Die Liebe findet jeden - Maria Klein - E-Book

Die Liebe findet jeden E-Book

Maria Klein

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Beschreibung

Die Königin der Herzen: Deutschlands erfolgreichste Partnervermittlerin verrät ihre Geheimnisse für die Liebe Maria Klein zählt zu den erfolgreichsten Partnervermittlern in Deutschland. Mit viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl analysiert sie, welche Menschen füreinander bestimmt sein könnten. Dank ihrer Hilfe haben Tausende von Paaren zueinander gefunden. In diesem authentischen Erfahrungsbericht erzählt sie mit großer Leidenschaft von den skurrilen und berührenden Erlebnissen ihrer täglichen Arbeit als Partnervermittlerin. Dabei macht sie allen Singles Mut, die die Hoffnung auf eine glückliche Beziehung schon aufgegeben haben: »Es gibt für jeden von uns einen passenden Partner. Für die Liebe ist es nie zu spät.« Zusätzlich gibt Maria Klein wertvolle Tipps, wie man auch ohne professionelle Partnersuche den Traumpartner finden kann. Ein inspirierender Ratgeber für alle, die an die große Liebe glauben. Die Liebe findet jeden von Maria Klein: als eBook erhältlich!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 288

Veröffentlichungsjahr: 2010

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Maria Klein

Die Liebe findet jeden

Eine Partnervermittlerin erzählt

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Ihr Beruf ist die Liebe. Maria Klein zählt zu den erfolgreichsten Partnervermittlern in Deutschland. Dank ihrer Hilfe haben Tausende von Paaren zueinander gefunden. Mit viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl analysiert sie, welche Menschen füreinander bestimmt sein könnten. Und sie macht allen Mut, die die Hoffnung auf eine glückliche Beziehung schon aufgegeben haben: »Es gibt für jeden von uns einen passenden Partner. Für die Liebe ist es nie zu spät.«

 

In diesem Buch erzählt sie authentisch und mit großer Leidenschaft von den skurrilen und berührenden Erlebnissen ihrer täglichen Arbeit und gibt wertvolle Tipps, wie man auch ohne Partnervermittlung den Traumpartner finden kann.

Inhaltsübersicht

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Schlusswort

Prolog

Ich traf Bernd an einem ungemütlichen Novembernachmittag in einem kleinen Café in der Konstanzer Innenstadt. Er hatte mich einige Tage zuvor angerufen und um einen Termin gebeten. Am Telefon hatte er mir erzählt, dass er seit einiger Zeit alleinstehend sei und sich nun wieder eine neue Beziehung wünsche. Er klang sehr sympathisch und aufgeschlossen, und ich war mir sicher, dass ich etwas für ihn tun konnte.

Dieser Eindruck bestätigte sich, als ich das Café betrat, wo Bernd bereits auf mich wartete. Ein dunkelhaariger, sportlich wirkender Mann um die 40 erhob sich und begrüßte mich freundlich. »Frau Klein, wie schön, dass es geklappt hat. Es freut mich, Sie kennenzulernen.«

Wie so häufig wunderte ich mich auch jetzt wieder, warum gut aussehende und charismatische Männer wie er den Dienst einer Partnervermittlerin in Anspruch nahmen.

Aber eigentlich wusste ich es ja schon längst: Die meisten von ihnen waren beruflich sehr eingespannt und häufig unterwegs, hatten vielseitige Interessen im sportlichen oder kulturellen Bereich und suchten eine Frau, mit der sie diesen Aktivitäten nachgehen konnten. Auch in Bernds Fall stellte sich heraus, dass seine Ansprüche an die künftige Frau sehr hoch waren. Es war ihm ein Anliegen zu heiraten und eine Familie zu gründen, mit Haus, Hund und Garten, eben allem, was dazugehört.

Im Lauf unseres Gesprächs beschrieb er mir die Partnerin, die er sich wünschte: Sie sollte zwischen 30 und 40 Jahre alt sein, intelligent und witzig und unbedingt reisefreudig, denn er war sehr häufig unterwegs. Darüber hinaus war sein größter Wunsch, eine Frau zu finden, die seine Liebe fürs Theater teilte – Drama, Komödie und Kammerspiel faszinierten ihn gleichermaßen, und so war es nicht weiter verwunderlich, dass er seit Jahren schon ein Abonnement für das Züricher Schauspielhaus besaß und fast nie eine Aufführung versäumte.

 

Nach meinem Gespräch mit Bernd überlegte ich, welche meiner Klientinnen ich ihm wohl vorstellen könnte. Auf Anhieb fiel mir Ines ein, die seiner Beschreibung sehr nahe kam. Sie war 36 Jahre alt, sehr attraktiv und arbeitete als OP-Schwester im Krankenhaus. Sie hatte eine fünfjährige Tochter, fand aber trotzdem die Zeit, ihren vielseitigen Interessen nachzugehen, zu denen auch Oper und Theater gehörten. Ein Volltreffer also, dachte ich, und so machte ich Ines und Bernd miteinander bekannt.

Die beiden unterhielten sich zunächst am Telefon und stellten schnell fest, dass sie sich eine Menge zu sagen hatten und dass die Chemie zwischen ihnen stimmte. Sie verabredeten sich für den nächsten Tag und waren sehr neugierig, ob der persönliche Eindruck den großen Erwartungen nach ihrem Telefonat standhalten würde.

Sie hatten ausgemacht, dass sie sich abends in einem gemütlichen Restaurant in der Altstadt treffen würden. Als sie sich an diesem Abend nun das erste Mal gegenüberstanden, hätte die Überraschung auf beiden Seiten nicht größer sein können.

