"Du erinnerst mich an Schnee" - D. Puella - E-Book

"Du erinnerst mich an Schnee" E-Book

D. Puella

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Beschreibung

Eigentlich sollte diese Geschichte eine Liebesgeschichte werden, aber das ist sie wohl nicht ganz geworden. Es wurde die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach sich selbst und ihrer Liebe zu einem Jungen, den sie nicht halten konnte. Sie liebten und hassten sich, zerstörten sich gegenseitig, auch weil sie ohne einander nicht konnten, bis alles ein sehr tragisches Ende fand. Aber diese Geschichte erzählt nicht nur von einer ungewöhnlichen Liebe, sondern wie Erlebnisse aus der Kindheit ein Leben vom Grunde zerstören können. Wie auch nur ein einziger Augenblick alles für immer ändern und eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Ein Teufelskreis, Machtlosigkeit macht sich in den Herzen breit, weglaufen zwecklos. Zum sich stellen und begreifen, sind die Liebenden zu jung und unerfahren. Alles in allem ist es eine Geschichte über Missbrauch, Sucht, Sterben, Hoffnung und Liebe geworden. Und es ist eine Geschichte die oft auf der Welt so oder ähnlich geschieht und doch ist sie nicht dieselbe.

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Seitenzahl: 389

Veröffentlichungsjahr: 2015

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D. Puella

"Du erinnerst mich an Schnee"

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5:

Kapitel 6

Impressum

Kapitel 1

Ein Erlebnis:

Es war ungefähr 14.00 Uhr als ein kleines ängstliches siebenjähriges Mädchen mit schwarzen langen Haaren, zum Zopf geflochten, an einer Tür klingelte. An einer Tür, die sich direkt neben der Tür befand, hinter der sie mit ihren Eltern und Geschwistern lebte. Ihr Herz schlug hoch, ihre Hände zitterten. Sie war voller Vorfreude auf die Katzenbabys. Ein großer Mann mit braunen, kurzen Haaren öffnete die Tür, seine Haut wirkte ungepflegt, er hatte sich wohl mehrere Tage nicht rasiert. Es war der Berufssoldat Sascha Augustin, der Lebensgefährte der Nachbarin.

„Hallo, wie geht es den Katzen“ fragte sie leise und zögerlich:

„Komm doch rein, ich beiße nicht“ und er lächelte aus seinem müden Gesicht. Sie gingen durch die Wohnung, vom Vorzimmer direkt in das Wohnzimmer, was auch gleichzeitig das Schlafzimmer war. Ein eigenartiger Geruch stieg ihr in die Nase, offensichtlich wurde die Wohnung schon länger nicht gelüftet, es roch nach Tierurin und die Rollladen waren in den Zimmern halb runter gezogen, so dass nur wenig Licht in die Wohnung dringen konnte. Die Couch, welche wohl auch als Schlafplatz diente, war durcheinander. Zigarettenstummel lagen am Boden. Neben der Couch befand sich die Kiste mit den Katzenbabys. Die großen blauen Augen des kleinen Mädchens strahlten vor Glück als sie die kleinen Katzenbabys sah, sie kniete sich zu ihnen nieder. Eines der kleinen schwarz-weißen Kätzchen nahm Kontakt zu ihren dünnen langen Fingern auf, sie wurde mit einer feuchten Nase an gestupst. Sie lachte kurz auf. In jenem Augenblick wusste das kleine Mädchen, dass sie diese eine Katze, von der sie mit der feuchten Nase an gestupst wurde, unbedingt haben wollte. Sie war so glücklich von dieser Vorstellung ihre eigene kleine Katze zu haben. Sascha stand nur da und lächelte. Er sagte erst einmal lange nichts. Er ließ das Mädchen diese Sekunden genießen, bis er dann anfing mit ihr ein Gespräch beginnen zu wollen. Sie war so vertieft in den Anblick der Katzen, dass sie ihn nur kaum wahrnahm. Er wurde immer lauter:

„JULIA, hattest du mal Haustiere, oder deine Eltern?“

„Ähm... ja, ja …. wir hatten schon viele Haustiere, so … kleine Vögel, blau-gelb...“,

„ohhhhh das ist schön..... und... ach ja, Du bist doch in Ballett... hast Du doch mal erzählt, wie oft hast du eigentlich in der Woche Unterricht?“

„.....ähm... nur einmal in der Woche am Freitag.“

Julia wollte mit Sascha nicht sprechen, sie fühlte sich in seiner Gegenwart immer merkwürdig, weil sie nicht verstand, was er manchmal von ihr wollte und sie verstand auch nicht ob das auch wirklich normal war, was er mit ihr tat. Er wollte immer, dass sie auf seinem Schoss saß, egal welche Leute noch mit im Raum waren. Aber wenn nur andere Kinder mit im Raum waren, die ohnehin nicht auf alles achteten und mit Spielen beschäftigt waren, schob er seine Hand in ihre Unterhose. Sie traute sich nie ihn zu fragen, warum er das machte. Sie war dann immer wie gelähmt, aber sie half ihm dabei dass es niemanden auffiel, weil es ihr selbst sehr peinlich war.

„Willst du die Katze haben?... Ich könnte sie dir schenken... Was hältst du davon? Natürlich nur wenn deine Eltern einverstanden sind“ sagte Sascha mit leicht aufgeregter Stimme.

„Was?... Ehrlich?.. Das wäre so schön, ich werde alles dafür tun, dass ich meine Eltern überreden kann.“. Sie sprang auf und wollte ihm schon am liebsten um den Hals fallen, aber ihre Scham und ihr Ekel vor diesem Mann hielten sie davor zurück.

„Aber Julia, die Kätzchen verkaufen wir eigentlich für sehr viel Geld, aber da ich weiß, dass deine Eltern nicht viel Geld haben, habe ich eine Idee. Wenn du ganz lieb zu mir bist, dann bekommst du sie umsonst“. Julia sank wieder auf die Knie, mit ihren Finger streichelte sie die kleine Katze die sie unbedingt haben wollte.

„Hm, ich weiß nicht genau wie ich lieb sein soll? Ich bin doch immer lieb“ sagte sie leise, ohne ihren Blick von der Katze zu wenden.

„Ich möchte, dass du mir vertraust. Ich möchte, dass du keine Angst hast, es ist nichts Schlimmes, es ist nur lieb zueinander sein, glaub mir es ist nichts Schlimmes“ sie sah ihn erschrocken an „ich weiß nicht so recht“ er nahm ihre Hand und zog sie nach oben.

