Der Zeitarbeiter - Rüdiger Remus - E-Book

Der Zeitarbeiter E-Book

Rüdiger Remus

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Beschreibung

Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise durch sein Leben. Neben Kindheit und Karriere schildert er auch seine Erfahrungen sowie seinen Umgang mit beruflichen Problemen. Einen Karriereknick hat er unter anderem durch Zeitarbeit ausgebügelt und es geschafft, dennoch aktiven Vermögensaufbau zu betreiben, was ihm nach der Berufstätigkeit die Erfüllung lang gehegter Wünsche ermöglicht. Im dritten Teil des Buches geht es daher um die Planung und Vorbereitung eine Segelreise, während der die Welt erkundet und im Rahmen von Greenpeace- und anderen Programm Forschungsarbeiten durchgeführt werden sollen.

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EPUB
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Seitenzahl: 403

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Rüdiger Remus

Der Zeitarbeiter

Durch Zeitarbeit seine Ziele erreichen?

24. Juli 2022

Copyright: © 2022 Rüdiger Remus

Umschlag & Satz: Erik Kinting – www.buchlektorat.net

Verlag und Druck:

tredition GmbH

Halenreie 40-44

22359 Hamburg

Softcover

978-3-347-70319-3

Hardcover

978-3-347-70320-9

E-Book

978-3-347-70321-6

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Genannte Firmen sowie Produktbezeichnungen unterliegen in der Regel Marken-, Patent- oder warenzeichenrechtlichem bzw. personenrechtlichem Schutz.

Dieses Buch ist gewidmet:

• Zuallererst all meinen Tanten, Onkeln, meinen Großeltern, besonders meinem Großvater mütterlicherseits, die mir vieles über unsere Familiengeschichte und unsere Werte nahegebracht haben.

• Besonders möchte ich auch meinem Vermögensberater danken. Durch ihn habe ich mein Wissen über Bankgeschäfte, Versicherungen, Bausparen, Investments und allgemein über Geld sehr erweitert. Gleichzeitig hat er mir die Augen über das eigentliche Wesen des Geldes und dessen Zweck geöffnet. Er hat damit die Basis zu meinem Wohlstand gelegt.

• Ich möchte mich auch beim damaligen Leiter der Niederlassung in Nürnberg bedanken, der meinen beruflichen Wiedereinstieg ermöglichte und damit meine sehr lange Arbeitslosigkeit beendete.

• In diesem Zusammenhang seien die vielen Assistenten/innen und Teamleiter/innen, die den Empfehlungen meiner Kunden nachgegangen sind, ebenfalls dankend erwähnt. Immer wieder haben sie für mich lukrative Projekte abgeschlossen. In den 18 Arbeitsjahren waren es mehr als 15 externe Projekte im In- und Ausland.

• Gleichzeitig bedanke ich mich bei allen Benutzern und Akteuren in den Internetforen, speziell bei den Akteuren, die das Wikipedia aktualisieren und weiter aufbauen.

Der für mich wichtige historische Hintergrund ist in diesem Buche farbig hinterlegt. Dabei war das Internet, besonders Wikipedia, sehr hilfreich. Durch die historischen Gegebenheiten möchte ich den Einfluss der Umwelt auf mein Handeln und das meiner Vorfahren zeigen, denn wir glaubten immer, das in der jeweiligen Situation Richtige zu tun.

