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Da ist Florentine Fabian ganz schön auf die Nase gefallen! Zunächst ist sie entrüstet, als sie hört, dass in Bastian Starmanns Haus zwei junge Frauen wohnen. Aber dann stellt sich heraus, dass die eine - besonders hübsche - eine in Not geratene Verwandte ist und die andere - weniger hübsche - Bastians Freundin Britta.
Zu gern möchte Florentine bei denen mal Mäuschen spielen. Man munkelt nämlich, dass Britta ganz schön eifersüchtig auf die ungebetene Besucherin ist. Aber die Fremde beabsichtigt offenbar, für längere Zeit Bastians Gastfreundschaft zu genießen ...
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Seitenzahl: 112
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Impressum
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens
Das schönste Paar vom Heidedorf
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: @erics / shutterstock
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-5810-0
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens:
Dr. Karsten Fabian – Arzt mit Leib und Seele, ehemals Chirurg im Elbe-Krankenhaus.
Florentine Fabian – geborene Fiedler, seine immer vergnügte, bildhübsche Frau.
Svenja, Tim und Jan – die aufgeweckten Kinder der Fabians, die von allen verwöhnt werden.
Dr. Albrecht Heideck – der ältere der beiden Landärzte, wohnt und praktiziert mit seinem jungen Kollegen in der Löwenvilla. Er ist Witwer.
Johannes Bruhns – Imker, Heidschnuckenzüchter und bester Freund von Dr. Heideck. Er kennt sich in der Naturheilkunde bestens aus.
Gerlinde Semmelweiß – Haushälterin in der Löwenvilla, abergläubisch und immer auf dem Laufenden, was Neuigkeiten im Dorf betrifft.
Schwester Bernhardine – unentbehrliche Helferin von Dr. Fabian und Dr. Heideck.
Helene Fromm
Das schönste Paar vom Heidedorf
Bastian war verlobt, doch Senta wollte nur ihn …
Von Ina Ritter
Da ist Florentine Fabian ganz schön auf die Nase gefallen! Zunächst ist sie entrüstet, als sie hört, dass in Bastian Stürmanns Haus zwei junge Frauen wohnen. Aber dann stellt sich heraus, dass die eine – besonders hübsche – eine in Not geratene Verwandte ist und die andere – weniger hübsche – Bastians Freundin Britta.
Zu gern möchte Florentine bei denen mal Mäuschen spielen. Man munkelt nämlich, dass Britta ganz schön eifersüchtig auf die ungebetene Besucherin ist. Aber die Fremde beabsichtigt offenbar, für längere Zeit Bastians Gastfreundschaft zu genießen …
Bastian Stürmann lächelte erwartungsvoll, als er sah, dass im Wohnzimmer seines Hauses Licht brannte. Britta war also schon gekommen. Er fuhr seinen Wagen in die Garage und ging durch die Verbindungstür auf den Flur.
Die junge Frau, mit der er seit ungefähr einem halben Jahr liiert war, begrüßte ihn mit einem liebevollen Kuss.
»Das Essen ist gleich fertig, Liebling. Schön, dass du heute einmal pünktlich bist.«
»Was gibt es denn Gutes?«, fragte der Rechtsanwalt und Notar erwartungsvoll.
Man sah es ihm nicht an, aber er legte sehr viel Wert auf gutes Essen. Vielleicht hielt der Sport ihn fit, jedenfalls hatte er kein Gramm Fett zu viel auf seinem Körper.
»Ich habe einen Schweinsbraten gekauft und dazu Gemüse und neue Kartoffeln.«
»Klingt sehr verheißungsvoll. Du machst dir viel zu viel Arbeit, Schatz. Wir hätten irgendwo in einem Restaurant essen können.«
»Schmeckt es dir nicht, was ich dir vorsetze?«, fragte die junge Frau augenzwinkernd. Schließlich kannte sie die Antwort.
»Soll ich lügen, oder möchtest du die Wahrheit hören?«, fragte der Mann und runzelte gekonnt die Stirn.
»Sag die Wahrheit, ich bin auf das Schlimmste vorbereitet.«
»Was du kochst, schmeckt mir immer. Schon weil du es kochst.«
»An deiner Ausdrucksweise erkennt man den Advokaten. Was gibt es Neues in deiner Kanzlei?«
»Sie blüht, wächst und gedeiht. Heute habe ich einen Erbschaftsprozess angenommen, eine ganz dicke Sache. Von den Honoraren können wir uns eine Weltreise auf der Europa erlauben, wenn du Wert darauf legst.«
»Das freut mich für dich«, beteuerte die bildhübsche Britta und warf den Kopf mit dem kurz geschnittenen Haar zurück.
