Dr. Karsten Fabian - Folge 183 - Ina Ritter - E-Book

Dr. Karsten Fabian - Folge 183 E-Book

Ina Ritter

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Beschreibung

Es gibt ein neues Gesprächsthema im Heidedorf Altenhagen: Elisabeth Eckhoff. Die junge Frau, die sich vor ein paar Tagen bei der frommen Helene im "Blechernen Krug" einquartiert hat, tut jedem im Ort leid. Weil sie ein sehr großes Muttermal im Gesicht hat, glaubt sie, dass sie nie ein Mann lieben wird. Dabei ist sie sonst ausgesprochen hübsch. Das Leben der armen Frau muss ein einziger Spießrutenlauf sein.

Auch wenn sie bei allen beliebt ist, glaubt niemand so recht daran, dass Elisabeth in Altenhagen die große Liebe findet. Doch dann gibt es plötzlich ein neues Gerücht: Elisabeth ist schwanger - und alle rätseln, wer der Vater ist ...

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Impressum

Die wichtigsten Bewohner Altenhagens

Wenn’s in der Heide Frühling wird …

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock / goodluz

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-4602-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Die wichtigsten Bewohner Altenhagens:

Dr. Karsten Fabian – Arzt mit Leib und Seele, ehemals Chirurg im Elbe-Krankenhaus.

Florentine Fabian – geborene Fiedler, seine immer vergnügte, bildhübsche Frau.

Svenja, Tim und Jan – die aufgeweckten Kinder der Fabians, die von allen verwöhnt werden.

Dr. Albrecht Heideck – der ältere der beiden Landärzte, wohnt und praktiziert mit seinem jungen Kollegen in der Löwenvilla. Er ist Witwer.

Johannes Bruhns – Imker, Heidschnuckenzüchter und bester Freund von Dr. Heideck. Er kennt sich in der Naturheilkunde bestens aus.

Gerlinde Semmelweiß – Haushälterin in der Löwenvilla, abergläubisch und immer auf dem Laufenden, was Neuigkeiten im Dorf betrifft.

Schwester Bernhardine – unentbehrliche Helferin von Dr. Fabian und Dr. Heideck.

Helene Fromm

Wenn’s in der Heide Frühling wird …

Sie hat nie erfahren, was Liebe ist – bis sie nach Altenhagen kommt

Von Ina Ritter

Es gibt ein neues Gesprächsthema im Heidedorf Altenhagen: Elisabeth Eckhoff. Die junge Frau, die sich vor ein paar Tagen bei der frommen Helene im »Blechernen Krug« einquartiert hat, tut jedem im Ort leid. Weil sie ein sehr großes Muttermal im Gesicht hat, glaubt sie, dass sie nie ein Mann lieben wird. Dabei ist sie sonst ausgesprochen hübsch. Das Leben der armen Frau muss ein einziger Spießrutenlauf sein.

Auch wenn sie bei allen beliebt ist, glaubt niemand so recht daran, dass Elisabeth in Altenhagen die große Liebe findet. Doch dann gibt es plötzlich ein neues Gerücht: Elisabeth ist schwanger – und alle rätseln, wer der Vater ist …

»Guten Morg …« Der Rest des Wortes blieb Helene Fromm buchstäblich im Halse stecken, als sie die Frau richtig ansah, die den Gastraum betreten hatte.

Die Wirtin des »Blechernen Krugs« fasste sich allerdings sofort wieder und lächelte strahlend. Es war ein sehr falsches Lächeln. Sie wusste es selbst, konnte es aber nicht ändern.

»Guten Morgen, die Dame.« Sie legte den Kopf ein wenig schief, während sie auf eine Reaktion wartete.

»Guten Morgen«, antwortete ihr früher Gast zurückhaltend. »Ich suche ein nettes Zimmer. Haben Sie eins frei?«

»Zufällig ist gerade mein schönstes Zimmer frei geworden. Wenn Sie es sich vielleicht anschauen wollen?«

Um diese Zeit, im frühen Frühjahr, hatte sie in der Regel kaum Übernachtungsgäste, gelegentlich stiegen nur ein paar Vertreter bei ihr ab. Während sie vor der Dame die Treppe hochging, überlegte sie, was für ein Preisschild sie an die Tür hängen sollte. Es war zwar verboten, die Preisschilder nach Belieben auszuwechseln, aber wer lief schon immer mit dem Gesetzestext unterm Arm herum? Helene Fromm bestimmt nicht.

