Die unterschiedlichen Folgen der Phantasie - Ror Wolf - E-Book

Die unterschiedlichen Folgen der Phantasie E-Book

Ror Wolf

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Beschreibung

Im Nachlass von Ror Wolf fand sich nicht die lange avisierte Autobiographie, hingegen ein Konvolut unveröffentlichter Tagebücher aus den Jahren 1966 bis 1996. Ror Wolf schont, wie erwartet, weder sich selbst noch seine Mitmenschen, er schreibt offen und rückhaltlos über sich, über Kollegen, Freunde und Feinde, über seine Verleger, seine Redakteure und den Literaturbetrieb. Die Leser erfahren viel über die sich entwickelnde Laufbahn, erhalten Einblick in Arbeitszusammenhänge, in Erfolge und vermeintliche Niederlagen, erleben aus nächster Nähe den Weg eines der eigenwilligsten und phantasiereichsten Schriftsteller der letzten Jahrzehnte. Diese unveröffentlichten Texte ergänzen das in der Werkausgabe RWW vorliegende Gesamtwerk um bedeutende Aspekte und geben Auskunft über das Leben und den Arbeitsalltag eines der großen Autoren unserer Literatur.

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Seitenzahl: 437

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

[Cover]

Titel

1966    PILZER UND PELZER

1967

1968

1969    Danke schön. Nichts zu danken

1970    Punkt ist Punkt

1971    Der Chinese am Fenster

1972    Die überzeugenden Vorteile des Abends

1973

1974    Die Stunde der Wahrheit

1975    Keep out

1976    Die Gefährlichkeit der großen Ebene

1977    Auf und Davon

1978    Die Einsamkeit des Meeresgrunds

1979    Radio-Collagen

1980    Die heiße Luft der Spiele

1981    Das nächste Spiel

1982    Zornheim-Nord

1983    Raoul Tranchirers großer Ratschläger

1984    Hans Waldmanns Abenteuer

1985    Leben und Tod des Kornettisten Bix Beiderbecke

1986    Mehrere Männer

1987    Herr Zank: Schallplatte

1988    Mitteilungen an Ratlose

1989    Ausflug an den vorläufigen Rand der Dinge

1990    Tranchirers Welt- und Wirklichkeitslehre

1991    Nachrichten aus der bewohnten Welt

1992    Anfang & vorläufiges Ende

1993    Spiel, Spaß und Entsetzen: Ein Komplott

1994    Raoul Tranchirers letzte Gedanken

Editorische Notiz

Dank

Autor:innenporträt

Kurzbeschreibung

Impressum

Die unterschiedlichen Folgen der Phantasie

1966    PILZER UND PELZER

Dezember 1964: Umzug von Frankfurt nach St. Gallen, Schweiz1. – Erika2 schon einige Wochen in der Firma Stoffel: Leiterin der Marktforschungsabteilung.

St. Gallen-Waldacker: Ahornstrasse: Dez. 1964 bis Juli 1965:

St. Gallen: Kesselhaldenstrasse: August 1965 bis 31. Juli 1966

MORITATEN. – Vorbereitungen zu PILZERUNDPELZER3. – BILD-COLLAGEN. – KURZEPROSA. – RADIO-AUFTRAGSARBEITEN. – Regelmäßige Besuche der hiesigen Flipperstuben. – Keine reguläre Aufenthaltserlaubnis. Nur Besuchserlaubnis. Eine, nach den wilden Zuständen in F, besonders bemerkbare Einsamkeit: Schwere Schlafstörungen. Glatteis-Sturz: Ausgekugeltes Oberarmgelenk. – Suhrkamp schickt erst sehr spät Kritiken zu FORTSETZUNGDESBERICHTS4.

Januar

20. Januar KONSTANZ. Antiquariate.

21. Januar ZÜRICH. – Platten: Coltrane. Bob Dylan.

27. Januar ZÜRICH.

29. Januar KONSTANZ.

Februar

2. Februar ZÜRICH. KONSTANZ.

3. Februar Feature für den HR: Stanislaw Przybyszewski: Erinnerungen an das Literarische Berlin.5

4. Februar Reuther6 will in der FR Moritaten und Collagen bringen, Herr Gerold7 verhindert das.

6. Februar BREGENZ. LINDAU.

8. Februar Moritat: DIEFOLGENGROSSERKÄLTE8.

10. Februar ZÜRICH.

12. Februar KONSTANZ.

28. Februar ANFÄNGER9 für HR-Jugendfunk.

März

2. März ZÜRICH.

7. März Brief an Hans Werner Richter10: Absage Gruppe 47 USA Princeton, mit Hinweis auf Harvard-University.

8. März ZÜRICH.

16. März FRANKFURT. – Pension Rottler.

17. März FRANKFURT: Fräulein Stralka11, ein dralles Mädchen in einer Kneipe und später in einem Hausflur. Der Schnaps macht sie frech, sie ist sehr jung, allenfalls 20.

18. März FRANKFURT. Ich bringe Karl Riha12 Collagen mit, die er im DISKUS13 bringen will.

19. März FRANKFURT.

20. März FRANKFURT.

21. März FRANKFURT.

22. März FRANKFURT.

23. März FRANKFURT.

24. März BASEL. St. GALLEN.

30. März NDR hat meine Bearbeitung des Buches NACHTWARIHRTAG14 vom HR übernommen.

April

2. April APPENZELL. SÄNTIS.

4. April BASEL: Deutsches Konsulat: Universität als Aufenthaltsgrund. Immatrikulation in BASEL unvermeidlich.

9. April ZÜRICH. RAPPERSWIL.

15. April LINDAU: Treffen & Essen mit Jochen Meyer, dem Freund aus Saalfeld15, den ich danach nie wieder sehe. Er lebt in Darmstadt.

16. April mit E, die im Auftrag der Firma reist: in BASEL: Hotel Roter Drache, Kleinbasel.

17. April BASEL: Kunsthalle. – Ein Fräulein spricht mich an: Colette aus Neuchâtel.

23. April KONSTANZ.

26. April LITERATURFÜRANFÄNGER für HR.

30. April Auf dem Weg nach Frankfurt mache ich halt in BASEL. Hotel am Bahnhof. Wohnungs-Betrachtungen. Treffen mit Colette F.

Mai

1. Mai BASEL Hotel mit dunklem Gassenblick und Gassengeräuschen. Beschluß, nach Basel zu ziehen: Ich erwäge eine Immatrikulation. – Colette möchte nicht mit ins Hotel. Bei ihr geht es auch nicht: sie wohnt in Untermiete.

2. Mai BASEL Rundgänge. Dann mit dem Zug nach FRANKFURT: Übernachtung bei Scheunemann16 in Sachsenhausen.

3. Mai HR: Umschnitt für Bix-Beiderbecke-Porträt.

4. Mai FRANKFURT: Reisepaß-Amt. Universität: Unterlagen für eine Immatrikulation in Basel.

5. Mai Rückfahrt nach St. Gallen.

11. Mai BASEL. Universität. Wohnungsbetrachtungen.

16. Mai Brief von Henry Kissinger, Harvard: Absage17 – was mir ganz recht ist.

21. Mai Colette kommt nach St. Gallen und sorgt vielsprachig eine Weile für Stimmung. – Sie wird mir bei der Wohnungssuche in Basel behilflich sein.

22. Mai mit C in BREGENZ.

27. Mai BASEL. LÖRRACH: Wohnungsbesichtigung.

Juni

3. Juni KONSTANZ.

4. Juni REISEBESCHREIBUNGOHNEREISE18: für HR: Dr. Schultz19: fertig und ab.

5. Juni Mietvertrag ab nach Basel: Wohnung Dornacherstrasse 3820. Gundeldinger Quartier, oberstes Stockwerk, mit Aussicht auf die Bahnhofskuppeln.

