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Kurz vor dem Burn-out tritt Alpha Liam notgedrungen seinen Erholungsurlaub in einem Ressort an. Obwohl seine Position als Geschäftsführer und Erbe mehrerer Firmen das kaum zulässt. Einen Burn-out allerdings auch nicht. Ein wenig versöhnt wird er mit dem lästigen Aufenthalt, als er von seinem persönlichen Ressort-Begleiter Skye begrüßt wird, der ihn sofort in den Bann schlägt. Anziehung hin oder her, ein einfacher Angestellter kommt jedoch auf keinen Fall für eine Beziehung gleich welcher Art infrage. Omega Skye ist vollkommen durch den Wind, als er ausgerechnet in dem attraktiven Milliardär Liam Walker seinen wahren Gefährten erkennt. Doch der verhält sich, als hätte er nichts bemerkt. Als ein Sturm sie in der abgelegenen Luxus-Lodge festsetzt und Skye erfährt, dass Liam seit einem Unfall schlicht gar nichts riechen kann – also auch keinen Gefährtenduft –, bricht eine Welt für ihn zusammen. Wie soll er diesem Alpha beweisen, dass sie zusammengehören, wenn doch alles gegen eine Verbindung zu sprechen scheint? M/M-Liebesroman. Enthält Hinweise auf Mpreg. Keine Wandler. Länge: 54.000 Wörter
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Seit den frühsten Anfängen der Menschheit leben Sigma (Alphas & Omegas) und Rho (normale Menschen) mit- und nebeneinander. Dementsprechend sind queere Beziehungen an der Tagesordnung. Queerfeindlichkeit existiert nicht.
Die Gesellschaft ist auf das Idealbild des »starken Mannes« ausgerichtet, egal ob Sigma oder Rho. Omegas, die – obwohl männlich – diesem Bild von Natur aus nicht entsprechen, werden als Menschen zweiter Klasse wahrgenommen, nur dazu da, um Kinder zu bekommen.
Zweimal im Jahr geraten Omegas in Hitze und können schwanger werden. In dieser Zeit wirkt ihr Duft auf alle Männer und zum Teil sogar Frauen extrem anziehend. Auch deswegen wird auf sie herabgesehen, da ihnen unterstellt wird, manipulativ zu sein.
Liam
Genervt starrte Liam auf den Bildschirm seines Laptops, während er den Ausführungen seines Personal Assistants Oscar am Handy folgte. Multitasking. Eigentlich nicht gerade seine Stärke. Er bevorzugte es, sich voll auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Doch es ging nicht anders. Ging es nie.
Ganz besonders jetzt nicht, während das atemberaubende Bergpanorama der Cascades Mountains an den Fenstern der Limousine vorbei zog. Dunkle Nadelwälder bedeckten die Hänge unter schroffen Gipfeln, hin und wieder aufgelockert durch einen herbstlich gefärbten Laubbaum. Während sein Chauffeur ihn unaufhaltsam näher und näher zum Wild Creek Ressort brachte.
Für ein paar kostbare Stunden mehr Arbeitszeit hatte Liam sogar die Anfahrt per Wagen und nicht per Helikopter gewählt. Bevor er seinen verdammten Urlaub antreten musste. Urlaub! Als hätte er dafür Zeit!
Walker Enterprises, die Firma, die er von seinem Vater übernommen hatte, führten sich nicht von allein. Der würde ihm den Kopf abreißen, fuhr er die gegen die Wand. In Rente oder nicht, um die Welt jettend oder in einer ihrer Villen residierend, Liams Eltern widersprach man nicht. Von wegen aus dem Geschäft zurückgezogen – wenn sein Vater wollte, konnte er immer noch in die Firmenangelegenheiten eingreifen. Was er auch ständig tat.
»Nein, Oscar, auf keinen Fall! Sag Jerry, dass wir nicht verkaufen. Ganz besonders nicht an diese Hyänen!«, grollte er, während er gleichzeitig die Liste mit Ausgaben überflog.
»Ich kümmere mich darum, Mister Walker«, drang die sanfte Stimme durch das Headset. Omega oder nicht, Oscar war verdammt fähig. Dazu diplomatisch und intelligent. Eine gute Kombination.
»Danke.« Noch immer gratulierte Liam sich mehrfach täglich, dass er auf sein Bauchgefühl gehört und ausgerechnet diesen Mann eingestellt hatte. Omega hin oder her und obwohl ihm von mehreren Seiten abgeraten worden war. »Ach ja, und falls Theo sich meldet, richte ihm aus, dass ich ihn umbringe, sobald wir uns wiedersehen.«
Oscar lachte. »Selbstverständlich. Irgendeine besondere Drohung, die Sie wünschen?«
»Such dir etwas aus. Ich vertraue dir vollkommen.« Mit einem schiefen Grinsen schloss Liam die Liste, um den Anhang zu öffnen, den Oscar ihm eben geschickt hatte. Vermutlich würden Walker Enterprises allein dank seines Assistenten in den nächsten zwei Wochen nicht vollkommen untergehen.
