Ein Künstlerleben in der Bauhaus-Tradition - Marianne Schmidt - E-Book

Ein Künstlerleben in der Bauhaus-Tradition E-Book

Marianne Schmidt

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Beschreibung

Dieses Buch beschreibt das Lebenswerk eines Künstlers in der Bauhaus-Tradition. 1949 wurden in Deutschland Werkkunstschulen gegründet, die sich in der direkten Nachfolge des Bauhauses sahen. An der Werkkunstschule Wiesbaden studierte Hubert Schmidt Bildhauerei. Sein Ziel war es die künstlerische und bauliche Gestaltung zusammenzuführen. Das biografisch angelegte Werk zeichnet die Entwicklung von Hubert Schmidt als Bildhauer und Keramiker nach, beginnend 1962 in Stuttgart mit Baukeramik, Bildhauerei und Malerei bis zu seinem Tod in Bonndorf am Bodensee.

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Veröffentlichungsjahr: 2019

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Ein Künstlerleben in der Bauhaustradition – Hubert Schmidt 1923 - 2013

Ein Künstlerleben in der Bauhaus – Tradition

Hubert Schmidt 1928 bis 2013

Impressum

© 2019 Marianne Schmidt

Umschlaggestaltung und Illustration: Marianne Schmidt, Klaus-Reiner Latk; Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

978-3-7497-1263-2(Paperback)

978-3-7497-1264-9 (Hardcover)

978-3-7497-1265-6 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, Bilder und Abbildungen, ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autorin und des Verlages unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Jugendjahre

Sein Rückblick:

Fremdenlegion

Studium an der Werkkunstschule Wiesbaden

Existenzgründung für Baukeramik

Entwicklung der Strukturfliese in Serie

Bildende Kunst - Stilfindung

Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts Baukeramik

Rückzug in die Bildende Kunst

Der Abschied

Private Momente im Rückblick

Vita, Ausstellungen und Medien

Mein Anliegen

Nachwort

Verwendete Literatur

Verwendungsrechte für Fotos und fremde Bilder und Texte

Vorwort

Hubert Schmidt, lernte ich während des Studiums, 1958 bis 1962, an der Werkkunstschule Wiesbaden kennen.

Er studierte Bildhauerei - ich Innenarchitektur. Die Werkkunstschulen, die sich nach dem 2. Weltkrieg gründeten, sahen sich in der direkten Nachfolge des „Bauhauses“, welches 1919 in Weimar von Walter Gropius als künstlerische Ausbildungsstätte gegründet und 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde.

Der Tradition der Bauhauslehre folgend, fanden sich in den Werkkunstschulen unterschiedliche, der Kunst und dem Handwerk zugeordnete Berufe in einer Studiengemeinschaft zusammen. Hubert Schmidt, der vor seinem Kunststudium auch eine Ausbildung als Keramiker absolvierte, sah im Zusammenspiel der unterschiedlichen Studiengänge interessante Entwicklungsmöglichkeiten - vor allem im Bereich der Architektur. So kam es zu der Begegnung mit dem damaligen Studienkollegen Hubert Schmidt.

Zu meiner beruflichen Zukunftsvision, mit Hochbauarchitekten zusammenzuarbeiten, was sich dann glücklicherweise auch erfüllte, passte gut die Vorstellung von Hubert Schmidt, sich bei Innen- und Außengestaltungen von Bauten gestalterisch einzubringen.

Bald planten wir eine gemeinsame Zukunft.

Hubert Schmidt gründete nach seinem Staatsexamen eine freischaffende Existenz für baukeramische Objekte, in die ich einige Jahre später, nach meiner freischaffenden Tätigkeit als Innenarchitektin, als Mitgestalterin und geschäftsführende Teilhaberin mit einstieg.

In all den Jahren seiner Tätigkeit trennte Hubert Schmidt die Baukeramik strikt von seinem künstlerischen Schaffen (Skulpturen, Malerei, Zeichnungen) auch in getrennten Ateliers. Überlingen-Bonndorf 2016

Marianne Schmidt

Jugendjahre

Hubert Schmidt wurde am 1. August 1928 in Bad Königswart, damals Tschechoslowakei, ehemals Egerland, geboren.

Bad Königswart (Lázne Kynźvart) liegt im heutigen Tschechien, nur wenige Kilometer von Marienbad (Mariánské Lázne) entfernt. Die Entwicklung als Bad und Kurort ist auf die Erschließung der zahlreichen Quellen zurückzuführen. Zum ersten Mal wurden die Quellen, nach Erhalt des Marktrechts, 1448 erwähnt.

