Die Ausreise - Mario Ohly - E-Book

Die Ausreise E-Book

Mario Ohly

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Beschreibung

DDR 1984 - Reiseverbot, Bevormundung durch den Staat, Unmut und Unzufriedenheit über die dahinsiechende Wirtschaft. Bestärkt durch die Prager Botschaftsbesetzer werden immer mehr Ausreiseanträge in die Bundesrepublik Deutschland gestellt. Eine daraus resultierende Verhaftungswelle durch die Stasi soll dies eindämmen. Die betroffenen Menschen wurden damit bedroht, eingeschüchtert und zur Aufgabe ihres Vorhabens gezwungen. Auch Mario Ohly ereilte dieses Schicksal, das der politischen Verhaftung. In diesem Buch werden die Geschichte und die Hintergründe geschildert. Vom Ausreiseantrag über die Verhaftung mit Verurteilung sowie das verbüßen der Haftstrafe in einem der zahlreichen Gefängnisse der DDR. Den Verlust der Freundin, bis hin zum Freikommen in die Bundesrepublik Deutschland.

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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

Vorwort

Die Vorgeschichte

Der Antrag

Die Verhaftung

In Stasi U-Haft

Das Urteil

In der Krimi U-Haft

Der Transport

Im Vollzug

Zurück zur Stasi

In Freiheit

Das Wiedersehen

Vorwort

Diese Geschichte soll an alle diejenigen Menschen erinnern, denen dass gleiche oder ein ähnliches Schicksal in der damaligen „DDR“ widerfahren ist.

Aber für diejenigen Menschen, die mit dem „DDR“ - Regime zusammengearbeitet hatten, bewusst oder unbewusst, und damit am Leid vieler unschuldig politisch inhaftierter Menschen beteiligt waren, soll diese zumindest das schlechte Gewissen wachrufen.

Ein Dank gilt meinen Eltern, meiner Tante, meinem Bruder, Simone, Amnesty International, der Stiftung für ehemalige politische Häftlinge, der VOS, dem ehemaligen Ministerium für innerdeutsche Beziehungen und den Menschen auf Behörden und Ämtern, die sich für den Neustart in der Bundesrepublik Deutschland durch Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit ausgezeichnet haben.

Die Vorgeschichte

Geboren wurde ich im Februar 1961 in einem historischen Städtchen im heutigen Sachsen - Anhalt, zugleich noch in einem fast ganzen Deutschland, denn erst am 13. August des gleichen Jahres wurde die Mauer gebaut.

Diese Mauer sollte sogleich auch der Grundstein für meine spätere Entscheidung werden.

Aber, sagte nicht im Vorfeld der „DDR“- Oberindianer Walter Ulbricht: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.“ Schöne Lüge!

Ende 1961 sind meine Eltern mit mir ins obere Erzgebirge umgezogen. Mein Vater übernahm dort einen privaten Schmiedebetrieb, den heute noch in veränderter Form mein jüngerer Bruder betreibt.

So lebte ich 23 Jahre im Erzgebirge, ging dort zur Schule, machte meine Ausbildung im väterlichen Betrieb und hatte wie ganz normale Jugendliche Spaß mit Freunden.

Ein eigentlich in der „DDR“ ganz typisches Leben. Mit Ganztageskindergarten, später in der Schule mit Hort, als Pflichtkür der „Junge Pionier“ und dann FDJ`ler sowie bei der GST.

Das war die Gesellschaft für Sport und Technik.

Ein Verein, der eigentlich vergleichbar mit einer früheren Organisation war, nur der Name wurde geändert.

Dort konnte man an einer Schießausbildung teilnehmen, Motorrad - Geländesport betreiben oder Modellflieger basteln. Auch Briefmarken sammeln oder Schach spielen konnte man lernen.

Das Ziel vieler Lehrer und Ausbilder war es, jedem schon von Kindesbeinen an, später dann als Jugendlichem und weiter als Arbeiter in den Volks - Eigenen - Betrieben, ihre Ideologie des Sozialismus einzutrichtern, sowie den Kampf gegen den Kapitalismus beizubringen - toll.