Aber Theo, der Hund, dem würde er die Haut abziehen. Streifenweise. Bester Freund? Ha, von wegen. Beste Freunde manövrierten einen nicht geschickt in die Ecke, sodass man eine Auszeit in einem Ressort buchte. Die man sich nicht leisten konnte! Zeitlich gesehen. Geld spielte da nun echt keine Rolle.
Aber an diesem einen Abend vor ein paar Monaten war das Liam echt wie eine gute Idee vorgekommen. Fix und fertig, kaum noch in der Lage aufzustehen, total übernächtigt, jedes Meeting wie ein Todesurteil über ihm schwebend.
Und Theo war verdammt überzeugend gewesen. »Liza und ich verbringen dort jedes Jahr zwei Wochen. Lädt die Batterien wieder auf. Du musst dich um nichts kümmern; kein Handy, nichts. Vollkommene Ruhe. Und du hast gute Leute, die für die Zeit deine Firma am Laufen halten.«
Hatte er. Ja. Liam hatte aber auch tausend Dinge, die er nicht abtreten wollte. Die einfach zu wichtig waren, als dass sie irgendwer entscheiden konnte! Ein Walker gab die Zügel nicht aus der Hand. O-Ton sein Vater, und Liam hatte das übernommen.
»Du brauchst eine Auszeit. Sonst hast du spätestens in einem Jahr einen Herzinfarkt. Oder einen Burn-out, der dich für Monate lahmlegt.« Von Theo drang das leider direkt zu Liam durch, im Gegensatz zu den Mahnungen seines Arztes, der das in der letzten Zeit regelmäßig wiederholt hatte.
Außerdem hatte Theo das an dem Abend ins Gefecht geführt, als Liam vor dem kompletten Headboard explodiert war und mehrere Manager total zur Schnecke gemacht hatte. Weil sein Geduldsfaden einfach nicht mehr reichte. Der wurde von Woche zu Woche kürzer.
Das war doch nicht er! Verdammt, er war kühl, beherrscht – und wollte gerade kühl und beherrscht den Laptop in den Wildbach werfen, der neben der Straße entlang floss.
»Sir?« Oscar.
»Was?« Scheiße. Liam hatte nichts mitbekommen. In letzter Zeit war seine Konzentration auch nicht mehr das, was sie mal gewesen war. Vermutlich hatte Theo recht. Aber es passte nicht! Nicht aktuell!
»Es passt nie«, hallte Theos Stimme in ihm wider. Inklusive des charakteristischen Schnaubens. »Herzinfarkte allerdings auch nicht.«
Mit Mühe konzentrierte Liam sich auf Oscars Ausführungen.
Immerhin das Wetter passte sich seiner Stimmung an. Die Bäume bogen sich in kräftigem Wind, dramatisch dunkle Wolken jagten über den Himmel. Konnte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis es zu schütten anfing.
Liam arbeitete, bis die Limousine auf das Gelände des Ressorts rollte und vor dem Hauptgebäude hielt. Modern mit großen Fenstern, die in dem düsteren Wetter einladend warm leuchteten, mit grauem Klinkerstein und massiven Holzbalken auf rustikal alt getrimmt. Ein angenehmer Kontrast, der sich schön in die wilde Landschaft einfügte. Dennoch Liams Verdammnis.
Zuvorkommend öffnete ihm ein Page die Wagentür und lächelte ihn an. Hübscher Kerl mit großen Augen. Sehr hübsch. »Willkommen im Wild Creek Ressort, Mister Walker.«
»Danke.« Liam klappte den Laptop zu, klemmte ihn unter den Arm und winkte ab, als der Page ihm das Gerät abnehmen wollte. Oscar behielt er in der Leitung, um letzte Anweisungen zu geben, während er dem jungen Mann folgte.
Er war nicht der einzige Ankömmling. Und alle Pagen, die Gäste begleiteten, waren so hübsch wie Liams. Entweder attraktive Omegas oder androgyne Rho. Nett. Immerhin gab es hier ausreichend Eye Candy. Kein Wunder, dass es Theo gefiel. Bevor er Liza geheiratet hatte, waren seine Partner wie bei den meisten Rho mal Männer, mal Frauen gewesen.
Auch die Lobby präsentierte sich in dieser Mischung aus Klinkersteinen und warmen Holzbalken. Klare Linien herrschten vor, zahlreiche helle Sitzgruppen verteilten sich von Pflanzen umgeben im Raum. Liam wurde zu einem Tisch geführt, um den sich mehrere sandfarbene Korbsessel gruppierten.
Und davor stand der hinreißendste Mann, den Liam je gesehen hatte. Wow! Für einen Atemzug vergaß er alles um sich. Schlank, zierlich wie ein Omega, falls er keiner sein sollte. Schimmernd schwarzes Haar und die herrlichsten violetten Augen, die es geben konnte. Groß und tief, umrahmt von langen Wimpern, die den Blick, der Liam traf, geheimnisvoll und offen zugleich erscheinen ließen. Dazu ein sinnlicher Mund mit einer vollen Unter- und einer zart geschwungenen Oberlippe.
