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Ein weitläufiger Landsitz in Oregon? Check. Genug Geld, um bis an sein Lebensende nicht mehr arbeiten zu müssen? Check. Gerade einem Burnout entronnen und ohne jedwede Aussicht auf einen Gefährten? ... check. Tigerwandler Blake kann eine Menge - mit Omegas flirten gehört nicht dazu. Dabei sehnt er sich nach Familie und einem Partner. Sein Plan: in die geerbte Villa nach San Francisco ziehen, um von der lebhaften Wandlergemeinschaft zu profitieren. Selbst ein schüchterner Alpha sollte dort verdammt noch mal eine Chance haben, oder? Kein Job? Check. Aus seiner Wohnung geflogen? Check. Arm wie eine Kirchenmaus? ... check. Mit seinen gesamten Besitztümern in einem Rucksack ist Omega Riley per Anhalter unterwegs nach San Francisco, weil ein Bekannter ihm Hilfe versprochen hat. Kurz vor seinem Ziel sammelt ihn ein Alpha auf, der riecht wie der Himmel - und entweder schweigt oder ihn angrollt. Macht nichts. Denn einen Halb-Wandler, der keine Kinder austragen kann, will ohnehin kein Alpha. Egal, wie sehr Riley sich eine Familie wünscht. Doch als Riley von dem Bekannten noch am Abend seiner Ankunft auf die Straße gesetzt wird, weiß er sich keinen anderen Rat, als Blake um Hilfe zu bitten. Länge: ~50.000 Wörter M/M-Wandler-Liebesroman. Enthält Hinweise auf Mpreg.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Das Rudel von MacArran Manor
Ein Omega auf Abwegen
Ein Omega in Not
Ein Omega, für den es sich zu kämpfen lohnt
Ein Omega mit gebrochenem Herzen
Ein Alpha auf leisen Tatzen
Golden Gate Alpha
Ein Omega zum Verlieben
Ein eingeschneiter Omega
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Blake
Komplett überzeugt war Blake nicht von seinem Plan. Aber nun ja, es war wenigstens überhaupt einer. Und mit Sicherheit nicht der Schlechteste.
Leise summte er mit dem Radio mit, während draußen die endlose Landschaft Kaliforniens vorbeizog. Rechts Felder, links Felder, dazwischen eine schmale Straße. Den Namen Highway verdiente die eigentlich gar nicht. Staubig war sie auch, hatte schon lange nicht mehr geregnet, hier war es genauso trocken wie in Oregon zurzeit. Und das im Frühling. Ungewöhnlich.
Dafür fuhr es sich angenehm. Trotzdem freute Blake sich darauf, endlich anzukommen. Noch gut zwei Stunden bis San Francisco und seinem neuen Heim. Nervosität kribbelte durch seinen Magen. Sein neues altes Heim. Doch es war das erste Mal, dass er die Villa Wilson wirklich besuchte, seit seine Großeltern gestorben waren; nicht nur, um notwendige Papiere zu finden. Mann, Grandpa Luke und Großvater George fehlten ihm nach wie vor. Die einzige Familie, die er nach dem frühen Tod seiner Eltern gehabt hatte.
Aber er liebte das Haus. Er würde sich wohlfühlen, obwohl es mitten in der Stadt lag. Und obwohl er eigentlich die Ruhe seines Landsitzes bei Portland vorzog. Doch exakt diese Ruhe war der Grund, aus dem er nun für einige Zeit umzog. Mitten auf dem Land lernte man keine Omegas kennen. Besonders nicht, wenn man kein Partylöwe war.
Na, Löwe war Blake eh nicht und genau wie sein Tiger eher ein Einzelgänger. Nicht sonderlich hilfreich bei der Suche nach einem Gefährten. Nicht einmal Partnerbörsen konnte er leiden. Ein Date nach dem anderen in der Hoffnung, dass es irgendwann passen mochte? Ihm graute davor. Dann doch lieber erst mal San Francisco und das edwardianische Stadthaus nahe dem Golden Gate Park, echt traumhaft gelegen. Außerdem gab es das Underground in der Stadt, einen unterirdischen Treffpunkt für Wandler, um sich in ihrer Tierform auszutoben. Perfekt.
Blake gähnte und rollte einmal die Schultern. Wurde wirklich höchste Zeit, dass er ankam. Er fuhr gerne, aber dreizehn Stunden am Stück waren verdammt viel. Vielleicht hätte er doch einen Zwischenstopp auf halber Strecke einplanen sollen. Nur war da wohl der Overachiever durchgeschlagen. Alles musste sofort und möglichst schnell erledigt werden. Dabei hatte er das eigentlich seit einem Jahr hinter sich gelassen. Burnout zwang einen ziemlich in die Knie.
