Dragon Dream - G. A. Aiken - E-Book

Dragon Dream E-Book

G. A. Aiken

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Beschreibung

Humor, Erotik und Action für alle Fans von Christine Feehan und Nalini Singh! Im zweiten Band »Dragon Dream« versprühen nicht nur die Drachen mächtig Feuer. Als der Drache Briec die schöne Talaith vor einem tobenden Mob rettet, erwartet er zur Belohnung so einiges. Talaith wehrt sich jedoch mit allen Mitteln gegen die dreisten Avancen ihres arroganten Retters, der per Drachenrecht nun nach Belieben über sie verfügen kann. Doch dann findet Talaith heraus, dass Briec ein Gestaltwandler ist – und sein menschlicher Körper ist jede Sünde wert …

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2010

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Entdecke die Welt der Piper Fantasy:

Für meinen Dad, den wildesten Drachen von allen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr du mir fehlst.

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Karen Gerwig

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Piper Verlag erschienenen Buchausgabe

1. Auflage 2010

ISBN 978-3-492-95143-2

© 2006 G.A. Aiken

Titel der amerikanischen Orginalausgabe:

»About A Dragon «, Zebra Books, New York 2006

© Piper Verlag GmbH, München 2010

Umschlagkonzept: semper smile, München

Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München | www.guter-punkt.de

Umschlagmotiv: Sylwia Makris | www.sylwiamakris.com

Datenkonvertierung E-Book: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Vorwort

Liebe Leserin,

wissen Sie, man bekommt nicht jeden Tag die Chance, über jemanden zu schreiben, der so wahnsinnig überheblich, so aufreizend arrogant ist, dass man sich nicht vorstellen kann, dass jemand ihn attraktiv finden könnte. Und doch gibt es für jeden Drachen eine Gefährtin. Allerdings braucht einer wie Briec der Mächtige mehr als nur irgendeine Frau, um seine Arroganz unter Kontrolle zu halten. Er braucht Talaith.

DRAGON DREAM erschien 2006 ursprünglich unter dem Titel »The Distressing Damsel« und ist eine der Geschichten, die mir besonders am Herzen liegen. Ich habe Drachen immer geliebt, aber Briec und seine gewaltige Arroganz sind etwas ganz Besonderes.

Wie Talaith bin ich dem silbernen Drachen verfallen, der nicht so recht weiß, wozu Menschen überhaupt existieren. Er ist liebenswert – wie der große Hund in Ihrem Garten, der Ihnen kein bisschen gehorcht, den Sie aber trotzdem gernhaben.

Und Talaith … nun ja, Talaith ist eine gefährliche Frau mit vielen Geheimnissen. Aber wie jeder andere Drache, der sich etwas in den Kopf gesetzt hat, wird auch Briec nicht ruhen, bis er alles über die geheimnisvolle Schöne mit der spitzen Zunge herausgefunden hat.

Dies ist der zweite Teil meiner Serie über die Drachensippe, und ich hoffe, dass er und der kleine Vorgeschmack auf Bruder Gwenvaels Geschichte Ihnen gefallen.

Prolog

»Lass mich los!«

Er starrte ein paar Augenblicke auf sie hinunter. »Du hast mir wehgetan!«

»Gut.«

»Sollte man denjenigen verletzen, der einem das Leben gerettet hat?«

Sie verdrehte die Augen. Führe ich allen Ernstes dieses Gespräch? »Wahrscheinlich nicht.« Er hob fragend eine dunkelsilberne Braue, und sie knurrte verärgert. »Das kannst du doch nicht ernst meinen!«

»Natürlich.«

Sie funkelte ihn wütend an, sagte aber nichts.

»Ich warte.«

Verdammt. Wenn sie nichts sagte, würde er sie noch ewig so festhalten. Und diesen Teufel so nah an ihrem spärlich bekleideten Körper zu haben, war ein extrem unbehagliches Gefühl. Schließlich fauchte sie: »Tut mir leid, wenn ich dir wehgetan habe.«

»Das war … besser. Denke ich. Aber trotzdem …«

»Trotzdem was?«

Er beugte sich zu ihr herab, und jetzt merkte Talaith, dass er sich zwischen ihre Beine gelegt hatte. Das Einzige, was sie im Moment noch trennte, war ihr sehr dünnes und abgetragenes Nachthemd.

»Ich habe nicht das Gefühl, dass du es wirklich ernst meinst.«

»Was?«

»Du sagst die Worte, aber du meinst sie nicht so.«

»Ach ja? Tja, aber das meine ich so: Geh verdammt noch mal von mir runter!«

1

1»Komm mit!«, befahl er.

Große braune Augen blickten langsam und überrascht zu ihm auf. Dann murmelte sie, fast zu sich selbst: »Gute Götter, jetzt bewegen sich die Bäume schon von selbst.«

»Wie bitte?«

»Nichts. Ich meine nur deine ziemlich … unglaubliche Größe.«

Er sah an seinem menschlichen Körper hinab. Eigentlich fand er ihn selbst ziemlich klein, fast kümmerlich … wie die meisten Menschen. Und sie fand er geradezu winzig.

Kopfschüttelnd beschloss er, das alles später zu ergründen.

»Komm mit mir.« Er lächelte. »Ich begehre dich.«

Wie konnte es auch anders sein? Sie war schön. Eindeutig aus Alsandair: Ihre weiche braune Haut erzählte ihm von vielen Vorfahren, die unter den heißen Wüstensonnen gelebt hatten. Ihre Haare waren allerdings dunkler als bei den wenigen Wüstenmenschen, die er in seinem langen Leben gesehen hatte. Sie waren fast schwarz, ein Gewirr aus weichen, seidigen Locken, die ihr über den Rücken fielen und hinunter bis zu ihrem seiner Meinung nach unglaublichen Hintern.

»Das ist … äh … ganz reizend. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Ehemann ein Problem damit hätte.« Sie versuchte, um ihn herumzugehen, doch er versperrte ihr den Weg.

»Ehemann?«

»Aye. Ehemann.«

»Dieser Beschränkte, der dir gefolgt ist? Ich dachte, das sei dein Diener.«

Sie schnaubte, dann senkte sie rasch den Blick. Mit ihrer kleinen Hand hielt sie sich den Mund zu und schwieg mehrere Sekunden. Schließlich sah sie wieder zu ihm auf, aber er konnte das Lachen in ihren Augen erkennen. »Ja. Das ist er. Aber er ist mein Mann. Nicht mein Diener. Obwohl, an manchen Tagen …« Er erwartete, dass sie sich für ihren Gefährten beleidigt fühlte. Das tat sie nicht. Gut. Das ließ hoffen.

»Tja, du hast etwas Besseres verdient. Du verdienst mich. Also komm mit mir.«

Ihr Lächeln entfaltete sich langsam, aber als es zu einem satten Grinsen geworden war, meinte er, seine weichen menschlichen Knie würden nachgeben. So etwas Schönes hatte er noch nie zuvor gesehen.

»Du meine Güte. Da steckt aber eine Menge Arroganz in diesem großen Körper. Wie kommst du mit diesem Kopf durch Türen?«

»Ich bin arrogant, weil ich dir mehr bieten kann als dieser Schwächling. Ist das Arroganz oder Ehrlichkeit?«

Sie schüttelte den Kopf. »Wer bist du?«

»Komm mit und finde es heraus.«

»Nein, nein. Ich werde heute mit keinem fremden Ritter davonlaufen. Auch wenn ich das Angebot zu schätzen weiß.«

Sie ging um ihn herum und murmelte dabei vor sich hin: »Ich werde diesen Tag in meinem Tagebuch niederschreiben müssen.«

Er konnte sie nicht gehen lassen. Er konnte jede andere Menschenfrau bekommen. Aber diese hier fand er absolut faszinierend. Vielleicht war es die Art, wie sie den Bäcker anfauchte, der sich anfänglich weigerte, sie zu bedienen. Sie war schon auf dem ganzen Markt ähnlich behandelt worden. Sie schienen sie alle zu fürchten, aber er wusste nicht recht, warum. Magie umgab sie, aber diese war ungenutzt, fast brachliegend. Ein normaler menschlicher Bauer hätte niemals von ihr wissen oder sie sehen können. Sie war auch nicht als Hexe gekennzeichnet wie seine Schwester und so viele andere Frauen mit Macht. Nichts beeinträchtigte dieses schöne Gesicht. Warum alle sie also zu hassen schienen, war ihm ein Rätsel.

»Warte.«

Sie blieb stehen und wandte sich zu ihm um. »Ja?«

»Du bist hier nicht sicher.«

»Na, das ist ja mal ein ganz neuer Ansatz!«

»Ich scherze nicht. Siehst du es nicht?« Er blickte zu den Verkäufern, die sie beobachteten. »Sie verachten dich. Sie fürchten dich.«

Er kannte diese Art von Furcht. Er sah sie jedes Mal, wenn er über eine Siedlung flog oder ein Bataillon zu dicht an seinem Territorium entdeckte. Um ganz ehrlich zu sein … er liebte diese Furcht.

Das Lächeln schwand von ihrem Gesicht, und sie zog den abgetragenen Umhang, den sie gerade umgelegt hatte, enger um sich. Sie verdiente etwas Besseres als diese hässlichen Kleider. Dieser Körper verdiente die feinste Seide und Wolle als Hülle.

