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Budapest im Zweiten Weltkrieg. Der Schweizer Vizekonsul Carl Lutz versucht, so viele Jüdinnen und Juden zu retten wie nur möglich. Darunter auch die hübsche Magda Grausz und ihre kleine Tochter Agi, heute Agnes. Obwohl seine Frau wenig begeistert ist, holt er die beiden in seine Residenz. Als Anfang 1944 die Luftangriffe so zahlreich und heftig werden, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Residenz permanent im Luftschutzkeller bleiben müssen, entwickelt sich eine zarte Liebe zwischen Carl und Magda. Während draussen der Krieg tobt, träumen die beiden von einer gemeinsamen Zukunft in der Schweiz. Und verändern damit nicht nur ihre eigenen Leben für immer.
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Seitenzahl: 254
Veröffentlichungsjahr: 2022
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«Wenn Kinder klein sind,
gib ihnen Wurzeln,
wenn sie groß sind,
verleihe ihnen Flügel.»
Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Magda
Agnes
Wie zähflüssige schwarze Tinte füllt die Dunkelheit den Kellerraum. Die Luft ist feucht, stickig. Agi tastet mit ihren kleinen Händen die beiden zusammengeschobenen Polstersessel ab, die behelfsmässig ihr Bett bilden, und findet endlich, was sie gesucht hat: Vera, ihre Lieblingspuppe. Sanft streicht sie Vera über das kahle Köpfchen. Vor ein paar Wochen – es war kurz nach Agis erstem Weihnachtsfest – hat Mama gemeinsam mit ihr ein kleines Köfferchen gepackt und Agi gebeten, einen neuen dunkelblauen Trainingsanzug anzuziehen. Puppe Vera durfte ebenfalls mit sowie ein Buch, das Agi hütet wie ihren Augapfel – eine abgegriffene deutsche Ausgabe von «Struwwelpeter», ihr Lieblingsbuch. Dazu etwas Unterwäsche. Mehr nicht. Mama hat gesagt, dass sie jetzt einige Zeit unten im Keller werden bleiben müssen. Rauf ins Haus zu gehen sei ab sofort nicht mehr erlaubt. Agi fand das irgendwie spannend. Fast ein bisschen, als würden sie in den Abenteuerurlaub fahren.
Agi blickt sich im Dunkeln um. Horcht. Ausnahmsweise scheint ihre Mutter ruhig zu schlafen. Agi hört sie gleichmässig und ruhig atmen. Von etwas weiter drüben ist Anyis leises Schnarchen zu vernehmen. Anyi ist Agis Grossmutter. Der spezielle Name kommt daher, dass Agis Grossmutter eigentlich Blanka Csanyi heisst. Wenn Agi mit ihrer Grossmutter unterwegs war, grüssten die Leute sie immer freundlich: «Guten Tag, Frau Csanyi». Immer wieder versuchte Agi «Frau Csanyi» richtig auszusprechen. Ohne Erfolg. Ein wahrer Zungenbrecher für ein kleines Mädchen. So beschloss sie, ihre Grossmutter einfach nur Anyi zu nennen. Anyi liegt im selben Bett wie Mama. Agi ist froh, dass ihre Mama so tief schläft. Ihre Mutter wirkt in der letzten Zeit oft traurig und nervös, nur selten sieht Agi sie schlafen. Ganz im Gegensatz zu Anyi. Die ältere Dame ist Agis ruhender Pol. Sie lässt sich durch nichts erschüttern – zumindest hat Agi das bei ihr noch nie erlebt. Und so schläft sie auch jetzt tief und ruhig, nur ab und zu ist ihr typisches leises Schnarchen zu hören.