Egal, bald war er da, und dann durfte es wieder ruhig werden. So, wie sein ehemaliger Therapeut das mochte. Und wenn Blake ehrlich war, er auch. Allerdings hatte er sich noch nicht ganz daran gewöhnt. Selbst nach all den Monaten nicht. Aber hey, der Mann wäre stolz auf ihn! Immerhin hatte Blake eine längere Pause eingelegt und zu Mittag gegessen, statt sich während der Fahrt irgendwas to go reinzupfeifen.
Langsam senkte sich die Sonne dem Horizont entgegen, tauchte die eintönige Landschaft in rot-goldenes Licht. Ebenso wie eine einsame Gestalt am Straßenrand.
Ein zierlicher Mann, schwer bepackt mit einem großen Rucksack und zwei Taschen. Müde trottete er dahin. Als Blake näher kam, streckte er den Arm aus, ohne sich umzusehen, Daumen nach oben.
Nein. Unwillig verzog Blake das Gesicht. Keine Anhalter, echt nicht. Da hätte er für längere Zeit einen Fremden im Auto, der sich garantiert unterhalten wollte. Auf keinen Fall. Er warf einen Blick in den Rückspiegel. Gähnende Leere. Auch vor ihm weit und breit kein Wagen. Blake zog ein Stück nach links, um genug Abstand zu dem Mann zu lassen.
Ein kurzer Blick zur Seite, als er den Anhalter passierte.
Der ließ den Arm sinken, sackte ein wenig in sich zusammen. Ein erschöpftes, blasses Gesicht mit großen Augen.
Blake spürte einen schuldbewussten Stich. Aber irgendwer würde doch ... Verdammt. Immer noch kein anderer Wagen. Egal. Bestimmt würde gleich jemand kommen, der den Kerl mitnahm. So weit waren sie nicht von Sacramento entfernt. Und ...
Bald wurde es dunkel; die Temperaturen sanken schon jetzt, und der Mann wirkte echt müde, so, wie er dahin schlurfte. Mit einem leisen Fluch bremste Blake ab, fuhr seitlich ran und setzte zurück. Nee, oder? Tat er nicht wirklich, oder? Er wollte keinen Fremden im Auto!
Doch das erleichterte Aufleuchten in der Miene des Mannes war sogar in der winzigen Reflexion im Rückspiegel zu erkennen. Hmpf.
Mit einem unterdrückten Seufzen ließ Blake das Fenster auf der Beifahrerseite runter und lehnte sich leicht rüber, um den Mann ansehen zu können. Weißblondes, zerzaustes Haar umrahmte ein verdammt schönes, helles Gesicht. Oy! Blake spürte den nächsten Stich. »Hey, wo musst du hin?«
Der Mann strahlte ihn an. Und wie. Woah! »San Francisco. Aber ich bin für jede Meile dankbar, die du mich mitnehmen kannst. Ich dachte schon, es hält gar niemand mehr. Ist wie ausgestorben gerade.«
Shit. Den kompletten Rest der Strecke. Trotzdem lächelte Blake höflich. »Wirf dein Gepäck auf den Rücksitz und steig ein. San Francisco ist mein Ziel, das passt. Ich bin Blake.«
»Riley. Mensch, danke!« Der Mann öffnete die Wagentür, entledigte sich des Rucksacks und der Taschen und ließ sich gleich darauf mit einem Seufzen auf den Beifahrersitz fallen. »Ich laufe schon seit Stunden, echt. Danke, du rettest mich.« Im nächsten Moment weiteten sich seine Augen, er starrte Blake an. Blaue Augen. Große blaue Augen. Herrliche blaue Augen, umrahmt von langen, geschwungenen Wimpern. »Oh. Du bist ein Alpha.« Mit einem Schlag klang er scheu.
Ein Duft umhüllte Blake, der eine derartige Leichtigkeit in seinen Kopf brachte, dass er den Blick für eine kleine Ewigkeit nur stumm erwidern konnte. Uff! Himmel, roch Riley gut! So, als bräuchte er dringend eine Dusche, ja. Sehr dringend. Und gleichzeitig ...
Tief atmete Blake durch. Fehler. Ah, verdammt. Ein Omega. Wenn Blakes Gehirn etwas extrem zuverlässig tat, war das, in der Gegenwart von Omegas jede Funktion einzustellen. Dann wurde aus dem selbstsicheren Tiger ein blökendes Schaf. Und dieser Omega? Duftete besser als alle, denen Blake jemals begegnet war.
