Eine Freundschaft gefüllt mit Liebe - Mira Frey - E-Book
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Eine Freundschaft gefüllt mit Liebe E-Book

Mira Frey

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Beschreibung

Jamie ist schon seit Jahren heimlich verliebt in ihre beste Freundin Jenna, die in Valentine als ›Männerfresserin‹ berüchtigt ist. Mit keinem Mann hält sie es länger als drei Wochen aus und sie stürzt sich immer verzweifelter in die Suche nach dem Partner fürs Leben. Mit schmerzhaften Folgen für Jamies Herz ...

Die befindet sich nämlich in einer bösen Zwickmühle. Soll sie sich outen, Jenna ihre Liebe gestehen und damit eine langjährige, tiefe Freundschaft gefährden? Oder soll sie weiterhin schweigen und leiden?

Wie wird sich Jamie entscheiden? Gibt es auch für sie ein Happy End in Valentine?

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Kapitel 1 – Eine Art Prolog
Kapitel 2 – Ein leidiges Problem
Kapitel 3 – Die Piste
Kapitel 4 – Das Sommerfest der Walshs
Kapitel 5 – Fake oder nicht fake?
Kapitel 6 – Es reicht
Kapitel 7 – Fakten
Kapitel 8 – Einsichten
Kapitel 9 – Alles wie gehabt
Kapitel 10 – Tränen
Kapitel 11 – Die Hochzeit
Kapitel 12 – Ein letzter Tanz
Kapitel 13 – Funkstille
Kapitel 14 – Es geht auch ohne
Kapitel 15 – Der große Tag
Kapitel 16 – Die Zeit steht still
Kapitel 17 – Blöd. Bescheuert. Feige.
Kapitel 18 – Neustart
Kapitel 19 – Pures Glück
Epilog
Personenverzeichnis
Die Sweet Valentine-Reihe

Mira Frey

Eine Freundschaft gefüllt mit Liebe

Über die Autorin:

Mira Frey lebt und schreibt in Südtirol. Wenn sie nicht gerade mit Kindern und Jugendlichen Theater macht, erfindet sie Geschichten, wobei sie sich da nicht gern in Schubladen stecken lässt. Aus ihrer Feder stammen Krimis ebenso wie Wohlfühlromane oder Kinderbücher.

Mit Sweet Valentine erfüllt sie sich selbst einen lang gehegten Traum und reist in Gedanken in das fiktive Städtchen Valentine, in dem die Welt noch in Ordnung ist – mit jedem Happy End noch ein bisschen mehr.

Buchbeschreibung:

Jenna ist in Valentine als ›Männerfresserin‹ berüchtigt und hält es mit keinem Mann länger als drei Wochen aus. Immer verzweifelter stürzt sie sich in die Suche nach dem Partner fürs Leben.

Dabei merkt sie nicht, dass ihre beste Freundin Jamie schon seit Jahren heimlich in sie verliebt ist. Die befindet sich nämlich in einer bösen Zwickmühle. Soll sie sich outen, Jenna ihre Liebe gestehen und damit eine langjährige, tiefe Freundschaft gefährden? Oder soll sie weiterhin schweigen und leiden?

Gibt es auch für Jenna ein Happy End in Valentine?

Mira Frey

Eine Freundschaft gefüllt mit Liebe

Sweet Valentine 8

Liebesroman

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind

im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© November 2025 Empire-Verlag

Empire-Verlag OG, Lofer 416, 5090 Lofer

[email protected]

Ansprechpartner: Thomas Seidl

Lektorat: Birgit van Troyen

https://www.korrektorat-adlerauge.de/

Korrektorat: Bianca Kober

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise –

nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.

Covergestaltung: © Traumstoff Buchdesign traumstoff.at

Covermotive: ProStockStudio und klyaksun shutterstock.com

Kapitel 1 – Eine Art Prolog

Jenna

Ich bin Jenna und ich weiß, ihr mögt mich nicht besonders.

Okay, nein, so kann ich nicht beginnen. Lasst uns alles auf Anfang stellen.

Also noch einmal von vorne.

Ich bin Jenna Foster und ich hatte bisher etwas Pech mit Männern. Ein Freund war schwul, einer bereits verheiratet, einer …

Nein, so kann ich auch nicht beginnen. Die Typen, die sich bisher in mein Leben geschlichen haben, waren alle so dermaßen neben der Spur, dass sie nicht einmal eine Erwähnung in dieser Geschichte verdienen.

Oder doch?

Gut, dann lasst euch erzählen, was bisher geschehen ist, und dann können wir ja notfalls nochmal alles auf Anfang stellen, wenn es nicht passt.

Also …

Ich verschone euch mit all dem, was vor der legendären Thanksgivingfeier passiert ist – zusammengefasst könnte man sagen, dass ich bis dahin einfach nicht den Richtigen gefunden habe –, und beginne direkt dort.