Inhalt

Vorbemerkung

1. Einleitung, warum dieses Buch?

2. Allgemeine Familiengeschichte

3. Familiengeschichte väterlicherseits

3.1 Bis Ende Erster Weltkrieg

3.2 Weimarer Republik

3.3 Nazi-Deutschland

4. Familiengeschichte mütterlicherseits

4.1 Bis Ende Erster Weltkrieg

4.2 Weimarer Republik

4.3 Nazi-Deutschland

4.4 In der jungen Bundesrepublik Deutschland

5. Meine Kindheit in Grabau

5.1 Meine Geburt

5.2 Das letzte Mal Besuch der Verwandten in Grevesmühlen

5.3 Die ersten Freunde

5.4 Überschreibung vom Haus und Hof

5.5 Die regelmäßigen Aufgaben meiner Eltern

5.6 Ein- und Auszug eines Onkels

5.7 Das Anwesen

5.8 Alle Jahre wieder Weihnachten

5.9 Der Besuch meines Cousins

5.10 Eine Reise in die Ostzone

5.11 Geburt meiner Schwester

6. Einschulung und Grundschule

6.1 Der Schulweg

6.2 In der Schule

6.3 Besondere Schulveranstaltungen

6.4 Nach der Schule

6.5 Das beeinflusste mein späteres Denken

7. Die Realschulzeit

7.1 Der Weg zur Schule

7.2 Aufholen meiner Defizite

7.3 Besondere Schulveranstaltungen

7.3.1 Vogelschießen und andere Volksfeste

7.3.2 Bundesjugendspiele und anderer Sport

7.3.3 Besichtigung einer Eisenhütte

7.3.4 Versuch zu einem Praktikum Platz

7.3.4 Ohne Eltern eine Reise ins Ausland

7.3.5 Klassenfahrt nach Dänemark, Jütland

7.3.6 Handballspielen gegen Profimannschaften

7.4 Meine Freizeitprojekte

7.4.1 Das selbst gebaute Floß

7.4.2 Der Teich im Wald, ein ehemaliger Bombenkrater

7.4.3 Der Gartenteich

7.4.4 Aus vielen Fahrrädern wurde ein Fahrrad

7.4.5 Als Archäologen unterwegs

7.4.6 Tierpsychologische Versuche mit Hund

7.4.7 Angeln im Angelverein

7.4.8 Bau von Windmühlen zur Stromversorgung

7.5 Das Konfirmationsgeld?

7.6 Erste Bekanntschaft mit der Arbeitswelt

7.6.1 Erste Arbeit in der Revierförsterei

7.6.2 Zweiter Job beim Fischer

7.7 Die Berufswahl

8. Ausbildung in Hamburg

8.1 Der Weg zur Ausbildungsstätte

8.2 Die Ausbildung

8.3 Die Fremdenprüfung

8.4 Was nach dem beruflichen Abschluss?

9. Fachabitur in Hamburg

9.1 Lernen, lernen und noch mal lernen

9.2 Einsatz für den Umweltschutz

9.3 Klassenfahrt zum Skifahren

10. Bundeswehr in Plön

10.1 Grundausbildung zum Pionier

10.2 In der Stammeinheit

10.3 Begegnung mit der Vergangenheit der Vorfahren

10.4 Besondere Ereignisse und Qualifikationen

11. Studium in Hamburg

11.1 Das Grundstudium

11.1 Das Hauptstudium

11.1 Das Praktikum und die Diplomarbeit

11.2 Zurück in der realen Welt

11.3 Immer wieder Bewerbungen

12. Erster Job in Oberbayern

12.1 Auf nach Bayern

12.1 Anschaffungen und Schulden zurückzahlen

12.2 Urlaub in Marokko

12.3 Einsatz in unterschiedlichen Projekten

12.4 Ein Wunder, ein Projekt entwickelte sich

12.5 Ein ehemaliger Betriebsleiter wurde mein Chef

12.6 Die AQAP-Zertifizierung

12.7 Der Abschied

13. Zweiter Job, diesmal in Mittelfranken

13.1 Ankunft in der neuen Arbeitsstätte

13.2 Das Anliegen des Vertriebsleiters

13.3 Qualitätsverbesserungen in der Produktion

13.4 Dienstreisen mit den leitenden Angestellten

13.4.1 Besondere Dienstreisen mit dem technischen Leiter

13.4.2 Dienstreisen mit dem Vertriebsleiter

13.4 Die besonderen internen Projekte

13.4.1 Die Einführung der FMEA

13.4.2 Die Kraftstoffanlagen

13.5 Die Beförderung zum Abteilungsleiter

13.5.1 Das fiese Angebot

13.6 Der Rauswurf

13.6.2 Die Diskussionen im Elternhaus

14. Geächtet, weil ohne Arbeit

14.1 Der Arbeitsgerichtsprozess

14.2 Bewerben, vorstellen ohne Einstellung

14.3 Endlich eine große Chance

14.4 Rehabilitierung durch Praktikum

15. Die neue Chance war keine

16. Durchstarten als Vermögensberater

16.1 Konsequenzen aus den Äußerungen meiner ehemaligen Chefs

16.2 Zeitarbeit als Lösung

16.3 Neue Lebensziele definieren

16.3 Die eigene Situationsanalyse

16.3 Der Start zum eigenen Vermögen

16.4 Die nächste Fortbildung mit Praktikum

16.5 Das erste Projekt über eine Zeitarbeitsfirma

17. Einstieg ins Berufsleben als Qualitätsleiter

17.1 Wichtig berufliche Fortbildung

17.4 Ein unseriöses Angebot

17.5 Der Tod meines Vaters

17.5 Der Inhaber bereitet meine Kündigung vor

17.5 Wieder arbeitslos

18. Die nächste Chance: Viele Jobs, Geldanlagen

18.1 Tätigkeiten für meinen Arbeitgeber

18.2 Fortbildungen und Mitarbeit an Publikationen

18.3 Besondere Projekte

18.3.1 Der Motorradrahmen

18.3.2 Wieder einmal in der Flugzeugindustrie

18.3.3 Das fehlende Übernahmeangebot

18.3.4 Zum Schluss wieder da, wo alles begann

19. Segeln erlernen

19.1 Segelereignisse

19.2 Segeltour Malaga, Ceuta und Gibraltar, Madeira nach Lanzarote

19.3 Atlantiküberquerung

19.4 Segeltour an der französischen Atlantikküste

20. Planung meines dritten Lebensabschnittes

20.1 Ab in die Tiefe und fotografieren

20.2 Ab in die Höhe und fotografieren

20.3 Ab in die Tiefe und fotografieren

20.4 Fotografieren mit einer Profiausrüstung

20.5 Wissenschaftliche Arbeiten

20.6 Facebook, Instagram, LinkedIn, Greenpeace

21. Ausblick

Abbildungsverzeichnis

Vorbemerkung

Meine eigene Biografie steht im Kontext zwischen den gesellschaftlichen Ereignissen und meiner persönlichen Herkunft. In den Feldern mit dem gelb-braunen Hintergrund sind die gesellschaftlichen Ereignisse beschrieben.

Das Buch habe ich bewusst so verfasst, denn ich teile die Ansicht, jedes Leben steht im Zusammenspiel mit den gesellschaftlichen Ereignissen und seiner eigenen Herkunft. Dabei sind die Umwelt und das eigene Tun relevant zum Erreichen der eigenen Ziele.

Ich verwende in diesem Buch Informationen, soweit sie mir durch Erzählungen meiner Eltern, Großeltern und Verwandten sowie deren Aufzeichnungen in Form von Bildern, amtlichen Urkunden und Briefen bekannt wurden.

Meine Onkel, Tanten und Großeltern hatten einen großen Anteil an meiner Erziehung und haben mein Werteverständnis schon in jungen Jahren geprägt.

Dieses Buch basiert auch auf meinen eigenen Erinnerungen, Bildern und Notizen. Vieles ist leider kaum beweisbar, sodass beteiligte Personen meine Erlebnisse anzweifeln könnten, weil sie mich subjektiv anders erlebt haben. Aber dies ist meine Autobiografie und schildert somit meine eigene Sichtweise. – Das Buch ist keine wissenschaftliche Arbeit. Die vorhandenen Schlussfolgerungen aus meinen Erinnerungen sind eigene Schlüsse, die aus meinem Erfahrungsschatz stammen.

Personen, die dieses Buch als nicht beweisbare Lügen verachten, rate ich, eine eigene Biografie zu verfassen. Danach werden sie erkennen, dass das Schreiben einer Autobiografie nicht einfach ist. Sich über Fehler bei Satzbau, Ausdruck etc. zu amüsieren ist um einiges leichter.

Begonnen habe ich im Jahr 2012 mit dem Verfassen der ersten Ideen. Bis 2021 wollte ich fertig sein, es wurde 2022. Zu Beginn waren meine Gedanken wild und konfus. Immer wieder wurde ich vom Trauma der arbeitgeberseitigen Kündigung behindert, obwohl viel Zeit vergangen war. Nur scheinbar war die bis dahin klare Lebenslinie unterbrochen worden.

So war die intensive Beschäftigung mit meinem Leben auch ein Beitrag zu dem stattfindenden Selbstheilungsprozess. Damit heilte ich dieses Trauma vollends. Erst so wurde ich wieder ein ausgeglichener Mensch und frei von Zukunftsängsten.

Die kontinuierliche Arbeit und die guten Geldanlagen verstärkten die verbesserte Lebensqualität. Gleichzeitig wurde ich finanziell unabhängig. Die finanzielle Unabhängigkeit, neben einer funktionierenden Familie, ist aus meiner Sicht das Höchste, was ein Mensch erreichen kann.

1. Einleitung, warum dieses Buch?

In meinen Leben lief nicht alles rund, ich hatte viele Widersacher. In der Grundschule wollten meine Lehrer unbedingt ein Studium verhindern oder zumindest, dass ich eine höhere Qualifikation als meine Eltern erreichte.

Im Studium wollten einige Leute an mir finanziell profitieren. Später versuchten sie Sponsoring.

Während der ersten Festanstellungen gab es Geschäftsführer und leitende Angestellte, die argwöhnisch auf meine analytische Begabung blickten. Aber langfristig nahmen sie keinen Einfluss auf meine berufliche und persönliche Entwicklung. Letztendlich bestimmte ich meine Entwicklung selbst.

Ich lernte, meinen eignen Weg zu gehen, daher entwickelte sich mein Lebensweg zunächst sehr gut. Jeder Mensch kann im Leben im Sinne seiner Zielerreichung erfolgreich sein, wenn er seine persönlichen Ziele festlegt und danach konsequent verfolgt.

In diesem Buch mache ich Mut zum eigenverantwortlichen und zielorientierten Leben machen: Seid mutig und verfolgt eure Ziele!

Wie schon Einstein sagte: Gott würfelt nicht. Das entspricht der Wahrheit. Gott kann gar nicht würfeln. Es sind viele Ereignisse, die ein Leben bestimmen. Kann alles nur Zufall sein? Damit ist die Existenz von Gott nicht verneint. Letztendlich haben wir immer die Wahl, für welchen Weg wir uns entscheiden. Es gibt keinen Weg, der immer in dieser und nur in dieser Situation der richtige ist. Es gibt viele Möglichkeiten der Entscheidung. Jeder Mensch hat diese vielen Möglichkeiten. Entweder er entscheidet sich oder die Entscheidungen werden von anderen Menschen für ihn getroffen.

Als Naturwissenschaftler und während des Bibelstudiums bei den Zeugen Jehovas habe ich Folgendes gelernt, es ist für mich ein Lebensgrundsatz: Erklärbar ist die Welt ohne Gott oder auch mit Gott, als Erschaffer der Welt. Aber eine Erklärung mit Gott als Erschaffer setzt voraus, dass Gott vor der Entstehung der Welt da gewesen sein muss. So wie es unsere Vorfahren in der Bibel und in den Vorläuferschriften, den Erzählungen an den steinzeitlichen Lagerfeuern, erzählt haben.

Wie die Erschaffung der Welt stattgefunden hat, werden wir nie erfahren oder gar beweisen. Wir müssten in die Vergangenheit vor der Erschaffung der Welt reisen. Das wirkliche Aussehen von Gott werden wir nie erfahren. Unsere Gedanken reichen nur bis zum Anfang dieser Welt. Was davor war, ist von unserem Standort aus nicht nachvollziehbar. Alle ist nur Spekulation.

So steht schon in der Bibel geschrieben: Gott ist nicht von dieser Welt. Die Bibel hat recht und wird zu Recht das Buch der Wahrheiten genannt. Ich setze die Bibel nicht mit dem Glauben der Kirchen gleich. Die Glaubensgemeinschaften auf dieser Welt sind nicht von Gott, sondern nur weltlicher Natur. Gott wird diese Welt eines Tages vernichten. Damit ist nicht gemeint, Gott vernichtet die Erde.

Die Kirche und das weltliche Gemeinwohl haben nach meiner Überzeugung nichts mit Gott zu tun, denn in dieser Welt regiert der Mensch. Der Mensch regiert immer zum Nachteil über den Menschen. Er hat die Eigenschaft, egoistisch und lieblos zu sein.

