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Ein längerer Zeitabschnitt kann vieles sein. Vielleicht ein paar Wochen, ein paar Monate, vielleicht ja auch ein paar Jahre oder gar für ein Leben lang. Wichtig ist immer, dass man jeden Moment den man zusammen verbringt so genießt und wahrnimmt als wenn es der letzte wäre, denn dies kann schneller passieren als man glaubt. Auf der Reise durch die Geschichte unseres Lebens geht es um alles was das Leben ausmacht und lebenswert erscheinen lässt. Von der Aufgeregtheit des ersten Dates, zum einander kennenlernen, die erste große Liebe, Probleme im Alltag, dem Zusammenziehen, Ticks und Macken des anderen, gemeinsam neue Welten zu entdecken und auch dem Tod. Dieses Buch und die Geschichte darin ist sozusagen eine Mischung aus Liebesroman, Ratgeber, Reiseführer, Tagebuch, Erotikgeschichte, Komödie und auch Drama. Von allem eben etwas, genau wie das Leben selbst.
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Seitenzahl: 586
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Ich möchte dieses Buch derjenigen Person widmen, welche ich über einen längeren Zeitabschnitt begleiten durfte und die mir unendlich viel gegeben hat. Gemeinsam haben wir viel erlebt, uns kennen und lieben gelernt, unsere Träume verwirklicht, die verschiedensten Phasen durchlebt und vieles mehr. All dies möchte ich hiermit für immer festhalten, damit nichts davon je vergessen wird. Ich danke für die Zeit mit Dir und für die Geschichte unseres Lebens.
In ewiger Liebe,
Dein Uwe
Prolog
Kapitel 1 – Das Leben als Single
Kapitel 2 – Der erste Kontakt
Kapitel 3 – Kennenlernphase
Kapitel 4 – Das erste Date
Kapitel 5 – Freundschaft oder Liebe?
Kapitel 6 – Weniger ist manchmal mehr!
Kapitel 7 – Wir sind ein Paar (Teil 1)
Kapitel 8 – Die Geschichte der „Pfanne á la Natalie“
Kapitel 9 – Wir sind ein Paar (Teil 2)
Kapitel 10 – Unsere ersten Monaten zu zweit
Kapitel 11 – Sommermärchen
Kapitel 12 – Von Ticks und Macken
Kapitel 13 – Schläfst Du schon?
Kapitel 14 – Die guten Vorsätze
Kapitel 15 – Sommer an der Algarve
Kapitel 16 – Unterwegs durch Deutschland
Kapitel 17 – Das Wandern ist des Schulmers Lust!
Kapitel 18 – Wellness und Schnee
Kapitel 19 – Unser Traum von den Philippinen
Kapitel 20 – Zurück im Alltag
Kapitel 21 – Zweisamkeit und Feierlichkeiten
Kapitel 22 – Freunde
Kapitel 23 – Familie
Kapitel 24 – Die Schulmers bei den 3 Zinnen
Kapitel 25 – Hochzeit
Kapitel 26 – Unsere erste gemeinsame Wohnung
Kapitel 27 – Alle Jahre wieder…
Kapitel 28 – Was ich an Dir liebe
Kapitel 29 – Es ist vorbei!
Kapitel 30 – Vom Krankenbett aus auf Safari
Kapitel 31 – Auf nach Kenia!
Kapitel 32 – Es geht wieder aufwärts
Kapitel 33 – Kurzurlaube und spezielle Momente
Kapitel 34 – Die Schulmers auf den 3000ern
Kapitel 35 – Schmetterling und Drachen
Kapitel 36 – Unterwegs vom Bodensee bis zur Ostsee
Kapitel 37 – Jahreswechsel auf einer Berghütte
Kapitel 38 – Unser Leben zu zweit
Kapitel 39 – „Glücklicher Nichtraucher“
Kapitel 40 – Elefantenreiten in Thailand
Kapitel 41 – Die Tücken des Alltags
Kapitel 42 – Wandern mit unseren Freunden
Kapitel 43 – Noch eine letzte Runde
Kapitel 44 – Krankenhaus
Kapitel 45 – Natalies 28. Geburtstag
Kapitel 46 – Noch einmal zu den Enten
Kapitel 47 – Es sieht nicht gut aus
Kapitel 48 – Plötzlich so allein
Kapitel 49 – Abschied
Kapitel 50 – Unsere letzte Reise
Epilog
Das Leben kann einfach wunderschön sein, wenn man den richtigen Partner an seiner Seite gefunden hat. Deshalb sollte man auch jeden Tag den man zusammen hat genießen und so leben, wie wenn es der Letzte wäre, denn keiner dieser Tage und Augenblicke wird je wieder zurückkommen. Was vergangen ist bleibt vergangen und was bleibt sind die Erinnerungen.
Ich schreibe dieses Buch, um der wundervollsten Frau auf dieser Welt zu danken. Dafür, dass sie mir zeigte, wie schön das Leben zu zweit sein kann, was Liebe ist, für all die vielen Dinge die sie mir mit auf den Weg gegeben hatte und für die unvergesslichen Momente, die ich in dieser Zeit zusammen mit ihr erleben durfte. Ich will aber auch über die Herausforderungen schreiben, welche das Leben in einer Partnerschaft und auch in Freundschaften manchmal so mit sich bringt.
Es gibt Augenblicke, da kommen mir in den unterschiedlichsten Alltagssituationen, die verschiedensten Gedanken in den Kopf geschossen. Diese lassen mich immer und immer wieder an so viele Dinge und die verschiedensten Momente erinnern, welche wir in unserer gemeinsamen Zeit erlebt hatten und die ich manchmal schon wieder fast vergessen habe. Genau dies ist auch der Grund dafür, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, dieses Buch zu schreiben. Ich möchte einfach all das, was wir in unserer gemeinsamen Zeit erlebt und was uns so sehr miteinander verbunden hatte, für immer festhalten, damit nichts davon in Vergessenheit gerät und die vorhandenen Erinnerungen und Gedanken daran nie erlöschen werden.
Bevor wir uns kennen gelernt hatten, war ich der typische Single-Mann. Naja, vielleicht nicht ganz so typisch im Sinne von jeden Tag oder jedes Wochenende eine andere Frau und ich war auch nicht überzeugt davon, dass das Leben als Single das einzig Wahre ist. Was ich meine ist, dass mein Leben im Allgemeinen eigentlich nur aus drei Dingen bestand:
Arbeit
Feiern
Freunde
Dieses Leben war an sich nicht schlecht und ich war soweit auch glücklich gewesen. Solange man nicht weiß was das Leben alles noch so zu bieten hat, vermisst man ja auch nichts. Das einzige wonach ich mich aber schon immer sehnte, war eine Frau zu finden, die mit mir das Leben teilen würde.
Durch die lange Zeit in der ich auf mich allein gestellt gewesen war, bin ich auf jeden Fall schon recht selbstständig geworden. Ich wusste was es heißt einen Haushalt zu führen, stand mit beiden Beinen im Leben und hatte dazu auch noch einen Job der mich erfüllte. Durch meinen Beruf hatte ich die Möglichkeit, andere Länder auf der Welt zu sehen und arbeitete sogar einmal für über 1 Jahr in Peking, fernab von Familie und Freunden. All dies machte mir schon immer sehr viel Spaß und ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, weshalb ich den Punkt „Arbeit“ oben als erstes genannt hatte und dass die meisten meiner Freunde auch gleichzeitig meine Kollegen waren.
Ich hatte eine schöne helle 3-Zimmer Wohnung mit zwei großen Balkonen, in welche ich erst Anfang des Jahres eingezogen war. Nach meiner Betrachtung war diese auf jeden Fall gepflegt und sauber, wenn auch vielleicht nur oberflächig. Dass es aber solche Details überhaupt gibt, habe ich ja auch erst später gelernt. In jedem meiner Zimmer hatte ich mich, aus meiner damaligen Sicht heraus, für je eine echte „Knaller-Farbe“ entschieden. Der Flur war „Ocker-Grau-Grün“, das Arbeitszimmer „Neon-Grün“, das Schlafzimmer in einem „Leucht-Orange“, dass einem im Nachhinein betrachtet das Betreten eigentlich nur mit einer Sonnenbrille ermöglichte und das Wohnzimmer war „Nutella-Braun“ und „Honig-Gelb“ gestrichen.