»Meinst du, das weiß ich nicht schon lange? Meinst du, du erzählst mir etwas Neues und Schockierendes?«

»Warum bleibst du dann?«

Er sah es. In ihren Augen. Eine überwältigende Müdigkeit, gepaart mit Furcht. »Weil ich keine Wahl habe.«

»Man hat immer eine Wahl.«

»Ritter wie du vielleicht. Aber ich habe nicht so viel Glück.«

Der, den sie ihren Ehemann nannte, kam aus der Dorfschenke und starrte sie beide finster an. »Komm jetzt!«, bellte er sie an.

»Aye«, rief sie zurück. Sie sah Briec an und lächelte. »Ich habe unser Gespräch genossen, Ritter. Es war nett, mit jemandem zu reden, der …«

»… vollständige Sätze bilden kann?«

Das Grinsen kehrte zurück, und für einen Augenblick blieb ihm buchstäblich das Herz stehen. »Nein. Es war nett, endlich jemanden zu treffen, mit dessen Arroganz es nur die Götter aufnehmen können. Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest …« – sie beugte sich vor und flüsterte freundlich – »mein Diener wartet.«

Sie zwinkerte ihm zu und ging davon. Und er wusste, dass es egal war, an wen sie sich band, er würde sie haben … zumindest bis er genug von ihr hatte.

Sie stellte das Essen vor ihren Mann hin und wandte sich zum Gehen. Aber er hielt sie am Handgelenk fest und zerrte sie auf seinen Schoß. Sie wehrte sich nicht. Sie wusste, dass es nicht nötig war.

Seine Lippen berührten ihren Nacken, und sie schluckte ihren Widerwillen hinunter. Sie beschloss, an etwas anderes zu denken, um sich abzulenken, und sofort leuchteten ungewöhnlich veilchenblaue Augen vor ihrem inneren Auge auf. Sie hatte nicht gewusst, dass es in diesen unbedeutenden nördlichen Siedlungen Männer dieser Größe gab. Seit sechzehn Jahren lebte sie nun hier, und es kam ihr vor, als verließen alle Männer, die größer waren als sie, das Dorf, um Soldaten oder Burgwächter zu werden. Die Restlichen waren weder sehr groß noch besonders gutaussehend.

Ach, aber dieser Ritter … bei den Göttern, er war absolut umwerfend. Da er von Kopf bis Fuß in diesen teuren Umhang gehüllt war, hatte sie nur diese schönen veilchenblauen Augen und dieses Gesicht sehen können. Götter, dieses Gesicht!

Unverschämt arrogant war er außerdem. Aber er amüsierte sie. Vor allem, weil sie nicht täglich mit ihm leben musste. Wenn es so wäre, würde sie ihn womöglich im Schlaf umbringen – aber natürlich erst, wenn sie genug von ihm hatte.

Dennoch hätte sie nie mit ihm sprechen sollen. Es kamen nicht oft Fremde durch dieses kleine Dorf, und in den letzten drei Jahren war es noch schlimmer geworden. Obwohl eine der Hauptreiserouten in der Nähe – weniger als einen Tagesmarsch entfernt – vorbeiführte, kamen die Händler und Reisenden, die früher oft gekommen waren, jetzt nicht mehr.

Die aus dem Dorf hatten in letzter Zeit angefangen, ihr die Schuld daran zu geben, dass kein Gold mehr von außen kam. Natürlich machten sie sie in letzter Zeit für alles verantwortlich. Eine Kuh starb … ihre Schuld. Ein Kind bekam das Gehirnfieber … ihre Schuld. Eine der Dorffrauen verstauchte sich den Knöchel …

Anscheinend war alles ihre Schuld. Meine Güte, sie hatte gar nicht gewusst, dass sie solch unglaubliche Kräfte besaß.

Aye, die fehlende Freundlichkeit der Dorfbewohner machte es ihr leicht, mit dem Ritter aus fremden Landen zu sprechen, aber es war auch ein gefährliches Risiko. Er würde es nicht für nötig halten, sie zu beschützen oder die Bande ihres Ehebetts zu respektieren. Dennoch konnte sie einfach nicht anders. Er war so unglaublich lächerlich gewesen, dass sie lächeln musste. Und, die Götter wussten es, sie lächelte nicht oft.

Sie bezweifelte, dass sie ihn je wiedersehen würde, aber es würde eine hübsche Erinnerung bleiben, an der sie sich festhalten konnte.

Endlich stieß ihr Mann sie mit einem wütenden Knurren von sich.

»Elendes Miststück, was hast du mit mir gemacht?«

Sie musste sich zurückhalten, um nicht verdrießlich aufzuseufzen. Dieses Gespräch war schon vor zehn Jahren lästig gewesen, jetzt wurde es langsam unerträglich.

»Ich weiß nicht, was du meinst, mein Ehemann.«

Er stand auf und warf dabei den Stuhl um. »Verlogenes Miststück! Du hast mich verhext oder so etwas! Ich komme in deine Nähe, und …« Er knirschte mit den Zähnen und warf einen Blick hinunter in seine Leistengegend.

»Ich verstehe nicht, mein Ehemann.« Sie konnte ihren Sarkasmus kaum beherrschen. »Ich denke, viele Damen hatten das Glück zu erleben, was für ein Hengst du im Bett bist. Ich hatte angenommen, dass du lediglich meiner überdrüssig bist.«

Dann war er da, die Hand erhoben. Sie wich nicht zurück, denn genau das wollte er erreichen. Doch sie wusste, dass er es nicht zu Ende bringen würde. Er hatte sie nur ein Mal geschlagen und schnell gelernt, es nie wieder zu tun. Seit damals sah er sie an, als wäre sie ein leibhaftiger Dämon.

Genau wie jetzt.

Da er kein Risiko eingehen wollte, warf er nur den Esstisch um und stürmte hinaus in die Nacht. Morgen würde er mit gemurmelten Entschuldigungen zurückkehren, und in ein oder zwei Monaten würde es von vorn losgehen.

Seit sechzehn Jahren sah so ihr Leben aus, und es würde auch weiterhin ihr Leben sein, bis ans Ende aller Tage.

Mit einem Seufzen stellte sie den Tisch wieder auf, räumte das Durcheinander auf, aß ein wenig von ihrem eigenen Abendessen – ohne die Kräuter, die sie ins Essen ihres Mannes getan hatte –, wusch sich den Schmutz des Tages vom Körper, zog ihr weißes Nachthemd an – nachdem sie den Dolch festgemacht hatte, der an ihren Oberschenkel geschnallt war – und kroch schließlich ins Bett.

Während sie in den Schlaf hinüberglitt, dachte sie an veilchenblaue Augen und arrogante Männer in Kettenhemden.

2

2Sie zerrten sie aus dem Bett, noch bevor die zwei Sonnen über den Caffyn-Bergen aufgegangen waren. Sie wehrte sich, so gut sie konnte, aber der Strick, den sie ihr um den Hals geschlungen hatten, nahm ihr die Luft und schwächte sie. Und sie fesselten ihr die Hände fest mit einem derben Seil, weil sie fürchteten, sie würde sie mit einem Zauber belegen. Sie hatte keinen, mit dem sie sie hätte belegen können, aber was sie am meisten ärgerte, war, dass sie nicht an ihren Dolch herankam, der immer noch an ihrem Oberschenkel befestigt war.

Natürlich konnte nur sie es schaffen, dass ein ganzes Dorf versuchte, sie umzubringen. Gut gemacht, Idiotin.

Starke Männer warfen das Ende des Stricks über einen kräftigen Ast und zogen sie langsam hoch. Sie wollten nicht, dass sie zu schnell starb. Sie wollten sie noch eine Weile hängen sehen, und es sah aus, als hätten sie einen Scheiterhaufen aufgeschichtet: für eine gute, altmodische Hexenverbrennung.

Reizend.

Der Mann, den sie ihren Ehemann nannte, schrie sie an. Er schrie, dass sie eine Hexe sei. Dass sie böse sei. Dass alle die Wahrheit über sie wüssten und dass sie dafür bezahlen würde. Hätte sie nicht um ihr Leben kämpfen müssen, hätte sie genervt die Augen verdreht.

Aber was sie wirklich maßlos ärgerte … was ihr richtig auf die Nerven ging – abgesehen davon, dass sie dabei war zu ersticken –, war, dass die Göttin, die sie vor all den Jahren hierher geschickt hatte, sie jetzt einfach sterben ließ.

Sie hatte gedacht, dieses Miststück würde sie zumindest beschützen, bis sie zu Ende gebracht hatte, was man von ihr verlangte. Wofür sie trainiert hatte, seit sie sechzehn war.

Aber Talaith, Tochter der Haldane, hatte vor langer Zeit gelernt, dass man niemandem trauen konnte. Niemand hatte sie je beschützt. Niemand hatte je etwas anderes getan als sie auszunutzen. Am Ende hatte sie gelernt, niemandem außer sich selbst zu trauen.

Natürlich hätten dir am heutigen Tag ein paar Verbündete helfen können, Talaith.

Sie hustete und wand sich in ihren Fesseln und betete, dass ihr Genick endlich einfach brechen würde. Sie wollte definitiv lieber nicht durch Verbrennen sterben. Talaith hatte Flammen noch nie für die besten Freunde einer Hexe gehalten.

Während sie sich fragte, wie sie mithilfe ihres Körpergewichts ihren eigenen Hals brechen konnte, sah sie ihn.