Schwungvoll öffnete sie die erste Tür auf dem langen Gang und trat dann zur Seite, um die Frau vorbeizulassen.

»Das Zimmer liegt ganz ruhig nach hinten mit einem wunderschönen Blick auf die Landschaft. Es ist wirklich mein schönstes Zimmer.«

Sie erwähnte selbstverständlich nicht ausdrücklich, dass sie nur schönste Zimmer anzubieten hatte. Die meisten Gäste glaubten ihr, und darauf allein kam es an.

»Sehr hübsch«, äußerte die Frau zurückhaltend, nachdem sie sich umgesehen hatte.

Das ist keine, die nach dem Preis fragt, wusste Helene.

»Wollen Sie es nehmen?«

»Ja.«

»Und wie lange möchten Sie voraussichtlich bleiben?«

Helene, in ganz Altenhagen wegen ihres Geizes verschrien, spürte ihr Herz schneller klopfen. Sie war hinter Geld her wie der Teufel hinter einer armen Seele.

»Ich weiß es noch nicht. Es hängt davon ab, wie es mir hier gefällt. Ein oder zwei Wochen, nehme ich an.«

»Ab drei Wochen mache ich meinen Gästen einen Sonderpreis für das Zimmer«, behauptete Helene.

Was sie abließ, schlug sie allerdings vorher auf, aber auf solche Feinheiten brauchte sie ihre Gäste nicht hinzuweisen. Allerdings sah die Frau nicht aus, als käme es ihr auf ein paar Euro an. Sie trug ein streng geschnittenes Schneiderkostüm, dunkelgrün, und darunter eine hochgeschlossene Seidenbluse, alles sehr teuer aussehend.

Die Dame reagierte nicht auf das Angebot der dürren Helene. Von ihr ging etwas ungemein Abweisendes aus, fand die Wirtin. Das ist keine, die ihr Herz auf der Zunge trägt, wusste sie. Das war für sie selbstverständlich kein Grund, auf neugierige Fragen zu verzichten. Jetzt allerdings verkniff sie es sich, Erkundigungen einzuholen. Die Frau musste ja den Meldezettel ausfüllen, und dabei konnte Helene ein paar zusätzliche Fragen stellen.

»Haben Sie Gepäck?«

»Ja, im Auto. Ich habe es ein Stück von hier entfernt geparkt. Ich wollte mich erst umschauen, bevor ich mich hier einmiete.«

»Mein Hausdiener kann es holen. Wenn Sie ihm den Autoschlüssel geben würden …«

Die Dame öffnete ihre Handtasche und drückte Helene den Schlüssel in die Hand.

Will sie sich bei uns nur erholen?, fragte sich Helene. Um diese Jahreszeit? Aber das werde ich alles schon noch rausbekommen, sagte sie sich.

»Möchten Sie sich erst frisch machen oder vielleicht gleich eine Kleinigkeit essen? Mein Kaffee ist weithin berühmt.«

»Gegen eine Tasse Kaffee hätte ich nichts einzuwenden.«

Es fiel Helene ausgesprochen schwer, die Frau nicht ständig anzustarren. Auf der linken Gesichtshälfte hatte sie ein großes Muttermal. Zeigte sie sich von der rechten Seite, sah sie gut aus. Und an ihrer Figur war auch nichts auszusetzen. Sie war schlank und hatte die Rundungen an den richtigen Stellen.

»Dann sage ich jetzt Fiete Bescheid und kümmere mich um den Kaffee. In Altenhagen wird es Ihnen bestimmt gefallen. Ich habe heute Morgen den Wetterbericht gehört, es soll weiterhin sonnig bleiben.«

Die Dame reagierte nicht auf diese Bemerkung.

»Ja, dann … also, bis gleich.« Helene Fromm zog sich widerwillig zurück und drückte die Zimmertür sanft ins Schloss.

Auf dem Flur ging sie allerdings nicht gleich nach unten, sondern lehnte sich einen Moment gegen die Wand und holte ein paarmal tief Luft. An solch einen Anblick muss man sich erst gewöhnen, dachte sie. Und obwohl sie ein Herz aus Stein hatte, wie man im Dorf allgemein behauptete, tat ihr die Frau richtig leid. Sie war nicht alt, so um die Dreißig herum, schätzte Helene, und dann musste sie mit solch einem entstellten Gesicht herumlaufen.

Dass man nichts dagegen tun kann, dachte sie, als sie nach unten ging.

