen Fliegen und Brenn (Bremsen) wirklich fern, aber andererseits war man ständig mit dem lästigen Gestank konfrontiert, so daß man, nachdem die Salbe aufgebraucht war, keine neue mehr produzieren ließ. Ich oder auch andere mußten fleißig mit Haselnußstauden laufend die Fliegen von den Augen vertreiben, manchmal auch den Körper, das Hinterteil abwedeln, um zumindest für kurze Zeit die Viecher zu verscheuchen.

Eine weitere Erleichterung für die Milchkühe war, daß nur bis 300 kg auf den Heuwagen aufgeladen wurden, wenn aus Tamsweg wieder ein Transport auf den Lasaberg gemacht werden mußte.

Warum bei uns nie Ochsen, wie beim Nachbarn, verwendet wurden, kann ich jetzt auch nicht beantworten.

Nachkriegsjahre

Ich war damals noch klein, daher kann ich die Geschichten nur aus den Erzählungen meiner Eltern wiedergeben. Ich kann mich an nichts mehr erinnern, als die Elektrizität eingeleitet wurde. Es muß das Jahr 1946 gewesen sein, als die Holzmasten gefällt, entlang der Trasse abgelegt und dann nach Anleitung der SAFE-Arbeiter versetzt wurden. Die Stromleitungen wurden etwa 1 ½ km weit von anderen Bauern zu uns verlegt. Das war natürlich ein gewaltiger Modernisierungsschub. Früher gab es ja nichts anderes als Petroleumlampen. Im Haus, am Tisch oder auf dem Küchenkastl stand die hohe Lampe, ich weiß nicht mehr, wie sie hieß, durch den hohen, sich verengenden Glaszylinder leuchtete sie etwas heller. Sonst wurde überall die Sturmlaterne mit Tragehenkel und geschlossenem Glaszylinder verwendet. Das Glas war noch von einem Drahtgeflecht umgeben, um es vor Bruch zu schützen.

Sommer 1945, bald nachdem Vater vom Krieg heimkam – Heimathaus – Gartenseite und von vorne

Mit dieser ist man im Stall, in die Tenn oder sonst wo im Haus herumgegangen, und sie ist eigentlich nicht ausgegangen. Zum Auslöschen mußte man einfach den Docht zurückdrehen. Das Petroleum nachfüllen war tägliches Service, und manchmal mußte natürlich der Docht erneuert werden, das hatte man im Haus auf Vorrat.

Da hat man versucht, soviel wie möglich noch bei Tageslicht zu erledigen, das war selbstverständlich.

Vielleicht mag auch das frühe Schlafengehen daher stammen, um 8 Uhr war normale Zeit, um in die Schlafstubn zu verschwinden, und die Petroleumlampe wurde ausgedreht. Es wurde natürlich nicht erlaubt, die Lampe brennen zu lassen. Petroleum war immerhin zu kaufen, und Geld war Mangelware am Bauernhof.

Sommer 1945: v. li.: Tante Gretel mit Cousin Sepp, meine Mama und ich, mein Vater, der Großvater und Willi

Es war schon eine gewaltige Erleichterung, als dann das elektrische Licht bedient werden konnte.

Ein Schalter bei der Tür, meistens noch auf Putz – Drehschalter in den wichtigsten Räumen. Beim Ins-Bett-Gehen mußte man eben aufstehen und das Licht ausdrehen und in der Finster zum Bett hintasten und hineinschlüpfen. Nachtkastl-Lamperln gab es anfangs noch nicht. Aber das war damals keine Schwierigkeit, es war ja eine enorme Erleichterung, und vor allem war es heller, auch wenn meistens noch die 15-Watt-Birnen verwendet wurden. Nur in der Küche, wo man sich viel aufhielt und mehr Licht brauchte, und auch im Stall, wo viel mehr auszuleuchten war, leistete man sich 25-Watt-Birnen. Man vergleiche mit jetzt, wo die vierfache Lichtstärke oft noch zu wenig ist.

Eine der ersten Anschaffungen, nachdem Strom im Haus war, war ein 5 PS starker E-Motor, der sofort die Antriebsarbeit für die Dreschmaschine und Kreissäge übernehmen mußte. Bis dahin wurde überall und immer der 4-Takt-Benzinmotor (4 PS) eingesetzt, der allerdings weiterhin gebraucht wurde, zum Betreiben der Seilwinde auf den Feldern. Außerdem waren dieser Benzinmotor und die Dreschmaschine (moderner Ganzputzer von Hutter & Schrantz) eine Gemeinschaftsanschaffung vom Nachbarn und uns. Bei der Dreschmaschine war das in der Regel kein Problem, beim Benzinmotor war das gelegentlich schwieriger. Ich hörte einmal erzählen, daß, wie vereinbart, der Benzinmotor bei uns gebraucht wurde, der alte Nachbarbauer zornentbrannt herüberkam, herumschrie, was uns eigentlich einfalle, den Benzinmotor zu nehmen, wo er ihn doch unbedingt brauche.

Früher konnte er sich angeblich durchsetzen, aber nun war ein anderer Besitzer da, und bei meinem Vater funktionierte das nicht mehr, sondern da mußte auch er manchmal nachgeben. Mein Vater ließ sich das nicht gefallen, und mit einem lautstarken Streit mit lautem Fluchen wurde der Nachbar in die Flucht geschlagen. Beim Nachbarn wußten sie nun, daß jetzt ein anderer Wind wehte, was das nachbarschaftliche Verhältnis beeinträchtigte, und diese schwärende Wunde zog sich viele Jahre hin.