Ein Vorteil für mich gegenüber den Arbeitern in den Volks - Eigenen - Betrieben bestand darin, dass wir den kleinen privaten Betrieb hatten, in dem ich nach der Schulzeit auch arbeitete. Man war in gewisser Weise sein eigener „Herr“.

Ansonsten aber war die versuchte Bevormundung durch den sogenannten Arbeiter - und Bauernstaat gleich wie für jeden anderen Jugendlichen auch, bis hin zu meinem gestellten Ausreiseantrag und dem entscheidenden Tag „X“ - dem Tag meiner politischen Verhaftung.

Schon vor dem Abschluss meiner Schulzeit war ich unzufrieden mit dem ganzen maroden „DDR“- System. Vorwiegend auch beeinflusst durch Verwandtschaft und Nachrichten aus dem Westen. Später in der Ausbildung, verstärkt durch das Erkennen von Hintergründen bei Funktion und Ablauf der „DDR“- Wirtschaft.

Diese Zustände in der „DDR“ waren für mich als 23 - Jährigen einfach nicht mehr zufriedenstellend. Ich entschloss mich somit, zu meinen Verwandten in den Westen zu ziehen und den Antrag auf Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland zu stellen.

Nach der Devise: „Nur die Besten kommen in den Westen!“

Es war für mich ein einschneidender Schritt mit nicht ganz einfachen Folgen, wie sich später noch herausstellen sollte.

In der Zwischenzeit und für „DDR“- Verhältnisse hatte ich alles, was es für mich zu erreichen gab, erreicht.

Beruflich, im väterlichen Betrieb, habe ich meine Gesellen- und danach auch die Meisterprüfung mit Erfolg abgeschlossen.

Die verschiedensten Schweißerprüfungen und die Fahrerlaubnis für alle gängigen Fahrzeugklassen hatte ich bereits in der Tasche.

Privat und dazu unverheiratet hatte ich meine eigene Wohnung.

Diese habe ich aber auch nur, als Alleinstehender, durch Beziehungen zum damaligen Bürgermeister bekommen.

Ein Auto der Marke Lada konnte ich mein Eigen nennen. Das ist ein auf Lizenz in Russland nachgebauter Fiat. Die Marke gibt es übrigens heute noch.

Man sagte unter Augenzwinkern: „Hüte dich vor schönen Frauen und Autos, die die Russen bauen!“ In der „DDR“ galt der Lada als Nobelmarke!

Dieses Auto hatte ich mir auf dem vom Staat geduldeten, privaten „schwarzen“ Automarkt in Leipzig zu einem damals üblichen, viel zu hohen Preis gekauft.

Die Preise auf diesem Automarkt wurden durch Angebot und Nachfrage geregelt. Da die Angebote aber gegenüber der Nachfrage sehr gering waren, spiegelte sich das natürlich in den hohen Verkaufspreisen wider.

Auch hatte ich schon die Nachbarländer bzw. die sogenannten Bruderländer der „DDR“ wie z.B. die Tschechoslowakei oder Polen, die man bereisen durfte, besucht.

Zwei passende Sprüche zum Thema Bruderländer, die damals unter vorgehaltener Hand die Runde machten: „Brüder kann man sich nicht aussuchen, Freunde schon!“ oder „Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein!“

Diese Sprüche sagten alles über die vorgegaukelte und erzwungene Bruderliebe aus.

So hatte ich nun bereits mit meinen jungen Jahren und durch das Glück, dass meine Eltern eben diesen eigenen privaten Betrieb besessen hatten, gegenüber anderen „normalen“ Arbeitern den Lebensstandard erreicht, den viele erst im Alter von ca. vierzig Jahren erreichten. Ein wichtiger Punkt, der zu diesen Umständen beigetragen hatte und besonders vorteilhaft war, waren die Beziehungen. „Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat!“

Wer sich kein Auto auf dem Schwarzmarkt kaufen oder leisten konnte, musste 10 bis 12 Jahre lang, nach der Bestellung, auf ein solches Objekt der Begierde warten.

Es durfte offiziell erst mit dem 18. Lebensjahr bestellt werden, und dann war die Auswahl auch noch auf bestimmte Typen aus der sozialistischen Produktion beschränkt, wie z.B. den Trabant oder Wartburg.