Himmel, war der schön!
»Mister Walker, das ist Skye, Ihr persönlicher Begleiter für heute«, erklärte der Page und holte Liam damit in die Lobby zurück.
Begleiter, ja, da war was. Das Ressort nutzte möglichst keine Begriffe, die an Arbeit erinnerten. Wie Assistent, zum Beispiel. Es sollte gemütlich klingen.
»Danke. Oscar, ich bin angekommen. Halte die Firma über Wasser, während ich versumpfe. Mehr verlange ich gar nicht. Sollte die Welt untergehen, weißt du, wo ich stecke.« Liam fühlte sich, als nahte Armageddon. Gleich würde er Handy und Laptop abgeben müssen. Im Ressort herrschte ein komplettes Verbot für private Kommunikationselektronik. Scheiße.
»Verlassen Sie sich auf mich, Sir. Und auf Ihre Manager.« Ein Hauch Belustigung schwang in Oscars Stimme mit, die Liam nur deswegen heraushörte, weil sie sich schon lange kannten. »Erholen Sie sich gut.«
»Ich gebe mein Bestes.« Liam legte auf und steckte das Handy in die Jackentasche. Unauffällig atmete er durch, zwang ein Lächeln auf die Lippen und stellte fest, dass es ihm gar nicht so schwerfiel bei dem Engel, der auf ihn wartete. Automatisch witterte er, als er auf ihn zutrat.
Und roch nichts. Wie üblich. So war das nun mal, wenn man infolge eines Unfalls durchtrennte Geruchsnerven hatte. Nervte generell ziemlich, obwohl er sich mittlerweile daran gewöhnt hatte. Bei diesem Mann jedoch war es eine echte Schande, nichts zu riechen.
Skye
War ja mal wieder klar. Eigentlich hätte Skye in einen halbwegs frühen Feierabend entschwinden wollen. Stattdessen brach Fren sich das Bein, und Skye musste seine Schicht übernehmen. Immerhin nur für den heutigen Abend, sein Urlaub ab morgen war zumindest nicht gestrichen worden. Das war das Wichtigste.
Zwei Wochen kostbare Ruhe, Erholung, Frieden, ausschlafen, nichts tun. Das hatte er bitter nötig. Mal nach Seattle rein fahren, einkaufen, Kino und so. Skye liebte die Berge, die Wälder, die Seen und Bäche, inmitten derer das Ressort lag. Klar, sonst hätte er es hier nicht schon so lange ausgehalten. Zwei Jahre immerhin, trotz des massiven Stresses. Aber hin und wieder brauchte er Kultur, das Gewusel und die Möglichkeiten einer Stadt.
Doch die ersten Urlaubstage waren fest für Erholung verplant. Schlafen. Hauptsächlich schlafen. Aus dem Bett kriechen, Bad, Essen, zurück unter die Decke. Schlafen. Ein wenig Serien suchten und weiter schlafen. Skyes Augen brannten vor Müdigkeit. Die letzte Nacht hatte er kaum Ruhe gefunden, weil er auch da hatte einspringen müssen und das Ehepaar in der Waterfall Lodge einen Sonderwunsch nach dem anderen gehabt hatte.
Müßig ließ Skye den Blick durch die Lobby gleiten. Ah, da brachte Pierre seinen Gast für den Abend. Typischer Manager, das Handy noch am Ohr. Mann, dass die das nicht einfach mal für drei Minuten zur Seite legen konnten! Aber deswegen waren sie hier. Weil sie es eben nicht allein schafften, die wichtigen Herrschaften.
Skye lächelte. Aber gut sah der neue Gast aus. Kurze, dunkelblonde Haare, gepflegter Bart. Breite Schultern, die in einem natürlich perfekt sitzenden Jackett steckten, lange Beine in ebenso perfekt sitzenden Hosen. Liam Walker, Alpha, CEO von Walker Enterprises.
Und blass mit Schatten unter den braunen Augen. Kurz vorm Burn-out, wenn nicht schon mittendrin, aber zu stur, um es zuzugeben. Waren die alle, wenn sie hier ankamen. Und dann erholt und entspannt, wenn sie wieder gingen. Für wie lange das wohl anhielt?
Eigentlich mochte Skye seinen Job auch deswegen. Die Verwandlung war immer beeindruckend. Leider nur blieb es viel zu stressig, zu wenig Freizeit. Na ja, machte nichts. Ab morgen Urlaub, und die ruhige Nebensaison stand auch bald an. Sobald die schöne Hälfte des Herbstes vorbei war.
Aber bei einem derart attraktiven Gast fiel Skye gerade trotz aller Müdigkeit auch dieser letzte Dienst nicht mehr schwer. Hey, der Kerl steckte sogar das Handy weg, bevor er ihn erreichte. Skyes Lächeln vertiefte sich, als er auf Walker zutrat.