Agi muss plötzlich an Gyuri denken, ihren treuen Spielkameraden. Er wohnt normalerweise ebenfalls in dem grossen Haus, in dessen Luftschutzkeller sie gerade liegt. Zusammen mit seinen Eltern. Gyuri schläft ebenfalls – gar nicht so weit weg von ihr. Auch er musste zusammen mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder nach unten in den Keller flüchten. Er ist erst fünf Jahre alt, also gut zwei Jahre jünger als Agi und glaubt ihr, die älter und erfahrener ist als er, fast alles. So auch, als Agi eines Tages die Idee hatte, sie könnten sich doch Flügel basteln, damit in den obersten Stock hinaufsteigen und losfliegen. Wie Vögel. Es müsse ein überwältigendes Gefühl sein, fliegen zu können, schwärmte Agi Gyuri vor. Also fingen die beiden an, aus Karton und Federn Flügel zu basteln. Agis Vorfreude wuchs mit jeder aufgeklebten Feder. Mit den Flügeln an den Armen ging es flink hinauf in den dritten Stock. Agi liess Gyuri gerne vorausgehen und so kletterte der kleine, blonde Bub mutig auf das Fensterbrett des weit geöffneten Fensters. Der Wind wehte ihm um die sommersprossige Nase und gerade wollte er für seinen Sprung Schwung holen, als er hinter sich hörte: «Stopp!» Ohne sich umzudrehen wusste er, wessen Stimme das war. Es war unverkennbar Magda, Agis Mutter. Und sie klang alles andere als erfreut. «Komm da sofort runter!», hörte er die Stimme hinter sich rufen. Schweren Herzens kletterte er rückwärts zurück ins Treppenhaus und hörte sich gemeinsam mit Agi eine kaum enden wollende Standpauke von Magda an. «Was habt ihr euch eigentlich dabei gedacht? Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn ich euch nicht zufällig gesehen hätte…», sagte Magda und machte ein besorgtes Gesicht. Agi versuchte, ihre Mutter davon zu überzeugen, dass das mit dem Fliegen ganz sicher geklappt hätte. Schön wäre es gewesen, so frei durch die Lüfte zu gleiten. Bei den Vögeln klappe das schliesslich auch. Aber ihre Mutter hatte dafür kein Gehör. Jetzt, in der Dunkelheit des Kellers, versucht sich Agi erneut vorzustellen, wie dieses Gefühl zu fliegen wohl sein mag. Doch mit der stickigen Luft in der Nase, der ewigen Dunkelheit um sich herum und dem ständigen Husten der vielen Menschen, die hier überall im Raum auf Matratzen am Boden schlafen, ist das gar nicht so einfach. Agi fühlt sich trotzdem gut. Sie freut sich darauf, morgen mit Gyuri zu spielen.
Bereits letzten Sommer war sie mit Mama in dieses schöne, grosse Haus in Buda, einen der beiden Stadtteile Budapests, gezogen. Aufgrund der zunehmenden Bombardierungen wohnen sie mittlerweile nur noch im Keller dieses Hauses. «Warum wohnen wir jetzt eigentlich hier? Und warum nicht mehr bei Apu?», hatte Agi ihre Mutter eines Morgens gefragt. Sie waren erst einige Tage zuvor in dieses grosse Haus gezogen. Da hatte Mama ihr erklärt, dass der nette grosse Mann mit der Brille, den sie zuvor in der amerikanischen Botschaft besucht hatten, ihr eine Stelle als Hausdame angeboten habe. Dieser Mann komme aus einem schönen, reichen Land. «Schweiz» heisse dieses Land und der nette Mann habe ihnen Hilfe angeboten. Sie habe mit Apu darüber gesprochen und sie hätten beschlossen, dass es das Beste sei, wenn sie diese Stelle annehme. Hier seien sie sicher, es sei schliesslich Krieg. «Krieg?», fragt Agi unsicher. Komisches Wort. Agi konnte sich darunter nicht viel vorstellen. Jedenfalls packten sie bereits einen Tag später hastig ihre Siebensachen zusammen und zogen vom Budapester Stadtteil Pest in eine kleine Wohnung in dem riesigen Haus von Carl Lutz – auf der anderen Seite der Donau, in Buda. Hoch oben auf dem Hügel. Carl Lutz, so heisst der grosse Herr aus der Schweiz mit der auffälligen Brille nämlich. Carls Frau Trudi wohnt ebenfalls in dem riesigen Haus. Fünfzig Zimmer soll es hier angeblich geben, hat Mama ihr verraten. Die genaue Zahl hatte Agi weniger interessiert als die Tatsache, dass sie mit dem kleinen blonden Gyuri, dem Sohn von Carls Chauffeur, in dem grossen Haus wunderbar Verstecken spielen konnte. Gyuris Vater fährt Carl Lutz oft mit einem grossen schwarzen Auto zu wichtigen Terminen. So hatte es der kleine Bub Agi zumindest erzählt. Onkel Carl sei hier ein wichtiger Mann in Budapest, ein Konsul. Auch das hatte Gyuri ihr im Vertrauen erzählt. Agi hatte zwar keine Ahnung, was ein Konsul genau macht, aber es klang wichtig.
Und so kam es, dass Agi mit ihrer Mutter und dem Ehepaar Lutz zum ersten Mal Weihnachten feierte. Gespannt äugte Agi bereits am Nachmittag durch das Schlüsselloch ins grosszügige Wohnzimmer. Und dort stand er: der schönste Weihnachtsbaum, den Agi jemals gesehen hatte. Er sah aus wie aus einem Märchen. Carl Lutz hatte ihn geschmückt. Vielleicht ist er eine Art Engel, dachte Agi. Ihr fiel die erste Begegnung mit diesem Mann wieder ein. Es war in seinem Büro und die Frühlingssonne tauchte den grossen Raum in warmes Licht. Als Agi den fremden Mann vom Schoss ihrer Mutter aus betrachtete, schien es plötzlich, als hätte er um seinen Kopf einen hellen Schein. Das hatte Agi bisher nur in einem Bilderbuch über Engel gesehen. War er etwa ein Engel? Jedenfalls war er jetzt für sie Onkel Carl, den sie kurz und bündig «Onki» nannte.