Zum damaligen Zeitpunkt war ich 30 Jahre alt und hatte bereits seit 5 ½ Jahren allein gewohnt. Ich hatte nie eine Freundin mit der ich mein Leben teilen konnte und bin so, zwischen Arbeit, Feiern und Freunden durch meinen Alltag gegangen aber ich wusste auch, dass es da doch noch irgendetwas mehr geben muss, um ein erfülltes Leben zu haben. Ich war an sich eigentlich schon immer ein halbwegs aktiver Mensch, der gerne Dinge in der Natur unternommen hat. Ob Rad fahren, Inline skaten oder einfach nur eine Runde durch die Gegend laufen. Nun ist es aber eben so, dass all diese Dinge alleine nur wenig unterhaltsam waren und man dadurch auch all die Dinge nur halb genießen konnte. Zum Glück gab es da ja aber auch noch einige Freunde, mit denen man sich regelmäßig traf und auch die verrücktesten Dinge und spontansten Aktionen machen konnte. Insgesamt war das schon eine schöne Zeit gewesen und hatte einen auch immer wieder etwas vergessen lassen, dass man an sich alleine war. Mit Freundschaften ist das aber eben auch so eine Sache, auf die ich im weiteren Verlauf des Buches noch einmal mehr ins Detail eingehen werde.
Ein Großteil meiner Freunde war damals so Mitte 20 und das ist bekanntlich auch die Zeit, wo bei den meisten von uns die ersten Partnerschaften entstehen. An sich etwas Wunderbares, hatte ich mich doch selbst auch schon so lange danach gesehnt. Jedoch haben Partnerschaften bei manchen Menschen leider den negativen Effekt, dass es auf einmal nur noch den Partner gibt und alles andere um einen herum plötzlich in Vergessenheit gerät. So war es schließlich auch bei mir und mehr und mehr Abende oder Wochenenden war ich plötzlich alleine geblieben, da auf einmal alle schon etwas zu zweit oder mit anderen Pärchen vorgehabt hatten.
Doch dann kam ein Ereignis, wo die meisten wahrscheinlich eher Angst davor gehabt hätten aber ich hatte mich wie ein kleines Kind darauf gefreut. Mein 30. Geburtstag im Juni 2008! Wieso ich mich darauf gefreut hatte? Ganz klar, ich wollte eine richtig coole Party auf die Beine stellen, an die sich alle erinnern würden und hoffte so auch mal wieder alle meine Freunde zu sehen und Spaß zu haben, so wie in den guten, alten Zeiten. Es war wirklich ein großartiger Geburtstag mit etwa 100 Freunden, Bekannten und meiner Familie. Alle hatten sich super verstanden und wir hatten eine richtig gute Stimmung an dem Abend. Es war so, wie ich es mir gewünscht hatte und für den Moment waren auf einmal alle wieder da und alles wieder so, wie in den guten, alten Zeiten. Wenn ich damals gewusst hätte, dass nur ca. 100m Luftlinie von uns entfernt der größte Schatz in meinem Leben wohnte, hätte ich wahrscheinlich alles und jeden stehen und liegen gelassen, um zu ihr zu kommen.
Nach der Feier ging jedenfalls alles wieder recht schnell in den Alltag über und mein Leben ging weiter wie gehabt. In diesem Jahr aber wollte ich unbedingt mal wieder einen Urlaub machen.
Ich war seit drei Jahren schon nicht mehr im Sommer weg gefahren, da die meisten der Freunde von damals inzwischen Partnerschaften hatten und ich bisher auch nie allein in den Urlaub fahren wollte. Ich dachte mir, zu meinem Geburtstag waren so viele meiner Freunde da und hatten mit mir gefeiert, da würde schon irgendeiner davon Zeit und Lust haben, um mit mir für ein paar Tage weg zu fahren. Aber mal wieder weit gefehlt. Alle hatten schon entweder etwas vor gehabt oder konnten nicht. Da ich mir diesmal jedoch fest vorgenommen hatte, endlich mal wieder weg zu fahren, beschloss ich eben allein Urlaub zu machen. Ich nahm mein Surfbrett, ein Zelt und packte den ganzen Kofferraum meines kleinen Audi TT voll, um für zwei Wochen nach Navene an den Gardasee zu fahren, wo ich bereits früher schon einige Male mit meinen Freunden gewesen war. Da ich auch bisher in meinem Alltag ganz gut allein zurechtgekommen war, ohne dabei in Einsamkeit zu versinken, tat ich es dann auch so in meinem Urlaub. Ein paar Ausflüge mit dem Auto, die Berge, ein paar kleine malerische Städte anschauen, schwimmen, surfen und Sonne. Die Zeit die ich da verbrachte, hatte mir auf jeden Fall recht gut getan und so kam ich entspannt und froh darüber, dass ich den Urlaub allein gewagt hatte, Ende September 2008 wieder zurück. Eigentlich dachte ich mir, dass der Alltag und mein Leben danach wieder ganz normal weiter gehen würden, genau so wie in der Zeit vor dem Urlaub. Wie sich nach meiner Ankunft aber herausstellte, lag ich mit meiner Vermutung mal wieder ziemlich daneben.
Einer meiner Freunde hatte mir im Jahr zuvor eine neue Internetpräsenz ans Herz gelegt, die voll cool wäre und wo man sich untereinander schreiben könne, Bilder austauschen und alle möglichen Freunde wieder finden würde. Sie nannte sich studiVZ und obwohl ich nicht studiert hatte, war ich doch seinem Rat gefolgt und dachte mir, vielleicht würde ich da ja wirklich ein paar Freunde wiederfinden. Im Endeffekt war das eine Art „Social Network“ und so was wie der Vorgänger von „Facebook“ gewesen aber zu der Zeit eben doch noch etwas ganz Neues. Einige Zeit später kam dann eine zweite Seite namens meinVZ hinzu, die nicht nur an Studenten gerichtet war. Sie war für jeden und gruppiert nach der Stadt, in der man wohnt. Ich dachte mir, dass dies besser zu mir passen würde, da ich ja nicht studiert hatte und stellte mein Profil daher auf meinVZ um. Nicht im Geringsten hätte ich mir erträumen lassen, dass ausgerechnet dieser Schritt alles komplett verändern würde und dies der Anfang war, der mein Leben in die richtige Bahn lenkte.
Als ich aus dem Urlaub wieder zurück war, wollte ich eigentlich nur ein paar der Urlaubsfotos auf meinVZ hochladen. Ich aktualisierte mein Profilbild noch mit einem aus dem Urlaub und auf einmal bemerkte ich, dass da jemand etwas auf meiner Pinnwand geschrieben hatte. Normalerweise fand ich da von unbekannten Frauen meist nur irgendwelche Nachrichten wie:
„Hi ich bin die Olga und würde Dich gern kennen lernen.Bin gerade über den PC von meiner Freundin online aber Dukannst mich auf dieser Seite… im Netz finden!“
Oder man bekam von Ljudmila eine Handynummer, wo ich sie hätte anrufen können und dann gleich direkt abgezockt werden würde.
Ich sah mir aber den Eintrag auf meiner Pinnwand an und irgendwie war es diesmal anders als sonst. Zum einen war es weder eine Olga oder Ljudmila und zum anderen war es auch keine dieser üblichen Fake-Nachrichten.
Am 13.09.2008 hatte mir um 17:53 Uhr eine gewisse Natalie geschrieben und dies war der erste Kontakt zwischen uns:
„Hey Uwe, ich heiße Natalie. Fand deine Seite ganz nett und dachte mir, dass ich dir einfach mal schreib. Hoffe, dir geht’s gut und du genießt das Wochenende. Lass es dir gut gehen. Kannst ja mal schreiben. Liebe Grüße, Natalie“
Ich muss gestehen, dass mich das irgendwie neugierig machte und ich hatte mir natürlich auch gleich erst mal ihr Profil angesehen, um zu kontrollieren, ob es ein echtes oder doch wieder nur so ein Pseudo-Profil war. Dort hatte ich schließlich gesehen, dass diese Natalie zum einen Single war, wie ich in Schwabach wohnte, 23 Jahre jung war, gerne Sport machte und auch noch einige Bilder von ihrem letzten Urlaub. Das alles hatte mir sehr gut gefallen (besonders das Bild von ihr im Bikini;-) und ich überlegte, was ich nun am besten tun sollte. Irgendwie war ich ein wenig verunsichert, da mir hier auf dieser Seite noch nie jemand geschrieben hatte und erst recht nicht eine so gut aussehenden, junge Frau. Was mich anfangs etwas überlegen ließ war auch, dass sie 7 Jahre jünger war und ich mir eigentlich nicht vorstellen konnte, dass sie mit ihren 23 Jahren zu mir passen könnte. Dann bemerkte ich auch noch, dass die Nachricht von ihr bereits 10 Tage alt war und fühlte mich irgendwie einer möglichen Chance beraubt.
Ich dachte mir nur:
Na toll, da war ich seit Jahren mal wieder im Urlaub und ausgerechnet in dieser Zeit schreibt mir eine Frau!
Wahrscheinlich würde sie sich schon gar nicht mehr daran erinnern oder wäre sauer darüber, dass ich nicht mal geantwortet hatte. Ich wusste nicht, ob ich jetzt noch antworten oder es einfach dabei belassen sollte. So oder so, es gab nur diese zwei Möglichkeiten und letzten Endes hatte ich ja nichts zu verlieren.