Bei uns gab es natürlich auch eine Mühle. Es wurde ja viel Roggen angebaut, der zu Brotmehl vermahlen werden mußte, aber auch Weizen wurde verarbeitet, Gerste und Hafer mußten geschrotet werden als Viehfutter. Das alles wurde in der eigenen Mühle gemacht, die bis Ende der 40er Jahre im Grobn (beim Graben) stand. Der Graben, schon im Bundesforstgebiet gleich nach der Mühlpoint, führte genug Wasser, um die Mühle betreiben zu können. Gab es längere Zeit keinen Regen, führte er zu wenig Wasser, und dann konnte eben nicht gemahlen werden. Ich kann mich noch daran erinnern, daß der Vater einen Mehlsack, die damals lang und schmal waren, um sie bequem auf der Schulter tragen zu können, etwa 75 kg Getreide bzw. Mehl fassend, vollgefüllt mit Roggen zu Hause auf die Schulter lud und zur Mühle hinübertrug – der Weg etwa 1 km –, um ihn gleich in die Gosse zu schütten, wenn schon genug Platz dafür war. Die Mühle lief viele Stunden ohne Aufsicht, was sollte auch schon passieren, wenn die Gosse voll war und der darunter angebrachte Beutler richtig eingestellt war, um die richtige Menge an Getreide in die Mühlsteine zu lassen. Es mußte anfangs natürlich eine Zeitlang beobachtet werden, ob alles richtig eingestellt war, das richtige Beutelsieb (ein auf zwei Viereckrahmen aufgespanntes Seidengeflecht, das als Schlauch durch den Beutelkasten gespannt war, in der Mitte wurde es vom Rüttler in vibrierender Bewegung gehalten) mit der richtigen Maschengröße, um die richtige Mehlfeinheit zu erhalten. Für das Roggenmehl wurde ein gröberes Sieb verwendet als für das feine (weiße) Weizenmehl. Beutelsieb deswegen, weil es mit einer Vorrichtung an der drehenden Mühlsteinachse angespannt war, um dort über angereihte Stäbchen zu klopfen. Das schüttelte das Sieb, damit das Mehl ausgesiebt wurde, das sich im geschlossenen Beutelkasten sammelte. Der Rest (die Kleim – die Kleie) wurde vorne, außerhalb des Beutelkastens, hinausgebeutelt und natürlich ebenfalls gesammelt und zur Viehfütterung verwendet – zum Kleck (Kraftfutter) herrichten. Nun, für eine Gosse voll von etwa 80 kg Getreide mahlte die Mühle schon mindestens einen halben Tag (ich kann mich daran leider nur mehr vage erinnern). Das Wasser zum Mühlenantrieb wurde vom Bach oberhalb der Mühle aufgefangen, indem man den Graben mit Steinen so verbaute, daß ein Großteil des Wassers in den hölzernen Uasch (mittelgroße Baumstämme, mit ca. 25 cm Durchmesser, als Rinnen ausgehackt oder auch mit Holzbrettern zusammengenagelte Rinnen) einfließen konnte. Dieses rann dann etwa 100 m im Uasch zur Mühle, die tiefer unten lag, und das Mühlrad oberschlachtig antrieb, d. h. das Wasser fiel von oben auf das Mühlenrad auf, und sowohl das fallende Wasser als auch das Wassergewicht vom sich sammelnden Wasser in den Daufen trieben das Mühlrad an. Eine mächtige, hölzerne Welle übertrug die Kraft in das Innere der Mühle, wo diese mit einem Speichenrad und Holzzähnen auf die senkrecht stehende bzw. drehende Spindel übertragen wurde. Der letzte Uasch-Abschnitt war von der Mühle aus mit einem Schuber verschiebbar, um das Wasser auf das Mühlrad zu leiten oder daneben fließen zu lassen – so wurde die Mühle in Betrieb genommen bzw. abgestellt. Die Spindel drehte den oberen (leichteren) Mühlstein, dieser hatte einen Durchmesser von mehr als einen Meter, die Stärke betrug etwa 10–12 cm. Der untere, stehende Stein war gleich groß, jedoch um einiges stärker (ca. 30 cm) und mußte natürlich genau in der Waage festgekeilt werden.

Von der drehenden Spindel wurden auch der Beutler (Gosse) und das Seidensieb im Beutelkasten gerüttelt, damit das Getreide bzw. Mehl weitertransportiert wurde.

Auf dem Rückweg trug der Vater dann einen Sack Mehl oder Kleim (Kleie). Der Inhalt wurde dann gleich in die dafür vorgesehenen Truchn (Holztruhen) im Kasten – damals oberhalb der Küche im Haus – geleert.

Im Kasten, so wurde das Zimmer im Haus genannt, wurden das ganze Getreide, das Mehl und die Kleie und auch sonstiges Kraftfutter aufbewahrt. Gleich bei Tür hinein standen an der Fensterwand zwei große Truhen, die den Winterroggen faßten, gegenüber der Tür ebenfalls eine große Truhe für die Gerste (das war die nächstgrößte Menge an Getreide), gegenüber der Fensterwand standen kleinere Truhen für den Weizen und Hafer (Hafer wurde eigentlich nur als Kraftnahrung für die ziehenden Kühe und später für das Pferd verwendet). Der Weizen eben nur für das bißchen Weißmehl, was zum Kuchen-Krapfen-Gugelhupf-Backen gebraucht wurde. Eine helle Truhe hinter der Tür faßte alle Mehle: das Roggenmehl oder Brotmehl umfaßte zwei Abteilungen der dreigeteilten Truhe, und in dem dritten Teil war das weiße Weizenmehl. In der Nähe der Weizentruhe stand noch eine kleinere, die für die Kleie verwendet wurde. Später wurde dann auch Kraftfutter zugekauft, das dann in Säcken herumstand oder gar nicht mehr in den Kasten hereingetragen wurde.