„Ich möchte nur, dass du dich ausziehst, wie als wenn du Baden gehen willst, das machst du doch zuhause auch, also es ist nichts Schlimmes“. Sie dachte sich, na ja vielleicht hat er ja recht und es ist nichts Schlimmes und sie bekommt dafür etwas was sehr sehr teuer ist, ihre erste eigene Katze. Nicht mehr irgendwelche Stofftiere, sondern ein richtiges kleines Wesen, was man füttern und liebhaben kann. Sie fing an sich langsam auszuziehen, er ging in das Badezimmer und zog sich dort aus. Sie war noch nicht ganz entkleidet als er nackt vor ihr stand. Sie erschrak, er war überall sehr behaart und zwischen seinen Beinen baumelte etwas, was in ihr Ekel auslöste und Angst machte. Sie mochte keine nackten Männer, deren Anblick befremdete sie schon immer. Er zog sie auf die Couch. In seinen Händen wurde ihr Körper wie Stein, hart und kalt. Sie brachte keinen Ton mehr raus, sie wollte wegrennen, aber sie konnte nicht mehr, ihre Beine waren nicht mehr ihre Beine, ihr Mund war nicht mehr ihr Mund, ihr gesamter Körper war nicht mehr ihr Körper. Er küsste sie, in ihrem Mund war eine glitschige lange Zunge, sie hatte das Gefühl ersticken zu müssen. Sie wusste auch überhaupt nicht, was sie mit ihrer Zunge machen sollte. Für einen Augenblick dachte sie, dass sie jetzt sterben muss. Ihr war es anerzogen, Erwachsenen immer Folge zu leisten und er war auch kein Fremder. Sie versuchte ihm zu vertrauen, er hat ihr gesagt, dass sei nur „lieb zu einander sein“. Sie versuchte sich mit diesem Gedanken zu beruhigen. Der Kuss dauerte für sie eine gefühlte Ewigkeit doch dann verließ er mit seiner übel riechenden Zunge ihren Mund. Er erhob sich von der Couch um sich vor ihr hinzustellen.

„Sei lieb zu ihm, streichele ihn so wie du das Kätzchen gestreichelt hast, denk dir das wäre dein Kätzchen“ sie wusste nichts und sie konnte auch nichts mehr sagen, sie wollte auch nichts mehr, nur diesen Raum für immer verlassen, das war ihr einziger Wunsch. Sie zögerte weil sie ihn auch nicht verstand. Er wiederholte immer wieder, dass sie ihn streicheln solle, doch sie konnte sich einfach nicht bewegen, doch dann nahm er ihre Hand und zeigte ihr, was er von ihr wollte.

„So sollst du das machen, es ist echt nichts Schlimmes, wirklich, das ist auch ein Kätzchen“, aber jedes Mal, wenn er ihre Hand wieder los ließ, sank die Hand zu Boden.

„So wird das doch nichts, wenn du nichts tust! Warum sollte ich dir dann so eine teure Katze geben?... und mach deine Beine auseinander!!!... Julia du bist einfach überhaupt nicht lieb!“ Er nahm wieder ihre Hand, er stöhnte leicht, sie versuchte ohne hinzuschauen hin und her zu streichen mit steifer Hand.

„Weißt du was Kätzchen auch ganz besonders gern haben, wenn man sie küsst“ er stöhnte erneut und nahm ihren Kopf, angewidert versuchte sie auszuweichen. Immer wieder nahm er ihren Kopf, während er stöhnend sagte:

„Mach gefälligst den Mund auf“. Sie schloss ihre Augen, sie drohte erneut zu ersticken und eine Träne rann über ihr Gesicht, bis etwas Nasses, Schleimiges aus ihrem Mund über ihr Gesicht, über ihren Hals herunter lief und auf ihre Beine tropfte. Daraufhin ging Sascha wieder in sein Badezimmer und holte ein Badehandtuch was er auf sie warf. Nachdem sie sich abgewischt hatte zog sie sich schnell an. Sie wusste nicht was sie denken sollte, sie wollte das nur vergessen.

„Aber Julia, das ist unser Geheimnis, denk daran“ sagte er als sie Richtung Tür ging, sie sah nur zu Boden und erwiderte kein Wort. Er stand immer noch nackt im Wohnzimmer als die Tür hinter ihr wieder ins Schloss fiel.

Kapitel 2

Als Julia Lukas kennenlernte (Anfangsphase):

Aus der kleinen Julia ist ein junges 16-jähriges Mädchen geworden, ihre langen Haare hat sie beibehalten. Sie ging hier und da mit Freunden fort. Sie hatte eine sehr gute Freundin, namens Fiona Schmidt, mit der sie ihre meiste Freizeit verbrachte. An jenem Tag wurde sie und Fiona in ein Haus in Fischbach eingeladen, 20 Autominuten von ihrem Wohnort entfernt. Um 20.00 Uhr wurden die zwei bei Fiona abgeholt. Während der Fahrt wäre Julia beinahe eingeschlafen, denn auf der Fahrt waren wenig Lichter zu sehen und es war kalt und dunkel. Dort angekommen fing Fiona, die einen kurzen Minirock trug, alsbald an mit dem Hausherren, Sebastian Morines, zu kokettieren.

„Hey Leute, ich habe eine coole Idee, lasst uns Plätzchen backen“ rief Sebastian in die Gruppe. Diese Idee wurde allseits bejaht. Die Eltern waren zum Glück nicht da. Julia war immer noch im Halbschlaf. Fiona dagegen schien äußerst munter mit ihren kurzen, blond gelockten Haaren, die ihr wild ins Gesicht fielen. Es war alles hell und fröhlich. So standen die jungen Leute in der modern eingerichteten, hellen Küche eines gepflegten Reihenhauses in Fischbach und veranstalteten mit dem Mehl eine kleine Sauerei. Aber alle lachten fröhlich. Doch da war dieser Lukas, der Julia sofort aufgefallen ist, sie fand ihn sehr unterhaltsam und frech, sein Lachen gefiel ihr. Er hatte schönes, schwarzes, etwas längeres Haar und hellblaue Augen. Es wurde nicht wenig Wein getrunken. Als die Plätzchen fertig waren, begannen sich Gruppen zu bilden die sich kurze Zeit später trennten. Julia befand sich mit Lukas im Elternschlafzimmer. Fiona war mit Sebastian im Wohnzimmer geblieben, während die anderen noch in der Küche Alkohol tranken und rauchten. Julia saß mit Lukas auf dem Bett und sie redeten und redeten und beide lachten. Sie hatte wohl zu viel getrunken, so dass sie irgendwann auf dem Bett umkippte, er wollte sie küssen, doch sie wich seinen Lippen aus. Sie war einfach nur müde, sie drehte sich von ihm weg und wollte sich wohl kurz ausruhen. Doch plötzlich glitten Lukas' Hände unter ihren rot-weiß gestreiften Pullover. Kurz war sie wie benebelt und ließ die Berührung zu, zumal ihr auch der Rotwein zu Kopf gestiegen war. Aber nur kurz, denn dann sprang sie sehr schnell auf, sie fühlte sich angewidert, sie schämte sich, sie schämte sich für die Berührung und für ihren Körper. Eine nackte Hand auf ihrer nackten Haut, ihre Haut die etwas fühlen wollte, aber ihre Seele die das nicht akzeptieren kann, will und wird.