Jeder Mensch hat in seinen Leben genügend Gelegenheiten, mit denen er sein Leben zu seiner Zufriedenheit gestalten kann. Er muss die Gelegenheiten nur ergreifen. Nur Angst hindert ihn daran, manche Gelegenheit zu ergreifen. Erst später erfährt der Entscheider, ob die Entscheidung ein Missgriff war oder nicht. Darauf kommt es nicht an. Denn die Aufgabe lautet, aus der Entscheidung etwas zu machen, das uns unserem Lebensziel näherbringt. Das ist die eigentliche Aufgabe im Leben.

Die richtige Vorgehensweise zum eignen Glück erlernt jeder Mensch in der Regel von seinen Eltern, Verwandten, Freunden und den Menschen aus seiner Umgebung. Daher sind die Vorgehensweisen für jeden Menschen unterschiedlich. Das macht die Gedankenvielfalt in der Menschheit aus. Damit wird durch die Evolution die Existenz der Menschheit auf diesen Planeten gesichert.

Auf meinem Lebensweg habe ich viele Chancen nicht ergriffen, darunter Chancen, die sich als Missgriffe erwiesen. Hätte ich andere Chancen verfolgt, dann wäre mein Leben bestimmt anders verlaufen. Doch hätte ich meine Jugendträume realisieren können? Oder wären die Jugendträume nur noch geplatzte Seifenblasen? Ich weiß das nicht. Keiner kann diese Frage richtig beantworten. Womöglich ist in meiner Persönlichkeit der Drang, die eigenen Träume in die Realität umzusetzen, so stark ausgeprägt, dass ich diese Träume auf alle Fälle realisiert hätte.

Auch möchte ich mit diesem Buch zeigen, jeder Mensch kommt aus einer scheinbar verzweifelten Lage wieder heraus. Er muss nur beharrlich an seinen Zielen glauben, daran festhalten und an deren Umsetzung arbeiten.

In meinen Leben entstand durch die arbeitgeberseitige Kündigung eine sehr verzweifelte Lebenssituation. Diese Situation bedrohte finanziell und gesundheitlich meine Existenz. Hieraus entwickelte sich ein Trauma, das Existenzängste, aber auch Wut erzeugte. Zur Traumabewältigung benötigte ich viel Zeit. Keiner aus meiner Umgebung verstand die Hintergründe. Keiner hatte so etwas jemals erlebt, aber die das auch durchlebt hatten, sprachen aus Scham nicht davon. Für mich das Schlimmste: Keiner glaubte mir. Alle dachten sie, ich sei faul und wolle nicht mehr arbeiten.

In dieser verzweifelten Lebenslage begann ich über Erfolg und Misserfolg im Allgemeinen nachzudenken. Denn für dieses Problem benötigte ich eine Lösung. Natürlich gab es eine Lösung, denn es gibt für alles eine Lösung, sie muss nur gefunden werden. So lehrte es mir mein Vater, denn er hatte mir immer wieder gesagt: Man muss nur lange genug suchen, dann findet man die Lösung.

Dieses Buch handelt von meiner Lösung.

Sogar mein großer Kindheits- und Jugendtraum, mit einem Segelschiff die Welt zu erforschen, wurde später Realität. Ich machte Abstriche, Anstellen vom Dreimaster werde ich eine 15-Meter-Segeljacht kaufen. Mit der richtigen Ausrüstung lässt sich viel Neues erforschen. Das wurde für meinen dritten Lebensabschnitt so geplant: professionell Bilder, Tier- und Landschaftsfilme aufnehmen, Leute, Ereignisse, Kulturen kennenlernen und das maritime Leben erforschen.

Für mich ist Beharrlichkeit mein Schlüssel zum Erfolg.

Gleichzeitig können die finanziellen Statistiken in diesem Buch zum Vergleich dienen. Ich beobachte Menschen ohne Vergleiche, die in ihrer eigenen Welt leben. Das Selbstbild trügt häufig. Nur objektive Vergleiche bringen Wettbewerb. Ohne objektive Vergleiche neigen wir zu Ausreden. Vielfach hörte ich: Kinder und eine Frau, auf die muss ich Rücksicht nehmen. Darum kann ich nicht, wie ich möchte. Ausreden führen nie zum Erfolg. Nur harte Arbeit, Neid schon gar nicht. Auch mit Frau und Kindern kann man erfolgreich sein.

2. Allgemeine Familiengeschichte

In unserer Gesellschaft ist die familiäre Herkunft für die Stellung und Integration in die Gesellschaft enorm bedeutend. Das stellte ich in meinen unterschiedlichen Lebensabschnitten fest. So waren nicht Können und Wissen für den beruflichen Aufstieg ausschlaggebend, sondern zunächst die familiäre Herkunft.

In zweiter Linie Äußerlichkeiten teure Wohnungen, Auto, gutes Aussehen und Designerkleidung waren vorteilhaft.

Stattdessen lege ich mehr Wert auf Funktion und objektiven vergleich. Als Arbeiterkind wurden meine Pläne für meine Zukunft von meiner gesellschaftlichen Umgebung als Hirngespinste abgetan. Denn ich kam aus der Arbeiterriege. Was Karriere angeht, bin ich ein Außenseiter geblieben.

Meine Wurzeln väterlicherseits lagen in Frankreich, daher habe ich eine angeborene Affinität zu Frankreich. Ich fühle mich dort und auch unter Franzosen einfach wohl. Daher nehme ich an, dieses sind genetisch angeborene Erfahrungen. Eine andere Erklärung für meine Affinität zu Frankreich und zur französischen Kultur habe ich nicht.

Von meiner Großmutter mütterlicherseits habe ich den gezielten Umgang mit Geld geerbt. Auch mit geringen Einkünften habe ich ein stattliches Vermögen angehäuft. Meine Großmutter hatte nie viel Geld zur Verfügung, denn mein Großvater war einfacher Arbeiter. Denn er durfte nicht bis zur achten Klasse zur Schule gehen – weil sein älterer Bruder die Schule besuchen sollte, so musste er arbeiten. Das schmerzte ihn später. Aber seine Frau hatte immer Geld für Notfälle und größere Anschaffungen auf ihr Milchkonto. Außerdem hatte sie häufiger in besonderen Lebenstagen einen Fotografen beauftragt, der die Familie fotografierte. Einige Fotos fand ich im Nachlass meines Großvaters, einige veröffentlich ich in diesem Buch. Für mich ist Fotografieren eine Passion geworden. Ich glaube, meine Großmutter hätte ebenfalls diese Passion gehabt.

Mein Großvater mütterlicherseits war gemeinsam mit seinen Vorfahren – meinen Recherchen zufolge – immer wohnhaft in der heutigen Gräberkate geblieben.

Die Vorfahren meiner Großmutter kamen aus Königsberg und zogen in der Gegend von Grevesmühlen. Alle hatten sie einfache Berufe. Mein Urgroßvater war zum Beispiel Kuhhirte, ein Großonkel war allerdings berühmt als Sänger. Es gab immer schon Ausnahmen.

Der Name Remus stammt aus dem Altfränkischen. Meine Familie väterlicherseits kam ursprünglich aus der Umgebung von Reims im heutigen Frankreich. Sie sind von dort in das heutige Polen gezogen.

Remus leitet sich vom mit den Römern verbündeten Volksstamm der Renner ab. Die Renner siedelten um 100 v. Chr. in der Umgebung des heutigen Reims.

Im Mittelalter leitet sich der Name Remus von Remigius von Reims ab, vermutlich wurde er 436 n. Chr. geboren und ist 533 n. Chr. in Reims gestorben. Er stammte aus dem gallo-römischen Adel und war Bischof. Bekannt wurde er durch die Taufe des Merowinger-Königs Chlodwig I. Zusammen mit der Königin Chlothilde wird Remigius von Reims als Wegbereiter des Christentums im Frankenland angesehen.

Remigius von Auxerre wurde um 841 in Burgund geboren und starb um 908. Er war ein Benediktinermönch und Lehrer, Verfasser von Kommentaren zur Bibel bzw. antiken Texten. Remigius war in der Abtei Saint-Germain d‘ Auxerre Schüler des Heiricus von Auxerre und unterrichtete dort als dessen Nachfolger. In Reims organisierte er im Auftrag des Erzbischofs Fulco von Reims die dortigen Schulen neu. Nach dem Tod des Erzbischofs setzte er in Paris sein Lehramt fort. Zu seinen Schülern gehörte Odo von Cluny.