»Ja«, brummte er. »Bin ich. Und du bist ein Omega.« Ach. Ja, das war ein typisch intelligenter Blake-Kommentar. Danke auch. Ein schöner Mann mit angenehmem Geruch, und Blakes Gehirnzellen begaben sich auf Wanderschaft. Vorzugsweise außerhalb seines Kopfes. Wahrscheinlich sogar seines Körpers. »Willst du trotzdem mit?«
»Ja, natürlich.« Riley lächelte ihm zu. Wirkte unsicher. »Wie gesagt, mein Anhalterglück hat mich bis eben echt verlassen gehabt. Ich hab mich schon am Straßenrand campen sehen.«
»Ich bin vorbeigekommen.« Vermutlich sollte Blake einfach aufhören zu reden. Das fing ja wieder hervorragend an. »Und keine Angst, ich bin harmlos.«
Eindeutig – Schweigen wäre wirklich großartig. Eine brillante Idee sogar. Blake wandte abrupt den Blick ab, brachte den schweren Wagen auf Touren und ließ den Tacho bis kurz über die erlaubte Geschwindigkeit klettern. Je schneller er daheim war, umso weniger konnte er sich zum Narren machen.
Rileys Lächeln vertiefte sich, es lag in seiner Stimme. Die war ebenfalls schön, wie alles an dem Omega. Warm und weich irgendwie. Und dabei klar wie ein Sommermorgen auf dem Land. »Harmlos? Was bist du?«
»Uh. Ah. Ein sibirischer Tiger.« Größte Tigerart, die es gab. Verdammt? Doch Tiger war Tiger, oder? Da machte die relative Größe keinen Unterschied mehr. Als Tiger war Blake in den Augen der wenigsten harmlos. Aber hey, bisher hatte er niemanden angefallen, zerfleischt oder sonst was und hatte das auch künftig nicht vor.
»Oh.« Riley klang wieder nervös, oder?
Vorsichtshalber sah Blake ihn weiterhin nicht an. »Und du?«
»Ein Schneeleopard.«
Das passte. Der Mann war genauso hell wie seine Wandlerform. Blake konnte sich im letzten Moment auf die Zunge beißen, ehe er ihm versicherte, dass er Schneeleoparden mochte. Garantiert kam das falsch an. Ebenso jeder Kommentar zu einem langen, eleganten Schwanz. Aber den hatten die! Viel länger als ein Tiger. Und ... Halt einfach die Klappe. Warum musste Riley Wandler und Omega sein? Und jung. Bei Omegas im Grandpa-Alter hatte Blake keine Probleme.
»Wohnst du in San Francisco oder bist du geschäftlich dort?« Riley ruckelte sich bequemer zurecht und sandte damit die nächste Duftwolke zu Blake.
Hilfe! Fast konnte Blake auf den Gedanken kommen, dass er roch wie ... Nee, das musste sein komischer Kopf sein. Der machte jede Omega-Begegnung zu einem Großereignis. Ob es auffiel, wenn Blake das Fenster ein wenig herunterließ? »Ich wohne.« Okay, wo war der Rest vom Satz? Verschollen. »Was machst du da?« Na gut, das war ein anderer. Aber hey, immerhin war der vollständig. Hervorragende Arbeit, Kopf!
»Bin unterwegs zu einem ... Freund.« Riley seufzte. »Hab meinen Job verloren und damit meine Wohnung. Er will mir helfen, eine neue Stelle zu finden.«
»Oh!« Blake konnte es nicht verhindern, einen Blick auf Riley zu werfen, obwohl das nicht sonderlich klug war. Nur ... Mensch, der Omega sah echt müde aus. Komplett erschöpft. Kein Wunder, da er per Anhalter reiste. War stressig. Da wusste man ja nie, wer einen mitnahm, wann, wohin ... Riley hatte wohl gar kein Geld. Oder zumindest nicht genug für Flug oder Zug. Nicht einmal ein Auto! »Wo kommst du her?«
»Pocatello.«
»Idaho? Das ist eine ganz schöne Strecke. Wie lange bist du schon unterwegs?« Blake schaltete die Scheinwerfer ein. Noch war es nicht dunkel, doch er fühlte sich, als sollte er irgendetwas tun. Und als Fahrer war die Auswahl da nicht sonderlich groß.
»Vier Tage mittlerweile. Ist spannend, man lernt interessante Leute kennen.« Wieder lächelte Riley.