„Ich muss unbedingt nach Hause, ich habe vollkommen die Zeit vergessen“ sagte sie kurz bevor sie die Tür aufmachte um rauszugehen, Lukas folgte ihr. Sofort suchte Julia Fiona, musste allerdings nicht lange suchen, sie war noch in ein Gespräch mit Sebastian vertieft. Aber es bedurfte keiner langen Überredungskünste bis sie beide von Lukas heimgefahren wurden, der sich gleich freundlich dazu angeboten hatte.

Es vergingen einige Tage und Wochen ohne Kontakt doch eines Tages, da rief Lukas bei den Eltern von Julia an. Sie freute sich sehr über seinen Anruf und war verblüfft zugleich, sie hat nicht mehr daran gedacht, dass er sich noch bei ihr melden würde. Das war der Anfang einer langen und sehr intensiven, tiefen Freundschaft. Eine Freundschaft die wenig Grenzen kannte, eine Freundschaft die sich nicht mal selbst kannte, die nicht wusste warum und weshalb sie so tief war, nur dass sie sehr tiefe Wurzeln hatte, nahezu untrennbar wurde. Er wurde ihr Vater, ihr einziger richtiger Bruder, ihr Verbündeter, ihre einzige Schwester, ihr bester Freund, ihr Vertrauter. Lukas war sehr intelligent, aufstrebend und keineswegs hässlich, eher schien er eitel und sehr gepflegt zu sein, aber das änderte nichts daran, dass Julia ihn nicht sexuell anziehend fand, denn sie konnte zu keinem Mann eine sexuelle Anziehung aufbauen. Sie hatte keinen Bedarf, bzw. keinen Wunsch sich von Männern berühren zu lassen, ihr Körper hatte Sehnsucht nach Nähe, aber ihr Verstand konnte das nicht zulassen. Bei jedem Mal wenn sie es doch tat, empfand sie so einen Hass, Ekel und Wut gegen sich selbst, dass sie solche Erlebnisse immer schnell wieder vergessen wollte. Wenn sie mit Lukas und seinen Freunden unterwegs war und von Jungs angemacht wurde, spielte sie mit diesen Jungs und für Lukas wurde das immer zu einer schweren Belastungsprobe. Für Julia war das irgendwie so eine Art Spiegel, denn wenn Jungs sie gut fanden, dann fühlte sie sich gut, weil sie dachte dann ist sie vielleicht doch nicht so fett und hässlich wie sie sich selbst immer fühlte und sah. Sie wollte lange nicht merken, was das für Lukas wirklich bedeutete. Lukas empfand Julia als sehr anziehend, er hatte sich an jenem Abend im Hause von Sebastian in sie verliebt. Unendlich viele Stunden saß er mit Julia in seinem Auto, fuhr mit ihr irgendwo hin, nur um in ihrer Nähe zu sein, hörte sich all das an was sie zu sagen hatte. Hauptsache er habe sie um sich und höre ihre Stimme. Sein erstes Auto war lustig giftgrün. Oft haben sie so lange im Auto gesessen bis es gar nicht mehr angesprungen ist, weil die Musik zu lange lief. Lukas und Julia hatten eine Lieblingsstelle für dieses im Auto-herum-sitzen, es war ein eingezäunter Sportplatz, welcher so hoch mit Gras bewachsen war, dass sich beide fragten, wie man da wohl noch Sport treiben konnte. Es gab selten einen Tag, an dem sich die beiden nicht nach der Arbeit von Julia trafen. Aber es fing sehr bald an, dass Lukas allmählich immer unzufriedener wurde, er wollte sogar die Freundschaft beenden, wenn Julia nicht langsam anfangen würde, mehr Körperkontakt zuzulassen. Es war an einem kalten Tag im Oktober, als er ihr das sehr deutlich mitteilte. Es war schon dunkel, das viele hellgelb-grüne Laub auf dem Boden erhellte die Straßen. Und sie saßen wiedermal im geparkten Auto gegenüber vom Sportplatz, das Radio lief.

„Julia, ich muss was ganz Ernstes mit dir besprechen.“

„Was ist denn los mit dir?“

„Ich habe gemerkt, dass ich so nicht mehr mit dir befreundet sein kann. Es ist besser für uns beide.“

„Es tut mir wirklich leid, dass du so empfindest. Ich finde es schön so, wie es zwischen uns ist. Du leider nicht.“

„Du wirst wieder neue Freunde finden. Klar ist es schön für dich, wenn ich dich in der Gegend herumfahre, aber das reicht mir einfach nicht mehr und das weißt du auch. Du findest es lästig, wenn ich dich berühren will. Ja, ich will dich berühren, ich will dich küssen und ich darf es nicht. Ich will keine normale Freundschaft mit dir und das macht mich einfach traurig. Ich werde dich jetzt heimfahren und wir werden uns vielleicht nie wieder sehen.“

„Ach Lukas, ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll. Wir haben uns jetzt fast täglich gesehen. Sicher werde ich dich sehr vermissen. Ja, fahr mich heim.“

Während der kurzen Fahrt sprachen sie kein Wort mehr miteinander.

In Gedanken versunken lief sie die Treppen hoch, in den vierten Stock, in die fünf Zimmer-Wohnung mit Balkon, ihrer Eltern. Ihr Vater, Levente Kovasz, war gerade am Baden als sie ins Badezimmer ging um ihre Hände zu waschen. Ihr Vater sperrte beim Baden nie die Tür ab. Sie fühlte sich eigenartig, sie wusste nicht was sie tun soll. Ihr Vater merkte, dass sie sehr in ihren Gedanken vertieft war:

„Und: Warst du wieder mit diesem Lukas unterwegs?“ Sie setzte sich auf den Badewannenrand und erzählte ihrem Vater von den Wünschen ihres Freundes.

„Julia, du musst wissen, ob du eine ernsthafte Beziehung möchtest, wenn du das nicht möchtest, dann musst du das lassen“. Sie erwiderte:

„Ich glaube, ich bin noch nicht soweit für eine richtige Beziehung, oder vielleicht ist er nicht der Richtige dazu, aber ich verstehe mich sehr gut mit ihm und ich fühle mich sehr wohl bei ihm, aber es ist sicher besser das Ganze zu beenden.“

„Siehst du, ich finde auch du solltest das beenden, der Junge leidet nur unter so einer Freundschaft, du solltest ihn wirklich in Ruhe lassen und ihm nicht immer wieder Hoffnungen machen.“