Hatte man dann ein solches Auto, nach langer Wartezeit, ging der „Kampf“ weiter. Ersatzteile und Reifen waren schwer dafür zu bekommen. Bei einer anstehenden Fahrzeugreparatur musste man, wieder mit Beziehungen, oft selbst die fehlenden Kfz.- Teile beschaffen, da die Werkstätten selbst keine hatten. So wurde eine heizbare Heckscheibe aus Leipzig, ein Zweikreisbremszylinder aus Rostock oder Reifen aus der Tschechoslowakei besorgt.

Die Preise für Normal - Benzin und Sonder- Kraftstoff lagen bei 1,50 Mark und 1,60 Mark der „DDR“. Was bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von ca. 5,00 bis 8,00 Mark nicht gerade preiswert war.

Auch so banale Dinge wie Tomatenketchup oder Fischkonserven bekam man oft nur mit Beziehungen. Der Begriff der „Bück - Dich - Ware“ entstand. Also Ware, bei der sich der Verkäufer „bückte“, um sie unter dem Ladentisch für einen seiner besonderen Kunden hervorzuholen. Offiziell war die Ware eben „vergriffen“.

Eine Wohnung, wie schon erwähnt, bekam man ohne lange Wartezeit nur zugeteilt, wenn man sich verheiratete, als Krimineller aus dem Vollzug wieder in die „sozialistische Gesellschaft“ eingegliedert werden musste oder, so wie ich, als Single gute Beziehungen hatte.

Ein Päckchen Westkaffee war sehr hilfreich bei der Beschaffung von Möbeln, speziell bei einer Wohnzimmeranbauwand oder einem Urlaub an der Ostsee.

Um einfachste Dinge zu besorgen, die heute selbstverständlich und ohne einen Gedanken zu verschwenden in jedem Supermarkt eingekauft werden, ist man damals oft ins 350 km entfernte Ost - Berlin gefahren.

Als Hauptstadt der „Deutschen Demokratischen Republik“ war Ost- Berlin ein Aushängeschild gegenüber dem Westen und den ausländischen Besuchern. Es sollte so gezeigt werden, wie „gut“ es doch im Sozialismus gehen kann!

Da nun Ost - Berlin auch gleichzeitig das Meinungs- bzw. Stimmungsbarometer der dort lebenden „Obersten Zehntausend“ Ostberliner für die SED - Partei war, wurde das Warenangebot diesen Leuten eben dementsprechend angepasst.

Es gab für Ostberliner, der Wohnsitz musste nachgewiesen werden, sogar VW Golf und Citroen- Fahrzeuge aus dem kapitalistischen Ausland!

Honecker hatte in seinem Fuhrpark Volvo!

Hatte man sich etwas Eigenes erwirtschaftet oder geschaffen, wie z.B. ein Auto, eine Wohnung oder gar ein Häuschen, war man eigentlich nur noch damit beschäftigt, diese mühsam erreichten Errungenschaften durch dubiose Geschäftemachereien zu erhalten. Man hatte den Eindruck, in einer Zeit von „Jägern und Sammlern“ zu leben.

Die Devise lautete: „Besorge mir dieses und ich gebe dir jenes.“

Bei den eigentlich ganz normalen Besorgungen fehlte es dann auch meistens an irgendeiner Sache, z.B. beim Renovieren. Wollte man Bretter, dann gab es keine Nägel dazu, gab es Nägel, dann gab es wieder keine Bretter.

Also gewöhnte man sich an, einfach alles zu kaufen, was es selten gab, auch wenn man es eben mal gerade nicht brauchte. So hatte man aber schließlich für später wieder etwas zum Tauschen mit Einem, der wiederum zufällig das hatte, was man selber brauchte und nun wieder mal nicht kaufen konnte- oder eben andersherum.

Auch war es nicht unüblich, aus den Volks - Eigenen - Betrieben, sie gehörten ja dem Volk, mehr als einige Dinge für den privaten Zweck zu „borgen“.

Wollte der kommunale Wohnungsbau zehn Häuser bauen, mussten sie elf Stück planen, da eines komplett geklaut wurde!