Denn Ines und Bernd kannten sich, und zwar aus dem Theater. Auch Ines hatte ein Abonnement im Züricher Schauspielhaus, und ihre Plätze lagen nebeneinander. Seit fast zwei Jahren hatten sie regelmäßig Seite an Seite die Aufführungen verfolgt und sich dabei beide jemanden gewünscht, mit dem sie sich darüber austauschen konnten.

 

Am Morgen nach ihrem ersten Treffen riefen Bernd und Ines mich an und erzählten mir die unglaubliche Geschichte. Ich war gleichermaßen froh und erstaunt. Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass es im Leben solche Zufälle gibt.

»Und wissen Sie was?«, sagte Ines am Ende. »Wir haben uns die ganze Zeit schon ausgesprochen sympathisch gefunden. Ein paar Mal hatte ich überlegt, ob ich Bernd in der Pause einfach mal ansprechen soll. Er sagte mir gestern, dass er dieselbe Idee hatte. Aber wir dachten beide vom anderen, dass ein so attraktiver Mensch niemals Single sein kann. Deshalb haben wir es gelassen.«

Bernd fügte hinzu: »Da saßen wir so lange und so häufig direkt neben unserer großen Liebe und haben sie nicht erkannt. Ohne Ihre Hilfe, Frau Klein, hätten wir uns nie gefunden. Offenbar macht auch die Liebe hin und wieder einen Umweg.«

Ich konnte ihm nur zustimmen. Mit diesen geheimnisvollen Umwegen kenne ich mich aus. Schließlich habe ich jeden Tag mit ihnen zu tun. Denn mein Beruf ist die Liebe. Wer kann das schon von sich behaupten?

 

Zufrieden nahm ich die große Tafel heraus, auf der wir in unserer Agentur jedes Paar, das sich gefunden hat, namentlich festhalten. Ich betrachtete die stolze Menge an Namen und dachte daran, dass hinter allen eine eigene und ebenso außergewöhnliche Geschichte steckte.

Menschen dabei zu helfen, ihren Lebenspartner zu finden, ist eine schöne und sehr besondere Aufgabe. Eine Aufgabe, die mich in all den Jahren, in denen ich nun schon als Partnervermittlerin arbeite, vieles gelehrt hat über mich selbst und andere Menschen.

Ich stellte die Tafel wieder zurück an ihren Platz und ließ noch einmal meinen Blick darüber schweifen. Auf einmal musste ich lächeln. Es gab wirklich merkwürdige Zufälle im Leben. Ich dachte an meine eigene Vergangenheit zurück, an Klienten, an meine persönlichen, nicht immer glücklichen Erfahrungen mit der Liebe und daran, wie alles begonnen hatte: meine Arbeit als Partnervermittlerin Maria Klein.

Kapitel 1

Der Ruf der Großstadt war laut und unüberhörbar. Ich wollte hinaus in die weite Welt. Meine Ausbildung zur Sozialarbeiterin hatte ich gerade abgeschlossen, ein Praktikum erfolgreich beendet.

Die ersten 22 Jahre meines Lebens hatte ich fast ausschließlich auf dem Land verbracht. Von dort wollte ich nun endlich weg, und zwar so schnell wie möglich. Also kündigte ich meine erste Anstellung als Sozialarbeiterin bei der Caritas und blickte einer noch ungewissen, aber mit Sicherheit aufregenden Zukunft in der Großstadt entgegen.

Wo diese Zukunft stattfinden sollte, war schnell entschieden. Die Wahl fiel mir nicht schwer: Meine beste Freundin Steffi lebte in Essen – mitten im Ruhrgebiet. Das war für mich der Inbegriff der großen, pulsierenden Metropole, also beschloss ich, mir dort ebenfalls ein neues Leben aufzubauen. Als ich meiner Freundin am Telefon die großen Neuigkeiten verkündete, freute sie sich riesig.

Ich war nun nicht mehr zu halten und machte mich voller Tatendrang auf die Suche nach einer geeigneten Wohnung. Nach einiger Zeit fand ich ein hübsches kleines Apartment, das mein erstes eigenes Zuhause werden sollte. Die Tatsache allerdings, dass ich über nicht allzu viele eigene Möbel verfügte und der Umzug auch einiges kosten würde, stellte mich vor ein neues Problem: Meine Ersparnisse würden noch höchstens vier Wochen lang reichen, bis dahin musste ich spätestens eine Arbeit gefunden haben. Also besorgte ich mir die Zeitungen der Region und durchsuchte sie auf passende Stellenanzeigen.

Ich traute meinen Augen kaum, als ich sie sah, die Anzeige, die mein Leben verändern sollte:

Größte Partnervermittlung Deutschlands sucht Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen für eine anspruchsvolle beratende Tätigkeit im Außendienst. Bedingungen: Mindestalter 30 Jahre, psychologische Ausbildung oder Studium. Schriftliche Bewerbung bitte an …

Die meinten ja genau mich! Na gut, das Alter stimmte nicht ganz. Ich war schließlich erst 22. Ansonsten aber gab es nicht den geringsten Zweifel, dass ich die perfekte Kandidatin für diesen Job war. Ich setzte mich gleich an mein Bewerbungsschreiben, in dem ich ausführlich darlegte, warum man bei der Besetzung dieser Stelle auf keinen Fall an mir vorbei käme. Ich steckte die Unterlagen in einen großen Umschlag und schickte ihn an die genannte Adresse. Hoffnungsvoll wartete ich auf die Antwort. In Gedanken malte ich mir schon mein aufregendes neues Leben als Partnervermittlerin aus. Es würde phantastisch werden!