In der darauffolgenden Zeit hat Julia wirklich versucht, diese Freundschaft zu beenden, aber es gelang ihr nicht. Lukas gab Julia ein Gefühl, nachdem sie von Tag zu Tag mehr süchtig wurde. Es war das Gefühl von Zuhause, das Gefühl geliebt und angenommen zu werden, dieses Gefühl kannte sie vorher nicht, oder nur kaum. Sie wurde von zwei ihrer drei Brüder gehänselt seitdem sie denken konnte und war der Überzeugung, dass ihr Vater sie nicht ertragen konnte. Es gab nur ihre Mutter von der sie sich geliebt gefühlt hat oder ihrer Oma, die in Rumänien lebte. Lukas wurde für sie die Familie die sie nie hatte. Sie war nicht in der Lage körperliche Nähe zu ihm zuzulassen aber sie musste ihm nah sein, sie musste seine Stimme hören, allein seine Stimme vermochte sie zu beruhigen, wenn es ihr mal schlecht ging. Und umgekehrt war es wohl nicht anderes. Weder Julia noch Lukas hatten Vernunft was diese Freundschaft betraf. Sie war nicht wirklich gut zu ihm und er nicht immer gut zu ihr. Er musste verstehen, dass er sie nicht anfassen darf, was er allerdings leider nie verstand. Sie litt oft darunter, dass immer wieder etwas gegen ihren Willen geschah. Aber auch Julia hat Fehler gemacht, sie hat ihn nicht richtig zu schätzen gewusst, weder für das was er für sie tat, noch für das was er nicht für sie tat, obwohl er alles für sie war, was sie besaß. Drogen linderten ihrer beider Schmerz und ließ sie beide immer wieder vergessen.

An einen Tag sollte sich Julia ein Leben lang zurückerinnern, es war ein Tag im Dezember, es war frischer Schnee gefallen. Er holte sie, wie so oft, mit seinem giftgrünen Auto ab. Er parkte immer gegenüber von ihrem Fenster, so dass sie, wenn sie aus ihrem Fenster sah, einen direkten Blick auf sein Auto hatte. Er blieb immer in seinem Auto, hat auch niemals zu ihr hoch gesehen wenn er auf sie wartete. Sie eilte sofort aus der Wohnung ihrer Eltern und lief die Treppen runter.

„Hallo Lukas.“

„Hallo Julia“ grinste er sie an und dann fuhren sie los.

„Wo willst du hinfahren Julia?“

„Mir egal, wohin du willst, ich will einfach nur irgendwo raus in den Schnee, ich liebe Schnee“ dann kicherte sie fröhlich.

Lukas ist einfach erst mal ziellos umher gefahren. Alles duftete nach frischem Schnee. Als Lukas in eine ländliche Gegend fuhr mit viel Ackerland, fing Julia's Herz an zu pochen und sie wurde ganz aufgeregt.

„Kannst du bitte anhalten, ich möchte unbedingt in den Schnee, hier ist es wundervoll.“ Beide stiegen aus, der Schnee war sehr hoch und Julia sank zu Boden, sie wollte sich am liebsten in den Schnee legen. Der Himmel war sternenklar. Sie nahm seine Hand und zog sich wieder hoch. Sie umarmte ihn innig. Sie war so ergriffen von allem, dem Duft des Schnees, den Sternen und von Lukas, der ihr das erst ermöglicht hatte. Ihr Blick war hoch in den Himmel gerichtet und sie wollte tanzen. Das war einer der schönsten Momente ihres Lebens. Auch wenn dieser Moment so schön war hielten es beide nicht allzu lange aus, denn allmählich merkten sie die Kälte, die der Schnee nun mal mit sich brachte.

Lukas versuchte sich daran zu gewöhnen, dass es keinen oder nur wenig Körperkontakt gab. Weil er sie liebte. Manchmal gelang es ihm und manchmal konnte er es nicht aushalten und suchte deswegen Streit mit ihr. Sie schrieben sich viele Briefe und telefonierten oft. So richtig Schluss machen wollte er ungefähr ein Jahr, nachdem sie sich bereits kannten. In einem Brief versuchte er sich zu erklären. Es war einer von vielen Versuchen die Freundschaft zu beenden:

14.01.1993

Hallo Kleine

Abschiedsbrief

Irgendwie gehen wir uns doch zurzeit nur noch auf die Nerven. Deswegen ist es besser, dass wir uns gar nicht mehr sehen! Auch wenn es für mich schwer ist, Dir das sagen zu müssen, ist es trotzdem besser so. Ich war wirklich verliebt und bin es vielleicht immer noch, aber da Du in diesem Dingen alles etwas anders siehst, wären wir nie richtig glücklich geworden. Für Dich war das immer ganz schön, wenn ich Dich abgeholt habe und wenn Du mit mir über alles reden konntest, aber ich war mit dem, was Du mir gegeben hast irgendwie nie zufrieden: Einerseits hatte ich das Gefühl, Du magst mich nicht nur so als „normalen“ Freund haben, sondern mehr, aber auf der anderen Seite wolltest Du immer nicht so ganz sagen, was Du wirklich denkst. Und damit komme ich zurzeit nicht mehr zurecht. In der Woche, in der Du in Rumänien warst, ist es mir in Wirklichkeit total gut gegangen, weil ich mit anderen mal wieder weggehen konnte und nicht immer irgendwelche Gewissensbisse haben musste, was Du jetzt wohl machst, oder ob Du sauer auf mich bist, wenn ich mal keine Zeit für Dich hatte. Du denkst jetzt bestimmt wieder, dass wir doch so noch Freunde bleiben können und uns vielleicht nur noch 2 x in der Woche sehen. Aber für mich gibt es nur die Entscheidung, dass wir getrennte Wege gehen sollten, weil ich Dich nicht als normale Freundin betrachten kann und eigentlich auch gar nicht möchte! Auch wenn Du jetzt denkst, dass ich total verrückt geworden bin, ist das mein voller Ernst, dass ich Dich nicht mehr sehen möchte! Also dann LEBE WOHL JULIA Dein (durchgestrichen) Lukas

PS: Take it easy!

PPS: Julia, es tut mir wirklich leid, das jetzt alles so gekommen ist, aber ich hab das schon seit einigen Wochen geahnt. Früher oder später hätten sich unsere Wege sowieso getrennt. Du bist zwar nicht daran schuld, aber ich kann einfach nicht mehr so weitermachen, wir waren irgendwie doch zu verschieden. Also, bye und ich ruf Dich mal irgendwann wieder an....oder auch nie wieder

HDL Lukas

Ohne Datum:

Hi Julia!

Bitte komme zu mir! Ich muss mit dir reden! Ich kann die ganze Zeit an nichts anders denken. Ich weiß nicht, was ich machen soll? Bitte lass uns über alles reden, sonst weiß ich auch nicht, wie das alles weitergehen soll. Ich brauche dich und das weißt du! Bitte lass mich jetzt nicht alleine! Bye Dein Lukas.

Kapitel 3

Julias Tagebuch:

15.05.1993

Liebes Tagebuch

Also zunächst stelle ich mich erst einmal vor, ich heiße Julia Kovasz und ich bin 19 Jahre alt seit genau einem Monat und 2 Tagen. Im Moment befinde ich mich in einem Büro in dem ich als Bürokauffrau im zweiten Lehrjahr arbeite. Es kann sein, dass ich daher öfter unterbrochen werde, weil ich keine reguläre Pause habe. Eigentlich wollte ich kein Tagebuch mehr schreiben, aber irgendetwas fehlt mir wenn ich keines schreibe, na ja ist ja egal!

