Beschreibung

Auch die Tochter eines Pfarrers kann einen Fehler machen. Doch Charlotte Lamb zahlt einen hohen Preis für ihren Fehltritt, auch wenn es nur eine Nacht war. Ihr Vater verstößt Charlotte, als ihre Schwangerschaft nicht mehr zu verbergen ist. Ihre Zuflucht: Milkweed Manor. Ein Haus in London voller Legenden, alter Geheimnisse und neuem Leben. Dort begegnet sie ihrer Vergangenheit: einem Mann, der seine eigenen Geheimnisse hütet. Eine ergreifende Liebesgeschichte aus dem England der Zeit um 1800.

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ISBN 978-3-7751-7106-9 (E-Book)ISBN 978-3-7751-5078-1 (lieferbare Buchausgabe)

Datenkonvertierung E-Book:Satz & Medien Wieser, Stolberg

Alle beschriebenen medizinischen Anwendungen und Methoden in diesem Buch entsprechen dem wissenschaftlichen Kenntnisstand des 18. Jahrhunderts. Über die Wirksamkeit oder Gefährlichkeit der einzelnen Methoden und Arzneien kann dieses Buch keine Aussage treffen. Von einer Nachahmung wird ausdrücklich abgeraten.

2. Auflage 2011

© der deutschen Ausgabe 2009 SCM Hänssler im SCM-Verlag GmbH & Co. KG · 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-haenssler.de; E-Mail: [email protected]

Originally published in English under the title: Lady of Milkweed Manor © der Originalausgabe 2007 by Julie Klassen Published by Bethany, a division of Baker Publishing Group, Grand Rapids, Michigan, 49516, U.S.A. All rights reserved.

Übersetzung: SuNSiDe, Susanne Naumann und Sieglinde Denzel Umschlaggestaltung: OHA werbeagentur gmbh, Grabs, Schweiz; www.oha-werbeagentur.ch Titelbild: Mike Habermann Photography, Inc. Cover art used by permission of Bethany House Publishers. Satz: Satz & Medien Wieser, Stolberg

Vorbemerkung zur deutschen Ausgabe

In der Geschichte von Charlotte Lamb spielt die Seidenblume (engl. Milkweed) eine zentrale Rolle. Die Seidenpflanze oder Seidenblume, die in Deutschland kaum bekannt ist, ist eine im Durchschnitt etwa einen Meter fünfzig hohe, ursprünglich aus Nordamerika und Kanada stammende Staudenpflanze mit sehr schönen, faustgroßen, duftenden Blütendolden. In Europa ist sie vor allem in England ausnehmend häufig zu finden und gilt dort als Unkraut, da sie zur Verwilderung neigt und ihre Wurzeln nur sehr schwer auszurotten sind. In Deutschland kommt sie eher selten vor und wird allenfalls als Kübelpflanze kultiviert.

Ihr lateinischer Name, Asclepias, ist von dem griechischen Gott der Heilkunst, Asclepios, abgeleitet und geht auf ihre umfangreichen Einsatzmöglichkeiten als Heilpflanze zurück. Ihr englischer Name, Milkweed, bezieht sich auf den milchigen Saft, den die Pflanze aus allen Pflanzenteilen absondert. Die Seidenpflanze gehört zur Familie der Hundsgiftgewächse und wurde vor allem in der Volksmedizin bei den vielfältigsten Krankheitsbildern verwendet. Als Nutzpflanze – so hatte man unter anderem versucht, die seidigen Samenhaare als Polstermaterial zu verwenden – konnte sie sich nicht durchsetzen.

