Die feurigen Küsse des Playboy-Docs - Joanna Neil - E-Book

Die feurigen Küsse des Playboy-Docs E-Book

Joanna Neil

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Beschreibung

"Vielleicht könnten du und ich von vorn anfangen?" Der Vorschlag ihres Jugendfreunds Nate empört Sophie - und weckt gegen jede Vernunft heiße Sehnsucht nach seinen feurigen Küssen. Dabei weiß sie, dass sie auf Dauer nicht in die Luxuswelt des Playboy-Docs passt. Was nun?

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Seitenzahl: 186

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Die feurigen Küsse des Playboy-Docs erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Katja Berger, Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Christina SeegerGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2016 by Joanna Neil Originaltitel: „Second Chance with Lord Branscombe“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA PRÄSENTIERT ÄRZTE ZUM VERLIEBENBand 111 - 2018 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg Übersetzung: Katharina Illmer

Umschlagsmotive: GettyImages_jacoblund

Veröffentlicht im ePub Format in 09/2020 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733719463

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

„Ist es hier draußen nicht wunderschön?“ Lächelnd betrachtete Jake das Meer und die ans Ufer brandenden Wellen. „Ich liebe diesen Anblick – und ich bin so froh, dass ich manchmal nach der Arbeit hier herkommen und sitzen kann.“

„Ich auch.“ Abwesend erwiderte Sophie sein Lächeln und löffelte Zucker in ihren Kaffee. Sie wurde einfach das nagende Gefühl nicht los, dass ihre Welt demnächst auf den Kopf gestellt werden würde.

Was gab es Besseres, als an einem späten Freitagnachmittag mit Jake auf der Terrasse dieses Restaurants die frische Meeresluft zu genießen? Das entzückende kleine Fischerdorf an der Küste Norddevons, das sie Zuhause nannten, war ein idyllischer Ort. Vom Meer wehte eine leichte Brise, spielte mit ihren langen honigblonden Locken und strich ihr leicht über die Wangen. Von hier konnte sie die felsigen Klippen sehen, die die friedliche Bucht umgaben, und sie konnte die fröhlichen Stimmen der Kinder hören, die unten am Strand spielten. Sie hatte jeden Grund, glücklich zu sein.

Trotzdem war sie seit Wochen gereizt … und dafür gab es nur einen Grund: Nate Branscombes Rückkehr ins Herrenhaus. Seitdem fuhren ihre Gefühle Achterbahn. Dabei hatte sie gewusst, dass er seinen Vater, den jetzigen Lord Branscombe, früher oder später besuchen würde. Aber als sie gehört hatte, dass er tatsächlich aufgetaucht war, wäre sie fast in Panik geraten und hatte alles getan, um ihm aus dem Weg zu gehen.

„Das ist der perfekte Ort zum Entspannen“, schwärmte Jake, der ihre gedrückte Stimmung nicht zu bemerken schien. Er nippte an seinem Kaffee und warf dann einen Blick auf seine Uhr. „Leider kann ich nicht lange bleiben … ich muss zu einem Meeting.“

„Ah … die Freude der Arbeit im Krankenhausmanagement!“ Sie warf ihm einen amüsierten Blick zu.

Jake Holdsworth war ein cleverer, sympathischer junger Mann, gut aussehend, mit braunen Haaren und warmen braunen Augen. Mit achtundzwanzig war er ein paar Jahre älter als sie, aber sie kannten einander seit er regelmäßig im Dorf seine Lieblingstante besucht hatte. Dabei hatten sie sich schnell angefreundet. Irgendwann waren sie allerdings getrennte Wege gegangen, weil sie an unterschiedlichen Orten hatten studieren wollen: Sie hatte ihr Medizinstudium begonnen, während Jake an einer anderen Universität Management im Gesundheitswesen studiert hatte. Erst kürzlich hatten sie sich wiedergetroffen.

„Oh ja! Budgetsitzungen, Beschaffungskomitees, die Beschwerden der Klinikärzte – das macht riesigen Spaß!“

„Aber du liebst es.“ Jake besaß einen guten Sinn für Humor, und sie verbrachte gern Zeit mit ihm. Er schaffte es immer, sie zu beruhigen, half ihr, ihre schwierige Familiensituation für eine Weile zu vergessen.

