Die größte Bank der Welt - Michael Rohleder - E-Book

Die größte Bank der Welt E-Book

Michael Rohleder

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Beschreibung

Im Frühjahr 2000 hält der Finanzmarkt kurz den Atem an, als Deutsche Bank (80,000 Mitarbeiter) und Dresdner Bank (50,000 Mitarbeiter) ihre Fusion zur "größten Bank der Welt" (BILD) ankündigen. Der Autor, damals Geschäftsbereichsleiter Corporate Finance der Dresdner Bank Frankfurt, schildert als Betroffener rückblickend die dramatischen Ereignisse um die unerwartete Hochzeit, die nach nur vier Wochen abrupt abgeblasen wird. Die fatalen Folgen hat allein die "grüne Bank" zu verkraften. 2001 übernimmt die Allianz AG mit 100% des Kapitals das Ruder und forciert - verunsichert durch drastisch verschlechterte Geschäftsergebnisse - einen radikalen Mitarbeiterabbau, dem auch der Autor Ende 2002 zum Opfer fällt.

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Seitenzahl: 59

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Disclaimer

Für börsennotierte Banken existieren drei Arten von Realität: zwei davon befinden sich vor der Kulisse, eine dahinter. Erstere werden bestimmt durch den Kapitalmarkt und durch die hauseigene PR, manchmal decken sie sich. Die innere Wirklichkeit ist nur einem kleinen Kreis von Insidern bekannt. Im Falle der geplanten Megafusion Deutsche/Dresdner Bank waren es meines Wissens im finalen Countdown nur drei Schlüsselpersonen auf jeder Seite. Zu diesem engsten Personenkreis gehörte ich nicht. Offensichtlich auch niemand sonst aus dem Investmentbanking - bei beiden Häusern. Externe Fusionsberater gab es offensichtlich nicht.

Meine Schilderung der damaligen Ereignisse fußt auf persönlicher Wahrnehmung als Betroffener mitten im Geschehen, auf hauseigener Kommunikation sowie anderen öffentlich zugänglichen Quellen. Die Darstellung erhebt weder Anspruch auf ein kritisches Praxislehrbuch für Investmentbanker noch auf eine chronologisch wissenschaftliche Ausarbeitung für Historiker.

Inhalt

BILD FRANKFURT RHEIN-MAIN

Zuspruch am Morgen

Kalt erwischt

Zeitsprung zu Bankers Trust New York 1979

Fressen oder gefressen werden

Objekt eines großen Plans

OP an offenen Herzen

Zeitsprung zu Deutsche Bank Frankfurt 1986

Auf dem Grill

Misstöne im Duett

Abbruch, Abbruch

Fliehkräfte in London

Stühlerücken in Frankfurt

Schock auf Mallorca

Zeitsprung zur Dresdner Bank Frankfurt 1994

Rettungsboot Plan B

Verbindung halten

Krisenvorstände

Merkwürdiges Dinner in London

Wasserstein, Perella

Nachfolgersuche mit Eigenanteil

Allianz schluckt Dresdner Bank

Börsengang Fraport

Nine Eleven

Abtritt Bruce Wasserstein

BHW Zweitplatzierung off

Estrella Umzug

Degussabank/ING Diba

Abtritte Fischer, Shacklock

Jetzt bin ich dran

Medienverzeichnis

Abbildungen

Persönlich gefärbtes Glossar

Erkenntnisse für Führungskräfte

Danksagung

Frühere Publikationen und Fachbeiträge

BILD FRANKFURT RHEIN-MAIN

Und wieder einmal ist es die BILD-Zeitung, die am 15. März 2024 als erste über Überraschungen im Bankensektor berichtet, dieses Mal über die jüngste Biografie "Mein Weg" vom Ex-Chef der Deutschen Bank Josef Ackermann. Bald 25 Jahre ist es jetzt her, als BILD vor allen anderen am 7. März 2000 mit der Schlagzeile "Deutsche und Dresdner fusionieren - die größte Bank der Welt" aufmachte. Mein Buchhändler im Taunus übergab mir das aktuelle Blatt eher beiläufig, vielleicht hoffend, dass ich meine persönliche Aufarbeitung des großen Fusionsdramas Deutsche Bank/Dresdner Bank nun bald herausbringe, an der ich seit geraumer Zeit arbeite. Und bisher immer wieder mit der Veröffentlichung haderte. Doch jetzt muss das noch viele Jahre nachwirkende berufliche Trauma endlich an die Luft. Vielleicht spreche ich da auch andere verletzte Seelen an, die mit diesem Teil ihrer Vergangenheit abschließen und den Phantomschmerz eines untergegangenen Bankhauses loswerden wollen, für das man viel Herzblut gegeben hatte.

Eine Fusion von nationalen Wettbewerbern mit ähnlichen Produkten fordert immer Opfer, danach geht man zur neuen Tagesordnung über. Aber es macht einen großen Unterschied, ob man als Bankhaus Klienten in Fusionsangelegenheiten berät oder als Institut selbst auf einem fremden Schachbrett zur Disposition steht. Und wenn dann ein groß angekündigter, aber schon 4 Wochen später abrupt abgeblasener, Zusammenschluss eine Negativspirale zur Folge hat. Wer denkt, noch einmal davon gekommen zu sein, und weiter seinem Job nachgeht ahnt nicht, dass ein Akteur hinter der Kulisse nicht aufgeben wird, um sein ursprüngliches Ziel zu erreichen, nämlich die ultimative Wertsteigerung seiner Bankbeteiligung, auch wenn es etwas kostet.