Onki war es auch, der vor ein paar Tagen dafür gesorgt hatte, dass sie ihren siebten Geburtstag feiern konnte, obwohl sie noch immer unten im dunklen Keller hausten. Schon am Vorabend hatte er ihr vorgeschlagen, ihre zwei Spielkameraden hier unten im Keller zu ihrem Geburtstagsfest einzuladen. Natürlich sagten die beiden sofort begeistert zu. Welch willkommene Abwechslung in dieser dunklen Zeit. Und so begann Mama gleich nach dem Mittagessen, einen aus alten Kisten zusammengezimmerten Tisch zu decken. Darauf kamen die schönsten Teller, die sie finden konnte. Dann hat Mama Agi eine grosse rosa Masche ins Haar gebunden. Wie damals, als sie zum ersten Mal zu Onki ins Büro gegangen sind. Die Masche passte zwar besser zu einem hellen, leichten Sommerkleid als zu einem blauen Trainingsanzug, aber Agi trug sie trotzdem mit einem gewissen Stolz.
Und schon bald sass sie gemeinsam mit ihren Spielkameraden, mit Mama und Anyi, Onki und Trudi um den schön gedeckten Kistentisch herum. Auf dem Tisch brannten gleich zwei Kerzen, was in den letzten Tagen nur selten der Fall war. Mama hatte ihr erklärt, sie müssten sparen. Sie hätten nicht mehr viele Kerzen. Es sei Krieg, sagte sie. Wieder dieses Wort. Krieg. Hàború auf Ungarisch. Auch, wenn die Menschen im Kellerraum miteinander tuschelten, hörte sie es immer wieder: «Hàború». Noch immer eine leere Worthülse für Agi. Trotzdem brannten an ihrem Geburtstag zwei Kerzen und Agi genoss den warmen gelblichen Schein, der den dunklen Kellerraum für ein paar Stunden angenehm erhellte. Dann brachte Mama dampfenden Kakao. Er war mit Kondensmilch und Wasser gemacht und schmeckte köstlich. Agi konnte es kaum glauben. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann sie zum letzten Mal Kakao getrunken hatte. Kakao gab es eigentlich nie. Und dazu reicht Mama ihr ein Stück von diesem herrlich duftenden Gugelhopf, gespickt mit süssen Rosinen. Agi ass gleich zwei grosse Stück davon. Es schmeckte einfach herrlich. Agi war glücklich. «Ich habe eine kleine Überraschung für dich», sagte Onki plötzlich und zauberte ganz langsam ein hellblau eingewickeltes Geschenk hinter dem Rücken hervor. «Oh, danke, Onki!», rief Agi freudig. Rasch entfernte Agi das raschelnde Geschenkpapier. Darin lag eine gelbe Schachtel mit vielen kleinen, rechteckigen Schokoladetäfelchen aus weisser Schokolade. Jedes einzeln in ein goldenes Papierchen eingewickelt. Da leuchteten Agis Augen gleich noch mehr. «Schokolade! Danke, Onki!» Onki lächelte zufrieden und nickte leicht. «Darin sind viele gesunde Vitamine. Die kannst du nach der langen Zeit hier unten im Keller sicher gut gebrauchen. Vitamine, die schmecken», sagte Onki und zwinkerte ihr dabei zu. Diese Schachtel hält sie seither unter ihren Polstersesseln versteckt. Jeden Tag isst sie nur einziges Täfelchen. Normalerweise. Heute hat sie schon eins gegessen. Jetzt, in der Dunkelheit des Kellers, sieht niemand, wenn sie noch ein weiteres Schokoladentäfelchen verspeist. Sie denkt an den samtig-süssen Geschmack der geschmolzenen Schokolade im Mund. Heute kann sie einem zweiten Täfelchen einfach nicht widerstehen. So leise wie möglich greift sie nach der Schachtel, entfernt so leise wie möglich das Papier und steckt sich ein Täfelchen in den Mund. Mmh. Der wohltuende süsse Geschmack im Mund tut so gut. Das zerknüllt goldene Papierchen noch fest in der Hand, fällt Agi schon bald in einen tiefen, friedlichen Schlaf.