Die Stadt Königswart war Mittelpunkt unterschiedlicher Herrschaften und kam 1620 durch Kauf in den Besitz der aus dem Rheinland stammenden Grafen Metternich.

Als besonderer Förderer von Königswart ist sicher Fürst Clemens Wenzel Lothar von Metternich zu nennen, der mit folgenden Worten zitiert wird: „seit meiner Hierkunft habe ich zwei Tonwarenfabriken eingerichtet. In der einen macht man Krüge für das Marienbader Wasser, in der anderen irdene Töpfe für die böhmischen Köchinnen. Ich lasse öffentliche Bäder bauen an einem Ort, wo sich drei vortreffliche, aber verschiedene Quellen beisammen finden.“

1833 bis 1839 ließ Fürst Clemens von Metternich das baufällig gewordene barocke Herrenhaus in klassizistische Formen kleiden. Neben dem Familiensitz, in welchem er sich gerne aufhielt und illustere Gäste bewirtete, richtete er auch ein „Kuriositätenkabinett“ ein, das unter seinem Kustos K. Huß zu einem ansehnlichen Museum ausgeweitet wurde.

Königswart kann auch auf zwei Besuche von Johann Wolfgang von Goethe, während eines Kuraufenthaltes in Marienbad, zurückblicken. Es ist belegt, dass Goethe am 27.6.1822 seine Reise von Marienbad nach Eger in Königswart unterbricht und im „Schwarzen Bären“ absteigt, um sich von kundiger Seite die neugefassten Quellen zeigen zu lassen. Am 28.7.1822 speist Goethe mittags abermals im „Schwarzen Bären“ in Königswart. An diesem Tag weilte auch Freiherr von Berzelius, auf Einladung des Fürsten von Metternich, in Königswart.

Goethe hat das Egerland und seine Bewohner geliebt wie wohl kein zweiter deutscher Dichter vor und nach ihm. Er nennt die Egerländer „ein wackeres und abgeschlossenes Völkchen“ und weiter: „Es ist ein stämmiges, robustes Volk von gesundem Aussehen und, soviel ich merke, haben die Egerländer meist weiße Zähne, dunkelbraune Haare, doch wenig Waden.“

Seit 1822 blühte Königswart zu einem stattlichen Bad auf. 1862 wurden die Quellen als Heilquellen anerkannt und 1911 die Bezeichnung „Bad“ der Stadt verliehen. Daten aus den Jahren 1910 bis 1930 belegen, dass die Zahl der Kurgäste in Bad Königswart stetig zunahm.

Bad Königswart, Kurviertel

In diese historisch geprägte Welt und in die besondere Atmosphäre einer Kur- und Bäderstadt wurde Hubert Schmidt hineingeboren. Sein Vater stammte aus einem alten Bauerngeschlecht, einem Erbhof, seit 300 Jahren in Familienbesitz. Von drei Söhnen konnte nur der älteste Sohn den Hof erben. Sein Vater wurde Bäckermeister.

Seine Mutter, aus Österreich/Steiermark stammend, wuchs in der Revierförsterei des Fürsten Schönburg auf, die von ihrem Vater geführt wurde. Königswart wurde ihre neue Heimat.

Sein Vater und seine Mutter betrieben gemeinsam eine Bäckerei im eigenen Haus am Marktplatz in Bad Königswart.

So ist Hubert Schmidt in einer Bäckerfamilie mit noch vier Geschwistern, einem älteren Bruder und drei jüngeren Schwestern, aufgewachsen.

Im Tagebuch seiner Mutter ist zu seiner Geburt zu lesen: „Ein Jahr nach dem Einzug in unser Haus und Geschäft kam unser zweiter Sohn zur Welt. Es gab in diesem Sommer viel Arbeit. (..) So war es auch an diesem Tag (1. August 1928). Als die ersten Wehen kamen, stand ich in der Backstube. Müde und schläfrig besorgte ich meine Arbeit (…). Mittags legte ich mich ins Bett und trotz der immer stärker werdenden Wehen hatte ich nur einen Wunsch: schlafen. Die Hebamme war sehr ungehalten darüber. Man schläft doch nicht, wenn man ein Kind zur Welt bringen soll. Immer wieder schlief ich vor Erschöpfung ein. Mir war alles gleichgültig, leben oder sterben. Wir hatten uns ein Mädchen erhofft, da der Stammhalter schon da war. Diesmal kam ein schwaches, verhärmt aussehendes Knäblein in die Welt. Ich hatte viel Sorge und Mühe mit dem kränklichen Kleinen. Er weinte viel und wollte nicht zunehmen. Die Großmütter kamen und besahen das Kind, meinten, er würde nicht alt werden (…) In dem ersten Lebensjahr meines zweiten Sohnes war ich oft mit ihm bei Ärzten. Er machte uns große Sorgen.“

