Dietrich Theden - Volker Griese - E-Book

Dietrich Theden E-Book

Volker Griese

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Beschreibung

Dietrich Theden (Wankendorf 1857 - Funchal 1909) war Erzieher und Lehrer, Herausgeber und Redakteur bei der 'Gartenlaube' dem 'Universum', schließlich Chefredakteur der Familienzeitschrift 'Zur guten Stunde'. Bekannt wurde er auch als Bearbeiter der Werke Friedrich Gerstäckers und Balduin Möllhausens. Doch für den Kenner gilt er als der Vater des modernen deutschen Krimis. In seinen Romanen und Novellen griff er immer wieder auf seine holsteinische Heimat zurück. Da treiben Mörder und Schwindler auf den Bauernhöfen und in den Dörfern ihr Unwesen.

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Seitenzahl: 68

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Denn was für ein näheres Interesse haben wir, als unserer Unwissenheit und Irrthümer entbunden zu werden.

Christoph Martin Wieland

Was die Farbe des Mondes betrifft, so ist sie gewöhnlich groß

J. C. A. Galletti

Inhalt

»Allein« – »An die Schwester«

»

Ein nicht unbedeutendes Erzähltalent

«

Kindheit und Jugend

Lehrjahre eines angehenden Literaten

Freier Schriftsteller

Der Autor und sein eigentliches Werk

Holsteiner Erzählungen

Resümee

Bibliografie

Anmerkungen

»Allein« – »An die Schwester«

Du weißt ja nicht, was Sehnsucht ist, Verstehst mein thränend Auge nicht; Dir blieb der süßen Kindheit Heim, Der Elternaugen sonnig Licht,

Dir blieb der Jugendspielen Schar, Der trauten Heimat Liederklang, Dich grüßt der Wald mit Kuckucksruf, Das Saatenfeld mit Lerchensang,

Dir strahlet eine Zauberwelt Aus des geliebten Mannes Blick! – – Mir aber blüht im fremden Land Kein selig Lied von Lieb und Glück.

Mir gilt der Sänger Jubel nicht, Mir nicht des Lenzes Sonnenschein, Mir gilt kein Blick, kein Händedruck: Ich steh’ abseits, ich geh’ allein!

(Dietrich Theden)1

»Ein nicht unbedeutendes Erzähltalent«2

Er ist einer der großen Unbekannten in der Schleswig-Holsteinischen Literatur. Kaum eine autobiografische Äußerung ist von ihm bekannt, kaum ein Porträt, kaum ein Brief existiert in den Archiven. Und schon sehr früh breitete er um seinen Herkunftsort den Mantel des Schweigens. Die Rede ist von Dietrich Theden.

Die Spuren, die er sowohl in der Literaturgeschichte wie auch in der Sekundärliteratur hinterlassen hat, sind dabei zahlreich. Die einen beurteilen ihn bis heute als einen der »guten Kenner von Jugendliteratur«3, der mit seiner theoretischen Schrift ›Führer durch die Jugendliteratur‹4 sich als Erster in Deutschland umfassend dem Thema, unpolemisch und pädagogisch abgeklärt, gewidmet hat, dessen stark erweitertes Buch 10 Jahre später sich über Jahre als Standardwerk behaupten sollte und der es zunächst mit seinen eigenen Kinderbüchern, als Autor, Bearbeiter oder Herausgeber, verstand, durch die Stoffauswahl in Verbindung mit der »tiefen, zum Herzen gehenden Sprache«5, die Anschauung des Kindes anzusprechen.

Anderen ist er bekannt als derjenige, der den in Vergessenheit geratenen Reiseschriftsteller Friedrich Gerstäcker durch eine 24-bändige Auswahlausgabe des ›Costenoble-Verlags‹, für ein junges Publikum bearbeitet, erst so richtig einer breiten Leserschaft zugeführt hat.6 Die Presse war angetan: »Es war ein glücklicher Gedanke der Verlagsbuchhandlung, diese neue billige Ausgabe des beliebten Schriftstellers von der kundigen Hand des Gartenlauben-Redacteurs Dietrich Theden redigiren zu lassen, um alle Längen und etwas Veraltetes daraus zu entfernen, ohne die schuldige Pietät zu verletzen.«7 Jahre später schaffte er es mit dem im gleichen Genre tätigen Balduin Möllhausen noch einmal, einem der bedeutendsten Autoren des deutschen ethnografischen Abenteuerromans im 19. Jh. – der allerdings um die Jahrhundertwende auch schon wieder als vergessen und abgetan galt –, neues Leben einzuhauchen. Und dabei ist diese ab 1906 erschienene Ausgabe, obwohl auch diese Texte bearbeitet und gekürzt wurden, die bis heute »bekannteste Möllhausen-Ausgabe«.8

Nur wenigen dagegen gilt Theden als einer der ersten deutschen Erzähler von Kriminal- und Detektiv-Geschichten. Was bei näherer Beschäftigung mit dem Autor durchaus erstaunt, handelt es sich doch hierbei um sein eigentliches Werk. Dass in Deutschland Kriminalromane nach 1900 »immer noch aus dem Ausland in recht unerwünschter Fülle importiert«9 wurden, war für einige Literaturwissenschaftler zwar bedauerlich, doch es gab ja immerhin wenige Ausnahmen, so die Nörgler, darunter die Werke Dietrich Thedens. Mühten sich einige Wenige an solchen Stoffen, so verstand Theden es in seiner Zeit eine »feinere Naht«10 zu spinnen als alle anderen. Einzelne Erzählungen gelangten sogar noch nach seinem Tod in Anthologien, gedruckt neben Autoren eines Edgar Allan Poe, Wilkie Collins und anderen.11 Und – was kaum ein deutscher Autor bis heute schafft –, Theden gelang es, auf sich im Ausland aufmerksam zu machen: Ins Polnische wurde ein Kriminalroman übersetzt12 und zwei Kriminalerzählungen erschienen in den USA.13 Dabei war er einer der Ersten, der die intensive Polizeiarbeit, die Ermittlungstätigkeit auch hinter den Kulissen, die Arbeit der Gerichte und der Mediziner als Stilmittel nutzte.