Einmal mehr schleppt Magda ein grosses Tablett schwer beladen mit vollen, dampfenden Schüsseln durch den unendlich langen Korridor, der die behelfsmässig eingerichtete Küche mit dem Kellerraum verbindet. Immerhin hat Trudi, Carls Frau und offenbar praktisch veranlagt, das Problem mit den stark rauchenden Öllampen kürzlich gelöst. Sie kam auf die Idee, das Benzin durch geschmolzenes Schweineschmalz zu ersetzen. Den selbstgebastelten Docht fixierte sie kurzerhand mit einem kleinen Kartoffelwürfel. Not macht erfinderisch. Die Lampen verbreiten jetzt zwar ein etwas schwächeres Licht, aber der Korridor ist wenigstens nicht mehr voller Rauch. Dies stimmt Magda gegenüber Trudi wieder etwas versöhnlicher. Kürzlich waren die beiden Frauen ziemlich aneinandergeraten. Magda hatte plötzlich das dringende Bedürfnis verspürt, den Rauchgeruch, der sich in der Küche und in ihren Haaren immer stärker festsetzte, loszuwerden. Zumindest für ein paar Stunden. Wie sehr sehnte sie sich danach, einmal anders zu riechen als wie ein geräucherter Hering. Kurzerhand setzte sie Wasser auf, gab etwas kaltes Wasser dazu und begann, sich damit die Haare zu waschen. Sogar ein Stück Seife hatte sie noch gefunden. Ein wahres Glücksgefühl. Dann stand plötzlich Trudi in der Tür. Magda erschrak kurz und Trudi geriet sofort in Rage. «Das Wasser ist auch so schon sehr knapp. Was fällt Ihnen eigentlich ein? Hier ist nun mal kein Platz für Eitelkeiten», warf Trudi ihr an den Kopf. Magda hatte sich mittlerweile wieder gefangen, der Schreck war fast verflogen. So leicht liess sie sich nicht einschüchtern, Hausherrin und Frau Vizekonsulin hin oder her. «Der Herr Konsul wünscht, dass meine Haare gut riechen», antwortete Magda kurzerhand. Bei so viel Keckheit blieb Trudi glatt die Sprache weg. Hörbar zog sie die Luft ein und ging raschen Schrittes davon. Die Spannung zwischen den beiden Frauen blieb danach noch tagelang spürbar. Doch Magdas Haare dufteten für eine Weile sanft nach Blumen und Freiheit.
Seitdem mehr als dreissig Menschen den Weg in den Kellerraum der Lutz-Residenz gefunden hatten, gibt es für Magda noch mehr zu schleppen. Die hungrigen Mäuler wollen gestopft werden. Unermüdlich wirbelt Zsófia, die Köchin, mittlerweile Tag und Nacht in der Küche herum und sorgt dafür, dass auf dem heftig qualmenden Holzofen aus simplen Zutaten möglichst viel Sättigendes entsteht. Magda gibt ebenfalls ihr Bestes und versucht, die Suppen und Eintöpfe noch warm auf den weit entfernten Tisch zu bringen. Magdas Rücken macht die Schlepperei langsam nicht mehr mit. In der Nacht kann sie vor Schmerzen oft kaum schlafen. Dazu kommen die vielen Gedanken, die sie im Dunkeln plagen. Wohin das noch führen mag? Immer mehr Menschen suchen Schutz in Carls und Trudis Luftschutzkeller. Gerade gestern ist ein Engländer mit seiner Frau dazu gestossen. Ihr Haus sei vollständig ausgebombt worden und jetzt dem Erdboden gleich, haben die beiden erzählt. Zu den beiden Neulingen kommt das Hauspersonal, zu welchem auch Magda selber gehört, der Chauffeur von Carl sowie der Portier des Gesandtschaftsgebäudes – allesamt mit ihren Familien. Zusammen mit den Polizisten, die Carls Schutzmachtabteilung zugeteilt sind, müssen die Menschen mittlerweile Matratze an Matratze liegen, damit der Raum für alle reicht. Nur sie selbst und ihre Mutter sowie das Ehepaar Lutz haben das Privileg, in richtigen Betten zu schlafen. Und Agi darf auf zwei zusammengeschobenen, grünen Polstersesseln liegen. Zum Glück. Magda ist froh, dass ihre Tochter nicht auf einer Matratze auf dem kalten Boden schlafen muss.
Magda macht sich auch Sorgen darüber, ob die Lebensmittel reichen werden, um längerfristig alle einigermassen satt zu kriegen. Ab und zu vertritt sie die Köchin, damit diese wenigstens ein paar Stunden schlafen kann. Ein Blick in den Vorratsschrank neulich hat ihr gezeigt, dass die Lebensmittel, die Trudi im Dezember in den Keller geschafft hatte, allmählich zur Neige gehen. Die Suppe wird von Tag zu Tag dünner. Es ist Anfang Februar. Wie lange dieser Zustand wohl noch andauern wird? Keiner kann das wissen. Zum Glück hat es bis jetzt immer wieder mal jemand von ihnen geschafft, während der Gefechtspausen kurz aus dem Keller zu klettern. Und so gelingt es ab und zu jemandem von ihnen, Nachschub für die wachsende Schicksalsgemeinschaft zu organisieren – vor kurzem waren neben Kartoffeln sogar Linsen und Speck darunter. Das war ein Fest.