10. Juni BASEL: Colette in ihrem Büro in Kleinbasel, auf dem Teppich: nach Büroschluß.

16. Juni LITERATURFÜRANFÄNGER: HR.

19. Juni REUTLINGEN mit E: Stoffel-Geschäftsreise mit Befragungen. Weiter nach:

20. Juni FRANKFURT.

21. Juni FRANKFURT.

22. Juni KARLSRUHE. STUTTGART: Aufsuchung meiner Unterkunft 1954 in Stuttgart-Heslach21.

25. Juni KONSTANZ.

Juli

5. Juli ZÜRICH.

13. Juli ZÜRICH. BADEN. BASEL.

14. Juli Brief an Universität Basel.

15. Juli ZÜRICH.

22. Juli ZÜRICH.

25. Juli ZÜRICH.

August

1. August UMZUG von St. Gallen nach Basel22. – Von hier an führen wir eine Wochenendehe – Colette hilft beim Auspacken.

2. August Colette hilft beim Einräumen.

13. August Die Dornacherstrasse ist eine der meistbenutzten Autostraßen des Kontinents. Nachts preßt sich der gesamte Schwerlastverkehr hier durch. Ich schlafe mit Schlafmitteln. – Am Wochenende hört der Schwerlastverkehr auf. Dafür beginnt nun mit Musik und Gesang und Kartenklatschen das Leben in der gegenüberliegenden Gastwirtschaft: bis 2 Uhr nachts. Am Sonntagmorgen beginnt gegen 6 Uhr die Kapelle der Heilsarmee zu musizieren. In der Ferne das Sonntagsschießen. – Aber der Blick auf die Bahnhofskuppeln ist schön. Unter diesen Schwellungen leben Pilzer und Pelzer.

15. August Telefonanschluß.

20. August LÖRRACH.

31. August Ein Kapitel PILZERUNDPELZER ab zu Raubach, St. Gallen, édition galerie press23.

September

1. September FRANKFURT.

2. September FRANKFURT.

3. September FRANKFURT.

8. September Erster Besuch im ZOO. – Wichtige Entdeckungen für die weitere Entwicklung von PILZERUNDPELZER.

10. September Fahnen für Raubach.

13. September FRANKFURT.

14. September FRANKFURT.

15. September FRANKFURT.

22. September FRANKFURT: Buchmesse. Suhrkamp & Hanser.

23. September FRANKFURT.

24. September FRANKFURT.

25. September Bei BH in ihrem Appartement am Eschenheimer Turm. – Viele Korbmöbel. Später springe ich aus dem Bett und verschwinde: wohin, weiß ich nicht.

26. September Rückfahrt nach BASEL: Rosemarie H. aus Braunschweig, 21, die ich im Eisenbahnabteil antreffe, unterbricht ihre Reise und folgt mir unerschrocken in meine Wohnung: ein hübsches argloses abenteuerlustiges Mädchen.

Oktober

4. Oktober Renate und Klaus Scheunemann hier.

5. Oktober ZÜRICH.

21. Oktober STUTTGART: Buchhandlung Wendelin Niedlich24: Lesung & Umtrunk. Übernachtung in Niedlichs Wohnung. Barbara Stieß25 meint, ich solle am nächsten Samstag zu einem Fest nach Stuttgart kommen. Sie will mich in Basel abholen mit ihrem ich glaube Austin.

29. Oktober: STUTTGART: BS erscheint wie verabredet in ihrem kleinen englischen Auto. – Das folgende Fest ist ein vor allem dem Schnaps und dem Wein gewidmetes Fest. Die schwäbische Bohème gerät ganz außer sich. Katja T tanzt auf dem Tisch. Daraus ergeben sich einige ziemlich direkte aber ganz flüchtige Berührungen in einem dunklen Raum, daran erinnere ich mich, ich erinnere mich an eine Stiege und ich glaube an das Innere eines Autos. – Die Fortsetzung in Bs Wohnung wird ein vollkommenes Fiasko: Ein vom Schnaps durchschwemmter Mensch – und eine diesen Menschen beobachtende nahezu nüchterne Frau.

30. Oktober STUTTGART: Der ganze folgende Tag ist mir entfallen. Abends fahre ich nach Basel. Ich sehe ganz grün aus. Ich nicke ein bißchen. Am Basler Bahnhof esse ich eine Wurst.

November

3. bis 6. November FRANKFURT: 1. Internationales Autorentreffen26. Ich schlafe in einem Hotel in der Bahnhofsgegend ganz ungestört durch bis zum Morgen. Ich pfeife fast, während die anderen alle wie niedergewalzt dasitzen. Das alles ist nichts gegen die Dornacherstrasse. – Thomas Bernhard ist da, Handke, Bingel und viele andere27.

12. November LITERATURFÜRANFÄNGER: HR.

14. November Ausstellung Horst Janssen.

17. November Der schweizer Autor Walter Gross28 erscheint und bittet um ein Nachtlager. Dann verschwindet er und erscheint spät in der Nacht total betrunken wieder. Der Mann stört mich sehr.

22. November erste FUSSBALL-COLLAGE an Riha: EINWORTZUMBODEN oder DIEMERKWÜRDIGELAGEAM 10. TAG29.

29. November Mac Esser30 erscheint in seinem kleinen Porsche. Wir sitzen lange in schönen Wirtschaften und trinken und zu Hause trinken wir weiter und singen. Der Mann stört mich überhaupt nicht.

Dezember

1. Dezember MORITATEN31 an Wolfgang Weyrauch32.

23. Dezember Ende der Wochenendehe: E zieht nach Basel und geht zu Geigy. – Von nun an Suche nach einer größeren und ruhigen Wohnung.

31. Dezember: Ein ziemlich gutes & verrücktes Jahr. Viel herumgefahren. Viel vorbereitet. Viel dahinspaziert. Weiter mit PILZERUNDPELZER.

1 Ab dem 3. Dezember 1964 wohnten Erika und Ror Wolf in der Ahornstrasse in St. Gallen.

2 Erika Wolf (* 19. Dezember 1939), seit 1959 mit Ror Wolf verheiratet, bis 1991 Marktanalytikerin in der Pharmaindustrie, lebt in Mainz.

3Pilzer und Pelzer. Erstdruck in Serielle Manifeste. St. Gallen: édition galerie press August 1966. Erweiterter Vorabdruck in Kursbuch 10, Oktober 1967. S. 106–137. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1967. Erstausgabe: Pilzer und Pelzer. Eine Abenteuerserie. Frankfurt am Main 1967 (= edition suhrkamp 234). 7.–8. Tausend 1972. Erweiterte Ausgabe in den suhrkamp taschenbüchern 1978 (suhrkamp taschenbuch 466, erweitert um Rückkehr und endgültiges Verschwinden von Pilzer und Pelzer). Sogenannte »Vollständige Ausgabe« 1988 in der Sammlung Luchterhand (SL 791, mit vierzehn Collagen). Finale Ausgabe in RWW (= Ror Wolf Werke), Prosa II, Herausgegeben von Kay Sokolowsky. Frankfurt am Main: Schöffling & Co. 2010.

4Fortsetzung des Berichts. Erstes bis drittes Tausend. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1964. Neuausgabe: edition suhrkamp 378. Frankfurt am Main 1970, 1.–8. Tausend. Finale Ausgabe in RWW (= Ror Wolf Werke), Prosa I, Herausgegeben von Kai U. Jürgens. Frankfurt am Main: Schöffling & Co. 2010.

5 Stanisław Przybyszewski, Erinnerungen an das literarische Berlin. Aus dem Polnischen von Klaus Staemmler. Mit einem Geleitwort von Willy Haas. München: Winkler 1965.

6 Reuther, Frankfurter Rundschau: In den Erinnerungen zweier langjähriger Rundschauredakteure fand sich kein Hinweis auf einen Redakteur Reuther, »Allenfalls könne es ein freier Mitarbeiter im Feuilleton gewesen sein und dann auch nur für kurze Zeit. Dass der FR-Chefredakteur und Verleger Karl Gerold die Veröffentlichung verhinderte, passt ins Bild. Gerold habe immer wieder so gehandelt, weil er sich selbst für einen großen Dichter gehalten habe. Gerold habe unsägliche ›Gedichte‹ aus seiner Feder auf der Seite 1 der FR positioniert, was stets aufs Neue zu Protesten in der Redaktion geführt habe.«, so berichtet Claus-Jürgen Göpfert, langjähriger Rundschauredakteur, ihm verdanken wir Kontakt und Nachricht.

7 Karl Gerold (1906–1973). Herausgeber der Frankfurter Rundschau, auch Lyriker.

8 Siehe Ror Wolf, Die Gedichte. Mit einem Nachwort von Friedmar Apel. Frankfurt am Main: Schöffling & Co. 2017. S. 41

9Literatur für Anfänger: regelmäßige Hörfunksendung im Jugendfunk des Hessischen Rundfunks.