Nach zwei Wochen kam die Absage. Zu jung, zu wenig Erfahrung, man wünschte mir alles Gute für die Zukunft.

Fest davon überzeugt, dass die Agentur einen großen Fehler begangen hatte, überlegte ich, wie ich sie auf ihren Irrtum aufmerksam machen könnte. So schnell würde ich auf gar keinen Fall aufgeben. Ich beschloss, persönlich bei der Partnervermittlung Rose (ich nenne sie hier so – sollte es eine Agentur mit diesem Namen geben, diese ist es nicht) aufzuschlagen und mich direkt vorzustellen.

Dabei gab es allerdings ein Problem: Ich hatte keine passende Kleidung, denn meine Garderobe gab leider nur wenig her. Zum Glück wusste meine Freundin Steffi Rat und lieh mir eines von ihren Kostümen. Es war hochelegant, ein Traum aus weichem, grauem Kaschmir, passend dazu eine cremefarbene Seidenbluse. Vollendet wurde dieses Outfit – wir waren wirklich hin und weg davon – durch graue Lederpumps, die ich mir von meinen restlichen Ersparnissen selbst kaufte. Es waren meine ersten hohen Schuhe, und mit meinen 1,81 Meter hatte ich darin ständig Angst umzufallen. Ich war es überhaupt nicht gewohnt, beim Laufen so weit nach vorne gedrückt zu werden. Beim Friseur ließ ich mir noch die Haare hochstecken und mich professionell schminken. Am Ende fühlte ich mich einfach klasse. Groß, schlank, elegant – ich sah mindestens aus wie 30. Keine Frage, dieser Job gehörte mir!

Mit meinem alten, klapperigen Auto machte ich mich schließlich auf zur Partneragentur Rose im nicht weit entfernten Düsseldorf. Der Wagen war knallrot und sah ein wenig aus wie ein amerikanischer Straßenkreuzer in Kleinformat. Er passte nicht wirklich zu meinem eleganten Auftritt, deshalb parkte ich vorsichtshalber in einiger Entfernung von der Agentur.

Als ich, an der angegebenen Adresse angekommen, die Tür öffnete, atmete ich tief durch. Ich war aufgeregt und gespannt darauf, wie man mein unangemeldetes Erscheinen hier aufnehmen würde – vorausgesetzt, die Empfangsdame würde mich nicht schon im Vorfeld abweisen. Das wollte ich unbedingt verhindern und es ihnen außerdem so schwer wie möglich machen, mich wieder von der Bewerberliste zu entfernen. Ich würde meinen Vorstellungstermin bekommen.

Entschlossen betrat ich die Räumlichkeiten der Agentur Rose. Alles wirkte sehr edel und gediegen. An den Wänden hingen großformatige moderne Gemälde, auf dem frisch gewachsten Parkettboden lagen teure Teppiche. Im Wartebereich luden hellgraue Designersessel zum Hinsetzen ein, auf den antiken Kommoden daneben standen riesige Kristallvasen mit wunderschönen Blumen. Ich fühlte mich in dieser edlen Umgebung ausgesprochen wohl. Kein Vergleich zu den farblosen, deprimierenden Besuchsräumen der Caritas.

Am Empfang saß eine junge Frau. Sie trug ein schwarzes Kostüm und extrem viel Modeschmuck. Also, ich war auf jeden Fall besser gekleidet!

 

»Was können wir für Sie tun?«, säuselte sie etwas gestellt.

»Mein Name ist Maria Klein, und ich möchte mich als Mitarbeiterin vorstellen.«

»Haben Sie einen Termin?«, fragte sie misstrauisch und blätterte eifrig in ihrem Terminkalender. Das Säuseln hatte ein Ende. Das galt wohl ausschließlich zahlungskräftigen Kundinnen. »Nein, ich habe eine Absage von Ihnen bekommen und möchte mich trotzdem persönlich vorstellen.«

Jetzt wurde sie sauer: »Wenn Sie eine Absage bekommen haben, hat das seinen Grund. Herr und Frau Kunz sind sehr beschäftigt. Es findet gerade eine Mitarbeiterschulung statt. Ich werde dort nicht extra Ihretwegen stören.«

Wie ich schon vermutet hatte, war ich hier gar nicht willkommen. Unaufgefordert nahm ich einfach Platz, um zu überlegen, was ich nun tun könnte, um doch noch die Gelegenheit zu bekommen, mich vorzustellen. In diesem Moment öffnete sich eine Tür. »Ah, da sind Sie ja. Wir wollten gerade beginnen. Kommen Sie herein«, begrüßte mich der Herr im grauen Anzug ausgesprochen freundlich. »Mein Name ist Kunz, ich bin der Inhaber der Partnervermittlung Rose. Sie sind sicherlich Frau Tregner.«

»Nein, mein Name ist Maria Klein. Ich hatte mich bei Ihnen beworben, aber Sie haben mir abgesagt, weil ich angeblich zu jung sei.«

Erstaunt betrachtete er mich von oben bis unten. »Na, Sie sind ja auf jeden Fall ganz schön zielstrebig.« Es blieb mir auch nichts anderes übrig. In zwei Wochen war ich pleite, und außerdem interessierte mich diese Stelle bei einer Partnervermittlung brennend. Herr Kunz sah mich immer noch freundlich an. Er überlegte kurz, dann sagte er: »Sie können bleiben. Eine Woche, zur Probe sozusagen. Heute findet eine Mitarbeiterschulung statt, und Sie bekommen die Gelegenheit, Ihr Können unter Beweis zu stellen.«

Na also, ging doch. Er führte mich in einen weiteren ebenfalls sehr gediegenen Raum. Dort setzte ich mich zu den anderen Anwesenden an einen wunderschönen großen Mahagonitisch. Die Einrichtung war auch hier sehr beeindruckend: antike Möbel kombiniert mit modernen Teppichen und abstrakten Gemälden. Nun war ich erst recht heilfroh, dass ich mir Steffis schickes Kostüm geliehen hatte.