Die Übersetzerin

An die Seidenblume Keiner nenne dich Blume! Die Seidenweiche deines fiedrigen Samens will ich nicht gering schätzen, dich nicht herabwürdigen zum Unkraut, du Quaste aus hermelinweicher Daune, würdig, eine Königin zu schmücken … … Ach könnte doch der Sänger die dunkle Saat seiner Fantasie auf solch kühnen, luftigen Schwingen über ferne Länder und unentdeckte Meere schweifen lassen, dass, unter ihr erblühend, die Menschen sagen würden: Sieh nur diesen Wildwuchs von Liedern – nicht ungefällig dem menschlichen Ohr!Sonnette von Lloyd Mifflin

To the MilkweedNONE call thee flower! I will not so malign The satin softness of thy plumëd seed, Nor so profane thee as to call thee weed, Thou tuft of ermine down, Fit to entwine about a queen … … Ah me! Could he who sings, On such adventurous and aërial wings Far over lands and undiscovered seas Waft the dark seeds of his imaginings, That, flowering, men might say, Lo! Look on these

Prolog

Als ich sie kennenlernte, hat sie mich anfangs eher belustigt. Sie wirkte fast ein wenig einfältig und war immer ein bisschen schmuddelig von den Morgenstunden, die sie gewöhnlich im Garten verbrachte. Wenn sie nicht draußen herumwerkelte, schien sie die ganze Zeit irgendwelchen poetischen Unsinn zu lesen und sich mit Vorliebe völlig abstruse Fragen auszudenken. Aber ich mochte sie und glaube, dass sie mich bewunderte. Ihr Vater schien durch mich hindurchzusehen. Am Schluss ließ er keinen Zweifel daran, dass er mich für absolut unpassend hielt, und zerstörte damit unsere keimende Freundschaft, noch bevor irgendetwas daraus erwachsen konnte. Ich hatte Miss Charlotte Lamb schon bald vergessen – jedenfalls bildete ich mir das ein.

Die Jahre verstrichen. Als ich sie wiedersah, war sie sehr verändert. Nicht nur ihre äußere Situation hatte sich gewandelt – sie war in keiner Hinsicht mehr die privilegierte Tochter aus gutem Hause, sondern lebte in notvoller Armut –, ihr ganzes Wesen war ein anderes. Jedenfalls schien es mir so.

Ihre Umwelt sah sie wahrscheinlich mit völlig anderen Augen. Ihr musste sie als eine Gefallene erscheinen, wie sie tiefer kaum sinken kann. Ein Geschöpf, das man vom Jackenärmel schnippt wie ein ekelerregendes Insekt. Vielleicht auch ein Insekt zum Quälen geschaffen für grausame Knaben, die sich einen Spaß machten, ihren unseligen Opfern erst einen und dann den anderen Flügel auszureißen und dann in morbider Schadenfreude zuzugucken, wie es sich hilflos am Boden krümmt.

Für den weniger böswilligen Außenstehenden ist sie ein Wesen, das er schlimmstenfalls verachtet, bestenfalls ignoriert, ganz sicher aber nicht mit einem Gefühl der Hoffnung oder gar der Freude betrachtet. Tag für Tag Zeuge zu werden, wie sie sich verwandelte, wie sie inmitten dieser schmutzigen, abstoßenden Umgebung nicht etwa verkümmerte oder vertrocknete, sondern sich täglich mehr entfaltete, um schließlich ganz Anmut zu werden, ganz Sonne, Wind und Blume.

Ich selbst kann natürlich nur aus der Entfernung zusehen – aus sicherer Entfernung für uns beide. Sicher für mich, den inzwischen verheirateten Mann, den angesehenen Arzt, und für sie, deren Ruf auf keinen Fall mehr leiden sollte – jedenfalls nicht, wenn es in meiner Macht steht, es zu verhindern.

Und doch, wenn ich sie so beobachte zwischen den Seidenblumen, muss ich mir eingestehen, dass all diese Gedanken verblassen und dass ich nur noch an sie denke.