Die letzten Sätze hören sich, um ehrlich zu sein, etwas komisch an, vielleicht bin ich ja heute etwas blöd? Mir geht es soweit ganz gut heute ist Freitag 11.00 Uhr, also bald Wochenende. Heute holt mich mein bester Freund Lukas (du wirst noch viel von ihm hören) ab. Er holt mich fast immer von der Arbeit ab. Ich freue mich schon riesig hier endlich weg zu kommen und vor allem auf mein Wochenende!! Juhu. Bussi

16.05.1993

Liebes Tagebuch

Erst gestern hatte ich meinen ersten Eintrag in dieses neue schöne Buch gemacht. Und heute kann ich dir auch schon erzählen, dass eine sehr gute Freundin von früher aus Berlin zu mir kommt, in wenigen Minuten müsste es an der Tür klingeln, sie hat heute früh angerufen und mich gefragt, ob sie paar Tage zu Besuch kommen kann. Ich bin schon ganz aufgeregt. Sie heißt Lydia und sie war schon lange nicht mehr bei mir. Sobald Lydia wieder zurückgefahren ist, schreibe ich dir mehr, versprochen.

17.05.1993

Hallo Julia!

Ich sitze gerade in der Schule und wir haben gerade Bio. Da heute niemand neben mir sitzt und ich ganz alleine bin (schnief), kann ich Dir einen kleinen Brief schreiben. Da wir sowieso keine Noten mehr bekommen und noch reden und so, muss ich auch nicht mehr so aufpassen. Außerdem bekomme ich sowieso 13 P. in Bio. Na ja, das wird dich bestimmt alles nicht interessieren. Hmm, wie hat es Dir eigentlich gestern mit den ganzen anderen gefallen? War doch eigentlich ganz lustig, oder? Du hast jetzt gerade bestimmt viel zu tun? Vielleicht hattest Du schon ein bisschen Zeit, um mir ein kleines Fax zu schicken? Warum hast Du gestern eigentlich wieder so böse geschaut, wie ich mich mit der Lydia unterhalten habe? Wir haben doch nicht über dich gelästert oder so. Wir haben uns nur darüber unterhalten, wie es früher war, was ihr zwei immer so gemacht habt. Und ich finde es dann immer komisch von Dir, wenn Du dann herum spinnst. Wenn irgendetwas ist, was Dir nicht passt. Und Du kannst mir doch vertrauen. Na ja, was soll ich Dir noch viel schreiben? Jedenfalls habe ich mich wirklich sehr gefreut, Dich zu sehen. Zurzeit träume ich oft was von Dir. WIRKLICH! Und ich denke auch oft über Dich nach. Ich weiß auch nicht wieso. Vielleicht weil Du für mich zurzeit so wichtig bist. Ich kann Dir auch nicht erklären, warum das so ist. Auch wenn Du vielleicht manchmal denkst, dass Du mir nicht so wichtig bist, kannst Du mir das trotzdem glauben. Ich habe mich in letzter Zeit vielleicht manchmal nicht so nett gegenüber Dir verhalten und es tut mir wirklich leid. Aber ich hoffe Du verstehst mich irgendwie oder versuchst es zumindest? Und Du weißt gar nicht, wie froh ich bin, dass Du da bist. Na ja, Du wirst jetzt wieder irgendetwas denken. Hmm, vergesse mich nicht und schreib mal irgendwann wieder so nen Brief wie den letzten. Habe mich wirklich gefreut. Also, wir haben jetzt gleich eine Pause. Ich schreibe Dir dann vielleicht noch was. Oh man, wir reden die ganze Zeit nur über Seen und wo welche Pflanzen leben und lauter so ein Zeug. Was machst Du wohl gerade, welche Wolke schwebt wohl über Dir? Hmm, na ja, Du hast bestimmt viel zu tun, aber vielleicht rennst Du auch in irgendwelchen Blumengeschäften herum. Soll nicht böse gemeint sein! Jetzt habe ich Dir schon zwei Seiten geschrieben und die anderen langweilen sich nur. Jetzt rennen alle raus und gehen aufs Klo (in Wirklichkeit gehen aber alle eine rauchen). Na ja jetzt sind nur 6 von 20 da. Aber die werden gleich wieder kommen, weil wir schon wieder Unterricht haben. Weil eigentlich hätten wir noch Geschichte bis um 15.45 Uhr. Aber wir haben ausgemacht, dass wir alle nicht hingehen, weil wir keine Lust haben. Falls Du willst, kann ich Dich ja abholen. Mal schau'n. Bin ja gespannt, wann ich mal ein kleines Geschenk von Dir bekomme? Es geht ja nicht um das Geschenk, sondern darum, dass Du manchmal leere Versprechungen machst, jeder hat so seine Fehler. Sei bitte nicht gleich wieder sauer.

Ich wollte Dir schon lange mal wieder einen etwas längeren Brief schreiben. Auch wenn dieser Brief vielleicht auch an einigen Stellen vielleicht komisch geschrieben ist, aber das liegt daran, dass ich auch ein bisschen aufpassen muss, was wir hier gerade durchnehmen und dann kann ich mich nicht voll darauf konzentrieren, was ich Dir jetzt so schreibe. Aber Du freust dich bestimmt trotzdem über den Brief, oder? Jetzt ist es 15 vor 13 Uhr. Wir sehen uns ja heute vielleicht noch. Dann kann ich Dir ja den Brief geben. Also, habe Dich ganz arg lieb. HDL; HDL; HDL; HDL.....

Dein Lukas

PS: Muss die ganze Zeit an Dich denken! Vielleicht denkst Du gerade auch an mich? Bye

Fax an Lukas 18.05.1993 gefaxt um 09.48 Uhr

Hallo Lukas

Hiermit möchte ich mich offiziell für gestern entschuldigen. Es war vielleicht echt nicht richtig so zu Dir zu sein, wie ich es eben leider war. Aber es ist alles irgendwie komisch, ich weiß auch nicht genau weshalb. Vielleicht weil die Lydia da ist, sie lenkt mich schon ein wenig von allem ab. Heute werden wir einen Videoabend machen. Wir verstehen uns schon gut. Aber wir können irgendwie nie über ernste Themen reden. Bei uns gibt es kein Vorher oder Nachher mehr, es gibt nur noch die Erinnerung an damals, in der wir uns beide befinden mit der gleichen Sprache mit dem gleichen Gefühl und mit dem gleichen Geruch in unseren Nasen. Aber Du hättest ein wenig neutraler sein können, aber ist ja eigentlich egal. Nur hoffe ich, dass Du mir nicht mehr böse bist. Und somit verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Hochachtungsvoll Juli.

PS: Heute früh hatte ich wiedermal überhaupt keine Lust arbeiten zu gehen. Ich bin dann mit dem Fahrrad in die Arbeit gefahren. Für Dich hoffe ich, dass Du deine Kunstklausur gut überstanden hast. Aber sicherlich hast Du das, ich glaube an Dich. Schönen Tag noch.

