Die Neuburg Schellenburg bei Lenggries - Florian Scheitler - E-Book

Die Neuburg Schellenburg bei Lenggries E-Book

Florian Scheitler

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Beschreibung

Um das Jahr 1155 beginnen im damaligen Wackersberger Gebiet umfangreiche Rodungen. Gute 100 Jahre später erscheint erstmals ein Neuburger Amt im Isarwinkel. Welche Spuren der ehemaligen Burganlage sind noch zu finden? Wie könnte die Burg einmal ausgesehen haben? Was haben ein Zwist zwischen dem Bischof von Freising und dem Kloster Tegernsee mit der Entstehung der Burg zu tun? Wer und was hat zu ihrem Untergang geführt? Mit diesem Büchlein wollen wir die bisher wenig beachtete Neuburg / Schellenburg im Isarwinkel genauer betrachten und versuchen etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Der erste Abschnitt widmet sich der Ruine, ihrer Lage und dem möglichen Aussehen der ehemaligen Burg. Der zweite Abschnitt behandelt den aktuell gebräuchlichen Namen Schellenburg und ob dieser überhaupt zutreffen kann, sowie die möglichen Bewohner der Anlage.

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Seitenzahl: 85

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

Neuburg im Isarwinkel - Bestandsaufnahme und Rekonstruktion

– Florian Scheitler

1. Einführung

2. Eine Burg, ein Name?

3. Die Ruine

3.1. Lage und Gelände

3.2. Mauerreste und andere Spuren im Gelände

3.2.1.

Halsgraben

3.2.2.

Gebäudereste

3.2.3.

Vorburg

3.2.4.

Turmreste?

4. Platzwahl

5. Zugang zur Burg

6. Überlieferungen

7. Rekonstruktionsversuch

7.1. Variante A – Turmburg

7.2. Variante B – Frontturmburg

8. Zusammenfassung

Eine mögliche Geschichte der Neuburg / Schellenburg bei Lenggries

– Toni Benz

9. Einführung

10. Die Rodung des Wackersbergs

10.1. Bischof Otto von Freising

10.2. Der Sippenverband Gotzing-Schellenberg

10.3. Gotzing gegenüber Pienzenau

10.4. Schellenburg an der Mangfall

10.5. Situation im Kloster Tegernsee

10.6. Situation auf dem Wackersberg

11. Das Verschwinden derer von Gotzing und derer von Schellenberg an der Mangfall

12. Die Herren von Schellenberg auf der Neuburg?

13. Die Schneck auf der Neuburg

13.1. Wer waren die Schneck?

13.2. Warum wurde die Burg zur gutgehenden Schwaige?

14. Die Herren von Schellenberg in Liechtenstein

15. Gedanken und Anmerkungen

15.1. Helene von Schellenberg

15.2. Westermayers Schellenburg

Quellen & Literatur

Allgemeines Vorwort

Mit diesem Büchlein wollen wir die bisher wenig beachtete Neuburg / Schellenburg im Isarwinkel genauer betrachten und versuchen etwas mehr Licht ‚ins Dunkel‘ dieser Burg zu bringen.

Im ersten Abschnitt erfolgt zuerst die Beschreibung und Bestandsaufnahme der Ruine, um dann unter Berücksichtigung der historischen Einordnung einen Rekonstruktionsversuch mit moderner Software für 3D-Visualisierung zu wagen.

Der zweite Abschnitt widmet sich den Nachforschungen über mögliche Besitzer der Burg und den aktuell gebräuchlichen Namen ‚Schellenburg‘. Anscheinend ist die Bezeichnung ‚Neuburg‘ älter und fundierter als die Bezeichnung ‚Schellenburg‘.