Nach meinen Recherchen ist die Familie Remus berechtigt, ein Schild, das Wappen eines Herzogs zu führen. Das Remus-Wappen ist offiziell im Burkes General Armory dokumentiert und wird dort wie folgt beschrieben: Silber; senkrecht aufgestellt eine rote Sturmleiter, von einem roten Doppelkreuz überragt. Helmzier, auf der goldenen Herzogkrone sitzt eine naturfarbene Krone.

 

Abbildung 1: Wappen Familie Remus

Vor dem Ersten Weltkrieg wanderten die Remus-Seite in die Nähe von Posen aus. Sie waren wahrscheinlich Hugenotten, da wir fast alle Familienmitglieder immer noch Protestanten sind.

Meine beiden Großelternpaare haben den Ersten Weltkrieg erlebt und überlebt. Die Umwälzungen der nachfolgenden Jahre in der Weimarer Republik einigermaßen und unversehrt überstanden.

Historischer Hintergrund

1914–1918 Erster Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, der das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 voranging. Gekämpft wurde in Europa, im Nahen Osten, Afrika, Ostasien und auf allen Ozeanen.

Am 11. November 1918 endete der Krieg mit dem Waffenstillstand von Compiègne, der gleichbedeutend mit dem Sieg der Alliierten. Die Verliererseite bestand aus dem Deutschen Kaiserreich, Österreich-Ungarn, dem Osmanischen Reich und Bulgarien. Insgesamt bekriegten sich 40 Staaten am bis dahin umfassendsten Krieg der Geschichte, es standen annähernd 70 Millionen Menschen unter Waffen.

Aus Interesse der Großmächte und der deutschen militärischen Planungen (Schlieffen-Plan) ließen den Lokalkrieg zum Kontinentalkrieg unter Beteiligung Russlands (deutsche Kriegserklärung vom 1. August 1914) und Frankreichs (deutsche Kriegserklärung vom 3. August 1914) eskalieren.

Deutsche Truppen griffen Frankreich von Nordosten an und verletzten dabei die Neutralität Belgiens und Luxemburgs, das führte zum Kriegseintritt der belgischen Garantiemacht Großbritannien und seiner Kolonien (britische Kriegserklärung vom 4. August 1914), was zur Ausweitung zum Weltkrieg führte. Etwa 17 Millionen Menschen verloren durch ihn ihr Leben.

Der Erste Weltkrieg war Nährboden für den Faschismus in Italien, den Nationalsozialismus in Deutschland.

1918–1920 Spanische Grippe

Im Anschluss des Ersten Weltkrieges kam die Spanische Grippe, sie war eine Pandemie verursacht durch einen ungewöhnlichen Abkömmling des Influenzavirus (Subtyp A/H1N1). Zwischen 1918 und 1920 hat die Pandemie mindestens 25 Millionen, nach neueren Untersuchungen von 2002 der Fachzeitschrift TheBulletin of the History of Medicine knapp 50 Millionen Todesopfer gefordert.

Die Auswirkungen der Pandemie ist in absoluten Zahlen mit der Pestpandemie von 1348 vergleichbar, der damals mehr als ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer fiel.

Eine Besonderheit der Spanischen Grippe war, dass ihr vor allem 20- bis 40-jährige Menschen erlagen, während Influenzaviren sonst besonders Kleinkinder und alte Menschen gefährden. Varianten des Subtyps A H1N1 verursachten später 1977/1978 den Ausbruch der Russischen Grippe und 2009 die Schweinegrippe-Pandemie.

Historischer Hintergrund

Am 11. Februar wählte die Nationalversammlung Friedrich Ebert zum ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Die Reichsverfassung trat am 14. August 1919 in Kraft. Das Staatsoberhaupt war für eine Amtszeit von sieben Jahren direkt vom Volk gewählte Reichspräsident. Die Regierung führte der Reichskanzler, direkt dem Deutschen Reichstag verantwortlich.

Als Volksvertretung mit den umfassenden Gesetzgebungs-, Budget- und Kontrollrechten wurde der Reichstag für eine Legislaturperiode von vier Jahren im Verhältniswahlrecht gewählt.

Die Länder vertrat der Reichsrat. Die Parlamente auf Landesebene nannten sich Landtage.

Die Krisen Jahre 1919–1923

In den Anfangsjahren hatte die Republik mit den unmittelbaren Kriegsfolgen, einer Hyperinflation, sowie zahlreichen Umsturzversuchen und politischen Morden zu kämpfen.

Die Jahre relativer Stabilität 1924–1929

Die Weimarer Republik erlebte eine Zeit relativer Stabilität, wirtschaftlicher Erholung sowie außenpolitischer Anerkennung und Wertschätzung.

Die Weltwirtschaftskrise ab Ende 1929

Der Bruch der Großen Koalition am 27. März 1930 ebnete den Aufstieg der Nationalsozialisten und leitete schließlich den Untergang der Demokratie ein.

Die Sozialdemokraten, sie hatten nach dieser Wahl noch mehr Reichstagsmandate als die NSDAP, entschlossen sich, Brünings Notverordnungs- und Sparpolitik bis auf Weiteres zu tolerieren. Sie glaubten so noch Schlimmeres, als die NSDAP zu verhindern.

Kurz gesagt: Die Weimarer Republik hat sich kaputtgespart, um den Versailler Vertrag zu erfüllen.

Parallel gab es mithilfe Russlands im Geheimen eine Aufrüstung. Besonders Luft- und Panzerwaffen sowie Marine rüsteten entgegen dem Versailler Vertrag auf. Versailler Vertrag wurde weder vom Volk noch von den Regierungen ertragen. Damit war der Zweite Weltkrieg vorprogrammiert.

Machtergreifung Hitlers 1933

Die Einsetzung Brünings als Reichskanzler durch von Papen schaffte den Übergang von einer Präsidialregierung zur Präsidialdiktatur. Sie ging der Machtergreifung Hitler ein halbes Jahr voraus.

Vereinbarungen von Papen mit Hitler am 1. Januar 1933

Es wurde eine Koalitionsregierung aus Deutschnationalen und NSDAP, der außer Hitler noch zwei weitere Nationalsozialisten wie Wilhelm Frick als Innenminister und Hermann Göring als Minister ohne Geschäftsbereich, der danach kommissarischer preußischer Innenminister werden sollte. Von Papen war als Vizekanzler und Reichskommissar für Preußen vorgesehen.

Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 war das Ende der Weimarer Republik

Das Leitbild nationalsozialistischer Gesellschaftspolitik ist eine in sich geschlossene, rassisch und ideologisch gleichförmige Volksgemeinschaft. Politisch Andersdenkende und

Regimegegner wurden von der NS-Diktatur mit Mitteln des Staatsterrors verfolgt und in Konzentrationslager (Umerziehungslager) eingesperrt.

Die Außenpolitik des NS-Staates war ausgerichtet, Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg vergessen zu machen und erneuern der vorherigen Großmachtstellung. Bereits 1933 trat Deutschland aus dem Völkerbund aus. Mit der Aufrüstung, der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 sowie der Besetzung des entmilitarisierten Rheinlands 1936 wurde gegen wichtige Teile des Versailler Vertrags verstoßen.

Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und Sudetenland 1938

Das Münchner Abkommen erlaubte dem Deutschen Reich die Eingliederung des Sudetenlandes.

Expansionsphase ab 1938

Während der Expansionsphase verübten die Nationalsozialisten in ganz Europa zahlreiche Verbrechen gegenüber der Menschlichkeit an ethnischen, religiösen und gesellschaftlichen Minderheiten.

Etwa sechs Millionen europäische Juden wurden im historisch beispiellosen Holocaust, bis zu 500.000 Sinti und Roma im Porajmos und etwa 100.000 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen im Rahmen der Aktion T4 und der Aktion Brandt in Konzentrationslagern ermordet.

Die Expansionspolitik des Deutschen Reiches mündete in den Zweiten Weltkrieg.

Meine Großeltern väterlicherseits blieben bis Ende des Krieges im heutigen Mittelpolen sesshaft.

Anderes meine Großeltern mütterlicherseits: Sie zogen mit ihren Kindern 1939 also zu Beginn des Zweiten Weltkrieges Krieges nach Grabau, wo mein Großvater im Remonteamt angestellt wurde. Er war mit über 45 Jahren nicht mehr wehrpflichtig. Hier arbeitete dort in der Aufzucht und Pflege der Trakehner bis zum Ende des Weltkrieges.