Wie wunderschön sie ist. Nicht von einer abstrakten Schönheit, sondern mit ihrer Umgebung zu einem vollkommenen Ganzen verschmelzend, zu einem Gemälde am oberen Rand von reinstem Gold erfüllt, unter dem ein völlig außer Rand und Band geratener Garten wuchert – gold, grün, lila – Himmel und Erde. Und in der Mitte ihre stille Gestalt, die nicht zu mir, sondern zu einem fernen Horizont blickt, von dem die Sonne ihre ersten Strahlen über die Seidenblumen wirft, über ihre milchweiße Haut, ihr Haar, ihr Kleid.

Das Licht bewegt sich auf mich zu und ich bin still, sprachlos. Ein spitzer Stachel des Wartens erfüllt meine Brust und ich kann kaum atmen. Wenn ich mich nicht bewege, wird das Licht mich erreichen und das Gemälde auch mich in sich aufnehmen. Wenn ich zurücktrete, zurück in den Schatten, werde ich sicher sein, aber ich werde nicht sehen, wie sie sich schließlich erhebt und ihre Flügel ausbreitet …

Lieber Gott. Wache über mich. Und segne Miss Charlotte Lamb.

Teil I

Die kleine Kostbarkeit, der Samen der Seidenblume, gab ein wunderbares Spielzeug ab. In unserem Garten wurde die Pflanze gnadenlos ausgerottet, doch sie eroberte kühn ein Nachbarfeld und lieferte uns das Material für Märchenwiegen mit winzigen Kissen aus Silberseide.Alice Morse Earle, Old-Time Gardens

Gab mein Heiland nicht sein Blut, ging mein Herr nicht aus dem Leben? Hat sein höchstes, heil'ges Gut für mich Sünderwurm gegeben?Isaac Watts

1

Die Seidenblume bedarf keiner Einführung. Jedes Kind kennt und liebt ihre hübschen Samenkapseln, jedenfalls so lange, bis sie sich an dem geheimen Ort, an dem es sie gehortet hat, in eine nicht mehr wiederzuerkennende, unappetitliche Masse verwandelt haben.

F. Schuyler Mathews, Naturforscher des 19. Jahrhunderts

Sorgsam legte die zwanzigjährige Charlotte Lamb ein Kleidungsstück nach dem anderen in die Truhe. Einmal hielt sie einen Augenblick inne und wog das seidige Gewicht einer himmelblauen Ballrobe auf dem Arm. Es war ihr Lieblingskleid, ein Geschenk ihrer geliebten Tante Tilney. Sie streichelte noch einmal zärtlich darüber und packte es dann sorgfältig zu den anderen Gewändern. Als Nächstes kamen die Ausgehkleider, dann die Abendkleider und die hellen Tageskleider, gefolgt von den dazu passenden Capes und Hüten, dem Haarschmuck und schließlich den langen Handschuhen. Zum Schluss kamen die Unterröcke und das nagelneue Fischbeinkorsett. Das Korsett durfte auf keinen Fall fehlen.

Wieder wandte sie sich zu ihrem rasch sich leerenden Kleiderschrank und griff nach einem einfachen taubengrauen Musselinkleid, das an Ellbogen und Ärmeln bereits ziemlich abgetragen war. Als sie es aufs Bett legte, kam ihr ein Gedanke. Sie unterbrach ihre Tätigkeit, verließ ihr Zimmer und ging auf Zehenspitzen über den Gang zum Zimmer ihrer Mutter. Vor der Tür blickte sie kurz über die Schulter und als sie niemand sah, drückte sie so leise wie möglich die Türklinke hinunter und ging hinein. Die Fensterläden waren geschlossen. Sie trat ans Fenster und stieß sie auf. Kaltes, graues Morgenlicht fiel in den Raum. Sie ging zurück und schloss die Tür. Dann lehnte sie sich gegen die getäfelte Wand, schloss die Augen und gab sich der Stille und dem Frieden hin, die sie in diesem Zimmer stets empfunden hatte. Sie war lange nicht mehr hier gewesen.