Doch nicht nur der anhaltende Kriegsverlauf macht Magda Sorgen und hält sie nachts oft wach. Es ist diese innere Zerrissenheit, die ihr den Schlaf raubt. Da ist Sándor, ihr Mann. Wo er wohl gerade ist? Ob er noch lebt? Bevor sie mit Agi zu Carl in die Residenz gezogen ist, hatte Sándor ihr versichert, er werde den Krieg bestimmt überleben. Er wisse, wie man sich allein durchschlage. Sie solle sich um ihn keine Sorgen machen. Magda hatte ihm geglaubt. Damals zumindest. Sándor ist gewieft und zäh. Das hat ihr an ihm immer so gut gefallen und sie nachhaltig beeindruckt. Zwar ist er ein eher kleiner Mann, dafür sind sein Kampfgeist und Optimismus umso grösser. Er hat ihr immer ein Gefühl von Sicherheit gegeben. Aber seither sind mehrere Monate vergangen. Ihre Ungewissheit nimmt zu.
Und dann ist da auch noch Carl. Auch er gibt ihr dieses Gefühl von Sicherheit, nach dem sie zeitlebens gesucht hatte. Schon als sie Carl, den freundlichen Schweizer Vizekonsul, letzten Sommer darum gebeten hatte, ihr und ihrer Tochter zu helfen, war da dieses Gefühl von Verbundenheit. Auf den ersten Blick. Sofort fühlte sie sich auf eine besondere Art zu diesem grossen, elegant angezogenen Mann mit der Brille hingezogen. So hatte sie sich ihren Mann in ihren Träumen vorgestellt. Und sie merkte, dass es Carl vermutlich ganz ähnlich ging. Er schaute ihr immer wieder tief in die Augen. Sie merkte rasch, dass er von ihr ebenso fasziniert war. Dass sich Carls Frau Trudi damit einverstanden erklärte, Magda als Hausangestellte zu beschäftigen und sie mit ihrer kleinen Tochter in der Residenz wohnen zu lassen, ist wohl einzig mit ihrer ausgeprägten Menschenliebe zu erklären. Wie Carl auch ist es ihr oberstes Ziel, in diesen schrecklichen Zeiten möglichst viele verfolgte Menschen zu retten. Welche Gründe Trudis Einverständnis auch hatte, es hat schon bald das Leben aller Beteiligten in andere Bahnen gelenkt.
Noch weiss Magda nicht, ob Carl sie jemals heiraten wird. Schliesslich ist auch er noch mit jemand anderem verheiratet. Genau wie sie. Mitten in der Nacht, wenn alle im Kellerraum schlafen, nimmt Carl, im Nachbarbett liegend, nur mit einem leichten Vorhang vom Rest des Raumes abgetrennt, manchmal ihre Hand und drückt sie sanft. Sie geniesst es, seine Wärme zu spüren. Eine seltsame Situation. Aufregend und beängstigend zugleich. Auf der einen Seite die Sorge um Sándor, ihren Mann, der Agi ein sehr liebevoller und fürsorglicher Vater ist. Auf der anderen Seite Carl, der Retter und Menschenfreund, zu dem sie sich von Tag zu Tag stärker hingezogen fühlt. Wohin das noch führen wird? Sie weiss es nicht. Aber sie weiss, dass sie und Agi ohne Carl vermutlich nicht mehr am Leben wären. Das Leben ist für Menschen jüdischer Abstammung gefährlich geworden. Auch in Budapest. Deshalb ist Magda Carl unendlich dankbar. Dankbar, dass sie und ihre Tochter sich dank ihm zumindest einigermassen sicher fühlen können.
Anyi liest Agi wieder einmal aus ihrem Lieblingsbuch vor, dem «Struwwelpeter». Agi darf dabei jeweils die Seiten umblättern. Als Anyi das nächste Mal «jetzt» sagt und Agi freudig die Seite umschlägt, fällt ein kleiner Zettel heraus. Eine Eule ist darauf erkennbar. Einer von Apus Ex Libris-Zetteln. Agi freut sich sehr, endlich einmal wieder einen solchen zu sehen. Lächelnd denkt sie zurück an die Zeit, bevor sie und Mama zu Onki in dieses grosse Haus gezogen waren. Ihre Eltern zogen sich zu dieser Zeit immer häufiger ins Schlafzimmer zurück, wo sie leise miteinander sprachen. Was die beiden wohl ständig zu besprechen hatten? Agi drückte ihr Ohr fest an die Schlafzimmertür ihrer Eltern. Doch da die beiden miteinander Deutsch sprachen, konnte sie kein einziges Wort verstehen. Dann kam von einem Tag auf den anderen der Umzug in das grosse Haus von Onki und Trudi. Und seither hat Agi Apu nicht mehr gesehen.