Sie wünschte sich von Bastian nämlich etwas ganz anderes: dass er sie zu seiner Ehefrau machte. Sie wohnte nicht einmal in seinem Haus, obwohl er mehr als reichlich Platz hatte. Drängen mochte sie ihn nicht, Männer lieben es nicht, wenn man sie zur Ehe drängt. Hat er überhaupt ernste Absichten?, fragte sich Britta wieder einmal.
Obwohl sie gelernte Psychologin war, konnte sie die Frage nicht beantworten. Dabei war Bastian alles andere als verschlossen, im Gegenteil, wer ihn nicht besser kannte, konnte ihn fast für leichtfertig halten. Er lachte gern, war ein sehr guter Unterhalter, aber wie es wirklich in ihm aussah, darüber sprach er nicht. Und dass er beteuerte, sie zu lieben … Britta wusste, was sie davon zu halten hatte: nichts.
»Was für ein Gesicht machst du? Habe ich etwas Falsches gesagt?«, wollte Bastian schmunzelnd wissen. »Wenn du einen besseren Vorschlag hast, wie wir mein Honorar unters Volk bringen können, mir ist alles recht.«
»Nein, nein. Wir können gelegentlich darüber reden.«
Selbstverständlich hatte Britta Brombach seinen Vorschlag nicht ganz ernst genommen. Für eine Weltreise fehlte ihm einfach die Zeit. Und auch sie konnte schließlich ihre Arbeit als Schulpsychologin nicht einfach hinwerfen, weil sie etwas von der Welt sehen wollte.
»Vergiss das Essen nicht«, erinnerte der Mann.
»Das Fleisch muss jetzt gar sein.«
Britta ging in die Küche, die hochmodern und zweckmäßig eingerichtet war. Sie kochte recht gut, auch wenn Kochen nicht gerade ihr Hobby werden konnte. Ein paarmal in der Woche aßen sie außerhalb, Geld spielte für Bastian keine große Rolle. Er war sehr spendabel und machte ihr häufig Geschenke. Nur nicht das eine, auf das sie am meisten Wert legte: einen Verlobungs- oder Ehering.
Sie wusste, dass sie nicht die erste Frau in Bastians Leben war. Er galt zwar nicht als Casanova, aber hier in Altenhagen wurde viel geklatscht, und besonders Grete Roloff hatte nicht versäumt, sie über das sogenannte Vorleben des Mannes aufzuklären. Bin ich eine von vielen oder die letzte von ihnen?
Sie zuckte leicht zusammen, als die Türklingel ertönte. Besuch um diese Zeit? Hatte Bastian womöglich einen wichtigen Klienten hierherbestellt? Wir könnten ihn zum Essen einladen, überlegte sie, denn sie kochte immer reichlich.
»Ich öffne schon«, teilte Bastian ihr mit, als sie zur Haustür gehen wollte. »Keine Ahnung, wer das sein könnte«, setzte er halblaut hinzu.
Draußen stand eine junge Frau, die ihn strahlend anlächelte. Eine ungewöhnlich hübsche junge Frau, stellte er sachverständig fest. Sie besaß eine tadellose Figur, schlanke Beine mit zarten Fesseln, kleine Füße, eine schmale Taille, und was sich darüber befand erfreute sein Auge gleichfalls.
»Kennst du mich nicht mehr?«
Bastian bemühte sein Gedächtnis, aber obwohl er sich in der Regel auf sein Erinnerungsvermögen in Bezug auf Menschen verlassen konnte, fiel ihm nicht ein, wo er diese junge Frau schon gesehen hatte. Obwohl sie ihm irgendwie bekannt vorkam.
»Wir haben uns zuletzt vor acht Jahren getroffen. Bei Onkel Heinrichs Beerdigung. Ich bin Senta.«
»Senta?«, wiederholte Bastian fassungslos und schüttelte den Kopf.
Senta Warland hatte er ganz anders in Erinnerung, als einen mageren, ungelenken Backfisch, der nur aus Beinen und Armen zu bestehen schien. Ein unausstehliches Geschöpf, schrecklich aufdringlich und anhänglich. Sie hatte ihn damals schamlos angehimmelt.