10 Hans Werner Richter (1908–1993). Schriftsteller, Erfinder und Chef der Gruppe 47.

11 Fräulein Stralka: Der Herausgeber beläßt zahlreiche Mädchen und Damen in ihrer Anonymität, eine Entschlüsselung wäre wohl manchmal möglich, brächte aber keinerlei Erkenntnisgewinn.

12 Karl Riha (*1935), Literaturwissenschaftler und Schriftsteller, Herausgeber des Diskus, der Frankfurter Studentenzeitschrift, an der Ror Wolf von 1959 bis 1963 Feuilletonredakteur war.

13Diskus, Frankfurter Studentenzeitung, erscheint seit 1951, gelegentlich verboten, wechselnde Herausgeber, die vom Studentenparlament jährlich gewählt wurden.

14Nacht war ihr Tag: Aufnahmedatum im HR war der 14. November 1964. Näheres nicht ermittelt.

15 Geburtsort von Ror Wolf

16 Klaus Scheunemann (1936–2015), Redakteur im Hessischen Rundfunk.

17 Ror Wolf hatte sich um die Teilnahme am »Harvard International Seminar« von Henry Kissinger (*1923) an der Harvard University beworben.

18Reisebeschreibung ohne Reise. Nicht ermittelt.

19 Uwe Schultz (*1936), Literaturredakteur im Hessischen Rundfunk, ab 1970 Leiter der Abteilung Literatur, von 1976 bis 1994 Leiter der Hauptabteilung Kulturelles Wort.

20 Von August 1966 bis Juni 1967 die Wohnung von Erika und Ror Wolf.

21 Ror Wolf wohnte von Dezember 1953 bis Ende Oktober 1954 in der Finkenstraße in Stuttgart.

22 Von August 1966 bis Juni 1967 wohnten die Wolfs in der Dornacherstrasse in Basel.

23 Erstdruck aus Pilzer und Pelzer in Serielle Manifeste im August 1966.

24 Über lange Jahre die führende literarische Buchhandlung Stuttgarts.

25 Buchhändlerin in Stuttgart und Berlin, von 1960 bis 1968 in der Buchhandlung Wendelin Niedlich in Stuttgart; 1976 übernahm sie mit Helga Steinhilber Wolff’s Bücherei in Friedenau.

26 1. Internationales Autorentreffen vom 3.–6. November 1966 in Frankfurt am Main, organisiert vom Frankfurter Forum für Literatur. Gründer, Organisator, Geldbeschaffer war der Frankfurter Schriftsteller Horst Bingel, der in der Einladung zum 1. Internationalen Autorentreffen formulierte: »Das Treffen will deutsche mit ausländischen Autoren zusammenbringen (…) Polemik ist erwünscht, wenn sie einer Ansicht dient. Das Forum ist zur Auseinandersetzung da, es soll der zweiten literarischen Nachkriegsgeneration eine ständige Diskussionsplattform eröffnen.« Ror Wolf steht auf der Teilnehmerliste.

27 Die Schriftstellerkollegen: Thomas Bernhard (1931–1989), Peter Handke (*1942), Horst Bingel (1933–2008).

28 Schweizer Lyriker (1924–1999).

29Ein Wort zum Boden oder Die merkwürdige Lage am zehnten Tag. In: Ror Wolf, Die heiße Luft der Spiele. Frankfurt am Main 1980 (= suhrkamp taschenbuch 606), S. 251 ff.

30 Mac Esser: Der Schriftsteller Manfred Esser (1938–1995), bekannt durch seinen Ostend-Roman (1978).

31 Für die Anthologie Lyrik aus dieser Zeit im Bechtle Verlag, deren Mitherausgeber Wolfgang Weyrauch war.

32 Wolfgang Weyrauch (1904–1980), Schriftsteller und Herausgeber zahlreicher Anthologien, u.a. Tausend Gramm, 1949.

1967

Januar

PILZERUNDPELZER weiter in den folgenden Monaten. Kaum Spaziergänge. Kaum Rundfahrten.

5. Januar HR: LITERATURFÜRANFÄNGER.

20. Januar HR: LITERATURFÜRANFÄNGER.

Februar

11. Februar BADEN-BADEN: Ausstellung Labyrinthe33.

März

4. März 1. Fassung PILZERUNDPELZER fertig.

5. März MULHOUSE: Rundgänge und Essen.

20. März FRANKFURT: bei Scheunemann: Abisag Tüllmann34.

21. März FRANKFURT.

22. März FRANKFURT.

April

2. April DORNACH: Goetheanum.

9. April OLTEN.

21. April HR: LITERATURFÜRANFÄNGER.

Mai

4. Mai SCHWARZWALD.

5. Mai SCHWARZWALD.

7. Mai Abisag Tüllmann in Basel.

19. Mai Textstück PUP35 an Enzensberger für KURSBUCH.

Juni

7. Juni Klee-Ausstellung: Kunsthalle Basel.36

29. Juni UMZUGSVORBEREITUNGEN für Missionsstrasse, Basel.

30. Juni UMZUG Missionsstrasse 4437.

Juli

1. Juli HR: LITERATURFÜRANFÄNGER.

29. Juli PILZERUNDPELZER fertig. Ab zu Suhrkamp.

30. Juli Erika besucht SAALFELD mit Saab: bis 11.8.

August    Spaziergänge undsoweiter

2. August Colette Fawer hier.

4. August Colette Fawer hier.

20. August HR: LITERATURFÜRANFÄNGER.

31. August Beginn Fahnenkorrektur PUP.

September

1. September St. LOUIS: Spaziergang nach Frankreich.

3. September Besuch von Barbara Stieß.

9. September Fahnen an Suhrkamp.

15. September Einführungstext für DLF.

20. September Radio Basel: Aufnahme 17 Uhr.

21. September Umbruch ab an Suhrkamp.

22. September ZÜRICH

23. September DORNACH

26. September STUTTGART: auf dem Weg zur Neuen Literatur in Hof38. Esser-Runde39. BS verschließt ihr Schlafzimmer und öffnet nicht.

27. September HOF: mit Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Claus Henneberg, Hans Noever, Reinhard Döhl, Hans Kamps, Jürgen Becker, Uwe Brandner, Karl Riha, Franz Schonauer, Ludwig Harig, Hans Dahlem, Hellmut Geißner40. – Lesung im großen Rathaussaal. Noever und ich haben das Vergnügen, den Anfang zu machen. Wir fallen auf den Hintern. Man tröstet uns. Dann heben wir einen.

28. September HOF: Hans Kamps, Hörspieldramaturg beim SR, rät mir dringend, ein Hörspiel für ihn zu schreiben.

29. September HOF: Rundfahrten. Ich klettere über einen Zaun und verstauche mir beim Hinunterspringen den Fuß. Arzt. Tanderil41.

30. September HOF: Am Abend kann ich schon wieder tanzen in Claus Hennebergs Schloß42.

Oktober

1. Oktober HOF. NÜRNBERG: ich hinke zum Bahnhof, um nach Nürnberg zu fahren: Sylvester43. Ich bin platt.

2. Oktober NÜRNBERG: Stadtspaziergang. Burg. Ich muß mir die Haare von einem Friseur waschen lassen, damit der Kopf härter wird: er könnte mir plötzlich vom Hals fließen. – Abends nach STUTTGART, wo mich Frau Stieß und ihr Freund vom Bahnhof abholen. Übernachtung bei Frau Stieß.

9. Oktober ZÜRICH.

10. Oktober HR: LITERATURFÜRANFÄNGER.

12. Oktober FRANKFURT: Buchmesse: Künstlerkeller44: In der Wohnung von Nono und Katja Thiel45.

13. Oktober Frau Rottlers Pension.

14. Oktober großes Saufen bei Seide46.

15. Oktober Club Voltaire47: Katja Tenhold48. Eine flüchtige Bekanntschaft aus Stuttgart.

16. Oktober FRANKFURT: HR: Interview: Herr Anderle.

20. Oktober Radio Basel: Aufnahmen für HR und Basel.

27. Oktober HR sendet PILZERUNDPELZER.

30. Oktober Radio Basel sendet PILZERUNDPELZER.

November

14. November Text an Henneberg.

23. November FRANKFURT: 2. INTERNATIONALESFORUMFÜRLITERATUR49. – Hotel Bahnhofsgegend.

24. November Bei AT: Ich zerbreche einen Kleiderbügel und zerfetze mir die linke Handinnenfläche. Das Blut spritzt. – Ich fahre ins Hotel, um meine Abfahrt bekanntzugeben. Dann zu AT.