Blake sah es nicht, hielt die Aufmerksamkeit stur auf die Straße gerichtet. Aber es lag erneut in der Stimme. Die wurde ... klarer dadurch? Prickelte durch ihn hindurch. Ignorieren! Hm. Vier Tage hieß auch vier Nächte. Ohne Geld. »Wo hast du übernachtet?«
»Einmal bei einem Trucker im Wagen, das war nett. Einmal im Bahnhof. Einmal am Straßenrand«, zählte Riley bereitwillig auf. »Bin froh, dass ich heute ankomme, muss ich gestehen. Der Straßenrand war nicht sonderlich bequem.«
»Kann ich mir vorstellen.« Gar nichts davon war gemütlich! Irgendwie war Blake ebenfalls froh, dass Riley heute ankam. Okay, er würde ihn auf jeden Fall bis zu der Adresse des Freundes fahren. Egal, wo die im Stadtgebiet lag. Mann.
Aber konnte der Kerl bitte mal aufhören, so zu duften? Zu stink-duften. Das war echt anstrengend. Der Geruch mehr als alles andere. Blakes Körper begann, sich sehr unangemessen zu verhalten. Schnurrend drängte sein Tiger in Richtung des Beifahrersitzes. Gestresst schaltete Blake die Klimaanlage eine Stufe höher, als würde das helfen.
Neben ihm grollte es. Gleich darauf noch mal.
Blake
Oh. Magenknurren! Bestimmt war Riley halb verhungert, oder? Blake klappte den Deckel der eingebauten kleinen Kühlbox zwischen den Sitzen auf. Eine Packung Sandwiches und zwei Wasserflaschen hatte er immerhin noch. »Hier, bedien dich. Kannst du leer machen. Ich bin satt. Die Flasche auf meiner Seite ist angebrochen, nimm besser die andere.«
»Danke!« Riley klang peinlich berührt und erleichtert zugleich.
Oder bildete Blake sich das ein? Er wollte ihn ansehen, verkniff es sich dann doch. Aus den Augenwinkeln beobachtete er trotzdem die Bewegungen, mit denen Riley sich bediente und die Sandwiches auspackte. Gleich darauf zog der Geruch nach Schinken, Käse und Mayo durch den Wagen. Machte es etwas leichter. Nicht viel, aber etwas.
Mann, warum hatte Blake kein Duftbäumchen am Rückspiegel? Klar stanken die hauptsächlich nach Chemie und waren unerträglich. Nur gerade wäre das hilfreich! Konnte es eventuell doch sein, dass Riley ... nein, unmöglich. Omegas dufteten generell verdammt gut. Okay, vielleicht nicht ganz so gut wie Riley, allerdings ... eben herrlich. Und ...
»Was machst du beruflich?«, unterbrach die warme Stimme seine Gedanken.
»Ich bin Immobilienmakler«, antwortete Blake automatisch. Dabei stimmte das gar nicht mehr! »Zurzeit aber ... nicht.«
»Sabbatical?«
»Burnout.« Als ginge das einen Anhalter etwas an! Das interessierte Riley doch echt nicht. Warum hatte Blake nicht schlicht genickt? Okay, stell dir einfach vor, dass 'nen großer, breitschultriger Alpha oder eine Kollegin neben dir sitzt, klar? Und antwortest denen, verdammt! Kein atemberaubend schöner Omega, der duftete wie das Paradies, eine Stimme wie ein Engel hatte und ...
»Ah, das tut mir leid.« Jetzt schien dieser atemberaubend schöne Omega ein wenig zerknirscht, als hätte er eine zu persönliche Frage gestellt.
Dabei war das nicht seine Schuld, dass Blake mal wieder einen Totalausfall hatte. »Hm«, grollte er. Mochte sein, dass ein einsamer Landsitz nicht sein größtes Problem bei der Partnersuche war. Ziemlich sicher sogar. »Passt schon.« Und nun am besten wirklich die Klappe halten. Keine Kommunikation – keine Möglichkeit für unpassende Ansagen.
Schien Riley ebenfalls zu finden. Stumm aß er die Sandwiches auf, trank eine Flasche leer und kuschelte sich dann gemütlicher in den Beifahrersitz. Nach einer Weile verkündeten tiefer werdende Atemzüge, dass er eingeschlafen war. Armer Kerl. War vermutlich total erschöpft.
Endlich wagte Blake einen neuen Blick zu ihm hin. Einen längeren. Die Straße blieb einsam und gerade, da brauchte er kaum Aufmerksamkeit. Leise schnurrte sein Tiger im Hintergrund. Kein Wunder. Riley war echt der schönste Omega, dem Blake je begegnet war. Die filigranen Züge allein. Und seine kleine Stupsnase. Große Augen, über denen sich sanft zarte Brauen schwangen. Weiche Lippen. Zumindest sahen sie weich aus. Das weißblonde Haar, das zerzaust sein Gesicht umgab, wirkte seidig. Na ja, und ein wenig strähnig.