Für ihn als ungelernter ein großer beruflicher Erfolg, durch die Anstellung bekam er später eine Rente gezahlt.

Historischer Hintergrund

Der Zweite Weltkrieg – Erste Phase 1939–1940

Deutschland eroberte Polen im September 1939, danach Dänemark und Norwegen April–Juni 1940 sowie die Niederlande, Belgien und Frankreich Mai–Juni 1940. Hitler erreichte sein Hauptziel nicht, er wollte Großbritannien aus dem Krieg heraushalten oder zur Aufgabe zwingen oder militärisch besiegen. Im Oktober 1940 unterlag Hitler in der Luftschlacht über England.

Zweite Phase 1941–1942

Ein Angriff auf britische Inseln im Mittelmeer und die Sowjetunion, deren Ausbeutung als Lebensraum im Osten seit langer Zeit fester Bestandteil Hitlers Ideologie war, waren geplant.

Am 18. Dezember 1940 erfolgte die Weisung, im Mai 1941 die Sowjetunion anzugreifen. Ein Angriff auf die Sowjetunion wurde von Hitler als weniger riskant angesehen. Er unterschätzte die politische Stabilität der Sowjetunion und deren militärisches Potenzial.

Mit dem Angriff auf die Sowjetunion, dem Unternehmen Barbarossa, entstand am 22. Juni 1941 eine neue Front im Osten. Sie wurde (neben der japanisch-chinesischen) die längste Front im Zweiten Weltkrieg und forderte Opferzahlen. Die deutschen Truppen eroberten zunächst riesige Gebiete des europäischen Teils der Sowjetunion.

Als Reaktion auf den deutschen Angriff marschierten britische und sowjetische Truppen am 25. August 1941 im Rahmen einer anglo-sowjetischen Invasion in den Iran ein. Ziel des Angriffs waren die Sicherung der Ölförderung der Anglo-Iranian Oil Company und die Übernahme der Transiranischen Eisenbahn, um die sowjetischen Truppen über den Iran mit britischem und US-amerikanischem Nachschub zu versorgen.

Nach dem Angriff Japans auf die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 und der am 11. Dezember erfolgten Kriegserklärungen Deutschlands und Italiens befanden sich die USA ungewollt im Krieg. Deutschland war das Hauptziel.

Die Schlacht um Stalingrad war, neben der Niederlage gegen die Briten bei El Alamein im Oktober 1942, noch größere Katastrophe für die deutsche Wehrmacht. Stalingrad war der psychologische Wendepunkt. Von nun gingen die Fronten unaufhaltsam zurück. Die Deutschen zweifelten am Endsieg.

Nur ein Onkel war 1942 als 18-Jähriger in den Kesselschlachten um Leningrad zu Tode gekommen. Er war beim Morgenappell nicht mehr anwesend, alles geschah irgendwo am Illmsee. Eine Schwester war in frühester Kindheit an der Schwindsucht gestorben. Als Ursache für die Krankheit waren Mangelernährung und schlechte Lebensumstände, damals weit verbreitet.

Historischer Hintergrund

Dritte Phase des Zweiten Weltkriegs, das Ende der Hitler-Diktatur, 1943–1945

Am 6. Juni 1944, am D-Day und an der Operation Neptune waren ca. 6.700 Schiffe beteiligt, darunter mehr als 4.000 Landungsboote. Es wurden insgesamt 160.000 Soldaten aus USA, Kanada und Großbritannien an Land setzten. Mehr als 11.000 Flugzeuge unterstützten das Unternehmen.

Am 15. August 1944 begann eine zweite Invasion zwischen Toulon und Cannes, die Operation Dragoon. Hier waren 880 alliierte Seeschiffe, darunter 4 Flugzeugträger, 6 Schlachtschiffe, 21 Kreuzer und über 100 Zerstörer sowie 34 französische Schiffe, 1.370 Landungsboote und 5.000 Flugzeuge beteiligt. Im September 1944 hatten die Truppen die Vogesen und das Elsass erreicht.

In der Ardennenoffensive und beim Unternehmen Nordwind im Januar 1945 wurden die letzten deutschen Treibstoffreserven verbraucht. Danach waren Luftwaffe, Heer und Marine an allen Kriegsplätzen bewegungslos. Die deutschen Hydrierwerke wurden in der zweiten Jahreshälfte 1944 immer wieder bombardiert. Die Produktion der vielen Panzer und Flugzeuge wurden nutzlos.

Am 30. April abends war das Reichstagsgebäude, für die Sowjets das Symbol Hitlerdeutschlands, erobert. Hitler und Vertraute im Führerbunker begingen Selbstmord.

Nachdem Eisenhower einen separaten Waffenstillstand zurückgewiesen hatte, unterzeichnete Generaloberst Alfred Jodl in Reims am 7. Mai die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Truppen. Sie trat am 8. Mai um 23:01 Uhr in Kraft.

Am Abend des 8. Mai wurde eine weitere bedingungslose Kapitulation durch das Oberkommando der Wehrmacht sowie die Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine in Berlin vereinbart. Diese weitere Kapitulationsurkunde wurde von Generalfeldmarschall Keitel, Generaladmiral von Friedeburg und Generaloberst Stumpf im sowjetischen Hauptquartier unterzeichnet.

Am Zweiten Weltkrieg waren direkt oder indirekt über 60 Staaten beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen standen unter Waffen. Der Krieg kostete über 60 Millionen Menschen das Leben und erfasste die ganze Erde.

Durch die Kapitulation blieb Deutschland und Mitteleuropa der Abwurf von Atombomben erspart.

Nach der Kapitulation begann die Phase der Vertreibung der Zivilbevölkerung, die Entnazifizierung und die Suche nach den Schuldigen und Kriegsverbrechern.

Einige überlebende Nazis, wie z. B. Himmler und sein Leibarzt Dr. Gebhardt versuchten, im Chaos unterzutauchen und zu verschwinden. Andere nahmen sich das Leben oder glaubten, beim Wiederaufbau des Nachkriegsstaates wertvolle Dienste leisten zu können, um so der drohenden Strafe zu entgehen. Leider sollten viele Nazis recht behalten. Die Siegermächte benötigten ihr Know-How zum Wiederaufbau.

Diese schlimmen Ereignisse im Krieg und der Vertreibung erlebte ich nicht. Dafür ich bin ich sehr dankbar. Dadurch kenne ich diese Ereignisse ausschließlich aus Erzählungen meiner Großeltern, Verwandten und von meinen Eltern. Soweit sie sich erinnern konnten oder wollten. Manchmal erzählten sie nur unter Tränen und sichtlich starker Anspannung über diese gemachten Erfahrungen. Für mich waren die Erzählungen sehr hilfreich zum Verständnis der Bücher und Filme, denn mich interessierte unsere Vergangenheit.

Erstaunlicherweise verloren meine Vorfahren trotz der Erlebnisse in den Kriegen, Epidemien und in der Nazizeit nicht ihren Lebensmut. Sie waren nicht missgelaunt, in sich gekehrt oder haben über ihr Schicksal gejammert.

Im Gegenteil, sie haben sich nie beschwert über das schlechte Leben, das sie hatten. Sie nahmen ihr Leben so, wie es war, und die Vergangenheit ließ sich nicht ändern.

Alle waren einfach am Leben interessiert und hatten an jedem Tag ihre Freude. Die Krankheiten sah ich ihnen nicht an. Doch eines Tages war jeder von ihnen tot und hinterließen in der Familie eine große Lücke, so auch in meinem Leben.

3. Familiengeschichte väterlicherseits

3.1 Bis Ende Erster Weltkrieg

Aus Erzählungen meiner Großmutter väterlicherseits erfuhr ich, dass mein Großvater nach dem Ersten Weltkrieg ins Ruhrgebiet kam. Er hatte an der Westfront gekämpft.

Mein Großvater väterlicherseits wurde 1894 in USC Boleslawowo im heutigen Mittelpolen bei Konin geboren und muss im Ersten Weltkrieg an die Westfront verschlagen worden sein. Er war der Sohn von Friedrich Wilhelm und Auguste Wilhelmine Remus. Die Vornamen deuten auf eine deutsche Zugehörigkeit hin. In der Nähe von Köln lernte er meine Großmutter kennen. Sie heirateten und gingen zusammen nach Boleslawowo, wo sie ihre erste Landwirtschaft kauften.