Am Tisch saßen bereits zwölf Personen; Herr Kunz, seine Frau und zehn potentielle neue Mitarbeiter. Herr Kunz forderte uns Bewerber auf, uns in ein paar kurzen Sätzen selbst vorzustellen.

In diesem Moment ging die Tür auf und die unfreundliche Dame vom Empfang schob noch eine weitere Bewerberin in den Besprechungsraum. »Hier ist Frau Tregner. Sie hat sich verspätet«, flötete sie mit einem süffisanten Unterton. Alle Augen waren auf den Neuankömmling gerichtet. Sie hatte einen schwarzen Bubikopf und knallrot geschminkte Lippen. Ich fand sie auf Anhieb sehr sympathisch. Vor allem imponierte mir ihre coole Art, als sie völlig ungerührt die Anwesenden ansah, »Guten Tag« sagte und ohne ein Wort der Entschuldigung Platz nahm.

Mittlerweile hatte die Vorstellrunde begonnen. Als ich mir anhörte, was die anderen erzählten, war ich erstaunt. Keiner dieser zehn Kandidaten brachte die geforderte Qualifikation mit, ganz zu schweigen von einer psychologischen Ausbildung. Nur Frau Tregner entsprach dem angegebenen Profil annähernd. Mir war völlig unklar, warum meine Bewerbung abgewiesen und ich nicht zum Gespräch eingeladen worden war.

Als ich an die Reihe kam, nahm ich die skeptischen Blicke der anderen wahr. »Mein Name ist Maria Klein«, begann ich unbeirrt, »ich bin 22 und gelernte Sozialarbeiterin. Seit Kurzem wohne ich in Essen.« Eigentlich wollte ich noch weiter ausholen, aber angesichts der spöttischen Blicke um mich herum beschloss ich, das lieber bleiben zu lassen.

»Haben Sie Außendiensterfahrung?«, wollte Frau Kunz von mir wissen.

»Wenn Sie damit meinen, ob ich schon mal Versicherungen verkauft habe oder Zeitungsabonnements, Kosmetikartikel, Bausparverträge oder Gastronomiebekleidung« – das waren genau die Bereiche, die meine Mitbewerber genannt hatten –, »nein, dann habe ich keine Außendiensterfahrung.« Wieder sah ich in hämisch grinsende Gesichter. Es war völlig klar, was die Leute hier dachten. Wie konnte die Partnervermittlung Rose nur so jemanden einstellen wollen?

»Und Sie meinen, dass Sie diesem Job gewachsen sind?!«, fragte mich der Handelsvertreter für luftdicht verpackte Plastikschälchen mit spöttischem Unterton und belustigtem Blick in die Runde. Das ging mir zu weit!

»Ich weiß nur eins«, entgegnete ich, »wenn Sie alle schon lange nicht mehr hier sind, werde ich noch immer sehr erfolgreich als Partnervermittlerin arbeiten.« Das fanden alle Anwesenden sehr amüsant. Die Herren konnten sich das Lachen kaum verkneifen. Egal, ich fand mich richtig gut und mutig.

Als die Fragerunde endlich vorbei war, begann die Mitarbeiterschulung. Sie sollte uns vorbereiten auf die Gespräche mit den potentiellen Kunden. Nach dieser Einführung, die nur zwei Stunden in Anspruch nahm, bekam jeder von uns zehn Adressen von Partnersuchenden. Unsere Aufgabe war es, diese Personen zu kontaktieren, sie zu besuchen und mit ihnen einen Vertrag abzuschließen.

Pia, die Dame an der Rezeption, teilte die Adressen an uns Kandidaten aus. Ganz zum Schluss kam sie zu Frau Tregner und zu mir. Sie drückte uns die Zettel in die Hand und zischte dabei: »Bitte schön!« Zwangsläufig musste ich an eine Schlange denken.

Das sollte mich aber nicht daran hindern, hoffnungsfroh und zuversichtlich mit meiner Probezeit zu beginnen. Schließlich wollte ich unbedingt diesen Traumjob ergattern!

Kapitel 2

Als ich die Agentur verließ, um zu meinem Auto zurückzugehen, wählte ich absichtlich einen Umweg. Das hätte mir schließlich gerade noch gefehlt, in meinem alten Auto von jemandem aus der Agentur gesehen zu werden. Als ich eingestiegen war, befreite ich meine Füße erst einmal von den Pumps. Ich fühlte mich wie eine dieser Chinesinnen, deren Füße nach alter Tradition abgebunden wurden. Außerdem löste sich meine teure Hochsteckfrisur langsam auf. Wie viele Klammern doch auf einen einzigen Kopf passten …

Allmählich entspannte sich meine Kopfhaut. Für meinen nächsten Auftritt bei den Roses musste ich mir unbedingt etwas Neues einfallen lassen.

 

Ich fuhr auf direktem Weg nach Hause, wo ich mir gleich die Adressen der Partnersuchenden vornahm. Die Angaben, die ich über diese potentiellen Kunden bekommen hatte, waren sehr spärlich: Alter, Beruf, Familienstand, Kinder. Nun ja, darum sollte ich schließlich auch ein persönliches Gespräch mit ihnen führen. Meine Aufgabe war, diese Menschen kennenzulernen, etwas über ihre Wünsche zu erfahren, ein Dossier anzulegen und natürlich am Ende einen Vertrag mit ihnen abzuschließen.