Das Hin- und Hertragen des Getreides und des Mehls usw. war für den Vater sicher eine schwere Arbeit, die er bald loswerden wollte. So geschah es sehr bald, nachdem elektrifiziert worden war, daß die Mühle am Bach aufgelassen wurde und diese Einrichtung inklusive Mühlsteine in der Wagenhüttn eingebaut wurde. Die Zeferhüttn (Werkstatt) mußte weichen, sie wurde einfach vorne drangebaut.

In der Hüttendurchfahrt war dann die Mühle untergebracht. Der E-Motor ersetzte die Wasserkraft – er wurde auf den Boden der Durchfahrt gestellt und festgeklampfert. Der Antrieb erfolgte gleich auf eine große Holzscheibe, die direkt an die senkrechte Spindel befestigt war. Der Lederriemen lief somit halb gekreuzt, was ja kein Problem war. Dieselbe Vorrichtung mahlte von nun an am Bauernhof in der Hütte, angetrieben vom Elektromotor. Die Mühlhütte im Graben wurde noch eine Zeitlang stehengelassen, bis sie dann ein paar Jahre später (das Jahr weiß ich nicht mehr) abgetragen wurde. Ein Stück Geschichte war somit Vergangenheit.

Auch an die Errichtung der Wasserleitung kann ich mich nur mehr sehr vage erinnern.

Ich denke, im Jahre 1949 wurde diese gebaut – ich war sechs Jahre alt. Wenn ich in meinen Hirnfächern ganz unten krame, glaube ich mich daran zu erinnern, wie die Brunnrohre gebohrt wurden. Vor der Wagnhüttn (Heuwagenschuppen und die Mühle war auch untergebracht) standen zwei Holzböcke, darauf lagen die Lärchenstämme von 4 Metern Länge, die mittels Brunn­bohrer gebohrt wurden.

Am Anfang mußten zwei anpacken, einerseits, um den Bohrer richtig anzusetzen, und andererseits natürlich, um genau die richtige Flucht einzuhalten, damit nicht daneben gebohrt wurde. Von beiden Seiten wurde angebohrt, so waren es jeweils nur 2 Meter, die man anbohren mußte. Die Brunnbohrer sieht man manchmal noch in Museen – der Bohrdurchmesser etwa 4 cm, die Bohrerlänge eben 2 Meter und am Ende mit einem Quergriff, der fast einen Meter lang war, um die entsprechende Kraft umsetzen zu können. Manchmal ist wohl der eine oder andere Stamm verbohrt worden, d. h., man ist plötzlich daneben herausgekommen, und somit war das Rohr kaputt – dieses konnte nur mehr für Zaunstecken bzw. -stempen verwendet werden. Das Lärchenholz war hart und widerstandsfähig, und so war es auch bestens geeignet und für lang zu haltende Zaunstempen zu verwenden.

Nun, das Bohren brauchte eine geraume Zeit – es waren ja etwa an die 100 Stämme zu bohren.

Das Wasser wurde aus der Quelle vom oberen Wiesl, im Krippl, auf dem Eigengrundstück, gefaßt. Etwa 300 Meter lang war die Leitung durchs Arar (Bundesforste) bis zum oberen Teil des Gartens, das große Grundstück, das hinter dem Haus sich ausdehnt. Dort wurde das Bassin errichtet und von dort wieder etwa 100 Meter bis zum Haus, mit einem Höhenunterschied von etwa 25 Metern, also war der Druck ca. 2,5 atü.

Im Haus landete die Leitung im Keller, wo es in Eisenrohren weiterging. Am Anfang gab es nur eine Hauptleitung, die Richtung Stall verlegt wurde für den Brunntrog, und am Weg dahin wurde die Abzweigung für die Küche gemacht, wo dann der erste Wasserhahn mit selbstfließendem Kaltwasser oberhalb des Emailwaschbeckens installiert wurde, etwa dort, wo jetzt auch noch das Waschbecken ist. Ich erzählte ja schon, daß der Küchenherd einen Grondda hatte (dieser Wasserbehälter von vielleicht 70–80 Liter hatte einen kupfernen Einfülltrichter angebaut, der mit einem Kupferdeckel zugemacht wurde. Darunter befand sich der Messingwasserhahn, wo man das warme Wasser in das Häfen einlassen konnte. Der Grondda wurde immer wieder aufgefüllt, um ständig warmes Wasser zur Verfügung zu haben (zum Kochen oder zum Rasieren), gewaschen wurde selbstverständlich mit kaltem Wasser. Zähneputzen kannte ich in meiner Jugend noch nicht. Es gab wohl ein Zahnbürstl im Haus, das nur dann verwendet wurde, wenn unbedingt ein Zahndoktorbesuch angesagt war. Das galt für den Vater genauso wie für die Mutter und für die Kinder. Der Großvater ging nicht zum Zahnarzt, ich kann mich nicht erinnern, daß er auch nur einmal von Zahnschmerzen redete – ich habe ihn immer schon schachtelzohnat (mit Zahnlücken) in Erinnerung. Immerhin, Zähne reißen und plombieren kenne ich schon aus meiner Jugend.

Was geschah in den50er Jahren, abgesehen davon, daß ich in die Volksschule ging, was ich in einem eigenen Kapitel, inklusive Schulweg, beschreiben möchte.

Hausarbeit

In dieser Zeit ist die Küche einmal umgebaut worden, der Küchenherd wurde neu aufgestellt, aber nicht mehr gemauert, sondern mit hellbraunen Kacheln verkleidet. Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob zu diesem Zeitpunkt bereits das Druckschiff in den neuen Herd eingebaut wurde oder doch erst einige Jahre später ein weiterer Wasserkomfort eingekehrt ist.

