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Die Lebensgeschichte und der Werdegang eines Menschen, der als kleiner Junge aufgrund der Lebensumstände begann, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
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Seitenzahl: 90
Veröffentlichungsjahr: 2020
Jörg Sommerwerck
Eigentlich war es wie immer
Ein Cap-San-Kapitän erzählt
Die Lebensgeschichte und der Werdegang eines Menschen, der als kleiner Junge aufgrund der Lebensumstände begann, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen
Copyright: © 2020 Jörg Sommerwerck
Lektorat: Erik Kinting – www.buchlektorat.net
Umschlag & Satz: Erik Kinting
Titelbild: spray paint art, Anton Sommerwerck
Verlag und Druck:
tredition GmbH
Halenreie 40-44
22359 Hamburg
978-3-347-15200-7 (Paperback)
978-3-347-15201-4 (Hardcover)
978-3-347-15202-1 (e-Book)
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Auf Großer Fahrt Cap San Antonio
Vorwort
Diese autobiografische Geschichte beginnt in meiner Kindheit und wurde nun, im hohen Alter, vervollständigt. Was mir alles widerfahren ist, hört sich für den Leser vermutlich mitunter unwirklich, beinahe unerklärlich an, die Zeiten und Geschehnisse sind aber tatsächlich authentisch. Ich habe das alles erlebt. Nun gebe ich es ungeschönt und ohne Übertreibungen wieder.
Ich weiß, dass meine Gabe, in verzwickten Situationen Ruhe zu bewahren und Dinge zu erkennen, die außergewöhnlich sind, dem göttlichen Glauben zuzuschreiben ist. Ich bin erfüllt davon!
Dem Leser sei gedankt für seinen Willen, die Zeilen aufzunehmen und zu verarbeiten. Eine Gewissheit für ein außergewöhnliches Leben sind sie nicht! Vielleicht kann ein jüngerer Mensch aber etwas daraus lernen, denn ich habe es auch getan.
Das erklärt vielleicht mein unbedingtes Vertrauen, viele Dinge des Lebens richtig gehandhabt zu haben, wohl Vorbild für manchen zu sein, der mit mir zusammen durch das Leben gegangen ist.
Lassen Sie sich von Hans, meinem Alter Ego, in ein Leben entführen, das nach dem 2. Weltkrieg seinen Anfang nahm …
Eigentlich war es wie immer
Tagebuch der Mutter, kurz nach Ende des 2. Weltkrieges, vom 08.01.1946
Zu dieser Zeit, in der neuen Umgebung, hatte die Mutter unseres Protagonisten anderes zu tun und konnte sich kaum um ihren Nachwuchs kümmern. Sie musste erst einmal ihr eigenes Leben sortieren – mit einem verlorenen Mann, der neuen Heimat und den vier Kindern.
Das Leben spiegelte die Nachkriegszeit wider! Jeder Mensch wollte versuchen, das Beste für sich und seinen familiären Anhang herauszuholen; aus einer unwirklichen Welt – Trümmer allerorten, die beseitigt werden mussten und Flüchtlinge, die versorgt und untergebracht sein wollten. Auch die eigene Psyche sollte schnellstens wieder in Ordnung gebracht werden.
Überlebenskampf hier und dort, im täglichen Einsatz der Erwachsenen, aber auch der Kinder, die mit eingespannt wurden. Da gab es dann schon einmal Augenblicke im Leben eines Einzelnen, die eigentlich nicht zum Geist der Menschlichkeit untereinander passten, aber auch nicht zu ändern waren.
Hans, von dem in diesem Roman die Rede ist, möchte nicht anklagen, denn für ihn war es … eigentlich wie immer, nämlich selbstverständlich, denn er kannte es in seinen jungen Jahren nicht anders. Sein älterer Bruder war bald in die Obhut eines evangelischen Internats an die Lübecker Bucht abkommandiert worden, nachdem die nicht ganz vollzählige Familie, ohne den am letzten Kriegstag in Berlin getöteten Vater, vor den russischen Soldaten geflohen war. Die Mädchen kamen zu einer bekannten Familie in die Hauptstadt Schleswig-Holsteins, um ein Mädchengymnasium zu besuchen.
Hans, der Jüngste der vier Geschwister, lebte bei seiner Großmutter. Sie hatte zwei Weltkriege ertragen müssen und den eigenen Mann in jungen Jahren in der Schlacht um Verdun verloren.