Ganz anders als Nate Branscombe, der das genaue Gegenteil von Jake war. Er weckte in ihr starke Gefühle – positiv wie negativ –, aber viel zu oft löste er in ihr einen heftigen Tumult aus.

Sein verboten gutes Aussehen ließ ihr Herz rasen, wenn sie ihn nur sah. Frauen waren verrückt nach ihm, doch er ließ sich nie ernsthaft auf eine ein. Er würde niemals eine feste Bindung eingehen.

Vielleicht hatte Sophie sich deshalb immer bei ihm zurückgehalten. Er hatte sie gewollt und ihr das deutlich gezeigt, und sie war so … so sehr in Versuchung gewesen, aber sie würde sich nicht in ihn verlieben, wie all die anderen, die hinterher Liebeskummer gehabt hatten. Nate liebte Frauen, hatte Spaß mit ihnen, genoss das Leben, aber würde er jemals die richtige Frau treffen? Oder war ihm einfach bewusst, dass die Frauen, mit denen er sich traf, nicht zur zukünftigen Frau eines Lords taugten?

„Geht es dir gut? Du bist heute so still.“ Nachdenklich musterte Jake sie. „Ein schwerer Tag im Krankenhaus?“

„Oh … tut mir leid. Ich war mit meinen Gedanken ganz woanders.“ Aus ihrer Grübelei gerissen, gab Sophie sich Mühe, sich auf ihr Gespräch zu konzentrieren. „Nein, es war nicht so schlimm.“

„Probleme zu Hause? Machst du dir Sorgen um deine Familie?“ Jake lächelte sie auffordernd an, bevor er seinen Kaffee austrank und die Hände auf die Tischplatte legte.

Sie zuckte die Schultern. „Laut meinem Bruder Rob benimmt sich meine Mutter wieder seltsam, und Jessica ist aufgebracht, weil Ryan auswärts arbeiten muss.“

Mitfühlend nickte er. „Ein ungünstiger Zeitpunkt? Wie weit ist ihre Schwangerschaft? Im neunten Monat?“

Sie nickte lächelnd. „In der sechsunddreißigsten Woche. Das Baby könnte jetzt jederzeit kommen.“

„Kein guter Augenblick, um allein zu sein, oder?“

„Nein.“ Sophie runzelte die Stirn. „Aber Mum und unser Stiefvater sind in ihrer Nähe.“ Als sie Schritte hörte, die näher kamen, sah sie sich um.

„Ihr Tisch ist hier drüben, Sir“, sagte eine Kellnerin und führte Lord Branscombe zu einem Tisch an der schmiedeeisernen Balustrade. Dort schirmten ein hoher cremefarbener Pflanztopf mit scharlachroten Petunien und viele grüne Sträucher den Platz ein wenig von den anderen Gästen ab.

Langsam und gemessenen Schrittes folgte James Branscombe der Kellnerin, blieb aber mitten auf der Terrasse plötzlich stehen, schien nach Atem zu ringen und presste eine Hand auf seine Brust.

Besorgt musterte ihn die Kellnerin. „Geht es Ihnen gut? Ich habe gar nicht darüber nachgedacht … Die Stufen sind ziemlich hoch … Vielleicht hätte ich langsamer gehen sollen …“

„Bitte keine Umstände“, erwiderte Lord Branscombe schroff. „Bringen Sie mir einfach einen Whisky.“

„Natürlich. Sofort.“ Die junge Frau begleitete ihn zu seinem Tisch, bevor sie ihm eilig den Whisky holte.

Sophie fiel auf, dass die Gespräche um sie herum verstummten. Die Leute warfen verstohlene Blicke zum Tisch in der Ecke und tuschelten. Doch Lord Branscombe ignorierte es und schien in seiner eigenen Welt versunken zu sein. Obwohl er erst Anfang sechzig war, sah er älter aus, seine Haare wurden grau, sein Gesicht wirkte angespannt, und eine tiefe Falte grub sich in seine Stirn.

