Dogtown - Katherine Applegate - E-Book

Dogtown E-Book

Katherine Applegate

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Beschreibung

Auf drei Pfoten zum Glück In Dogtown suchen alle das Glück – hier im Heim für einsame Hunde, für dicke und dünne Streuner, feige und mutige. Die alte Bernhardinerdame Geraldine dreht auf den Fluren Pirouetten, Buster, der Golden Retriever, spielt mit seinem Kumpel Ball, und Chance, das Border-Collie-Mädchen, hilft Boss, der Leiterin des Heims, beim Pokern. Und doch vermissen sie alle ihre Lieblingsmenschen ganz schrecklich. Das Herz vergisst nicht. Und der Bauch will gekrault werden. Bei Wind und Wetter flüchtet Chance eines Tages mit Robokopf, dem Roboterhund, und Freund Maus in die Freiheit. Die drei schlafen im Möbelhaus, klauen auf dem Fischmarkt Garnelen, bis Chance findet, wonach sie sich so verzehrt hat: ihr Für-immer-Zuhause und Menschen, die sie lieben.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Über das Buch

Auf drei Pfoten zum Hundeglück

 

In Dogtown suchen alle das Glück – hier im Heim für einsame Hunde, für dicke, dünne, feige und mutige. Die alte Bernhardinerdame Geraldine dreht auf den Fluren ihre Pirouetten, Buster, der Golden Retriever, spielt mit seinem Kumpel Ball, und Chance, das Border-Collie-Mädchen, hilft Boss, der Leiterin des Heims, beim Pokern. Und doch vermissen sie alle ganz schrecklich ihre Lieblingsmenschen.

Als Chance bei Wind und Wetter eines Tages mit Robokopf, dem Roboterhund, und Freund Maus flieht, um ihr Für-immer-Zuhause zu finden, erleben die drei ein großes Abenteuer und erfahren, was Liebe ist.

 

»Spannung und Humor halten sich in dieser sympathischen Geschichte wunderbar die Waage (…) ebenso herzerwärmend wie unterhaltsam.«

Booklist Magazin

Katherine Applegate / Gennifer Choldenko

Dogtown

Aus dem Englischen von Ulli Günther

Mit Bildern von Thomas Müller

 

 

 

 

Für meine Mutter, Suzanne Applegate,

die große Hundefreundin,

in Liebe, K. A.

Für Sharon Levin

Danke, dass du deine Liebe zu Büchern mit allen in deiner Umgebung teilst.

Du gibst mir das Gefühl, dass meine Bücher etwas bewirken, und dafür danke ich dir.

G. C.

1Ein dreibeiniger Hund

Ich weiß, was ihr denkt: Der arme Hund hat nur drei Beine. Kommt schon! Es ist echt nicht so schlimm.

Nur für den amerikanischen Hundezüchter-Verein wird es wohl nicht reichen.

Was soll’s!

Meine Augen sind scharf, meine Nase ist feucht, mein Fell weich wie bei einem Welpen. Und der weiße Fleck über meinem Auge?

Der ist ein Glücksbringer.

Ich heiße Chance. Freut mich, euch kennenzulernen.

2Chance

Noch was über mich: Ich denke gründlicher nach als die meisten anderen Hunde. Während die hinter Stöckchen und Eichhörnchen herjagen, bleibe ich sitzen und checke erst mal die Lage. Wer dauernd überall rumspringt, braucht für jeden Abstecher Zeit. Besser also, man überlegt sich gut, wohin man will und warum.

Und außerdem: Drei ist eine Glückszahl.

Drei Akte in einem Theaterstück.

Drei Beine an einem Hocker.

Drei Zaubersprüche und so was alles.

Und weil Boss oft Poker spielt, ist Glück eine wichtige Sache.

Klar, als ich mein Bein verloren habe, war das kein Glück. Aber davon erzähle ich nicht gern.

3Ein Ort für heimatlose Hunde

Dogtown ist ein Heim – ein Heim für Hunde ohne Zuhause.

Die Hunde hier sind so unterschiedlich wie überall. Es gibt Collies und Corgies, Shar-Peis und Hütehunde, Pudel, Schnoodles, Labradoodles und jede Menge Promenadenmischungen wie mich.

Aber es gibt hier auch Hunde, die gar keine Hunde sind. Die bestehen nämlich komplett aus Metall.

Schon mal einen Tacker gestreichelt? Einen Toaster umarmt? Mit einem Türgriff gekuschelt?

So fühlt es sich an, wenn man einen Roboterhund besitzt.

Spaß hat man da nicht.

Aber warum gibt es überhaupt Metallhunde in Dogtown? Das ist doch die Frage.