Das Druckschiff wurde auch im Aufsatz des Herdes, oberhalb des Backrohres, eingebaut, aber an die Wasserdruckleitung angeschlossen. Das ermöglichte, das warme Wasser zu den Wasserhähnen zu leiten, zuerst nur in die Küche und ins Vorhaus (wo man warmes Wasser verwendete zum Händewaschen und zum Saufutter herrichten), und ich glaube, es wurde auch in den oberen Stock geleitet, um für den Großvater (fürn Votang) und für die Lena warmes Wasser zu haben. Das Bad wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht gebaut. Am Herd, der verkachelt war, sah man gar nichts vom Druckschiff, so hieß es, nur die Zu- und Ableitung führten von vorne hinein und heraus, auch das Thermometer war angebracht. So konnte man die Temperatur ablesen bzw. kontrollieren, jedenfalls war auch ein Überdruckventil angebracht für den Fall, daß sich das Wasser einmal über 100 Grad Celsius erwärmte, den entstehenden Überdruck ablassen zu können. Die Wasserhähne waren dazu noch nicht geeignet.

Die Speis war dort, wo jetzt das Bad ist, links vor dem Ausgang in den Garten.

In der Speis waren sowohl das Saufutter (etwas Kleim) und die Tränke (Küchenabfälle) gesammelt. Weiters einige Sachen für die Küche, die Butterstotze, wo sowohl Butter, aber mehr noch das Schmalz aufbewahrt wurde. Zu Ostern gab es dann die in der Buttermodl gemachten Butterstücke, die die Mama immer recht sorgfältig machte, weil sie für die Osterfeiertage bestimmt waren und an diesen Tagen auch die Weichgeher kamen. Dieser Buttermodel bestand aus vier Brettchen und einem Boden – alle waren innen mit schönen Verzierungen versehen. Die frisch gerührte Butter aus der Rüakübe wurde nochmals durchgeklascht, damit das restliche Wasser herausgeschlagen wurde, und in den Buttermodel eingepreßt, um dann ein wunderbar schön verziertes Butterstück etwa in der Größe von 15 x 8 x 4 cm zu haben. Darauf wurde ebenfalls in einem Holzmodel das Lamm, ebenfalls aus Butter, gesetzt. Das Ganze mit Butterwürstchen verziert, die aus einer dafür vorgesehenen Butterpresse mit feinen Löchern vorne produziert wurden. Die Weichbutter, wie die Mama sie nannte, gehörte fix zum Osteressen – vor allem den Weichgehern wurde sie nach dem Hauptessen (Bratl) neben den Eiern vorgesetzt.

Weiters waren in der Speis auch die großen Pfannen, Kessel, Reindln untergebracht, die man nicht täglich in der Küche brauchte. Was natürlich auch wichtig war, war die etwa 5 kg fassende, wunderschön bemalte Blechdose für den Bohnenkaffee – das war Luxus am Bauernhof, und die Mama bewahrte diese Dose mit Sorgfalt auf, es war ja teures Zeug, dieser Bohnenkaffee, und nur Besucher bekamen ihn. Das Geschirr (Töpfe und Häfen) bestand teilweise aus Steingut, aber auch aus Email.

Auch das Kochgeschirr waren Eisentöpfe, Eisenreindln, die Kupferpfanne, der Kupferkessel. Damit wurde gekocht, die standen ja in der Küche auf der Herdplatte oder in der Mitte der Herdplatte, wo mehrere Eisenringe je nach Kochtopfgröße einzeln herausgenommen wurden, um das Kochgeschirr direkt auf die Flamme zu stellen. Mit dem Schihacken (Schürhacken) wurde am Herd gearbeitet, wie gesagt, die besagten Ringe herausgenommen bzw. hineingegeben, die Glut aufgestochert und die Asche herausgekratzt. Aber zuerst mußte ja eingeheizt werden. Dazu mußte natürlich das Holz von der Holzhüttn hereingetragen werden, diese Arbeit wurde immer mehr mir aufgebürdet. Dazu kam das Spaa mochn (Späne machen), dazu mußte man ein glattes und sauber geklobenes Scheit aussuchen, um dann mit einem größeren Küchenmesser 1–2 mm dicke Späne herunterzuschneiden. Man stellte das Scheit auf einen Stuhl und das Messer, das oben richtig aufgesetzt wurde, drückte man mit beiden Händen hinunter. 8–10 Späne wurden schon gebraucht für einmal anheizen, was meistens am Morgen geschah. Nur wenn den ganzen Tag auf dem Feld gearbeitet wurde, war das Feuer endgültig aus, und man mußte auch am späten Nachmittag einheizen.