Ackermanns jüngste Insiderschilderung der damaligen Ereignisse im Kapitel "Der gescheiterte Coup" bringen mich schlagartig zurück in die vier Wochen andauernde Agonie des Vereinigungsversuchs beider deutschen Bankgrößen im Jahr 2000. Bei beiden Häusern war ich damals mit großem Eifer als Investmentbanker im Einsatz: zunächst von 1986 bis 1993 bei der Deutschen Bank (den "Blauen"), dann von 1994 bis 2002 im Hause der Dresdner Bank (den "Grünen"). Während die Deutsche Bank aus dem Abbruchdrama der Fusion eher als Gewinner hervorgeht und Josef Ackermann als Leiter des Investmentbanking zwei Jahre später Chef der Gesamtbank wird, blutet die Dresdner Bank sukzessive aus und verendet 2008/2009 in einer Übernahme durch die Commerzbank. Ich selbst scheide bereits Ende 2002 aus und verlasse mit 50 jungen Jahren die Bühne des Investmentbanking für immer ("for good” wie es in Amerika heißt). Enttäuscht von Shareholder und Management, abgestoßen von den Eitelkeiten der Branche, ermüdet von der zunehmenden Selbstbehauptung nach innen und nach außen. Meine berufliche Vision war - nach Erwerb des nötigen Rüstzeuges in den ersten Jahren bei Bankers Trust in New York und Frankfurt - für eine deutsche Großbank Unternehmenskunden zu beraten und im internationalen Kapitalmarkt innovativ zu begleiten. Und dies möglichst bis zum persönlichen Ruhestand. Das war jetzt alles in Frage gestellt.

Die geplatzte Fusion löste einen fatalen Abstiegskampf des kleineren Partners aus. Zunächst im Herbst 2000 die überhastete und teure Akquisition der Investmentboutique Wasserstein, Perella New York, dann 2001 die 100%ige Unterwerfung unter ein Allfinanzdach von Großaktionär Allianz, dem eigentlichen Drahtzieher der ”Operation Grossfusion". Zuletzt 2008 der ultimative Verkauf der Dresdner Bank und deren Aufgehen in der Commerzbank. Für die Deutsche Bank bahnte sich eine andere Zäsur an, die toxische Dominanz des Investmentbankings mit ihren eigenen Spielregeln.

Bis zum Fusionsschock 2000 hatten die Grünen im Investmentbanking sieben gute Jahre eines stetigen Aufstiegs erlebt, die Bank wurde von Kapitalmarktkunden im In- und Ausland immer häufiger als Alternative zu den Blauen gewählt.

Auch das Privatkundensegment profitierte von den Anlagemöglichkeiten von Dresdner Bank geführten Privatisierungen und Börsengängen. Daran war ich nicht gänzlich unbeteiligt gewesen, zusammen mit einem kämpferischen Team, unterstützt von den Kollegen der 1995 akquirierten britischen Merchantbank Kleinwort Benson, und dem motivierenden Rückhalt durch den Vorstand.

Von Zeit zu Zeit fragte ich mich später ob mein radikaler Schnitt vielleicht verfrüht und ich dem nachfolgenden Geschehen noch eine Chance hätte geben sollen. Wenn ich die weitere Entwicklung in der Branche bis heute betrachte fällt mir die Antwort nicht schwer: meine Entscheidung war goldrichtig, ich habe nichts verpaßt hätte aber viel verlieren können, Gesundheit, Familie, eventuell wieder einen Arbeitsplatz unter mir nicht genehmen Umständen.

Es war letztlich ok so wie es kam.

Kelkheim/Ts. im Herbst 2024

N.B.: Während ich dieses Buch fertigstelle, übertreffen sich die Schlagzeilen zu einer Commerzbank-Übernahme durch die italienische Großbank UNICREDIT, nachdem der Bund begonnen hat, eine kleine Tranche seiner 2008 zur Rettung übernommenen Anteile wieder zu veräußern. Die UNICREDIT , in Deutschland Eigentümer der Münchner Hypovereinsbank, wäre z.Zt. mit kontrollierten Anteilen von knapp 21% der größte Commerzbank-Aktionär vor dem Bund. Die Bankführung wurde bereits ausgewechselt und ein erstes gemeinsames Treffen mit dem neuen Großaktionär anberaumt. CAPITAL urteilte am 13.09.24, dass "die Tage der Commerzbank als eigenständiges Institut gezählt seien". Ob der Spuk bald wieder vorbei ist, oder die Bank das gleiche Schicksal ereilen wird wie die Dresdner Bank in 2008? Wie es den Führungskräften und der Belegschaft gegenwärtig gehen muss kann ich mir gut vorstellen...

Zuspruch am Morgen

"Ihnen kann nichts passieren, Sie kommen doch von der Deutschen Bank". Bernhard Walter, Vorstandssprecher der Dresdner Bank AG, mir Mut machend auf dem Weg zur gemeinsamen Fusions-Pressekonferenz am 9. März 2000 im Atrium der Dresdner Bank in der Gallusanlage 8, Frankfurt am Main.

Dr. Rolf-E. Breuer (†2024), Vorstandssprecher Deutsche Bank, mit Bernhard Walter (†2015), Vorstandssprecher Dresdner Bank, am 9. März 2000

Kalt erwischt