„Er scheint nicht gesund zu sein“, murmelte Jake und sprach damit aus, was wahrscheinlich jeder hier dachte.

„Ich glaube, du hast recht. Aber wann hat ihn das je gestört? Wahrscheinlich ist Nate deshalb wieder da“, vermutete sie. „Er wird sich Sorgen um seinen Vater machen.“

„Hm … um das Gut auch, schätze ich.“ Jake runzelte die Stirn. „Hast du die Gerüchte gehört?“

„Über Lord Branscombes Investition in Übersee?“

Er nickte.

„Ja. Laut den Zeitungsberichten hat er eine Menge Geld verloren.“

„Nate wird es nicht gefallen – dass die Presse davon Wind bekommen hat, meine ich“, mutmaßte Jake.

„Garantiert nicht.“ Seit sein Vater vor ein paar Jahren am Steuer eines Leichtflugzeugs zusammengebrochen war, hasste Nate die Presse, weil diese ausführlich darüber berichtet hatte.

Tröstend umfasste Jake ihre Hand. „Nach dem, was mit deinem Vater passiert ist, muss das sehr schwer für dich sein.“

„Ist es.“ Sophie kniff die Augen zu. Ihr Vater war Passagier in dem einmotorigen Flugzeug gewesen, das vor beinahe zwei Jahren abgestürzt war. Entgegen aller Ratschläge hatte James Branscombe das Steuer übernommen und war deshalb dafür verantwortlich, dass ihr Vater schwere Verletzungen erlitten hatte: Rücken, Schulter und Knöchel waren gebrochen gewesen, während Lord Branscombe kaum einen Kratzer davongetragen hatte.

Sogar jetzt noch fiel es ihr schwer, sich damit abzufinden.

„Der Gedanke, dass Nate zurückkommt, hat dich bestimmt ziemlich aufgewühlt“, sagte Jake besorgt. „Ihr wart eine Weile zusammen, oder? Bis der Unfall das beendet hat.“

Sie straffte ihre Schultern. „Könnten wir das Thema wechseln?“

Gerade jetzt konnte sie nicht damit umgehen, dass alles wieder aufgewühlt wurde. Sie riss sich zusammen, um nach außen hin ruhig zu wirken, und sie und Jake unterhielten sich leise.

Doch dann bemerkte sie einen Mann, der selbstbewusst über die Terrasse auf den Ecktisch zuging.

„Nate?“, flüsterte sie ungläubig, und Jake drückte sanft ihre Hand zur Unterstützung. Es war ein Schock. Als sie ihn kurz nach dem Unfall gesehen hatte, war sie aufgebracht gewesen, verrückt vor Sorge, und sie hatten sich heftig über die Tat seines Vaters gestritten. Aber nachdem er weggegangen war, hatte sie ihn trotzdem schmerzlich vermisst – körperlich wie seelisch.

Noch hatte Nate sie nicht entdeckt, als er kurz stehen blieb, um mit Bekannten ein paar Worte zu wechseln. Sophies Gedanken rasten …

Da bemerkte er sie und riss überrascht die Augen auf, als er sie erkannte. Für einen Augenblick war er sprachlos. Dann kam er auf sie zu, ein schlanker Mann, sein Gang raumgreifend und selbstbewusst. Die Muskeln seiner Arme ließen einen gut trainierten Körper unter dem Designer-T-Shirt und der legeren Hose, die er trug, erahnen.

Ihr stockte der Atem. Sie konnte nicht mehr klar denken, konnte nur seinen Anblick in sich aufsaugen: breite Schultern, gemeißelte Wangenknochen und schwarze, etwas zu lange Haare, die sich verwegen wellten.