Also schrieb ich ihr am 23.09.2008 um 22:09 Uhr:
„Das ist aber ´ne schöne Überraschung! Danke für Deine Nachricht und sorry, dass ich erst jetzt antworte… Gut geht's, war grad zwei Wochen am Gardasee im Urlaub und bin seit heute wieder im kalten Alltag. Werde ich mich aber schon wieder dran gewöhnen… Dir geht's auch gut? LG, Uwe“
Mit diesem kurzen Wortwechsel hatte damals vor 5 Jahren alles angefangen. Ich hätte nie gedacht, dass daraus etwas so Wundervolles entstehen würde, zumal dieses Internetportal ja auch nicht irgend so eine Partnerbörse war. Ich versuchte einfach endlich mal alles in Ruhe auf mich zukommen zu lassen, um vielleicht ja dadurch auch mal jemanden außerhalb von meiner Arbeit, hier in meiner Stadt, kennen zu lernen. Jemanden mit dem man mal das eine oder andere zusammen unternehmen könne und dabei vielleicht auch etwas Anschluss finden würde.
Natalie erzählte mir später mal, dass auch sie sich erst kurz vor ihrer Nachricht bei meinVZ angemeldet hatte, um genau wie ich nette Leute aus Schwabach kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Nach dem Login dort, erscheinen auf der Startseite willkürlich drei Bilder von Personen aus der eigenen Stadt. Eines Tages war da zufällig mein Bild erschienen und sie fand es so sympathisch, dass sie mir einfach schreiben wollte.
Ich muss schon eingestehen, dass ich bisher noch absolut keine Erfahrungen hatte, wie man so richtig mit einer Frau flirtet oder sie besser kennenlernt. Ich wollte zum einen ja nichts übereilen, da ich ja nicht wusste nach was sie eigentlich suchte und zum anderen wäre ich ja auch schon froh gewesen jemanden kennen zu lernen, um verschiedenste Freizeitaktivitäten gemeinsam zu unternehmen und sich ab und zu mal auf einen Kaffee zu treffen. Eigentlich hatte ich gar nicht daran geglaubt, dass sie sich nach meiner verspäteten Antwort überhaupt noch melden würde aber schon am nächsten Tag war eine neue Nachricht in meinem Postfach:
„Hallo Uwe,
wusste erst gar nicht mehr, wo ich dich einordnen soll.
Hast ja ein neues Bild von dir.
Gardasee… Klingt herrlich. Sonne, Wasser, einfach Sommer-Feeling, das könnten wir hier im tristen Deutschland gut gebrauchen. Wie war’s denn?
Danke, mir geht’s soweit schon ganz gut.
Gewöhn dich gut wieder ein. Liebe Grüße zurück.
LG Natalie“
Was bedeutete diese Antwort?
Wollte sie tatsächlich wissen, wie es in meinem Urlaub war?
Hatte diese Frau etwa Interesse an mir oder wollte sie einfach nur nett sein und antwortete deshalb auf meine Nachricht?
Es gingen mir so viele Fragen durch den Kopf aber egal. Ich wollte mehr von dieser Natalie erfahren, sie näher kennen lernen und hoffte einfach nur darauf, dass wir weiter in Kontakt bleiben würden.
Die darauf folgenden Tage hatten wir fast täglich Kontakt zueinander gehabt und schrieben uns weiter. Unsere Kennenlernphase fand also sozusagen schriftlich statt aber mit jeder Nachricht erfuhren wir mehr und mehr voneinander. Ich war den ganzen Tag über schon immer neugierig darauf, ob sie mir und wenn ja, was sie mir wieder geschrieben hatte. Es war auf jeden Fall ein ganz vorsichtiges herantasten und wir hatten uns über die verschiedensten Dinge ausgetauscht. So erfuhr ich beispielsweise, dass sie seit einem Jahr in Ihrer Wohnung in Schwabach lebte, dass sie den Sommer und die Wärme mochte, dass sie auch rauchte aber gerne damit aufhören würde oder wie auch ich schon lange nicht mehr Ski fahren war. Ganz vorsichtig hatte ich mal so nebenbei geschrieben, dass wir da ja vielleicht mal zusammen Ski fahren könnten. Danach war ich mal wieder ziemlich verunsichert, ob ich vielleicht nicht etwas zu früh mit diesem Vorschlag gekommen war aber sie antwortete mir, dass sie fürs Ski fahren immer zu haben sei.
Ab diesem Moment wurden auch unsere Nachrichten immer länger und persönlicher und ich erfuhr auch, dass sie im Schichtdienst als Heilerziehungspflegerin in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung arbeitete, dass sie wie auch ich damals in einem Fitness-Studio Sport machte, dass ihr Papa bei derselben Firma wie ich arbeitete, sie sehr aktiv war und es sie immer nach draußen in die Natur zog. Sie schrieb mir auch, dass sie gerne Pizza mit Krabben und Rucola mochte und gerade auf der Suche nach einer größeren Wohnung war. Der Kontakt wurde jedenfalls immer intensiver und regelmäßiger aber noch immer auch mit einer gewissen Distanz, da keiner von uns beiden so genau wusste, was der Gegenüber eigentlich für Ziele hatte.
Irgendwann fragte Natalie mich mal, ob ich ihr bei ihrem Profilbild helfen könne, da es so dunkel sei. Ich bearbeitet daraufhin ihr Foto soweit, dass es etwas heller wirkte und schickte es ihr wieder zurück, woraufhin sie sich sehr bei mir bedankte. Für mich war es nur eine Kleinigkeit aber ich fühlte mich einfach nur glücklich, ihr damit einen Gefallen getan zu haben.
Eines Tages hatte ich mir für meine Terrasse einen Pflanzkübel mit Pergola selber gebaut und als ich fertig war, hatte ich plötzlich das dringende Bedürfnis, mein „Werk“ mit Natalie zu teilen. Sie war die erste an die ich dabei gedacht hatte und ich wollte unbedingt ihre Meinung dazu wissen. Das war zwar etwas total Nebensächliches aber in diesem Moment wurde mir klar, dass da doch mehr ist und sie bereits ein Teil von meinem Leben geworden war, obwohl wir uns noch nicht ein Mal gesehen oder gesprochen hatten.
Am 6. Oktober 2008 hatte sie mir dann mal wieder eine lange und liebe Nachricht geschrieben und am Ende so ganz nebenbei erwähnt:
„…Bei der Gelegenheit frage ich dich einfach mal, ob du nicht mal Lust hast, einen Kaffee trinken zu gehen. In Schwabach gibt’s ja jede Menge gemütliche Cafés, die zum Einkehren einladen:) Wenn nicht, ist auch OK *g. Würde mich aber schon freuen…“
Ich konnte es kaum glauben, als ich das las und war einfach nur glücklich, dass sie mich tatsächlich näher kennenlernen und auch treffen wollte. Jetzt war es also passiert und mir wurde dabei auch bewusst, dass ich sie nun nicht mehr nur mit meinen Worten überzeugen konnte. Jetzt musste ich sie von mir persönlich überzeugen, denn wie sie später weiter schrieb:
„Mensch, ich freu mich echt auf übermorgen. Wird Zeit, dass ich mal den lieben Uwe real kennenlerne:) Und so schlimm wird’s schon nicht werden. Wir kriegen das sicher hin.“
Ich hoffte jedenfalls, dass sie den echten Uwe auch in live mögen würde und war mal wieder total aufgeregt.
Der Termin für das erste Date stand also fest und alles war ausgemacht. Ich weiß noch, wie ich an diesem Tag auf der Arbeit wie auf Kohlen gesessen war und die ganze Zeit über sämtliche Szenarien durchspielte, was alles passieren könnte, um bloß nichts falsch zu machen oder etwas zu versauen. Ich überlegte mir, was ich denn alles so sagen oder erzählen könnte, da ich ja nun mal nicht gerade der Erfahrenste mit Dates war. Ich war mir sicher, dass sie mit ihren 23 Jahren damals, sicherlich ein wenig mehr Erfahrung und Coolness von einem Mann erwarten würde, wenn der schon 30 Jahre alt war.
Es war Donnerstag, der 16. Oktober 2008 und wir hatten uns um 18:00 in einem Café namens „PRINZ“ in Schwabach verabredet. Ich hatte für dieses Treffen alles bis ins Detail durchgeplant und war überpünktlich von der Arbeit los gefahren, damit ja nichts schief gehen konnte. Doch dann hatte ich ausgerechnet an diesem Tag einen Stau auf der Autobahn gehabt und so kam ich nur gerade so noch pünktlich an. Ich kann mich noch genau und bis ins Detail an diesen Abend erinnern. Es war kalt, dunkel und regnete in Strömen. Ich fuhr die Straße am Café entlang in die Tiefgarage und schaute mich um, ob Natalie schon da sein würde. Und tatsächlich, da stand eine Frau im Regen vorm Eingang und so wie es schien, wartete sie bereits auf mich. Mein erster Gedanke im Vorbeifahren war einfach nur:
Wow, was für eine Frau!