Ihr Vater hatte sich sein Büro in der grossen Wohnung, die sie in der Báthory utca bewohnt hatten, eingerichtet. Man gelangte über eine Art kleine Seufzerbrücke dorthin. Wenn Agi in der Nähe des Büros spielte, hörte sie ihren Vater oft sehr laut telefonieren. Er schrie regelrecht in den Telefonhörer, fast so als müsse er zu seinem Gesprächspartner herüberrufen. Und auch so verstanden die beiden vermutlich nicht alles, was der andere sagte, denn die Telefonverbindung war schlecht.
Und obwohl ihr Vater ein sehr beschäftigter Mann war, stand seine Bürotür für seine kleine Prinzessin immer offen. Egal, wie viel er zu tun hatte, für Agi nahm er sich immer Zeit. Er liess sich für sie sogar extra Spiele einfallen. So war es zu jener Zeit zum Beispiel üblich, vorne in die Bücher einen schön gestalteten Zettel zu kleben. Ex Libris Sándor Grausz stand da. Direkt unterhalb der Darstellung einer stilisierten Eule. Das sei Lateinisch und heisse übersetzt Aus der Bibliothek von Sándor Grausz, hatte Apu ihr erklärt. Und da er wusste, wie viel Freude Agi an den hübschen Zetteln hatte, warf er manchmal vor ihren Besuchen extra ein paar davon in den Papierkorb. Er wusste, dass Agi sie dort finden und vor Glück aufjauchzen würde. Und jetzt – unten im Keller – hält Agi wieder einen solchen kostbaren Zettel in der Hand. Wie schön.
Agi findet es eigentlich gar nicht so schlimm hier unten im Keller. Sie mag auch die meisten Menschen, die mit ihr unten im Keller wohnen, gerne. Ganz besonders Geoffrey Tier. Er und seine Frau sind in Onkis Keller geflüchtet, nachdem ihr Haus ausgebombt worden war. Der fast zwei Meter grosse, hagere Engländer mit den weissen Haaren und den wild wuchernden weissen Augenbrauen beeindruckt Agi sehr. Stets geht er leicht gebückt, als würde er mit dem Kopf dauernd irgendwo anstossen. Trotzdem strahlt er dabei etwas Nobles aus. Fast wie ein Ritter, denkt Agi. Leider hatte sie bisher nie den Mut, ihn zu fragen, ob er ein Ritter sei. Onkel Geoffrey erzählt ihr im Keller manchmal Geschichten. Fantastische und faszinierende Geschichten. Obwohl er Engländer ist, spricht er fliessend Ungarisch. Kürzlich hat er ihr von seinem Vater erzählt, einem Admiral in der englischen Armee, der in Ägypten gekämpft hatte. Agi war von dieser Geschichte sehr beeindruckt. Geoffrey Tier erzählte so lebendig, dass sie die tapferen britischen Soldaten, die riesigen Pyramiden und die langen Karawanen wie einen inneren Film vor sich sah. Als Agi ihn vor ein paar Tagen darum bitten wollte, ihr diese Geschichte nochmals zu erzählen, sah sie plötzlich, dass Geoffrey Tier immer wieder stark zusammenzuckte. Leise ging sie trotzdem zu ihm hin und fragte ihn, was mit ihm los sei. Ob er vielleicht Angst habe. Da erzählte er ihr, dass er eigentlich einen anderen Beruf habe lernen wollen. Biochemiker habe er werden wollen. Während seines Studiums habe er unter anderem in Burma gearbeitet, einem fernen Land in Asien. Dort habe er Schlangengift gewonnen, um daraus Medizin zu machen gegen Krankheiten, die Menschen in heissen Weltgegenden oft heimsuchten. Doch bevor er mit seinen Forschungen fertig war, sei er selber krank geworden. Seitdem zucke sein Körper manchmal sehr stark, erklärte er Agi. Deshalb habe er auch nicht mehr mit Chemikalien arbeiten können und habe stattdessen bis vor Kurzem als Professor an einem College in Sarospatak gearbeitet. Agi hätte ihm noch stundenlang zuhören können, aber sie sah, wie Onkel Geoffrey immer wieder die Augen zufielen. Anscheinend war er heute zu müde, um Geschichten zu erzählen. Sie liess ihn schlafen.