3.2 Weimarer Republik

Meine Großmutter väterlicherseits folgte ihrem Mann in den Osten nach Mittelpolen in der Nähe von Konin. Hier kauften sie sich zusammen mit einer Schwester meines Großvaters jeweils eine Landwirtschaft. Als erster Sohn wurde Onkel Fritz in den Zwanzigerjahren geboren. Schon als Junge passte er auf die anderen nachgeborenen Kinder auf.

Die erste gekaufte Landwirtschaft ernährte die junge Familie nicht. Daher verkaufte mein Großvater sie wieder. Mit dem Erlös und einem zusätzlichen Kredit er ein zweites Mal eine Landwirtschaft. Diesmal in Bialablotti im Landkreis Kolin, dass damals zum deutschen Warthe-Land in der Nähe von Posen gehörte. Das Land war nicht so sandig und brachte etwas Ertrag. Die mitgereiste Urgroßmutter, die Schwester meines Großvaters, kaufte in der Nachbarschaft ihre eigene Landwirtschaft.

Diese beiden Landwirtschaften konnte die Großfamilie meines Großvaters und seinen vier Söhnen sowie seinen drei Töchtern ernähren. Aber er hatte für den Kauf Schulden gemacht, die wollte er zurückbezahlen. Daher arbeitete er auf einem Gut im Siebengebirge und kam nur gelegentlich nach Hause.

Meine Großmutter erledigte mit einer Magd und einem polnischen Knecht die eigentlichen Arbeiten auf dem Hof. Unterstützung erhielten sie zur Erntezeit von einigen polnischen Wanderarbeitern. Erst nachdem die Schulden zurückgezahlt waren, sollten wieder gute Zeiten anbrechen. – So war der Plan.

3.3 Nazi-Deutschland

Es kam anders: Der Zweite Weltkrieg im September 1939 begann. Die Grenze zu Polen wurden geschlossen. Die polnischen Gastarbeiter konnten nicht nach zurück in ihre Heimat und blieben auf den beiden Höfen.

Abbildung 2:Großvater Rudolph Gottlieb Remus

Mein Großvater war nicht wehrpflichtig, als der Zweiter Weltkrieg begann. Aufgrund seiner Uniform war er wahrscheinlich Offizier und hatte eine ausgezeichnete Schulbildung. Außerdem hatte er vermutlich sich für Polen verdient, denn ein Stanislaus von Zmuda Trzebiatowski hat im Ancetry seine Familiendaten gepflegt. Es handelt sich um ein altes polnisches Adelsgeschlecht, auch unter dem Namen Schmude bekannt ist.

In der Wehrmacht war Großvater weiter für diese Familie als Verwalter tätig. Genaueres ist mir nicht bekannt.

Weil mein Großvater seine polnischen Arbeiter nicht gegen russische Kriegsgefangene eintauschen wollte, legte er sich mit der Zivilverwaltung in Kolin an, das erzählten meine Onkel und einige ehemalige Nachbarn. Der Gauleiter wollte die polnischen Arbeiter meines Großvaters in einer Munitionsfabrik einsetzen. Er sollte als Ersatz russische Gefangene bekommen. Dies lehnte er grundsätzlich ab.

Zunächst kamen die Soldaten mit einem Laster des Amtes und wollten die polnischen Landarbeiter abholen. Mein Großvater verscheuchte die Soldaten mit einer Mistgabel.

Beim zweiten Versuch waren die Soldaten besser vorbereitet, sie waren bewaffnet und verprügelten meinen Großvater. Am nächsten Tag ging er in die Kreisstadt und holte seine polnischen Arbeiter wieder zurück. Der Gauleiter wurde nach der Unterredung eine Woche lang nicht in der Stadt gesehen und hinkte nach der Unterhaltung.

Danach wurde mein Großvater von Soldaten mit Maschinenpistolen abgeholt. Angeblich wurde er zur Bewährung in ein Bewährungsbataillon versetzt. Der Gauleiter wollte ihn nicht hängen, er meinte, das wäre zu human gewesen.

Alle Menschen in Großvaters Umgebung hatten Respekt vor ihm. Den Erzählungen seiner Kinder, Nachbarn und meiner Großmutter nach war er ein ungewöhnlicher Mann, mit sehr viel Energie und Willenskraft. Ich hätte ihn gerne kennengelernt. Leider hat er den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt.

Gerüchten zufolge hat mein Großvater nach dem Zusammenbruch der Ostfront versucht, seine Familie in Bialablotti zu erreichen. Angeblich sei er dort gesehen worden, wie er am Straßenrand geschwächt und ausgehungert saß und physisch nicht weitergehen konnte. Andere ehemalige Nachbarn behaupteten, mein Großvater sei in Bialablotti von den Polen erschlagen worden. Später wurden die dort ansässigen Polen von meinen Onkeln bei einem Besuch befragt. Sie konnten oder wollten diese Behauptung nicht bestätigen. Sie hatten meinen Großvater wahrscheinlich nicht gesehen. So war mein Großvater väterlicherseits offiziell im Zweiten Weltkrieg vermisst.

Anfang 1945, im Winter bei Schnee und Kälte, flüchtete meine Großmutter mit zwei Pferdegespannen, den sieben Kindern, einer Magd und einem Knecht vor der heranrückenden Roten Armee aus Bialablotti. Es war der kälteste Winter seit Jahrzehnten.

 

Abbildung 3: 1944 Familie Remus vor der Flucht

Auf dem Foto ist meine Großmutter mit ihren Kindern und der Tante Bertha zu sehen. Das Foto wurde vor der Flucht noch auf der Landwirtschaft gemacht. Die Tante kam während der Flucht 1945 in ein Altersheim in Eberswalde. Mein Vater holte sie 1964 aus der Deutschen Demokratische Republik (DDR) in einer Nacht- und Nebelaktion zusammen mit meiner Großmutter zurück nach Hause in die Wiesenstraße. Die Aktion dauerte eine Nacht und zwei Tage. Am nächsten Morgen waren sie wohlbehalten in Bad Oldesloe. Die Tante wohnte bis zu ihrem Tod im Haus meiner Großmutter.

Nach einem Fliegerangriff verlor meine Großmutter ein Pferdegespann mit samt der Ladung. Die größeren Kinder mussten nun laufen. Nur das jüngste Familienmitglied durfte weiter dem Wagen fahren. Das verbliebende Pferd wurde immer schwächer, so wurden die Schränke und andere Habseligkeiten vom Wagen abgeworfen. Die Zehen meines Vaters von einer Krankenschwester in Küstrin behandelt.

Abbildung 4: 1945 Auf der Flucht

Er sollte nach der Behandlung mit der Bahn bis Berlin fahren. Er tat dieses nicht, stieg am nächsten Bahnhof aus und suchte seine Familie.

Die Familie war mit dem Pferdegespann weiter Richtung Frankfurt an der Oder gezogen. Von dort sollte es weiter nach Magdeburg gehen. Dort gab es Verwandte, wo sie unterkommen wollten. Nach einem Aufenthalt ging es nach Schleswig-Holstein weiter, es war eine sehr lange Reise.

Durch seinen Ungehorsam kam mein Vater in Lebensgefahr, aber er hatte Glück im Unglück. Dennoch hat es seiner Gesundheit geschadet. Die Unterernährung bei der Flucht nach Berlin wurde zur Englischen Krankheit und die erfrorenen Füße wurden später nie richtig gesund. Beide Krankheiten heilten bis zum Lebensende nicht.

Parallel wurden seine Brüder während eines anderen Fliegerangriffes auch von ihrer Mutter getrennt. Danach suchten sie ihren Bruder. Während ihrer Suche gingen sie bis zu ihrem ehemaligen Elternhaus in Bialablotti zurück. Dort wurden die vier Jungs vom neuen Besitzer eingesperrt und zur Fronarbeit gezwungen. Nun flüchteten sie ein zweites Mal und erreichten wieder Frankfurt an der Oder. Dort kamen alle in ein Kinderheim. Die Behörden fanden ihre Mutter nach dem Krieg in Neverstaven in Schleswig-Holstein. Damals lebte sie mit ihren geretteten Töchtern in einem heruntergekommenen Haus, das später zum Hühnerstall umfunktioniert wurde. Damals war es nur wichtig untergebracht, zu sein. Wohnraum war sehr knapp.