Auf dem Weg vom Auto zu ihr gingen mir erneut unzählige Gedanken durch den Kopf, obwohl ich doch schon vorher alle Szenarien durchgegangen war. So kamen in mir immer und immer wieder dieselben Fragen auf:
Wie würde wohl die erste Begegnung verlaufen und wie gehtman richtig in dieser Situation um?
Ich ging weiter und noch immer spukte es in meinem Kopf, mit unzähligen Fragen und Gedanken.
Wie soll ich sie begrüßen?
Hand schütteln oder umarmen?
Was soll ich zur Begrüßung sagen?
Was wird sie zu mir sagen?
Wird sie mich mögen oder doch enttäuscht sein?
Schließlich kam ich ihr mit all meinen Gedanken und Zweifeln entgegen und überlegte noch immer, wie ich sie am besten begrüßen sollte. Ich wollte schon meine Hand ausstrecken, da ich mich innerlich als Begrüßung zum Handschlag entschlossen hatte, um nicht zu sehr vorzupreschen aber in diesem Moment öffnete sie schon ihre Arme und umarmte mich herzlich mit den Worten:
„Hi ich bin die Natalie und Du musst sicher der Uwe sein!Schön, dass wir uns endlich mal kennen lernen.“
Von diesem Moment an war auf einmal alles von mir abgefallen, was mich zuvor so beschäftigt hatte. Sie schaffte es vom ersten Moment an, alle meine Zweifel und Ängste die mich zuvor beschäftigt hatten, mir von dem einen auf den anderen Augenblick zu nehmen.
Der Abend verlief besser als ich es mir vorstellen konnte und die Zeit verging wie im Fluge. Wir bestellten uns zwei Maracujasaft-Schorle, dazu einen Latte Macchiato mit Strohhalm für sie und einen Kaffee für mich. Sie hatte eine Menge Fragen an mich und viel zu erzählen gehabt, was mir sehr entgegen kam. Durch ihre offene und aufgeschlossene Art konnte auch ich mich schnell immer mehr öffnen und wir erzählten uns gegenseitig viel über unser Leben, die Vergangenheit, Gegenwart und was wir vom Leben erwarteten.
Bei unseren Gesprächen war mir von Anfang an aufgefallen, dass diese Frau etwas ganz Besonderes war. Wenn ich bedenke, dass sie damals erst 23 Jahre alt gewesen war, ist es für mich umso mehr bewundernswert, wie wir uns über die verschiedensten Themen unterhalten konnten und ich nicht einen Moment daran gedacht hatte, dass sie 7 Jahre jünger war. Ich war wie in einem Bann und fand es unglaublich, wie erwachsen und realistisch sie war. Natalie stand mit ihren jungen Jahren schon so im Leben, wie ich es bei den meisten meiner gleichaltrigen Freunde nicht kannte. Sie hatte Ziele, machte sich Gedanken über die Zukunft, hatte keine Teenager-Phantasien vom Leben und man konnte mit ihr ernsthafte Gespräche führen. Dazu dieses bezaubernde Lächeln in ihrem Gesicht, gespickt mit zwei kleinen Grübchen und klitzekleinen Lachfalten um ihre strahlenden Augen. Sie sah einfach super aus und ich konnte es noch immer nicht glauben, dass ich gerade mit dieser fantastischen Frau zusammen in einem Café saß und wir uns blendend verstanden.
Wir unterhielten uns auch wieder über das Thema Ski fahren und hatten schon mal in Gedanken einen gemeinsamen Ski-Urlaub in unseren Köpfen gesponnen. Später kamen wir aus mir noch immer unerklärlichen Gründen auf einmal auf das Thema „passierte Tomaten“ und wir philosophierten darüber, warum die denn eigentlich so heißen würden. War da mit den Tomaten etwa was passiert???
Plötzlich war der Abend aber leider auch schon wieder zu Ende und obwohl wir uns beide sichtlich gut amüsiert hatten, wusste keiner von uns so genau, wie es für den anderen gewesen war. Wir versicherten uns gegenseitig, wie schön wir den Abend empfanden und verabschiedet uns voneinander herzlich, wenn auch noch immer etwas distanziert. Ich fühlte mich vom ersten Moment an zu dieser Frau hingezogen, obwohl ich es mir noch nicht so recht eingestehen wollte. Schließlich wollte ich ja diesmal alles etwas ruhig angehen lassen und nichts überstürzen, um ja nichts zu gefährden. Jeder ging danach wieder zu sich nach Hause und auf dem Weg dahin wusste ich schon, dass ich ihr unbedingt noch schreiben wollte, dass mir der Abend mit ihr sehr gefallen hatte. Als ich zu Hause angekommen war, fuhr ich schnell meinen Rechner hoch und schrieb ihr als erstes eine Nachricht, um meinen Eindruck von unserem ersten Date noch einmal zu betonen. Ich wartete, ob sie antworten würde und ihr es auch gefallen hatte oder ob ich mir mal wieder etwas vorgemacht hatte. Doch nur kurze Zeit später wurden diese Zweifel beseitigt, denn sie schrieb mir:
„Hallo Uwe,
wollte dir noch schnell sagen, bevor du ins Bett gehst, dass der Abend mit dir schön war und ich positiv überrascht war. Du bist ein sehr sympathischer Mann, in dessen Begleitung ich mich wohl gefühlt habe.
Hoffe, dass wir uns mal wieder sehen und uns noch besser kennenlernen können.
Jetzt schlaf dann mal gut, träum was Schönes.
Vielleicht ja bis bald.
Liebe Grüße, Natalie“
Das war nun mein erstes Date gewesen und ich fühlte mich nach dem Abend und der Nachricht von Natalie, wie im 7. Himmel. Kein Geld der Welt hätte diesen Glücksmoment je aufwiegen können, den ich in diesem Augenblick verspürt hatte.
Später in unserer Beziehung hatten wir auch mal über dieses erste Treffen gesprochen und wie jeder von uns damit umgegangen war. Ich hatte keinem meiner Freunde und auch niemandem aus meiner Familie gegenüber etwas davon erzählt, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, ihnen später erklären zu müssen, dass es mal wieder nichts geworden war. Bei Natalie sah es hingegen ganz anders aus, da sie ihrer Mama und auch ihren Freundinnen vor dem Treffen bereits von uns erzählt hatte. Einer ihrer Freundinnen hatte sie sogar gesagt, dass im Fall eines Flops sie ihr eine SMS schreiben würde, damit diese sie dann anrufen solle und Natalie praktisch eine Ausrede hätte, um einfach zu gehen. Zum Glück kam es ja aber nicht dazu.
Das erste Treffen war also gut verlaufen aber nun kam es darauf an, wohin die Reise führen würde. Würde eine gute Freundschaft entstehen, welche für mich allein schon ein großes Geschenk gewesen wäre, oder würden wir uns am Ende vielleicht sogar verlieben, was für mich eigentlich noch immer unvorstellbar gewesen war. Freundschaft oder Liebe? Was sollte diese wunderschöne und bewundernswerte Frau ausgerechnet an mir finden? Wahrscheinlich könnte sie sich die Männer die ihr gefielen, jederzeit beliebig aussuchen. Genug Interessenten gäbe es sicherlich.
Nach unserem ersten Treffen schrieben wir uns die darauffolgenden Tage und Wochenenden eigentlich täglich, teilweise sogar mehrmals und wir wollten uns unbedingt, so schnell wie möglich wiedersehen. Es dauerte auch nicht lange und wir verabredeten uns bereits für den nächsten Dienstag zu einem weiteren Date. Für unser zweites Treffen hatten wir uns zum Abendessen im Schwabacher Restaurant „Konstantin“ verabredet. Diesmal hatte Natalie vorsichtshalber gleich 18:30 vorgeschlagen, damit es für mich nicht zu stressig werden würde.
Da war also unser zweites Date und ich hoffte einfach, dass sich der Eindruck von unserem ersten Treffen bestätigen würde und wir uns weiterhin so gut unterhalten könnten. Auch dieses Treffen war ein absoluter Volltreffer! Wir hatten in wunderschöner Atmosphäre einen sehr schönen Abend, bei leckerem Essen und natürlich auch wieder einer Maracujasaft-Schorle. Wie unterhielten uns über alles was uns gerade durch den Kopf ging und lernten uns weiter besser kennen.