Fiete Kracht war auf dem Hof und spaltete Holz für den Kachelofen.

»Hol den Wagen und bring das Gepäck nach oben«, bat Helene Fromm ihr Faktotum.

Fiete war absolut kein Hausdiener, wie sie behauptet hatte. Er besaß in Hamburg selbst ein Hotel und hatte es nur vorgezogen, vor seiner Frau zu fliehen und im »Blechernen Krug« Ruhe zu finden. Er tat nur das, was er selbst wollte und für richtig hielt.

Er grinste, als er die Wirtin ansah. »So aufgeregt?«

»Du wirst sie gleich sehen. Also, ein Gesicht hat die …«

»Jeder Mensch hat ein Gesicht«, gab Fiete zu bedenken.

Er war überhaupt nicht neugierig und ließ alles in Ruhe an sich herankommen.

»Worauf wartest du noch?«

»Treib mich nicht an, du weißt, dass ich das nicht mag.« Gelassen schlenderte Fiete um den Gasthof herum. Er hatte es nie eilig.

***

»Wenn Sie dann so freundlich wären, den Meldezettel auszufüllen …«, sagte Helene, als die Frau mit dem Muttermal an einem Fenstertisch saß und auf den Kaffee wartete. »Polizeiliche Vorschrift«, setzte sie wie eine Entschuldigung hinzu.

Wortlos zog die Frau den Block zu sich herüber und holte einen Kugelschreiber aus ihrer Handtasche. Neben ihr stehend blickte Helene auf das Formular.

»Elisabeth Eckhoff«, las sie.

Ihr neuer Gast kam aus Bremen, also gar nicht weit von hier. Die Frau trug keinen Ehering, und das wunderte die fromme Helene nicht.

»Danke«, sagte sie freundlich, als sie den Block entgegennahm.

Sie brannte darauf, die Fragen zu stellen, die ihr auf der Zunge lagen.

»Vergessen Sie den Kaffee nicht«, mahnte Frau Eckhoff. Sie hatte eine angenehme Stimme.

»Ich bin schon unterwegs.« Helene beeilte sich wirklich. Sie rang sich sogar ein paar selbstgebackene Kekse ab, als sie das Tablett belud.

»Danke.« So freundlich der Ton auch war, machte er Helene gleichzeitig klar, dass diese Frau Eckhoff kein Gespräch wünschte.

Fiete hatte unterdessen das Auto auf dem Parkplatz abgestellt und das Gepäck ins Zimmer gebracht. Frau Eckhoff fuhr einen großen BMW. Helene wusste ungefähr, was solch ein Auto kostete. Wovon lebte sie? Das hätte sie gern gewusst, denn Geld fiel schließlich nicht vom Himmel.

»Gibt es in diesem Dorf eigentlich einen Arzt?«, fragte Elisabeth Eckhoff nach dem Mittagessen. Es hatte ihr ausgezeichnet geschmeckt.

»Sogar zwei«, antwortete Helene und lächelte breit. »Beide sehr tüchtig. Der ältere ist Dr. Heideck, der jüngere Dr. Fabian, eigentlich ein Chirurg aus Hamburg, der es vorgezogen hat, auf dem Lande zu leben. Sind Sie krank?«

Prompt verschloss sich das Gesicht der Frau. Es sah aus, als wolle sie die neugierige Frage überhören, aber dann entschloss sie sich doch zu antworten.

»Ich habe einen hohen Blutdruck und brauche rezeptpflichtige Medikamente.« So, und nun stell keine weiteren Fragen, bedeutete ihr Ton.

»Ja, ja, wir haben alle etwas, wer ist schon ganz gesund?«, philosophierte die fromme Helene.

Sie runzelte die Stirn, als sie sah, wer jetzt die Gaststube betrat. Die Roloff, die dürre Klatschbase, die ihre spitze Nase in alles steckte, was sie nichts anging.

»Ich wollte nur fragen, ob du wohl ein Glas Wasser für mich hast«, behauptete Grete Roloff und setzte sich unaufgefordert auf einen Hocker an der Theke. »Leitungswasser«, ergänzte sie sie, denn Mineralwasser kostete Geld, und Geld war bei ihr knapp. Ihr geschiedener Mann bezahlte ihr sehr wenig. »Wer ist das?«, flüsterte sie und wies mit einer Kopfbewegung auf die Frau am Fenstertisch.