Es war also Thanksgiving und zu diesem Fest trifft sich immer die ganze Familie, also alle Walshs, von denen es insgesamt fünf gibt, und alle Fosters, von denen es auch fünf gibt. Ja, meine Eltern Margareth und Benjamin waren fleißig …

Wie immer war bei dieser Feier auch die alte Gifthexe von nebenan dabei, Mrs. March. Sie hat vor ewigen Zeiten Tante Iris für ein Auslandsjahr bei sich aufgenommen und seit damals hegt meine Tante eine Art Heldenverehrung für sie. Bei jedem Familienfest bekommt Mrs. March einen Ehrenplatz und es wird erwartet, dass wir ihr alle mit Respekt und Ehrerbietung begegnen.

Bei der Thanksgivingfeier ging es darum, wie man Valentine – die Stadt, in der wir leben – besser vermarkten könnte. Onkel Sinclair ist nämlich seit Menschengedenken der Bürgermeister der Stadt und will sie attraktiver für junge Leute gestalten. Seine Idee war, Valentine zur ›Stadt der Liebe‹ zu machen.

»Be My Valentine All Year Round« war das Motto, das er sich ausgedacht hatte, und bei dieser sagenhaften Thanksgivingfeier schmiedete er Pläne mit meiner Cousine Savannah, wie man das marketingmäßig am besten ausschlachten könnte.

Da meinte die alte Gifthexe: »Sinclair, alles was gut und recht ist, aber du bist unglaubwürdig.« Auf die Frage, wie sie das meinte, erklärte sie: »Sieh dich mal um. Du willst aus Valentine die Stadt der Liebe machen, aber deine eigenen Kinder und deine Nichten und Neffen sind alle miteinander Single.«

Den genauen Wortlaut weiß ich natürlich nicht mehr, aber so ähnlich hat sie das damals gesagt.

Sinclair hat angebissen, und nicht nur er. Als die Erwachsenen – damit sind meine Eltern und die Eltern meiner Cousins gemeint – sich zurückgezogen hatten, machte Mrs. March noch den fantastischen Vorschlag, dass wir Jungen doch eine Wette abschließen sollten. Wer es innerhalb eines Jahres nicht schaffen sollte, unter die Haube zu kommen, der müsse den anderen ein Jahr lang die Wäsche waschen, oder so ähnlich.

Ihr könnt uns für Idioten erklären, aber wir haben uns darauf eingelassen. Nicht, weil wir Mrs. March recht gaben, sondern weil sich insgeheim jeder meiner neun Cousins und Cousinen genauso wie ich nach seinem Seelenverwandten sehnte.

Tja, wäre dieser verdammte Vorschlag vor der Thanksgivingfeier gekommen, hätte ich kein Problem damit gehabt. Ich war ja mit Owen da. Aber leider dachte Owen, es sei eine gute Idee, meinen Cousin Hunter anzugraben, und daher habe ich ihm noch vor der Kürbissuppe den Laufpass gegeben.

Und so waren Savannah und Kelsey die Einzigen von uns, die einen Freund hatten. Wobei niemand sicher sein konnte, dass Savannahs Freund nicht auch nur eine Erfindung war. Gesehen hatte ihn bis dahin keiner. Und na ja, bei Kelseys Freund Phil wusste jeder, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sie endlich genügend Rückgrat haben würde, ihn auf den Mond zu schicken.

Also waren wir zehn Singles. Nein, nicht nur das. Wir waren zehn Singles mit dem Druck im Nacken, dass wir innerhalb eines Jahres unseren Partner gefunden haben mussten, und entsprechend verzweifelt war auch meine Suche nach der großen Liebe.

Ich mache es kurz, ja?

Nach Owen hatte ich Simon, doch er weigerte sich, mit meiner Familie Weihnachten zu verbringen, und da läuteten meine Alarmglocken. Auf ihn folgte Gino, ein heißblütiger Italiener; den habe ich vor die Tür gesetzt, weil er alles gevögelt hat, was bei drei nicht auf dem Baum war. Mein Valentinsschatz Trent, der danach kam, war da völlig anders. Er vögelte nur seine Ehefrau – von der ich leider bis zu einem Spaziergang, bei dem ich ihm samt seiner entzückenden Familie begegnete, nichts wusste. Mein letzter Fehlgriff war Marc, der aus irgendeinem Grund von mir dachte, dass ich ein Flittchen sei, und mich entsprechend behandelte …

Ihr seht, ich habe kein Glück mit Männern.

Sorry, ich habe das gelesen und … nein, auch das ist kein passender Anfang. Lasst mich noch einmal alles auf Anfang stellen und neu beginnen.

Hi, ich bin Jenna. Ich hasse mein Leben, ich hasse Männer und ich bin eine zutiefst unglückliche Frau. Wenn ihr die Geschichte von so jemandem lesen wollt, dann nur zu. Wenn nicht, kann ich es verstehen. Schließlich würde ich selbst das Buch meines Lebens am liebsten zuklappen oder den Autor verklagen.

