Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Alfons Limbrunner ist seit vielen Jahren mit dem Wirken und Werk Karl Königs verbunden. Anlässlich des 50. Todestages im März 2016 betrachtet der Autor das Lebensbild dieses vielseitigen und schöpferischen Menschen aus zwölf unterschiedlichen Blickwinkeln, die eine stimmige Gesamtkomposition ergeben.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 197
Veröffentlichungsjahr: 2016
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
ALFONS LIMBRUNNER
Die Wanderer ins Morgenrot
Karl König, Camphill und spirituelle Gemeinschaft
Verlag Freies Geistesleben
Karl König, Camphill und die Wanderer ins Morgenrot – Vorwort
1 «Um mir das Rätsel meiner Existenz zu klären …» – Selbstzeugnisse und biographische Facetten im Leben des Camphill-Gründers Karl König
2 Immergrünes Pionierstück. Karl Königs Beitrag zur Geschwisterforschung
3 «O Leben Leben, wunderliche Zeit …» Karl Königs historisch-biographische Essays
41 861 und der Mann der Mitte. Karl Königs Phänomenologie eines besonderen Jahres
5 Die große, heitere Blumenkette des Schicksals. Karl König und Adalbert Stifter – Versuch einer Zusammenschau
6 Augenhöhe – Randnotiz in der Begegnung mit anthroposophischer Sozialtherapie
7 Leben, lernen, arbeiten. Die Erfolgs- und Wirkungsgeschichte des spirituell-anthroposophischen Sozialwesens
8 Gelebte Nachhaltigkeit – Porträt der Camphill-Dorfgemeinschaft Hausenhof
9 Werden Sie Tänzer! – 90 Jahre Rudolf Steiners Heilpädagogischer Kurs
10 Ein starkes Gespann. Landbau und Sozialarbeit – Wegzeichen zu einer Sozialen Landwirtschaft
11 Herzenserkenntnis – Ein Gespräch
12 Die Morgenröte – Spuren einer Zukunfts- und Hoffnungsmetapher
Anmerkungen – Literatur – Quellen
Impressum
Leseprobe Karl König – Eine mitteleuropäische Biographie
Newsletter
Meine Geschichte mit Karl König beginnt um 1968. Von einem Freund hörte ich den Namen erstmals im Studium der Sozialen Arbeit. Er war in einer Einrichtung der Behindertenhilfe tätig und erzählte von der Studie Der Mongolismus eines gewissen Karl Königs, das erste Buch in Deutschland über jene Menschen, die heute mit dem Etikett «Down-Syndrom» oder «Trisomie 21» unter uns leben. Dann, zu Beginn der achtziger Jahre, fiel mir – im Zusammenhang mit der Einschulung unserer Söhne an der Waldorfschule – Königs Buch Brüder und Schwestern – Geburtenfolge als Schicksal in die Hände. Dieses Buch ist inzwischen in einer stattlichen Anzahl von Auflagen erschienen und gilt – zumindest für mich – als eines der wichtigsten Bücher Königs, zumal es ohne Einschränkungen, damals wie heute, aktuell ist.
Die Jahre danach begann ich mich intensiver mit der Waldorfpädagogik zu befassen. Der Schritt zur entsprechenden Heilpädagogik, Sozialtherapie und Sozialarbeit, dem anthroposophischen Sozialwesen, lag nahe. Im Rahmen eines Praxissemesters – heute nennt sich das Forschungssemester – hatte ich Gelegenheit, sozialpsychiatrische Nachsorge und sozialtherapeutische Arbeit mit behinderten Menschen kennenzulernen. Über diese Erfahrungen hinaus ergaben sich vielfältige Kontakte und Anknüpfungspunkte zu Menschen und Organisationen, die in diesem zwar begrenzten, aber vielgestaltigen Rand Sozialer Arbeit agierten. Die Begegnungen waren fast immer mit ungewohnten und«eigenartigen»Eindrücken verbunden: Begriffe, Verhaltensweisen, Gestaltungen und Methoden, die mir neu waren und die mich schließlich neugierig machten. Da waren Ideen, Umgangsformen, Ausbildungswege, die anders waren als all das, was ich bisher im Bereich des Sozialwesens, der Sozialarbeit und Sozialpädagogik kannte und auch lehrte. Zwar gab es darüber vereinzelte Aufsätze in diversen anthroposophischen Schriften, die sich aber fast ausschließlich der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen widmeten. Dazu kam, dass der dabei verwendete Sprachgebrauch dem