»Wirklich Senta?«
»Ich habe meinen Personalausweis bei mir. Störe ich dich?«
»Nein, nein. Komm nur herein. Entschuldige die Überraschung …« Irgendwie sind wir verwandt, überlegte er, aber, wie man so sagt, um fünf Ecken herum.
»Darf ich dich zum Abendessen einladen? Es gibt heute etwas besonders Gutes, einen Schweinebraten und frisches Gemüse.«
»Ich kann es mir nicht erlauben, solch ein Angebot abzulehnen«, versicherte Senta lachend. »Schön wohnst du hier. Diese alten Häuser haben doch einen ganz besonderen Charme.«
»Du sprichst aus Erfahrung, schließlich bist du auch in einer pompösen alten Villa aufgewachsen. Wie geht es deinen Eltern?«
»Ich hoffe gut. Sie sind beide tot. Mutti ist vor sieben Jahren gestorben, mein Vater … vor zwei Monaten.«
»Das wusste ich nicht. Dann mein herzlichstes Beileid. War er lange krank?« Er legte seine Hand leicht unter ihren Arm und führte sie ins Wohnzimmer.
»Ein Herzinfarkt. Überanstrengung.« So etwas Ähnliches wie ein Lächeln glitt über ihr Gesicht.
Ein höchst unpassendes Lächeln in diesem Zusammenhang, fand Bastian. Sie sprach immerhin vom Tod ihres Vaters.
»Er war mit einer Frau zusammen und hat sich da vielleicht übernommen«, erläuterte Senta unbefangen. »Er war nicht mehr der Jüngste und wollte ihr wohl beweisen, dass er es noch bringt. Na ja … wenn man schon sterben muss, ist das eigentlich ein schöner Tod. Er hat jedenfalls nicht zu leiden brauchen. Und was ihm dadurch alles erspart geblieben ist …«
»War er denn krank?«
»Nicht, dass ich wüsste. Störe ich wirklich nicht? Frauen mögen es nicht, wenn unangemeldet Besuch kommt, der sogar noch essen will.«
»Britta ist nicht so. Sie ist für eine Frau ungewöhnlich flexibel.«
»Dann kann man dir ja nur gratulieren. Habt ihr Kinder?«
»Nein. Wir sind übrigens auch nicht verheiratet. Britta … Britta und ich …«
»Verstehe«, fiel Senta ihm ins Wort, und Bastian sah ihr an, dass sie die Situation auch wirklich verstand.
Sie setzte wieder ihr charmantes Lächeln auf, als Bastians Freundin hereinkam. Britta hatte die Schürze abgebunden und sich ihr Haar gekämmt. Abwartend sah sie die Besucherin an. Auch sie lächelte, aber es war doch ein recht gezwungenes Lächeln.
Senta war für ihren Geschmack einfach zu hübsch und machte einen unglaublich selbstbewussten Eindruck. Nun war Britta auch selbstbewusst, aber nicht so ausgeprägt wie diese Frau, die ausgerechnet in dem Sessel Platz genommen hatte, in dem sonst sie, Britta, zu sitzen pflegte.
Bastian war aufgestanden und machte die Damen miteinander bekannt.
»Senta ist so was Ähnliches wie eine Cousine. Keine richtige. Ich weiß nicht, ob es eine zutreffende Bezeichnung für unseren Verwandtschaftsgrad gibt. Irgendetwas Angeheiratetes«, setzte er schmunzelnd hinzu.
»Bleiben Sie zum Essen?«, fragte Britta trocken.
»Bastian hat mich eingeladen, aber ich möchte Ihnen, um Himmels willen, keine Umstände machen.«
»Davon kann gar nicht die Rede sein«, beteuerte Britta höflich.
Es klang nur nicht so, als meine sie es wirklich. Was will sie von uns?, fragte sie sich. Die junge Frau fuhr ein teures Auto, ein fast neues BMW-Cabrio, und ihr Kostüm sah auch nicht aus, als wäre es ein Sonderangebot im Ausverkauf gewesen. Als Frau hatte Britta einen Blick dafür. Alles an dieser Warland war geschmackvoll und teuer.
Eine Verwandte sollte das sein? Eher eine abgelegte Freundin, die jetzt versucht, Gefühle wieder aufzuwärmen, fürchtete Britta.