Okay. Abrupt wandte Blake sich erneut der Straße zu. Objektiv betrachtet müffelte der Mann und brauchte eine Dusche sowie eine Haarwäsche. Trotzdem ... trotzdem. Ein neuer Seitenblick. Schade, dass Riley eingeschlafen war. Half zwar, dass sich Blakes Kopf wieder einfangen konnte, nachdem er den ersten Schock verdaut hatte. Aber auf die Weise konnte er nicht, na ja, üben, mit Omegas umzugehen. Denn offensichtlich musste er das.
Blake fragte sich echt, warum er immer solche Aussetzer hatte. Bei schönen Männern, die keine Omegas waren, ging das. Halbwegs zumindest. Doch sobald er diesen Duft in die Nase bekam? Puh. Sprang sein Tiger in den Gefährte?-Modus. Der schien das als alles oder nichts wahrzunehmen, eine Angelegenheit auf Leben und Tod. Was den Rest von Blake lahmlegte – und damit geschah logischerweise gar nichts.
Und Riley roch wirklich doppelt und dreifach so herrlich wie alle Omegas, die Blake je kennengelernt hatte! Lag garantiert daran, dass er schon lange keinen mehr getroffen hatte. Also doch gut, dass der Mann schlief. Aber ...
Seine Gedanken kreiselten den Rest der Fahrt weiter. Auch, als die Straße belebter wurde und schließlich richtig Verkehr herrschte. Lenkte Blake nur wenig ab.
Längst hatte sich Dunkelheit sich über das Land gelegt, als die Golden Gate Bridge in all ihrer Pracht endlich vor ihm erschien. Vor dem schwarzen Himmel und der glitzernden Kulisse der nächtlichen Stadt wirkten die hohen Pylone, über die die Tragseile der Hängebrücke liefen, regelrecht magisch. Blake lächelte. Ein herrlicher Anblick. Den hatte er schon immer geliebt. Außerdem hieß es, dass er bald daheim war.
Na ja, etwas weniger bald. Er warf seinem Passagier einen Blick zu. Der schlief nach wie vor tief. Immerhin schien er sich sicher bei ihm zu fühlen. Und das war ... ja, das war gut. Obwohl Blake Alpha und Tiger war. Denn Schlaf hatte Riley wohl nötig. Doch jetzt brauchte Blake Angaben, wohin er musste. »Riley?«
Keine Reaktion.
»Hey, Riley? Aufwachen. Wir sind fast da.«
Riley gab einen leisen Laut von sich. Dann blinzelte er, murmelte was Unverständliches, offensichtlich noch halb in einem Traum gefangen.
Himmel, war das süß! Ein Kribbeln schoss durch Blakes Magen und endete in einem Stich in der Brust. Hektisch wandte er sich ab. »Wir sind beinahe angekommen«, wiederholte er hilflos. »Ich brauche eine Adresse, an der ich dich rauslassen kann. Wo wohnt dein Freund?«
»Oh! Das ist ja lieb! Danke!«
Das Strahlen in seiner Stimme veranlasste Blake, ihn erneut anzusehen. Fehler. Eilig starrte er zurück auf die Straße und die Rücklichter des Fahrzeugs vor ihm. O Mann, das wurde nicht besser. Warum? Wie konnte es sein, dass er ein erfolgreicher Geschäftsmann war und gleichzeitig ... das?
Riley drehte sich nach hinten, zerrte an seinem Gepäck und hielt kurz darauf sein Handy in der Hand. »Hat noch Saft«, stellte er erleichtert fest. »Na ja, eigentlich kein Wunder.« Er lachte. »Kann ich ja kaum nutzen, ganz ohne Empfang.«
»Bei welchem Anbieter bist du?«, fragte Blake verdutzt. Sie waren eindeutig nicht irgendwo im Nirgendwo!
»Liegt nicht daran. Hab die Rechnung nicht bezahlen können«, nuschelte Riley zerknirscht und beugte sich über den Bildschirm, wie um sich zu verstecken. Konzentriert tippte er darauf herum.
»Oh. Ah. Okay«, brummte Blake. Noch ärmer ging ja kaum. Blake atmete durch. Hoffentlich besorgte der Freund Riley einen guten Job! Mann, konnte Blake ihm irgendwie helfen? Na ja, er hatte ihn mitgenommen und gefüttert. Und er konnte ihm ja schlecht wie einem Bettler Geld geben. Oder?