Aber da das nun mal nicht geht, mache ich eben weiter. Eher schlecht als recht. Unglücklich, einsam, traurig … Das ist meine Geschichte …

Kapitel 2 – Ein leidiges Problem

Jenna

»Wen wirst du diesmal mitbringen?« Mein Bruder Ethan lümmelt sich mit einem Glas Bier auf dem bequemen Sofa auf der kleinen Terrasse vor dem Garten.

Ich verziehe das Gesicht. Da ist es wieder, das leidige Problem. Am Sonntag ist das traditionelle Sommerfest der Walshs. Bedeutet: ein ähnliches Szenario wie zu Thanksgiving. Mit dem Unterschied, dass statt des Truthahns Steaks und Burger auf dem Speiseplan stehen und statt dem Apple Pie Wassermelone. Meine Cousins werden stolz ihre frischgebackenen Partnerinnen präsentieren, meine Cousinen ihre Partner anschmachten. Nur ich stehe ohne männliche Begleitung da.

Ich zucke mit den Schultern. »Weiß nicht. Josh?«

Er grinst. »Brüder gelten nicht.«

»Josh hat aber dasselbe Problem wie ich. Wenn wir uns zusammentun, merkt es vielleicht niemand.«

»Träum weiter, kleine Schwester.«

Ich weiß, dass er recht hat. Alle werden da sein, auch die alte Giftspritze. Alle haben sie ihre Seelenverwandten gefunden, nur unsere Familie hinkt hinterher. Josh, Leah und ich sind nach nicht mal einem Jahr die einzigen Singles in der ganzen Familie Walsh und Foster.

Und von diesen dreien bin ich offensichtlich die Einzige, die sich etwas daraus macht. Die Einzige, die diesen Zustand gern ändern würde. Mein Bruder Josh lacht nur, wenn man ihn fragt, wann es bei ihm so weit ist. Er ist der Auffassung, dass er es mit seinem Sozialarbeitergehalt vergessen kann, zu heiraten. Damit kommt er gerade mal selbst über die Runden und das auch nur, wenn es keine größeren Probleme gibt. Und Leah zeigt allen den Vogel, wenn sie nach ihrem ›Mann fürs Leben‹ gefragt wird. Sie ist gerade mal zweiundzwanzig und hat alles andere im Kopf, als sich lebenslänglich in Ketten legen zu lassen. Ihre Worte, nicht meine.

»Ich gehe einfach nicht hin«, sage ich und nehme einen Schluck von meinem Bier.

Ethan sieht mich kopfschüttelnd an. »Und was ist mit der Hochzeit von Savannah und Tyler? Willst du da auch nicht auftauchen?«

»Mist! Die Hochzeit!«, entfährt es mir. Daran habe ich wirklich nicht mehr gedacht. »Müssen die beiden wirklich jetzt schon heiraten? Sie sind gerade mal seit Weihnachten zusammen. Da heiratet man doch nicht schon ein Jahr drauf, oder? Ist das nicht völlig überstürzt?«

Ethans Mund klappt auf, doch ich gebe mir gleich selbst die Antwort auf meine Frage: »Ich weiß, das Baby kommt schon im Oktober. Und auch wenn das nicht so wäre: Die beiden gehören zusammen, das sieht jeder. Aber mir wäre doch lieber, sie würden nicht heiraten. Warum muss überhaupt irgendjemand heiraten, verflucht noch mal?«

»Ich vermute, du meinst damit Ivy und mich«, stellt er trocken fest.

Meine Wangen werden heiß. Das hatte ich ja ganz vergessen. Auch bei meinem Bruder läuten bald die Hochzeitsglocken. »Das habe ich nicht gemeint. Und bis September finde ich ganz bestimmt jemanden, der mich begleitet, aber … Mist! Warum kann man bei einer Hochzeit nicht allein aufkreuzen? Oder bei so einer doofen Familienfeier?«

Ethan sieht mich mitleidig an. »Weißt du, ich habe auch nicht gedacht, dass es bei mir einmal so weit ist. Ich war so fixiert auf Catherine und das wäre wohl noch eine ganze Weile so gegangen, wenn nicht Ivy in mein Leben getreten wäre. Wenn ich eines gelernt habe, dann das: Du kannst es nicht erzwingen. Catherine war einfach nicht die Richtige. Und du hast deinen Mister Right eben auch noch nicht getroffen.«

Ich schnaube. Das kann man wohl sagen. Man könnte doch meinen, wenn man so oft in den Glückstopf greift wie ich, wäre der eine oder andere Gewinn mit dabei. Aber ich bin auf Nieten abonniert. Ob sich das jemals ändern wird?