„Sophie.“ Seine Stimme klang tief und warm, ein Hauch Befriedigung darin, als wäre er mehr als zufrieden, sie zu sehen. Er blieb an ihrem Tisch stehen und musterte sie, seinen grünen Augen entging nichts. Sein Blick schweifte von ihren Wangenknochen zu ihrem weichen Mund, verweilte dann auf ihren blonden Korkenzieherlocken, die ihr über die Schultern fielen. „Schön, dich zu treffen. Du siehst fantastisch aus.“

Irritiert senkte sie den Blick. Sie wusste einfach nicht, wie sie nach all der Zeit auf ihn reagieren sollte. Unbekannte Gefühle tobten in ihr und lenkten sie ab.

Dann bemerkte er Jakes Hand, die ihre bedeckte, hob den Kopf, nickte kaum wahrnehmbar. „Jake.“

Ihr Freund schien sich unwohl zu fühlen, denn er richtete sich auf und ließ langsam Sophies Hand los. „Hallo, Nate. Lange nicht gesehen.“

„Ich war beschäftigt, habe die letzten Monate im Ausland gearbeitet.“ Nate schaute Sophie tief in die Augen.

Bilder blitzten in ihrem Kopf auf, Erinnerungen an die Zeit, als sie gemeinsam durch die Wälder des Gutes spaziert waren, als ihre Gefühle für ihn mit jedem Tag stärker geworden waren. An diesem letzten Tag, bevor ihr Medizinstudium hatte beginnen sollen, hatte Nate ihre Hand gehalten und sie in einen sonnenbeschienenen Hain geführt. Damals war sie gerade achtzehn gewesen, aufgewühlt, weil sie weggehen und ihn vielleicht nicht wiedersehen würde. Sie erinnerte sich an die Birken, deren Äste sich in den klaren, blauen Himmel gestreckt hatten und wie Nate sie sanft an die glatte weiße Rinde eines Baumes gelehnt hatte. Er hatte den Kopf gesenkt und sie warm und zärtlich geküsst, sanft wie eine Sommerbrise.

Sogar jetzt noch konnte sie seinen Körper spüren, erinnerte sie sich, wie es gewesen war, in seinen Armen zu liegen und in Flammen aufzugehen, als seine Lippen ihren Hals liebkost hatten.

Jakes Stimme holte sie in die Gegenwart zurück. „Ich hörte, dass du eine Weile in den USA gearbeitet hast“, sagte er. „Sie meinten, du hast gut verdient.“

„Ich schätze schon.“ Erneut konzentrierte Nate seine Aufmerksamkeit auf Sophie. „Ich habe gehofft, dass wir einander über den Weg laufen.“

„Das war vermutlich unvermeidbar.“ Sophie atmete tief ein, um sich zu beruhigen. „Du bist wegen deines Vaters wieder hier?“ Sie blickte zu Nate auf, erstaunt, dass ihre Stimme funktionierte und ihre Nervosität kaum auffiel.

„Ja, es ging ihm die letzten Wochen nicht so gut, auch wenn er es nie zugeben würde.“ Er runzelte die Stirn und schaute zu seinem Vater, der allein am Tisch saß. „Ich sollte zu ihm gehen“, sagte er leicht widerwillig. „Aber ich würde dich gern wiedersehen, hören, wie es dir ergangen ist. Vielleicht können wir später miteinander reden?“

Unentschlossen wiegte sie den Kopf. Wäre es nicht besser, wenn sie beiden Branscombes aus dem Weg ging, besonders Nate? Bereits jetzt spürte sie, wie sich ihr Magen verkrampfte und ihr Herz zu flattern begann.

Nate schien ihre Geste als Zustimmung zu deuten, denn er nickte ihnen kurz zu und ging dann weiter zum Ecktisch auf der Terrasse. Als er gegenüber seinem Vater Platz nahm, bemerkte Sophie, dass sich ein weiterer Mann zu ihnen gesellt hatte – Lord Branscombes Gutsverwalter … sein neuer Gutsverwalter. Davor hatte ihr Vater diese Stelle jahrelang innegehabt. Sie holte scharf Luft.