Riley lenkte ihn ab von den Gedanken, indem er ihm die Adresse nannte.
Blake erweckte das Navi in der Konsole zum Leben und gab sie ein. Ah, was? Der Freund wohnte im Tenderloin-Distrikt? Uh, wirklich 'ne unschöne Gegend. Aber immerhin nicht allzu weit weg von Blakes eigentlichem Ziel. »Kein großer Umweg. Das passt.«
»Oh, wie praktisch.« Aufgeregt sah Riley nach draußen. »Mann, ist das toll! Die Golden Gate Bridge habe ich noch nie in echt gesehen. Danke, dass du mich geweckt hast!«
Seine Begeisterung war ansteckend. Und süß, wie er fast am Fenster klebte, um eine bessere Sicht zu haben. Blake musste lächeln. »Ja, ich mag die auch jedes Mal wieder.«
»Sie wirkt wie ihr Name. Ein goldenes Tor in ein vielversprechendes neues Leben.« Eifrig beugte Riley sich etwas weiter vor, legte den Kopf in den Nacken, um bis ganz nach oben sehen zu können.
»Na dann, willkommen daheim.«
»Danke.« Riley lachte. So ein süßer, perlender Laut!
Er ging Blake durch und durch.
Beinahe andächtig betrachtete Riley die glitzernde Metropole auf dem Rest der Fahrt und machte Blake damit das Leben schwer. Wie konnte ein Mann so niedlich sein? So strahlend? So ... so faszinierend? Dieses Funkeln in den Augen allein. Wie sie sich weiteten, wenn er etwas besonders Interessantes entdeckte. Wie er sich hierhin und dorthin wandte, um alles in sich aufzunehmen. Das Lächeln, das seine Lippen einfach nicht verlassen wollte.
Nicht einmal, als die Gegend schäbiger wurde, je näher sie dem Ziel kamen. Besprayte Mülltonnen, mit Graffiti versehene Fundamente. Müllhaufen auf den Gehwegen. Erstaunlich viele Fenster im Erdgeschoss, die mit Gittern gesichert waren. Blätternde Farbe, bröckelnde Mauern.
»Hier?«, fragte Blake mit einem extrem flauen Gefühl im Magen, als das Navi ihm freundlich verkündete, dass sie ihr Ziel erreicht hatten. Trotzdem zog er den Wagen an den Straßenrand.
»Genau da!« Riley wies zu dem in blättrigem Beige gestrichenen Gebäude, vor dem sie angehalten hatten.
Oh, verdammt. Direkt neben dem Haus eine dunkle Gasse, in der schrottreife Autos parkten. Ein Geschäft, dessen Scheibe eingeschlagen und notdürftig zugeklebt war. Ein Sperrmüllhaufen, bei dem zusammengesunken auf einer dreckigen Decke ein Penner kauerte. Oder ein Drogensüchtiger. Oder ein drogensüchtiger Penner. Gegenüber eine verlassene, unbeleuchtete Baustelle, die wirkte, als sei hier seit Jahren nichts geschehen. Mehr Graffiti. Und das war nur der Anfang der Straße.
Alles, aber wirklich alles in Blake sträubte sich, Riley hier zurückzulassen. Grollend fuhr sein Tiger die Krallen aus, schnarrte misstrauisch in jede Richtung. »Sicher?«
»Ja. Horace hat mir ein Foto vom Eingang geschickt. Ist was nicht okay?« Ein wenig nervös sah Riley sich um.
Alles war nicht okay! »Die Gegend ist nicht die beste.« Der Tenderloin-Distrikt nahe des Civic Centers war immerhin der Mittelpunkt der Drogenszene. Und gerade nachts ... Uff. Gut, so spät war es noch nicht, aber dunkel. Und ...
»Ach so.« Riley lächelte und entspannte sich. »Bin ja gleich bei Horace, du hast direkt vor der Tür gehalten. Danke dir.« Mit einem Gähnen streckte er sich. »Was bin ich froh, endlich da zu sein. Echt, danke, dass du mich bis hierher gefahren hast.«
»Klar. Kein Thema.« Mit Magengrimmen beobachtete Blake, wie Riley ausstieg. Wieder grollte sein Tiger, lauter dieses Mal. Natürlich, der wollte den Omega auch beschützen. Die Gegend war wirklich miserabel. Aber sie konnten Riley schlecht einpacken und mitnehmen, Blake und sein Tiger. Das ging gleich aus mehreren Gründen nicht. Doch ihn hierlassen?