Im Nachhinein fiel mir auf, dass die Schulung in der Agentur einzig und allein darauf ausgerichtet gewesen war: auf einen erfolgreichen Vertragsabschluss. Ich wusste nichts über sensible Gesprächsführung mit Menschen auf Partnersuche. Überhaupt fühlte ich mich wenig »geschult«, das Zwischenmenschliche war überhaupt nicht berücksichtigt worden. Über die Auswertung der Angaben wusste ich auch nicht Bescheid. Dabei hatte ich gedacht, es ginge in erster Linie um den einzelnen Menschen, seine Bedürfnisse und darum, ob wir seine Vorstellungen vom zukünftigen Partner realisieren konnten.

Vielleicht war ich doch zu jung für diese Arbeit? Zu naiv und zu sentimental? Ging es einfach nur darum, gut zu verdienen? Letzteres war natürlich auch nicht schlecht, um nicht zu sagen, lebensnotwendig.

Ich kam zu keinem Schluss. Also entschied ich mich, einfach ins kalte Wasser zu springen, den ersten Termin zu vereinbaren und zu schauen, wie sich alles entwickelte. Die Informationen über meinen ersten Kunden waren mehr als dürftig: Alter 45, männlich, Beruf: Klempner, geschieden, ein Kind. Ich nahm den Hörer in die Hand und wählte mit klopfendem Herzen die angegebene Nummer.

»Guten Abend, mein Name ist Klein von der Partnervermittlung Rose. Sie haben uns angerufen, weil Sie eine neue Partnerin kennenlernen möchten. Aus diesem Grund würde ich gerne einen Termin mit Ihnen vereinbaren, um Sie über unsere Leistungen zu informieren.«

Stille am anderen Ende der Leitung.

»Hallo?«, fragte ich zaghaft.

»Sind Sie die neue Frau für mich?«

Oje, hatte ich etwas Falsches gesagt?

»Nein, ich bin eine Mitarbeiterin der Partneragentur Rose. Sie haben bei uns angerufen, weil Sie eine Partnerin suchen.«

»Ja. Die Frau am Telefon hat gesagt, sie schickt mir eine, und die kann ich dann behalten.«

Das konnte doch nicht wahr sein! Erzählte diese Pia etwa solche Dinge? Ich nahm einen zweiten Anlauf und versuchte zu erklären, wer ich war und weshalb ich anrief. Der Mann am anderen Ende der Leitung wollte mich jedoch nicht verstehen.

Ein zweites Telefonat mit einem ebenso falsch informierten Herrn verlief gleichermaßen unbefriedigend. Fehlte mir vielleicht doch die Erfahrung, oder lag es an den Kunden? Ich war kurz davor zu resignieren und beschloss, mein Glück bei einer Frau zu versuchen. Vielleicht hatte ich dort ja größere Erfolgschancen. Von Frau zu Frau sozusagen.

Alles, was ich über Frau Teewes wusste, als ich ihre Nummer wählte, war, dass sie 52 Jahre alt, verwitwet und nicht berufstätig war. Ihre drei Kinder waren bereits aus dem Haus.

»Guten Abend, mein Name ist Klein«, fing ich sehr motiviert an und stellte mich als persönlicher Erstkontakt der Agentur vor. Ich klärte die Dame über das Informationsgespräch auf. »Ich würde gerne einen Termin mit Ihnen vereinbaren.«

»Ja, natürlich, kommen Sie doch gleich morgen um zehn Uhr.« Na also, es ging ja doch.

Am nächsten Tag stand ich pünktlich um zehn Uhr vor einem wirklich scheußlichen Mehrfamilienhaus. Im Treppenhaus roch es nach Sauerkraut, man hörte Kinder und Mütter brüllen, der Flur wirkte grau und trist. Ich fühlte mich unwohl. Doch leider hatte ich mich nicht in der Adresse geirrt.

Auf mein Klingeln öffnete mir zu meinem großen Erstaunen eine sehr gepflegte, gut gekleidete Dame und bat mich in eine ausgesprochen hübsche kleine Wohnung. Sie hatte Kaffee gekocht und einen Teller mit Keksen auf den Tisch gestellt. »Sie wundern sich, nicht wahr? Sie haben mit etwas anderem gerechnet, als Sie dieses Haus betreten haben. Ich bin froh, dass Sie überhaupt geklingelt haben und nicht gleich wieder umgekehrt sind.«

Offenbar war es wirklich notwendig, dass ich endlich lernte, meine Gedanken besser zu verbergen, damit sie mir nicht jeder sofort ansehen konnte.

»Oh, das ist schon in Ordnung. Ich habe mich tatsächlich ein wenig gewundert, warum eine Frau wie Sie in diesem Haus wohnt.«

Sie holte tief Luft, dann begann sie zu erzählen: »Wie das Leben manchmal eben so spielt. Als ich vor vielen Jahren meinen Ehemann kennenlernte, war er gerade dabei, ein eigenes Autohaus aufzubauen. Alles lief wunderbar, das Geschäft ging sehr gut. Wir konnten uns viel leisten, wohnten in einem großen Haus, fuhren mehrmals im Jahr in den Urlaub. Wir haben drei gut geratene Kinder, die früh ausgezogen sind, um auf eigenen Füßen zu stehen. Unsere Tochter lebt jetzt in London, der eine Sohn ist in Australien verheiratet, und der andere arbeitet in Hamburg.

Nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten, setzte bei meinem Mann auf einmal die große Midlife-Crisis ein. Ich interessierte ihn nicht mehr besonders, stattdessen nahm er sich eine junge Freundin. Innerhalb von drei Jahren brachte er mit ihr unser gesamtes Vermögen inklusive aller Ersparnisse durch. Ich fühlte mich völlig ohnmächtig und hoffte einfach, dass alles irgendwie vorüberging. Die Scheidung wollte ich nicht einreichen, denn ich glaubte lange Zeit, dass er zu mir zurückkehren würde. Doch anstatt zur Besinnung zu kommen, verprasste er einfach weiterhin unser ganzes Geld.

Als die Vorräte aufgebraucht und sogar die Rücklagen für unsere Altersvorsorge angebrochen waren, nahm er Hypotheken auf. Aber mit seinem Geld verlor er auch den Reiz für seine Freundin, und als es nur noch Forderungen der Banken gab, verließ sie ihn. Kurz danach hatte er einen Herzschlag und starb mit gerade einmal 60 Jahren.

Von unserem früheren Vermögen ist nichts mehr übrig. Das Haus wurde verkauft, um die Schulden zu tilgen. Eine Rente bekomme ich nicht, weil mein Mann selbständig war und uns privat abgesichert hat – bis er auch dieses Geld auf den Kopf gehauen hat. Wir hatten einmal geplant, im Ruhestand von unseren Ersparnissen und der Altersvorsorge ein schönes Leben zu führen. Jetzt gibt es keine Ersparnisse mehr. Ich lebe von der einzigen noch übrig gebliebenen Lebensversicherung. Ich bin extrem sparsam, damit ich lange genug über die Runden komme. Außerdem gehe ich sporadisch putzen und versuche, eine Stelle in einem Büro zu finden. Das ist allerdings nicht einfach in meinem Alter.«

Ihre Geschichte ging mir so zu Herzen, dass mir fast die Tränen kamen. Da hatte diese Frau ihr Leben Mann und Familie gewidmet, sich auf die Zweisamkeit im Alter gefreut, und dann hatte sie alles verloren. Vielleicht hatte sie kein besonders schweres Leben geführt, immerhin konnte sie sich früher vieles leisten, aber mit dem, was dann passiert war, hätte sie wirklich nicht rechnen können. Das Schlimmste an ihrer Situation war, dass wenig Aussicht auf Besserung bestand. Ich hoffte, dass ein neuer Partner ihr zumindest ein bisschen Lebensfreude zurückgeben würde.

Also erklärte ich ihr, wie eine Partnervermittlung funktionierte und welches Honorar für welche Leistungen anfallen würde. Nach ihrem langen Vortrag hatte ich allerdings schon geahnt, dass sie sich diese Summe nicht würde leisten können. Und diese Befürchtung bestätigte sich nun.

Etliche Tassen Kaffee und viele Plätzchen später verließ ich ihre Wohnung und fuhr deprimiert nach Hause. Ich konnte mich so gut in ihre Lage versetzen, dass es mir vorkam, als hätte ich die Geschichte selbst erlebt. Auf der Heimfahrt gingen mir allerlei Fragen durch den Kopf. Würden alle Klienten ähnlich schlimme Geschichten erzählen und in ausweglosen Situationen stecken? Müsste ich, wenn ich in diesem Geschäft etwas erreichen wollte, künftig in der Lage sein, einfach zu gehen und zu sagen: Tut mir leid, no money, no service? Was konnte ich tun, um Menschen wie Frau Teewes zu helfen? War das am Ende doch alles andere als ein Traumjob?

Kurz dachte ich darüber nach, alles hinzuschmeißen und wieder in meinen alten Beruf als Sozialarbeiterin zurückzukehren. Aber nein, dafür hatte ich das Risiko nicht auf mich genommen, war ich nicht ausgezogen, um die Welt zu erobern. Es blieb also nur eins: weitermachen. Schließlich wollte ich nicht nach nur drei Kontakten schon aufgeben. Diese Genugtuung würde ich meinen neuen Arbeitskollegen nicht gönnen.

Was ich jetzt brauchte, war eine Bestätigung, ein Erfolgserlebnis. Einen ganz alltäglichen Termin mit einem Durchschnittskunden, einem, der ein ganz normales Leben führte, dem es nicht schlecht ging, weder psychisch noch finanziell. Ein großes Fragezeichen schwebte über meinem Kopf – wie sollte ich so jemanden finden? Ich ging noch einmal meine Liste mit potentiellen Kunden durch. Die Angaben des nächsten Suchenden gaben mir Grund zur Hoffnung.

Kapitel 3

Alter 53, Rechtsanwalt, eigene Kanzlei, geschieden, keine Kinder.« Als ich diese Informationen las, schöpfte ich neuen Mut. Das musste doch so ein ganz normaler Durchschnittsmensch sein – auch wenn er Rechtsanwalt war. Ich entschloss mich, es sofort herauszufinden und rief in seiner Kanzlei an.

»Guten Tag, mein Name ist Klein. Ich möchte gerne mit Herrn Dr.Eisenberg sprechen. Könnten Sie mich bitte mit ihm verbinden?«

»Um was geht es?«, fragte eine misstrauische Sekretärin. Da war ich nach meiner Erfahrung mit Pia doch schon zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit an einen echten Vorzimmerdrachen geraten.

»Das ist privat.«

»Herr Dr.Eisenberg führt aber keine privaten Gespräche«, entgegnete die Sekretärin schnippisch.