»Willkommen im Wild Creek Ressort, Mister Walker. Ich bin Skye, Ihr Begleiter für diesen Abend.« Er machte eine einladende Geste auf die kleine Sitzgruppe hinter ihm. »Darf ich Ihnen etwas anbieten, während wir uns kurz um die Formalitäten kümmern?«
»Danke. Einen Kaffee.« Walker lächelte ebenfalls, gestresst und irgendwie genervt, aber er lächelte.
Und schickte damit ein Kribbeln durch Skye. Außerdem mit der Stimme. Dunkel war die und ein wenig heiser. Wow, genau Skyes Ding. Sie wanderte direkt in seinen Magen, sogar ein Stockwerk tiefer. Hoppla! Das war ungünstig. Gut, dass Skye nur heute für den Gast zuständig war. »Kommt sofort.«
Er wandte sich dem kleinen Kabinett bei der der Sitzgruppe zu. Natürlich standen die von Walker bevorzugten Getränke schon bereit. Der Mann stand auf Koffein und Guarana wie alle diese Managertypen – und alle, die im Service arbeiteten. Da waren sie gleich, ob stinkreicher Gast oder Angestellter. »Hatten Sie eine angenehme Anreise?«
Sie hielten ein wenig Smalltalk, während Skye den Kaffee zubereitete und ihn vor Walker auf dem niedrigen Tisch abstellte. Dann nahm er das Tablet fürs Check-in auf, setzte sich zu ihm.
Und erstarrte.
Mit einem Schlag leerte sich Skyes Kopf, als der Duft dieses Mannes ihn erreichte. Himmel! Nie hatte er etwas Vergleichbares gerochen. Herb, warm. Wie Wald in der Sonne. Frisch geschlagenes Holz. Muskat? Und etwas darunter, das in jede von Skyes Zellen zog und ihn komplett lahmlegte.
»Einen Moment bitte.« Walker holte das vibrierende Handy aus der Jacketttasche.
Hilflos nickte Skye. Seine Stimme war weg. Hilfe! Mit einem Schlag schrie alles in ihm danach, sich in Walkers Arme zu werfen. Sich davontragen zu lassen und glückselig zu lächeln. Bis in alle Ewigkeit. Nein! Was? Unmöglich!
Bebend holte er Luft und bekam den nächsten Schwall dieses unglaublichen Dufts ab. Ein Duft, der nur einen Schluss zuließ. Sie waren Gefährten. Echt jetzt? Konnte nicht sein! Doch in Skye herrschte nicht einmal der Hauch eines Zweifels. Als hätte es ihm jemand per Vertrag zugesichert. Schwarz auf weiß. Nur viel verbindlicher. Es blieben einfach keine Fragen offen. So war das also. Himmel! Hilfe!
Einzig Walker schien das Memo nicht bekommen zu haben. Der blaffte kurz angebunden ins Telefon, jedes Lächeln aus seinem Gesicht gewischt, eine tiefe Falte zwischen den geraden Brauen. Als säße nicht sein eben gefundener Gefährte neben ihm.
Mühsam sammelte Skye seine Gehirnzellen zusammen, eindeutig dankbarer als Walker für den Anruf. Immerhin gab der ihm gerade Zeit, sich wieder zu fassen. Und sich nicht komplett zum Narren zu machen, weil er lediglich gut sichtbar starren und gehirnamputiert sein musste. Mist, Mist, Mist!
»Entschuldige«, brummte Walker, nachdem er das Telefonat beendet und das Handy wieder eingesteckt hatte. »Wo waren wir stehengeblieben?« Er sagte nichts, zeigte nichts, deutete nicht einmal etwas an. Als sei Skye tatsächlich einfach nur irgendein Angestellter des Ressorts, der für seinen Empfang zuständig war.
Was?
Erneut war Skye versucht, tief Luft zu holen. Stattdessen atmete er so flach wie möglich durch, um nicht noch mehr Eau de Walker in die Nase zu bekommen. Alpha. Gefährte. Er hielt sich ans Protokoll. Das gab Sicherheit. Und eine Struktur, die er gerade dringend brauchte, bis sein Gehirn wieder dazu in der Lage war, vernünftig zu funktionieren.
»Am besten direkt dort, wo Sie aufgehört haben, Sir.« Er lächelte, riskierte einen Blick in die Augen des Alphas. Fehler. So ein schöner heller Braunton! Wie warmes, poliertes Holz. »Bei Ihrem Handy. Bitte schalten Sie es komplett aus und übergeben Sie es mir. Wir unterzeichnen dann die Übergabe. Wie Sie wissen, ist dies ein Ressort, in dem unsere Gäste nur in Notfällen mit der Außenwelt kommunizieren.«
»Ah. Ja. Stimmt«, antwortete Walker gedehnt, als hätte er irgendwie gehofft, darum herum zu kommen. Als er Laptop und Handy Skye überreichte, wirkte er, als hätte er körperliche Schmerzen.