unbefangenen Leser Rätsel aufgab, weil Begrifflichkeiten und Annahmen vorausgesetzt wurden, wie sie nur in den Zirkeln der Anthroposophie mit ihren zum Teil nicht überprüfbaren Annahmen und fehlenden Quellenangaben üblich waren. Leider ist das zum Teil heute noch so. Der Name Karl König begleitete dabei immer wieder meinen Wunsch, diese Form spirituellen Sozialwesens einigermaßen zu erfassen. Vor diesem Hintergrund entstand 1993 im Beltz Verlag ein erster Überblick, in dem ich versuchte, die Breite der Arbeitsansätze, Konzepte und Methoden möglichst verständlich und praxisnah für ein nicht-anthroposophisches Publikum darzustellen.1
Etwa zur gleichen Zeit erschien Hans Müller-Wiedemanns Biographie über Karl König, jenem Wiener Juden, der als Arzt und Heilpädagoge in der Emigration jenseits des Kanals das große weltweite humanistische Projekt Camphill gründete. Bei der Lektüre entdeckte ich überrascht, dass König ein Verehrer Adalbert Stifters war, so, wie ich es schon damals war und auch noch heute bin. Genau dieser Umstand rückte mir Karl König innerlich näher, und ich begann mich ernsthaft mit dieser Persönlichkeit zu befassen. Das führte einige Jahre später zu dem Versuch, Leben und Werk Stifters mit dem von König zueinander in Beziehung zu setzen, denn ich glaubte, eine ganze Reihe von Berührungspunkten zu entdecken. Geblieben ist davon, sollte es eine Gemeinsamkeit zwischen Karl König und mir geben, dass wir Stifter als unseren persönlichen Hausfreund betrachten und uns, je nach Blickwinkel, dem Ideal einer menschengemäßen Sozialarbeit verpflichtet wissen.
Mein Interesse an dem, was praktische Spiritualität und Anthroposophie in den Sozial- und Humanwissenschaften, in der Psychologie, in der Sozialen Arbeit, im gelebten Leben insgesamt ausmacht, hat sich – trotz gelegentlicher Skrupel und Vorbehalte – weiterentwickelt. Vielfältige Veröffentlichungen über zwei Jahrzehnte in unterschiedlichen Printmedien zeigen den Spagat, mich sowohl in meinem Berufsfeld an einer Hochschule für Sozialwissenschaften als auch als Außenstehender im spirituell-anthroposophischen Milieu zu bewegen. Mein Anliegen dabei war immer, voneinander zu lernen bzw. das Gemeinsame vor dem Trennenden zu sehen. In einer seit über zwanzig Jahren bestehenden freien Arbeitsgruppe im Nürnberger Raum konnte ich Einsichten und persönliche Haltungen vertiefen und, so glaube ich, meinen Horizont erweitern und zugleich Einseitigkeiten vermeiden.
In diesem Sinne habe ich lange Zeit im Vorstand einer Dorfgemeinschaft mitgearbeitet und bin spätestens hier zum kritischen Sympathisanten dieser Art von gemeinsamem Leben, Lernen und Arbeiten geworden. Die Kontakte und Freundschaften, die dabei in all den Jahren entstanden, sind Teil meiner privaten und beruflichen Biographie geworden. Seit 2010 bin ich nunmehr als Entwicklungsberater und Supervisor in einer Camphill-Dorfgemeinschaft tätig.
Eine weitere Vertiefung ergab sich, als ich mich ab 2003 der Lehre der Thematik «Grüne Sozialarbeit» – das, was sich heute Soziale Landwirtschaft nennt – zuwandte. Im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojekts, finanziert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, bot sich die Gelegenheit, an einer Bestandsaufnahme «Soziale Landwirtschaft auf Bio-Höfen in Deutschland» mitzuwirken.2 Das führte wiederum zum Kontakt mit dem Karl König Institut in Berlin, zumal man dort im Rahmen der Karl König Werkausgabe den Band über Landwirtschaft und Sozialtherapie vorbereitete.3 Daraus ist eine Verbindung entstanden, die bis heute anhält. Zusammen mit Richard Steel editierte ich die Bände Brüder undSchwestern – Geschwisterfolge als Schicksal und Geister unter dem Zeitgeist – Schicksale an der Schwelle zur Moderne und versah sie mit Einführungs- und Begleittexten.4 Im Augenblick bereite ich einen Band über Karl Königs Lyrik vor.