»Keine Ahnung, sie ist gerade erst angekommen.«

»Aus Bremen.« Grete Roloff hatte selbstverständlich schon einen Blick auf das Autokennzeichen geworfen. »Was will sie hier?«

»Hat sie mir nicht gesagt.«

»Dann werde ich mal …« Grete schwang sich vom Hocker herunter und ging zielstrebig auf die Fremde zu. »Guten …« Auch ihr erstarb der Satz im Munde, als die Frau den Kopf wandte und ihr die linke Gesichtshälfte zeigte.

»Was haben Sie denn da?«, stieß die Roloff hervor. Sie war unwillkürlich einen Schritt zurückgetreten. »Das sieht ja schrecklich aus! Kann man das nicht wegoperieren?«

Elisabeth Eckhoff drehte den Kopf zurück und schwieg.

»Entschuldigung, ich wollte nicht … es tut mir leid …«, stammelte Grete Roloff und zog sich wieder zur Theke zurück. Jetzt brauchte sie tatsächlich einen Schluck Wasser.

»Ich glaube, es ist besser, wenn du gehst«, teilte Helene der unbeliebten Klatschbase mit.

Sie mochte die Roloff genauso wenig, wie alle anderen in Altenhagen, nur zeigte sie das meistens offener.

»Bin schon unterwegs.« Grete ging rückwärts zur Tür, und dabei starrte sie auf die Frau, die äußerlich gelassen am Tisch saß und tat, als bemerke sie Gretes Blick gar nicht.

»Das dürfen Sie der nicht übelnehmen, die ist nun mal so«, erklärte Helene Fromm. »Am besten ist es, man kümmert sich nicht um sie.«

»Ja.«

Gesprächig war Elisabeth Eckhoff wirklich nicht, und schon gar nicht, wenn das Thema ihr Muttermal war. Sie wusste selbst, wie sie aussah und auf andere Menschen wirkte. Nur das immer wieder bestätigt zu bekommen, war etwas anderes.

***

Elisabeth beschloss, sich die Umgebung anzusehen. In der Heide war es bestimmt einsam, sie würde in dieser Jahreszeit kaum Wanderer treffen. Und deshalb war ihre Wahl auch auf Altenhagen gefallen.

Ein bitteres Lächeln legte sich auf ihren Mund, als sie das Gasthaus verließ. Sie fühlte sich wie eine Ausgestoßene, obwohl sie nichts verbrochen hatte.

Vati und Mutti haben mich so geliebt, wie ich bin, dachte Elisabeth, als sie sobald wie möglich von der Hauptstraße auf einen Feldweg abbog, der wahrscheinlich direkt in die Heide führte. Aber alle anderen …? In der Schule hatte sie keine Freunde gehabt. Wer wollte sich schon mit ihr zeigen? Und später …?

Sie presste die Lippen aufeinander, als sie an ihre letzte Enttäuschung dachte, an Mark Kriete. Er sah aus wie der Mann ihrer Träume, groß, blond, mit blauen Augen und einem fröhlichen Lachen. Sie hatte sich Hals über Kopf in ihn verliebt, obwohl sie von Anfang an wusste, dass er unerreichbar für sie war. Und dann war das Wunder geschehen, er hatte sich für sie interessiert. Und eines Tages hatte er ihr sogar gestanden, sie zu lieben.

Wie konnte ich ihm nur glauben?, fragte sich Elisabeth, während sie unwillkürlich schneller ging, die Hände verkrampft. Ich hätte es von Anfang an besser wissen müssen.

Aber sie hatte es nicht besser gewusst, sich ganz ihrer Liebe hingegeben, bis … ja, bis sie zufällig einmal hörte, wie er mit seinem Freund über sie sprach. Sehr abfällig.

»So eine kann man doch nicht lieben«, hatte er gesagt und ironisch gelacht. »Aber das, was sie an den Füßen hat, macht sie ungemein reizvoll. Und im Schlafzimmer sorge ich schon dafür, dass kein Licht brennt. Temperamentvoll ist sie. Es gibt Schlimmeres, als so eine zu heiraten. Eine Ehe hält heutzutage nicht ewig. Nach der Scheidung bin ich ein gemachter Mann und kann mir eine Frau suchen, bei der ich das Licht nicht auszumachen brauche.«

Mark war aus allen Wolken gefallen, als Elisabeth ihn verlassen hatte. Noch heute wunderte sie sich, wie sie es fertiggebracht hatte, so kühl und beherrscht zu wirken, obwohl sie bis ins Herz hinein aufgewühlt gewesen war.