»Keine Sorge, Sir. Wir verwahren es gut. Niemand hat Zugriff darauf.« Skye konnte nicht anders, als ihn direkt anzusehen – Fehler hin oder her – und zu lächeln. »Und bisher haben es alle unsere Gäste gut überlebt.« Hoppla, das hatte er gar nicht sagen wollen! Das war respektlos und unangemessen; das …
Walkers Augen weiteten sich, dann grinste er schief auf den unpassenden Scherz hin. »Vermutlich. Und deswegen bin ich ja hier.« Erneut sah er so aus, als hätte er Schmerzen. Magenkrämpfe wahrscheinlich. Und benahm sich damit wie die meisten Gäste, die das erste Mal hier waren. Gab nur zwei Varianten. Erleichterung oder Schmerz. Und weiterhin kein Anzeichen, dass …
Stopp. Routine. Skye hielt sich daran fest und Walker das Tablet hin, während Pierre Laptop und Handy wegbrachte. »Hier, die Unterschrift bitte.«
Mit einem knappen Nicken nahm Walker den Pen entgegen und setzte seine Unterschrift schwungvoll auf die dafür vorgesehene Linie auf dem Bildschirm. Konnte man nicht lesen. Aber er hatte schöne Hände. Kräftig und sorgfältig gepflegt.
Bestimmt konnten die ausgezeichnet … Nein!
Als Walker Pen und Tablet zurückgab, streiften sich ihre Finger. Skye brauchte alle Selbstbeherrschung, um nicht zusammenzuzucken. Ein heißes Prickeln rann durch ihn hindurch, ausgehend von dieser winzigen, unschuldigen Stelle, an der sie sich berührt hatten. Fühlte sich an, als hätte er sich verbrannt. Oh, Scheiße!
Hektisch klappte er die Schutzhülle des Tablets zu und stand in derselben Bewegung auf, um ein wenig Abstand zu bekommen. O Mann, gleich würde er mit dem Alpha in einem winzigen Wagen sitzen! Wie bitte sollte er das überleben? Da entkam er dem Duft ja gar nicht mehr!
»Das war es auch schon mit den Formalitäten.« Eingeübt strahlte er den Gast an. Gast. Jawohl. Nicht sein Gefährte. Nur ein Gast. »Dann bringe ich Sie jetzt direkt zur Fair Sky Lodge.«
Wieder weiteten sich Walkers Augen. Dieses Mal, als hätte er etwas Erstaunliches gesehen.
Für einen Herzschlag hatte Skye die Hoffnung, dass er endlich zu erkennen gab, dass auch er ihre Verbindung bemerkt hatte.
»Fast wie dein Name. Fällt mir jetzt erst auf.« Walker lächelte. »Fair Sky, das passt. Deine Haut ist ja so hell. Kann dann ja nur schö...« Irgendwie verdutzt unterbrach er sich mitten im Wort. Dann schnaubte er leise, als hätte er sich bei etwas Unflätigem ertappt, und stand ebenfalls auf.
Das wäre ein Kompliment geworden, oder? Warum hatte er das verschluckt?
Im nächsten Moment fiel es Skye auf. Natürlich. Sein Herz sank ab; durch all den plötzlich aufwallenden Hormonnebel hindurch hatte er übersehen, was offensichtlich war.
Walker war schlicht höflich und anständig. Selbstverständlich hatte er bemerkt, dass sie Gefährten waren. Nur hatte er eine sehr viel bessere Selbstbeherrschung als Skye. Brauchte er als CEO bestimmt auch. Er konnte ja nicht einfach so Geschäftspartner verprellen, bloß weil er die nicht mochte. Da hingen Milliarden dran. Aber das war es eben. Milliarden. Liam Walker, CEO. Walker Enterprises trugen den Namen nicht von ungefähr.
Und hier stand Skye, Empfangsjunge eines Ressorts. Geld? Verbindungen? Stand? Alles Fehlanzeige.
Interessierte seine Hormone allerdings nicht. Die zogen ihn weiter zu Walker hin. Sein Herz hingegen begann, mit seinem Magen um die Wette zu krampfen. Scheiße! So hatte er sich das mit dem Finden seines Gefährten ganz und gar nicht vorgestellt! Der hätte ein netter Kerl von nebenan sein sollen! Ein kleiner Ladenbesitzer vielleicht. Skilehrer. Ranger. Seinetwegen sogar Bürofuzzi. Aber doch kein … Milliardär!
Was für ein Glück hatte Skye in wenigen Stunden Urlaub. Lediglich noch die Fahrt zur Lodge überstehen. Walker herumführen. Und dann nichts wie weg.
Liam
Der E-Jeep war schon vorgefahren, als Liam hinter seinem Begleiter die Lobby verließ. Keine Limousine. Offensichtlich wurde hier viel Sorgfalt darauf verwendet, die Erfahrung so ursprünglich wie möglich wirken zu lassen, ohne dass die Gäste auf Luxus verzichten mussten. Liam hatte sich vorab nicht damit beschäftigt. Keine Zeit. Er hatte Theos Empfehlung vertraut und Oscar buchen lassen.