»Vielleicht bist du auch nur zu anspruchsvoll?«

»Anspruchsvoll.« Wieder schnaube ich frustriert. Ich weiß, was meine Familie von mir denkt. Dass mein Mister Perfect abgesehen von Wohlstand tausend hervorragende Eigenschaften mitbringen muss. Sie denken, ich suche einen fantastisch aussehenden, immer gut gelaunten Menschen, der mit Humor auf meine Stimmungsschwankungen reagiert, der Interesse für meinen Job aufbringt – ich bin die Leiterin des hiesigen Heimatmuseums – und außerdem muss er natürlich aufmerksam und sensibel, zuvorkommend, einfühlsam und verständnisvoll sein. Was die letzten Punkte angeht: Ja, es wäre schön, wenn mein Zukünftiger diese Eigenschaften mitbringen würde. Einfach deshalb, weil ich bei meiner Cousine Kelsey gesehen habe, was das Leben an der Seite eines Arschlochs aus dir macht. Aber der ganze andere Rest ist mir egal. Was bedeutet schon gutes Aussehen? In dreißig Jahren wird auch der schönste Mann graue Haare und Runzeln haben. Und Wohlstand …? Na ja. Ich habe einen vernünftig bezahlten Job, der es mir ermöglicht hat, ein Haus mit Garten zu kaufen. Einmal im Jahr leiste ich mir einen schönen Urlaub, mein roter Pick-up ist auch abbezahlt … Was brauche ich mehr im Leben? Genau. Gar nichts.

Nein, falsch. Ich brauche diesen einen Menschen, der unverbrüchlich an meiner Seite steht. Auch wenn ich inzwischen sicher bin, dass es die große Liebe nicht gibt, hoffe ich immer noch, dass ich vielleicht jemanden finden kann, zu dem ich über die Jahre so etwas wie tiefe Zuneigung empfinde. Das wäre schon genug für mich. Aber nicht einmal das scheint das Schicksal für mich parat zu haben.

»Jen?« Vorsichtig holt mich Ethan aus meinen Gedanken.

Ich wende mich ihm zu und zwinge ein Lächeln auf mein Gesicht. »Alles gut, Eth. Bis zum Familienfest werde ich einen Mann gefunden haben. Und mit etwas Glück hält er bis zu eurer Hochzeit durch.«

»Jen …« Mitleid überzieht seine Züge. »Du musst doch nicht meinetwegen …«

Ich unterbreche ihn. »Lass stecken, Ethan. Es ist, wie es ist. In jeder Familie gibt es diese wunderliche alte Tante, die mit ihren zwanzig Katzen zusammenlebt. Diese Rolle werde wohl ich bei den Fosters einnehmen. Und bis dahin … genieße ich das Leben«, ich zwinkere ihm gespielt fröhlich zu, »und die Männer.«

Er schüttelt skeptisch den Kopf. »Pass bloß auf, dass dein Herz nicht in tausend Stücke bricht.«

Ich lächle. Dass das schon längst geschehen ist, sage ich meinem Bruder nicht. Ich war in keinen dieser Männer wirklich verliebt. Ungelogen. Aber jede Trennung, jeder Betrug, jede Zurückweisung hat meinem Herz einen kleinen Sprung verpasst. Es ist schon längst kaputt.

Jamie

Wie jeden Morgen ist das Heimatmuseum noch verschlossen, als ich dort ankomme. Ich zücke meine Schlüsselkarte und betrete es über den Hintereingang. Zuerst muss ich alles vorbereiten, bevor wir um zehn Uhr den Haupteingang für die Besucher öffnen.

Routinemäßig teste ich die interaktiven Tafeln und kontrolliere, ob Kenai genügend Materialien für den Tag hat. Kenai ist unser Experte für die amerikanischen Ureinwohner und stundenweise bei uns angestellt. Den Rest der Zeit verbringt er damit, die Traditionen seiner Vorfahren zu erforschen und wieder zum Leben zu erwecken. Er hat von der Stadt ein Stück Land zur Verfügung gestellt bekommen und baut dort zusammen mit Jenna ein Dorf auf, wie es vor Ankunft der europäischen Einwanderer ausgesehen haben mag. In unserem Museum bietet er Workshops an. Mal bastelt er mit Kindern Pfeil und Bogen, mal macht er Feuer mit ihnen oder er braut Heilsalben nach indianischen Rezepten. Das Material, das er dazu braucht, muss vorbereitet sein, sonst wird Kenai fuchsteufelswild. Da niemand einen fuchsteufelswilden Kenai erleben will, bin ich immer frühzeitig hier, damit ich notfalls besorgen kann, was er braucht.