Was sollte das denn? Mit so etwas hatte ich nun gar nicht gerechnet. »Bitte richten Sie Herrn Dr.Eisenberg aus, dass Frau Klein aus Düsseldorf jetzt am Telefon ist. Er erwartet meinen Anruf.«

»Nein, wir haben Anweisung, keine privaten Telefonate durchzustellen.« Das konnte doch wohl nicht wahr sein, dass jemand für ihn bestimmte persönliche Gespräche ablehnte. »Und ich habe Anweisung, ihn zurückzurufen. Klären Sie das doch bitte ab.«

Ich hörte Musik in der Leitung. Also versuchte sie es doch. Na bitte, warum denn nicht gleich so?

»Dr.Eisenberg hier!!! Wer sind Sie, und was wollen Sie??« Mein Ohr dröhnte, so laut brüllte er.

»Sie suchen eine neue Partnerin, und deswegen rufe ich …«

»Freitagabend, 17 Uhr, in meiner Kanzlei!!!«, donnerte er los. Meine Ohrmuschel vibrierte.

Das war also ein Telefonat mit einem ganz normalen Menschen.

 

Zwei Tage später, es war Freitagabend, stand ich wie vereinbart pünktlich um fünf Uhr vor der Kanzlei Eisenberg. Mein Herz raste, und vor lauter Aufregung zitterten mir die Knie. Immerhin, dieser Mann hatte studiert, hatte einen Titel, eine Menge Lebenserfahrung, war alt – zumindest in meinen Augen –, er hatte eine eigene Kanzlei. Und er war unglaublich cholerisch. Er würde mich wahrscheinlich schon nach der Begrüßung in der Luft zerreißen.

Ich wurde unsicher. Sollte ich da wirklich reingehen und so tun, als gäbe es für mich seit Jahren nichts Selbstverständlicheres, als mich mit alten, cholerischen Akademikern auf Partnersuche zu unterhalten?

Auf der anderen Seite: Wenn ich da heute einigermaßen erfolgreich herauskäme, dann hätte ich es geschafft. Dann wäre ich eine (fast) erfahrene junge Frau, die einen der schwierigsten Kunden überlebt hätte. Und das würde mich stärken für alles, was noch kommen würde.

Also atmete ich tief durch, biss die Zähne zusammen und machte mich auf zum Intensiv-Crash-Kurs in Sachen Lebenserfahrung. Andere Menschen brauchten dafür Jahrzehnte, und bei mir erledigte das ein cholerischer Anwalt an nur einem Abend! Vorsichtig balancierte ich die Treppe zur Kanzlei hinauf. Die Pumps sollten nicht klackern. Natürlich trug ich wieder das geliehene graue Kaschmirkostüm und die aufwendige Hochsteckfrisur. Schließlich hatte sie mir schon einmal Glück gebracht. Mein Finger wollte gerade den Klingelknopf drücken, als auch schon die Tür aufgerissen wurde.

»Da sind Sie ja endlich! Kommen Sie rein«, wurde ich nicht gerade freundlich begrüßt. »Setzen Sie sich! Wie teuer ist das bei Ihnen? Sind Sie auch so eine Halsabschneiderin wie die anderen Vermittler?«

Oje, wie viele waren denn schon vor mir da gewesen? Und was war aus ihnen geworden?

»Wenn Sie keine Vermittlung in Anspruch nehmen möchten und so schlechte Erfahrungen gemacht haben, warum bin ich dann hier?« Ich sah ihn vor meinem inneren Auge schon buchstäblich an die Decke gehen.

»Glauben Sie allen Ernstes, dass ich schon einmal bei einer Vermittlung gewesen bin? Ich will es einfach mal ausprobieren, antesten und mich davon überzeugen, dass meine Mandanten recht haben, wenn sie Partneragenturen wie Ihre wegen mangelnder Leistungen verklagen.« Wie sprach dieser Mensch denn mit mir? Wo blieb die Höflichkeit, die ich von einem Mann in seiner Position wohl erwarten durfte?

»In diesem Ton möchte ich mich nicht mit Ihnen unterhalten. Entweder wir reden ernsthaft und sachlich über das, was Sie von mir erwarten, oder ich gehe.« Jetzt bringt er mich um, schoss es mir für einen Moment durch den Kopf. Das war es dann wohl mit meinem Crash-Kurs Lebenserfahrung. Doch zu meiner großen Verwunderung sah er mich stumm und erstaunt an.

»Es ist jetzt 17 Uhr«, begann er, nun etwas milder. »Darf ich Sie zum Abendessen einladen, damit wir uns in angenehmerer Atmosphäre unterhalten können? Natürlich nur, wenn es Ihre Zeit erlaubt.« Dabei lächelte er mich tatsächlich an. Ein wenig ironisch zwar, aber er lächelte. Nachdem er sich beruhigt hatte, klang auch seine Stimme auf einmal angenehm leise.

Wir verließen die Kanzlei, um uns bei einem edlen Italiener über seine Wünsche und Vorstellungen in Bezug auf die neue Partnerin zu unterhalten. Als wir bei Wein und Kerzenlicht beisammensaßen, hatte ich plötzlich den nettesten »cholerischen« Akademiker vor mir, dem ich in meinem jungen Leben begegnet war.

»Wissen Sie«, begann er, »ich habe bei Ihrer Vermittlung angerufen, weil ich neugierig war. Ich habe einige Mandanten, die Partneragenturen beauftragt haben und damit nur Ärger hatten. Sie mussten viel Geld bezahlen, um dafür lediglich Partnervorschläge zu erhalten, die nicht einmal ansatzweise zu ihnen passten. Nach dem, was meine Mandanten mir erzählten, scheinen die Vermittlungen wahllos und völlig willkürlich Vorschläge zu machen. Das wollte ich mir nun näher anschauen und habe mich daher bei der Agentur Rose gemeldet.