Als ein Page ihm die Tür zum Rücksitz öffnete, winkte er ab und stieg stattdessen vorne ein. Mangels Elektronik konnte er ohnehin nicht arbeiten. Da konnte er auch den Blick durch die Frontscheibe und auf seinen süßen Begleiter genießen.
Ob er Skyes erster eigener Gast war? Der junge Mann wirkte nervös. Was ihn nicht daran hinderte, das umwerfendste Lächeln in Liams Richtung abzuschießen, das es geben konnte. Himmel noch mal! Das raubte ihm glatt den Atem.
Eigentlich war er nicht gerade schnell von Omegas beeindruckt. Falls Skye ein Omega war und nicht einer von den androgynen Rho. Aber das konnte er schlecht fragen, ohne massiv unhöflich zu werden. Einen Rho-Mann als Omega zu bezeichnen oder das auch nur anzudeuten, war eine Beleidigung, die sich gewaschen hatte.
Doch Skye? Der hatte etwas an sich, das Liam sofort für ihn einnahm. Der Blick aus diesen tiefen Augen allein! Das Lächeln sowieso. Und die Stimme gefiel ihm ebenfalls. Sehr gut sogar. Anziehend, klar und beruhigend zugleich hob sie Liams Stimmung mit jedem Wort, minderte sogar auf ganz eigene Art seinen Stress. Gut, dass er Skye die nächsten Tage um sich haben würde. Das immerhin war ein Pluspunkt.
Während er sich anschnallte, warf er dem Mann einen Blick zu, den dieser mit einem Lächeln erwiderte. Das wiederum wirkte unsicher und einstudiert. Verständlich, falls Liam sein erster Gast war.
Liam beschloss, ihm den Einstieg so einfach wie möglich zu machen. Die Fahrt würde vermutlich ohnehin unangenehm genug werden. Der Wind hatte weiter aufgefrischt. Er rüttelte am Wagen, als sie sich in Bewegung setzten. Und kaum, dass sie auf einen Waldweg eingebogen waren, prasselte der schon lange drohende Regen los. Aber wie! Die Tannen um sie schienen zu tanzen, rauschten und ächzten.
»Bei dem Wetter werden wir vermutlich fünfzehn bis zwanzig Minuten brauchen, bis wir Fair Sky erreichen«, informierte Skye ihn und schaltete die Scheinwerfer ein. »Für die Nacht haben wir eine Sturmwarnung erhalten. Aber machen Sie sich keine Sorgen. Die Lodge ist selbstverständlich extrem solide, Sir, und bestens ausgerüstet.«
»Ich habe volles Vertrauen. Und schlafen kann ich überall.« Liam grinste. Das brachte es mit sich, wenn man die Hälfte der Nächte in fremden Hotelbetten rund um die Welt verbrachte. Ein Vorteil immerhin. »Sturm mitten in den Bergen, ein wilder Einstieg allemal.«
Skye lachte, ein Laut, der Liam durch und durch ging. »Haben wir im Herbst oft. Zum Glück hält der nie lange. Sie sollten sonnige Tage in Ihrer Zeit hier mitbekommen.«
»Das hoffe ich doch.« Wäre ja noch schöner, wenn Liam eingesperrt in der Lodge wäre, weil das Wetter so gar nicht mitspielte. Er war sich ziemlich sicher, dass Oscar etwas von einem See erzählt hatte. Da wollte er zumindest einmal mit dem Kajak rausfahren. Und angeln! Das letzte Mal hatte er vor Jahren mit seinem Vater geangelt. Als Junge damals. Mann, warum hatten sie das eigentlich aufgegeben? Ach ja, die Firma. Und der Stress. »Wie lange arbeitest du schon hier?«
»Zwei Jahre, Sir.« Skye lenkte gegen eine Windböe an, die den Wagen erfasst hatte. Machte er offensichtlich nicht zum ersten Mal, bei so einem Wetter zu fahren. Er wirkte sicher und in keiner Weise beunruhigt.
Also doch nicht neu. Aber wer wusste, wo der junge Mann vorher eingesetzt gewesen war. Denn nervös im Umgang mit ihm blieb er. »Nenn mich einfach Liam.«
Das machte es persönlicher und hoffentlich weniger aufregend. Klar, Liam war nicht einfach irgendwer, aber nebenbei eben auch nur ein Mensch. Und eigentlich sollte Skye an den Umgang mit reichen Leuten gewöhnt sein.
Skyes Augen weiteten sich; fahrig warf er einen Seitenblick zu Liam, als könnte er es nicht verhindern. Er holte Luft, stockte, atmete wieder aus. Dann lächelte er erneut. Ganz eindeutig nervös. »Sind Sie sicher, Sir?«
Das war irritierend. Liam hob eine Braue, zuckte mit den Schultern. »Ja. Ich nenne dich schließlich auch Skye. Oder ist dir das unangenehm?« Hoffentlich nicht! Irgendwie störte Liam der Gedanke.
Hektisch, beinahe erschrocken winkte Skye ab. »Nein, natürlich nicht. Es kam nur unerwartet. Vielen Dank, Liam.« Das Lächeln, das sich jetzt auf seine Lippen schlich, war süß. Der nächste Seitenblick ebenfalls.