Stattdessen ging sie zurück zu Anyi und fragte sie, ob sie ihr eine Geschichte aus dem «Struwwelpeter» vorlesen würde. Das Buch hatte sie von Mimi geschenkt bekommen, ihrem ehemaligen Kindermädchen. Mimi stammte ursprünglich aus Siebenbürgen und hatte das Buch von dort mitgebracht. Deshalb war das Buch auf Deutsch geschrieben. Das war Agi egal, denn sie konnte sowieso noch nicht lesen. Eigentlich wäre sie vor einigen Wochen in die Schule gekommen. Die aktuelle Lage schien das irgendwie zu verhindern. Ihre Mutter hatte ihr jedenfalls gesagt, sie müsse sich damit noch gedulden, was Agi ganz recht war. Die Schule konnte von ihr aus ruhig noch etwas warten. Also betrachtet sie so lange halt nur die Bilder in ihrem Lieblingsbuch. Manchmal liest Anyi ihr daraus vor. Nebst dem Struwwelpeter gefällt Agi vor allem die Figur des Suppen-Kaspars. Gemeinsam mit ihrer Grossmutter sagt sie manchmal den Refrain auf: «Ich esse keine Suppe! Nein. Ich esse meine Suppe nicht. Nein, meine Suppe ess’ ich nicht».
Aus der Ferne sind Bomben zu hören. Das laute Geräusch reisst Magda aus dem Schlaf. Sie setzt sich im Dunkeln auf und lauscht in die Finsternis. Hatte sie vielleicht nur geträumt? Es ist auffällig ruhig im Kellerraum. Nur hier und dort ein leises Husten oder Räuspern. Nichts Ungewöhnliches. Magda versucht, ruhig zu atmen und sich selber zu beruhigen. Sie schliesst die Augen – und sieht plötzlich deutlich Sándors Gesicht vor sich. Die prägnanten Gesichtszüge, seine graugrünen Augen, der markante haarlose Oberkopf. Die beiden hatten sich auf einem Ball kennengelernt. Durch gemeinsame Freunde wurde Magda ihm vorgestellt. Sein Interesse an ihr war nicht zu übersehen und Magda fühlte sich geschmeichelt. Sándor gefiel ihr, obwohl er von seiner Körpergrösse her nicht unbedingt ihren Vorstellungen entsprach, denn Magda hatte schon immer eine Vorliebe für grosse Männer gehabt. Und Sándor war von eher kleiner Statur. Dennoch zog seine positive Art sie sofort in ihren Bann. Auch, dass er vierundzwanzig Jahre älter war als sie, störte Magda nicht. Jedenfalls fackelte Sándor nach dieser ersten Begegnung nicht lange und machte Magda gehörig den Hof. Er war gerade frisch geschieden, erneut heiratswillig und hielt schon bald um ihre Hand an. Magda war selber überrascht, dass sie einfach Ja sagte. Es fühlte sich für sie in diesem Moment richtig an. Zweifel hatte sie keine. Und so stand einer Heirat nichts mehr im Wege. Danach zog Magda bei Sándor und Tomi, Sándors Sohn aus erster Ehe, ein. Kein leichter Schritt und keine einfache Zeit, die folgte. Es war seltsam für Magda, in derselben Wohnung zu leben, in der Sándor zuvor mit seiner Ehefrau gewohnt hatte. Magda hatte sogar manchmal das Gefühl, sie nehme den Duft von Sándors Exfrau wahr. Eine Mischung aus Lavendelseife und Veilchen. Und auch von einem Hochzeitsgeschirr zu essen, das nicht für sie gedacht war, und in einem Bett zu schlafen, in dem Sándor mit seiner Frau… ach, Magda mag gar nicht daran denken. Als wäre das noch nicht genug, hiess Sándors erste Frau sogar gleich wie sie selbst: Magda. Als sie davon erfuhr, dachte sie zuerst, Sándor erlaube sich einen Scherz mit ihr. Erst als seine Miene ernst blieb, glaubte sie ihm.
Und dann war da auch noch Tomi. Anders als seine Schwester Maria, die bei ihrer Mutter lebte, wurde Tomi bei der Scheidung dem Vater zugesprochen. Tomi, gerade im schlimmsten Flegelalter, hat gar keine Freude an der blutjungen Ersatzmutter und machte Magda gerne das Leben schwer.