4Dogtown 2.0

Boss hatte die Idee.

Dogtown 2.0 sollte ein origineller Einfall sein, ein Werbegag.

Die Leute liebten es zuzuschauen, wenn echte Hunde mit Roboterhunden kämpften, sich balgten, an einem Seil zerrten, wenn sie gegenseitig ihre Hinterteile beschnüffelten oder sich zusammenrollten, um sich auszuruhen oder aufzuladen.

Zeitungen schrieben darüber. Videos gingen viral. In den Abendnachrichten wurde zweimal hintereinander darüber berichtet.

Menschen kamen scharenweise nach Dogtown.

5Boss

Leider fuhren viele der Besucher danach mit einem Roboterhund wieder nach Hause. Ihre Begründungen waren lächerlich!

Sie hatten was gegen Dreck.

Sie waren Katzenfreunde.

Sie waren Allergiker.

Sie hassten Hundehaufen.

Um diese Zeit herum begann die Feindseligkeit zwischen uns echten Hunden und den Roboterhunden.

Aber Dogtown 2.0 zog so viele Leute an, dass insgesamt eben auch mehr echte Hunde adoptiert wurden als vorher.

Zumindest hat Boss das gesagt, und sie hat schließlich das Sagen hier.

6Köter zum Einstöpseln

Von den Roboterhunden in Dogtown kannte man die meisten unter ihren Rassenamen: eDog, iDog, Aibo, RoboRover oder Pup 1000.

Aber echte Hunderassen wie Boxer, Pointer oder Pekinese sind das nicht. Nichts ist echt an einem Metallhund. Auf einer Hundeschau würde man die nur auslachen.

Es sind einfach nur Markennamen. Genau!

Noch dazu sind viele in schlechtem Zustand, wenn sie hierherkommen. Abgebrochene Schwänze, herausstehende Drähte, fehlende Ladegeräte. Nichts ist jämmerlicher als ein Hund zum Einstöpseln, der nicht mal mit dem Schwanz wedeln kann. So einer landet kurzerhand im Elektroschrott.

Ein Herz hat keiner von diesen Roboterhunden, nicht mal in seinen besten Zeiten. Die haben von Anfang an keinen blassen Schimmer davon, wie es sich anfühlt, ein Herz mit sich herumzutragen. Könnte ja zu schwer für sie sein, versteht ihr?

7Robokopf

Roboterhunde sind teuer, deshalb werden sie normalerweise erst dann ans Hundeheim gespendet, wenn irgendetwas nicht mehr funktioniert. Ruinierter Motor, eingefrorenes Display, Viren in der Software. Solche Dinge.

 

Nur Robokopf sah nicht beschädigt aus. Er sah eher komisch aus, so als hätte ihn ein übergeschnappter Wissenschaftler zusammengebastelt. An seiner ganzen Rückseite stimmte etwas nicht – als wäre das Hinterteil eines anderen Hundes an seine Vorderseite geschraubt worden. Außerdem leuchteten ununterbrochen irgendwelche blauen Lämpchen an ihm auf, was uns alle fast wahnsinnig machte. Blink! Blink! Blink! Die ganze Nacht. Ich bekam Kopfweh, wenn ich ihn nur anschaute.

Es war auch nicht etwa so, dass er besonders gut erzogen wäre. Wenn ein Mensch sagt: »Komm her, Kleiner«, bleibt ein Roboterhund nicht erst kurz stehen, um unterwegs mal eben zu pinkeln. Roboterhunde sind garantiert gehorsam – immer.

Robokopf aber tat nichts von dem, was ihm gesagt wurde. Wir hatten keine Ahnung, ob er einfach nur ungehorsam war oder ob ihm alles egal war. Irgendetwas musste in seinem Innern zerbrochen sein. Bestimmt würde er bald beim Elektroschrott landen.

8Der vorderste Käfig

Wir täuschten uns. Boss entsorgte Robokopf nicht. Im Gegenteil, sie steckte ihn in den vordersten Käfig – den ersten Zwinger, den Familien, die sich in Dogtown einen Hund aussuchen wollen, zu sehen bekommen.

Oft lässt nämlich der erste Hund, auf den ihr Blick fällt, ihre Herzen schmelzen, und er wird vom Fleck weg adoptiert.

Keiner von uns fand es toll, dass ein Stahlklotz mit der Persönlichkeit eines Briefbeschwerers den besten Teil des Geländes bekommen hatte.