Die Voraussagen der Großmütter bewahrheiteten sich glücklicherweise nicht. Hubert blieb jedoch immer „zartbesaitet“, wie seine Mutter sich ausdrückte.

Bald aber stellte sich heraus, ihm wurde eine essentielle und wegweisende Begabung in die Wiege gelegt, die ihn befähigte, das visuell Erfasste nachzubilden und manuell umzusetzen. Schon mit 7 Jahren richtete er sich sein „Atelier“ auf dem Dachboden seines Elternhauses ein, um dort zu schnitzen, wie er es bei dem Königswarter Holzschnitzer durch das Fenster beobachten konnte.

Diese „künstlerische“ Entwicklung seines Sohnes Hubert war jedoch nicht im Sinne des Bäckermeisters Schmidt. Hubert sollte Bäcker und Konditor werden. „Da könne er seine Kreativität auch ausleben, meinte der Vater“. So erzählte Hubert im Rückblick auf seine Jugendjahre in Bad Königswart, die er einmal in Gedichtform festhielt:

Glückliche Kindheit was ist Weinen - was ist dein Lachen du träumst von einer Welt und weißt nicht wo sie ist deine Augen sehen das Licht doch niemand weiß, was sie sehen Hände liebkosen dich du hörst die Stimme und kannst es nicht begreifen da von nun an dein Leben bestimmt ist wie das des Baumes und du bist die Knospe dein Blühen beginnt zart wie ein Hauch in jenem Frühlingswind

Festzuhalten ist auch, dass das Musizieren und Singen, die Hausmusik im Hause Schmidt eine große Rolle spielte. Jedes Kind musste ein Instrument spielen. Hubert spielte Zugposaune. Auch hier zeigte sich eine natürliche Begabung, die ihm später einmal sehr zugute kommen sollte.

Die Musikalität und die Tradition der Hausmusik kam von Vaters Seite - er spielte Zither - seine Brüder waren „Musikanten“.

Die glückliche Kindheit, wie sie Hubert in seinem Gedicht beschrieb, endete für ihn abrupt mit Kriegsbeginn. Die Bäckergehilfen wurden in den Krieg eingezogen und so mussten die Söhne, auch Hubert nach seinem Schulabschluss 1941, gegen seinen Willen, eine Bäckerlehre im elterlichen Betrieb beginnen. Hubert schilderte die Bäckerlehrzeit als bedrückend, und sie zerstörte das Verhältnis zu seinem Vater nachhaltig.

1944 wurde durch einen Erlass des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung „der totale Kriegseinsatz - Stilllegung von Berufsschulen“ angeordnet.

Dies betraf auch die Klasse von Hubert Schmidt. Er wurde mit 16 Jahren, im September 1944, zur Marine eingezogen.

Aus dem Tagebuch der Mutter: „Im Frühjahr 1945 war der Krieg zu Ende mit der furchtbarsten Niederlage für die Deutschen - eine noch nie da gewesene Katastrophe. (…) Meine große Sorge in diesen Wochen galt meinen Söhnen, die noch nicht heimgekommen waren. Da es auch keinen Postverkehr gab, waren wir, wie so viele andere auch, im Ungewissen, ob sie noch lebten oder zum Millionenheer der Toten gehörten.“

Im Spätsommer 1945 wurde das Haus und das Geschäft der Familie Schmidt vom Staat Tschechoslowakei beschlagnahmt. Beides musste innerhalb von 24 Stunden verlassen sein.

Die Familie konnte im elterlichen Hof des Vaters unterkommen. Aus dem Tagebuch der Mutter: „Endlich kam in den Wintermonaten (Anfang 1946) auch Hubert heim. Plötzlich stand er in der Stube. Er hatte im Nachbarort schon gehört, wie es uns ergangen war und so ist er erst gar nicht in das Elternhaus gegangen. Ein Stein fiel uns vom Herzen. Hubert war in englischer Gefangenschaft.“

Weiter aus dem Tagebuch: