0,99 €
Geschichten, Erzählungen, Märchen oder auch Sagen werden - kontinental übergreifend - wohl nie ihre Faszination verlieren.
Meine Geschichten beinhalten Emotionen, Konflikte aber auch Achtsamkeit über Erlebtes, Zugetragenes oder Fiktives.
Alle Personen und Orte wurden frei erfunden.
Der Erlös dieses Buches geht an caritative Zwecke.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2018
Dieses Buch widme ich meiner Enkeltochter JANA
Ein Koffer voller Geschichten
von Elisabeth Goetzens
Der Erlös dieses Buches geht an caritative Zwecke.
Ein herzliches Dankeschön auch an Manuela Schauten, die das von ihr entworfene und gemalte Cover ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt hat und Gitta Rübsaat.
Die Originalausgabe erschien im Januar 2018 bei BookRix GmbH & Co.KG als e-book www.bookrix.de
und das Taschenbuch über Print on Demand by CreateSpace - Herstellung: Amazon Distribution GmbH Leipzig
Copyright © 2018 Elisabeth Goetzens (Autorin)
Alle Rechte liegen bei der Autorin - Cover Illustration: ©Manuela Schauten
Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist nur mit Zustimmung der Autoren zulässig. Das gilt vor allem für Vervielfältigungen, Übersetzungen, so wie das Speichern und Verarbeiten in elektronischen Systemen.
ISBN-13:978-1983961137 ISBN-10:1983961132
01. Warten auf ...
02. Gretchen
03. Verrat
04. Spottdrossel
05. Das rationierte Fahrrad
06. Der Voyeur
07. Der Taucher
08. Die Kate am Fluss
09. 16. Dezember
10. Henne Berta und der Geist der blauen Feder
11. Afrika, ich komme ...
12. Rabeas Traum
13. Donald
Ein herrliches Winter-Wochenende. Meine Frau war zu einem Seminar aufgebrochen und ich hatte deshalb das Wochenende Zeit für meine Tochter eingeplant, die leider oft durch meine berufliche Inanspruchnahme auf mich verzichten musste.
Nach dem ausgedehnten Frühstück ging es raus in den sonnenbeschienen Schnee, vorbei an einem kleinen Flusslauf, der von knorrigen Kopfweiden gesäumt war. Dieses Bild erinnerte mich immer etwas an den ERLKÖNIG. Ausgelassen nahmen wir uns auch zwischendurch Zeit für eine ausgiebige Schneeballschlacht und um einem Graureiher zuzusehen, der mit seinen großen Schwingen seine Kreise zog. All das machte mich unendlich bedürfnislos und glücklich.
Mit dem Lächeln und den strahlenden Augen meiner Tochter, traten wir nach Stunden den Heimweg an. Die wohlige Wärme des Hauses und der Schnee, der mittlerweile fiel, ließen uns mit Kaffee und einem Glas Rotwein vor den knisternden Kamin setzen, wobei meine Tochter ein Fotoalbum in der Hand hielt.
„Papa" sagte sie, "dieses Album kenne ich noch gar nicht, ich möchte es gerne mit dir anschauen“. Da wir viele Fotoalben im Schrank stehen hatten, wusste ich nicht, welches sie herausgezogen hatte. Also blätterte sie los. Viele Familien- und Urlaubsereignisse waren in Bildern festgehalten worden, die ich ihr erzählen und erklären musste.
Als sie die nächste Seite aufschlug, musste ich inne halten, denn hier war nur ein einziges Bild eingeklebt: ein Junge mit einem langen Strickmantel und einem großen gelben Regenschirm. „Wer ist das, und weshalb wurde das Foto alleine auf diese Seite eingeklebt?“, wollte sie wissen. Ein Zurück gab es nicht mehr für mich, jetzt musste ich ihr einen Teil meiner Lebensgeschichte erzählen.
"Lange, sehr lange ist es her, wir hatten Krieg und mein Vater – also dein Opa – wurde eingezogen und musste an die Front. Tag und Nacht ging der Bombenhagel über die Städte. Das Heulen der Sirenen und das Schreien der Menschen wurde unerträglich, deshalb beschloss meine Mutter – also deine Oma – mit mir und meinem Zwillingsbruder zu fliehen. Ja, du hörst richtig, ich hatte noch einen Zwillingsbruder, über den zu erzählen, mich immer noch zu Boden reißt. Ich werde dir von ihm erzählen, aber nicht heute, ist das okay für dich“?.
„Na sicher“, meinte sie, da sie offensichtlich meine Traurigkeit spüren konnte.
'Zurück zur Flucht mit meiner Mutter. Wir schlossen uns einem riesigen Treck an, unsere Nachbarn hatten einen Karren mit zwei Pferden organisiert, so mussten wir unser weniges Hab und Gut nicht tragen. Mein Bruder und ich durften abwechselnd auf dem Wagen steigen, wenn unsere Füße uns nicht mehr tragen wollten.
Viele hatten an ihren Handkarren oder auch Ärmeln weiße Tücher gebunden, um zu signalisieren, dass wir keine Feinde sondern Flüchtlinge mit Kindern, Alten und Kranken waren.
Als wir dann die ersten Tiefflieger hörten, schlug auch schon die erste Bombe unweit des Trecks ein. Der Karren, auf dem mein Bruder saß stürzte um und mit ihm die beiden Pferde. Viele Flüchtlinge sind bei diesem Bombenangriff ums Leben gekommen, auch mein Bruder konnte nicht mehr gerettet werden. Wir mussten weiter und meinen Bruder auf dem Feld zurücklassen. Das laute Weinen meiner Mutter und meine eigene Hilflosigkeit, werde ich niemals vergessen.