Die eigene Währung der „DDR“, auch „Alu - Chips“ genannt, war nicht immer das Geld für alle Dinge. Es wollte eigentlich keiner haben. Man brauchte „Es“ aber für die einfachsten Dinge des täglichen Leben, für die HO - Gaststätte, den Konsum, zum Tanken.

Wollte man etwas außer der Reihe, war es gut, wenn man entweder etwas zum Tauschen hatte oder, was natürlich am Allerbesten war, man hatte richtige Deutsche Mark! Mit ihr öffneten sich Tür und Tor!

Ob es wiedermal der Urlaubsplatz an der Ostsee oder ein Moped von Simson war, mit einem „blauen Flügel“, so nannte man 100 Deutsche Mark, war alles möglich.

Es gab aber auch Läden, in denen offiziell mit der harten Deutschen Mark bezahlt werden durfte - den Intershop.

Dort gab es für die harte Währung Waren aus dem Westen. Diese wurden aber zum größten Teil in vielen „DDR“- Betrieben oder in Strafvollzugsanstalten, nur auf Lohnbasis und unter Geheimhaltung, hergestellt.

Zum Beispiel Levis Jeans aus Lössnitz oder Nivea Creme aus Waldheim.

Man überlege: Der Stundenlohn in der „DDR“ betrug ca. 5,00 Mark, das war beim damaligen staatlich festgelegten Wechselkurs gleich 1,00 Deutsche Mark West!

Durch die Intershop - Läden konnte die „DDR“ zusätzlich viel richtiges Geld einnehmen. Wenn die Verwandtschaft aus dem Westen zu Besuch kam oder wenn andere westliche Touristen die „DDR“ besuchten, z.B. bei der Leipziger Messe, ging es mit ihnen in den Intershop. Einen Riegel Mars gab es für nur 0,50 deutsche Pfennige. Lecker und besser als die Schlager - Süßtafel.

Nun hatte aber ein Großteil der Bevölkerung keinen Zugang zu Westgeld. Tja, aber auch dafür gab es eine Lösung: Die Delikat- und Exquisit-Läden, auch „UWUBU“ - „Ulbrichts - Wucher - Buden“ genannt.

Im Delikat - Laden gab es für viel, viel „DDR“- Geld Alpia - und Waldbaur Schokolade, Tchibo Trinkfix oder Knorr Brühe, ebenfalls alles aus der ostdeutschen Lohnwarenproduktion. Auch Spreewaldgurken, Radeberger Bier und andere nur für den Export bestimmte Waren gab es dort.

Im Exquisit - Laden gab es dann die dementsprechende Bekleidung. Ein Pullover für 200,00 Ost - Mark war keine Seltenheit.

Auch soll es in Berlin einen speziellen Laden gegeben haben, so wurde hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, in dem nur die „Obersten“ der Stasi einkaufen durften. Dort wurden die Sachen aus beschlagnahmten Westpaketen feil geboten.

Ja, deshalb kam dieses oder jenes Paket von der Westverwandtschaft nicht an der angegebenen Adresse an!

Der Antrag

Ich glaubte nun mit meinen dreiundzwanzig Jahren, fast alles in der „DDR“ erreicht und ausgeschöpft zu haben, was es an Möglichkeiten gab, z.B. die Wohnung, ein Auto oder die erlaubten Auslandsreisen.

Meiner Meinung nach war ich aus beruflicher sowie weltanschaulicher Sicht gut gerüstet für eine neue Existenz im Westen Deutschlands.

Dazu kamen noch meine Erfahrungen, die ich im privaten väterlichen Betrieb in Hinsicht auf Marktwirtschaft, wenn man so etwas in der „DDR“ als solche bezeichnen kann, gemacht hatte.

In Sachen Betriebsführung, Materialbeschaffung, Umgang mit Kunden, Angestellten und Zusammenarbeit mit anderen Betrieben war diese Zeit sehr lehrreich und eine tägliche Herausforderung.

Also, was sollte im Westen schief gehen?

Somit schrieb ich meinen ersten Ausreiseantrag im Januar 1984 an den zuständigen Rat des Kreises. Dieser wurde natürlich ohne jegliche Begründung abgelehnt. Ich schrieb erneut und bekräftigte mein Anliegen. Aber auf jeden Neuantrag erfolgte eine erneute Ablehnung. So ging es Monate weiter hin und her.