Außerdem mag ich das Museum in den frühen Morgenstunden. Es ist ruhig und ein Zauber liegt über den Räumlichkeiten, besonders wenn …

»Hey, Jamie! Bist du schon da?«

… Jenna da ist. Mein Herzschlag fällt sofort in einen schnelleren Rhythmus. »Hier!«, rufe ich. »Bei den Pilgervätern.«

Ein Siedlerwagen, vor den zwei lebensgroße Pferdestatuen gespannt sind, steht mitten in dem großen Raum. In der Plane stecken Pfeile, der Gesichtsausdruck der Pilgerfiguren ist panisch und ihre Blicke sind auf einen Indianer gerichtet, der sich hinter einem Stein versteckt und mit seinem Pfeil auf sie zielt. Die Klischeevorstellung von anno dazumal und meistens der Punkt, an dem Jenna mit ihren Führungen beginnt.

»So war das damals«, sagt sie ziemlich provokativ, »die armen Siedler kamen hierher, um endlich ihr Glück zu finden, und dann wurden sie von den bösen Indianern überfallen.«

Dann erzählt sie den Besuchern, wie es wirklich war. Dass die Besiedlung hier in Neuengland vergleichsweise zivilisiert vonstattenging. Als die erste Welle von Siedlern nach Neuengland kam, drohten viele von ihnen zu verhungern. Sie hatten keine Ahnung, wie in diesem neuen Land der Boden bestellt werden musste, kannten die Pflanzen nicht und stellten sich wirklich dumm an. Die Indianer nahmen sie unter ihre Fittiche und lehrten sie, was sie wissen mussten. Umgekehrt lernten die Indianer viel von den Weißen und anders als in anderen Teilen Amerikas existierten die verschiedenen Kulturen hier nebeneinander und so bewahrten die Abenaki-Indianer ihr Wissen und pflegen auch heute noch ihre Traditionen.

Zumindest in der Theorie. Praktisch ist es natürlich so, dass auch hier die Urbevölkerung ihr Land verlor und nicht die gleichen Rechte hatte wie die weißen Siedler.

Jenna räumt jedenfalls in ihren Führungen gnadenlos mit all diesen Vorurteilen auf. Sie brennt für die Geschichte vor der Besiedelung durch die Weißen und unterstützt Kenai mit allen Mitteln bei der Errichtung seines Heritage-Centers.

»Hier bist du schon wieder.« Jenna betritt lächelnd den Raum und schwenkt zwei riesige To-go-Becher. Wie immer raubt mir ihr Anblick den Atem. Ihr Lächeln, die Augen, bei denen man erst bei genauem Hinsehen erkennt, dass sie grün sind, das lange Haar, das sie mit mäßigem Erfolg mit einer Klammer zusammenfasst. Es ist braun, das schönste Braun, das ich jemals gesehen habe. Und wenn die Sonne hineinscheint, leuchtet es rötlich.

Ihre Stimme holt mich aus meiner Bewunderung in die harte Realität. »Die Pilgerväter haben es dir angetan, oder?«

»Na ja …« Mir hat es jemand ganz anderes angetan, aber das sage ich nicht.

»Hier dein Kaffee. Und ein Donut. Mit besten Grüßen von Kyle.«

»Sag ihm das nächste Mal, dass ich ihn liebe.« Das stimmt nicht. Ich mag Kyle und ich könnte töten für seine Backwaren. Lieben tu ich aber nur einen Menschen auf der ganzen Welt: Jenna, die nichts von meinen Gefühlen weiß und die niemals erfahren wird, was in mir vorgeht.

»Ich fürchte, der Zug ist schon abgefahren. Kyle und Olivia bringt keine Macht der Welt auseinander.«

Ich grinse pflichtschuldig und wechsle gekonnt das Thema: »Danke für den Kaffee.«

»Danke dafür, dass du immer für mich da bist.« Sie verzieht das Gesicht.

Ich kenne den Ausdruck. »Wieder was passiert?«

Jenna lässt sich mit einem Stöhnen auf einem der Strohballen nieder, die als Sitzgelegenheiten im Museum verteilt sind. »Ich hatte gestern Abend ein längeres Gespräch mit meinem Bruder.«

»Josh oder Ethan?« Ich weiß alles über Jennas Familie.

»Ethan.«

»Aha.« Ich nicke. »Es geht um das Familienfest?«

»Um das Familienfest, um die Hochzeit von Savannah und Tyler, um die Hochzeit von Ethan und Ivy … Darum, dass ich verflucht noch mal keinen Partner für all diese verdammten Feste habe.«

»Hm«, mache ich. Was soll ich auch sonst sagen? Ich versuche, mich gegen das zu wappnen, was jetzt kommt. Und da kommt auch schon der erste Pfeil, der seinen Weg direkt in mein Herz findet.