25.05.1993

Liebes Tagebuch

Lydia ist vor zwei Tagen wieder gefahren, sie fehlt mir irgendwie. Aber etwas anderes ist geschehen, etwas Eigenartiges von dem ich dir unbedingt erzählen muss. Gerade ist es 20.45 Uhr. Lukas hat mich heute von der Berufsschule abgeholt. Meine Berufsschule ist nicht so weit entfernt von seinem Elternhaus.

„Hast du Hunger? Was hältst du von Pizza und dann zu mir einen Film schauen vielleicht“ das hat er zu mir gesagt und daraufhin meinte ich:

„Ja klingt gut, können wir so machen“. Dann sind wir zu der Kaserne gefahren da sind immer ganz viele Pizza-Stände, also viel Auswahl. Ich bestellte für mich Pizza-Susi es war Pizza mit Spinat und einem Spiegelei mitten drauf. Lukas bestellte sich Pizza Hawaii. Dann holten wir noch schnell einen Film aus der Videothek. Lukas' Eltern wohnten auch im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses, es gab leider keinen Aufzug. Wir liefen hoch. Während wir so die Treppen hoch liefen wünschte ich mir insgeheim dass seine Eltern nicht da seien. Ich spreche ja nie viel mit seinen Eltern. Seine Mutter steht meist ausdruckslos in ihrer Küche. Sein Vater ist irgendwie freundlicher, auch wenn er nie was zu mir sagt. Die Wohnung ist einfach aber sauber und gemütlich eingerichtet. Drei Zimmer. Sein Zimmer ist klein. Es ist ein dünnes, schmales Zimmer mit einem Teppichboden mit blauen Mustern. Auf der einen Seite des Zimmers ist ein kleiner Fernseher, ein ganz kleiner, und auf der anderen Seite befindet sich eine Schreibtischwand mit Computer. Ich sitze sehr oft an diesem Computer. Meist spiele ich ein Spiel, so ein Kartenspiel, während Lukas drängelt dass ich aufhören soll. Ist immer lustig. Aber es ist auch oft so, das Lukas lernt während ich am PC sitze. Manchmal spielt er ein Spiel, so ein Zombie-Spiel, und ich helfe ihm mit meinen Tipps dabei, weil da oft so Rätsel sind, das liebe ich am meisten.

Dann aßen wir unsere Pizzen. Meine Pizza war nicht so gut, weil das Spiegelei auf der Pizza noch halb roh war, iiiihhh. Nachdem wir uns hinlegten und den Film anmachten, fing Lukas langsam an seine Hand in meine Hose zu stecken. Ich wehrte mich nicht, weil seine Hand sich angenehm anfühlte. Es war komisch, ich fühlte in jenem Augenblick meinen Körper. Deswegen habe ich nicht, wie sonst bei anderen Jungs immer, die Situation beendet. Seine feinen Finger drangen in mich ein und ich ließ es zu. Erst war es ein Finger, dann zwei, dann drei. Ich hatte ein Gefühl, was immer intensiver wurde, ich habe so etwas noch nie gespürt. Ich ließ es bis zu einem gewissen Punkt zu, bis ich vor mir selbst erschrak und von mir selbst angewidert aufsprang:

„Lukas, ich muss sofort heim“. Ich empfand alles nur noch als widerlich. Mich und ihn, die Pizza, den Film, das Bett, mich und nochmals mich. Ich glaube ich werde Pizza-Susi nie vergessen. Ich habe etwas Eigenartiges in meinem Körper gefühlt, aber ich habe mich dann so vor mir geekelt. Ich kann das noch nicht. Ich habe vorhin ganz lange gebadet. Ich wollte all den Ekel abwaschen. Ich verstehe mich gerade nicht es war eigentlich ein sehr schönes Gefühl, seine Finger in mir, ich war wie gelähmt. Aber diese Worte „seine Finger in mir“ das hört sich für mich so grausam an, diese vier Worte, genau diese erregen Ekel, warum, frage ich mich gerade??? Vielleicht weil seine Finger an einem Ort der höchsten Scham für mich waren?? Und dass ich dabei noch ein schönes Gefühl hatte. Oh mein Gott. Ich will es vergessen. Ich konnte keine weitere Berührung mehr zulassen. Eigentlich will ich auch gar nicht zulassen, dass mein Körper etwas Positives bei solchen Berührungen empfindet. Mein Körper will einfach nicht auf mich hören!! Besser so etwas passiert nie wieder!! Aber was mich wundert, er war ziemlich weit mit mehreren Fingern in mir, hätte er nicht mein Jungfernhäutchen spüren müssen? Warum fühle ich mich ohnehin nicht als Jungfrau? Was ist noch alles passiert, als ich ein Kind war? Bin ich bereits defloriert??

Lukas hat mich trotz meines Verhaltens lieb nach Hause gefahren. Ich habe ihn gebeten so etwas nie wieder zu tun. Ich hoffe, er wird sein Wort halten. Gute Nacht liebes Tagebuch. Am besten ich vergesse ganz schnell was heute alles passiert ist!

Brief an Lukas 27.05.1993

Hallo Lukas,

ich schreibe Dir den Brief von gestern noch mal, denn ich habe den Brief mit einem hellen Stift geschrieben, - zu meinem Bedauern -:

Ich weiß nicht genau warum ich Dir jetzt schreibe, vielleicht wohl deshalb, weil ich Dir vieles am Telefon nicht sagen konnte. Mir kommt der Mensch so lächerlich vor, ich komme mir lächerlich vor, jedes Wort von mir ist es. Es ist gerade 22.05 Uhr und wir haben eben aufgehört miteinander zu telefonieren, ich bin so müde, aber nicht der Tag hat mich so erschöpft, es ist mein täglicher Kampf, der mich so erschöpft hat. Ich habe Durst, es durstet mich nach Vergeltung. Um ehrlich zu sein, ich glaube nicht, dass ich Dir helfen könnte, helfen kannst du Dir nur selbst, obgleich ich auch nicht weiß ob es richtig wäre. Ich habe mit so vielen Worten im Kopf angefangen diesen Brief zu schreiben, aber jetzt ist alles wieder leer. Glaub mir, ein Teil in Deinem Leben zu sein, gibt mir jeden Tag Kraft und Mut, egal welchen Platz ich auch in Deinem Herzen einnehmen mag. Ich bin mir sicher, niemand wird Dich jemals besser verstehen als ich, mag sein, dass ein anderer Deine Eigenarten mit Schonung behandeln wird, die ich beleidigte. Aber ich glaube, Du wirst eine bessere Freundin haben als mich, aber niemals eine bessere Schwester. Ein Gedanke lässt mich so schwer los, so gerne wollte und will ich vollkommen sein, aber Vollkommenheit gibt es nicht, diese Tatsache zu begreifen erscheint mir als eines der höchsten Triumphe eines Menschengeistes, habe ich mal gelesen, sie begehren, um sie zu besitzen, ist anscheinend wohl eine der gefährlichsten Torheiten. Wenn ich das Fenster öffne sehe ich auch keine Unendlichkeit, obwohl der Himmel sich so anfühlt als hätte er keine Grenzen. Ich kann mir überhaupt keine Vorstellung von etwas Endlosem machen, ich, die gestern erst geboren ist und die die Welt morgen schon wieder verlassen muss. Ich bewundere den Himmel und falle wunschlos vor ihm auf die Knie. Anscheinend ist für uns Menschen die Vollkommenheit ebenso wenig vorhanden wie die Unendlichkeit. Oder was meinst Du? Es heißt, wir sollten es nirgends suchen, von nichts fordern, weder von der Liebe noch von der Schönheit, weder vom Glück noch von der Tugend, aber man muss sie lieben, wenn man so tugendhaft, schön und glücklich sein will, wie es der Mensch nun einmal sein kann. Das habe ich auch irgendwo mal gelesen. Aber ich habe mich selbst in eine Welt rein gequetscht ohne zu wissen, welchen Schaden ich davon tragen würde. Die letzten Monate, das war nicht ich, ich habe mich selbst geschändet, da war mir alles egal, das gebe ich wohl zu. Aber heute bin ich wieder erwacht und nun sehe ich die Dinge nüchtern und ich erkenne mich selbst hinter all den Masken und Spielen, die auch mich verwirrten. Und weißt Du was mir Leid tut, dass ich den falschen Menschen einen Teil von mir gegeben habe, die mein Geschenk an sie nicht würdigen konnten, aber meine Unschuld konnte mir dennoch keiner nehmen. Ich fühle mich so unschuldig wie ein kleines Mädchen und doch bin ich eine Frau. Allerdings habe ich meinen Glauben an die Liebe ebenso verloren und das tut mir noch mehr leid: Es gibt keine Liebe! Weißt Du was Liebe ist? Ich weiß es nicht, habe oft das Gefühl gehabt es gefunden zu haben, hinterher hat sich nur herausgestellt, dass es nur der Wunsch danach war der mich träumen ließ. Ich glaube nicht, dass mich jemals jemand außer natürlich meinen Eltern geliebt hat. Aber wenn Begierde Liebe ist, dann muss ich sagen, dass ich geliebt worden bin, aber Liebe ist doch viel mehr, oder? Uns beide verbindet etwas viel Stärkeres als es die Liebe vermag, es ist die Freundschaft. Verzeih mir meinen Blödsinn aber es ist schon spät und eigentlich wollte ich Dir anderes schreiben, aber ich kann Dir nichts schreiben ohne aufpassen zu müssen, dass ich mich verrate. Du weißt so Vieles nicht von mir, Du vermagst es nicht einmal zu erahnen. Würde ich Dich nicht so gut kennen würde ich Dich sicherlich hassen, aber ich weiß weshalb Du viele Dinge so und nicht anders tust, auch wenn sie mich verletzen und eben weil ich es verstehe könnte ich Dich nie dafür hassen. Das Leben ist ein eigenartiger Wandel der Zeit und das Leben geht weiter, egal was geschieht, so oder so.

Gestern Nacht, ungefähr zur gleichen Stunde wie jetzt, stand ich barfuß auf der Straße und blickte in die Unendlichkeit der Nacht, hoch in den Himmel und flehte die Sterne an, dass sie mir Kraft geben mögen. Ich hätte schreien können, so groß war die Verbitterung in mir. Die kleinen Steinchen taten unter meinen Füssen weh, aber ich ging weiter ohne eine Miene zu verziehen. Ich trieb meinen Körper voran, ich spürte meinen gesamten Körper auf meinen beiden Füssen ruhen. Du kannst Dir nicht annähernd vorstellen was ich fühlte und selbst jetzt dabei fühle während ich mich nur daran erinnere. Also ich lese diesen Brief jetzt nicht nochmal durch, einiges ist vielleicht unlogisch, kann ich jetzt nicht mehr ändern. Bye Julia

Ohne Datum

Liebes Tagebuch

Ich habe dir eine Beschreibung von Lukas zusammengeschrieben:

Seine Augen sind ein Wirrwarr von dunkelblauen bis hellblauen Flecken, ähnlich wie das Weltbild auf einer Postkarte. Seine Augen erinnern mich an das Meer, an den Himmel. Vorne, an seinen zwei Schneidezähnen, ist die untere Ecke des Zahnes auf der rechten Seite abgebrochen. Nur klein wenig. Allerdings hat er gesunde schöne weiße Zähne, schwarzes etwas längeres gelocktes Haar (mittlerweile weiß ich, dass seine Haare gefärbt sind). Schöne volle Lippen (ich wünschte ich hätte vollere Lippen), normal große Nase mit unzähligen Sommersprossen.

Meine Mutter ruft… Mist, habe vergessen die Spülmaschine auszuräumen… Bye

28.05.1993

Hallo Julia,

es ist gerade 17.45 Uhr und bis vor 10 Minuten habe ich noch gelernt. Jetzt sind gerade meine Eltern nach Hause gekommen, aber ich gehe jetzt ja gleich weg. Gerade habe ich mit dem Würfel, den du mir geschenkt hast, gewürfelt. Ich habe sogar eine „5“ gewürfelt. Heute Morgen war es noch eine „2“. Jetzt geht es mir schon viel besser. Also, was ich dir noch sagen wollte ist, dass ich dich immer noch genauso lieb habe, wie vor ein paar Tagen, denk dir nichts dabei, wenn ich manchmal Geschmarie rede, dass machst du ja auch. Also bis dann... Lukas

PS: Mein goldener Stift ist irgendwie ausgelaufen und jetzt habe ich goldene Finger, aber dich interessiert das bestimmt überhaupt nicht. Oder? Ich glaub jetzt rede ich nur noch Geschmarie, aber das liegt daran, dass ich heute schon so viel gelernt habe! Denk dir nichts dabei! HDL

28.05.1993

Liebes Tagebuch

Oh je, wie soll ich anfangen? Ich glaube, ich bin komplett wahnsinnig geworden. Habe mich mit Lukas verabredet. Dann wussten wir nicht was wir machen sollen. Wir fuhren etwas mit dem Auto herum, bis Lukas einen Einfall bekam, dass wohl in Schwabach eine Art Bierfest stattfindet. Aber während der Fahrt dorthin erzählte er von etwas, von dem ich bisher noch nie was gehört hatte. Aber ich ahnte, dass es nichts Gutes sein konnte und genau so war es dann auch aber es zog mich magisch an. Ich sagte ihm sofort, dass ich das unbedingt ausprobieren möchte und fragte ihn ob er so etwas dabei hätte. Oh und was dann passierte, willst du lieber nicht wissen. Natürlich hatte er auch gleich was dabei. Es waren so kleine Papierblättchen, die man sich auf die Zunge legen musste. Genannt LSD. Alles wurde wirr in meinem Kopf bevor ich überhaupt aus dem Auto ausstieg. Alles wirkte verändert. Gerade muss ich mich fragen, während ich dies schreibe, wie er überhaupt mit solchen Sinnesänderungen Auto fahren konnte?? Ich hatte so viele eigenartige Gefühle in den darauf folgenden Stunden. Oh ja und ich fühlte meinen Körper, einerseits empfand ich das ganze absolut schrecklich aber andererseits fühlte ich mich und meinen Körper und ich war irgendwie wo anders und doch da und ich fühlte eine stärkere Bindung zu Lukas. Wir hatten nun eine schöne wie auch schreckliche Erfahrung zusammen gemacht. Ich möchte so etwas wieder tun. Oder, hm, bin mir nicht sicher, so toll war es auch nicht. Es überwiegt eher das schreckliche gerade. Das werde ich ihm sagen, dass das nicht so mein Ding ist, aber Alkohol ist es auch nicht. Alkohol trinke ich eher selten bis gar nicht. Bin anti-alkoholisch eingestellt.