Die Geschichte meines Vaters endete anders. Er lief durch den Oderbruch vom Küstrin nach Berlin. So hatte er die Hoffnung, dort seine Familie wiederzufinden. Aber in Berlin angekommen konnte er seine Mutter, seine Brüder und Schwestern nicht finden, also ging er über den Oderbruch in zurück nach Küstrin. So geriet er als Siebenjähriger zwischen den Fronten. Er wurde von der vorrückenden russischen Front überrollt. Aber wieder mit Glück, denn eine Russin nahm sich ihn an und aufpasste auf ihn auf.

Später erzählte er mir unter Tränen, er hätte überall an den Straßen tote Menschen und Pferde gesehen. Die um Hilfe schreienden Menschen und besonders die Pferde, die vor Schmerzen schrien und wieherten, taten ihm besonders leid. An einen Waldweg, der mit Verwundeten und Toten belegt war, sah er die russischen Panzer über die Menschen einfach über sie hinweg fahren. Denn es gab für beide Seiten keine Zeit, die Verwundeten und Toten zu bergen, denn jeder, ob Freund oder Feind wollte, schnell nach Berlin. Die einen, um Berlin zu verteidigen, die anderen, um Berlin einzunehmen.

Die russische Soldatin gab meinem Vater zu essen – meistens gab es Pellkartoffeln und Kohlsuppe ohne Fleisch. Die anderen Soldaten waren ihm gegenüber nicht so freundlich. Gegen die Kälte erhielt er einen großen Militärmantel mit einer Russenmütze von einem Soldaten. So gelangte er zum zweiten Mal wieder nach Berlin, diesmal im russischen Tross.

Die Erlebnisse der letzten Kriegstage zeichneten ihm genauso wie seine Brüder körperlich und seelisch. Er wie auch seine Brüder haben das gesehene Leid und die Brutalität des Krieges nie richtig verarbeiten können. Auch wenn sie mochten, nur selten darüber redeten und wenn, dann nur mit Tränen in den Augen, so brutal war die Zeit der Flucht vor den Russen.

Eine Tante wurde von den Russen nach Sibirien verschleppt. Für Wiedergutmachung musste sie als junges Mädchen arbeiten, dabei hatte sie schwere Arbeiten zu erledigen. Mir gegenüber hat sie nie darüber gesprochen.

Aber sie alle hatten eigentlich noch Glück, mit den Leben davon gekommen zu sein. Die Wege durch den Oderbruch waren blutig und voller Sterbender, die von Panzern überrollt wurden.

Nach Beendigung des Zweiter Weltkrieges kam mein Vater als Siebenjähriger zu Pflegeeltern in Berlin-Bergfelde. Dort wuchs er bis zu seinem 16. Lebensjahr auf. Selbst durch Auftritte in den Wochenschauen konnten seine Mutter und andere Verwandte ihn nicht finden. Das Rote Kreuz hatte einen falschen Namen genannt bekommen, denn mein Vater sprach nach dem Krieg nur gebrochen Deutsch, dafür sehr gut und fließend Polnisch und Russisch. Das lag an der Erziehung meines Großvaters, der seine Kinder mit den polnischen Kindern der Landarbeiter aufwachsen ließ. Nach dem 1. Weltkrieg lebten Polen und Deutsche harmonisch in der polnischen Republik zusammen. Erst nach der Macherergreifung von Hitler änderte sich das Zusammenleben in Polen. So wurde aus dem Namen Remus durch Missverständnisse der Familienname Reimers. Aber ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Lübeck fand schließlich heraus, dass der jetzt Sechszehnjährige nur Erwin Remus sein konnte, seine Mutter Alma Remus, mein Vater also nicht, wie ursprünglich vermutet, Erwin Reimers war. Die Fakten passten alle gut zusammen.

Dann kam 1954, nach fast zehn Jahren der Familientrennung, die Familienzusammenführung. Mein Vater musste innerhalb von 24 Stunden die Deutsche Demokratische Republik verlassen und sollte laut den DDR-Behörden nie wieder zurückkommen. So wurde er mit einem Koffer aus der DDR ausgewiesen und musste sich umgehend in Westdeutschland melden. Seine Brüder waren schon einige Jahre früher bei der Mutter angekommen.

Von nun an wohnte die komplette Familie in Neverstaven. Damals war es eine Wohnung für sieben Personen.

Vom Lastenausgleich baute meine Großmutter in Bad Oldesloe ein Haus. In dem Haus wohne meine Großmutter bis zu ihrem Lebensende. Ein kleiner Trost für die verlorenen Güter in Posen.

Mein Vater lernte in Grabau bei Dorffesten und Tanzveranstaltungen meine Mutter kennen.

Mein Vater beeindruckte meine Mutter mit seinem Motorrad. In seiner Jugend sah mein Vater mit seiner Elvis-Locke gut aus. Hier in Westdeutschland sollte er zum zweiten Mal den Maurerberuf erlernen, damit er sich und seiner Familie ein Haus bauen kann. Damals wurde praktisch gedacht. Auch damals war schon üblich, angefangene Lehrzeiten nicht unbedingt anzuerkennen. Auch damals haben die Lehrherren darauf geachtet, ihre Vorteile zu nutzen.

Meine Mutter lernte im Haushalt auf einem Bauernhof den Beruf der Hauswirtschaftsgehilfin. Nach Ihrer Lehrzeit zogen beide gemeinsam vorübergehend nach Hagen, denn die Brüder wohnten im Ruhrgebiet und die Familie wollte zusammenbleiben.

Nur eine Woche arbeitete er unter Tage, bis er als Geselle eine Anstellung fand.

Weihnachten 1960 gingen beide zurück nach Grabau. Mein Großvater wohnte damals in Grabau allein. Denn keines seiner Kinder wollte mit ihm in dem damals verwahrlosten Haus wohnen. Es gab kein fließendes Warm- und Kaltwasser, keine Zentralheizung und es war noch ein Fachwerkhaus. Es war ein sehr altes und sehr stark renovier bedürftiges Fachwerkhaus mit einer Wiese und etwas Ackerland. Der Brunnen vorm Haus fror im Winter ein. Das hatte ich auch noch erlebt. Aber mein Opa wollte auf keinen Fall wegziehen.

Dann heirateten meine Eltern und ich unterwegs war. So wuchs ich in der Obhut meines Großvaters mütterlicherseits auf. Sehr oft besuchten uns die vielen Tanten, Onkels mit ihren Kindern. In Grabau war immer was los.

4. Familiengeschichte mütterlicherseits

Über die Familiengeschichte mütterlicherseits habe ich aufgrund der vorhandenen Bilder und Urkunden genaueren Einblick. Viele Gegebenheiten lassen sich durch Urkunden belegen.

4.1 Bis Ende Erster Weltkrieg

Am 29.11.1817 wurde in Eichede ein Franz Joachim Wulf mit der Margaretha Elsbet Druckmann getraut. Dieses ist der älteste mir bekannte Eintrag im Standesregister. Als Nächstes ist mir eine Heiratsurkunde von Edgar Friedrich Wulf, der am 10.01.1859 in Brooklande, Gemeinde Bargfeld in Mollhagen geboren wurde, und Anna Auguste Holle, geboren am 31.08.1861, bekannt. Das waren die Eltern von meinem Großvater, die am 18.05.1889 heirateten. Damals gab es schon die Tradition, dass der Pate an seinen Paten, damals der Sohn Otto Wulf, bei der Konfirmation einen Text überreichte. Mein Großvater hat später zu meiner Konfirmation diese Tradition fortgeführt. Ich bekam auch einen Text überreicht, den hatte mein Großvater noch zu Lebzeiten geschrieben.

Mein Großvater, am 03.12.1894 in Brooklande geboren, wuchs als jüngster Sohn auf. Sein Vater entschied, dass er nicht bis zur achten Klasse zur Schule gehen durfte, weil der älteste Sohn etwas lernen sollte. Beide konnten nicht so lange zur Schule gehen, er brauchte einen Sohn zum Geldverdienen.

So wurde mein Großvater nur Arbeiter, ohne die Chance zu einem Lehrberuf. Er verdiente bis zur Einberufung in den Erster Weltkrieg das Geld für die Familie, damit sein Bruder zur Schule gehen konnte. In die Rentenversicherung zahlte er auch nicht ein. Er hat es nicht anders gewusst. Stattdessen arbeitete er als Arbeiter in der ansässigen Brennerei oder saß neben seinem Vater auf dem Kutschbock. So wie heute war Kinderarbeit üblich und notwendig, auch eine 40-Stunden-Woche gab es nicht. Bezahlt wurde häufig ausschließlich in Naturalien und Wohnrecht.