»Vielleicht hätte ich Marc doch nicht in den Wind schießen sollen«, stöhnt sie. »Er war zumindest … ansehnlich.«

»Er war ein Arschloch. Ein frauenfeindliches, demütigendes Arschloch, das dir jeden Tag, den eure Beziehung gedauert hat, ein bisschen was von deinem Selbstbewusstsein genommen hat. Tu mir bitte einen Gefallen und frag nicht ihn, ob er dich begleitet.«

»Die Alternative ist, dass ich allein gehe.«

Nein, es gibt noch eine andere Alternative, aber von der willst du nichts wissen. »Besser allein als mit so einem.«

»Du kennst meine Familie nicht.« Jenna lässt sich zurückfallen.

»Wie wäre es mit Kenai?«

»Denkst du, meine Leute nehmen mir ab, dass ich mit einem Vierzigjährigen zusammen bin?«

»Na ja, man hat nicht in der Hand, in wen man sich verliebt.« Ich selbst kann ein Lied davon singen.

»Ich korrigiere: Denkst du, meine Leute nehmen mir ab, dass ich mit einem mies gelaunten, wütenden und aufbrausenden Vierzigjährigen zusammen bin?«

Ich kichere. »Wohl eher nicht.«

»Na, also. Was bietest du mir sonst an?«

»Wie wäre es mit Hank?«

Jenna prustet los. Hank ist das gerade Gegenteil von Kenai. Er ist Student im ersten Semester, allerhöchstens neunzehn Jahre alt und hat einen Ferienjob hier. Außerdem hat er eine Freundin, in die er in jeder Pause die Zunge hineinsteckt, als wolle er ihr den Magen ausräumen.

»Danke. Ich sehe schon. Von dir kann ich keine Hilfe erwarten. Dann muss ich wohl wieder selbst auf die Piste. Heute Abend geht es ab nach Newport. Kommst du mit?«

Und bevor mein Verstand »Nein!« schreien kann, nicke ich und sage: »Klar!«

Jenna umarmt mich. »Danke! Du bist die Beste!«

Und sosehr ich ihre Berührung genieße, so sehr schmerzt mein Herz bei dem Gedanken daran, dass sie für Jenna nicht dasselbe bedeutet wie für mich.

Kapitel 3 – Die Piste

Jenna

Ich habe mich aufgebrezelt wie schon lange nicht mehr. Smokey Eyes, ein schwarzes, ziemlich verruchtes Top und ein Mini aus Latex. Alles an mir schreit: »Ich bin zu haben!« Und genauso fühle ich mich auch.

Aufgekratzt klingle ich an Jamies Tür. Als sie selbst öffnet, klappt ihr Mund auf. Es hat ihr wohl die Sprache verschlagen. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

»Alles klar, Bitch?«, frage ich. »Ich bin’s. Jenna.«

Ihr Mund klappt zu, dann wieder auf, dann wieder zu. Ein bisschen wie bei einem Fisch auf dem Trockenen. Dann räuspert sie sich und sagt: »Mann, Jen, du hast dich echt ins Zeug gelegt, oder?«

Ich grinse. »Du aber auch.« Jamie trägt ein schulterfreies, schwarzes Top, das mit Pailletten besetzt ist, dazu tief geschnittene Jeans, über deren Bund das Tattoo auf ihrem Unterbauch hervorblitzt. Es ist eine Schrift und Jenna trägt gern Kleidung, die wie diese Jeans das Tattoo zeigen, ohne dass man es wirklich entziffern kann. Irgendwann werde ich sie fragen, was da steht. Aber heute bin ich eindeutig zu aufgekratzt. Es geht auf die Piste. Ich muss einen Mann erobern, am besten einen, mit dem ich meine Familie beeindrucken und zum Schweigen bringen kann.

So einen findest du nicht in einem Pub, flüstert das Stimmchen in meinem Kopf, aber ich ignoriere es. Vielleicht ist mein Traummann genau wie ich schon lange auf der Suche nach mir. Vielleicht ist er genauso verzweifelt wie ich. Verzweifelte Menschen suchen an den seltsamsten Orten nach ihren Seelenverwandten.

»Bereit?«, frage ich.

Jamie nickt.

Sie schließt die Tür und kommt auf mich zu. Küsschen links und rechts auf die Wange. Ich sauge ihren Duft ein.

»Wenn du mir nur verraten würdest, welches Parfüm du verwendest. Ich liebe den Duft.«

Jamie schüttelt verwundert den Kopf. »Keins. Nur so einen stinknormalen Roller.« Sie greift in ihre Handtasche und zieht ein Standard-Deo heraus, das vierundzwanzig Stunden Schutz vor Körpergeruch verspricht.

»Das kannst du deiner Großmutter erzählen.«

Sie lacht. »Meine Großmutter interessiert sich nicht für Deos.«

»Das ist echt fies, dass du da so ein Geheimnis draus machst.«

Jamie schüttelt den Kopf. »Mach ich nicht. Ich habe echt kein Parfüm drauf. Ich schwöre.«

»Wie du meinst.« Jede Frau hat ihre Geheimnisse.