Beide ergänzten sich sehr gut und es entstand eine große Zuneigung zwischen ihnen, bis sie getrennt wurden, und die Großmutter allein in einem Heim starb, weit weg von ihrer Familie. Sie wurde aber erst fortgebracht und aus dem Familienleben herausgerissen, als allen Beteiligten klar war, dass Hans sein zukünftiges Berufsleben auf See verbringen wollte. – Aber, das war erst ein paar Jahre später.
Erst einmal wurden die Abende vor dem Einschlafen täglich genutzt, um aus der Bibel vorzulesen. Laut und deutlich und auch mit Erklärungen. Einmal las der Junge laut vor, das andere Mal die Oma, die dank Hans nie allein war. Fast auswendig kannten beide die Heilige Schrift. Diese Eintracht gab ihnen sehr viel Kraft, selbstverständlich dem Jungen noch mehr, denn er war lernbegierig – auch zu später Stunde nach ereignisreichen Tagen.
Zwischen den beiden herrschte Einigkeit in den zu erledigenden Pflichten für den Haushalt. Jeder hatte seine Aufgaben: Der Enkel besorgte den Proviant auf seine Art, die Großmutter kochte und wusch die oftmals völlig verschmutzen Kleider von Hans auf altertümliche Weise in einem Bottich in der abgetrennten Waschküche am Haupthaus auf dem Hof. Und sie erledigte leichte Aufgaben im Haushalt. Die schweren Dinge im Tagesablauf bewältigte Hans, er war kräftig und scheute keine schwere Arbeit.
Der Enkel trieb sich herum. Hans spielte mit seinen Freunden auf dem alten Boden des ehemaligen Schweinestalles seines Großvaters, der als Arzt tätig gewesen war und mit seinem Wissen und Können das Anwesen erschaffen hatte. Dort wurde schon mal getrocknetes Laub zur Zigarette gedreht, angezündet und genossen – bis jemandem übel wurde.
Lesestoff gaben die zu dieser Zeit neu erschienenen Cowboy-Romane; sie mussten versteckt werden, weil sie von der Mutter verboten wurden, die immer wieder meinte, in die Erziehung ihres Sohnes eingreifen zu müssen.
Wie zufrieden wären die Eltern der nachfolgenden Generationen, wenn ihre Kinder in ihrer Freizeit lesen würden … Aber damals waren diese Romane einfach nicht geduldet. Was waren das für Helden: Billy Jenkins und Tom Prox, anständig in ihrem Charakter. Sein Leben lang sollte der Rotschopf Hans die Abenteuer dieser beiden Helden nicht mehr vergessen!
Und fast selbstverständlich wurde eine Straßengang ins Leben gerufen, um die eigenen Rechte in dem Wohngebiet zu verteidigen oder auch durchzusetzen. Mit Leib und Seele sich für den einen besonderen Freund einzusetzen war die Devise, kämpfen bis zum Umfallen mit den Fäusten und dem Körper, hieß es für Hans. Auch wenn die eigene Schwester beleidigt wurde, bekam der Gegner das Können des Jungen zu spüren und damit die Kraft und das Wissen im Boxsport, dem Hans frönte. Dann gab es halt Kloppe, wie die Kinder es nannten – auch für wesentlich ältere Jugendliche.
Sehr normal, aber erlebnisreich flossen die Monate dahin. Egal, ob im Sommer oder Winter. In den damaligen warmen Monaten, teils sehr heißen, waren oft Strandtage angesagt mit Fußballspielen unter vielen Freunden und Bekannten. Das Schwimmen zu erlernen war nicht schwer, Hans brachte es sich alleine bei. Später sollte es dem Jungen leichtfallen, den DLRG-Rettungsschein zu erwerben und in sehr jungen Jahren schon in einer Rettungsstation zu sitzen.
Auch der Knabenmannschaft im Fußball wurde beigetreten, der einarmige Trainer versuchte seine Kriegserlebnisse auf seine Weise zu verdrängen. Tischtennis, Leichtathletik, Turnen, Boxen im Klub … eine Gemeinschaft aller wurde von dem Jungen gesucht.
Im Winter verließen die jungen Leute in der Freizeit kaum das Eis auf der Förde, trotz schlechter, viel zu dünner Schuhe. Die Füße waren dauernass und froren erbärmlich. Die Schifffahrt war eingestellt, man erreichte das gegenüberliegende Ufer zu Fuß.