Jakes Blick folgte ihrem. „Ich frage mich, was aus dem Gut wird, wenn Lord Branscombe wirklich einen Großteil seines Geldes in Übersee verloren hat. Das schreiben zumindest die Zeitungen … dass er das Erbe seines Sohnes bei einer riskanten Investition verspielt hat.“

„Ich denke, da steht nicht nur Nates Erbe auf dem Spiel. Auf dem Gut stehen auch zwei Dutzend Cottages, deren Mieter nicht wissen, was aus ihrem Zuhause wird.“

Traurig nickte Jake. „Und dein Vater ist einer davon. Kein Wunder, dass du über Lord Branscombes Verhalten wütend bist.“

„Vielleicht.“ Sie runzelte die Stirn. „Aber ich möchte jetzt lieber nicht darüber sprechen.“

„Natürlich. Zu guter Letzt scheint Lord Branscombe doch seine wohlverdiente Strafe zu bekommen.“

Sie schwieg. Die Kellnerin kam und schenkte Sophie Kaffee nach, dabei sah sie immer wieder verstohlen zu Nate. Abwesend wollte sie auch Jake nachschenken.

„Für mich nicht, danke“, lehnte er ab und deckte seine Tasse mit einer Hand ab.

„Oh, natürlich.“ Auch als sie langsam wegging, ließ sie Nate nicht aus den Augen.

Jake lächelte. „Von seinem Charme hat er nichts verloren, oder? Er besitzt noch immer dieses Charisma, und die Frauen laufen ihm scharenweise nach.“ In seiner Stimme schwang ein Hauch Neid mit.

„Hmhm.“ Auch Sophie war nicht immun gegen ihn, obwohl sie stets versucht hatte, sich einzureden, dass Nate keine Macht über ihre Gefühle besaß. Doch nur ein paar Sekunden in seiner Gegenwart hatten ihr erbarmungslos das Gegenteil bewiesen. „Ich schätze, du hast recht.“

Sie unterhielten sich noch ein wenig über die Arbeit, bis er zögernd auf seine Uhr sah. „Ich muss los. Soll ich dich zu deinem Auto begleiten?“

Sophie schüttelte den Kopf. „Nein, brauchst du nicht. Ich muss noch meinen Kaffee austrinken. Geh ruhig.“

„Gut.“ Er stand auf und hauchte ihr einen kurzen zärtlichen Kuss auf die Wange. „Ich kümmere mich um die Rechnung.“

„Danke.“ Sophie schaute ihm nach und trank dann langsam ihren Kaffee. Als ihr Blick zum Ecktisch schweifte, fiel ihr auf, dass Lord Branscombe lustlos in seinem Essen stocherte, während sich sein Gutsverwalter ein Steak schmecken ließ. Nate aß nichts. Die drei Männer schienen lebhaft zu diskutieren – wahrscheinlich darüber, wie es weitergehen sollte.

Kurze Zeit später nahm sie ihre Handtasche und stand auf.

„Gehst du schon?“ Nate musste sie beobachtet haben, denn er war plötzlich an ihrer Seite und umfasste ihren Ellbogen. „Ich wollte dich nicht gehen lassen, ohne noch einmal mit dir zu sprechen. Kann ich dich begleiten?“

„Ich … ja … Ich meine …“ Verwirrt schwieg sie, während er neben ihr die Treppe hinunterlief. Als sie den Loungebereich des Restaurants erreichten, hatte sie ihr inneres Gleichgewicht einigermaßen wiedergefunden und fragte: „Erwartet dein Vater nicht, dass du ihm Gesellschaft leistest?“

„Ich bin sicher, er kommt gut eine Weile ohne mich zurecht. Außerdem kennt er meine Meinung. Er und Maurice werden vermutlich noch ungefähr eine Stunde um Details ringen.“

Sie verließen das weiß gestrichene Gebäude und blieben am Geländer, das sich vor den Klippen erstreckte, stehen. „Es hätte mich eigentlich nicht überraschen dürfen, dich mit Jake anzutreffen“, sagte Nate. „Ihr wart immer gute Freunde … aber ich habe gesehen, dass er dich geküsst hat. Seid ihr jetzt ein Paar?“ Er musterte sie eingehend. „Ist es ernst zwischen euch?“

Sophie blinzelte. Mit der Frage hatte sie nicht gerechnet. „Oh, wir haben uns erst vor Kurzem wiedergetroffen“, antwortete sie vorsichtig. „Ich glaube, er mag mich, aber wir sind wirklich nur Freunde.“ Sie konnte sich gut vorstellen, dass Jake ein weitergehendes Interesse an ihr hatte, aber nach einigen unglücklichen Beziehungen in den letzten Jahren hatte sie es nicht eilig, die nächste anzufangen.