Ich schalte das Radio ein und erwische ausgerechnet einen dieser Sender, die den ganzen Tag nur Country spielen. Mein erster Impuls ist, den Sender zu wechseln, doch Jamie legt ihre Hand auf meine.

»Nicht«, sagt sie, und dann singt sie los. Sie hat eine echt gute Stimme, perfekt für Country geeignet, etwas rauchig, aber an den richtigen Stellen kriegt sie einen glasklaren Ton hin, der mir durch Mark und Bein fährt. Zuerst. Dann falle ich ein und wir singen – manchmal zweistimmig, manchmal einfach nur falsch. Die Texte improvisieren wir, erfinden sie neu und haben eine Menge Spaß damit, die schwülstigen Lieder, die vom Glauben, der Arbeit auf dem Feld und dem Leben auf dem Land, der Liebe und jeder Menge Alkohol erzählen, neu zu erfinden und zu verdrehen.

So vergeht die Fahrt im Nu und ich parke meinen Pick-up vor dem Pub, den wir uns heute als Jagdrevier ausgesucht haben.

Bevor ich aussteige, wende ich mich Jamie zu. »Keine von uns geht heute ohne Begleitung nach Hause. Lass uns schwören.«

Jamie sieht wenig begeistert aus. »Ich halte nichts von One-Night-Stands. Außerdem bin ich …«

»… vergeben, ich weiß. Nur habe ich deinen ominösen Mister Right noch nie irgendwo getroffen, daher vermute ich, dass es ihn nur in deiner Fantasie gibt. Komm schon, Jamie. Lass mich nicht im Regen stehen. Lass uns beide einen Mann klarmachen, ja?«

Sie verzieht gequält das Gesicht, dann nickt sie.

»Tu nicht so, als würde dir gleich ein Zahn gezogen«, ziehe ich sie auf. »So schlimm können die Typen nicht sein, die da drin auf uns warten.«

»Stimmt. Lauter nette Männer wie Marc, Trent, Gino, Simon, Owen …«, beginnt sie meine ganzen Verflossenen aufzuzählen. Bevor sie noch weiter in meine Vergangenheit vordringen kann, halte ich ihr den Mund zu.

»Aufhören! Du hast ja recht. Lass uns einfach reingehen und schauen, wie das Angebot ist. Wenn einer dabei ist, testen wir ihn, und wenn nicht, haben wir zu zweit Spaß, ja?«

Widerwillig nickt sie. »Lass es uns hinter uns bringen.«

Etwas später haben wir die Lage sondiert und alles, was männlich ist, in vier Lager geteilt. ›Vergeben‹, ›schwul‹, ›nicht akzeptabel‹ und ›einen Versuch ist er wert‹. Dabei gehen wir ganz systematisch vor. Wer vergeben ist, haben wir meistens schnell heraus. Eheringe, Tattoos mit Frauennamen, Armbänder mit Herzchen-Anhänger oder eine Frau am Arm. Das ist das sicherste Zeichen.

Was homosexuelle Männer angeht, hat Jamie einen untrüglichen Blick. Das weiß ich seit Owen. Bei dem hat sie mich gleich nach ihrem ersten Zusammentreffen mit ihm gewarnt, dass er homosexuelle Signale aussendet – was auch immer das ist.

Nicht akzeptabel sind Männer, die um diese Zeit schon besoffen sind oder Frauen unverhohlen auf Hintern und Brüste starren.

Was übrigbleibt, ist desillusionierend. Ganze zwei Kerle, einer davon in Anzughose und Hemd, das dazugehörige Jackett hängt über der Stuhllehne, während er die Krawatte zusammengeknüllt vor sich auf dem Tisch liegen hat. Neben seinem Handy, auf das er unverwandt starrt.

Der andere spielt mit seinen Kumpanen Darts. Er ist der einzige nicht voll Alkoholisierte in der Runde und er wirkt ganz nett. Braunes Haar, braune Augen, ein Bartschatten, guter Körper.

»Welchen nimmst du?«, frage ich Jamie.

Sie zuckt mit den Schultern. »Such du aus.«

»Dann nehme ich den Anzugheini.« Zumindest Ethan, der in der Bank von Valentine arbeitet, dürfte mit ihm seine Freude haben.

»Okay.«

Ich zwinkere ihr zu, dann wende ich mich dem Anzugheini zu. »Ist hier frei?«

»Äh …« Verwirrt sieht er hoch. »Klar.«

Ich setze mich auf den freien Barhocker. »Jenna.«

Wieder sieht er von seinem Handy hoch, auf dem ein Golfer den Ball abschlägt.

Echt jetzt? Golf? Am Handy?

»Ich bin Jenna«, wiederhole ich.

»Oh, Harrison.«

»Also Harry.«

»Nein. Harrison.«

Innerlich verdrehe ich die Augen, aber manchmal muss man eben kratzen, um zu sehen, dass sich unter einer Dreckschicht ein Diamant verbirgt.