Geraldine, eine Bernhardinerhündin, war stinksauer. Sie war nach Dogtown gebracht worden, weil – wie soll ich das taktvoll ausdrücken? – weil man ihre Haufen zu groß fand. Ich versteh die Menschen nicht. Ist doch nicht so schwer zu begreifen. Großer Hund, große …

Jedenfalls hörte Geraldine nicht auf zu bellen, weil es sie ärgerte, dass man Robokopf den vordersten Käfig überlassen hatte. »Bin ich etwa ein Brocken Trockenfutter? Ich verlange ein bisschen mehr Respekt, Leute!«, bellte sie.

Aber die Menschen verstanden sie nicht. Jeder Versuch, die Kluft zwischen Mensch und Hund zu überbrücken, ist Glückssache. Wir Hunde verstehen die Menschen. Aber sie verstehen uns nicht.

Also unterstützten wir Geraldine in ihrem Protestgebell, wie wir das immer tun.

Aber es half nichts. Robokopf würde im vordersten Käfig sitzen bleiben und blau blinken, bis ihn Boss anderswo unterbringen würde. Wir konnten nichts tun.

9Heimweh

Als wäre es nicht schon schlimm genug, war Robokopf auch noch ein Winselhund. Er winselte vor Heimweh.

Viele der echten Hunde haben Heimweh. Immerhin ist Dogtown ein Hundeheim. Hunde landen hier, weil sie verloren gegangen sind oder ausgesetzt wurden.

Sie kommen nach Dogtown, weil sie den Postboten gebissen haben.

Oder weil sie Pfingstrosen, Mohnblumen und Stiefmütterchen ausgebuddelt haben.

Oder weil sie – und das ist das ganz große Tabu – auf dem Handy ihres Menschen herumgekaut haben. (Man glaubt nicht, wie viele begabte Hunde wegen ein bisschen Handykauen hier landen! Eine wahre Schande ist das!)

Natürlich sind echte Hunde unglücklich, wenn sie hier ankommen. Sie jaulen, sie winseln, sie stecken den Kopf zwischen die Pfoten und weigern sich zu fressen. Sie hoffen, dass irgendwo ein Zettel an einem Laternenpfahl hängt, auf dem neben ihrem Foto HUNDVERMISST steht. Auf dem vielleicht sogar eine Belohnung geboten wird.

Wenn sie nur fliehen könnten.

Wenn sie nur nach Hause rennen könnten.

Wenn ihre Menschen nur wüssten, wo sie waren.

Ich verstand sie gut. Wer vermisste nicht sein Zuhause? Katzen jagen, mit Kindern um die Wette rennen, einen Napf mit dem eigenen Namen drauf …

Doch echte Hunde sind zäh. Meistens kommen wir über unseren Kummer hinweg.

Bei elektrischen Hunden war ich mir da nicht sicher. Von denen war Robokopf der erste, den ich winseln und jaulen hörte.

Jetzt, im Nachhinein erkenne ich darin ein Zeichen. Damals aber dachte ich, dass der Kerl während einer wichtigen Phase seiner Entwicklung wohl einen Stromausfall gehabt hatte.

10Das Handbuch

Bei den meisten Roboterhunden ist die Betriebsanleitung Teil der mitgelieferten Software. Aber Robokopf war noch von der alten Sorte. Er kam mit einem Handbuch. Und dauernd schlug er das eine oder andere darin nach. Nie schien er zufrieden mit dem, was er gefunden hatte.

Es war, als suchte er etwas, das in seinem Handbuch nicht vorkam.

Es interessierte ihn nicht, ob er im vordersten Käfig saß oder nicht. Er achtete überhaupt nicht auf die Familien, die an ihm vorbeikamen. Einmal blieb ein niedliches Mädchen vor ihm stehen, eine Kleine mit Grübchen, einer Zahnlücke und einem Beutel voll Hundespielzeug, größer als sie selbst. Sie hüpfte auf und ab, und ihre Locken wippten wild.

»Schau mal, kleiner Hund«, sagte sie und hielt ihm ein Spielzeug nach dem andern hin.

Robokopf sah nicht einmal auf.

Danach kamen zwei Jungen, Zwillinge in gleichen Klamotten. »Na, Kleiner! Lass dich doch mal streicheln! Bittebittebitte!«, sagten sie.

Die reinste Show zogen sie ab, sie hüpften und tanzten vor dem Käfig herum. Stellt euch das mal vor – Menschen, die Kunststücke vor Hunden machen!

Robokopf beachtete sie nicht. Ich dachte, sein Akku sei leer, aber dann sah ich sein blaues Licht blinken.

»Sitz! Schütteln! Rolle!«, riefen die Kinder.

An dem Tag waren die Leute besonders nett. Jeder Hund wäre stolz gewesen, eine solche Familie für sich zu haben.