Gekocht wurde nur auf dem Sparherd (Küchenherd), einen E-Herd gab es zu meiner Zeit noch nicht. Auf den Tisch kam eben nur die Pfanne, mit der gekocht wurde, und alle aßen aus der einen Pfanne mit den Löffeln, die jeder an seinem Tischplatz verstaut hatte. Es wurde für jeden Platz eine Lederschlaufe unter der Tischplatte befestigt, wo man seinen Löffel einstecken konnte. Aber ab dem Zeitpunkt, als es den neuen Tisch gab, wurden die Lederschlaufen unter der Tischplatte abgeschafft, und das ganze Besteck wurde in der Tischlade aufbewahrt – auch die paar Schneidemesser, die man gelegentlich brauchte. Jeder, jedenfalls von den Erwachsenen, markierte seinen Löffel, damit er immer nur den seinen bekam, und nach dem Essen wurde er sauber abgeschleckt und im Hemd trockengewischt. Den Kleinkindern, die nicht zur großen, zentralen Schüssel reichten, wurde in Emailletellern serviert. Das Geschirr hielt lange, es ging auch nicht zu Bruch, wenn es auf den Boden fiel, aber der Zahn der Zeit nagte doch daran. Die Emailleteller bekamen Pletzen (das Email splitterte ab), oder die Kupfer- oder Eisentöpfe bekamen kleine Löcher, so daß Wasser oder Milch ausrann und beim Kochen das Feuer löschte. Dann wurden sie zum Klampferer gebracht. Der hatte seine Werkstatt in Tamsweg, in der Murgasse, etwa 50 m vor der Murbrücke links, wenn man vom Markt kam. Der lötete die Löcher wieder zu, und das hielt dann wieder eine Weile. Das Emaillegeschirr wurde ebenfalls geflickt – etwaige Löcher wurden gelötet, und dann wurde eine email-ähnliche Pasta aufgetragen, die das Geschirr wieder neu erscheinen ließ. Später kaufte man sich diese Paste und hielt ohne Klampferer das Geschirr schön. Für Besuche und zu Festtagen wurden schöne Steingut- oder Porzellanteller verwendet – Porzellan war also vorhanden, aber eben nur für den noblen Gebrauch.

Das Brotbacken war immer ein eigener Arbeitsgang, der bereits am Vortag begann mit dem Dampfl herrichten. In den Teigtrog (ein Holztrog von etwa 1,20 m Länge und etwa 60 cm Breite, die Seitenwände waren schräg nach außen angebracht) wurde das Roggenmehl von der Mehltruhe im Kasten geschöpft, eine bestimmte Menge, die die Mama schon wußte, jedoch mindestens halbvoll. Das Dampfl – der Sauerteig, der vom letzten Mal Brotbacken, etwa 1 kg oder etwas mehr, in der Speis aufbewahrt worden war – wurde mit warmem Wasser aufgeweicht und ins Roggenmehl gelegt. Die Teigtruhe stand zu diesem Zweck bereits in der warmen Küche, die für diesen Abend bzw. diese Nacht besonders gut geheizt war, und außerdem wurde der Teigtrog zugedeckt. Das Dampfl ging über Nacht. Am nächsten Morgen war die erste Arbeit, den Backofen einzuheizen. Dieser befand sich im Keller, unterhalb der damaligen Speis eingemauert, mit schönen gebrannten Mauerziegeln ausgemauert, auch der Boden war mit gebrannten Ziegelplatten ausgelegt.

Genau 15 St. 1 m lange, grob gespaltene Holzscheiter, die sich auf einem eigenen Stoß außerhalb der Holzhütte befanden, wurden in den Keller getragen und das Feuer angeheizt, und nach etwa zwei Stunden war das zusammengebrannt, und es war noch eine ordentliche Glut im Backofen.

In der Zwischenzeit vermengte die Mama das Dampfl mit dem Roggenmehl zum Brotteig unter Beigabe von Salz und Wasser. Dieser wurde zuerst im Trog geknetet, dann gehengelassen, nochmals geknetet und schließlich wurde eine bestimmte Menge an Teig (mind. 3–4 kg) für einen Laib herausgenommen und noch lange geknetet, dann zu einem Laib geformt und in die Brotstotzen hineingegeben. Dort sind sie wieder eine Zeitlang stehengelassen worden, um nochmals zu gehen. Dann wurde Brot eingeschossen. Die Männer mußten die Brotstotzen mit den Teigbrotlaiben in den Keller tragen. Die Mutter hatte inzwischen den Backofen gesäubert, die Glut herausgekratzt, den Boden mit einem nassen Fetzen nachgewischt.

Dann wurden mittels dem Brotschutzer die Laibe (15 St.) in den Backofen eingeschossen, also schön nebeneinander abgelegt – im Backofen hatten eben genau 15 große Brotlaibe Platz.

Das Backrohr wurde verschlossen, die Backzeit dauerte etwa 2 Std. Mit einem Holzschieber (-kratzer) wurden die Laibe dann aus dem Ofen geholt, oben naß abgewischt und in die Brotrebn geschlichtet.

Diese Brotrebn oder Brotraibn bestand aus zwei Holzstangen, an den beiden Enden mit einer Spreißel fixiert, der Abstand dieser Stangen betrug vielleicht ¼ m, im oberen Teil waren Löcher gebohrt, in die Haselnußstecken eingesteckt und im Bogen von ebenfalls ¼ m Höhe zur zweiten Stange herübergebogen und eingesteckt wurden. Der Abstand dieser Haselnußstaudenstecken war gerade so groß, daß die Brotlaibe genau hineinpaßten. Diese Brotrebn wurde im Keller unter der Decke aufgehängt, was verhinderte, daß Mäuse und anderes Ungeziefer dazukamen. Etwa 14 Tage reichte dieser Vorrat. Geriet das Brot eher trocken, oder auch in der Sommerzeit, kam es schon vor, daß die letzten Laibe große Sprünge bekamen und dann auch Schimmel ansetzten. Beim Essen bei Tisch wurden nur der Hauptschimmel weggeschnitten, aber Brot durfte natürlich nicht viel weggenommen werden, und bei schimmligen Brotstücken aßen wir alle schimmligen Reste, die in das Brot hineinreichten, mit. Später, als ich zur Schule ging und vielleicht heikler wurde und den Schimmel zu großzügig wegschnitt, bekam ich gleich einen Anschiß vom Vater: „Bua wond eh koan Hunga hoßt, gest vom Tisch, du muaßt net a so an Haufen Brot wegschmeißn.“ Wenn ein neuer Brotlaib angeschnitten wurde, was meistens die Mama machte, wurden mit dem Messer oder auch mit der Hand drei Kreuzzeichen auf der Brotlaib-Rückseite gemacht, um Gottes Segen zu erbitten. Es war auch ein Dankeschön für das Brot, das gut gelungen war und uns vor Hungersnot verschonte.