Es sei erwähnt, dass der Hof im Jahr 1968 mit 99,7 ha von Ewald Wulf, wahrscheinlich aus der Linie des Bruders meines Großvaters, seiner Frau und seinen Kindern gekauft und bewirtschaftet wurde.

Am 18.12.1914 ist mein Großvater als Rekrut in das Ersatzbataillon Lübeck Rekruten Depot I eingezogen worden. Am 18.02.1915 ging er zur mobilen Truppe. Vom 16.04.1915 bis 05.08.1916 war er bei mehreren Schlachten an der Somme als Musketier im Einsatz. Am 05.08.1916 wurde er von den Engländern während einer Patrouille festgenommen. Er erzählte mir das Geschehen. Sie waren zu dritt auf Patrouille, mein Großvater und zwei Kameraden. Sie sollten auskundschaften, was am Ende des Schützengrabens los war. An einer Biegung angekommen, schlichen sie weiter, ein Kamerad wurde tödlich getroffen und mein Großvater erhielt einen Streifschuss am Ohr. Sofort ergaben sie sich den Engländern. Beide gingen in Kriegsgefangenschaft, aus der mein Großvater erst am 08.11.1919 zurückkam.

Mein Großvater erzählte mir immer wieder, er hätte viel Glück gehabt, seine Mutter habe ihm später erzählt, sie hätte einen Engel über ihm schweben gesehen. Seine Mutter glaubte fest daran, er komme wieder zurück.

In der Kriegsgefangenschaft war er in England, der Ort hieß Little Biber Castel. Zunächst waren sie interniert, dann wurden sie für Arbeiten herangezogen. Er musste für eine Frau jeden Tag Holz sägen und andere Arbeiten auf dem Landgut erledigen.

In der Gefangenschaft lernte er ein paar Sätze Französisch, wie Vous le faut couche´ avec moi. Er lernte sogar eine Französin oder Belgierin kennen, die ihn später in Grabau für ein paar Wochen, während meine Großmutter im Krankenhaus mit einem Oberschenkelhalsbruch lag, besuchte und den Haushalt versorgte. Darüber gab es in Grabau riesiges Gerede.

Mein Großvater hatte seiner Mutter Anna sein erspartes Geld gegeben, sie sollte sich davon eine Nähmaschine kaufen. Sie kaufte aber, wie viele andere Bürger, davon Kriegsanleihen, da sie alle an den schnellen Sieg ihrer Männer und Söhne glaubten. Das Geld war nach dem verlorenen Krieg futsch, eine Nähmaschine in der Hand einer tüchtigen Frau hätte hingegen viel Geld eingebracht. Mein Großvater war darüber sehr traurig, aber auch wütend, denn er hatte ihr aufgetragen, eine Nähmaschine zu kaufen.

4.2 Weimarer Republik

Nach einiger Zeit auf Brooklande bei seinen Eltern ging mein Großvater auf die Walz, auf die Suche nach einer Anstellung. Er fand diese in Damshagen auf dem Gut, auf dem meine Großmutter im Haushalt arbeitete.

Die Ahnenreihe meiner Großmutter geht bis zum Jahr 1856 zurück. Ein Kuhhirte namens Johann Franz Engbertz, geboren 1856, heiratete am 16.10.1891 in Hornstorf eine Emilie Henriette Florentine Olofson, geb. Halfpap. Dies waren meine Urgroßeltern mütterlicherseits.

Meine Großmutter wurde auf den Hof Damshagen am 04.01.1899 geboren. Sie ist dort aufgewachsen und hat wahrscheinlich mit ihren Eltern zusammen auf dem Gut gearbeitet und meinen Großvater lieben gelernt.

Durch eigene Recherchen habe ich herausgefunden, dass das Gut zum Anwesen der Plessen gehörte, ein uraltes Adelsgeschlecht ansässig in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

Abbildung 5: Familie auf dem Gut Damshagen

Das Foto befand ich im Nachlass meines Großvaters. Er erzählte mir dazu, dass diese Familie dort lebte. Er und seine Frau sollten auf dem Anwesen wohnen, mitarbeiten und bei der Verwaltung helfen. Leider erzählte er mir nie, wer diese Familie war. Aber diese beiden Frauen, die Ältere im Vordergrund und die links neben dem Offizier, haben ihm die Arbeit durch Reinreden schwer gemacht. Er sagte noch, es war eine typische Offiziersfamilie. Die beiden Soldaten gingen richtig in ihrer Arbeit auf. Die fanden für seine Belange kein Interesse. Mit den beiden Frauen spreitete er häufig. Meine Großmutter auf dem Kanapee der unbekannten Familie sich ablichten lassen. Das war als Beweis des Vertrauens gedacht, erzählte er mir später.

Es existieren noch andere Fotos von anderen unbekannten Soldaten und Zivilisten, die ich nicht zuordnen kann.

Die Familie gehörte sichtlich zu den führenden Offizieren, die die 100.000-Mann-Armee aufbauten und den Versailler Vertrag als Schande ansahen. Sie gehörten zur Militärelite, rüsteten in der Weimarer Republik die Armee mithilfe Russlands auf.

Später erzählte mir mein Großvater, sie konnten wegen ihres Denkens bezüglich Loyalität und Ehre nicht gegen Hitler, ihren obersten Dienstherren, auf den sie einen Eid geschworen hatten, aufbegehren. Sie waren gefangen in ihren Moralvorstellungen.

Abbildung 6: Meine Großmutter 1922

Meine Großeltern heirateten zunächst kirchlich in Wismar und später am 19. August 1922 in Jersbek standesamtlich. Sie sind nach Brooklande umgezogen, aber die Verbindung zu der Familie in Damshagen und Umgebung blieb bis zum Mauerbau 1962 bestehen. Es gab immer wieder gegenseitige Besuche.

Als Kleinkind, ich konnte noch nicht einmal laufen, war 1962 ich beim letzten Besuch über die Zonengrenze dabei. Es war wie üblich ein Riesenfest mit viel Spaß und Alkohol. Wir sind mit dem VW nachts an die Grenze gefahren und am frühen Morgen wieder zurückgekommen.

Besonders erinnere ich mich an den Kamin, das Feuer hat mich so gebannt, dass eine Tante mich vom Feuer wegziehen wollte. Sie fürchtete, ich würde mich verbrennen. Ich war aber nur am Philosophieren, was Feuer ist und wie es entsteht. Im Affekt habe ich sie gebissen.

Nach der Grenzöffnung habe ich die Tante wiedergetroffen, sie zeigte mir die durch den Biss immer noch vorhandenen Narben und ich entschuldigte mich. Ich erinnerte mich zwar an die Tat, aber nicht an die Schwere der Verletzung, denn sie ist damals gleich in die Küche gelaufen und hat sich verbunden.

Um die Familie zu ernähren, war mein Großvater auf mehreren Höfen der Umgebung als Arbeiter und für die ansässigen Brennereien als Kutschfahrer tätig. So zahlte er immerhin in die Rentenkasse ein und er erhielt Geld. Er konnte meiner Großmutter eine Nähmaschine kaufen.

Die Röcke der Mädchen wurden immer wieder von meiner Großmutter ausgebessert und unten am Saum verlängert, falls nötig. Näharbeiten für andere Nachbarn waren so auch möglich. So kam Geld in die Familie.

Die vorhandenen Fotos wurden von einem Fotografen gemacht, dessen Namen ich später kennenlernte. Für die Fotos muss er extra angereist sein und die Fotos müssen viel Geld gekostet haben.

4.3 Nazi-Deutschland

1937 haben meine Großeltern viel Aufwand betrieben, um ihre Familienchronik zusammenzutragen, wahrscheinlich für den Ariernachweis. In der Zeit wurde mein Großvater zum Eintritt in die NSDAP gezwungen. In Bad Oldesloe auf dem Kneeden hatten die Nazis schon den Galgen aufgebaut und wenn er nicht unterschrieben hätte, wären er und andere Verweigerer gehängt worden. Nach dem Krieg musste er für die Entnazifizierung 40 Reichsmark zahlen. Das hat er auch nicht so richtig verstanden, er meinte: »Ich bin dazu gezwungen worden, warum soll ich jetzt zahlen?«