11Herzlos

Roboterhunde sind folgsam. Was anderes bleibt ihnen nicht übrig. In ihrem Innern haben sie ja nichts als vorgegebene Programme.

Dass Robokopf sich nicht um die Kinder kümmerte, war also gar nicht so ungewöhnlich. Es bewies nur, dass er herzlos war wie ein Stück Stahl.

Irgendwie seltsam war es trotzdem, dass er nicht gehorchte.

12Der Keller

Alle dachten also, Boss würde Robokopf in den Keller stecken, in einen der Zwinger im unteren Raum. Keinem der Hunde gefiel es im Keller, weil die Käfige dort eng, dunkel und kalt waren. Außerdem war die Kellertreppe nicht leicht zu finden, weshalb nicht viele Familien, die auf der Suche nach einem Hund waren, sich dort hinunter verirrten.

Ich vermutete eher, dass Robokopf zum Elektroschrott käme. Dass ein Hund vom vordersten Käfig auf den Müll wanderte, hatte ich zwar noch nie erlebt, aber es konnte vorkommen.

Ich hoffte es! Robokopf ging mir auf die Nerven. Während wir anderen an unserem Adoptier-mich-Programm feilten, las er in seinem Handbuch!

Auch Geraldine regte sich über ihn auf. Die Kunststücke fielen ihr schwer, weil sie Arthritis hatte. Trotzdem wackelte sie mit dem Hinterteil, versuchte ein paar Schritte auf den Hinterbeinen und machte zum Schluss einen Knicks vor ihrem Publikum. Sie stöhnte und ächzte dabei, zog aber ihr Programm durch. Sie konnte nur schwer verstehen, warum Robokopf sich nicht einmal Mühe gab.

»Hey, du mit dem Metallkopf«, rief sie, »du musst dir ein Programm zulegen, Junge, sonst kommst du hier nie raus. Ich kann dir auch helfen!«

Robokopf ignorierte sie. Drehte nicht mal den Kopf in ihre Richtung.

»Haben sie an dem was verstellt?«, flüsterte mir Geraldine zu.

»Nö. Der ist so unhöflich.«

Geraldine drehte und drehte sich um sich selbst, dann brach sie mit einem dumpfen Laut auf dem Betonboden zusammen. »Eine Hundemaschine! Wer hat so was schon gehört!«, rief sie.

»Anscheinend bauen sie sogar schon welche, die künstliche Haufen machen können«, sagte ich.

»Du lieber Himmel, Chance, wo soll das bloß noch hinführen?«

 

Ihr könnt sicher verstehen, warum keiner von uns große Zuneigung für Roboterhunde empfand. Wir hatten schon zu oft schlechte Erfahrungen gemacht. Jeden Tag spulten wir unsere Adoptier-mich-Programme ab, das Abschlecken, die Kunststücke, die Kulleraugen. Sobald sich dann eine Familie für uns interessierte, fingen wir an zu hoffen.

Wir stellten uns Ausflüge im Auto vor, die Nasen im Fahrtwind, wir dachten an Speck im Futternapf, an Bauchmassagen und Kuscheln auf dem Sofa. Nachdem man uns gestreichelt, mit uns gespielt und uns mit Zuneigung überschüttet hatte, wurden wir immer aufgeregter … nur, um schließlich zu erleben, dass die Familie einen Metallhaufen mitnahm, einen Hund zum An- und Abschalten.

Eine Maschine, nichts weiter!

13Keine Haarknäuel

Danach saßen wir wieder genauso verlassen auf dem Betonboden wie immer, starrten auf den Maschendrahtzaun wie immer, fraßen billiges Trockenfutter aus zerbissenen Schüsseln wie immer.

Roboterhunde waren eben pflegeleichter, das war alles.

Keine dreckigen Pfoten.

Keine spitzen Krallen.

Keine Flöhe.

Keine Zecken.

Keine Haarknäuel.

Keine Tierarztrechnungen.

Keine Pipiflecken auf dem Teppich.

Kein Geruch nach Dosenfutter im Kühlschrank.

Keine Nachbarn, die nach der Polizei rufen, weil wieder dieser Hund bellt.

Null Scherereien.

14Das Problem mit dem Bellen

Es dauerte länger als eine Woche, doch als sich Robokopf auch einer anderen Familie gegenüber so abweisend zeigte, verbannte ihn Boss in den Keller.

Geraldine bekam Käfig zweiundzwanzig zugewiesen. Ihr vieles Bellen hatte dem großen Mädchen also nur den Abstieg beschert.