»Harrison wie Harrison Ford? Was trinkst du, Harrison?«

»Äh …«, wieder sieht er hoch, scheint erst jetzt zu realisieren, dass er sich in einem Pub befindet, fährt sich überfordert durch sein kastanienbraunes Haar. »Ein Bier. Ich trinke ein Bier.«

»Harrisons Lieblingsgetränk ist Whiskey«, sage ich und meine natürlich Ford.

»Nein, Bier«, sagt er. »Ich habe schon bestellt.«

In dem Moment knallt der Kellner ein Bierglas auf den Tisch und wendet sich an mich. »Was darf ich der Lady bringen?«

»Dasselbe.«

Harrison reagiert nicht.

Ich schaue zu Jamie hinüber, die inzwischen mit den Typen Dart spielt. Der einzige Akzeptable in der Gruppe starrt sie ehrfürchtig an, sein Kumpel starrt ihr auf den Arsch.

So, dass Jamie es nicht sehen kann, fährt er mit seiner dreckigen Hand die Konturen ihres Hinterns entlang, als wolle er ihn mit beiden Händen umfassen. Ein anderer dieser schmierigen Kerle lacht dreckig.

»Entschuldige mich bitte einen Augenblick, Harry«, sage ich und stehe auf. Mit wenigen Schritten habe ich die Gruppe erreicht und schlag dem Lüstling auf die Finger. »Das kannst du vergessen, Randall.«

»Hä?«, fragt er. Sein Blick wandert zu meinem Dekolleté und ein Strahlen läuft über sein Gesicht. Der Drecksack denkt wohl, heute ist sein Glückstag. »Du musst mich verwechseln. Ich heiße nicht Randall. Ich heiße …«

»Interessiert mich nicht.« War mir von vorneherein klar, dass er meine Anspielung auf den schleimigen, gierigen Drecksack aus der Monster AG nicht verstehen würde. »Lass deine schleimigen Finger von ihr.«

»Ich hatte …«

»Ich habe dich gesehen«, unterbreche ich ihn ein zweites Mal. »Du wirst so eine Nummer nicht noch einmal abziehen. Klar?«

Er nickt und zieht grummelnd von dannen.

Jamie steht mit fragendem Blick da.

Ich kläre sie nicht auf. Es ist besser, sie weiß nicht, was der Drecksack da abgezogen hat. »Ihr anderen: weitermachen«, sage ich und grinse sie an.

Dann gehe ich zurück zu meinem Golf-Fan, auf dessen Tisch inzwischen ein zweites Bier steht.

»Sorry, Harrison. Musste nur kurz was erledigen.«

Er sieht stirnrunzelnd hoch, nimmt einen Schluck von seinem Bier. »Wie heißt du nochmal?«

Aha. Angebissen. »Jenna. Was machst du denn so in deinem Leben?«

Jamie

Cole ist ein netter Kerl. Ich kann mir vorstellen, dass es ganz okay wäre, mal mit ihm abzuhängen. Aber wenn man einen Mann nach der Auswahl seiner Kumpels bewertet, fällt er unten durch. Die Typen, mit denen er sich hier zum Darts getroffen hat, sind ausnahmslos ekelhaft, und es fällt mir schwer, ihre gierigen Blicke auf mein Dekolleté zu ignorieren oder ihren sauren Atem, den sie mir in den Nacken blasen in der Meinung, das sei sexy.

Als Jenna dem Kerl hinter mir auf die Finger schlägt, bin ich im Gegensatz zu dem, was sie denkt, nicht völlig ahnungslos, was sein Treiben angeht. Ich war nur noch unschlüssig, ob ich ihm eine Ohrfeige oder einen Tritt in die Glocken verpassen sollte. Jenna ist mir zuvorgekommen. Meine Ritterin in strahlender Rüstung.

Wie sie da vor mir steht und Entrüstung aus jeder ihrer Poren sprüht, flattert es in meinem Bauch. Sie verteidigt mich. Und mein dummes, dummes Herz fragt sich, ob sie nicht doch etwas für mich empfindet.

Nein, flüstert mein Verstand. Du weißt es genau. Sie will einen Mann. Sie hat es oft genug gesagt.

Und mein Herz blutet, weil es weiß, dass mein Verstand recht hat.

Jenna kehrt zurück an den Tisch mit dem Anzugträger und ich will mich gerade wieder meinen Dartspielern zuwenden, da winkt sie mich zu sich herüber.

»Ich?«, frage ich ohne Stimme.

Sie nickt, nimmt ihr Bierglas und wechselt damit zu einem freien Tisch. Der Anzugträger nimmt nicht einmal Notiz davon. Beinahe erleichtert atme ich aus. Der Typ scheint sich als Niete erwiesen zu haben. Na gut, dann kann der Abend ja vielleicht doch noch nett werden.

---ENDE DER LESEPROBE---