25. November AT fährt mich zögernd in ein Hospital, wo man mir eine Tetanusspritze verpaßt und eine Schiene. – Waldstadion mit Piwitt & Kissel50. – Dann nach Basel, ausgeblutet.

Dezember

11. Dezember SAARBRÜCKEN. SR: Hans Kamps. Heinz Hostnig51. Abends bei Ludwig Harig.

12. Dezember SAARBRÜCKEN: SR: Hans Kamps. Abends bei Hans Dahlem.

17. Dezember HR: LITERATURFÜRANFÄNGER.

31. Dezember Gutes Jahr. Ja.

33 Ausstellung Labyrinthe: Phantastische Kunst vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Januar – Februar 1967.

34 Fotografin (1935–1996), lange Jahre mit Ror Wolf befreundet, im Tagebuch auch als AT.

35 Vgl. FN 3.

36 Paul Klee 1879–1940, Gesamtausstellung in der Kunsthalle Basel 3. Juni–13. August 1967.

37 Missionsstrasse 44: die Wolfsche Wohnung von Juni 1967 bis Mitte September 1968.

38 Veranstaltungsreihe von 1966 bis 1970: neue literatur in hof,

39 Helmut Böttiger weiß Bescheid: »In Stuttgart gab es den sogenannten SKKB, Sozialistisch-Katholischer Künstlerbund, den Esser halbironisch initiierte. Zu der Gruppe gehörten noch Wolfgang Kiwus, Helmut Mader, Elmar Podlech, Hans-Peter Breuer. Sie sahen sich im experimentellen Umfeld der ›Stuttgarter Schule‹ von Max Bense und der Buchhandlung Niedlich.«

40 Die Teilnehmer: Ernst Jandl (1925–2000), Friederike Mayröcker (1924–2021), Claus Henneberg (*1928), Hans Noever (*1928), Reinhard Döhl (1934–2004), Hans Kamps (1938–2018), Jürgen Becker (*1932), Uwe Brandner (1941–2018), Karl Riha (*1935), Franz Schonauer (1920–1989), Ludwig Harig (1927–2018), Hans Dahlem (1928–2006), Hellmut Geißner (1926–2012).

41 Tanderil: Rheuma-Mittel von Ciba Geigy.

42 Nicole Henneberg, die Tochter, erinnert sich genau: »Der verflixt gutaussehende junge Dichter Ror Wolf mit leicht melancholischem Blick, damals gerade frisch aus Rom zurückgekehrt, in wildem Flirt mit meiner Tante Lilly, damals blond und umwerfend hübsch – sie war unsere Kleinstadt-Marilyn, in unserem Familienschloß. Es liegt auf einem Hügel über der Stadt Hof (Haidthöhe 3), am äußersten Rand des Stadtparks Theresienstein, ist prächtig eingerichtet, Antiquitäten, ein französischer Gobelin über dem Kamin. Eine riesige Halle, in der sich alles abspielte, Nebenräume, in denen sich’s gut flirten ließ. Viel Alkohol natürlich. Ror Wolf sehr fröhlich, aufgedreht. Meine Tante liebte junge Dichter …«

43 Sylvester: Schulfreunde von Ror Wolf.

44 Der Künstlerkeller im Karmeliterkloster war von 1959 bis 1986 unter der Wirtin Toni Weigand der Treffpunkt der Frankfurter Künstler und Schauspieler.

45 Nono und Katja Thiel. Nicht ermittelt.

46 Adam Seide (1929–2004), Dichter, Künstler, Herausgeber, Galerist, ab 1962 in Frankfurt am Main. Das »große Saufen« fand wohl in Adam Seides Wohnung im Röderbergweg 64 statt.

47 Im Sommer 1962 gegründeter Verein in der Kleinen Hochstraße 5; die Selbsteinschätzung: »Als eingetragener, gemeinnütziger Verein verstehen wir uns als Ort für Gegenöffentlichkeit, bieten Information und Aufklärung als Voraussetzung für Emanzipation und Veränderung. Wir wollen einen Raum erhalten für alternative Kunst und Kultur und – mit einer kleinen Kneipe – für Zusammensein ohne Diskriminierung.«

48 Mitgründerin des Club Voltaire in Stuttgart.

49II. Internationales Frankfurter Forum für Literatur vom 23.–26. November 1967. Öffentliche Lesungen, Diskussionen, Teilnehmer waren u.a. H.C. Artmann, Fritz Bauer, Michel Butor, F.C. Delius, Erich Fried, Peter Handke, Herbert Heckmann, Zbigniew Herbert, Walter Höllerer, Ernst Jandl, Robert Neumann, Wolfgang Weyrauch, Ror Wolf. Gründer, Organisator, Geldbeschaffer war der Frankfurter Schriftsteller Horst Bingel, der in der Einladung zum 1. Internationalen Autorentreffen vom 3.–6. November 1966 formulierte: »Das Treffen will deutsche mit ausländischen Autoren zusammenbringen (…) Polemik ist erwünscht, wenn sie einer Ansicht dient. Das Forum ist zur Auseinandersetzung da, es soll der zweiten literarischen Nachkriegsgeneration eine ständige Diskussionsplattform eröffnen.« Ror Wolf steht auf der Teilnehmerliste.

50 Hermann Peter Piwitt (*1935), Schriftsteller, und Rolf Kissel (*1929), Maler und Bildhauer.

51 Heinz Hostnig (1924–1996) leitete die SR-Hörspielabteilung von 1963 bis 1970, Verfechter des Neuen Hörspiels und Vorreiter der Stereo-Produktion. 1971 wurde Hostnig NDR-Hörspielchef (bis 1988).

1969    Danke schön. Nichts zu danken

Januar

Am Titel-Text gearbeitet: radikal.

16. Januar Treffen mit Walter E. Richartz74.

Februar

19. Februar ANDEUTUNGENÜBERDIEBEABSICHTIGTEREISENACHSÜLZ75 fertig. – Ab an Dr. Pehnt76: DLF.

27. Februar Abends bei Scheunemanns. Plötzlich taucht U auf. Sie übernachtet bei mir.

März

5. März HR. Aufnahme: Einführungstext für DLF.

11. März DLF sendet REISENACHSÜLZ.

April

15. April Mit Gerd Winkler77 bei PUBLIC: Dörrlamm: 1. Fußball-Collage: EINWORTZUMBODEN verkauft.

23. April Manuskript DANKESCHÖN: noch ohne Titelgeschichte an Günther Busch. – Weiter mit DANKESCHÖN.

28. April Besuch von Gisela Dischner78.

30. April Abends bei Adam Seide in der Fabrik. Gisela Dischner.

Mai

4. Mai Besuch von Gisela Dischner und Martina ?

12. Mai: bis 14. Mai: HR Feature-Tagung.

16. Mai Prachtvoller Seide-Abend.

24. Mai bis 30. Mai: Mit E zum Pharma-Kongress nach Nizza: Im SAAB: BASELGENFANNECY.

25. Mai CHAMBÉRYGRENOBLEGAPSISTERONDIGNE: Hotel. Rundgänge und Versuche, an DANKESCHÖN zu arbeiten: Werbekapitel.

26. Mai DIGNE: Hotel. Reklame-Kapitel weiter.

27. Mai GRASSE – NIZZA: Ausflüge ins Gebirge.

28. Mai NIZZA: E geht zum Kongress. Ich gehe ans Meer und setze mich erst mal hin. Dann weiter.

29. Mai Ausflug nach VENCE: Calder-Museum. – In einem Restaurant: Paul McCartney & Ives Montand, natürlich an verschiedenen Tischen.