Florian Scheitler und Toni Benz

August 2023

Neuburg im Isarwinkel - Bestandsaufnahme und Rekonstruktion
Florian Scheitler

1. Einführung

Selbst viele Lenggrieser wissen gar nicht mehr, dass es im heutigen Gemeindegebiet von Lenggries einst nicht nur die Hohenburg, sondern noch eine zweite Burg gab. Von denen, die schon einmal davon gehört haben, wissen auch nur wenige wo diese zweite, ehemalige Burg zu finden sein könnte. Zeit etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen.

Diese zweite Burg, heute oft Schellenburg genannt, historisch schlicht als Neuburg bezeichnet, befand sich oberhalb des Ortsteils Untermurbach auf einem Bergausläufer des Braunecks im westlichen Isarwinkel. Details dazu werden in den folgenden Kapiteln aufgezeigt. Beginnen wir unsere kleine Reise aber zuerst mit einem Blick in die bisherige Literatur:

In der bisherigen Literatur findet sich relativ wenig über die Neuburg. Von allen Autoren, die die Neuburg erwähnen, waren vermutlich nur zwei Personen selbst vor Ort: Asanger und Katzameyer. Alle anderen beziehen sich auf vorausgegangene Publikationen und / oder sprechen nur über die vermeintlichen Besitzer und deren Genealogie.

So wird die Burg zwar zum Beispiel in Werner Meyers „Burgen in Oberbayern“ aufgeführt, inhaltlich findet sich dort aber absolut gar nichts zur Burg oder Ruine. Stattdessen nennt Meyer ein paar wenige urkundliche Erwähnungen von Personen mit dem Zunamen Schellenberg.1 Genau so verhält es sich auch in Westermayers „Chronik der Burg und des Marktes Tölz“. Zur Burg heißt es dort nur, dass sie gegenüber der Hohenburg lag. Ansonsten beschreibt er ausführlich und phantasievoll die vermeintlichen genealogischen Zusammenhänge der Schellenberger, bis hin zu einem mythologischen Vorfahren, der Mitglied der Tafelrunde von Karl dem Großen gewesen sein soll.2 Diesen Gedankengängen folgt auch Büchel in seiner „Geschichte der Herren von Schellenberg“, in der er immer wieder auf Westermayer verweist.3

Glonner schreibt in seiner Chronik der Hofmark Hohenburg: „Die Erscheinung dieses Bergvorsprungs läßt auch das wirkliche Bestandhaben einer Burg nicht bezweifeln; wiewohl hiefür kein weiterer Beweis beigebracht werden kann.“ Er war also selbst nicht vor Ort, sonst hätte er die offensichtlichen Mauerreste erkannt. Ansonsten greift Glonner die Deutungen Westermayers zur Genealogie und dem Namen der Burg auf und fügt noch hinzu, dass die hinter dem Pföderlbauern gelegene Burg, „Isarburg“ genannt worden sein soll. Kurz erwähnt er auch den in lokalen Sagen „überlieferten“ Geheimgang zwischen Hohenburg und Neuburg.45 Solche oder ähnliche Geschichten über Geheimgänge erzählt man sich fast überall wo es zwei Burgen in unmittelbarer Nähe gibt. So gut wie nirgends ist eine solche Geschichte wahr, was jedem schon nach einem kurzen Fakten-Check klar werden dürfte:

Luftlinie Neuburg – Hohenburg: 2,3 km

Querung der Isar!

Höhenunterschied Neuburg - Isarbett: > 100 hm

Höhenunterschied Isarbett – Hohenburg: ca. 70 hm

Tatsächlich existierende Flucht- und Verbindungstunnel sind wesentlich kürzer und in der Regel nur knapp unter der Oberfläche. Sie wurden wohl im Tagebau angelegt.

Soll heißen, dass ein Graben gegraben wurde, der dann stabilisiert und abgedeckt wurde (vgl. Moosburg6).