Mit alldem ist in Kürze das gesagt, was den Anlass und den Aufbau dieser Aufsatzsammlung betrifft. Der etwas umfangreichere Eröffnungsaufsatz befasst sich mit Leben und Werk des Camphill-Gründers. Wo immer möglich, lasse ich dabei König selbst mit biographischen Selbstzeugnissen zu Wort kommen, verbunden mit Hinweisen, die Menschen zu berichten wussten, die ihm nahestanden und die sich in dessen Umfeld bewegten. Dabei kann so manches als überhöht und fremd empfunden werden. Gelegentliches Pathos und ungewöhnliche Gedankengänge tun aber den Leistungen dieses Mannes und der Sache, die er vertritt, keinen Abbruch. Die weiteren Aufsätze sind seit 2002 in unterschiedlichen Printmedien erschienen. Im Sinne einer stimmigen Gesamtkomposition habe ich in einigen Aufsätzen behutsame Veränderungen vorgenommen, wobei sich an manchen Stellen Überschneidungen nicht verhindern ließen. So befasst sich der zweite Aufsatz mit Königs literarischen Glanzstücken zur Geschwisterforschung und der dritte Aufsatz mit der vielgestaltigen Sammlung von Biographien bedeutsamer Persönlichkeiten im Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert. Sie runden, zusammen mit dem vierten und fünften Aufsatz über das Geburtsjahr Rudolf Steiners und dem Versuch, Adalbert Stifters Wirkungen auf Karl König zu betrachten, die Konturen dieses vielseitigen und schöpferischen Menschen ab. Die weiteren Beiträge versuchen sich darin, Idee und Praxis dieses spirituell orientierten Sozialwesens darzustellen. Nach dem Gespräch mit Richard Steel über Kaspar Hauser und Karl König mündet die Aufsatzsammlung in den titelgebenden Essay über die Wanderer ins Morgenrot ein.
Diese Zeile, dieses Bild, fand vor über zwei Jahrzehnten zu mir und hat mich seither nicht mehr verlassen. Den Wanderern, allen voran Karl König zu dessen 50. Todestag, ist dieser kleine Band gewidmet.
Erlangen, September 2015 Alfons Limbrunner
Jede Bewegung, die eine Mission hat – und so eine ist Camphill –, bedarf eines Mythos, der sich meist um den Gründer rankt. Mythos ist hier ausschließlich positiv gemeint, nämlich als ein stimulierendes Idealbild.
Dieter Brüll
Dezember 1938: Ein Mann sitzt in einem Zimmer, irgendwo in London. Er ist ein Fremdling, ein Ausländer, ein Wiener Jude, einer, der mit Tausenden anderer Menschen ein ähnliches Schicksal teilt. Sein Weg führte ihn über Italien, die Schweiz und Frankreich nach England, das dem Arzt und Heilpädagogen Asyl und Schutz vor der sich anbahnenden Unmenschlichkeit und Barbarei gewährt, die sich seit März des Jahres auch in Österreich ausbreitet. Sie, die Engländer, waren zu den Flüchtlingen, die jetzt in Scharen herüberkamen, großmütig und nobel, zeigten Mitleid und hilfreiche Anteilnahme. Was mag durch die Seele dieses Mannes gezogen sein in dieser für ihn und seine Familie, die noch in Deutschland weilt, so einschneidender Lebenszäsur? Was wird werden? Wie trägt die Vergangenheit die mögliche Zukunft? Gelingt es, die Frage nach dem Warum in ein Wozu umzumünzen?
Sehr viel später schreibt dieser Mann: «Da saß ich nun, herausgerissen aus meiner Arbeit, und ich kam mir vor wie ein Schiffbrüchiger, der auf eine einsame, unbekannte Insel verschlagen ist. Meine Kerze flackerte und warf seltsame Schatten an die Wand. Europa hatte ich hinter mir gelassen – denn hier war nicht mehr Europa; es war schon ein Stück der westlichen Welt. Die Sprache kannte ich nicht, die Menschen waren mir fremd. (…) Einige von diesen Fremden kamen mir wohl freundlich entgegen, aber andere, auf deren Hilfe ich gerechnet hatte, zeigten nur gerade so viel Interesse, wie es die Höflichkeit verlangte. So war ich allein auf mich angewiesen. Werde ich noch einmal die Kraft zu einem Neubeginn aufbringen?»
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