»Haben Sie schon eine Unterkunft gefunden?«, fragte sie, als sie an der Tür stehen blieb und sich umdrehte. »Sonst könnte ich Ihnen den Reiterhof sehr empfehlen. Oder auch den ›Blechernen Krug‹ direkt gegenüber der Kirche.«
»Ich wollte Bastian gerade fragen, ob es hier nicht eine Scheune gibt, in der ich übernachten kann«, behauptete Senta und lachte wieder.
Als hätte sie einen Witz gemacht. Britta verstand bloß die Pointe nicht und verzog keine Miene.
»Ich bin nämlich total abgebrannt«, fuhr Senta fröhlich fort.
Und dann fährst du solch ein teures Auto?, schoss es Britta durch den Kopf.
»Wie unangenehm für Sie«, äußerte sie trocken.
»Das kann man sagen. Ich freue mich sehr auf das Essen, das Sie mir so freundlich anbieten. Seit heute Morgen habe ich nichts mehr zu kauen gehabt. Aber keine Angst, ich esse Ihnen nicht alles weg. Wenn es unbedingt sein muss, kann ich auch bescheiden sein.«
Dafür musst du dich aber sehr anstrengen, hätte Britta am liebsten gesagt. Einen bescheidenen Eindruck machte diese Warland nämlich ganz und gar nicht.
»Ich muss die Soße noch anbinden. Den Tisch habe ich schon gedeckt. In ein paar Minuten können wir essen. Ich hoffe, so lange können Sie es noch aushalten.«
Bastian stutzte bei diesem Ton. Als erfolgreicher Anwalt war er auch ein guter Menschenkenner. Aber was sich hier abspielte, verstand er nicht gleich. Er kannte Britta nur liebenswürdig und entgegenkommend. Er nahm sich vor, sie später zu fragen, weshalb sie Senta gegenüber so unfreundlich gewesen war.
»Übrigens könnten Sie in Fiedlers Scheune schlafen. Dort finden Sie bestimmt genügend Heu und Stroh. Eine Decke werden Sie ja sicher mithaben.«
»Senta schläft selbstverständlich bei mir«
»Ich hatte gehofft, dass du mich einladen würdest«, versicherte die junge Frau schmunzelnd. »Du bist sozusagen meine letzte Hoffnung, der einzige Verwandte, der mir geblieben ist.«
»Ach, hat der Tod alle anderen hinweggerafft?«, fragte Britta spitz.
»Nein, das Leben. Mein Vater hat seine sämtlichen Freunde und Verwandten angepumpt, und jetzt kann ich mich bei ihnen nicht mehr sehen lassen. Die möchten ihr Geld zurückhaben. Und woher nehmen und nicht stehlen?«
Was soll diese Quatscherei?, fragte sich Britta. Sie glaubte dieser Warland selbstverständlich kein einziges Wort. Und Bastian sah sie an, dass es ihm genauso ging.
»Mir kommen fast die Tränen. Und hätte ich ein Taschentuch bei mir …«
»Ich kann Ihnen eines von mir geben, wenn es Sie erleichtert. Es geht nichts über echtes Mitgefühl.«
»Danke, vielleicht ein anderes Mal. Die Soße!« Britta machte kehrt und ging hinaus.
Wie lange will diese unmögliche Person hierbleiben?, fragte sie sich. Und weshalb ist sie überhaupt gekommen?
Britta Brombach ahnte den Grund, wenn sie ihn sich auch nicht eingestehen wollte, denn Eifersucht war an und für sich unter ihrem Niveau. Diese Warland schien tatsächlich in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken und suchte jetzt einen Dummen, der sie heiratete und versorgte.
Im Esszimmer legte sie widerwillig noch ein Gedeck auf. Da hatte sie sich nun auf einen geruhsamen Abend mit Bastian gefreut, und dann platzte dieses Frauenzimmer herein. Britta besaß einen Schlüssel für das Haus und hatte im Kamin alles für ein gemütliches Feuer vorbereitet. Morgens und abends war es immer noch kühl, da konnte man ein Kaminfeuer gut vertragen.
»Mir scheint, deine Freundin mag mich nicht«, stellte Senta fest, als sie mit ihrem Verwandten allein zurückgeblieben war. »Nach dem Essen beschreibst du mir, wie ich zu der Scheune komme, und dann seid ihr mich los.«
»Kommt überhaupt nicht infrage«, lehnte Bastian ab. »Ich freue mich, dich mal wiederzusehen.«