Er stach heraus wie eine Perle unter Säuen. Ihr arroganter, gutaussehender Ritter, immer noch in seinem Kettenhemd mit dem leuchtend roten Wappenrock darüber, aber ohne den roten Umhang, den er getragen hatte und der einen Teil seines Gesichts und seiner Haare vor ihrem Blick verborgen hatte. Sie war sich nicht sicher, ob es Einbildung war oder ob der bevorstehende Tod ihre Augen unzuverlässig machte, aber er hatte – silberne? – ja. Er hatte glänzend silberne Haare, die bis über seine Knie fielen. Doch es waren nicht die silbernen Haare eines alten Mannes. Diese Schönheit konnte nicht mehr als dreißig Winter alt sein. Höchstens.

Götter, und er war eine Schönheit. Das schönste Wesen, das Talaith je gesehen hatte. Na ja, zumindest würde sie diese Welt mit etwas Schönem als letztem Anblick verlassen.

Er ging zu einem der Dorfbewohner hinüber und deutete auf sie.

»Sie ist eine Hexe, M’lord!«, schrie eine Frau, deren Kind Talaith im Jahr zuvor nach einem giftigen Schlangenbiss gerettet hatte. »Sie ist mit Dämonen und den dunklen Göttern im Bunde!«

Sie wünschte, es wäre so. Zumindest beschützten die dunklen Götter die ihren.

Der Ritter starrte sie ein paar Wimpernschläge lang an. Wäre sie dazu in der Lage gewesen, wäre sie nicht einmal zu stolz gewesen, um Gnade zu betteln. Aber selbst wenn sie in der Lage gewesen wäre, hätte sie sich die Mühe gespart. Seine kalten veilchenblauen Augen sagten ihr, dass es sowieso nichts genützt hätte.

Hättest du ihn nur gefickt, wie du es wolltest, dann würde er sich jetzt vielleicht ein klein wenig verpflichtet fühlen, dir zu helfen. Aber du musstest ja zickig sein.

Natürlich war sie laut ihrem Ehemann immer eine Zicke.

Mit einem gelangweilten Seufzen wandte sich der Ritter zum Gehen und verschwand im nahen Wald.

Typisch. Selbst ein tapferer Ritter wollte ihr nicht helfen. Ihr Leben wurde von Tag zu Tag miserabler.

»Stirb, Hexe! Stirb!« Na,ganz reizend. Ihr eigener »lieber« Ehemann begann mit diesem entzückenden Sprechgesang. Der Bastard. Sie würde ihn auf der anderen Seite wiedersehen, wenn seine Zeit kam, und würde dafür sorgen, dass er bis in alle Ewigkeit Qualen erlitt.

Der Strick zog sich ein wenig enger zusammen, und sie fühlte, wie ihr noch etwas mehr von ihrem Leben entglitt, während sie immer mehr Holz auf den Scheiterhaufen stapelten.

Lustig, wie einem die Sinne Streiche spielen, wenn man so kurz vor dem Tod steht.

Hätte sie es nicht besser gewusst, hätte sie zum Beispiel schwören können, dass da ein riesiger silberner Drache aus dem Wald geschlendert kam. Ein gewaltiges, unglaubliches Wesen mit einer silbernen Haarmähne, die in der Morgensonne schimmerte und fast auf dem unter seinen Füßen bebenden Boden schleifte. Zwei wuchtige weiße Hörner saßen auf seinem Kopf, und ein langer Schwanz, dessen Spitze messerscharf aussah, schwang träge hinter ihm hin und her.

Lautlos blieb er hinter den Dorfbewohnern stehen. Sie waren so auf Talaith konzentriert, dass niemand seine Anwesenheit bemerkte. Wer hätte gedacht, dass ich so faszinierend sein könnte, dass ich ein ganzes Dorf ablenke? Natürlich konnte es auch sein, dass sie den Drachen nicht zur Kenntnis nahmen, weil er schlicht eine Ausgeburt von Talaiths Phantasie war. Ein Traum von einer großartigen Rettung, die niemals kommen würde.

Ihr Phantasiedrache beugte sich vor und stupste Julius den Bäcker mit der Schnauze an. Julius warf einen Blick zurück, nickte und wandte sich wieder ihr zu. Dann erstarrte er auf der Stelle … und machte in die Hose. In diesem Moment blickte seine Frau zu ihm und dann hinter ihn. Sie schrie, schnappte ihren Sohn, der gerade einen ziemlich großen Stein nach Talaith werfen wollte, und rannte los. Kurz darauf bemerkte auch der Rest der Menge ihren Phantasiedrachen, schrie und stürmte davon.

Sie runzelte die Stirn. Vielleicht hatte sie doch noch genug von ihrer Macht, um das Bild der Bestie heraufzubeschwören, aber irgendwie bezweifelte sie das.

Der Drache schoss den fliehenden Menschen ein paar Flammen hinterher, aber nichts, was ihnen ernsthaft schadete. Dann starrte er sie eine Weile an, drehte sich um und ging weg.

Unglaublich. Sogar meine Rettungsphantasien sind eine Katastrophe.

Aber während sie sich noch fragte, ob ihr Leben nach dem Tod genauso armselig sein würde wir das jetzige, schnellte der Schwanz des Drachen durch die Luft. Die Spitze durchschnitt den Strick, mit dem sie am Baum hing, und sie fiel herunter.

Sie erwartete, dass ihr Hintern jeden Moment gnadenlos auf den harten Boden treffen würde, und erstarrte überrascht, als der Schwanz sich um ihren Körper wickelte und sie festhielt.

Jetzt, wo der Strick nicht mehr so eng war, kehrten allmählich ihre Sinne zurück. Das war der Moment, in dem ihr bewusst wurde, dass sie wirklich von einem Schwanz festgehalten wurde. Einem Schwanz, der an einem riesigen Drachen hing, der lässig durch den Wald wanderte. Sie versuchte, sich aus seinem Griff zu befreien, aber der Schwanz hielt ihre Arme – mit ihren immer noch gefesselten Handgelenken – fest gegen ihren Körper gepresst. Und der Strick war immer noch eng genug, dass sie nicht um Hilfe rufen konnte.

Wen hätte sie auch rufen wollen? Ihren Ehemann? Eher nicht. Lord Hamish, den Herrscher dieser Lande? Hätte sie die Kraft gehabt, sie hätte bei diesem Gedanken laut aufgelacht.

Nein. Es sah aus, als würde sie das Frühstück eines Monsters werden.

Als der Drache eine Lichtung erreichte und sich plötzlich in die Luft erhob –Talaith immer noch in seinen Schwanz eingerollt –, hatte sie nur einen Gedanken …

Typisch.

Briec der Mächtige, Zweitältester des Hauses Gwalchmai fab Gwyar, Zweiter in der Thronfolge der Weißen Drachenkönigin, Held der Drachenkriege, Verteidiger des Throns der Drachenkönigin und, wenn man ihn fragte, der einzig Zurechnungsfähige seiner Sippe, war auf dem Weg zu einem hübschen, ruhigen Fleckchen. Irgendwo am Wasser wäre nett. Es würde mindestens zwei Tage dauern, bevor er es zurück in seine Höhle schaffte, aber er wollte sich seine Beute genau anschauen. Möglichst ohne die Schwellungen, die man davontrug, wenn man an einem Strick aufgehängt wurde.

Freilich wartete seine Schwester auf die Informationen, die er über Lord Hamish hatte, auch wenn diese mager waren. Aber als er beschlossen hatte, in dem Dorf zu bleiben, hatte er die wenigen Informationen einem der Soldaten der Insel Garbhán weitergegeben, die außerhalb des Gebiets von Madron warteten. Eigentlich konnte Briec es nicht fassen, dass er einen »Botengang« gemacht hatte. Und dann auch noch für das Weib seines Bruders. Sie hatte ihn tatsächlich losgeschickt, um herauszufinden, ob Hamish vorhatte, gegen die Insel Garbhán vorzurücken. Soweit Briec wusste, plante Hamish gar nichts. Dennoch war es Briec der Mächtige, der auf diesen Dienstbotengang geschickt wurde. Er hätte diese Frau wirklich töten sollen, als er die Gelegenheit gehabt hatte. Aber sein Bruder Fearghus schien sie zu mögen. Obwohl er sich nicht um alles in der Welt vorstellen konnte, warum.

Sie war zernarbt und irre, und Briec hätte sein Leben lieber mit einem Nest voller Nattern verbracht.

Und doch hatte er seinen Bruder vorher nie so … nun ja … glücklich gesehen. Die verrückte Kuh brachte ihn zum Lächeln. Der schrullige, unfreundliche »Ich bring dich um, wenn du mich nur ansiehst«-Fearghus der Zerstörer lächelte. Es verwirrte Briec.

Briec selbst war nicht unglücklich. Aber so glücklich war er auch nicht. Und in letzter Zeit hatte er sich gefragt, wie man diesen Grad an Zufriedenheit erreichte. Er fragte sich, ob es mit Fearghus’ menschlicher Gefährtin zu tun hatte, und ob das bei ihm auch funktionieren würde.

Als er seine dunkle Schönheit in diesem Dorf gesehen hatte, hatte Briec gedacht: Zum Teufel, warum nicht?

Er war früh an diesem Morgen ins Dorf zurückgekehrt, um sie zu erschnüffeln, ihren Ehemann zu töten, wenn er sich einmischte und sie mit nach Hause zu nehmen. Doch er hatte nicht erwartet, dass das ganze Dorf gerade dabei sein würde, sie hinzurichten und das Ganze zu einer Art Familientreffen zu machen.