„Ich verstehe.“ Er musterte sie eingehend und schien ihr nicht zu glauben, dass sie nur Freunde waren. „Ich mochte dich immer, Sophie. Das weißt du, oder? Es war schwer für mich, dich so verletzt zu sehen, nach dem Unfall deines Vaters. Ich hatte das Gefühl, dass du mir irgendwie die Schuld gegeben hast – vielleicht dachtest du, ich hätte meinen Vater vom Fliegen abhalten müssen …“

„Du musst doch gewusst haben, wie es um seine Gesundheit bestellt war.“ Sie starrte ihn an, und der Schmerz musste ihr deutlich anzusehen sein. „Bestimmt hättest du irgendetwas tun können?“

„Du weißt doch, wie er ist. Nur keine Schwäche eingestehen. Und ich habe zu der Zeit in einem Krankenhaus in Cornwall gearbeitet.“ Er presste seine Lippen aufeinander. „Sophie, ich wollte nie diese Kluft zwischen uns. Du schienst mich nicht in der Nähe haben zu wollen, aber ich habe immer gehofft …“

„Nein … lass uns nicht davon anfangen.“ Hastig unterbrach sie ihn. Er war weggegangen, um im Ausland zu arbeiten, und hatte es ihr überlassen, mit ihren Gefühlen fertigzuwerden. Vielleicht war es für ihn ja wirklich schwer gewesen, ihren Schmerz zu sehen, den sein Vater verursacht hatte. „In der Zwischenzeit ist viel passiert. Ich bin sicher, du bist jetzt ein anderer Mensch – zumindest bin ich es. Diese letzten zwei Jahre haben mich verändert.“ Sie straffte die Schultern. „Wie ist es dir ergangen? Gibt es jetzt jemanden in deinem Leben?“

Er verzog das Gesicht und zuckte die Schultern. „Du kennst mich. Ich kann keine Beziehung anfangen – es passiert einfach immer zu viel.“

„Hm. Und es braucht Zeit, die richtige Frau zu finden … eine mit Klasse und passender Herkunft, die ihren Platz in Branscombe Manor einnimmt, oder“, fragte sie mit einem süffisanten Lächeln. Sie wusste genau, dass er sich Zeit lassen würde, bis er seine Wahl traf.

„Und du glaubst, mich zu kennen?“, erwiderte er lachend. „Oder zumindest dachtest du das immer.“

„Du sprichst in Rätseln.“ Doch sie ließ es ihm durchgehen und fragte ernst: „Also … bist du zurückgekommen, um das Gut in Ordnung zu bringen?“

Er zog eine Augenbraue hoch. „Kannst du dir vorstellen, dass mein Vater das zulässt? Er hat noch nie auf jemanden mit neuen Ideen gehört, noch nicht einmal auf mich. Deswegen haben wir gestritten, und ich bin unter anderem deshalb weggegangen. Er muss alles auf seine Art machen.“

„Wie der Vater, so der Sohn – meinst du nicht?“, forderte sie ihn heraus. „Schließlich hast du dich für eine Karriere als Arzt entschieden, obwohl dein Vater dagegen war.“

„Das stimmt“, erwiderte er. „Ich wollte schon immer Arzt werden. Und ich hatte Glück – ich konnte mit dem Geld meines Treuhandfonds das Studium beenden, weil er mich nicht unterstützt hat. Er wollte, dass mein Leben eine vollkommen andere Richtung einschlägt und ich alles über die Verwaltung eines Gutes lerne, damit ich es eines Tages übernehmen kann. Aber diesen Wunsch konnte ich ihm nicht erfüllen. Irgendwann haben wir den Streit beigelegt, aber für ihn ist es noch immer ein wunder Punkt.“

„Manche Leute hier denken, du machst dir nichts aus dem Gut oder dem Dorf.“

„Glaubst du das?“ Seine grünen Augen musterten sie eingehend.