Plötzlich hörte sie von irgendwoher im Pfarrhaus ein lautes, klapperndes Geräusch. Erschrocken fuhr sie zusammen, obwohl sie keinen Grund hatte zu fürchten, dass man sie hier drinnen fand. Wahrscheinlich war es nur Tibbets, die Feuer machte. Bis ihr Vater aufwachte, würden noch Stunden vergehen. Doch dann erinnerte sie die Erkenntnis, dass bereits jemand auf und bei der Arbeit war, daran, dass sie sich beeilen musste, wenn sie ohne großes Aufhebens das Haus verlassen wollte. Entschlossen trat sie an den Schrank und öffnete die Türen. Ja, die Kleider ihrer Mutter waren noch da. Sie strich nachdenklich über die Gewänder aus Spitze, Samt und Seide, fand aber nicht, was sie suchte. Hatten ihr Vater oder Beatrice es womöglich weggeworfen? Sie schob die Bügel beiseite und schaute unten im Schrank nach, hinter den ordentlich aufgereihten Schuhen. Etwas Braunes fiel ihr ins Auge. Sie griff danach und zog ein zerknülltes lehmfarbenes Bündel hervor, das offensichtlich vom Bügel gerutscht war. Es war ein schlichtes, weit geschnittenes Kleid – das Gartenkleid ihrer Mutter.

Sie legte es über den Arm und ging hinüber zu dem Nachtkästchen, auf dem etliche Bücher standen, getraute sich aber nicht, die Bibel zu nehmen, weil sie wusste, dass sie aus der Pfarrbibliothek stammte. Stattdessen wählte sie eine kleine, leichte Taschenausgabe des Neues Testaments und der Psalmen. Es war eine Ausgabe für Damen, eine außergewöhnlich hübsche Edition, in Leinen gebunden, mit einem kunstvollen Muster aus Vögeln und Blumen in Seidenstickerei und einem feinen Metallfaden. Das Büchlein war ein Geschenk der Schwester ihrer Mutter gewesen und Charlotte glaubte nicht, dass ihr Vater etwas dagegen hatte, wenn sie es mitnahm.

Mit einem letzten Blick auf die Sachen, die ihrer Mutter gehört hatten – die Haarbürste und die Kämme, den Kameen-Anhänger und die Schmetterlingsbrosche –, verließ sie das Zimmer und huschte in ihr eigenes zurück. Sie rollte das Kleid ihrer Mutter so eng wie möglich zusammen und stopfte es in einen kleinen ledernen Handkoffer. Dazu kamen das abgetragene graue Kleid, Unterröcke, Strümpfe, Hauspantoffeln und Unterwäsche. Einen Schal, einen Morgenmantel, Handschuhe und das Neue Testament packte sie in eine Reisetasche. Ihre beiden praktischsten Hauben wanderten in eine Hutschachtel. Taschentücher und das wenige Kleingeld, das sie besaß, verstaute sie in einem Ridikül, einem Beutelchen, das sie am Handgelenk trug.

Sie warf noch einen Blick auf den Schrankkoffer, der gleichsam die Essenz ihrer guten Jahre, ihrer glücklichen, unbeschwerten Jugend enthielt, und drückte entschlossen den Deckel zu. Dann befestigte sie den Reisehut auf ihren hochgesteckten braunen Locken, ergriff Koffer, Reisetasche, Ridikül und Hutschachtel – mehr konnte sie nicht tragen – und verließ das Zimmer. Leise schlich sie die Treppe hinunter. Unten in der Halle warf sie einen raschen Blick auf das silberne Tablett, das auf dem Tischchen stand. Der Brief von gestern lag noch immer dort, unbeantwortet. Ihre Cousine hatte sie von der »freudigen Nachricht« in Kenntnis gesetzt und geschrieben, wie sehr sie sich auf »das große Ereignis freue, das diesen Herbst eintreten soll«. Beatrice hatte die hübschen Lippen verzogen und gemeint, es verursache ihr Übelkeit, von derart privaten Dingen zu lesen, zumal von einer Frau in Katherines fortgeschrittenem Alter. Charlotte hatte dazu geschwiegen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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