Und sie nannten Drachen »Monster«.

Außerdem, hatte er sich gesagt, wird sie dankbar sein, wenn du sie rettest. Laut seinem jüngeren Bruder Gwenvael gab es nichts Gefügigeres als eine dankbare Menschenfrau.

Briec sah nach unten, wo das Glitzern der beiden Sonnen auf einem großen See seine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Ein perfekter Platz, um eine kleine Pause zu machen und seine neue Menschenfrau kennenzulernen.

Sie landeten am Ufer, und Briec befreite sie sofort von seinem Schwanz. Wie erwartet, rollte sie sich zu einer engen Kugel zusammen. Ihre Augen waren fest zugekniffen, der ganze Körper bebte. Drachenfurcht. Nein, Briec verstand sie nicht, aber er respektierte sie. Drachen waren Ehrfurcht gebietende Wesen, deshalb sollten Menschen vor Angst zittern. Zumindest eine Weile.

Briec gähnte und besah sich das dunkle Waldstück, das er entdeckt hatte. Es war hübsch. Schade, dass keine Höhle in der Nähe lag. Aber er hätte es auch furchtbar gefunden, umziehen zu müssen. In zweihundertzweiundsechzig Jahren hatte er ziemlich viele Schätze angesammelt. Außerdem mochte er seine Höhle.

Während er überlegte, wie lange es wohl noch dauern würde, bis die Drachenfurcht nachließ, sah Briec eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Er drehte langsam den Kopf und sah, wie die Menschenfrau, die Hände immer noch gefesselt, hastig die Finger zwischen den Strick und ihre Kehle schob und sich krabbelnd aufrichtete. Als sie sich auf die Bäume zubewegte, schwang Briec seinen Schwanz und rammte seine Spitze direkt vor ihr in die Erde. Sie wich zurück und fiel auf ihren hinreißenden Hintern.

»Wo wollen wir denn hin, kleine Menschenfrau?«

Talaith starrte auf den Silberstachel, der vor ihr im Boden steckte. Dieser Silberstachel, der nur die Spitze des längsten Schwanzes war, den sie je gesehen hatte. Langsam sah sie über die Schulter zu dem Drachen zurück.

Bei den Göttern – er ist riesig! Sie fühlte wieder Panik in sich aufsteigen. Die Drachenfurcht. Eines der unangenehmsten Gefühle, das sie je erlebt hatte. Es grub sich tief in ihre Eingeweide und breitete sich aus, setzte ihre Gliedmaßen außer Gefecht, ihre Fähigkeit zu sprechen und zu denken. Sie wollte nur noch schreien und weinen und um ewige Dunkelheit flehen, damit sie es nicht länger mit ansehen musste.

»Atme tief und langsam«, sagte er. »Das wird dich beruhigen.«

Beruhigen? Langsam atmen? Stattdessen holte sie Luft, um ihm zu sagen, dass er sich zur Hölle scheren könne, erbrach aber stattdessen ihren spätabendlichen Imbiss über den Fuß des Drachen.

Es starrte darauf hinab und murmelte: »Das ist ja ekelhaft!«

Talaith kniff die Augen zusammen, und plötzlich fand sie ihre Stimme wieder. »Und schon fühle ich mich deutlich besser«, spottete sie.

Ah, und schau an … sie hatte auch ihre Dummheit wiedergefunden! Du reißt gegenüber einem Drachen die Klappe auf, Talaith. Nun ja, sie hatte ihre Zunge noch nie gut im Zaum halten können.

Obwohl es keine Lüge war. Sie fühlte sich wirklich besser. Vielleicht löste sich die Anspannung, die durch die Drachenfurcht hervorgerufen wurde, wenn man sich übergab. Sie wusste es nicht, aber als sich die veilchenblauen Augen des Drachen auf sie richteten, war sie dankbar, dass sie in der Nacht zuvor keinen allzu großen Imbiss zu sich genommen hatte.

»Hmmm. Sinn für Humor.« Er legte den Kopf schief. »Das könnte mich stören.«

Sie runzelte die Stirn, ignorierte den neckenden Tonfall dieser ach so tiefen Stimme und antwortete mit beißendem Sarkasmus: »Oh, also, das wird mir sicher schlaflose Nächte bereiten.«

Hatte sie den Verstand verloren? Was tat sie da? Ihr Mann sagte immer, sie hätte die spitzeste Zunge, der er je begegnet sei. Aber sie konnte nicht anders. An manchen Tagen war es ihre einzige Verteidigung.

»Scheint, als hätte die Drachenfurcht nachgelassen, kleine Menschenfrau.«

»Sieht so aus, riesiger Drache.« Sie zuckte zusammen, als er Reihen um Reihen von mächtigen Reißzähnen entblößte. Gute Götter, ist das sein Lächeln?

»Also, wir können nicht den ganzen Tag hier herumstehen und in deinem Erbrochenen marinieren.«

Sie hockte sich hin, während sich ihr Magen endlich beruhigte, und sagte: »Tut mir leid. Verdirbt dir der Geruch deine Mahlzeit?«

»Um genau zu sein, ja.«

»Tja, das ist aber … auuuu!«

Der Schwanz des Drachen wickelte sich wieder um ihre Taille und hob sie in die Luft. »Dann sollten wir dich vielleicht besser saubermachen, was?« Damit schleuderte der Mistkerl sie in den See.

Sie schrie, bis sie auf die Wasseroberfläche traf und unterging. Sie zwang sich, nicht in Panik zu geraten oder zu viel Seewasser zu schlucken, trat fest mit den Beinen und versuchte, zurück an die Oberfläche zu kommen. Als sie die Wasseroberfläche durchbrach, sah sie den Drachen gerade ins Wasser gleiten, sein Kopf und Körper verschwanden außer Sicht.

Er kam, um sie zu fressen! Ihr Überlebenstrieb übernahm die Führung, überwältigte jede Furcht, und sie drehte sich um und gab sich die größte Mühe, mit immer noch gefesselten Händen ans andere Ufer zu schwimmen.

Sie wusste allerdings, dass sie keine Chance hatte, und war deshalb nicht überrascht, als er sie an der Taille schnappte. Sie begann zu kämpfen, zu treten und um sich zu schlagen. Er würde sie trotzdem zum Frühstück verspeisen, aber sie würde dafür sorgen, dass es nicht zu leicht für ihn wurde.

»Beruhige dich, Frau!«

»Lass mich los!«

»Ich sagte: Beruhige dich!« Er riss sie an sich, und Talaith erstarrte augenblicklich. Das fühlte sich nicht wie ein Drache an.

Sie sah hinab und sah einen Arm, der um ihre Taille geschlungen war. Auch wenn das der größte Arm war, den sie in ihrem ganzen Leben je gesehen hatte, war es doch nicht der Unterarm eines Drachen. Er war menschlich.

Erschrocken darüber, was sie da festhielt, drehte Talaith den Kopf und spähte hinter sich.

»Fühlst du dich jetzt ruhiger, M’lady?«, fragte er grinsend.

Talaith holte tief Luft, als sie ihrem schönen Ritter ins Gesicht starrte. »Um genau zu sein … nein. Tue ich nicht.« Dann knurrte sie: »Nimm deine widerlichen Hände von mir!«

»Aber ich habe dich gern im Arm!«

Das war’s. Sie konnte nicht mehr. Keine Sekunde länger. Das war einfach zu viel für eine einzelne Frau. Mit einem wilden Knurren schwang sie ihre gefesselten Hände zu seinem Gesicht herum. Er brüllte wütend auf, ließ sie aber los, um sich das rechte Auge zu halten. Sie ergriff die Gelegenheit und schwamm in Richtung Ufer. Sie hatte sich kaum aus dem Wasser gezogen, da stürmte er hinter ihr her.

Talaith kam bis zum Waldrand, bevor sie seine Hände, die glücklicherweise immer noch menschlich waren, auf sich spürte. Sie hielten sie fest und rissen sie zurück. Sie rutschte aus, fiel hin, ihre Knie scheuerten über felsige Erde. Sie versuchte, sich noch einmal von ihm loszureißen, aber sein fester Griff wurde nur noch fester, und dann drehte er sie um. Sie versuchte, ihn zu treten, aber er hielt sie mit seinem Körper auf dem Boden fest. Als Mensch war der Mann einfach gewaltig.

Er griff nach ihren gefesselten Handgelenken, schob sie über ihren Kopf und hielt sie dort fest.

»Hör auf, dich zu wehren!«

»Niemals!«

Er brüllte kurz auf, und Talaith erstarrte. Sie schloss die Augen, als die Drachenfurcht plötzlich und ziemlich unangenehm zurückkam. Doch dieses Mal hielt sie nicht an. Genauso schnell wie sie gekommen war, war sie auch wieder verschwunden.

Als sie weg war, öffnete sie die Augen und sah zu dem Drachen auf, der in seiner menschlichen Gestalt über ihr kauerte.

Oh, er ist absolut perfekt. Talaith blinzelte. Ganz toll, Talaith. Sonst noch irgendwelche erschreckenden Gedanken über den perfekten Körper des Drachen, bevor er dich zu seiner nächsten Mahlzeit macht?