Blake
Riley zog seinen Rucksack vom Rücksitz und lud ihn auf. Wirkte schwer wie Blei.
Eigentlich hätte Blake ihm helfen sollen. Stattdessen saß er da und sah ihm einfach nur zu. Allerdings war reinbringen und das Gepäck tragen auch eher unangemessen. Trotzdem fühlte Blake sich danach. Mann, diese Straße allein! Die war echt verwahrlost. Da wollte er ja kaum aus dem Wagen raus. Alpha, breitschultrig und zur Not ein massiger Tiger. Riley hingegen war ein Omega.
Der gerade seine Taschen auflud, die Wagentür schloss und sich noch mal auf der Beifahrerseite rein lehnte. »Danke, Blake.« Er lächelte erneut. »Hab einen schönen Abend.«
»Ja.« Stopp, das war die falsche Antwort! Blake atmete durch. Immerhin war der Duft weniger geworden und ließ ihn klarer denken. Das war hilfreich. »Du auch.« Und damit würde Riley gehen. Blakes Tiger grollte los, als wollte ihm jemand die Beute stehlen. »Warte!«
»Hm?« Rileys ohnehin so großen Augen weiteten sich leicht, als sie Blakes Blick erwiderten.
Blakes Herz machte einen Satz, einfach als geeignete Einleitung, um holprig schneller zu schlagen. Und Blake hatte keine Ahnung, was er jetzt sagen sollte. Komm schon! Denk an den breitschultrigen Alpha, den du mitgenommen hast. Wenigstens kurz vorstellen, dass Riley kein Omega ist. Du schaffst das! Was würde er zu seinem besten Freund Bryce sagen? Nee, das half nicht. Der würde nicht in einer derart üblen Gegend absteigen. Der würde entweder in ein gutes Hotel gehen oder gleich bei Blake unterkommen.
Ah. Ah, ja. Das könnte helfen. Blake gelang es, den Blick zu lösen. Er beugte sich vor, öffnete das Handschuhfach, um einen Block und Stift herauszuholen. »Warte«, wiederholte er grummelnd. Hektisch notierte er seine Adresse und Rufnummer, riss das Blatt ab und reichte es Riley. »Falls du Hilfe brauchst, melde dich, ja? Falls irgendwas ist.«
Rileys Augen weiteten sich erneut und bescherten Blake das nächste Herzflattern. Dann lächelte der Omega so strahlend, dass es eigentlich ein Wunder war, dass nicht überall die Vögel mit ihren Morgenchören loslegten. Die mussten doch denken, der neue Tag wäre angebrochen. »Danke! Das ist echt lieb.«
»Ja«, brummte Blake, was auch dieses Mal keine angemessene Antwort war. »Ich warte, bis du drin bist.«
Rileys Lächeln nickte. »Hab einen schönen Abend.« Damit schlug er die Beifahrertür zu, wandte sich ab und stapfte schwer bepackt mit dem Rucksack und seinen zwei großen Taschen zur Tür.
Eigentlich wirkte er selbst wie ein Obdachloser, fiel Blake auf. Und noch eigentlicher war er das sogar. Er hatte keine Wohnung. Gut, dass er bei einem Freund unterkommen konnte. Das Glück hatte nicht jeder. Blake warf der zusammengesunkenen Gestalt neben dem Sperrmüllhaufen einen Blick zu, ehe er wieder zu Riley sah.
Der Omega klingelte. Wartete. Und verschwand im Haus.
Hervorragend, der Freund war also daheim. Immerhin. Hm. Blakes Magen grollte mit seinem Tiger um die Wette. Vollkommen unnötig, ab jetzt war Riley in Sicherheit. Wer hier wohnte, kannte sich mit dem Viertel aus. Der Freund würde auf Riley aufpassen können. Half Blakes Bauch nicht, der brodelte grimmig weiter.
Okay, sie konnten losfahren. Blake, sein Tiger und sein Bauch. Die Eingangstür eines heruntergekommenen Hauses zu bewachen, brachte echt niemandem etwas. Was für eine unschöne Gegend. Kalt war es mittlerweile ebenfalls.
Und Riley hatte mindestens eine Nacht so wie dieser Obdachlose an der Straße kauern müssen. Eingewickelt in einen Schlafsack. Ohne Dach über dem Kopf. Ohne ... irgendwas. Lediglich mit einem Rucksack und den Taschen. Während Blake gleich zu seinem Stadthaus fuhr. Seinem zweiten Haus. In einem bequemen Wagen, der im Kofferraum mit zwei großen Koffern nur einen winzigen Teil seiner Garderobe beherbergte.