Wir machten uns Gedanken darüber, wie man eigentlich sein Besteck richtig auf dem Teller ablegt, um zu zeigen, dass man sein Essen beendet hat oder ob man nur eine Pause einlegt und noch nicht fertig war. Auch darüber, wie man sich verhalten würde, wenn man sich irgendwie vollkleckert, dem anderen etwas am Mundwinkel hängen sollte oder man einen Popel an der Nase hätte. Würde man dem Gegenüber darauf hinweisen oder nicht? Schließlich bringt man den anderen in eine peinliche Situation aber auf der anderen Seite würde man dann wahrscheinlich ständig darauf schauen und wenn man es selbst wüsste, wäre es einem sicher auch peinlich. Ein Teufelskreis!
Im Anschluss an unser Essen und unsere Philosophien gingen wir noch eine Runde durch Schwabach. Wir spazierten über den Markt, an der alten Stadtmauer entlang, weiter zur Bibliothek, wo sich Natalie regelmäßig ihre Bücher auslieh und über den Altstadthof, wo ihr Lieblingscafé „Centro“ war. Dort gab es zu der Zeit sogar noch eine eigene Raucher-Lounge, wo man ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen, seinen Kaffee und eine Zigarette in gemütlicher Couch-Atmosphäre genießen konnte. Während unseres Rundgangs durch Schwabach dachte ich mal wieder die ganze Zeit darüber nach, wie ich mich angemessen verhalten sollte.
Sollte ich ihre Hand nehmen?
Sollte ich Sie in den Arm nehmen?
Sollte ich am Ende unseres Abends ihr einen Kuss geben?
Wenn ja, auf die Wange oder auf den Mund?
Am Ende des Treffens verabschiedeten wir uns jedenfalls mit einer herzlichen Umarmung. Später erzählte mir Natalie über den Abend, dass sie so sehr darauf gewartet hatte, dass ich endlich mal ihre Hand genommen oder irgendein Anzeichen gemacht hätte, dass es mehr sein könnte zwischen uns.
So war ich aber eben und Natalie wusste trotzdem damit umzugehen. Sie gab mir die Chance und vor allem die Zeit die ich damals einfach noch brauchte. Nach unserem Treffen gingen wir wieder in unsere Wohnungen zurück und als ich bei mir ankam, startete ich als erstes gleich den Rechner, um Natalie noch zu schreiben, wie schön ich den Abend mit ihr fand und wie das denn nun mit dem Besteck so genau sei:
„Hallo Natalie!
Wollte mich doch nochmal für den wunderschönen Abend mit Dir bedanken!
Ich fand' es wieder sehr schön mit Dir.
Du bist eine ganz wundervolle Frau und ich fühle mich einfach gut in Deiner Gegenwart.
Hab da übrigens noch was zum Thema: "Wie legen Sie Ihr Besteck richtig ab?"
Die "Besteck-Geheimsprache" in Deutschlands Gastronomie kennt in puncto Ablegen zwei nonverbale Signale:
1
.
Hat ein Gast sein Essen beendet, wird das Besteck rechts unten abgelegt - auf "fünf vor halb sechs", wenn Sie sich den Teller als Uhr vorstellen.
2
.
Will der Gast sein Essen fortsetzen, legt er das Besteck auf "fünf vor halb acht" so hin, dass Messer und Gabel einen rechten Winkel bilden.
Noch ein Hinweis: Alle übrigen "Besteck-Geheimcodes" sind Gerüchte - und ziemlicher Unfug. Etwa, dass ein Ablegen auf "fünf vor halb sechs" bedeutet, der Gast sei mit der Qualität des Essens nicht zufrieden. Ein solches Verhalten widerspräche den Grundsätzen der Höflichkeit, und die Besteckstellung besagt einfach nur: "Ich bin fertig mit meinem Essen".
Ich wünsch' Dir eine gute Nacht, träum was Schönes und hoffentlich bis bald!
Gaaaaaaaaaanz liebe Grüße, Uwe“
Die Antwort darauf ließ natürlich nicht lange auf sich warten und kam umgehend:
„Hallo Uwe. Ich fand den Abend auch sehr schön, und wir haben uns ja auch ein ganz gemütliches Ambiente rausgesucht. Für das, dass wir uns kaum kennen, ist die Kommunikation ja schon recht ausdauernd.
Ich fühle mich auch wohl in deiner Gegenwart und bin gespannt, was wir als nächstes unternehmen….
Jetzt sind wir bestens aufgeklärt über das Bestecklegen. Dachte ich‘s mir doch, dass du das noch nachschaust….
So, jetzt dann zum Gute-Nacht-Gruß… Schlaf gut, träum‘ was Schönes. Bis bald, natürlich!!!
GAaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz liebe Grüße zurück. Natalie“
Es schien so, als ob ihr unsere letzten Treffen tatsächlich auch genauso gut gefallen hatten wie mir und ich wollte einfach nur noch mehr von dieser Frau!
In der darauf folgenden Woche gab es aber leider ein paar Probleme sich zu treffen, da ich dienstlich unterwegs war und am Wochenende meine Eltern zu Besuch waren, welche ja von Natalie zu dem Zeitpunkt noch nichts wussten. Als diese am Sonntag aber wieder zurück gefahren waren, kam es zu einem Augenblick, den ich für immer in meinen Gedanken behalten werde.
Es war Sonntag, der 26. Oktober 2008. Meine Eltern waren gerade wieder gefahren und ich war auf meinem Balkon, als auf einmal eine Stimme ertönte:
„Haaaaaa-llo!
Haaaaaa-llo, Herr Schuuuu-mann!“
Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen aber da war sie. Im Hof vor meinem Haus stand die für mich wunderschönste Frau und sie wollte zu mir! Natalie war sich zunächst nicht ganz sicher, ob meine Eltern noch da waren, deshalb hatte sie etwas vorsichtig gerufen. Da ich aber allein war, stand einem ersten Treffen in meiner Wohnung nichts mehr im Wege. Sie kam nach oben und wir setzten uns an einem sonnigen Sonntagnachmittag auf meine Terrasse. Ich hatte bereits ein paar Tage zuvor schon mal vorsichtshalber Maracujasaft gekauft, um im Falle, dass sie bei mir vorbei kommen würde, vorbereitet zu sein. Also dachte ich mir, dass ich sie nun mit einer frischen Maracujasaft-Schorle beeindrucken könnte, da ihr diese ja auch schon bei unseren ersten beiden Treffen so geschmeckt hatte. Natalie genoss das erfrischende Getränk auch wirklich ohne zu murren, obwohl sich nach einiger Zeit herausstellte, dass ich anstatt spritzigem Wasser, stilles Wasser für die Schorle genommen hatte und es damit weniger eine Maracujasaft-Schorle war, als mehr ein verdünnter Maracujasaft. Sie sagte mir später, dass es zwar nicht besonders schmackhaft gewesen war aber sie sehen konnte, dass ich mir echt Mühe gegeben hatte und ihr etwas Gutes tun wollte.
Es war ein wunderschöner Sonntagnachmittag und vielleicht sogar der schönste, den ich bis dahin in meinen 30 Jahren erlebt hatte. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich einmal in meiner Wohnung Besuch von so einer entzückenden Frau haben würde, die einfach nur wegen mir hier war, weil sie Sehnsucht nach mir hatte. Später am Abend kam dann von Natalie auch gleich wieder die Bestätigung dazu:
„Einen schönen Abend, Uwe!
Muss dir nochmals sagen, wie traumhaft schön deine Wohnung ist… Ach, da auf dem Balkon könnte ich es aushalten, mit Buch, Cappuccino und Sonne.
War mal wieder sehr lustig mit dir. Was ich besonders an dir mag, ist, dass ich so viel mit dir lachen und reden kann. Bist wirklich ein ganz netter Mensch
Hoffe, wir können uns zwischendrin mal hören. Lass es dir gut gehen.
Freu mich auf ein Wiedersehen.
Ganz liebe Grüße, Natalie“
Es hatte ihr also auch bei mir in meiner Wohnung gefallen und vielleicht würde sie ja dadurch auch mal wieder kommen. Ich würde es mir jedenfalls wünschen und genug Platz hätte ich ja auch!
Nach kleineren Schwierigkeiten, um einen Tag für ein weiteres Treffen zu finden, war es schließlich am 5. November endlich wieder soweit gewesen und wir hatten uns diesmal um 18:30 am „Mönchshof“ in Schwabach verabredet. Auch dieser Abend hatte mir mal wieder gezeigt, wie schön es doch sein kann jemanden zu haben, mit dem man sich (5)stundenlang über alles Mögliche unterhalten konnte. Der Abend war mal wieder viel zu kurz und ich hatte das Gefühl, als ob wir uns schon ein Leben lang kennen würden. Wir hatten viele persönliche Gespräche aber auch wieder einige absurde Themen, wie beispielsweise zum Thema Todesstrafe, über die Natalie während ihrer Zeit im Abi mal ein Referat hatte.
