Doppelpaul - Volker Lauterbach - E-Book

Doppelpaul E-Book

Volker Lauterbach

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Beschreibung

Der Autor nimmt Sie mit auf einzelne Stationen im Leben seines Protagonisten Paul. Dabei kommt es vielfach zu lustigen Erlebnissen, aber auch zu Geschichten aus dem Alltag, die jedem von uns so oder so ähnlich hätten geschehen können. Folgen Sie Paul, dem etwas eigentümlich erscheinenden Hauptdarsteller auf dem humorvollen Weg durch sein Leben. Ein Leben, das auch Ihres hätte sein können.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 138

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Volker Lauterbach

Doppelpaul

Aus dem Leben des Paul P.

© 2018 Volker Lauterbach

Lektorat, Korrektorat: Petra Lauterbach

Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-7469-6819-3

Hardcover:

978-3-7469-6820-9

e-Book:

978-3-7469-6821-6

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Über den Autor

Man sollte sich nicht allzu ernst nehmen und auch einmal über sich selbst lachen können.

Der Doppelpaul – Aus dem Leben des Paul P. ist eine Biographie mit Augenzwinkern, in der sich Protagonist Paul, ein liebevoller Chaot, mehr oder weniger erfolgreich durch das Leben schlägt.

Begleiten Sie Paul P. auf den verschiedenen Stationen seines Lebens und falls Sie sich das eine oder andere Lächeln nicht verkneifen können, dann ist der Zweck dieses Buches bereits erfüllt.

Sein erstes Buch „Lauftipp für Anfänger“ ist im Jahr 2016 erschienen und im stationären Buchhandel in den Printversionen als auch im Internet und zudem als eBook erhältlich.

Inhalt

Paul - und wie noch?

Schwere Zeiten - Kindheit und Jugend

Harte Suche - Ausbildungsplatz

Coole Truppe - Bundeswehr

Cooler Job - Koch

Richtiger Job - Kaufmann

Fit für die Zukunft - Computerkurs

Unter der Erde - Bergbau

Werte schaffen - Hausbau

Werte auflösen - Hausverkauf

Neue Heimat - Bei Peter&Paul

Doppelter Boden - Heimat 2.0

America Online - Die große Liebe

Neue Familie - aus zwei mach fünf

Hauskauf – zweiter Versuch

Der Bruder – die neue Freundin

In der großen Stadt – so laut

Laufend abnehmen – Paul läuft

Reif für die Insel – Lanzarote

Camping oder was? - Freizeitdomizil

Parcours de le Bürokratie - Die Kur

Der Ruhestand – Paul geht in Rente

Schlusswort

Paul - und wie noch?

Bekannte und Menschen, die glauben, meine Freunde zu sein, nennen mich Doppelpaul. Fremde und Geschäftspartner reden mich mit Herr Paul an. Weitläufige Verwandte und andere Personen, die mich nicht näher kennen, sagen Paul zu mir. Nur meine liebe Ehefrau nennt mich Hase. Nur sie darf das aber auch.

Nun fragen Sie sich sicher, was ich Ihnen direkt zu Beginn dieses Büchleins zumute. Bitte lassen Sie mich erklären:

Ich heiße in der Tat Paul, was an sich ja nichts Ungewöhnliches ist. Zumal der Name Paul zurzeit eine wahre Renaissance erlebt. Viele tausend Neugeborene, natürlich männlichen Geschlechts, bekommen den schicken Rufnamen Paul in diesen Jahren von ihren Eltern. Was mich von den meisten neuen Erdenbürgern mit dem Namen Paul unterscheidet, sind neben dem Alter und der Lebenserfahrung, die Eltern und deren Sinn für Humor.

Nun ist Humor im Grundsatz eine feine Sache. Jemand tut oder sagt etwas Witziges und Andere lachen mehr oder weniger ehrlich und herzhaft darüber. Die größten Lacher finden dabei oftmals Witze, die auf Kosten einer anderen Person gemacht werden. Und da komme ich ins Spiel!

Denn meine lieben Eltern müssen im Jahr meiner Geburt gleich mehrfach von der Muse Humor geküsst worden sein. Gemeinheit oder gar Boshaftigkeit lagen ihnen zeitlebens fern. Also kann und will ich ihnen derartiges nicht unterstellen. Demnach kann es nur eine besondere Art von Witz gewesen sein, die meine Erzeuger dazu veranlasste, mir den Rufnamen Paul zu geben. „Das ist ja nun wirklich nicht weiter schlimm“, werden Sie sicher insgeheim denken. Womit Sie im Grunde auch recht haben. Aber leider, und dafür könnte ich meine Eltern auch heute noch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagen, trugen diese doch den Familiennamen Paul.

In unseren Breitengraden setzt sich der Name eines Menschen aus dem Vor- und dem Nachnamen zusammen. Anders als bei den Indianern. Bei diesen werden die Namen kreativer Eltern aus mehr oder weniger geistreichen Kombinationen von Adjektiven und Substantiven gebildet.

Lustiger Hase oder der Flinkes Wiesel fallen mir dazu ganz spontan ein. Gemeine Eltern nannten ihren Sohn zu Wild West Zeiten dann auch mal Humpelnder Esel oder Riechendes Kaninchen.

In Zentraleuropa und auch sonst wo in der westlichen Welt ergibt sich der volle Name, wie bereits erwähnt, aus Vor- und Nachname. Punkt! Wobei der Vorname von den Eltern oder Großeltern ausgesucht wird. Der Nachname wird allerdings zwangsweise von den Eltern übernommen. Das ist das Prinzip, das auch in 99 Prozent der Fälle für alle Beteiligten zumindest zufriedenstellende Namenskombinationen hervorbringt. Bei rund einem Prozent hingegen funktioniert die beschriebene Systematik, und das zum Leidwesen der Betroffenen, nicht. Vereinfacht gesagt, hat ein Prozent der Menschen in unserem Land das ganzes Leben mit einem doofen Namen zu kämpfen. Vielmehr sogar darunter zu leiden. Schon ein bekannter Liedermacher aus den 1970-er Jahren wollte nicht Tulpenstengel heißen. Was ich gut verstehen kann. Denn ich heiße Paul Paul. Das ist jetzt kein Doppler der Tastatur. Nein, dieser Name ist das Ergebnis dieses ganz besonderen Humors meiner lieben Eltern im Jahr 1962, dem Jahr meiner Geburt.

Schwere Zeiten - Kindheit und Jugend

Sie können sich sicher vorstellen, wie es mir in der Schule erging. PePe, PauPau und PP waren die üblichen Arten, wie man mich nannte. Vermeintlich besonders witzige Mitschüler ließen sich Bezeichnungen wie der zuvor erwähnte Doppelpaul oder der doppelte Paul einfallen. Weitere Kreationen möchten ich Ihnen nicht zumuten. Sie haben bereits damals jedwede Untergrenze des schlechten Geschmacks unterschritten. Aber auch viele Lehrer konnten an der Paul&Paul-Kombination nicht vorbeigehen, ohne einen dummen Kommentar zu hinterlassen. Ein blöder Spruch, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, kam von Herrn Dr. Pomm. Ausgerechnet Herr Dr. Pomm. Jener Deutschlehrer, der mit Vornamen Fritz hieß, sagte eines Tages in einem Anflug von Heiterkeit bei der Ausgabe von Klausurbögen „Und tragen sie bitte Vor- und Nachnamen in der korrekten Reihenfolge ein“. Glücklicherweise waren die meisten Klassenkameraden zu sehr mit sich und der bevorstehenden Klausur beschäftigt, als dass sie diesen feinen Wortwitz verstanden hätten. Herr Dr. Pomm aber hieß von diesem Augenblick an für mich nur noch Rot-Weiß.

Im Religionsunterricht befassten wir uns zwei lange Schulstunden mit Apostel Paulus. Diese Geschichte aus der Bibel war ein willkommener Anlass, mich in nervtötender Häufigkeit fortan nur noch mit Paulus anzureden.

„Na Paulus, schreibst du mir auch einen Brief? Oder eine Predigt?“.

„Sag mal Paulus, wann triffst du Jesus wieder?“. Das waren die Sprüche, die ich mir in den Tagen nach den besagten Religionsstunden anhören musste. Bis es zu viel wurde und ich meinem besonders nervenden Mitschüler Reiner Senis auf die Frage, „Paulus, na wieder in Sandalen unterwegs?“, zur Antwort gab: „Was geschieht eigentlich mit Deinem Nachnamen, wenn man vom Saulus zum Paulus wird?“. Von da an hatte ich Ruhe vor Apostel Paulus.

Und da war dann noch die Klassenfahrt. In allen Gymnasien, die etwas auf sich hielten, durften die Schüler damaliger Zeit per demokratischer Abstimmung ein Ziel für den mehrtägigen Ausflug der Schulkasse auswählen. Und wie damals landesweit üblich, standen auch bei uns London, Rom und München zur Wahl.

Rom bekam die wenigsten Stimmen. Das war, die Vermutung liegt nahe, der geringen Zahl an Lateinschülern geschuldet. Wären mehr Klassenkameraden, die die staubigste aller Sprachen hätten lernen wollen, in unserer Klasse gewesen, wir wären sicher nach Rom in die ewige Stadt gefahren.

München war zweitplatziert und scheiterte in erster Linie an den Mädels der Klasse. Sie befürchteten, und das nicht zu Unrecht, die eine oder andere Bierleiche in der Stadt des Hofbräuhauses.

London wurde, wie leicht zu erraten, das Ziel dieser Klassenfahrt. Nicht zuletzt auch, weil unser Klassenlehrer in seinem, auf einem altgriechischen Gymnasium erlernten Englischdialekt sagte: „Inn Londonn wieh kähn wisitt se Sens Pohls Kätiedrell.“

St. Paul‘s…ha…meine Klassenkameraden wieherten schon los, noch ehe ich auch nur das Geringste sagen konnte. So hatten meine Schulkollegen, in der St. Paul‘s Cathedral angekommen, auch nichts Besseres zu tun, als vor mir niederzuknien und so zu tun, als ob sie meinen Ring küssen würden.

Einen in meinen Augen unrühmlichen Höhepunkt erreichten die Hänseleien in der Schule durch den Zugang eines neuen Klassenkameraden. Der Neue kam aus Berlin-Neukölln und war mitten im Schuljahr mit seinen Eltern aus der damals geteilten Stadt zugezogen. Er musste tatsächlich durch die DDR fahren, um in seine alte Heimat zu gelangen. Wenn das mal kein Exot war! Aber nicht die Tatsache, dass er aus einer anderen Welt kam, gab Anlass zu so manchem Scherz. Vielmehr war sein Name der Grund, dass es sich kurzzeitig ausgepault hatte. Mein neuer und zukünftig bester Freund hieß nämlich Peter Peters.

Der arme Peter hatte es anfangs ziemlich schwer. Musste er doch die gleichen flachen Witze über sich ergehen lassen, wie ich sie schon seit Jahren kannte. Er bekam das alles aber nur in einer Art Zeitraffer mit. Denn auch für den größten Klassenclown, Albert Köttel (der hieß wirklich so), wurden die bescheuerten Doppelnamen irgendwann einmal uninteressant.

Das bedeutet aber nicht, dass damit die Schulzeit und deren Hänseleien überstanden waren. Denn scheinbar neues Ungemach tat sich von einer für mich vollkommen unerwarteten Seite auf. Erdmute Pfau, eine unscheinbare, kleine Streberin, die seit der Quinta in unserer Klasse war, nahm eines Tages ihren ganzen Mut zusammen und sagte: „Jetzt, wo der Paul seinen Peter gefunden hat, sollen wir nicht den Peter und Paul-Tag zum Klassenfeiertag ernennen und ab sofort an diesem Jahrestag das Brauchtum pflegen?“.

In der Tat wurde der 29. Juni für die letzten Schuljahre ein Tag zum Feiern. So veranstalteten wir in den letzten Jahren bis zum Abitur an diesem Sommertag ein rauschendes Fest mit viel Grillgut und noch mehr Getränken.

Die Witzeleien über meinen Namen sollten wider Erwarten von diesem Tag an bis zum Schulabschluss ein Ende haben.

Harte Suche - Ausbildungsplatz

Nach dem Abitur wollte ich eine Berufsausbildung absolvieren. Den unmittelbaren Sprung in das Universitätsleben traute ich mir noch nicht zu.

Also suchte Paul Paul eine Ausbildungsstelle, was sich zu Beginn der 1980er Jahre als nicht ganz einfach herausstellen sollte. Aber nicht die Suche, sondern das Finden einer Ausbildungsstelle. Und auch dabei kam mir mein Name, an dieser Stelle einmal vielen Dank an meine Eltern, einige Male in die Quere. „Paul und wie noch? Kannste dir nicht mal deinen Nachnamen merken?“. Dies bekam ich einige Male zu hören.