Das ist eben das Problem mit dem Bellen. Es ist nun mal unsere Art, uns mitzuteilen. Wir bellen, um den Menschen zu sagen, wie uns zumute ist – und sie bestrafen uns.

Ist das etwa gerecht?

15Geraldine

Robokopf bekam, was er verdient hatte. Geraldine nicht.

Wir alle liebten Geraldine. Sie war eine gute Zuhörerin. Sie schlief nie ein, wenn man ihr was erzählte, und sie störte einen nicht, wenn man grade ein vertrauliches Gespräch hatte, indem sie einem einen Ball ins Gesicht pfefferte.

Geraldine war gerade dabei, ihren Wassernapf unter dem Zaun durchzuschieben, damit mein Kumpel Buster trinken konnte. Seine eigene Schüssel hatte er, ein begeisterter Ballspieler, wieder mal umgeworfen.

»Hast du Durst, Buster?«, fragte Geraldine. »Aber wirf die Schüssel nicht wieder um, okay?«

»Danke, danke«, schlabberte der Golden Retriever.

Das Problem war, dass Geraldine sogar schon länger in Dogtown war als ich. Viele der Familien blieben vor ihrem Käfig stehen, aber niemand wollte sie mit nach Hause nehmen. Sie war zu groß, zu alt und zu fest in ihren Gewohnheiten verhaftet. Wir machten uns alle Sorgen, dass sie auf der Liste stehen könnte.

Habe ich schon was über die Liste gesagt? Hm, dann will ich auch jetzt nicht darüber reden. Das will keiner von uns.

16Rudeljaulen

Buster war derjenige, der sich wegen Geraldine am meisten aufregte. Das brachte ihm jede Menge Schwierigkeiten ein, aber bevor ich euch davon erzählen kann, muss ich ein paar Worte über Buster sagen.

 

 

Golden Retriever sind normalerweise wohlerzogene Hunde. Aber nicht Buster. Er sabberte auf den Teppich. Er pinkelte auf seine Kaustangen. Er trank aus der Toilette.

Er wurde schon oft adoptiert, weil die meisten Leute Golden Retriever lieben. Aber Buster war so was wie ein Gummiball – ein Hund, der erst mitgenommen und dann zurückgebracht wird. Das letzte Mal kam er zurück, weil er eine Oma angeknurrt hatte.

 

Fairerweise muss ich dazusagen, dass diese Oma anders aussah als sämtliche Omas, die Buster je gesehen hatte. Sie war größer als eins achtzig, sah aus wie ein Bodybuilder und trug große schwarze Stiefel mit Metallkappen. Einmal hatte sie sich auf Zehenspitzen in das Zimmer geschlichen, in dem Busters kleiner Mensch schlief. Sie wollte ihren Enkelsohn nur umarmen und ihm gute Nacht sagen. »Wie hätte ich das ahnen können, ahnen können?«, fragte Buster, als er mir die Geschichte erzählte.

Gute Frage.

Es gibt noch etwas, das man über Buster wissen muss. Wen Buster ins Herz geschlossen hat, den hat er RICHTIG ins Herz geschlossen. Ich habe mal gesehen, wie er sich mit drei Ma.jpgfs und einem Malteser anlegte, weil sie einen Hund schikaniert hatten, den Buster gern mochte.

Aber Vorsicht, wenn Buster dich nicht leiden kann! Dann nimm dich in Acht.

Geraldine mochte er sehr, und so warf er sich aus Wut über die Entscheidung zu ihrem Verbleib gegen seinen Maschendrahtzaun. Er sprang vor, er prallte zurück, er lärmte und bellte aus Leibeskräften. Und anschließend stimmte er ein großes Rudeljaulen an – als Protest gegen Geraldines Umzug in Käfig zweiundzwanzig. Hinterher fühlten wir uns alle ein bisschen besser.

Das ist nach einem kräftigen Geheul immer so.

17An den Büchern vorbei

Die Nachbarn beschwerten sich über das Gejaule. Und Boss wusste genau, dass die Idee von Buster kam. Noch dazu hatte er sich inzwischen so oft gegen den Zaun geworfen, dass der nun total verbogen war. Boss ließ ihn in den Keller bringen, in den Käfig neben Robokopf. Besser gesagt, sie hatte es vor, aber Buster rührte sich nicht vom Fleck. Am Ende mussten ihn vier Freiwillige aus seinem Käfig hinunter in den Keller befördern.

Seit nicht nur mein bester Freund, sondern nun also auch Buster im Keller lebte, hüpfte ich jeden Tag die Treppe hinunter, um die beiden zu besuchen.

Moment! Habe ich etwa vergessen, zu erklären, wie es kommt, dass ich mich hier frei bewegen kann?