Und so lautete das internationale Urteil noch in den 1920er Jahren: »Characteristic of the German detectiv story are the books of Dietrich Theden«.14 In den 1950er Jahren wies dann das in der Schweiz auf Französisch herausgegebene ›Revue internationale de criminologie et de police technique‹ auf den Stellenwert Thedens für den deutschsprachigen Raum hin: »Theden doit être considéré comme le plus grand écrivain policier de langue allemande de cette époque« (»Theden muss als der größte deutschsprachige Kriminalschriftsteller dieser Zeit angesehen werden«).15 Und selbst heute noch wird in Übersee die Meinung vertreten: »In the early part of the 20th Century there were a few interesting crime writers including […] Dietrich Theden«.16

Als sein bekanntester Roman gilt dabei der in Berlin spielende ›Menschenhasser‹ (1904), der es bis nach dem 1. Weltkrieg zu einer Auflage von mindestens 30 000 Exemplaren brachte und der, wenn auch gekürzt und bearbeitet – eines der seltenen Beispiele im Bereich der Unterhaltungsliteratur –, 1985 eine ebenfalls hohe Auflage in der DDR erzielte. Dieser Spagat zwischen einem ehemaligen Förderer der Kinder- und Jugendliteratur auf der einen und späteren Autor von Unterhaltungsliteratur in Form von Kriminalgeschichten andererseits rief naturgemäß in Deutschland aber auch Kritiker hervor: Theden »pflegte die Kriminalgeschichte leidlich geschmackvoll, was seinen Beruf zum Jugendschriftsteller zum Mindesten in Frage stellt.«17 Auch einem weiteren Zeitgenossen passte die ganze Richtung nicht: »Viel Gutes lässt sich auch nicht von Dietrich Theden sagen. […] Er ist nur Unterhaltungsschriftsteller und kann als solcher auch nur bescheidenen Ansprüchen genügen. Mit Vorliebe – und das ist charakteristisch für seine Stellung zur Kunst – pflegt er die kriminalistische Erzählung«. Zwar erkannte er an, dass sich der Autor auch als »Heimatdichter versucht«, doch die Kunst eines Gustav Frenssen, so Wilhelm Lobsiens Resümee, hätte er nicht erreicht.18

In seiner unmittelbaren Heimat, in seinem Geburtsort dagegen war und ist dieser Schriftsteller nahezu unbekannt geblieben; was aber durchaus von dem Autor mit der Verschleierung seines Geburtsortes in nahezu sämtlichen Schriftstellerlexikas und autobiografischen Angaben bewusst auch so betrieben wurde. Zu sehr griff er doch in zahlreichen seiner Erzählungen auf Örtlichkeiten oder gar auf Charaktere aus seiner unmittelbaren Heimat zurück, immer wieder tauchen sie – mal mehr, mal weniger, mal gar nicht umschrieben – in seinen Werken auf. Er trug diese Heimat stets im Herzen und schöpfte gerade auch in seinen Werken aus ihr.

Kindheit und Jugend

Hans Dietrich Theden erblickte am 15. Juni 1857 auf dem später erst so benannten Bauernhof ›Dreieichen‹ auf der Feldmark Bansrade bei Wankendorf als unehelicher Sohn des Bauern Johann Friedrich Theden das Licht der Welt. Die Mutter, Maria Dorothea Riecken, stammte von der nebenan liegenden Halbhufe ›Bansrade‹ und war »10 Monate zuvor auf dem Hofe« gewesen.19 Zu seinen Vorfahren soll, der Überlieferung nach, sogar ein Leibarzt Friedrichs des Großen gehört haben.20 Die Bauernstelle wurde wohl um 1760 als Pachtstelle durch den Depenauer Gutsherrn geschaffen und von dem aus Nettelau stammenden Ur-Ur-Großvater Claus Theden nach der Einrichtung übernommen.

Sie bestand im Wesentlichen aus den Gemarkungen Bansrade, Hinterste Wiese, Radewiesenhorst, Langensieck, Depenwisch und Langensieckskoppel mit insgesamt 38 To.21 1795 folgte Johann Christian Theden und nach Aufhebung der Leibeigenschaft und der Einrichtung als Erbpachtstelle 1823 Claus Friedrich Theden. Laut Gebäudesteuerveranlagung bestand das Anwesen um 1852 aus einem Wohnhaus, einer Scheune, einem Backhaus und einer großen, sechsfeldrigen Fachwerkkate.22

Kleine Häuerstelle ›Bansrade‹ später ›Dreieichen‹ – ab 1784 Halbhufe. Aufnahme von 1925.

»Der väterliche Bauernhof lag inmitten gesegneter Getreidefelder, die in den Jahresfolgen mit Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Klee usw. bestellt wurden. ›Große Kartoffeln‹ wollten nicht gedeihen; da war der Boden zu schwer.

Die Haselsträucher der Knicks brachten oft eine reiche Nußernte, an den Wällen schimmerte das Rot der Erdbeeren, und über und in den Gräben wucherten Brombeeren und Himbeerstauden. Die Feldteiche mit ihren goldschuppigen Karauschen waren mein Fischrevier.«23