In Georg Paulas Aufstellung über die Denkmäler im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen finden sich schließlich knappe, aber detaillierte Beschreibungen der Ruine und ihres Umfelds, zusammen mit dem Hinweis, dass die Bezeichnung als „Schellenburg“ erst seit dem 19. Jahrhundert ein gängiger Begriff sei.7 Diese Beschreibung ähnelt sehr der Beschreibung von Katzameyer in der Lenggrieser Ortschronik von 1989. Es ist daher anzunehmen, dass auch Paula nicht selbst vor Ort war, sondern die Ruinenbeschreibung von Katzameyer geschrieben wurde, zumal dieser auch einen längeren Beitrag über die Geschichte des Isarwinkels, zu Beginn des Buches, beigetragen hat.

Katzameyers Beitrag in der Lenggrieser Ortschronik ist die bisher umfangreichste Arbeit über die Neuburg und ihre geschichtliche Einordnung. Nicht nur liefert er detaillierte Beschreibungen der Ruine und des Burgbergs, sondern veranschaulicht das Vorgefundene auch mittels eines handgezeichneten Grundrisses und einer auf diesem basierenden Rekonstruktionszeichnung von Asanger. Der Grundriss ist allerdings stark vereinfacht und die Rekonstruktionszeichnung zeigt einen sehr hohen, schlanken Turm mitten im Wald, was eher als Überblendung der heutigen Bewuchssituation mit einer symbolischen Burg zu verstehen ist. Weiter nennt Katzameyer alle urkundlichen Erwähnungen der Neuburg, die er finden konnte und mutmaßt, dass die Neuburg und beträchtliche Teile des Landes westlich der Isar aus dem Besitz der Hohenburger, nach deren Aussterben, an das Kloster Tegernsee gekommen sein könnten. Zuletzt meint er, die Bezeichnung der Neuburg im Isarwinkel als „Schellenburg“ sei eine Erfindung von Westermayer und dieser „bringt keinen einzigen Beweis“ dafür. Denn in den Urkunden sei nur der Name Neuburg (als Tegernseer Amt) belegt.8

Die jüngsten Publikationen, in denen das Thema Neuburg zumindest kurz gestreift wird, haben keine weiteren Ergänzungen zum bereits oben Dargestellten und beziehen sich lediglich auf diese vorausgegangen Veröffentlichungen.9

Was wusste man also bisher über die mysteriöse Burg beim Pföderlbauern im Isarwinkel?

Kurz zusammengefasst:

Es gab eine Burg auf dem Bergausläufer; Geringe Überreste bezeugen dies.

Spätestens ab dem 13. Jhd. gab es ein Tegernseer Amt mit dem Namen Neuburg im Isarwinkel.

Diese sehr dünne Informationslage, gepaart mit vielen unterschiedlichen Vermutungen und Deutungen, veranlasst zu weiteren Nachforschungen. Dazu erfolgten mehrfache Geländebegehungen, besonders im Winter und Frühjahr, denn dann ist die Vegetation noch nicht so stark oder noch vom Schnee platt gedrückt. Dadurch sind Erhebungen, Vertiefungen etc. besser zu erkennen. Die Untersuchungen vor Ort wurden ergänzt mit der Analyse der vom Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung online bereitgestellten Reliefkarte und der historischen Karten im Bayernatlas.10 Am ergiebigsten entpuppten sich aber die 3D-Geländedaten, die der Reliefkarte zugrunde liegen und die man über das Vermessungsamt beziehen kann. Mit der entsprechenden Software hat man die Möglichkeit, die virtuellen Geländedaten von allen erdenklichen Blickwinkeln und Entfernungen zu betrachten. Dazu kommt noch die Möglichkeit den Lichteinfall künstlich zu verändern und so auch Richtungen auszuleuchten, aus denen eigentlich keine Sonne auf das Gelände scheinen würde. Dadurch fallen Geländebesonderheiten auf, die weder in Reliefkarten (nur Draufsicht) noch im Gelände (Bewuchs, beschränkte Blickwinkel aus Bodennähe) jemals sichtbar wären.

