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Die Autorin schildert am Anfang dieser Geschichte ihr Kindheitserlebnis mit ihrem Vater. Als sie neun Jahre alt war, hat sie ihn zum ersten und einzigen Mal in ihrer Kindheit gesehen. Erst als sie erwachsen war, lernte sie ihren Vater wirklich kennen. Die Geschichte, die ihre Mutter später über ihre Ehe erzählte, hat sie nun niedergeschrieben. Es ist die Geschichte einer mutigen Frau, die ihre Kinder vor einem Taugenichts bewahren wollte. Mama hatte eine wichtige Arbeit im Krankenhaus. Sie arbeitete im Büro und war die Ernährerin der Familie. Das war Ende der fünfziger Jahre noch nicht alltäglich. Für mich war das selbstverständlich, ich kannte es nicht anders. Einen Vater hatte ich nicht. Zumindest wurde nicht über ihn geredet.
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Seitenzahl: 45
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Der Taugenichts
von Heidrun Böhm
Autobiografie
Nach einiger Zeit wirst du merken, dass die Sonne dich verbrennt, wenn du ihr zu lange ausgesetzt bist. Du wirst sogar akzeptieren, dass die guten Menschen dich manchmal verletzen können, und du ihnen verzeihen musst. Du wirst lernen, dass Gespräche Seelenschmerzen lindern können. Du wirst entdecken, dass es Jahre braucht, um Vertrauen aufzubauen, und nur ein paar Sekunden, um es zu zerstören. Und dass du Dinge machen kannst, die du später dein ganzes Leben lang bereuen wirst.
Veröffentlicht im Federkiel-Verlag
Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.
1.Auflage
Erstausgabe April 2016
© 2016 für die Ausgabe Federkiel-Verlag, Plochingen
Alle Rechte vorbehalten
Autorin: Heidrun Böhm
Lektorat/Korrektorat: Wolfgang Lehnen
Grafikdesigner: Finisia Moschiano
Buchgestaltung: Finisia Moschiano
ISBN: 978-3-96068-007-9
© Die Rechte des Textes liegt bei der oben genannten Autorin
Federkiel-Verlag
Finisia Moschiano
Der Taugenichts
Die Frau war alt. Sie hatte graue, gelockte Haare, blaue Augen und ein Gesicht, in dem sich viele Falten wie ein Spinnennetz ausbreiteten. Ihr Nachname war Seitz. An ihren Vornamen kann ich mich nicht erinnern. Mama sagte: „Für dich heißt sie Frau Seitz.“ Und wenn Mama das sagte, war es unumstößlich. Das Haus, in dem Frau Seitz mit ihrem Mann wohnte, war ein altes schiefes Eckhaus, direkt an der Hauptstraße, nicht weit von unserer Wohnung entfernt. Wenn der Kindergarten zu Ende war, holte Frau Seitz mich ab und nahm mich mit zu sich nach Hause. Dann spielte ich dort mit meiner Puppe oder mit meinem Teddybären. Später, wenn Mama Feierabend hatte, holte sie mich bei Frau Seitz ab. Mama hatte eine wichtige Arbeit im Krankenhaus. Sie arbeitete im Büro und war die Ernährerin der Familie. Das war Ende der fünfziger Jahre noch nicht alltäglich. Für mich war das selbstverständlich, ich kannte es nicht anders. Einen Vater hatte ich nicht. Zumindest wurde nicht über ihn geredet. Aber ich hatte einen Opa, der offenbar verhindern wollte, dass ich verhungere. Ich war ein mageres Kind und er verlangte von mir, den Teller stets bis zur letzten Kuttel leer zu essen. Kutteln mochte ich nicht. Lieber mochte ich die kleinen Schokoladentafeln, die ich nur selten bekam und die Opa in den Taschen seiner weiten Hosen verbarg.
Opa arbeitete beim Wach- und Schließdienst. Das war auch eine wichtige Arbeit. Er erklärte mir, seine Hosentaschen seien weit, da er darin die Schlüssel aufbewahren musste. Mit den Schlüsseln musste er abends die Fabriktore abschließen, damit kein Einbrecher in die Betriebe kam. Wenn er mit der Arbeit fertig war und alle Türen verriegelt hatte, holte er mich mitunter bei Frau Seitz ab. Hatte er sein Gehalt bekommen, ging er mit mir zum Bahnhofskiosk und kaufte mir eine kleine Tafel Schokolade. Sie war in dunkelrot glänzendem Papier mit einer goldenen Aufschrift verpackt. Das Papier bewahrte ich auf und legte es ans Fenster im Kinderzimmer des alten Hauses, in dem wir wohnten. Es glitzerte, wenn die Sonne darauf schien. Das gefiel mir.