Das Leben konnte echt unfair sein. Blake stieg aus, legte dem Obdachlosen einen Schein in seinen Becher. Der Mann schlief, bekam das nicht mal mit. Hoffentlich nahm es ihm niemand weg.
Fröstelnd sah Blake sich um, warf dem hässlichen Gebäude einen weiteren Blick zu. Kein Riley. Der war angekommen.
Endlich schaffte Blake es, sich erneut hinter das Steuer zu setzen, den Motor anzulassen und den Wagen vom Gehsteig auf die Straße zu ziehen. Ab nach Hause. Duschen, zu Abend essen und dann gemütlich auf dem Sofa hinter seinem Laptop versacken. Alles andere konnte bis morgen warten.
Riley
Für mehrere Atemzüge blieb Riley im dunklen Treppenhaus stehen und wartete darauf, dass sein hüpfendes Herz sich beruhigte. Ein bisschen komisch war Blake durchaus. Tigerwandler. Alpha. Und auf seltsam verdrehte, grollende Art wortkarg. Doch dieser endlose Blick in Rileys Augen? Der hatte es richtig kribbelig in ihm gemacht.
Und so freundlich, dass er ihm Hilfe angeboten hatte! Einem wildfremden Anhalter. Manche Menschen waren schlicht Engel. Wie Horace. Den kannte Riley auch noch nicht so lange. Aber der hatte ihn sofort eingeladen, als der ganze Mist über Riley hereingebrochen war.
Mann, was freute er sich, endlich angekommen zu sein. Und Horace persönlich kennen zu lernen. Nicht nur via Nachrichten und Forenbeiträgen im Arts and Crafts, Rileys liebstem Kunstforum.
Müde stapfte Riley die Treppen empor, einzig beleuchtet durch das Licht der Straßenlaternen, das durch schmutzige Fenster reinfiel. Die Treppenhausbeleuchtung war kaputt; der Schalter hatte nicht reagiert. Passte zum Viertel.
Unwillkürlich musste Riley grinsen. Blake hatte fast angegriffen gewirkt, dass er ihn hier hatte rauslassen sollen. Der kam eindeutig aus anderen Verhältnissen. Für Riley hingegen? War das vertraut. Fühlte sich an wie das Mietshaus, in dem seine kleine Wohnung gelegen hatte. Bis er rausgeflogen war. Weil es nicht länger für die Miete gereicht hatte. Er konnte die Vermieter verstehen, obwohl er sich gewünscht hätte, sie hätten ihm ein wenig mehr Zeit gegönnt. Mann, er hätte wirklich jeden Job angenommen! Aber so war es halt.
Dritter Stock, rechte Seite. Angekommen. Endlich. Hoffentlich empfand Horace es nicht als Affront, dass Riley dringend unter die Dusche musste. Seit fast 'ner Woche hatte er sich jetzt mit Waschlappen beholfen. Und heute Morgen – gar nichts. Bot so ein Straßenrand schlicht nicht an. Echt mal, sehr ungastlich. Der sollte ernsthaft an sich arbeiten. Andererseits hatte Riley ihn unhöflich überfallen, hatte nicht nachgefragt, sondern einfach frech übernachtet.
Mit einem Grinsen klopfte er an.
Schritte hinter der Tür, dann öffnete Horace. Schlank, groß, schwarzes Haar. Sah genauso wie auf dem Foto aus, das er ihm geschickt hatte.
»Hi!« Erleichtert lächelte Riley. Er rechnete mit einem antwortenden Lächeln. Einem Willkommen.
Stattdessen stockte Horace und schürzte die Lippen. »Ah«, sagte er lang gezogen. »Riley. Das passt jetzt nicht.«
Rileys eigenes Lächeln fiel in sich zusammen. Das klang nicht nach der Wärme, mit der der Mann ihm sonst geschrieben hatte. »Soll ich in 'ner Stunde oder so wiederkommen?«
Horace warf einen Blick über die Schulter zurück. »Nee, das passt gar nicht mehr. Sorry, habe keinen Platz für dich. Musst dir was anderes suchen.«
»W-was?« Rileys Herz stürzte ab. »Aber ich habe dir ... Ich bin ... bin jetzt seit vier Tagen unterwegs und ... und du hast gesagt ...« Sein Kopf wollte nichts Vernünftiges ausspucken, schaltete komplett ab. Riley fühlte sich wie von einer Dampfwalze überrollt. Die Begrüßung war so dermaßen jenseits von allem, womit er gerechnet hatte, dass er ... was?
Mit einem Schulterzucken verzog Horace den Mund. »Dinge ändern sich. Es passt nicht mehr.