Von Paul Paulmeier, einem angesehenen Malermeister am Ort, bekamen wir einen bösen Anruf. Mein verdutzter Vater konnte sich nur noch an ein „…verarschen kann ich mich selber“ erinnern. Meine Anstreicher- und Malerkarriere nahm somit, noch bevor sie wirklich beginnen konnte, ein jähes Ende, nur weil Herr Paulmeier einen plumpen Witz durch mich bezüglich seines Namens vermutete.

Der Installateurbetrieb Röhrig hingegen, war mir zu albern. Ich musste jedes Mal grinsen, wenn ich von dieser Firma hörte. Erinnerte mich Meister Röhrig doch immer an eine bekannte Comicfigur aus Norddeutschland.

Da ich ohnehin nicht wusste, welche Ausbildung ich ergreifen sollte und körperliche Arbeit auch nicht so unbedingt mein Ding war, mied ich daherdie handwerkliche Sparte. Konzentration auf einen coolen Job war angesagt. Vor allem aber auch Leute, die keine Witze über meinen Namen machten.

„Was hältst du von einem Job im Büro? Du kannst doch gut lesen und schreiben. Da sollte dir die Arbeit im Büro doch gefallen“, sagte mein Vater eines Tages zu mir. Er hatte einen guten Kontakt zu einem Versicherungsbüro und mir dort einen Tag zur Probearbeit vermittelt. Auf diese Art sollte ich einen ersten Einblick in den Beruf des Versicherungskaufmanns bekommen. Eigentlich keine schlechte Idee, einen wirklichen Plan hatte ich ja ohnehin nicht.

Am Morgen des vereinbarten Tages zog ich meine beste Bundfaltenhose und ein Oberhemd an. Lachen Sie nicht, Bundfaltenhosen waren Anfang der 1980er topmodern und sowas von angesagt. Meine Großmutter sagte früher schon immer „Jede Mode kommt irgendwann wieder“. Und da meine Oma schließlich immer recht hatte, besitze ich auch noch die Bundfaltenhosen aus den 1980-er Jahren. Aber ich schweife ab.

Ich bin also zu diesem Versicherungsbüro geradelt und kam recht verschwitzt, weil Sommer und auch am Morgen schon recht warm, aber pünktlich zur vereinbarten Zeit dort an. Ein Büro hatte ich mir allerdings anders vorgestellt. Keine Sekretärin? Nur ein Schreibtisch, ein paar Aktenorder in einem Schrank und eine Kunstledercouch für die Kunden! Das sollte ein Versicherungsbüro sein? Wo waren die Telefone, die ständig klingelten und die vielen gut aussehenden Damen, die die Anrufe entgegennehmen?

Nun gut, ich musste richtig sein. Denn von außen stand in großen Lettern Garantia Versicherung - Wir versichern, damit Sie sich sicher fühlen - Ihre Agentur Waldemar Trinkenschuh.

Ich stand also in einem ganz normalen Raum ohne jeglichen Schnickschnack. Noch nicht einmal so einen Computer, den ich schon einmal im Fernsehen und in meiner alten Schule gesehen hatte, konnte ich erkennen. Vielleicht war die Versicherungsagentur aber auch gerade im Aufbau und hatte noch nicht so viele Kunden. Da konnte man die ganze Arbeit bestimmt noch mit der Hand erledigen. Diese teure hochmoderne Technik diente ja lediglich dazu, große Datenmengen zu verarbeiten. Das hatte ich in der Computer-AG in der Schule gelernt. Immer die gleichen Arbeitsschritte erledigen. Dazu war ein Computer sehr gut geeignet. Höchstwahrscheinlich gab es einfach nicht so viele sich wiederholende Arbeitsschritte, was solch ein teures Gerät dann auch nicht erforderlich machte.