So ging es dann eine ganze Zeit lang weiter. Erst hatten wir uns nur geschrieben und nach einer Weile fingen wir auch immer öfter an miteinander zu telefonieren. Es war einfach alles perfekt und doch hatten wir noch immer keinen weiteren Schritt gewagt. Wir wussten, dass wir zusammen passen würden aber hatten noch nicht darüber gesprochen, was wir jeweils eigentlich beabsichtigten. Freundschaft oder Liebe?
Es war Donnerstag der 13. November 2008 und ich wollte eigentlich gerade zu Bett gehen, als schon spät am Abend plötzlich mein Telefon klingelte. Ich nahm den Hörer ab und ahnte bereits, dass etwas Wichtiges passiert sein musste, da sich um diese Uhrzeit bei mir sonst nie jemand mehr meldete. Am anderen Ende der Leitung war Natalie gewesen, die mich von der Arbeit aus anrief und ziemlich aufgeregt klang. Sie sagte mir, dass einem ihrer Bewohner in der Nacht eine Vene am Bein geplatzt war und sie wusste nicht so recht, wen sie zu dieser späten Stunde noch anrufen könne, um darüber zu sprechen. Sie hatte den Bewohner in der Zwischenzeit natürlich schon absolut fachmännisch versorgt und auch den Notarzt gerufen. Es war aber eben noch überall das ganze Blut in dem Zimmer und ihr ging es überhaupt nicht gut. Wir sprachen lange über das Geschehene und ich sagte ihr, dass sie alles richtig gemacht hatte und wenn sie wolle, ich sofort vorbei kommen würde, um ihr zu helfen und für sie da zu sein. Sie lehnte mein Angebot zwar ab aber es war mal wieder einer der Momente, die für den Augenblick vielleicht unscheinbar aber doch entscheidend in unserer Beziehung waren. So erzählte Natalie mir später, dass sie an diesem Abend nicht lange überlegen musste, wen sie um diese Uhrzeit noch anrufen könnte. Sie brauchte jemanden, um darüber zu sprechen und sie wusste einfach sofort, dass ich für sie da sein würde, auch wenn es schon spät war. Ihre Mama hätte sich nur Gedanken gemacht, ihr Ex (der immer noch in ihren Gedanken rumspukte) hätte ganz sicher keinen Rat gehabt, da er schon davor immer gesagt hatte, dass wenn einer der Bewohner mal nerven würde, man ihm einfach paar Beruhigungsmittel geben sollte. In der Not merkt man eben, wer für einen wirklich da ist und ich war so stolz darauf, dass ich in diesem Moment für Natalie da sein durfte und sie mich angerufen hatte. Ich glaube, dass Natalie an diesem Abend plötzlich auch bewusst wurde, dass wir bereits etwas ganz Besonderes hatten und sie sich einfach immer auf mich verlassen könne. Egal wann und wo.
Am 16. November 2008 hatten wir uns an einem Sonntag zum Brunch in Nürnberg verabredet und es war das erste Mal, dass ich mit Natalie die Stadt Schwabach verlassen hatte. Was hatten wir uns mal wieder für Gedanken darum gemacht, ob jemand kleckern würde oder einem irgendein anderes Missgeschick passieren könnte. Es war jedenfalls das schönste Sonntags-Frühstück was ich bisher hatte und wir hatten uns mal wieder eine Menge zu erzählen gehabt.
Die Zeit verging und es stellte sich uns beiden noch immer die Frage, was das zwischen uns denn nun eigentlich so genau war und was es werden solle. Diese Situation führte daraufhin auch immer wieder mal zu dem ein oder anderen Missverständnis zwischen uns. Am 20. November 2008 hielt ich es nach einigen erneuten Verwirrungen nicht länger aus und legte Natalie schließlich mein Herz offen:
„Hallo Natalie,
ich glaub ich muss mal bissel was loswerden…
Als erstes, DU bist wirklich das Beste was mir bisher geschehen ist! Das mein ich wirklich ganz ehrlich. Ich bin vielleicht 30 aber glaub bitte nicht, dass ich dadurch auch schon weiter bin als Du. Ich bin, wenn ich ehrlich bin, eigentlich noch nie mit jemandem länger zusammen gewesen und seit ich Dich kenne, ändert sich auf einmal für mich zumindest alles. Ich schlaf abends ein mit meinen Gedanken an Dich und wache morgens auf mit meinen Gedanken an Dich. Irgendwie gehst Du mir einfach nicht aus dem Kopf und das kannte ich bisher einfach nicht! Und manchmal brauche ich einfach die Zeit, um meine Gedanken zu sammeln, so wie eben. Jetzt hab ich eine Woche mal Zeit gehabt, um all die Dinge bissel in mir zu ordnen…
1. Ich find Dich ganz toll!
2. Ich will Dich und öfters mit Dir zusammen sein!
3. Ich will Dich nie mehr enttäuschen!
4. Ich hab Dich wirklich verdammt lieb!“
Endlich war ich mal aus meiner Haut heraus gekommen und schaffte es zum ersten Mal, dass ich Natalie meine Gefühle ihr gegenüber offenbarte. Ich war schon ganz ungeduldig auf ihre Antwort gewesen, die dann aber doch schon bald kam:
„Hallo Uwe,
du schaffst es immer wieder, ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern. Danke für deine ehrlichen Worte. Tut sehr gut und gerade deine Ehrlichkeit mag ich so an dir.
Ich kann nur zurückgeben, dass ich sehr froh bin, dass ich dich angeschrieben hab und kennenlernen durfte. Du bereicherst auch mein Leben Und wir haben ganz viel Zeit, dass sich alles so entwickelt, wie es sein soll.
Ich freu mich auch sehr auf nächste Woche, wenn wir uns endlich wiedersehen!!!“
Es ging also weiter und ich wusste, dass meine Gefühle für Natalie angekommen waren und auch erwidert wurden.
Am 28.11. 2008 war plötzlich ein Äderchen in meinem Auge geplatzt und es war total blutunterlaufen gewesen. Ich suchte mir auf Natalies Empfehlung hin endlich einmal einen Hausarzt, da ich dies bisher noch nie getan hatte. Nach meinem Arztbesuch stellte sich heraus, dass mein Blutdruck wohl etwas zu hoch war. Irgendetwas passierte da mit mir und ich merkte, dass es irgendwie meine Emotionen in Wallung brachte und wahrscheinlich auch dies zu dem erhöhten Blutdruck führte. Ich bekam von meinem Arzt ein paar blutdrucksenkende Pillen, besorgte mir einen Blutdruckmesser und beobachte, wie sich alles weiter entwickelte.
Mit der Zeit pendelte sich aber doch alles wieder auf einem normalen Niveau ein und ich konnte die Tabletten absetzen. Es schien fast so, als hätte Natalie meinen gesamten Körper so in Wallung versetzt, dass man es sogar messen und auch sehen konnte. Dieses Gefühl kannte ich bisher noch nicht. Das musste also Liebe sein!
Irgendwann wollte ich Natalie endlich auch mal auf ihrer Arbeit besuchen, da sie mir schon so viel darüber erzählt hatte und ich sie für ihre Begeisterung und Hingabe in diesem Beruf schon immer bewundert hatte. Ich fuhr also zu dem Wohnheim und als ich davor stand dachte ich mir nur, dass sieht ja von außen wie ein ganz normales Eigenheim aus, mit schönem Garten und einer Terrasse. Ich muss dazu sagen, dass bevor ich Natalie kannte, noch nie in meinem Leben einen direkten Umgang oder Kontakt zu Menschen mit einer geistigen Behinderung hatte und dementsprechend auch verunsichert war, was mich erwarten würde. Ich klingelte schließlich und hörte schon von drinnen aufkommende Freude und Lachen. Es dauerte nur wenige Augenblicke bis sich die Tür öffnete und mich einer der Bewohner freudestrahlend herein gebeten hatte. Es war wie damals bei dem ersten Treffen mit Natalie. Mit einem Schlag waren alle meine Unsicherheiten und Gedanken darüber, wie ich mit ihnen umgehen sollte, verpufft und ich lernte jeden der Bewohner nacheinander kennen. Es war ein wirklich schöner Nachmittag und ich wusste, dass ich die Wohngruppe und auch Natalie noch öfters besuchen kommen würde. Das schöne an all den Menschen da war gewesen, dass sie die Fähigkeit hatten, jeden so zu akzeptieren wie er war und einen in ihrer Mitte aufnahmen, ganz gleich wie man aussah und ob man einen Pickel auf der Nase hatte. Endlich konnte ich mir also mal ein Bild von Natalies Arbeit machen, von dem ich bisher immer nur gehört hatte und es war beeindruckend zu sehen, wie professionell und leidenschaftlich sie mit allem und jedem umgegangen war und ich konnte dabei auch das Strahlen in ihren Augen sehen.