Also Bye.. meine Mutter ruft mich, was will sie denn schon wieder grrrrr.

01.06.1993

Meine Eltern streiten oft. Und mich nimmt das immer so mit. Ich kann gar nicht mehr schreiben, obwohl ich dir gerne so vieles erzählen würde.

03.06.1993

Hallo Julia!

Es ist gerade 4.00 Uhr in der Nacht und ich bin gerade nach Hause gekommen. Irgendwie habe ich es geahnt, dass du mich nicht anrufst! Du bist also doch sauer auf mich. Oder vielleicht hast du mich ja doch angerufen, aber ich hab das Handy mal für eine Stunde ausgeschaltet. Du wirst mir morgen wieder irgendetwas erzählen, dass du nicht anrufen konntest, oder sonst irgendetwas. Na ja ich werde es dir wohl glauben müssen. Ich war im Paramount. Alleine. Und es war eigentlich ganz schön. Vorher sind wir wiedermal nur herumgefahren und haben nichts Gescheites gemacht. Was hast du wohl gemacht? Na ja, morgen werde ich dich danach fragen. Hoffentlich rufst du mich morgen an. Ich möchte dich eben sehen und länger als für eine Stunde. Vermisse dich. Ich gehe jetzt schlafen, denn ich bin sooooooooo müde. Bis morgen. Dein Lukas.

03.06.1993

Hallo Julia!

Es ist gerade 11.00 Uhr und ich bin nun zum 2. Mal aufgewacht, nachdem mich der Sascha angerufen hat. Na ja, du warst ja am Telefon irgendwie weg. Bestimmt hattest du kein Geld mehr mich nochmal anzurufen, weil wieder eine Frau gekommen ist und du ihr dann dein ganzes Geld gegeben hast. Ne, das stimmt nicht. Du hast ja gesagt, oder besser gesagt ich habe es gesagt, dass ich um 13.00 Uhr zu dir komme, dann sehen wir uns ja und wir können wieder mal reden. Du hast mich gestern also doch versucht anzurufen (sogar 2 x). Ich mache mir immer umsonst meine Gedanken, wieso du wohl nicht angerufen hast. Ich denke dann immer dass irgendetwas ist. Aber es ist dann meistens gar nichts. Aber so bin ich eben. Ich muss jetzt frühstücken und mich noch duschen. Deswegen muss ich jetzt aufhören zu schreiben, damit ich nicht zu spät zu dir komme und du noch in der Kälte auf mich warten müsstest. Also, jetzt ist dieser Brief endgültig zu Ende. Du hast etwas zu lesen, auch wenn du bei manchen Dingen wieder nur „jaja“ denkst. Also, Tschüsssss

PS: HDGAL!

04.06.1993

Hi Julia,

eigentlich weiß ich auch nicht genau, wieso ich Dir den Brief gestern nicht geben wollte. Vielleicht war ich ein bisschen sauer, weil Du nicht bei mir schlafen konntest, aber ich versteh es ja, dass Du Angst hast, dass Bello in die Wohnung „dingst“. Was ich gestern gesagt hab, dass wir uns nicht mehr sooft sehen sollten, habe ich nicht so ganz ernst gemeint. Ich habe mir nur gedacht, wie es weitergehen soll. Ich mag Dich ja oft sehen, weil wir uns ja gut verstehen, aber manchmal bist Du irgendwie komisch und dann frag ich mich auch immer, weshalb Du so bist?! Eigentlich würde ich mit Dir auch weiterhin gerne sooft weggehen, nur irgendwann muss sich mal was ändern. Es ist ja schön, dass wir uns sooft sehen, und vielleicht sollten wir das auch beibehalten. In der nächsten Zeit werde ich ohnehin viel lernen müssen, vielleicht löst sich unser Problem dann von selbst. Gestern war ich irgendwie ziemlich traurig und irgendwie hat mich gestern alles gelangweilt. Also jetzt muss ich dann mal wieder aufhören, weil der Sascha kommt und ich mit ihm einkaufen gehe. Also hoffentlich bis bald und denk an mich! xxx Dein Lukas

P.S. Schreib mir auch mal wieder einen Brief mit so schönen Gedichten.

05.06.1993

Oh liebstes Tagebuch,

es ist was sehr schönes passiert. Lukas hat mich was ganz neues ausprobieren lassen. Es geht um Pillen. Kaum hatte ich eine von diesen Dingern eingenommen war ich im 7. Himmel. Ich wollte Lukas die ganze Zeit berühren. Ich glaube, wir haben uns auch innig geküsst. Ich wollte nur noch in seiner Nähe sein. Ich sehnte mich sogar nach jeder Berührung von ihm, obwohl er mir in den letzten Tagen nur noch auf die Nerven gegangen ist. Und während dieser Zeit, in der wir auf Pille waren, hat er mich gar nicht gedrängt irgendetwas zuzulassen, was ich nicht wollte.

07.06.1993

Es ist 07.05 Uhr. Mein Vater hat sich gestern Abend, nach einem erneuten Streit mit meiner Mutter betrunken und hat seinen Koffer gepackt und ist weggefahren. Ich mache mir schreckliche Sorgen und konnte die halbe Nacht deswegen nicht schlafen. Heute fährt mich Lukas in die Berufsschule. Ich muss mich jetzt fertig machen. Bye

15.06.1993

Es ist gerade 13.29 Uhr und leider Gottes bin ich an einem für mich so unerfreulichen Ort?! Du kannst es dir bestimmt schon vorstellen: In der Arbeit. Gestern Abend habe ich noch mit Lukas telefoniert, aber leider musste er wieder quengeln wie ein kleines Kind. Ich hasse, wie du weißt, diese Eigenschaft. Die Erinnerung an jenen Tag, an jenen Moment als ich mit ihm zusammen war und ich mich in ihn verliebt hatte verblasst mehr und mehr und bald wird es nur noch eine gefühllose Erinnerung sein, wie jede andere auch. Wer waren wir?