Aber sie konnte einfach nicht anders. Er war wirklich perfekt. Seine langen, silberfarbenen Haare umrahmten ein markantes Gesicht. Ein harter, eckiger Kiefer mit hohen Wangenknochen und eine lange Nase, die eindeutig schon einmal gebrochen gewesen war. Er hatte eine volle Unterlippe, an der sie gern stundenlang gesaugt hätte, und sie wusste einfach, dass sie sich zusammen mit der dünneren Oberlippe absolut wundervoll anfühlen würde, wenn er jeden Zentimeter ihres Körpers küsste. Dazu kamen diese beunruhigenden veilchenblauen Augen, und Talaith spürte, wie sie ein gefährliches Terrain betrat.

Sie rang um Fassung. »Lass mich los!«

Er starrte ein paar Augenblicke auf sie herab. Dann nahm er seine freie Hand und befühlte die rechte Seite seines Gesichts neben dem Auge, die noch nicht einmal anschwoll. »Du hast mir wehgetan!«

»Gut.«

»Sollte man denjenigen verletzen, der einem das Leben gerettet hat?«

Sie verdrehte die Augen. Führe ich allen Ernstes dieses Gespräch? »Wahrscheinlich nicht.« Er hob fragend eine dunkelsilberne Braue, und sie knurrte verärgert. »Das kannst du doch nicht ernst meinen!«

»Natürlich.«

Sie funkelte ihn wütend an, sagte aber nichts.

»Ich warte.«

Verdammt. Wenn sie nichts sagte, würde er sie noch ewig so festhalten. Und diesen Teufel so nah an ihrem spärlich bekleideten Körper zu haben, war ein extrem unbehagliches Gefühl. Schließlich fauchte sie: »Tut mir leid, wenn ich dir wehgetan habe.«

»Das war … besser. Denke ich. Aber trotzdem …«

»Trotzdem was?«

Er beugte sich zu ihr herab, und jetzt merkte Talaith, dass er sich zwischen ihre Beine gelegt hatte. Das Einzige, was sie im Moment noch trennte, war ihr sehr dünnes und abgetragenes Nachthemd.

»Ich habe nicht das Gefühl, dass du es wirklich ernst meinst.«

»Was?«

»Du sagst die Worte, aber du meinst sie nicht so.«

»Ach ja? Tja, aber das meine ich so: Geh verdammt noch mal von mir runter!«

»Ja. Das meinst du ernst, das spüre ich.«

»Was willst du von mir?« Er blickte herab in ihr Gesicht, und in diesem Augenblick fühlte sie seine sehr menschliche Erektion hart und mächtig an ihrem Geschlecht pulsieren. »Oh, nicht in diesem Leben, Drache!«

»Vielleicht. Und dennoch …« Er schnüffelte. »Es riecht, als hätte dein Körper andere Vorstellungen.«

»Was du da riechst, ist Angst.«

»Nein. Ich kenne Angst. Das ist ein bisschen anders, ein wenig strenger. Nein, M’lady. Ich rieche Lust.«

»Tust du nicht!«

Er beugte sich vor, seine Nase strich an ihrem Kiefer entlang, über die Wange, die Seite ihres Halses. Er atmete noch einmal tief ein und ließ die Luft mit einem Stöhnen wieder entweichen.

»Tut mir leid, kleine Menschenfrau. Aber ich bin mir ganz sicher.«

Talaith schloss wieder die Augen. Sie hatte langsam das Gefühl, dass sie diesen Drachen bis ans Ende aller Tage anschreien konnte, und er würde trotzdem mit ihr machen, was er wollte. Also schluckte sie ihren Stolz hinunter und machte einen allerletzten Versuch.

Leise bat sie: »Bitte. Bitte geh von mir runter.«

Sofort wandelte sich der Gesichtsausdruck des Drachen von lachendem Vergnügen in tiefe Sorge. Er wich zurück und ließ ihre Handgelenke los.

Die Tränen unterdrückend, die sie niemals zulassen würde, zog sich Talaith ungelenk in eine bequemere, sitzende Position. Ihre Arme mit den immer noch gefesselten Handgelenken schlang sie eng um ihre Beine. Da entfernte der Drache endlich den Strick um ihren Hals und das Seil von ihren Handgelenken.

»Die hätte ich schon viel früher abnehmen sollen.«

Überrascht sah sie zu, wie er das Seil wegwarf, bevor er ihre Handgelenke nahm und sie sanft massierte. Ich glaube, ich könnte so tun, als wäre das eine Entschuldigung. Obwohl, nach dem zu urteilen, was sie so über Drachen wusste … eher unwahrscheinlich.

»Und erinnere mich daran, dass ich dir etwas auf die Kehle streiche, sonst wird die Schürfwunde bis morgen furchtbar wehtun, wenn nicht sogar schon irgendwann heute Nacht.« Er legte ihr einen Finger unters Kinn, hob ihren Kopf an und untersuchte ihren verletzten Hals gründlich. »Das könnte aber trotzdem eine Narbe geben.«

Es erstaunte sie, wie schön dieser Mann war. Von seinem extrem langen Körper, an dem sich gut definierte Muskeln unter weicher, gebräunter Haut abzeichneten, bis zu seinen überaus breiten Schultern und dem Rücken, der sich zu schmalen Hüften verjüngte: Es war die männliche Perfektion schlechthin.

Talaiths Blick wanderte weiter nach unten. Sie konnte nicht anders. Und als sie seine Erektion sah, konnte sie den Blick nicht mehr abwenden. Sie hatte nicht einmal Lust, seine kräftigen Schenkel zu studieren.

Er räusperte sich, und ihr Blick kehrte ruckartig wieder zu seinem Gesicht zurück. Sein Grinsen war wieder da, diesmal noch breiter als beim letzten Mal. Denn jetzt hatte er sie beim Starren erwischt. »Dir gefällt wohl, was du siehst.«

Das war keine Frage.

Sie hatte immer wieder gehört, dass Drachen arrogant waren, aber ihr war nicht bewusst gewesen, in welchem Ausmaß, bis sie diesen speziellen Drachen kennengelernt hatte. Und sie musste zugeben, dass er sie damit zur Weißglut brachte.

Als Antwort auf seine Feststellung zuckte sie die Achseln und log: »Ich habe schon Besseres gesehen.«

Jetzt hoben sich beide Augenbrauen vor Überraschung, aber er sagte trotzdem: »Lügnerin.«

Das war sie tatsächlich. Eine riesengroße, dreckige Lügnerin.

»Wenn dich das heute Nacht ruhig schlafen lässt, Drache.«

»Um genau zu sein, M’lady, du wärst …«

Sie unterbrach ihn, sobald ihr klar wurde, wo dieses Gespräch hinführte. »Nein, sag es nicht.«

Er nickte. »Wie du willst.«

Vorsichtig zog sie ihm ihre Hände weg und schlang die Arme wieder um ihre Knie. »Was willst du von mir, Drache? Ehrlich. Keine Spielchen mehr.«

Der Drache streckte seinen langen, prachtvollen Körper neben ihr auf dem Boden aus und legte sich auf die Seite. Er machte sich nicht die Mühe, sich zu bedecken, und sie begriff, dass er sich wahrscheinlich gar nicht bewusst war, wie nackt er in menschlichen Begriffen eigentlich war. Drachen mochten nackt herumliegen, Menschen nicht.

»Ich war noch nie mit einer Menschenfrau zusammen. Ich war mit Drachenweibchen zusammen, die zu dem Zeitpunkt in Menschengestalt waren. Aber nie mit einer richtigen Menschenfrau.«

Sie kratzte sich verwirrt am Kopf. »Warum sollten Drachen als Menschen … äh … zusammen sein?«

»Wir finden es unterhaltsam.«

Talaith nickte wissend, dann wurde ihr bewusst, was der Drache ihr da genau erzählte. Ab und an konnte sie ein klein wenig schwer von Begriff sein.

»Willst du damit sagen …« Sie räusperte sich, aber es half nicht. Es war Panik, die ihr da im Augenblick die Kehle zuschnürte. Gegen Panik konnte man nichts machen. »Du willst … mit mir ins Bett?«

»Wir können es in einem Bett tun, wenn du möchtest. Ich habe dir das alles schon gestern gesagt.«

»Nein.« Das konnte nicht sein. Nein, nein, nein.

»Warum nicht?«

Denk nach, Talaith! »Na ja, zunächst einmal bin ich an einen anderen gebunden.«

»Ach ja. An den Mann, der versucht hat, dich umzubringen.«

»Na ja …«

»Mal sehen …« Er legte sich flach auf den Rücken, die großen Hände hinter seinem arroganten, großen Kopf verschränkt. »Was waren seine genauen Worte noch mal? Ach ja: ›Tötet die Hexe. Verbrennt die Hexe.‹ Hat er nicht auch einem Kind einen ziemlich großen Stein gegeben?«

»Schon gut, schon gut.« Mistkerl. »Vergiss das.«

»Schon vergessen.«

»Letzten Endes bin ich ein Mensch. Und du« – sie musterte ihn von seinem schönen Kopf bis zu den Spitzen seiner riesigen Füße – »bist eindeutig kein Mensch.«

»Na und? Ich kann menschliche Gestalt annehmen, wie ich es hier getan habe. Und dir scheint meine Gestalt ganz gut zu gefallen.«

»Es war nur ein Blick.«

»Ja, aber er hat Bände gesprochen, M’lady.«

Talaith fuhr sich mit den Händen durch ihre nasse, wirre Lockenmähne. Sie hätte alles für einen Kamm oder eine Bürste gegeben. Sie hätte alles dafür gegeben, trocken zu sein. »Ich bin keine Lady.«

»Vielleicht. Aber du bist auch keine bloße Bäuerin.«

Sie gab sich größte Mühe, ein unbewegtes Gesicht zu machen und fragte: »Was meinst du damit?«

Er zuckte nonchalant die Achseln, während er zu den zwei Sonnen aufsah. »Ich weiß es einfach.« Er seufzte gelangweilt. »Ich will nicht mehr reden.«

Gut. Seine Stimme machte sie langsam verrückt vor Verlangen. »In Ordnung.«

Er sah zu ihr herüber. »Komm.« Er deutete auf seine pulsierende, harte Erektion, die im Moment in Richtung der Sonnen zeigte, und wenn sie sich nicht irrte ihren Namen rief. »Reite mich.«

Ja, M’lord! »Was? Nein!«

»Willst du den ganzen Weg zurück zu meiner Höhle so schwierig sein?«

O-oh. »Warum gehen wir zu deiner Höhle?«

»Weil du dort wohnen wirst natürlich. Du weißt schon, bis ich genug von dir habe.«

Endlich verließ sie die ganze Furcht vor dem Drachen – und die Lust auf ihn –, und Talaiths Mund blieb offen stehen, so schockiert war sie über seine pure Arroganz.