Gleich bei meinem ersten Anruf wurde mein Verdacht prompt bestätigt. Die Dame legte direkt nach der Begrüßung mit der Preisliste los und wollte mir mit aller Gewalt einen Vertretertermin aufdrücken. Aber nicht mit mir. Ich beschloss, dem Vertreter nicht einmal die Tür zu öffnen, ich konnte mir schließlich denken, wie das Gespräch ablaufen würde.«

Deshalb also hatte mir Pia, diese Schlange, seine Adresse zugeteilt. Ich war fassungslos.

Dr.Eisenberg fuhr fort: »Natürlich ist mir klar, dass Ihre Dienstleistungen mit Kosten verbunden sind. Aber die Sache ist nun mal sehr persönlich und privat, da fällt es schwer, sich jemandem anzuvertrauen, der augenscheinlich nur am Geld interessiert ist. Wissen Sie, im Laufe der Zeit stelle ich zunehmend fest, dass ich im Umgang mit anderen immer ungehaltener werde. Dabei bin ich im Grunde meines Herzens ein gefühlsbetonter Mensch, der alleine ist und gerne eine neue Liebe finden würde.«

Das klang nun wirklich goldig. Während des Essens versuchte ich, Dr.Eisenberg seine Befürchtungen zu nehmen, indem ich ihn nach seinen Vorlieben und Wünschen ausfragte und mir anhörte, was er zu erzählen hatte. Und tatsächlich: Anschließend füllte er sämtliche Unterlagen aus und überreichte mir sogar einen Scheck.

Am Ende war es ein richtig schöner Abend geworden. Überrascht und auch ein bisschen stolz auf mich stieg ich nach diesem Treffen in meinen Wagen. Auf der Heimfahrt dachte ich über das Gespräch nach und beschloss, in Zukunft selbstbewusster und absolut ehrlich an die Arbeit zu gehen und, wenn es nötig wäre, auch mal deutlich »Nein« zu sagen. Schließlich hatte es gerade Wunder gewirkt. Ob das auch weiterhin so gut klappen würde?

Kapitel 4

Am nächsten Morgen zog ich eine erste Bilanz meiner neuen Tätigkeit: Aus den zehn Adressen, die ich von der Agentur bekommen hatte, hatten sich fünf längere persönliche Kontakte ergeben. Neben Frau Teewes, der Witwe, die ich als erstes besucht hatte, und Dr.Eisenberg hatte ich mit drei weiteren Herren gesprochen und mit jedem von ihnen einen Termin vereinbart. In zwei Fällen allerdings weigerte ich mich, die Wohnung zu betreten. Die potentiellen Kunden hatten ein paar Kollegen eingeladen, die sich angeblich ebenfalls für eine Vermittlung interessierten. Ich fühlte mich sehr unwohl dabei und verabredete deshalb lieber ein Treffen in einem Café.

Bei dem dritten Herrn handelte es sich um einen 52 Jahre alten Schlosser. Josef Marnitz war selbständig mit eigenem Betrieb und verdiente nicht schlecht. An der Haustür prangte stolz ein Firmenschild mit seinem Namen.

Er begrüßte mich ausgesprochen freundlich und wirkte dabei sehr vertrauenswürdig. Er machte auf mich den Eindruck eines sehr bescheidenen und liebenswürdigen Menschen. Ich fragte ihn, warum er auf der Suche nach einer neuen Partnerin sei und wie es dazu gekommen war.

Ein wenig schüchtern begann Herr Marnitz daraufhin zu erzählen: »Meine Frau hat sich letztes Jahr nach fast dreißig Jahren Ehe von mir scheiden lassen. Sie war immer sehr lebensfroh und unternehmungslustig gewesen. Anfangs hat mir das auch gut gefallen, aber wissen Sie, ich habe schließlich ein Geschäft, um das ich mich kümmern muss. Die dauernden Aktivitäten und Vorschläge, die sie machte, waren mir einfach zu viel. Ich wollte mich nach einem anstrengenden Tag lieber zu Hause erholen. Und auf weite Reisen lege ich auch keinen allzu großen Wert. Eines Tages, wir hatten uns gerade mal wieder gestritten, weil ich keine Lust auf einen spontanen Wochenendurlaub hatte, sagte sie mir, dass ich ihr zu langweilig geworden sei. Sie wollte noch etwas erleben und so viel wie möglich von der Welt sehen. An diesem Abend hat sie mich verlassen.« Er hielt inne und blickte ein wenig traurig aus dem Fenster. »Jetzt weiß ich gar nicht mehr, wofür ich mich jeden Tag abmühe. Alleine macht das doch alles keinen Sinn. Deshalb wünsche ich mir eine neue Gefährtin. Eine, die Verständnis für meine Lebensweise hat und meine Interessen teilt.«

Er tat mir leid, aber ich war mir sicher, dass er bei seiner Ausstrahlung schnell eine passende Frau finden würde. Herr Marnitz fasste Vertrauen zu mir und schloss einen Vertrag mit der Partnervermittlung Rose ab. Zufrieden und voller Zuversicht fuhr ich nach diesem Treffen zurück. Na also, es gab sie doch, die ganz »normalen« Menschen.

Die anderen fünf Anläufe hatten sich dagegen bereits am Telefon erledigt. Drei Herren wollten sich gleich privat mit mir verabreden – so ein Blödsinn – und zwei Frauen hatten nur aus Spaß angerufen. Insgesamt konnte ich jedoch zufrieden sein: Von zehn Interessenten hatten zwei einen Vertrag mit mir abgeschlossen. Somit hatte ich einen Umsatz in Höhe von 3 500 Euro (damals natürlich noch DM) erreicht. Ob das wohl ausreichen würde, um meinen Traumjob zu bekommen?