Der Mutter wurde auch aus der Ferne dieses eigenständige Leben des Kindes zu unbehaglich, zu selbstverständlich und zu betagt für sein junges Alter. Sie meldete ihn im Sommer zu einem vierwöchigen Aufenthalt mit fremden Jugendlichen am anderen Ufer der Förde an, in einer Herberge am Fuße eines bekannten Marinedenkmales des 1. Weltkrieges. Mit dem aus der Ferne sichtbaren Monument hatte die Großmutter mit dem Enkel bei ihren Spaziergängen am Deich den ehrenwerten Tod ihres Mannes immer vor Augen, Hans auch den Tod seines Großonkels, der als Seeoffizier in der Skagerak-Schlacht den Seemanntod fand. Seine Seekiste steht noch heute im großväterlichen Haus in Kiel. Ob der Oma mit diesen Erinnerungen geholfen war, hat Hans nicht erfragt, sie nur nachdenklich in die Ferne schauend erlebt.
Eines Tages in den Sommerferien bestieg Hans allein in der Früh die ihm so bekannte Fähre in Richtung Laboe.
Er wurde von dem Fährschiffer nicht gerade freundlich begrüßt: »Du bist der Junge, der oftmals halsbrecherisch in das Schraubenwasser des Schiffes springt!« Dann fragte er Hans aber: »Wohin des Weges?«
»Ins Lager ans andere Ufer«, antwortete der Junge.
»Dann habe ich meine Ruhe in der nächsten Zeit.«
Beide verabschiedeten sich höflich voneinander.
Nach seiner Ankunft hatte Hans sich den Erziehern vorgestellt und wurde zu den neuen Kameraden eingewiesen. Aber was war das? Fremde um sich herum und keine Großmutter weit und breit … Mache dies, mache das, Hans, hieß es nur von vorlauten fremden Erziehern. Das kannte der Junge nicht.
Mittags mussten sämtliche Kinder sich in ein für sie vorgesehenes Ruhelager begeben, um zu schlafen oder zu dösen.
Und so kam es, dass Hans in den ersten Stunden seines Aufenthaltes alles viel zu bedrängend empfand. Er hielt es exakt 45 Minuten im Ruheraum aus, packte seine paar Sachen, verschwand zum Anleger, wartete kurz auf die Fähre und war bald wieder zu Hause.
»Das Jugendlager bereits beendet?«, fragte der Fährschiffer erstaunt. »Dann kannst du ja wieder Blödsinn anstellen.«
Den Betreuern der Unterkunft hatte Hans nichts von seinem Vorhaben mitgeteilt, dementsprechend hörte er nie wieder etwas von ihnen. Die Oma aber war begeistert, sie hatte ihren Aufpasser wieder. Die Mutter hatte auch ein Einsehen, dank der Schilderungen ihres Sohnes und seines erworbenen Selbstverständnisses, sich um seine Belange selbst zu kümmern.
Wie lange und ob überhaupt die Heimleitung nach Hans gesucht hat, niemand hat es jemals erfahren.
Ein paar Jahre später, Hans war 14 Jahre alt, steckte seine Mutter ihn in den Herbstferien in das Internat, das sich am Wohnort befand. Zu Hause war zu diesem Zeitpunkt kein Platz für ihn.
Genau zwei Nächte hielt er es unter diesem Kommando aus – mache dies, mache das. Morgens um vier setzte er sich auf sein Fahrrad und fuhr 240 Kilometer nach Süd-Niedersachsen. Eine Nacht schlief er bei einem Bauern auf dem Heuboden, zusammen mit den Mäusen, in der Nähe von Celle.
Am nächsten Tag erreichte er sein Ziel bei einem Freund, den er von der Schule her kannte.
Dort verdiente er sich nun Geld, indem er tagsüber auf den Feldern Rüben zupfte. Um den wund gescheuerten Allerwertesten zu entlasten, kaufte sich Hans von dem verdienten Lohn als Erstes einen Schwingsattel, der ihn nach zweieinhalb Wochen wieder gesund nach Hause brachte – diesmal ohne Probleme.
Auf dem geräumigen Boden des Wohnhauses fand der Junge eine anderthalb Meter hohe stählerne Maschine, mit der man Blechdosen für Gemüse und Obst luftdicht verschließen konnte.
Der Arztgroßvater hatte sie gekauft und zum Einwecken seiner Gartenfrüchte benutzt, um die seinerzeit überaus kalten Winter gesund zu überstehen. Jetzt machten Oma und Enkel es in der Nachbarschaft publik und die Leute kamen froh gestimmt und bezahlten für das Verschließen ihrer Gemüsedosen mit ein paar deutschen Mark zum Auffrischen der Haushaltskasse von Großmutter und Enkel.
Die eigene Familie musste währenddessen mit Vitaminen aus fremden Gärten versorgt werden, die eigenen geernteten Früchte wie Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen wurden eingeweckt und verkauft. – Überlebensmachenschaften.