Als Sándor eines Abends aus seinem Büro nach Hause kam, traf er Magda weinend in der Küche an. «Was ist los mit dir, Liebste?», fragte er. Sanft strich er Magda über den Rücken. «Tomi. Es ist wegen Tomi…», brach es aus Magda hervor. Sie begann heftig zu schluchzen. «Er wollte wieder nicht sein Zimmer aufräumen. Als ich ihn darum bat, ein bisschen Ordnung zu schaffen, hat er mich angefaucht und gesagt, ich hätte ihm gar nichts zu sagen. Ich sei schliesslich nicht seine Mutter», sagte Magda leise. «Sándor, das mit uns funktioniert nicht, wenn Tomi mich nicht akzeptiert. Ich kann nicht mehr». Traurig legte sie ihre Stirn auf die verschränkten Arme und schloss die Augen. «Du hast recht. Es muss sich etwas ändern. So geht das nicht. Was hältst du davon, wenn ich Tomi vorschlage, ein Internat in Sárospatak zu besuchen? Er hat bestimmt nichts dagegen. Er lernt gerne und schliesslich will er später einmal Arzt werden. Dort könnte man ihn hervorragend auf ein Medizinstudium vorbereiten. Was meinst du dazu?», fragte Sándor. Magda blickte überrascht zu ihm auf. «Das würdest du wirklich tun? Für mich?». «Nicht nur für dich, sondern auch für mich und für Tomi. Diese Lösung wäre für alle das beste», sagte Sándor voller Überzeugung. Seine graugrünen Augen lächelten Magda an. So lange bis Magda nicht anders konnte: sie lächelte zurück. «Köszönom», flüsterte sie, danke. Als Sándor Tomi später am Abend von seiner Idee erzählt, war dieser sofort begeistert. Er wusste, dass ein solch renommiertes Internat seine Chancen auf einen Studienplatz erheblich erhöhen würde.
Schon drei Wochen später war es so weit. Tomi hatte mit Magdas Hilfe seinen Koffer gepackt. Artig hatte er sich von der jungen Stiefmutter dabei unterstützen lassen. Mit dem Taxi brachte Sándor Tomi später zum Bahnhof, nahm ihn noch einmal fest in die Arme. «Mach’s gut, mein Sohn». Als der Zug schon längst abgefahren war, stand Sándor noch immer auf dem verlassenen Bahnsteig, gedankenversunken. Bis er voller Elan schnellen Schrittes nach Hause zurückging. Wie immer rannte er dabei mehr als er ging. Das war seine Natur.
Magda konnte nach Tomis Auszug endlich aufatmen. Jetzt hatte sie Sándor ganz für sich alleine. Und Sándor liebte es, Magda zu verwöhnen. 1937, nach einem wunderschönen Skiurlaub in St. Moritz, wo sie in einem altehrwürdigen Nobelhotel gewohnt hatten, stellte Magda fest, dass sie schwanger war. Sicherheitshalber liess sie ihre eigene Feststellung noch von ihrer Frauenärztin bestätigen, bevor sie es Sándor sagte «Ja, Sie sind schwanger. Ich würde schätzen in der zehnten Woche. Herzlichen Glückwunsch», sagte ihre Frauenärztin. Sie hatte richtig vermutet, in ihrem Bauch wuchs ein Kind heran. Ein Gefühl, dass Magda bis daher fremd war, erfasste sie. Eine seltsame Mischung aus einem Kribbeln und einem einengenden Druck im Magen. Magda war sich nicht sicher, aber so könnte sich Glück anfühlen. Als Sándor am Abend nach Hause kam, rannte Magda ihm entgegen und warf sich ihm um den Hals. «Ich bin schwanger! Wir bekommen ein Kind! Ich bin so glücklich!», sagte sie. Sándor hob sie hoch und wirbelte sie herum. «Welch ein Glück! Ich freue mich wirklich sehr, Liebste», sagte er und nahm sie fest in seine starken Arme. Einige Stunden später jedoch traf Magda ihren Mann im Wohnzimmer an. Er schien tief in Gedanken versunken zu sein und wirkte sehr nachdenklich. Diesen Zustand hatte sie bei Sándor bisher nur selten gesehen. Sorgenfalten hatten sich quer über seine hohe Stirn ausgebreitet. «Was ist los? Freust du dich denn nicht?», fragte Magda, die Enttäuschung stand ihr ins Gesicht geschrieben. «Doch, ich freue mich sogar sehr. Was könnte ich mir Schöneres wünschen, als mit dir ein Kind zu bekommen? Aber der Zeitpunkt… der Zeitpunkt», sagte Sándor. Seine Stimme brach. «Was meinst du damit?» «Ich meine damit den politischen Wind, der aus Deutschland allmählich bis hier herüberweht. Seit Hitler an der Macht ist, weiss niemand, was mit uns Juden noch geschehen wird… ich habe in den letzten Tagen so einiges darüber vernommen. Da braut sich etwas Schreckliches zusammen. Du weisst, ich bin ein zuversichtlicher Mensch, aber ein Kind zu bekommen in derart unsicheren Zeiten, vermag sogar mich zu beunruhigen», sagte Sándor. «Du kannst unser Kind jedenfalls nicht hier in Budapest zur Welt bringen. Es wäre viel besser, wenn es in England auf die Welt käme,