„Ich denke, ich kenne dich besser … aber ich würde gern deine Meinung hören.“

„Es ist mir nicht egal, es ist mein Erbe. Das Herrenhaus ist seit Generationen im Besitz unserer Familie, und das soll auch so bleiben. Für mich wäre es in Ordnung gewesen, zu gegebener Zeit das Gut zu übernehmen. Dann hätte ich getan, was nötig gewesen wäre, mit der Hilfe von Managern, aber mein Vater hat keine meiner Ideen toleriert. Wann immer ich Verbesserungen vorgeschlagen habe, hat er darauf beharrt, dass alles gut wäre, wie es ist.“

Nachdenklich nickte Sophie. Ihr Vater hatte oft angedeutet, wie schwierig es war, mit Lord Branscombe zusammenzuarbeiten. „Wir kommst du mit ihm klar, seitdem du wieder zurück bist?“

Er zuckte mit den Schultern. „Wir sind noch immer nicht einer Meinung, aber wir kommen gut zurecht. Als ich gehört habe, dass seine Herzrhythmusstörungen schlimmer geworden sind, musste ich zurückkommen. Mein Vater kann schwierig sein, aber er ist alles, was ich habe, und ich bin sein einziger Sohn. Darum verbindet uns trotz unserer Differenzen vieles. Wir haben viel zusammen durchgestanden und gelernt, einander zu verstehen.“

„Und wie geht es ihm wirklich? Er sah in letzter Zeit nicht gut aus.“

„Interessiert dich das?“ Mit schmalen Augen betrachtete er sie, ein Muskel zuckte in seinem Kinn. „Nach dem, was deinem Vater passiert ist, interessiert dich wirklich, was aus ihm wird?“

Sie zuckte zusammen. „Wenn ich ehrlich bin, würde ich gern sagen … dass es mir egal ist … aber ich bin ein Mensch, und ich bin Ärztin, daher lässt es mich nicht kalt, wenn jemand leidet. Ich gebe ihm die Schuld daran, was meinem Vater passiert ist, aber ich kann die Vergangenheit nicht ändern, oder? Irgendwie muss ich sie akzeptieren und nach vorn schauen.“

Nate seufzte. „Es tut mir leid. Ich würde alles dafür geben, den Unfall ungeschehen zu machen.“ Er streckte die Hand nach ihr aus, strich leicht über die nackte Haut ihres Arms. Seine Berührung setzte ihren Körper in Brand und schwächte all ihre Abwehr. Entgegen jeglicher Vernunft wollte sie mehr.

Wenn er sie berührte, konnte sie nicht klar denken. Sie sah ihn an und wünschte mehr als alles, dass es zwischen ihnen anders wäre. Aber das konnte nie sein. Denn sein Vater hatte den Unfall verursacht, der ihrem Vater die schrecklichen Verletzungen zugefügt hatte.

„Ich weiß, dass es dir leidtut … aber jetzt ist es zu spät für Reue, oder? Hättest du früher von seiner Erkrankung gewusst, hättest du ihn vielleicht davon abhalten können, an dem Tag zu starten. Aber das hast du nicht.“ Ihre Worte waren ein atemloses Flüstern, als sie sich vorsichtig von ihm löste. Kurz sah sie Schmerz in seinem Gesicht aufflackern und sagte leise: „Ich vermute, Charlotte hat dir berichtet, wie es deinem Vater geht?“

„Ja. Wäre es nach ihm gegangen, hätte ich nie erfahren, wie ernst es ist. Dafür ist er viel zu stur. Aber Charlotte hat mich auf dem Laufenden gehalten, besonders, nachdem die Artikel über die gescheiterte Investition erschienen sind, und es ihm schlechter ging. Wir dachten alle, seine Erkrankung wäre unter Kontrolle, aber sein Zustand hat sich verschlechtert und ist in letzter Zeit instabil.“