Auch versuchte ich es zwischendurch telefonisch beim Rat des Kreises. Auf meine Anfrage hin hieß es dann ganz lapidar, was ich eigentlich will? Ich hätte doch hier die besten Zukunftschancen! Mir ginge es doch gut durch den eigenen väterlichen Betrieb. Eine Einwilligung auf Ausreise wird es nicht geben. Fertig!

Hatten „Die“ eigentlich etwas von der Genfer Menschenrechtskonvention gehört, dass jeder Mensch seinen Wohnsitz frei wählen kann? Ach, nein!

Und so folgte von mir ein erneuter schriftlicher Antrag...

Zwischendurch, im April des Jahres 1984, wollten mein Freund und ich noch einen Einkauf und Besuch in der benachbarten Tschechoslowakei machen.

Er hatte seine Einberufung erhalten und musste im Mai zur Nationalen Volksarmee, der NVA, um seinen anderthalbjährigen Dienst abzuleisten. Natürlich wollten wir noch ein Abschiedsfest feiern und dazu brauchten wir noch einige Leckereien und Lebensmittel aus der CSSR. Auch ein kurzer Besuch bei einer Bekannten, bei der wir zum tschechischen Motorrad - GP übernachteten, war eingeplant und klare Sache.

Leider kam es anders als gedacht!

Die Tschechoslowakei oder CSSR war wirtschaftlich gesehen weiter entwickelt als die „DDR“. So gab es dort viele Sachen, die wir in der „DDR“ zwar hergestellt haben, aber die wir selbst nicht kaufen konnten, weil es eben Exportartikel waren.

Diese in der „DDR“ produzierten Waren, wie z.B. die in einem benachbarten Ort hergestellten Gewürzgurken, gab es dann wieder in der CSSR.

Welche Artikel zu Exportgütern gemacht wurden, bestimmte der RGW, der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe. Dieser Rat, der sich aus den „Bruderländern“ wie z.B. Polen, Bulgarien, Rumänien usw. zusammensetzte, entschied über den Warenaustausch.

Der RGW funktionierte ungefähr so: Wir in der „DDR“ haben Salat angebaut. Dieser wurde nach Ungarn geliefert. Von Ungarn gab es dann dafür Paprika. Der ist aber nicht in der „DDR“ geblieben, sondern wurde nach Polen geliefert. Von Polen gab es dafür Gurken. Die sind aber auch nicht in der „DDR“ geblieben, sondern wurden in die Sowjetunion geliefert, und von der Sowjetunion haben wir dann neuen Samen für Salat bekommen...

Die CSSR pflegte aber damals schon, so wie Ungarn, nebenher mit anderen europäischen Ländern regen Handel. Unter anderem mit Spanien. Wir konnten deshalb auch spanische Ölsardinen und Dorschleber in Dosen kaufen, vorausgesetzt das Geld reichte!

Ein Schwarztausch und Geldschmuggel war da ja wohl Ehrensache!

Als mein Freund und ich an der Grenzübergangsstelle im oberen Erzgebirge ankamen, wurden wir unter einem Vorwand separat kontrolliert und festgehalten.

In dieser Zeit wurde von den „Grenzern“ Kontakt mit dem Rat des Kreises aufgenommen. Nach einer ganzen Weile des Wartens, in der wir natürlich weiterhin bewacht worden sind, gab es ein Gespräch zwischen mir und zwei Grenzbeamten.

Mir wurde dann die Ausreise in die CSSR verweigert und mein Personalausweis wurde einbehalten.

Auf meine Frage, was ich nun ohne Personalausweis bei einer Polizeikontrolle machen soll, hieß es nur: „Das geht uns nichts an, wir befolgen nur die Anweisungen vom Rat des Kreises, melden sie sich dort!“

Der Grund hierfür lag natürlich auf der Hand: Es war mein Ausreiseantrag in die Bundesrepublik!

Zusätzlich habe ich dann einige Tage später erfahren, dass gerade zu diesem Zeitpunkt einige „DDR“- Bürger in die Westdeutsche Botschaft in Prag geflohen waren, um damit ihre Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland zu erzwingen!