»Du ungehobelter, arroganter Mistkerl!«

»Wie bitte?«

Sie stand auf. »Du hast mich genau verstanden. Ich habe nicht sechzehn Jahre mit diesem Idiot überlebt, nur um das Spielzeug eines Monsters zu werden!«

»Ich bin kein Monster! Ich bin ein Drache. Ihr Menschen solltet uns anbeten.«

»Schade, dass es mehr Spaß macht, euch zu jagen, oder?«

Der Drache sprang auf. »Darüber würde ich an deiner Stelle keine Witze machen, kleine Menschenfrau!«

»Ich bleibe nicht bei dir.«

»Doch, das wirst du. Ob du nun mit mir schläfst oder nicht. Du wirst bleiben. Nach dem Drachengesetz gehörst du mir.«

»Ich unterliege nicht dem Drachengesetz.«

Er schnappte sie am Arm und riss sie so zu sich heran, dass Talaith auf ihre Zehenspitzen gehoben wurde.

»Jetzt, wo ich dir das Leben gerettet habe, kleine Menschenfrau, gehört es mir. Und das bedeutet, dass du den Gesetzen meines Volkes unterliegst.«

Weil sie nicht wusste, was sie dazu sagen sollte, sagte Talaith das Erste, was ihr in den Sinn kam.

»Ich hasse dich.«

Er lachte schnaubend. »Hass ist ein menschliches Gefühl. Es bedeutet mir gar nichts.«

Der Drache ließ sie los, indem er sie von sich stieß.

»Ich suche uns ein Frühstück. Versuch zu fliehen, M’lady, und ich sorge dafür, dass du es bereust, wenn ich dich finde.« Seine Augen wurden schmal. »Und ich werde dich finden.«

Dann stapfte er los in Richtung Wald und ließ Talaith allein.

Gut. Jetzt kann ich wenigstens in Ruhe in Panik verfallen.

Musste es wirklich so schwierig sein? Musste sein Bruder so sehr kämpfen, um seine menschliche Gefährtin dazu zu bringen, sich zu fügen? Natürlich war Briec nicht Fearghus. Sein Bruder verführte das verrückte Weib wahrscheinlich. Briec verschwendete keine Zeit mit Verführung. Warum auch? Entweder wollte sie mit ihm zusammen sein oder nicht.

Einfach. Logisch. Natürlich schienen ihm die Menschen nicht unbedingt die logischsten aller Wesen zu sein.

Er hielt an einem Baum an und legte die Hand an die raue Rinde, damit er sich dagegenlehnen konnte. Mit einem Blick nach unten ermahnte er sein Glied, sich zu benehmen. Widerspenstiges Ding. Vor allem, wenn diese spezielle Frau in der Nähe war.

Er wünschte, es wäre einfach, weil sie umwerfend war, obwohl sie ihre letzte Mahlzeit auf seine Krallen gespuckt hatte. Leider war es mehr als das. Er fand sie gemein und lustig und sehr schlau. Eine potente Mischung für seine Lust.

Trotzdem hasste sie ihn. Genau ihre Worte. Für Menschen war das anscheinend ziemlich wichtig. Genau wie die Liebe. Beide Emotionen waren Briec so fremd, dass er keines der Worte tatsächlich einmal in einem Satz benutzt hatte.

Es störte ihn, dass es ihm wichtig sein sollte, ob diese Frau ihn wollte oder nicht. Er war Briec der Mächtige. Frauen rissen sich um seine Aufmerksamkeit. Und keine hatte ihn je direkt zurückgewiesen. Wie konnte eine Menschenfrau es wagen, ihn zurückzuweisen! Wenn er geglaubt hätte, es würde ihr etwas ausmachen, wäre er zurückgegangen und hätte ihr ganzes Dorf zerstört. Aber er wusste es besser. Es wäre ihr egal. Sie gehörte nicht dorthin, und das wussten sie beide. Warum sie so lange dort geblieben war, würde er herausfinden. Er hatte vor, alles über diese schwierige, bösartige, wunderschöne Frau herauszufinden.

Briecs Finger gruben sich in den Baum und rissen die Rinde ab, als ein großer Hase hinter ihm vorbeiraste. Er starrte ihn ein paar Sekunden an, dann schoss er einen Feuerball ab, der ihn auf der Stelle röstete.

Es verschaffte ihm nur eine kleine Befriedigung, aber das genügte für den Moment.

3

3Als Briec zum Lager zurückkam, saß die Frau zusammengekauert neben etwas Holz und versuchte verzweifelt, ein Feuer zu entfachen, indem sie zwei Steine gegeneinanderschlug. Ihr ganzer Körper bebte, und sie fluchte pausenlos.

»Was tust du da?«

Sie sah nicht einmal zu ihm auf. »Wonach sieht es denn aus?«

Sie murmelte noch mehr Flüche, die ihm fast die Ohren versengten, dann knurrte sie: »Ich versuche, ein Feuer zu machen. Ich erfriere.«

Er spuckte eine kleine Flamme auf das Feuerholz. Es erwachte flammend zum Leben, und die Frau kreischte und stolperte rückwärts von dem Lagerfeuer weg.

»Was um alles in der Welt sollte das?!«

»Du hättest das Feuer allein niemals anbekommen. Und du nützt mir nichts, wenn du krank wirst. Ihr Menschen heilt nicht sehr gut von Krankheiten.«

»Vielleicht. Aber wir heilen auch nicht sehr gut von Verbrennungen, Drache.«

Er grunzte, da er nicht zugeben wollte, dass sie recht hatte. »Anscheinend hast du dich gut von der Drachenfurcht erholt.«

Jetzt, wo sich das Feuer zu einem trägen Prasseln beruhigt hatte, kauerte sie sich daneben und wärmte sich die Hände. »Dir ist es lieber, wenn ich zittere und weine, oder?«

»Überhaupt nicht. Ich hätte allerdings nichts dagegen, wenn du ein klein bisschen weniger spitzzüngig wärst.«

»Das kann ich mir vorstellen. Aber ich glaube nicht, dass ich das schaffe.« Sie starrte ihm böse direkt in die Augen. »Zumindest nicht für dich.«

Gute Götter, er hatte noch nie jemanden getroffen, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit so unverschämt zu ihm war. Anscheinend war die Drachenfurcht, auf die sich seine Rasse so sehr verließ, nicht annähernd so mächtig wie es hieß.

Er beschloss, nicht noch einen Streit mit ihr anzufangen und ließ die drei Hasen fallen, die er gefangen hatte. Er hatte sie noch roh gelassen, da er annahm, dass sie sie selbst kochen wollte.

Sie sah hinab auf die toten Tiere, dann wieder hoch zu ihm. »Und was soll ich deiner Meinung nach damit tun?«

»Was ihr Menschen eben mit eurem Essen macht. Häuten und kochen, oder?«

Unter wütendem Gebrummel zog sie ihr unglaublich schlichtes Nachthemd hoch, und Briec bemerkte zum ersten Mal, dass an ihrem wohlgeformten Bein ein Futteral befestigt war. Ein Futteral, in dem eine sehr scharfe und gepflegte Klinge steckte.

Während sie das Häuten der Tiere in Angriff nahm, lehnte sich Briec bequem an einen Baum gegenüber von ihr.

»Hast du beim Schlafengehen immer eine Klinge an dein Bein geschnallt, M’lady?« Denn aus ihrer Kleidung schloss er, dass diese Bauern sie aus dem Bett gezerrt hatten. Warum Menschen in Kleidern schlafen gingen, würde er sowieso nie verstehen. Sie würde damit aufhören müssen, wenn sie anfingen, miteinander ins Bett zu gehen. Er wollte diesen nackten Körper an sich gepresst spüren. Er wollte verdammt sein, wenn jemals irgendein hässlicher Stoff zwischen ihnen sein sollte.

»Ja.«

»Fand dein Ehemann das nicht merkwürdig?«

»Er wusste es nicht.«

Briec, der von fast allem und jedem sehr leicht gelangweilt war, stellte fest, dass ihn diese Frau auf irrationale Weise faszinierte.