Und Liam stellte fest, dass beides die Kraft hatte, ihm den Atem zu rauben. Gute Güte, war der Mann hübsch! Unglaublich! Mit einem Durchatmen wandte er den Blick ab und der Straße zu.
Die Scheinwerfer erhellten peitschenden Regen und schlagende Äste. Wasser glänzte auf dem Boden, aufgewühlt von Wind und Tropfen. Vor ihnen tauchte eine Brücke aus der Dunkelheit auf, unter der sich ein Wildbach weiß schäumend seinen Weg bahnte.
»Ganz schön voll schon.« Skye warf dem Wasserlauf einen Blick zu. »Am Mount Millan muss es ebenfalls ordentlich geschüttet haben.«
Der Wagen schlingerte leicht unter den Windböen, als sie die Brücke überquerten. Ein flaues Gefühl erfasste Liam, setzte sich in seiner Magengrube fest. Für Skye mochte dies normales Herbstwetter sein. Für Liam hingegen?
Seine in solchen Fällen sonst recht selten bemühte Fantasie begann, ihm auszumalen, was der Wind alles mit den Bäumen anstellen konnte. Sie zum Beispiel auf den Jeep krachen lassen. Oder so knapp davor stürzen, dass Skye nicht mehr bremsen konnte. Danke, nein, das brauchte er echt nicht. Stress hin oder her, Liam hing an seinem Leben.
Er war froh, als der Wald zurückblieb und den Blick auf das eindrucksvolle Panorama eines aufgewühlten Sees vor schemenhaft zu erkennender Bergkulisse freigab. Einladend leuchteten die Fenster einer rustikalen Villa am Ufer; weit genug entfernt von Wasser und Bäumen, um außer Gefahr zu sein.
»Da wären wir, Liam. Fair Sky heißt dich willkommen«, sagte Skye mit einem Lächeln. Er lenkte den Wagen hinter das Haus, in einem Anbau öffnete sich ein Tor. Es wurde wohltuend ruhig, als sie in die erleuchtete Garage einfuhren.
Unmerklich atmete Liam auf. »Was für ein Wetter! Vermutlich hätte ich jetzt nicht mal Empfang, hätte ich das Handy bei mir.«
Skye lachte, löste den Gurt und stieg mit seinem unverzichtbaren Tablet aus. »Der ist hier draußen selbst bei schönem Wetter miserabel, muss ich dir sagen. Komm, ich führe dich herum und zeige dir alles, damit du dich gleich wie daheim fühlen kannst.«
Sie traten direkt in den großzügigen Wohnraum, der das gesamte Untergeschoss einnahm. Draußen mochte die Welt untergehen, drinnen war es warm, trocken und behaglich. Die großen Panoramafenster an drei Seiten zeigten schemenhaft den Blick auf eine Terrasse, auf See, Wald und Berge, gerade jedoch hauptsächlich die Spiegelung des Raumes. Heller Holzboden; eine sandfarbene Sitzlandschaft; ein massiger Esstisch, an dem auch zwei Großfamilien Platz gefunden hätten.
In dem Whirlpool in einer verglasten Nische linker Hand sah Liam sich direkt mit einem Whiskey entspannen. Im hinteren Teil des Raumes nahe der Tür, durch die sie eingetreten waren, befand sich die offene Küche – viel Edelstahl und helles Holz.
Skye erklärte Herd und Mikrowelle, zeigte ihm die Vorratskammer; und Liam hörte ihm geduldig zu, obwohl er kein Interesse hatte, sich selbst zu bekochen. Kochen konnte er gar nicht, und das hatte nichts mit seinem nicht vorhandenen Geschmackssinn zu tun. Verhalten grinste er in sich hinein, als er sich das vorstellte. Da wäre ein Unfall vorprogrammiert.
»Aber keine Sorge.« Skye lächelte. »Das ist natürlich die Standardausstattung. Dein Essen wird selbstverständlich separat zubereitet. Du musst die Lodge nicht teilen. Sie ist dein ganz eigenes Reich zum Entspannen und Erholen.«
»Deinem Besuch hin und wieder werde ich mit Freude entgegensehen«, antwortete Liam nonchalant und stellte gleichzeitig fest, dass dies der Wahrheit entsprach. Zwei Wochen in kompletter Einsamkeit? Nachdem er die letzte Zeit mehr oder minder vierundzwanzig Stunden am Tag unter Strom gestanden hatte? Kaum vorstellbar. Und Skyes Anwesenheit störte ihn nicht, das fühlte er schon jetzt. Der Mann war einfach angenehm und unaufdringlich.