Am 11. Dezember 2008 hatten wir uns auf einen gemütlichen Kniffel-Abend bei mir verabredet. Der Abend fing an sich ganz gut an, endete aber später in einem ziemlichen Desaster. Zunächst war Natalie an diesem Abend irgendwie nicht so wie immer, was mich schon zu Beginn verunsicherte. Wie sich später herausstellte, hatte sie damals gerade einige Bedenken, ob da zwischen uns nochmal irgendetwas passieren würde und ich endlich mal mehr auf sie zukommen würde. Natalie hatte an diesem Abend auf einmal Zweifel an allem. Dem braunen Woll-Pulli den ich an hatte, dann hatten meine Füße wohl auch noch etwas gemüffelt und alles stand irgendwie unter keinem guten Stern. Im weiteren Verlauf des Abends kam sie auch noch auf das Thema schwul sein, da ich ja noch nie so richtig mit Frauen zu tun hatte. Als wir uns eine Weile darüber unterhalten hatten, war ich irgendwann doch ziemlich enttäuscht darüber, da es mich schon immer genervt hatte, dass wenn man nicht schon mit 14 oder so mit einer Frau im Bett gewesen war und man als Mann auch Gefühle zeigte, man immer gleich als schwul abgestempelt werden würde. An diesem Abend waren wir auf jeden Fall das erste Mal mit Zweifeln auseinander gegangen. Am nächsten Tag hatten wir eigentlich ein Treffen mit ihrer besten Freundin und ihrem Freund zum Bowling ausgemacht aber ich wusste nicht, ob ich darauf überhaupt noch Lust haben würde. Natalie schrieb mir dann an dem Tag noch eine Nachricht, auf die ich jedoch nicht mehr antwortete:
„Entschuldige bitte!!!
Guten Morgen Uwe,
jetzt muss ich noch was loswerden, bevor ich später ins Bad fahre. Ich war gestern noch lange wach. Manchmal bin ich sehr direkt und sage raus, was ich denke. Die Menschen, die mich sehr gut kennen, schätzen das sehr an mir, aber andere wissen vielleicht nicht immer, wie sie damit umgehen können.
Mein Kommentar gestern war nicht auf dich bezogen, dass ich das denke, sondern, wie du darüber denkst und ob du darüber schon mal nachgedacht hast. Ich hoffe nicht, dass ich dich damit irgendwie verletzt habe, denn das wollte ich wirklich nicht!!!
Ich will nur, dass du weißt, dass du mir sehr wichtig bist und dass ich mich auf dich und den heutigen Abend sehr freue!!! Ich hoffe, du kannst das nach dem gestrigen Abend auch noch wenigstens ein bisschen. Nimm mir das nicht übel, bitte. Ich werde mich mit solchen Kommentaren ein wenig zurückhalten, bevor es wieder zu einem Missverständnis führt. So wie du bist, ist das genau richtig, und ich bereue bis jetzt keine einzige Sekunde mit dir. Und das meine ich wirklich ernst!! Bis heute Abend, dann. Ich freu mich sehr darauf, und besonders, dass du dabei bist!!!
Entschuldigungs-ganz-arg-lieb-hab Grüße von Natalie“
Obwohl ich noch immer etwas enttäuscht von dem ganzen Abend zuvor war, ließ ich mich trotz allem darauf ein und ging mit Natalie, ihrer Freundin und ihrem Freund zum Bowling, obwohl ich innerlich eigentlich schon wieder alles beendet hatte. Auf der Fahrt und an der Bowlingbahn selbst hatte ich Natalie so gut wie komplett ignoriert und mich eigentlich nur mit ihrer Freundin und ihrem Freund unterhalten. Irgendwann saß ich ihr dann später am Abend an der Bowlingbahn gegenüber und hatte gesehen, wie sehr sie unter der Situation gelitten hatte und ich fragte mich:
Willst Du jetzt weiter wegen einer Banalität eingeschnappt sein und alles hinschmeißen oder willst Du an dieser wundervollen Frau festhalten und allem eine Chance geben?
Die Antwort darauf war selbst für mich einfach zu beantworten gewesen und daher setzte ich mich schließlich neben Natalie und legte meinen Kopf an ihre Schulter. Es fühlte sich so gut und so richtig an! Sie nahm ihre seidig zarten Hände, streichelte mir über den Kopf und ich wusste, ich will nichts mehr zwischen uns kommen lassen und ich will mit dieser Frau zusammen sein. Ich konnte es in ihren Augen sehen, wie sehr sie doch darauf gehofft hatte, dass ich an ihr festhalten und uns eine Chance geben würde. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich aufrichtig Liebe für eine Frau empfunden hatte und ich wollte mich gar nicht mehr aus ihren Armen losreisen. Sie roch so gut und dieses Gefühl, wie zärtlich sie mich streichelte und mit ihren Händen durch meine Haare fuhr, war einfach unbeschreiblich und unvergesslich schön gewesen.
Als uns später am Abend ihre Freundin nach Hause gefahren hatte und ich als erstes abgesetzt wurde, kam es schließlich zum alles entscheidenden Moment. Unseren ersten Kuss! Ihre Freundin und ihr Freund stiegen trotz eisiger Temperaturen dezent aus dem Auto aus und ließen uns die Zeit, um uns in aller Ruhe zu verabschieden. Wir saßen wie verliebte Teenager auf der Rücksitzbank und knutschten uns aus innigster Liebe. Dies war mein erster richtiger Kuss und ich wollte am liebsten gar nicht mehr aufhören. Mir war sofort klar, dass gerade eben etwas ganz Besonderes und Entscheidendes mit mir passiert war, was ich bisher so noch nicht kannte. Dieser Abend war auf jeden Fall ein sehr wichtiger Schritt und zukunftsweisend für alles Weitere gewesen. Es hatte alles so kompliziert und aussichtslos an diesem Abend begonnen, doch am Ende hatten wir den richtigen Abzweig gefunden, um unsere gemeinsame Reise weiter fortzuführen.
Genau dieses auf und ab aber am Ende immer wieder zu dem anderen zurück zu finden, hatte sich im Nachhinein durch unsere gesamte Beziehung hinweg gezogen und ich glaube auch dafür gesorgt, dass es auf diesem Weg nie langweilig wurde, da wir immer und immer wieder um den jeweils anderen kämpfen mussten und wollten. Das mag sich für den einen oder anderen vielleicht nicht so logisch anhören aber es gibt glaube kein schöneres Gefühl, wie wenn man seinen Partner für sich gewinnt und dies nicht nur am Anfang seiner Liebe, sondern sein Leben lang, immer und immer wieder aufs Neue! Somit hatten wir also endlich auch unseren ersten Kuss gehabt und wie ich mal wieder später erfahren hatte, war es auch höchste Zeit dafür, da sie schon ihre Zweifel daran hatte, ob ich überhaupt etwas Ernsthaftes von ihr wollen würde.
Die darauffolgende Zeit war auf jeden Fall etwas ganz Besonderes für mich. Schließlich hatte ich gerade zum ersten Mal dieses Gefühl in mir verspürt, jemanden wirklich aufrichtig zu lieben und ich hatte den ganzen Tag über ein gefühltes Grinsen im Gesicht, das von dem einen bis zum anderen Ohr reichte. Wir ließen uns trotz allem auch im weiteren Verlauf unserer noch frischen Beziehung die Zeit, um uns Stück für Stück näher kennenzulernen. Die Treffen wurden häufiger, wir verbrachten Zeit bei dem jeweils anderen zu Hause und telefonierten weiter täglich und dies immer länger und länger.
Die Tage und Wochen vergingen wie im Fluge und es fühlte sich immer mehr so an, als ob wir uns schon unser Leben lang kennen würden. Wir stellten fest, wie viele Gemeinsamkeiten und Interessen uns doch miteinander verbanden und wir unterhielten uns lange und ausführlich über die Zeit und das Leben des anderen, vor unserem Kennenlernen. Dadurch hatten wir vieles von einander erfahren und konnten uns vor allem noch besser verstehen.
Wir schafften es durch die vielen offenen Gespräche, uns gegenseitig zu verstehen und Vertrauen aufzubauen. Gerade Vertrauen und Ehrlichkeit waren für Natalie extrem wichtig, da sie in ihren Partnerschaften zuvor schon oft ausgenutzt, verletzt oder belogen wurde. Dies hatte es ihr auch immer wieder so schwer gemacht daran zu glauben, dass es jetzt endlich mal alles passen sollte.