30. Mai MONACOMONTE-CARLOITALIEN: VENTIMIGLIATURINAOSTAST. BERNHARDSCHWEIZ: MONTREUXVEVEYBERNBASEL.

31. Mai BASEL: In Erikas Appartement.

Juni

12. Juni DANKESCHÖN. NICHTSZUDANKEN: fertig.

20. Juni BASEL: bis 29. Juni.

21. Juni BASEL: Alpenpokal Basel : Eintracht79.

29. Juni Rückfahrt nach Frankfurt.

Juli

1. Juli FAHRSCHULE Weege.

3. Juli Fahrschule 1

7. Juli Fahrschule 2

10. Juli Fahrschule 3

14. Juli Fahrschule 4 – Fahrstunde 1

17. Juli Fahrschule 5 Geselliger Abend in der Offenbacher Landstraße mit Scheunemann, Idens, Winklers, Brigitte Hofmann, Maike, Kissels und Glasers. Am Ende sind noch Kissels und Glasers da: Frau Kissel leitet das Finale ein, legt sich in Unterwäsche in die Badewanne, schmeißt mit schmutziger Wäsche aus dem Wäschekorb. Glaser und Kissel können sich vor Lachen kaum halten. Ich verschwinde für kurze Zeit mit Birgit G im Schlafzimmer. Was für ein prachtvoller Abend im Revolutionsjahr 69.

19. Juli BASEL bis 23. Juli.

23. Juli Rückreise nach Frankfurt.

24. Juli Fahrschule 6

25. Juli Fahrstunde 2

28. Juli Fahrschule 7

31. Juli Fahrschule 8 – Fahrstunde 3

August

4. August Fahrschule 9

7. August Fahrschule 10

9. August VOGELSBERG: Essen & Spaziergang.

14. August Fahrschule 11

15. August Fahrstunde 4

18. August Fahrschule 12 – Fahrstunde 5

19. August Fahrstunde 6

20. August Abisag Tüllmann fotografiert in der Wohnung.

21. August Fahrschule 13 – Fahrstunde 7

22. August Fahrstunde 8 Mit Winkler im Waldstadion: E : Schalke 2:1

25. August Fahrschule 14 – Fahrstunde 10

28. August Fahrschule 15 – Fahrstunde 11

29. August Fahrstunde 12

September

1. September Fahrschule 16 – Fahrstunde 13

2. September Fahrstunde 14

3. September Fahrstunde 15

4. September Fahrschule 17 – Fahrstunde 16

6. September Fahrstunde 17

7. September Theoretische Vorprüfung

8. September Fahrschule 18 – Fahrstunde 18

9. September Fahrstunde 19

10. September Fahrstunde 20

11. September Fahrschule 19 – Fahrstunde 21

12. September Fahrstunde 22

13. September Fahrstunde 23

15. September Fahrstunde 24

16. September Fahrstunde 25

17. September Fahrstunde 26

18. September Fahrstunde 27

19. September Fahrprüfung 7 Uhr. Führerschein. – Danach nach Basel mit der Eisenbahn.

20. September Überflüssige Reise nach Spanien, durch Frankreich: immerhin mit der Legitimation, ein Automobil fahren zu können. – Rasche Durchfahrt zu einer gemieteten Ferienwohnung nach CALPE: also etwas ganz gegen unsere Gewohnheiten. – GENF. CHAMBÉRY. NARBONNE. PERPIGNAN. – GERONA. BARCELONA. TARRAGONA. VALENCIA. OLIVA. DÉNIA: CALPE: – Die Feriensiedlung ist schön und leer. Von einem Gaudi-Schüler entworfen. Die Saison ist vorbei. Im Kühlschrank steht der bestellte Sekt. Wir schlafen tief.

21. September Wir verschlafen den ganzen Tag. Auf der Suche nach einem Restaurant durchlaufen wir einen trostlosen einbetonierten Ort. – Brauchbare Restaurants gibt es nicht. Wir kochen viel in der Küche. Einkäufe in ALTEA. Ausflüge nach MURCIA. BENIDORM. ALMERÍA.

30. September Aufenthalt Ende.

Oktober

1. Oktober Vorzeitige Abfahrt. – In einem Rutsch durch bis Basel. – Aufenthalt hier bis 7. Oktober.

3. Oktober Die ZEIT mit der wichtigen Kesting-Kritik80. Von nun an bin ich wieder ein ziemlich lebendiger Mensch.

7. Oktober Mit dem grünen Saab ab nach Frankfurt. Mal sehn, was nun kommt.

8. Oktober Buchmesse. Suhrkamp. Hanser.

9. Oktober Unseld lädt mich zu Mitscherlichs Geburtstagsfest ein, weil Mitscherlich ihn gebeten habe, ein paar besonders wichtige Autoren des Verlags mitzubringen. – Ich sage: ich habe keinen Anzug. Darauf drückt er mir einen Blanco-Scheck in die Hand. – Einen Anzug kaufe ich nicht, aber immerhin eine Hose. – Abends Gisela Dischner hier.

11. Oktober Eckart Herrmann in der Offenbacher: Interview für den SDR: Sendung am 13.12.

12. Oktober Mitscherlich-Abend in Höchst. Ich bringe den stockbetrunkenen Artmann81 mit. Marianne Kalow82 und Marianne Frisch83, die mich nach Zürich einlädt. Am Ende fahre ich im Nebel Artmann, Frau Frisch und Bohrer84 nach Frankfurt. Augstein85 war auch da. Und Nossack86.

13. Oktober Auf der Fahrt zur Buchmesse, ich stehe vor einer Ampel, drückt mir ein verdammter Army-LKW den Kühler ein. – Abschleppung zu Saab. Eine Firma dreht mir für die Reparatur-Tage einen Prinz87 an. – Wut. Papierkram. – Nachmittags besucht mich Barbara Stieß: meine Stimmung ist schlecht.

14. Oktober Gegen Abend erscheint plötzlich Frau Schmidt. Wir liegen ein bißchen, dann sitzen wir in Sachsenhausen, dann fahre ich sie im schrecklichen Prinz-Auto zu Ingrid Huf.

16. Oktober Der Filmemacher Peter Lilienthal88 und Eckart Stein89 vom ZDF besuchen mich. – Ich soll das Drehbuch nach Robert Walser JACOBVONGUNTEN für einen Lilienthal-Film schreiben. – Frau Schmidt erscheint plötzlich. Sie hat etwas Schmuck vergessen. Schon verschwindet sie wieder.

17. Oktober Saab abgeholt. Von nun an hat das Auto einen anderen Charakter.

21. Oktober Brief an Stein ZDF: mir sind, gerade weil ich den Walser so liebe, Bedenken gekommen, ein Drehbuch zu machen. – Es gibt allerdings einleuchtende Gründe, das Drehbuch doch zu machen: Die Zusammenarbeit mit Lilienthal & das Honorar. – Ich werde also meine Hörspiel-Pläne zurückstellen müssen.

23. Oktober Nobelpreis für Beckett90. – Manthey91 interviewt mich im HR. – Unfallbericht an die Polizei.

24. Oktober bis 26. Oktober in BASEL mit dem Saab.

26. Oktober Rückfahrt nach Frankfurt.

27. Oktober MÜNCHEN. Mit der Bahn. Gespräch mit Lilienthal und zurück nach F.

28. Oktober Anfang Materialsammlung JACOBVONGUNTEN und Überlegungen zur Konzeption.

29. Oktober HR-Fußball-Feature: erste Aufnahmen. – Abends hole ich Lilienthal vom Flughafen ab. Wir besprechen den Film. – Er übernachtet bei mir.

30. Oktober Lilienthal hier: Spaziergänge im Stadtwald.

November

1. November Erste Nagra92-Aufnahme im Waldstadion: Eintracht : 1860 – 4:3 zugleich Drehbuch: JACOBVONGUNTEN weiter.

7. November BASEL bis zum:

10. November zurück mit dem Saab.

15. November Zweite Nagra-Aufnahme im Waldstadion: Eintracht : Hertha – 1:1

25. November Korrektur FORTSETZUNG: Neuausgabe in der edition suhrkamp.

27. November SDR: Studio Karlsruhe: Gespräch mit und Lesung für Horst Lehner.93 – Abends: Lesung Buchhandlung Lugert: Ein Wort zum Boden. Reklame-Kapitel. Reise nach Sülz. – Umtrunk und Hotel.

Dezember

3. Dezember MÜNCHEN: Mit Lilienthal bei IDUNA-Film, einer obskuren Hinterhof-Firma.

4. Dezember Suhrkamp: Bei Beckermann94 und Busch: Werth-Empfehlung in der ZEIT: PUP. – Ich erwarte Werbeunterstützung vom Verlag.

6. Dezember Dritte Nagra-Aufnahme im Waldstadion: Eintracht : Köln – 1:2

8. Dezember Lesung ODENWALDSCHULE. Danach im Schnee nach Oberrad.

14. Dezember Vierte Nagra-Aufnahme am Bieberer Berg: Offenbach : Karlsruhe.

17. Dezember Hans Kamps hier: Hörspielgespräche.

31. Dezember Anstrengendes Jahr. Büchsenkost. Billige Weine. Ziemlich viel Schnaps. Husten.

74 Walter E. Richartz (1927–1980), Erzähler, Übersetzer, Chemiker.

75Andeutungen über die beabsichtigte Reise nach Sülz. Teil der Ergänzungen zu Pilzer und Pelzer, erstmals in suhrkamp taschenbuch 466, 1978.

76 Wolfgang Pehnt (*1931), Redakteur im Deutschlandfunk, 1974–1995 Leiter der Abteilung Literatur und Kunst, 1995 Professur und Lehrtätigkeit an der Ruhr-Universität Bochum.

77 Gerd Winkler (1929–1978), Autor und Regisseur.

78 Gisela Dischner (*1939), Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin.

79 3:2 für den FC Basel.

80 Marianne Kesting, Der Müll um uns häuft sich. (Zu Danke schön. Nichts zu danken) DIEZEIT, 3. Oktober 1969.

81 H.C. Artmann (1921–2000), Schriftsteller und Übersetzer.

82 Marianne Kalow, von 1966–1970 Mitarbeiterin der Presseabteilung im Suhrkamp Verlag.

83 Marianne Frisch (*1939), literarische Übersetzerin.

84 Karl Heinz Bohrer (1932–2021), Literaturkritiker, Journalist, Literaturwissenschaftler.

85 Rudolf Augstein (1923–2002), Journalist, Autor, Verleger. Gründer und Herausgeber des SPIEGEL.

86 Hans Erich Nossack (1901–1977), Schriftsteller.

87 Prinz: ein Kleinwagen der Firma NSU.

88 Peter Lilienthal (*1929), Filmregisseur, 1971 Jakob von Gunten nach dem Roman von Robert Walser, Drehbuch: Ror Wolf.

89 Eckart Stein (1937–2021), 1962 Redakteur von »Das Kleine Fernsehspiel« beim ZDF, 1965 bis 2000 dessen Redaktionsleiter.

90 Samuel Beckett (1906–1989), irischer Schriftsteller.

91 Jürgen Manthey (1932–2018), Leiter der Literaturredaktion im Hessischen Rundunk, Lektor, Herausgeber, Literaturprofessor.

92 Nagra: professionelles Tonbandgerät, geschätzt in Rundfunkanstalten.

93 Horst Tim Lehner (1924–2017), Rundfunkredakteur beim SDR/SWF.

94 Thomas Beckermann (*1940), Lektor im Suhrkamp Verlag von 1969 bis 1974, bis 1989 im S. Fischer Verlag, danach Leiter des Literaturhauses Frankfurt am Main.

1970    Punkt ist Punkt

Januar

1. Januar Frankfurt-Oberrad. Offenbacher Landstraße.

5. Januar Peter Lilienthal hier. Eckart Stein vom ZDF stößt dazu und liest sehr verwundert oder gar verstört mein Drehbuch zu JACOBVONGUNTEN.

10. bis 12. Januar Basel. Besuch bei E.

14. Januar Abendessen bei Unselds mit Marie Luise Kaschnitz95.

23. Januar 5. Nagra-Aufnahme im Waldstadion: Eintracht : Bayern – ein Flutlichtspiel96.

25. Januar LONDON: Lilienthal holt mich am Flughafen ab. – Hotel in der Cromwell Road. Zimmer mit Bad und Gasgestank. Nachts fällt fortwährend die Zudecke vom Bett. – Ich schlafe miserabel.

26. Januar Treffen in Lilienthals Haus. Stein stößt dazu. Filmbesprechungen. Spaziere im Hyde Park undsoweiter.

27. Januar Spaziergänge mit Lilienthal in der City. Später sitzen wir in Mänteln vor dem feuerlos kalten Kamin in Lilienthals Haus am Hyde Park und frieren und hören Platten. Richie Havens. – Die Hotelnächte sind eiskalt und stinken nach Gas. Noch immer fällt die Decke vom Bett.

28. Januar Vormittags die Cromwell Road entlang bis zu Harrods97 und im Harrods herum, von unten nach oben. Nachmittags Filmüberlegungen.

29. Januar In den Räumen ist es hier kälter als auf den Straßen. Aber schön ist es schon.

30. Januar Besuch bei Bezzel98 & Gisela Dischner, die sich freundlich um mich kümmern, meine Beine hochlegen und einen Heizofen vor meine kalten Füße stellen. – Abends fahren wir mit der U-Bahn zum Piccadilly und setzen uns in einen Pub. Viel Whisky. Pfiffiger Ausklang.

31. Januar Morgens ein Bad und ab mit dem Taxi zum Flughafen. In Frankfurt hat es geschneit.

Februar

Februar PUNKTISTPUNKT weiter.

8. Februar BASEL: Wohnungsbetrachtung UNTERERRHEINWEG99.

16. Februar Fußball-Texte an Renate Matthaei, für den März-Verlag: Trivialmythen.

18. Februar KÖLN: WDR: mit Lilienthal Filmbetrachtungen.

20. Februar Umzugsmann der Firma Franz100 hier.

März

5. März Erster Arzt-Besuch nach vielen Jahren. Starker Husten und Schmerzen am Brustbein. Ich schlage das Telefonbuch auf: Dr. Steinhäuser: Blutentnahme.

6. März Steinhäuser ruft mich sofort an: Diagnose: Diabetes. Das sind die Folgen von Büchsenkost und Fusel und verzuckertem Wein und ununterbrochenem Arbeiten. – Irgendwie mache ich für meine Verfassung den durch die Fugen der Holzdecken herabrieselnden Sand verantwortlich, den Vogelkot.

9. Februar EKG & Röntgen. – Steinhäuser tröstet mich: man könne auch mit Diabetes weiterleben. Essen darf man zwar nichts mehr was schmeckt & trinken schon gar nicht, und heilbar ist diese Sache natürlich auch nicht: sie ist unheilbar. – Ich versuche, weil ich einfach nicht aufhören kann, Diätbier und Diabetikerwein. – Also vorwärts: in eine freudlose Zukunft. Und wenn ich mich halte, kann ich noch ein paar Jahre leben.

13. März Abends bei Idens101. Ich sitze verkümmert herum und trinke nichts.

Ende März Die Wohnung OFFENBACHERLANDSTRASSE übernimmt Michael Schulte102, sie wird nicht renoviert, er bekommt die Küchenteile gratis und einige Rouleaus extra.

April

PUNKTISTPUNKT weiter.

1. April Umzug nach BASEL: UNTERERRHEINWEG 86. – Ich fahre voraus und erledige die Abfertigungen am Zoll. Dann lotse ich den Transport durch eine Anzahl mir gänzlich unbekannter schmaler Gassen zum Rheinweg, wo wieder mal ein ganz neues Leben beginnen soll.

2. April In den nächsten Tagen Wohnungseinrichtung. Kauf einiger Möbel: Bücherturm, Beistelltische, Lampen, zwei Stühle.

28. April Ein Fräulein aus den vergangenen Zeiten erscheint: Colette Fawer: Ein kurzer Besuch in der Mittagspause. Nett, aber ohne weitere Folgen. CHINESE103 weiter. PUNKTISTPUNKT weiter.

Mai

DERCHINESEAMFENSTER: letzte Fassung.

11. Mai CHINESE: Vorfassung an den WDR.

14. Mai FRANKFURT.

15. Mai FRANKFURT: Arzt: Steinhäuser.

19. Mai BADEN-BADEN: SWF: Ein Dreiergespräch über einige Bücher mit Bohrer und Hädecke. Am Abend schleiche ich durch diesen Nobelort und sehe auf der anderen Seite die versammelte Macht: Bohrer und Hädecke104, ganz fern und hoch oben.