»Oh.« Skyes Blick umwölkte sich, hauchzart zogen sich die zarten Brauen zusammen. »Das habe ich noch gar nicht erwähnt, verzeih! Ich bin nur für heute Abend dein Begleiter. In Vertretung des Kollegen, der eigentlich für dich zuständig gewesen wäre. Der liegt mit einem gebrochenen Bein im Krankenhaus. Dein eigentlicher Begleiter stellt sich dir morgen vor.«
»Oh.« Liam sah diesen unglaublich hübschen Mann an, als nähme er ihn das erste Mal richtig wahr. Das seidig schimmernde, schwarze Haar. Die violett leuchtenden Augen. Das süße, ebenmäßige Gesicht. Überrascht stellte er fest, dass er sich auf die Zeit mit Skye gefreut hatte. Die stechende Enttäuschung, die durch seine Brust fuhr, kam ebenso unerwartet wie unwillkommen.
Skye
Fast meinte Skye, Enttäuschung in Liams Blick zu lesen. Liam. Der ihm den Vornamen angeboten hatte. Manche der Gäste taten das jovial grundsätzlich für alle und jeden. Kein großes Ding. Liam? Da schien das etwas Besonderes zu sein. Und Skye hatte sich unerwartet heftig darüber gefreut.
Genauso, wie er sich jetzt über die Enttäuschung freute. Der Alpha spürte auf jeden Fall, dass etwas zwischen ihnen war! Und genau deswegen war es gut, dass Skye demnächst von hier verschwinden konnte. Bevor sie sich irgendwie aneinander gewöhnen und doch nicht zusammen kommen konnten, Gefährten hin oder her.
»Ist das nicht nach deinen Wünschen?«, fragte er dennoch. Musste sein. Ganz nach Protokoll. »Ich kann dir versichern, du wirst nur die beste Betreuung erhalten.« Damit log er nicht einmal. Alles war auf die reichen Gäste ausgerichtet. Und sollte Liam jetzt einen falschen Ton sagen, war Skyes Urlaub gestrichen. Das war klar. Trotzdem lächelte er.
Liam holte Luft, erwiderte seinen Blick. Dann erwiderte er das Lächeln schief auf eine Art, die Skye ganz schwach machte. Sah so aus, als wollte er eigentlich gar nicht lächeln, aber könnte nicht anders. »Passt schon«, brummte er.
Gleichermaßen erleichtert wie enttäuscht nickte Skye. Wurde echt Zeit, dass er weg kam! »Gut. Aber wann immer du etwas zu beanstanden oder einen Wunsch hast, lass es uns wissen. Wir werden alles tun, damit du eine angenehme Zeit hast.«
Geschäftig führte er ihn zu dem wuchtigen Schreibtisch in einer weiteren verglasten Nische mit Blick auf den See und deutete auf das Tablet auf seiner Ladestation. »Dein Kommunikationszentrum, das House-com. Von denen findest du mehrere im Haus. Hier, in der Küche, bei jedem Sofa. Damit kannst du das Front Desk und deinen persönlichen Begleiter kontaktieren, sobald du etwas brauchst oder um Kurse und Stunden zu buchen. Yoga, Massage, Fliegenfischen, Bogenschießen und so weiter.«
Auch für die Handhabung gab er ihm eine kurze Einleitung, ehe es in den Anbau für das private Sportstudio, den Yoga- und Meditationsraum, Sauna sowie das Spa ging. In einer der Lodges hätte er echt selbst gerne mal seinen Urlaub verbracht. Kam natürlich nicht infrage, viel zu teuer. Anschließend führte er ihn im oberen Geschoss herum.
»Draußen findest du die Poollandschaft, die Hütte mit den Kanus, Angelausrüstung, die Bogenschießanlage.« Skye warf einen Blick in Sturm und peitschenden Regen hinaus. Die Wasserschleier an den Fenstern ließen die Welt dahinter unsichtbar werden. Mittlerweile war es vollständig dunkel geworden; nur sein eigenes Spiegelbild sah ihm müde entgegen. Er straffte sich bewusst. »Die schaust du dir besser morgen an. Es sei denn, du stehst auf eiskalte Duschen in voller Montur.«
Liam lachte auf.
Ein Laut, der Skye schon wieder durch und durch ging und warmes Kribbeln in seinem Magen weckte. Außerdem ein sehnsüchtiges Ziehen in seiner Brust. Warum war Liam ein Gast? Warum nicht einer der Reitlehrer? Der Neue sah doch ganz ansehnlich aus und war nett. Warum hätte es nicht der sein können?
Grinsend schüttelte Liam den Kopf. »Ich denke nicht, dass ich heute noch eine Kajaktour unternehmen möchte. Natürlich nur, weil ich erst mal ankommen muss. Hat nichts mit dem Wetter zu tun.«
Ein Blitz erhellte den Himmel, krachend folgte der Donner auf den Fuß. Skye zuckte zusammen, dankbarerweise gemeinsam mit Liam. Sie sahen sich an und lachten. Gleich darauf folgte der nächste Blitz samt Donner.
»Blitzableiter hat die Lodge selbstverständlich auch«, erklärte Skye trocken. »Die Kajaks allerdings nicht. Von daher ist das eine weise Entscheidung. Obwohl das Wetter selbstverständlich keine Rolle spielt.«
Wieder grinste Liam. Stand ihm. Verdammt gut. Dann zwinkerte er ihm auch noch zu.