Die Tage wurden kürzer, draußen wurde es kälter und so langsam begann auch die Weihnachtszeit. In diesem Jahr war ich ja nicht mehr ganz so allein und ich dachte mir, ich könnte Natalie noch mehr von mir überzeugen, wenn ich in meiner Wohnung alles ganz besonders weihnachtlich dekoriere und sie sich damit noch wohler bei mir fühlen würde. Ich kann schon mal vorweg nehmen, dass dieser Schuss gewaltig nach hinten losging. Ich kramte wirklich ALLE meine Weihnachtsdekorationen aus dem Keller hervor und stellte sie dicht an dicht in meiner Wohnung auf. Dazu war ich gerade dabei noch ein Früchtebrot zu backen, hatte die ganze Wohnung im Weihrauchdunst der Räucherkerzchen eingenebelt und als i-Tüpfelchen noch eine CD mit Weihnachtsmusik aufgelegt.
„Weniger ist manchmal mehr!“
Dies war einer von Natalies Lieblingssprüchen gewesen. Er passt einfach in nahezu jeder Lebenssituation und meist auch bei dem was man tut. Hätte ich diese Lebensweisheit doch nur schon damals gekannt!
Naja, Natalie kam jedenfalls wie immer überpünktlich zu mir und ich hatte sie in meine Wohnung herein gelassen. Man konnte ihr relativ schnell ansehen, dass irgendetwas gerade in ihr passierte aber sie ring sich trotzdem ein lächeln ab und begrüßte mich mit den Worten:
„Oh, Du hast es aber ganzschön weihnachtlich bei Dir hier.Was riecht hier eigentlich so streng?“
Ich klärte sie daraufhin auf, dass das wohl die Räucherkerzchen wären und hatte sie erst mal ins Wohnzimmer gelassen, wo sie dann glaube ich einen endgültigen Kulturschock bekommen hatte. Sie hatte sich trotz alledem nichts anmerken lassen und nur später noch betont, dass sie auch EINEN Ton-Weihnachtsmann von ihrer Mama hätte, den sie jedes Jahr zu Weihnachten aufstellen würde. Nachdem der erste Schock bei Natalie soweit verkraftet war, erfuhr ich im weiteren Verlauf auch noch, dass sie keine Rosinen oder Zitronat mag, welche aber nun mal in einem Früchtebrot enthalten sind und dass ihr von Weihrauchgeruch speiübel werden würde. Meine „kleine“ Weihnachtsüberraschung lief also eher suboptimal und konnte sie noch nicht so ganz beeindrucken. Aber immerhin wusste ich jetzt, dass eben Weniger manchmal Mehr ist.
Im weiteren Verlauf unserer Beziehung hatten wir aber die Weihnachtszeit immer sehr miteinander genossen. Wir hatten uns auf ein ausgewogenes Verhältnis an Deko geeinigt, liebten es uns bei einer Tasse Glühwein oder Früchtepunsch auf dem Sofa unter einer Decke zu verkriechen, entspannende Bade in der Wanne mit Kerzenschein und Spaziergänge über die verschiedensten kleinen Weihnachtsmärkte im Umland.
Leider konnten wir unser erstes Weihnachten nicht miteinander verbringen, da Natalie mal wieder Dienst in ihrem Wohnheim hatte und ich zu meinen Eltern gefahren war. Diese wussten zu diesem Zeitpunkt ja schließlich noch immer nichts von meinem neuen Glück! Ich wollte eben nichts überstürzen und erst etwas darüber erzählen, wenn wir wirklich so „richtig“ zusammen wären, um nicht falsche Hoffnungen zu wecken oder wenn es mit uns doch nichts werden würde, ihnen irgendetwas erklären zu müssen. Natalie und ich hatten zwar schon viel Zeit miteinander verbracht und wir wussten auch, dass da mehr zwischen uns war aber wir hatten uns noch nicht darüber unterhalten, ob wir jetzt ein Paar seien oder nicht.
Auch unser erstes Silvester hatten wir getrennt voneinander verbringen müssen, da Natalie auch an Neujahr wieder arbeiten musste und deshalb nicht mit weggehen konnte. Ich hatte mich für den Abend aber schon mit ein paar meiner Freunde verabredet gehabt, um erst etwas essen zu gehen und danach ins neue Jahr zu feiern. Immerhin hatten wir uns aber am Silvester-Nachmittag noch einmal bei mir getroffen. Dieses Treffen stand aber irgendwie unter keinem so guten Stern. Sie kam schon ziemlich gestresst von der Arbeit bei mir zu Hause an, da es mal wieder Probleme mit einer Kollegin gab.
Natalie hatte es auf Grund Ihrer Größe, ihrem jungen Aussehen und ihrer gutmütigen Art, es allen und jedem recht machen zu wollen, schon immer schwerer im Leben, um von anderen respektiert und ernst genommen zu werden. Das machte es ihr oft nicht einfach und hatte sie sehr belastet. Auch auf der Arbeit kam es dadurch immer mal wieder zu solchen Situationen. Vor allem, dass sie in solchen Fällen nie mal so richtig auf den Tisch hauen konnte und ihr in so einer Situation die Spontanität dazu fehlte, um gleich richtig zu reagieren, hatte sie hinterher am meisten geärgert. Da gab es aber bei ihr auf der Arbeit eine Person, die schon immer die wahre Größe in Natalie gesehen hatte und ihre Leistung sowie den Umgang mit den Bewohnern in dem Wohnheim zu schätzen wusste. Dies war ihre Chefin gewesen und ich glaube auch nur durch sie war Natalie nach jedem Tiefschlag immer wieder aufgestanden, um sich zu behaupten. Diese hatte von Anfang an erkannt, was Natalie kann und ihr ohne Vorurteile die Chance gegeben, die sie auch ergriffen hatte.
Sie war auch immer so etwas wie ein Vorbild für Natalie gewesen, konnte sie doch all die Dinge, welche sie auch immer wollte. Die Schlagfertigkeit, das Durchsetzungsvermögen aber auch immer gleichzeitig die Liebe und Nähe den Bewohnern zu geben, die sie verdient hatten. Der Beruf der Heilerziehungspflegerin in einem Wohnheim für Menschen mit einer geistigen Behinderung ist wirklich kein leichter aber ich war immer wieder erstaunt, wenn ich Natalie auf der Arbeit besucht hatte, wie professionell und mit was für einer Hingabe sie diesen Beruf ausübte. Wenn sie mal wieder später aus der Arbeit heimkam dann wusste ich schon, dass sie mal wieder Dienstübergabe mit ihrer Chefin gehabt hatte, da diese auch abseits des Beruflichen oft das Gespräch zu Natalie suchte und sie ihr auch bei den verschiedensten privaten Angelegenheiten mit Rat zur Seite stand.
Doch zurück zu dem Silvester-Nachmittag. Sie war also schon ziemlich aufgewühlt gewesen. Dazu kam noch, dass ihr Schlüssel im Fahrradschloss abgebrochen war und außerdem hatte sie kurz bevor sie zu mir kam auch noch zu allem Übel vergessen, ihre EC-Karte beim Geld abheben aus dem Automaten zu ziehen. Die Ausgangssituation war also schon nicht die beste gewesen und entsprechend lief auch das Treffen ab. Wir waren anfangs diesmal irgendwie etwas distanziert und ich wusste auch nicht so recht wie ich mit Natalie umgehen sollte. Schließlich kannte ich zu diesem Zeitpunkt auch noch keines ihrer Probleme, welche sie in dem Moment so belastet hatten. Plötzlich hatte Natalie auch auf einmal wieder Zweifel daran, ob das mit uns überhaupt etwas werden würde und ob sie das überhaupt wolle.
Die Situation hatte sich später nach einem ausführlichen Gespräch zwar wieder etwas entspannt aber auch in mir hatte diese ganze Diskussion erneut Zweifel aufkommen lassen. Wir machten uns noch einen Früchtepunsch und rauchten eine gemeinsame Zigarette auf dem Balkon.
Nach einiger Zeit verabschiedeten wir uns, wünschten uns einen guten Rutsch ins Jahr 2009 und danach stieg Natalie wieder auf ihr Fahrrad und fuhr zurück in ihre Wohnung, um sich noch etwas auszuruhen. Na toll, irgendwie hatte ich mir unser letztes Aufeinandertreffen im Jahr 2008 eigentlich etwas anders vorgestellt aber es war eben so wie es war. Als Natalie bei sich zu Hause angekommen war, schrieb sie mir noch kurz eine Nachricht und entschuldigte sich:
„Hallo Uwe,
erst mal sorry, dass ich nicht wirklich gut drauf war. Irgendwie bin ich ausgepowert und total fertig. Hab mich eigentlich so gefreut, zu dir zu gehen und dann das mit dem Schloss….. Entschuldige. Ich wünsche dir jedenfalls einenwunderschönen Abend mit deinen Freunden, einen guten Rutsch, eine tolle Feier (schade, dass wir nicht zusammen sein können) und einfach viel Spaß.
Hab dich lieb.
Auf ein gutes 2009. Kann ja nur noch besser werden.
Muss Freitag meine Karte wieder holen, sonst krieg ich die Krise.
Bussi, die Kleine gestresste“