20. Mai Radio-Gespräch. Mittags zusammen mit Hermann Naber105 und Peter W. Jansen106. Nachmittags weiter Radio-Gespräch. Abends fahre ich Bohrer zum Bahnhof und dann selbst ab nach Basel, im dunkelgrünen Saab.

Juni

DERCHINESEAMFENSTER: weiter.

2. Juni Text für THEATERHEUTE an Henning Rischbieter107: WARUMSCHREIBEICHNICHTFÜRSTHEATER108.

7. Juni MAINZ: ZDF-Autorentreffen109. Hilton. Tagungsort: Schloß Reinhartshausen Erbach/Rheingau. – Am gleichen Abend WM-Spiel D : Bulgarien.110 Man telefoniert mich vom Bildschirm weg in den wartenden Bus, mit dem man uns zum wartenden Abendessen fährt. Neben Holzamer111 ist ein Platz frei, dort sitze ich.

8. Juni MAINZ weiter.

9. Juni MAINZ weiter: Umquartierung in den Mainzer Hof: eine verkehrskrachende Absteige.

10. Juni Vormittags Betrachtung von Produktionen des Kleinen Fernsehspiels. Es geht noch weiter, aber ich fahre ab nach FRANKFURT: in Glasers menschenleeres Haus nach Bischofsheim. Auf einer Pritsche zunächst das Spiel D : Peru112 gesehen.

11. Juni Arzt Steinhäuser.

14. Juni BASEL: Das gewaltige Spiel D : England: 3:2 nach Verlängerung.

16. Juni Wulf Hübner hier, ein Student aus Konstanz, schreibt eine Magisterarbeit. Fahrt nach RONCHAMP: zu Le Corbusiers Notre-Dame-du-Haut.

17. Juni Das Spiel D : Italien. Nach Verlängerung 3:4 – mit einem großen Grabowski113.

Juli

DERCHINESEAMFENSTER & PUNKTISTPUNKT.

13. Juli STUTTGART: Buchhandlung Niedlich feiert Jubiläum. Niedlich und Barbara Stieß. – Abends in der Hotel-Kneipe: Unseld, Busch, K.M. Michel, Walser, Fimmel, Achternbusch, Rothschild114, Wolf. Sehr schlecht geschlafen: große Hitze.

14. Juli Mit dem Saab zurück schwitzend erschöpft wütend nach Basel.

15. Juli KÖLN: WDR: Bei Kamps übernachtet: CHINESEN-Besprechung.

16. Juli KÖLN: Vormittags im WDR. Danach bei Renate Matthaei115, Kiepenheuer & Witsch. Abends mit dem Zug zurück nach Basel.

20. Juli Ärztin Dr. Massini: Untersuchung.

31. Juli DERCHINESEAMFENSTER fertig: Ms zum WDR.

August

PUNKTISTPUNKT weiter.

18. August Brief an Colette Tropp, Mannheim, die eine Examensarbeit über PILZERUNDPELZER schreibt. Einige Zeit später taucht sie mit merkwürdiger Begleitung hier auf und nimmt ein langes Gespräch auf Band.

20. August Ein Wort zur Wohnung: Unterer Rheinweg116. Eine hübsche, aber von den Lärmbelästigungen her katastrophale Wohnung. Die deutsche Familie unter uns. Die nachts putzende Familie über uns. Die unablässig telefonierende Tante neben uns. Die fürchterlich schnaufende Garagenabsauge hinter uns. Die vorbeitutenden Rheinschiffe vor uns. Die Chemie rundherum. Erika kann nicht mehr schlafen. Ich ohnehin nicht. Wir gehen langsam ein. Ich gehe kaum noch aus dem Haus, kaum noch Spaziergänge. Immer noch Tabletten gegen Diabetes. Wutanfälle. Verzweiflungen. Depressionen.

29. August Ärztin Dr. Massini: Diagnose: Kein Diabetes! Das ändert eine Menge. – 6 Monate mit einer Fehldiagnose gelebt.

September

Appartement FRANKFURT: UNTERERHASENPFAD: Die Miete zahle ich vom monatlich gezahlten Vorschuß für FORTSETZUNGDESBERICHTS: Taschenbuchausgabe in der edition.

2. September PUNKTISTPUNKT fertig: Ab an Suhrkamp.

10. bis 11. September FRANKFURT Hasenpfad. Suhrkamp.

16. September Überlegungen, ein Berlin-Stipendium zu beantragen.

24. bis 26. September FRANKFURT Buchmesse.

27. September Berlin-Stipendium beantragt. Barbara Stieß hat mich dazu ermuntert. – Die Berliner Akademie der Künste lädt mich zu einer Moritatenlesung ein.

Oktober

13. und 14. Oktober FRANKFURT: bei Suhrkamp. Besprechung PUNKTISTPUNKT. Die Reisekosten gehen selbstverständlich auf meine Kappe.

17. Oktober Plötzlicher unerwarteter Besuch von Winkler und Kissel, die auf dem Weg nach Spanien sind. Plötzlicher Anruf von Sara Kissel, die böse drüber ist, daß Winkler und Kissel auf dem Weg nach Spanien sind. Am Ende bin ich daran schuld, daß Winkler und Kissel auf dem Weg nach Spanien sind.

30. Oktober Auftritt im PROGRESSIVENMUSEUM117: Mathias Bonert hat das arrangiert: Ein Schauspieler liest. Kutter und die alte Millionärin. Grützke. – Bonert, Grützke und ich machen später etwas ähnliches wie Musik, ohne Publikum.

November

4. November FREIBURG: Studio des SDR: 10 bis 11 Uhr: Interview und Lesung: Sendung am 10. November. Dann weiter nach FRANKFURT: Hasenpfad.

5. November Flug nach BERLIN Lesung in der Akademie der Künste: mit Artmann,

Rühm118, Christa Reinig119. Dann Kneipe, dann Hotel.

6. November Rückflug nach FRANKFURT.

16. November FRANKFURT: Suhrkamp. Besprechung PUNKTISTPUNKT, natürlich spesenlos, Reisekosten zahle ich.

27. November FRANKFURT Suhrkamp: Besprechung PUNKTISTPUNKT: Der Autor zahlt alles.

Dezember

16. Dezember FRANKFURT: HR: Dr. Corino120: Lesung aus PUNKTISTPUNKT.

17. Dezember FRANKFURTKARLSRUHE: Lesung SDR Studio Karlsruhe: Lesung PUNKTISTPUNKT: Horst Lehner. Danach FRANKFURT.

18. Dezember Verlag der Autoren. Braun121. Lilienthal will kommen, kommt aber nicht.

28. Dezember ZÜRICH. Hotel mit Erika.

29. Dezember INNERSCHWEIZ. BRIENZ.

31. Dezember FRANKFURT: Silvesterfeier bei Scheunemanns. Ich will im Hasenpfad übernachten. Am Eschenheimer Turm klopft ein Mann an die Saabscheibe, ich drehe sie einfach hinunter und dieser Mann schlägt mir einfach in die Fresse. Ich steige nicht aus, ich fahre nicht in den Hasenpfad, ich drücke aufs Gas und fahre blutverschmiert nach BASEL, wo ich aus dem Auto taumle. Ein angemessener Jahresabschluß und zugleich Jahresbeginn.

95 Marie Luise Kaschnitz (1901–1974), Schriftstellerin.

96 Am 23. Januar 1970 fand keine Begegnung zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern München statt.

97 Eines der größten Warenhäuser der Welt: 87–135 Brompton Road, Knightsbridge.

98 Chris Bezzel (1937–2015), Schriftsteller, von Januar 1965 bis März 1967 Lektor im Suhrkamp Verlag.

99 Die Wolfsche Wohnung vom 1. April 1970 bis zum 31. März 1971.

100 Franz Umzüge, Basel: »wir zügeln sorgfältig und zuverlässig«.

101 Peter Iden (*1938), Theater- und Kunstkritiker, vorwiegend für die Frankfurter Rundschau, dort bis 2000 Feuilletonchef. Mit Karlheinz Braun organisierte er von 1966 bis 1971 das Festival für experimentelles Theater, die Experimenta.

102 Michael Schulte (1941–2019), Schriftsteller und Übersetzer.

103 Das Hörspiel Der Chinese am Fenster, Ursendung am 10. März 1971 im Hessischen Rundfunk, Erstdruck: wdr-Hörspielbuch 9. Köln: Kiepenheuer & Witsch 1971 (= pocket 23) Finaler Druck in: Ror Wolf, Die Einsamkeit des Meeresgrunds. Die Hörspiele. Ror Wolf Werke. Herausgegeben von Hans Burkhard Schlichting. Frankfurt am Main: Schöffling & Co. 2012.