»Wie konnte er das nicht wissen?« Sie antwortete nicht, sondern konzentrierte ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Hasen. Es gab nur eine Möglichkeit, wie der Mann nichts von dem Dolch wissen konnte. »Ist er nicht mit dir ins Bett gegangen?«

Ohne aufzusehen, murmelte sie: »Seit vielen Jahren nicht.«

Es ärgerte Briec maßlos, wie lächerlich froh ihn dieses kleine Eingeständnis machte. »Und wie hast du das geschafft?«

Wenn der Kerl nicht gerade blind war, konnte es auf keinen Fall sein, dass er diese Frau nicht wollte. Briec selbst wollte sie seit der Sekunde, in der er sie zum ersten Mal gesehen hatte.

»Ich verstehe deine Frage nicht.«

»Wenn ich mich recht erinnere, sprachst du davon, dass ihr zwei sechzehn Jahre zusammen wart. Das ist eine sehr lange Zeit für einen Ehemann, um nicht …«

»Kann er nicht einfach meiner überdrüssig geworden sein?«

»Natürlich.« Wenn er ein vollkommener und heilloser Idiot war. »Aber die männlichen Exemplare der meisten Rassen haben trotzdem Momente, wo sie nehmen, was am einfachsten zu bekommen ist. Deshalb frage ich mich, wie …«

Sie warf den gehäuteten Hasen auf den Boden und warf Briec einen dunklen, wütenden Blick zu. »Kräuter. Ich habe ein paar Kräuter in sein Essen getan.«

»Du hast ihn vergiftet.«

»Nein!« Sie hatte doch tatsächlich die Stirn, beleidigt zu sein, obwohl sie diejenige war, die dem Mann Kräuter ins Essen getan hatte. »Verstanden? Er ist mit vielen anderen ins Bett gegangen. Es wäre grausam gewesen, ihm das zu verweigern, aber jedes Mal, wenn er mir nahe kam, verlor er seine … äh …« Wieder warf sie einen Blick in seinen Schoß. Anscheinend konnte sie nicht anders als dort hinzustarren. »Na ja, du weißt schon. Mit den Kräutern und einem sehr einfachen Zauber war es überraschend einfach.«

»Wenn du ihn nicht wolltest, warum bist du dann geblieben?«

»Ich will nicht mehr darüber reden.« Sie hob den Hasen wieder auf und säuberte ihn weiter. »Es geht dich nichts an, was ich mit meinem Mann getan oder nicht getan habe.«

»Warst du mit anderen zusammen?«

»Anderen was?«

»Anderen Männern.«

Sie verdrehte die Augen. »Ich wollte schon den nicht, den ich hatte. Warum hätte ich mich mit einem anderen herumärgern sollen?«

»Weil wir im Kern alle Tiere mit Bedürfnissen sind.«

Ihr Kopf hob sich bei dieser nüchternen Feststellung. Den Bruchteil einer Sekunde lang sah er eine Hitze in ihren Augen, die ihn fast zu Asche verbrannte. Aber genauso schnell verbarg sie sie wieder. Er nahm an, sie verbarg sie schon ihr ganzes Leben. Er freute sich darauf, all die Schutzschichten abzutragen, in die sie sich gehüllt hatte.

»Ich weiß nicht, was deine Bedürfnisse sind, Drache. Und ich will es auch gar nicht wissen.«

»Wirklich nicht?« Theatralisch schnüffelte er wieder in die Luft, und sie warf ihm einen finsteren Blick zu.

»Würdest du bitte damit aufhören!«

»Das könnte ich. Aber wo bliebe dann der Spaß?«

Spaß? Hielt er das etwa für Spaß? Das war der Stoff, aus dem Albträume gewebt wurden! Horrorgeschichten, um Kindern Angst zu machen, damit sie sich benahmen. Sie hatte keinen Spaß. Verdammt.

Talaith stand auf und ging auf die Suche nach einem stabilen Stock. »Sag mir eines, Drache. Hast du vor, mich zu zwingen, mit dir zu schlafen?«

»Nein.« Er sagte es beiläufig. Als hätte sie nicht eben gefragt, ob er die Absicht hatte, sie zu vergewaltigen.

Sie kauerte sich nieder und wühlte in einem Haufen Äste und Zweige, bis sie hatte, was sie brauchte. »Dann werden du und ich nicht …«

»O doch, das werden wir.«

Den Ast fest in der Hand, stand Talaith auf und wandte sich rasch zu ihm um. »Nein. Werden wir nicht.«

Er lachte schnaubend und verdrehte die Augen. »Warum verleugnest du dich selbst?«

»Ach, tue ich das?« Seine Arroganz würde sie noch aus der Haut fahren lassen.

»Aye. Uns beiden gegenüber.«

Talaith marschierte zurück zu ihren Hasen und kauerte sich wieder beim Feuer nieder. Sie nahm eins der toten Tiere hoch und stieß brutal den Ast hindurch. Sie musste das Ende nicht einmal mit ihrem Messer zu einer Spitze schnitzen.

»Du, Drache, bist der …«

»… unglaublichste Kerl, dem du je begegnet bist.« Es war keine Frage. Es war eine Feststellung.

»Ich wollte sagen, der arroganteste Mistkerl.«

Er blinzelte. »Also, das ist grob.«

»Ich persönlich finde dich …«

»Pssst!« Er wedelte mit einer Hand.

Einen Augenblick lang dachte Talaith wirklich, sie würde aus der Haut fahren. Zähneknirschend zischte sie: »Hast du mir eben den Mundverboten?«

»Aye. Ich will ein Nickerchen machen, bevor wir weiterreisen.« Er lehnte sich an den Baum und schloss die Augen. »Und ich finde dein ständiges Geplapper ziemlich störend.«

Talaith sah sich verzweifelt um. Seit wann ist alles blutrot? Denn im Moment sah sie nicht nur rot, sondern blutrot.

»Und versuch nicht wegzurennen.« Ein Auge öffnete sich und richtete sich auf sie. »Auch wenn es vielleicht Spaß macht, dich zu jagen.« Er lächelte, als er wieder beide Augen schloss und scheinbar eindöste.

Unfähig, sich etwas anderes einfallen zu lassen, streckte Talaith ihm die Zunge heraus.

»Und streck mir nicht die Zunge heraus«, neckte er in einem leisen Singsang, »oder ich finde eine gute Verwendungsmöglichkeit dafür.«

Erschrocken schloss sie auf der Stelle den Mund und wandte sich wieder ihrem Hasen zu. Als sie Briecs leises Kichern durch die Flammen hörte, wusste sie, dass sie ihn wirklich abgrundtief hasste.

Briec schlief nur ungefähr eine Stunde. Die Sonnen waren nicht weit über den Himmel gewandert. Er sah sich in ihrem Lager um, und Panik überfiel ihn. Fort. Sie war fort. Doch dann hörte er ihr Luftschnappen und ein erschrockenes »Mist!«.

Bevor er sich rühren konnte, stolperte sie aus dem Wald und zog dabei ihr Nachthemd herunter. Er musste ihr wirklich etwas Besseres zum Anziehen besorgen als das da. So langsam hasste er es geradezu.

»Was ist los?«, wollte er wissen, während er rasch aufstand, um jeden in Stücke zu zerfetzen, der sie angerührt oder ihr wehgetan haben mochte.

Sie öffnete den Mund, um zu antworten, schloss ihn aber wieder.

»Also?«, drängte er.

Sie zuckte die Achseln. »Käfer.«

»Hast du Käfer gesagt?«

»Ja. Und sieh mich nicht so an!« Sie sah sich im Wald um. »Ich bin nicht gern« – sie schauderte – »draußen.«

Sie ging näher an das niederbrennende Feuer heran. »Ich wollte … äh … ein paar Dinge erledigen, als plötzlich etwas auf mir herumkrabbelte.«

Er sah sie an, und sie verschränkte zornig die Arme vor der Brust. »Ich brauche kein Urteil von dir!«

»Wie du willst.«

Ihre Laune hob sich. »Wirklich? Wie ich will? Dann kann ich nach Hause gehen?«

»Ja.«

Sie blinzelte überrascht, und er lächelte. »Nach Hause mit mir. Es sei denn, du willst zurück zum Strick.«

»Oh, hör auf, mir das ständig unter die Nase zu reiben!«, herrschte sie ihn an.

»Wenn ich dadurch bekomme, was ich will.«

Sie stürmte wild auf ihn zu, in ihrem schmutzigen Nachthemd und mit nackten Füßen und dieser wundervollen, ungebändigten Lockenmähne, und stach mit einem kleinen Finger nach ihm. »Ich. Hasse. Dich.«

Briec beugte sich hinab, bis sich beinahe ihre Nasen berührten. »Ist. Mir. Egal.«

Mit einem frustrierten Aufschrei wandte sie sich von ihm ab. Er konnte nicht hören, was sie murmelte, aber es war ihm auch egal.