Auch das Sauabstechen oder das Schofabstechen waren spezielle Arbeiten.

Schafe gab es beim Lipler bis etwa Ende der 50er Jahre, dann gab der Vater die Schafzucht auf.

Im Sommer wurden sie aufkeacht (auf die Alm getrieben) zum Wielanderbauer in der Lignitz, wo sie auf dem Gensgitsch den ganzen Sommer mit anderen Schafen weideten. Im Herbst, etwa Mitte September, war Schofsuachn angesagt. Ich mußte auch schon mitgehen, in den letzten Schuljahren wurde ich dazu von der Schule freigebeten – freibitt). Vorher wünschte sich der Vater immer seine Branntweinsuppn (eine mit Milch, Rahm und Schnaps oder besser mit Rum angerichtete Suppe). Zeitig in der Früh fuhren wir mit dem Fahrrad in die Lignitz zum Greinmeisterbauern (Groamoasta), dort ließen wir die Räder stehen und gingen dann auf die Schafalm, auf die Gensgitsch und suchten die Schafe. Alle Bauern, die ihre Schafe da oben hatten, kamen am selben Tag zum Schofobtreibn. Man war natürlich froh, wenn man seine eigenen Schafe fand, man erkannte sie ja an der Markierung am linken Ohr mit zwei Schnitten, je einer von oben und von unten (das war die Lipler-Viehmarkierung), und trieb sie zum Greinmeisterbauern, wo das Schofschoadln (Schaftrennung) stattfand. Hatte man seine eigenen Schafe nicht gefunden, aber dafür andere, trieb man die herunter in der Hoffnung, daß ein anderer unsere Schafe gefunden hätte – meistens klappte es auch, aber manchmal fehlten auch ein, zwei oder mehr Stück.

Es gab die Möglichkeit, am gleichen Tag nochmals suchen zu gehen, wenn es noch nicht zu spät war, oder die gefundenen Schafe heimtreiben und am nächsten Tag wiederum suchen gehen. Manchmal wurden sie ganz woanders gefunden, und der Bauer steckte die fremden Schafe einstweilen in seinen Stall, und am Sonntag nach der Kirchen wurde herumgesprochen, wem Schafe abgingen – beim Bauern sowieso ständen angeblich ein oder zwei fremde Schafe.

Zu Hause blieben sie ebenso auf der Weide, diese mußte gut eingezäunt werden, weil die Schafe sonst verschwanden, und das ärgerte den Vater manchmal gewaltig, wenn am nächsten Morgen die Schafe nicht mehr auf dem Feld waren. Zaunlückensuche und dann die Verfolgung und die Hoffnung, sie bald wieder zu finden, was auch oft einen ganzen Tag zusätzliche Arbeit kostete, weil die Mistviecher oft sehr weit wegrannten, was sie ja von der Alm gewohnt waren.

Sehr bald war es Zeit zum Schafscheren. Zuerst wurden sie im Haatrog (Holztrog, wo man auch die Schweine entborstete nach dem Abstechen) gewaschen, im hausnahen Feld laufen gelassen, damit die Wolle wieder trocknen konnte, und am nächsten Tag wurde schofgscheacht (Schafe geschert). Damals gab es natürlich keine elektrische Schere. Es gab die Handschafscheren, mit denen in einer Tagesarbeit alle Schafe (ca. 15–18 St.) ihrer Wolle beraubt wurden. Vater und Mama scherten, ich mußte die Schafe fangen und zum Scherschragen bringen. Blieb das Wetter schön, mußten sie weiter auf dem Feld bleiben, wurde es aber schon kalt, was ja Ende September ohneweiters möglich war, daß es erste Rauhreife gab, wurden sie dann erstmals in den Stall getrieben. Danach gab es bald auch das Schofbratl. Es wurde gleich einmal ein Schaf abgestochen. Man war ja begierig auf Frischfleisch, das letzte Frischfleisch hatte es zu Ostern gegeben, wo das letzte Schwein geschlachtet worden war. Den ganzen Sommer über gab es nur hartgeräuchertes Trockenfleisch oder eben Speck (10 cm oder mehr dick, aber nur Fett, keine Faser Fleisch war zu sehen). Gegen Herbst hin wurde leider auch der Speck manchmal schack (schlecht – ranzig). Das schmeckte grausig, wenn der Speck ganz gelb war, aber auch hier galt die Devise, nicht zuviel wegschneiden. Es gab ja noch keine Tiefkühltruhen oder Kühlschränke. Alles wurde entweder im Keller, aber meistens im Kasten (oberhalb der Küche) aufbewahrt, wo auf den unter der Decke befestigten Stangen die Fleisch- und Speckbacken hingen. Ebenso die Würste – hm, das roch gut.

Das Schaf wurde im Stall gefangen, an den Füssen gebunden und in den Keller getragen. Dort stand der Schragen, worauf die Tiere geschlachtet und ausgeweidet wurden. Darauf wurde das nicht betäubte Schaf gelegt und mit einem spitzen Schlachtmesser (ein gut schneidendes Küchenmesser) die Halsschlagader durchstochen, bis es ausgeblutet war. Ich regte mich ein paarmal auf, warum man die Schafe nicht vorher betäubte wie die Schweine. Darauf antwortete der Vater, daß die Schafe geduldige Tiere seien und das leicht aushielten.

Es wurde gehäutet und ausgeweidet und verarbeitet. Zuerst gab es immer das Blutgröstl, aber dann bald auch das erste Schafbratl. Wenn es gut zubereitet war, war das schon immer ein Lichtblick im eher eintönigen Essen über den Sommer. Das Schaf wurde bald aufgegessen, manchmal wurde sogar noch ein zweites abgestochen, so daß es bis Weihnachten wenigstens Schöpsernes gab. Zu Weihnachten wurde dann ja ein Schwein geschlachtet.

Im Lungau gibt es den Brauch vom Schofaufbratln, wo die Schafbauern abwechselnd ihre Nachbarn einladen zum Schofaufbratln mit Bier, was immer ein lustiges und geselliges Zusammensein war.

Etwas anders verlief das Sauabstechn. Das vorgesehene, gemästete Schwein wog gegen Weihnachten hin manchmal schon an die 150 kg. Für Ostern wurde meistens eine noch ältere Sau mit 200 kg und mehr mit viel Speck geschlachtet, damit über den Sommer viel Speck vorhanden war. Erst in den späten 70ern und in weiterer Folge schlachtete man die Mastschweindln schon mit 90–100 kg, um ein gutes und zartes Fleisch zu bekommen.

Im Stallgang wurde sie mit einer Hacke (Rückenteil) oder Schlögel erschlagen (betäubt) und an Ort und Stelle gestochen, was mehr oder weniger gut gelang. Nachdem die Sau tot war, wurde sie in den Garten gezogen und in den Haatrog gelegt, mit heißem Wasser benetzt, mit Kolophonium (Saupech) eingerieben, überall, kein Fleckchen durfte übersehen werden. Danach wurde kochendheißes Wasser in den Trog geschüttet, so daß die Sau halb unter Wasser lag, und dann mit Eisenketten, die zuerst schon unter den Saukörper gelegt worden waren, abgeriffelt, so daß die Sauborsten sich lösten. Das ging ganz flott bis auf die Stellen, wo man mit der Kette nicht hinkam. Dann wurde das Wasser ausgeschüttet, die bereits fast nackte Sau auf den Schragen gehoben und mit scharfen Messern oder auch Rasiermessern sauberrasiert. Wenn diese Prozedur fertig war, wurde sie ausgeweidet. Anfangs, kann ich mich noch erinnern, hat der Vater das immer am liegenden Schwein auf dem Schragen gemacht.

Später, als ich in der Landwirtschaftsschule auch das „richtige“ Schweineschlachten lernte, wurde sie hängend am Schragen aufgearbeitet, d. h., der Schragen wurde aufgestellt, so daß die Sau schräg herunterhing – auch das Stechen war erfolgreich, wie ich es lernte, trotz wütendem Protest seitens der Mama, daß es so nicht ginge, so hätten wir das nie gemacht, das würde sowieso nichts usw., aber die Sau blutete schneller und besser als je zuvor. Das waren kleine emotionale Triumphe für den heranwachsenden Buam. Herkömmlich stach man in die Halsschlagader, also im rechten Winkel in den Hals. Ich lernte, mit dem spitzen Stechmesser von der „Grube“, die sich bei angehobenem Vorderfuß bildete, in Richtung Herz zu stechen. Der Erfolg war jedenfalls sehenswert, denn das Blut schoß in großem Strahl heraus und es dauerte auch nur kurz, bis sie ausgeblutet war. Früher war das ein Rinnsal, und öfters wurde mit dem Messer noch „nachgerührt“, um doch die Schlagader ganz zu treffen bzw. zu zerschneiden. Das Blut wurde unter ständigem Rühren in einer Pfanne aufgefangen, und davon gab es Blutgröstl und auch Blutwürste.

Die Folgearbeit beschäftigte uns (am meisten die Mama) über Tage hinweg. Die Därme wurden gereinigt, die für Brat-, Leber- und Blutwürste verwendet wurden. Das Brat wurde hergerichtet, dann wurde gewurstet. Anfangs wurde der Fleischwolf noch per Hand gedreht, sowohl für die Zerkleinerung als auch für die Darmbefüllung. Von der Sau wurde der Speck abgelöst und eingesalzen, ebenso das Fleisch, das Bratl. Eingesalzen wurde in einem Holzfaß, wo die mit Salz eingeriebenen Fleischstücke fein säuberlich hineingeschlichtet wurden – sofern nicht genug Flüssigkeit vorhanden war, mußte man Wasser dazugießen, damit das Fleisch ständig unter Wasser (Luftverschluß) stand.

Später wurde manchmal Pökelsalz verwendet – das brachte mit sich, daß das Fleisch eine schöne rote Färbung bekam (vor allem für das österliche Weichfleisch wurde das angewandt), das Pökelsalz wurde aber nicht für den Speck verwendet. Nachdem alles Fleisch im Holzfassl war, wurde mit Brettln zugedeckt und mit Steinen beschwert, oder die neueren Fässer hatten bereits eine Holzschraubvorrichtung zum Pressen. Wichtig war jedenfalls, daß das Salzwasser darüber stehen mußte, sonst wurden die herausstehenden Stücke schlecht.

Nach etwa drei Wochen Surzeit wurde alles in die Selch gehängt. Anfangs befand sich die Selch im Dachboden, angeschlossen an den Kamin der Küche, wo mit einem Schuber der Rauch eingelassen wurde. Während dieser Zeit mußte man mit dem Heizen etwas aufpassen, nicht zu viel, damit der Rauch nicht zu heiß wurde, aber auch kein harziges Holz durfte verwendet werden, am besten waren Laubholzscheiter und das speziell von Erlen. Leider war nicht immer genug Erlenbrennholz da, so mußte man andere Laubholzscheiter verwenden. Diese Selchart brachte mit sich, daß die Speck- und Fleischstücke ganz schwarz und rußig wurden, aber geschmacklich waren sie sehr gut.