Die Ergebnisse dieser neuerlichen Nachforschungen sollen im Folgenden aufgezeigt und dokumentiert werden.

Doch zuvor soll noch auf die Namensproblematik eingegangen werden. Denn für eine Burg, von der so wenig bekannt ist, geistern erstaunlich viele unterschiedliche Bezeichnungen herum.

1 Meyer (1986): S. 46-47

2 Westermayer (1871): S. 39-41

3 Büchel (1907): S. 8-18

4 Glonner (1867): S. 12{41}; 27{56}; 33f{62f}

5 Schinzel-Penth (2016): S. 45

6 Merkur (28.03.2014): Bahnhofstrassee Moosburg: Geheimer Fluchtweg zum Schloss ausgegraben.https://www.merkur.de/lokales/freising/bahnhofstrassee-moosburg-geheimer-fluchtweg-schloss-ausgegraben-3441773.html [01.03.2023]

7 Paula (1994): S. 382 und 424

8 Katzameyer (1989): S. 76-80

9 Ulrich (2001): S. 67; Bammer (2007): S. 23

10 Siehe: geoportal.bayern.de/bayernatlas

2. Eine Burg, ein Name?

In Landkarten blieb auf dem Bergrücken, am Standort der ehemaligen Burg, nur der Flurname In der Burg erhalten. Manche bezeichnen die Ruine als Pföderlburg, da sie sich auf dem Grundstück des Pföderlbauern befindet. Nach Glonner soll auch der Name Isarburg gebräuchlich gewesen sein.11 Unterhalb des Bergrückens findet man in Landkarten heutzutage außerdem den Straßen- und Ortsteilnamen Schellenburg. Diese Bezeichnung alleine bedeutet allerdings nicht, dass die Burg, als sie noch intakt war, wirklich jemals Schellenburg genannt wurde. Denn die „Mehrzahl der in den amtlichen Unterlagen (Kataster, Grundbuchsachregister, Flurplan) verzeichneten und im 20. Jahrhundert noch mündlich gebrauchten Flurnamen wurde […] in der Neuzeit geprägt.“12 Zumindest seit Westermayers Chronik von Tölz von 1871 scheint sich der Name Schellenburg durchgesetzt zu haben. Daher wurde der bis dahin Untermurbach genannte Ortsteil, um 1960 herum, in Schellenburg umbenannt.13

Ist die Bezeichnung als Schellenburg nun wirklich nur eine Erfindung von Westermayer, wie Katzameyer vermutet, oder steckt mehr dahinter?

Als historisch gesichert kann jedenfalls nur der Name Neuburg gelten. Spätestens seit 1289 gibt es ein Tegernseer Amt im Isarwinkel mit diesem Namen.14

Bezieht sich der Name Neuburg auf eine Burg, die an Stelle einer älteren, möglicherweise zerstörten Vorgängeranlage wieder errichtet wurde? Bezeichnet Neuburg eine Burg, die im Isarwinkel die jüngere ist, im Gegensatz zur älteren Hohenburg? Oder meint Neuburg einfach nur die neu errichtete Burg eines Erbauers, der bereits an anderer Stelle eine oder mehrere Burgen bewohnt oder besessen hat? – Quasi einen modernen Zweitwohnsitz. War dieser Erbauer ein Hohenburger oder ein Schellenberger oder jemand ganz anderes? Dieser Thematik hat sich Benz in den Kapiteln 10.6 bis 12 angenommen.

Abb. 1 Kartenausschnitt mit Flur und Straßennamen (Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung)

In der Anmerkung zu seiner Tegernseer Tradition 216 stellt Peter Acht zur Diskussion, dass der alte Name der Neuburg Reginried gewesen sein könnte.15 Aktuell halten allerdings die meisten Autoren Reginried für den alten Namen von Tölz beziehungsweise für einen im heutigen Tölz aufgegangen Ortsteil.