»Na los. Ich will noch ein paar Wegstunden zwischen uns und dieses Natterngezücht bringen, bei dem du gelebt hast, bevor die Sonnen untergehen.«

»Du bestehst wirklich darauf, dass ich mit dir komme, oder?«

»Natürlich. Bei mir bist du sicherer.«

»Und wie kann ich mir da sicher sein?«

Briec ging zu ihr hinüber. Sanft berührte er ihre Schultern und sagte: »Ich verspreche dir, dass ich dir nichts tun werde.«

»Aber du wirst mich auch nicht gehen lassen.«

»Wo würdest du denn hingehen? Du bist eindeutig aus Alsandair. Das erkenne ich an deiner Hautfarbe.« Er streckte die Hand aus und liebkoste ihre Wange, was sie erschreckte. Aber er konnte nicht anders. Sie hatte die schönste braune Haut, die er je gesehen hatte. Makellos, auch wenn sie selbst vollkommen verrückt war. »Hast du Familie hier? Freunde? Irgendwen, dem du etwas bedeutest innerhalb eines Umkreises von tausend Wegstunden von hier?«

Sie versuchte, bei diesen Worten ihr Gesicht abzuwenden, aber er ließ sie nicht. »Vertrau mir. Ich sorge dafür, dass dir nichts passiert. Und wir besorgen dir zumindest mal ordentliche Kleidung.«

»Na gut.«

Er sah sie an, doch ihr Gesicht verriet nichts. Sie hatte ihre Emotionen wieder unter Kontrolle und sämtliche Gefühle verborgen. Darin war sie gut.

Briec war klar, dass er so viel aus ihr herausbekommen hatte, wie er konnte, daher ging er davon. Als er in sicherer Entfernung war, sprach er den alten Zauberspruch seines Volkes, und sein Körper verwandelte sich. Die Wandlung vom Mann zum Drachen dauerte nur Augenblicke. Sie starrte ihn mit gebührendem Entsetzen an. Das war keine Drachenfurcht mehr. Nein, sie hielt ihn ganz einfach für ein Monster. Er musste irgendwie dafür sorgen, dass sie das überwand.

Während ihm dieser letzte Gedanke durch den Kopf wirbelte, tat Briec der Mächtige etwas, wovon er nie gedacht hätte, dass er es einmal tun würde. Er kauerte sich so tief es ging auf den Boden.

»Steig auf.«

Ihre Augen weiteten sich. »Aufsteigen? Auf was?«

Briec seufzte und ärgerte sich, dass er das wirklich zulassen wollte. »Auf meinen Rücken. Halt dich an meinen Haaren fest und klettere rauf.«

»Können wir nicht zu Fuß gehen? Ein flotter Lauf ist auch immer nett.«

»Reiz mich nicht, Frau!«

Sie sah sich verzweifelt um, suchte offenbar nach einem letzten Ausweg. Doch er gewährte ihr keinen.

»Wenn du die Reise nicht in meinen Schwanz gewickelt machen willst …«

Ihr Kopf fuhr herum. »Nein!«, schrie sie auf.

»Dann steig auf.«

Nach langem Zögern ging sie schließlich zu ihm hinüber. Mit einem tiefen Seufzen hielt sie sich an seinen Haaren fest und zog sich auf seinen Rücken hinauf. Sie versuchte zunächst, sich im Damensitz zu setzen. Und er wusste auch, warum. Bis auf ihren Dolch war sie nackt unter ihrem Nachthemd.

»Das wird nicht funktionieren, kleine Menschliche. Du wirst dich schon rittlings auf mich setzen müssen.« Er hörte ihr leises verzagtes Stöhnen und unterdrückte ein Lachen. Normalerweise hätte er sich nicht so am Unbehagen eines anderen geweidet. Aber er wusste, was sie verbarg, sobald sie die Beine über seinem Rücken spreizte. Er spürte es auf seinen Schuppen, als wäre es menschliche Haut, auf der sie saß.

Die Frau war nass. Offensichtlich hatte sie nichts gegen einen ordentlichen Streit. Er natürlich auch nicht, wenn er einen würdigen Gegner fand.

Das und dieser berauschende Geruch der Lust, und Briec wusste, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Sie gehörte ihm … bis er genug von ihr hatte.

Lächelnd breitete er seine Flügel aus und erhob sich in die Luft, während er das Gefühl dieser kleinen Menschenfrau genoss, die sich verzweifelt an seinen Rücken und seine Haare klammerte, auch wenn sie unbedingt aufschreien musste wie eine erschreckte Stute.

4

4Arzhela, die Göttin des Lichts, der Liebe und der Fruchtbarkeit, blickte finster auf den gesenkten Kopf ihrer Priesterin hinab.

»Was meinst du damit, er hat sie mitgenommen?«

Sie hörte die Frau schlucken, bevor sie antwortete. »Er hat sie mitgenommen.«

»Wer hat sie mitgenommen?« Und um ganz ehrlich zu sein: Sie fürchtete die Antwort.

»Eine groteske Bestie. Ein Dämon aus der Unterwelt. Ein Schandfleck auf …«

»Reiz mich nicht, Mer’lle!«, dröhnte die Stimme der Göttin durch den Tempel, der ihr zu Ehren errichtet worden war.

Die Frau zitterte, und Arzhela ermahnte sich, dass eine verängstigte Priesterin eine nutzlose Priesterin war.

»Erzähl mir, was die Dorfbewohner gesagt haben, Mer’lle.«

»Es war ein … Drache. Ein silberner Drache, meine Göttin.«

Arzhela wandte sich von ihrer Priesterin ab und starrte die Goldstatue an, die nach ihrem Bild geformt war. Sie holte tief Luft und sandte einen stummen Ruf an ihre Brüder und Schwestern, Göttern und Göttinnen dieser Welt, nach ihrem Schützling Ausschau zu halten. Sie konnte es sich nicht leisten, Talaith jetzt zu verlieren. Sie hatte zu viel in die Menschenfrau investiert, ihre besten Priesterinnen genutzt, um sie auszubilden. Sie vorzubereiten.

Nun war endlich die Zeit gekommen, Talaith dazu aufzurufen, ihre heilige Pflicht zu tun. Arzhela hätte sie innerhalb der nächsten Woche aufgesucht. Denn nach dem kommenden Vollmond würde ein weiterer Mond folgen. In ihrem Pantheon war jetzt die Zeit der Dunkelheit und Verzweiflung. Die Zeit, in der das dunkle Böse die Priesterinnen zwingen würde, ihre Schutzzauber um die Dörfer aufzubauen und gleichzeitig sämtliche andere Magie und Zauber auf ein Minimum zu reduzieren. Denn es war die Nacht, in der die Macht der Drachengötter uneingeschränkt über dem Land herrschen würde. Für die Brüder der Drachengötter war der Mond des Schwarzen Feuers eine mächtige und heilige Zeit, in der ihre mächtigen Hexen ihre stärkste Magie wirkten. Und eine Zeit, auf die sich einer der Drachengötter schon seit Jahrhunderten gefreut hatte. Sie wusste, dass alles, was er brauchte, sich endlich anbahnte. Alles, was er wollte, war bereit. Falls sie ihn nicht aufhalten konnte. Falls sie seine Pläne nicht vereiteln konnte. Und das bedeutete, dass sie ihren scharfzüngigen kleinen Winzling zurückhaben musste.

Und wenn es sein musste, würde sie das ganze Land auseinandernehmen, bis sie Talaith fand.

Sie brauchten länger, als Briec erwartet hatte, um zu dem nächsten sicheren Ort zu kommen, den er auf dieser Route kannte. Als er beschloss zu landen, waren beide Sonnen untergegangen, und er wusste, dass seine kleine Menschenfrau bestimmt schrecklich fror. Er hörte ihr Zähneklappern sogar über den heulenden Wind hinweg.

Seine Füße berührten festen Boden, und er versuchte, Talaith bei der Landung nicht mehr als nötig durchzurütteln. Als er über seine Schulter blickte, sah er, dass sie sich eng an seinen Rücken geklammert und das Gesicht an seinem Hals verborgen hatte. Ihre Hände waren tief in seinen Haaren vergraben, die Finger fest um dicke, silberne Strähnen geklammert. Sie sah nicht einmal auf, sondern drückte ihre Beine nur noch fester an ihn … wenn das körperlich überhaupt möglich war. Die Frau hatte bemerkenswert starke Schenkel.

Das gefiel ihm.

»Wir sind da.«

»Ist mir egal«, wütete sie an seinem Hals; ihr ganzer Körper bebte.

»Hast du vor, so zu bleiben?«

»Ja.«

»Wie lange?«

»Für immer.«

Wieso gefiel ihm das? Schnell verbannte Briec diesen lächerlichen Gedanken aus seinem Kopf. »Hör zu …«

»Nein. Ich rühre mich nicht vom Fleck. Nie mehr.«

»Wie du möchtest.«

»Du sagst das immer wieder, als würdest du es ernst meinen.«

Briec unterdrückte ein Lachen. Er erinnerte sich an etwas, das seine Schwester ihm Jahre zuvor beigebracht hatte, und zauberte rasch einen Flammenschutz um das Mädchen herum. Es war ein leichter Zauber, der nur wenige Sekunden halten würde, und er war sich sicher, dass sie es nicht einmal bemerken würde, doch ihr Körper versteifte sich und sie fragt: »Was hast du vor?«

Flammen umgaben sie, er nahm wieder seine menschliche Gestalt an und lächelte darüber, dass diese wunderschöne Frau mit gespreizten Beinen auf seinem nackten Hintern saß. Er verschränkte die Arme und legte seinen Kopf darauf, während er sich fragte, wie lange es wohl dauern würde, bis sie es bemerkte.

Fast zwei Minuten sagte sie kein Wort. Dann bewegte sie sich ein bisschen, und ihr nacktes Geschlecht – heiß und hungrig – drückte sich gegen seine Backen.

Sie keuchte entsetzt auf und setzte sich schließlich doch auf. »Was um alles …«

»Ich dachte, du wolltest dich nicht vom Fleck rühren?«