Erst später wurde eine eigene Selch im Keller unten gebaut, die eigens geheizt werden mußte. Das Fleisch wurde schön braun, aber geschmacklich war es weniger gut.

Alltagsessen

Was gab es wochentags zu essen? Für die Feiertage habe ich das später ausführlich beschrieben, aber die Kost für die Wochentage versuche ich hier in Erinnerung zu rufen. In der Früh gab es täglich anfangs die Schottsuppe, später dann Milch, worin Brot eingebrockt war. Der Brotlaib wurde unterm Arm genommen und mit dem Küchenmesser wurden Brotschnipsel heruntergeschnitten und gleich in die Suppenschüssel fallengelassen, etwas Salz drauf und dann die heiße, meistens aufgekochte Magermilch darauf geschüttet. Die Vollmilch kam vom Stall direkt in die Michmaschin (Milchzentrifuge) und wurde obadraht (zentrifugiert), somit gab es Rahm und Magermilch. Die Magermilch wurde eben in der Küche verwendet, und der Rahm wurde aufbewahrt, und meistens nach einer Woche war genügend beisammen, um zu Rüang (Butter-rühren). Bis Ende der 50er wurden die Rührkübel noch immer mit der Hand gedreht (ca. 1 Std.), bis es Butter und Rüamich (Buttermilch) gab. Die Butter wurde auch in der Küche verwendet bzw. bei größerer Menge gleitacht (Schmalzerzeugung) oder auch verkauft. Die Buttermilch, aber auch die Magermilch waren für die Küche und der Überschuß für die Schweinefütterung vorgesehen. Zu meiner Zeit wurde noch keine Milch abgeliefert, weil kein Fahrzeug zufahren konnte.

Nach der Brocknsuppen gab es regelmäßig das Koch. In der Kupferpfanne wurde Milch heiß gemacht, etwas gesalzen, Weizenmehl eingerührt, bei mäßiger Hitze leicht anbrennen lassen (Obrenn) und dann entweder Schmalzstücke oder Butterstücke in das heiße Koch gesteckt, das langsam schmolz. Die heiße Pfanne wurde auf den Pfannhauser auf den Tisch gestellt, und alle aßen mit Löffeln aus der Pfanne. Es war klug, in der Nähe eines Butter- bzw. Schmalzstückes ein Loch ins Koch zu graben, damit die geschmolzene Butter in deine „Grube“ rann, damit war das Ganze etwas schmieriger, und das hat man ja wohl gebraucht, sowohl vom Geschmack als auch nährstoffmäßig.

Um etwa ½ 10 Uhr gab es die Jausn, entweder wurde sie aufs Feld nachgetragen, oder man ist ins Haus gegangen. Fast immer Speck mit Brot und zum Trinken oft nur Wasser, gelegentlich Saft bzw. selbstgesottenes Bier, sofern daraus etwas geworden war. Zu Mittag sind wir eigentlich immer ins Haus gegangen. Beim Lipler gab es keine Essensglocke am Dach, daher mußte die Taschenuhr vom Vater den Zeitpunkt zum „Essn gea“ anzeigen. Beim Nachbarn Michein gab es die Essensglocke, die dann geläutet wurde, wenn das Essen fertig war, wobei die Hausfrau (Bäuerin) die Gehzeit mitberechnen mußte, die die Leute vom Feld nach Hause brauchten, und das konnte manchmal bis zu einer ½ Std. sein.

Zu Mittag gab es doch Verschiedenes, aber meistens eine Fleischsuppe mit Knödel oder auch Speckknödel, Leberknödel seltener. Danach gab es Geselchtes oder auch getrocknetes Fleisch, das im Kasten (oberhalb der Küche auf Stangen hängend) aufbewahrt wurde, dazu meistens Krautsalat, Sauerkraut, Rohnen, gelegentlich auch anderes Gemüse, wenn gerade was im Garten war, und sehr oft natürlich auch verschiedene Kartoffelgerichte.

Nach einer Schlachtung gab es natürlich Blutgeröstl mit Kartoffeln oder eben auch oft nur Kartoffelgröstl. Sulze oder Fleisch vom Sauschädel oder die Haxn.

Oft gab es auch Hasenörl mit Sauerkraut, Hühnersteigen, gebackene Mäuse, Wuchteln, und wenn Schwochzbeezeit (Heidelbeerzeit) war und wir Kinder zum Heidelbeerbrockn geschickt wurden, gab es Kaiserschmarrn mit Heidelbeeren (Schwochzbeenudl oder -schmorrn), der schmeckte besonders gut, auch wenn wir nachmittags mit blauen Lippen herumliefen, bescheiden, aber doch abwechselnd. Zur Nachmittagsjause, meistens auch zu Hause (außer bei der Heuernte), wieder Speck und Brot. Wenn vor nicht allzu langer Zeit geschlachtet wurde, gab es Brat- oder Leberwurst, Radi (Rettich schwarz oder weiß), dazu vielleicht Buttermilch oder die restliche Magermilch, die aufgebraucht werden mußte. Für uns Kinder wieder gelegentlich Ribislsaft, der ja auch in Mengen im Haus war. Später wurde in den Wintermonaten manchmal russischer Tee serviert – für’n Vater natürlich mit Rum, aber das war eher die Ausnahme. Zum Abendessen wieder eintönig (das heißt jeden Abend das gleiche), gekochte Erdäpfel, Salz und eventuell Buttermilch und zum Abschluß wieder die Brocknsuppen, wie schon zum Frühstück beschrieben.

Bier gab es zu meiner Zeit kaum. Nur zu Weihnachten bekam der Vater eine Kiste geschenkt, und wenn er gutgelaunt war, durfte auch die Mama ein Bier trinken.

Leitang