Ein freundliches „Guten Morgen“ riss mich aus meinen Gedanken. „Du bist bestimmt der Paul Paul“. Dabei betonte er dieses Paul Paul so, als hätte er den Nachnamen zuerst genannt. So wie bei „Du bist bestimmt der Schulze, Bernd.“ Dafür hätte ich ihn schon erwürgen können. Was wollte dieser Waldemar - weil es im Wald geschah - eigentlich von mir? Denn Waldemar Trinkenschuh war wahrlich nicht besser als Paul Paul. Man hatte ihm sicher noch nicht die Geschichte vom Glashaus erzählt. Da ich aber bereits zu diesem Zeitpunkt mit dem Versicherungswesen abgeschlossen hatte, unterließ ich es, mir den Spruch vom Glashaus eventuell für später aufzuheben.

„Du willst also Versicherungskaufmann werden?“. Na, das stimmte so nicht. Hatte ich doch gerade beschlossen, nicht in die Versicherungsbranche einzusteigen. Dumme Witze über meinen Namen musste ich nicht auch noch im Job haben. Die Leute aus diesem Geschäftszweig waren mir einfach zu albern. „Dann wollen wir dir einmal zeigen, was wir den lieben langen Tag so alles anstellen“, gab er jovial zum Besten. Er sprach vom Wir, sollte es etwa doch eine Sekretärin geben? Ich freute mich schon darauf, die tolle Frau mit den hohen Absätzen, einem kurzen Rock und einer engen Bluse kennenzulernen.

„Wir wollen unseren Kunden ein unschlagbares Angebot für eine Lebensversicherung machen. Unsere Zentrale in Hofbieber gewährt uns in den nächsten vier Wochen für jeden neuen Vertrag eine zusätzliche Provision. Hier hast du ein paar Anschreiben, die noch adressiert und kuvertiert werden müssen. Mein neuer Porsche, der nächsten Monat geliefert wird, will ja schließlich auch bezahlt werden. Ha ha ha!“.

Mit diesen Worten drückte er mir einen Packen bedruckter Briefbögen, einen Stapel Briefumschläge sowie einen Ordner mit Briefmarken in die Hand. Er zeigte mit dem Kinn auf die Kunstledercouch und sagte: „Da hinten kannst du dich hinsetzen“. Dann wandte er sich ab und griff zum Telefonhörer. Er hatte schon einen richtig modernen Apparat in weinrot, mit Tasten und nicht mit einer Wählscheibe, wie bei uns zuhause. „In der Versicherungsbranche kann man also doch erfolgreich sein“, meldeten sich leise Zweifel. Vielleicht war ich doch etwas voreilig gewesen, indem ich dem Versicherungsfach so schnell jegliche Chance genommen hatte.

 

Ich setzte mich auf das mir zugewiesene Sofa und begann mit dem ersten Brief.

Heinrich Böll, Heinrich-Böll-Straße 11 in Bielefeld

„Namenskombinationen gibt es, die gibt es nicht“, dachte ich so. Den Brief also ordentlich an den Falzmarkierungen falten. Das hatte mir meine Mutter, eine staatlich geprüfte Sekretärin, am Tag vorher gezeigt. „Man kann ja nie wissen, wofür man das einmal gebrauchen kann“, hatte sie im Ton fester Überzeugung, seinem Kind einen lebenswichtigen Hinweis gegeben zu haben, gesagt. „Was für eine kluge Frau, meine Mutter“, dachte ich bei diesem ersten Faltprozess in meinem noch jungen Arbeitsleben. Schließlich musste ich nur noch den Briefumschlag (Pfefferminzgeschmack) anlecken, zukleben, die Marke ebenfalls anfeuchten (Geschmack Schweinebraten) und aufkleben. Fertig war mein erster Geschäftsbrief.

Nach einer Stunde hatte ich vierzehn Briefe fertig kuvertiert und adressiert. Meine Zunge klebte am Gaumen und in mir kamen Erinnerungen an die Klassenfahrt nach London auf, die sich mir als kulinarische Barbarei eingeprägt hatten. Denn wie sonst sollte man den Umstand bezeichnen, dass die Bewohner des britischen Eilands scheinbar jedes Gericht mit Kaugummiaroma versehen? Es war mir nicht mehr möglich, auch nur noch einen Umschlag zum Kleben zu bringen und so ging ich kurz zur Toilette, um meinen Mund mit frischen Wasser auszuspülen. Das tat gut, und ich machte mich sofort an die nächsten Briefe. Bereits nach zehn Lebensversicherungs-Traumangeboten musste ich jedoch wieder zur Toilette, Feuchtigkeit nachtanken.