104 Wolfgang Hädecke (1929–2022), Schriftsteller, Biograph.

105 Hermann Naber (1933–2012), Dramaturg und Hörspielregisseur, Leiter der Hörspielabteilung des Südwestfunks.

106 Peter W. Jansen (1930–2008), Filmkritiker, Journalist, mit Wolfram Schütte Herausgeber der Reihe Film im Carl Hanser Verlag.

107 Henning Rischbieter (1927–2013), Theaterkritiker, Gründer und bis 1997 Herausgeber von Theater heute.

108Theater heute, Jahressonderheft: Theater 1970.

109ZDF-Autorentreffen vom 7.–9. Juni 1970 im Schloß Reinhartshausen, Erbach/Rheingau. Teilnehmer waren u.a. Manfred Bieler, Max von der Grün, Otto Jägersberg, Hugo Loetscher, Ror Wolf, Jochen Ziem; vom ZDF Alfred Biolek, Karl Holzamer, Dieter Schwarzenau, Dieter Stolte. Aus der Pressemeldung des ZDF: »Zum zweiten Mal treffen sich auf Einladung der Programmdirektion des ZDF in Erbach (Rheingau) rund fünfzig Autoren zu einer Arbeitstagung. Thema der Tagung, an der auch Vertreter von ORF und SRG teilnahmen, waren Fragen der Programmkonzeption.«

110 Sonntag, 7. Juni 1970, 12:00 Uhr, Estadio León, León, Mexiko , Deutschland : Bulgarien 5:2.

111 Karl Holzamer (1906–2007), Intendant des ZDF von 1962 bis 1977.

112 Mittwoch, 10. Juni 1970, 16:00 Uhr, Estadio León, León, Mexiko, Deutschland : Peru 3:1.

113 Jürgen Grabowski (1944–2022), von 1965 bis 1980 Spieler bei Eintracht Frankfurt, 1974 Weltmeister.

114 Siegfried Unseld (1924–2002), Günther Busch (1929–1995), Karl Markus Michel (1929–2000), Martin Walser (*1927), Andreas Fimmel (*1944), Mitgründer des Rotbuch Verlags, Herbert Achternbusch (1938–2022), Thomas Rothschild (*1942).

115 Renate Matthaei (*1928) Lektorin im Verlag Kiepenheuer & Witsch in Köln.

116 Unterer Rheinweg: Wolfs Wohnung vom 1. April 1970 bis 31. März 1971.

117 Das Progressive Museum Basel war von 1968 bis 1974 ein Ausstellungsort avantgardistischer Kunst .

118 Gerhard Rühm (*1930), österreichischer Schriftsteller.

119 Christa Reinig (1926–2008), Schriftstellerin.

120 Karl Corino (*1942), Journalist, Literaturkritiker, Schriftsteller. Ab 1970 Literaturredakteur beim Hessischen Rundfunk, von 1985 bis 2002 Leiter der Literaturredaktion.

121 Karlheinz Braun (*1932), Theaterverleger, vgl. Karlheinz Braun, Herzstücke. Leben mit Autoren. Frankfurt am Main: Schöffling & Co. 2019.

1971    Der Chinese am Fenster

Januar

4. Januar Peter Lilienthal erscheint plötzlich mit dem Drehbuch JACOBVONGUNTEN – einer letzten Fassung. Er übernachtet bei uns. Er möchte, daß ich beim Drehen – inzwischen in Spanien – dabei bin. Das möchte ich auch.

24. Januar Marianne Kalow, Suhrkamp Presseabteilung, verläßt den Verlag: Ein neues Problem.

28. Januar Ärztin Dr. Massini: Untersuchung: gesund.

Februar

17. Februar FRANKFURT: Hasenpfad.

18. Februar TTT: Aufnahmen beim Training am Riederwald und im Studio. – Man zahlt keine Spesen.

19. Februar KÖLN: WDR: Besuch beim Hörspiel.

23. Februar: Treffen mit Aurel Schmidt122, Basler Nationalzeitung, im Restaurant Kunsthalle.

März

4. Februar Lothar Baier123 hier: Herausgeber des geplanten Buches ÜBERRORWOLF.

6. März: TTT Sendung: PUNKTISTPUNKT.

14. und 15. März FRANKFURT: Hasenpfad.

25. März HR sendet DERCHINESEAMFENSTER.

29. und 30. März UMZUG nach BINNINGEN: Florastrasse 36124.

April

HANSWALDMANNSABENTEUER: endgültige Fassung des 1. Teils in den nächsten Monaten. BILD-COLLAGEN.

Mai

11. Mai Anruf wütend an Beckermann: es geht um 1000 Mark, die ich plötzlich als Ablöse für MEINFAMILI zahlen soll: an Anabas.

21. und 22. Mai FRANKFURT Hasenpfad.

Juni

1. Juni Plötzliche Absicht, nach Irland zu reisen.

4. Juni ABREISE nach IRLAND: bis 22. Juni. – COLMARNANCYREIMSLAON: Kleines Hotel. Guter Champagner.

5. Juni AMIENSDIEPPEFÉCAMPÉTRETAT: Am Strand, im Wagen sitzend erfährt man schließlich von Radio Luxemburg, daß Eintracht Frankfurt den Klassenerhalt geschafft hat125. Kleine Siegesfeier.

6. Juni LEHAVRE. ÜBERFAHRT in einer winzigen stickigen Kabine mit Whiskey im oberen Bett. Schiffsessen sehr schlecht.

7. Juni ROSSLARE: Ankunft in IRLAND. DUNCORMICK. NEWROSS: Abfahrt auf kleinen irischen Seitenwegen und Heckenwegen. – An einem bestimmten Punkt der Küste begegnen wir dem ehemaligen Matrosen Pad, der irgendwann irgendwo auf dem Mast saß, im Jahre 1925. Wo ist Pad? fragten alle. Und Pad sagte: Pad sitzt auf dem Mast. Auf irgendeinem Schiff saß er irgendwo oben auf dem Mast und die ganze Mannschaft fragte: wo ist Pad? So war es. – Langsam wird es dunkel, weiter nach WATERFORD. TRAMORE. DUNGARVAN. Essen miserabel. Das Hotel stinkt nach der Öl-Raffinerie, die direkt hinter dem Haus steht.

8. Juni CORK. BANDON. BANTRY. KENMARE. WATERVILLE Hotel am Meer. Im Zimmer ein Sessel, den ich als Kacksessel bezeichnen würde: unter der ledernen Sitzfläche befindet sich, wenn man sie hochklappt, ein Nachttopf.

9. Juni Hotel Doire Fhíonáin: Caherdaniel, Co. Kerry: Zwei gewaltige Schnarcher im Nebenzimmer. Kühl.

10. Juni KENMAREKILLARNEYLIMERICK: 2 Cashmere-Sweaters gekauft. Angenehmes Hotel. Aber wo sind denn nun die saftigen Steaks und die frischen Fische und alles andere?! – Fahrt in die Stadt Limerick und Rundgänge.

11. Juni LIMERICK. Regenwetter. Kühl. Weiter: ENNIS. GALWAY. TUAM. CASTLEBAR. WATERPORT. NEWPORT. MULRANY: Achill Island. Hotel Great Southern Nobel-Hotel mit fernen Pfauenschreien und gewaltigen Sonnenuntergängen.

12. Juni MULRANY Achill Island. Rundfahrten. Regen. Kauf einer Mütze. Es klärt sich auf. Erste Sonne auf dieser Reise. Das Essen wird auch besser.

13. Juni MULRANY Achill Island. Kreuz und quer bis an den Rand der Welt, bis an die Ränder der Welt. Kleine verfallene Ortschaften. Wind. – Essen ganz gut im Hotel.

14. Juni MULRANY Morgens im Hotel im Badezimmer plötzlich starke Kreislaufbeschwerden. Also fort von der rauhen Küste: ins weiche Flachland hinein nach CASTLEBAR. CLAREMORRIS. CASTLEREA. ROSCOMMON. ATHLONE: am See Lough Ree.

15. Juni DUBLIN