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»Ich bin verliebt. In eine Frau, die ganz sicher anderes im Kopf hat als die Liebe und die mir so wenig vertraut, dass sie mir nicht einmal ihren Namen verraten hat. Das kann wirklich nur mir passieren.«
Im Leben von Kyle, alleinerziehendem Vater und Betreiber des Heart Cafés in Valentine, gibt es kaum Platz für Träume. Noch weniger, als der Tag der Liebe naht und von ihm eine neue Kreation zu diesem Anlass erwartet wird. Schließlich ist Valentine die Stadt der Liebe.
Während Kyles Schwester Savannah Blogger und Fernsehsender organisiert, die über Kyles Kreation berichten sollen, weiß er nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Er braucht dringend Unterstützung. Als sich eine junge Frau um den Job als Servierkraft im Heart Café bewirbt, stellt er sie vom Fleck weg ein und das, obwohl er schnell bemerkt, dass sie ein Geheimnis umgibt.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Mira Frey
Über die Autorin:
Mira Frey lebt und schreibt in Südtirol. Wenn sie nicht gerade mit Kindern und Jugendlichen Theater macht, erfindet sie Geschichten, wobei sie sich da nicht gern in Schubladen stecken lässt. Aus ihrer Feder stammen Krimis ebenso wie Wohlfühlromane oder Kinderbücher.
Mit Sweet Valentine erfüllt sie sich selbst einen lang gehegten Traum und reist in Gedanken in das fiktive Städtchen Valentine, in dem die Welt noch in Ordnung ist – mit jedem Happy End noch ein bisschen mehr.
Buchbeschreibung:
»Ich bin verliebt. In eine Frau, die ganz sicher anderes im Kopf hat als die Liebe und die mir so wenig vertraut, dass sie mir nicht einmal ihren Namen verraten hat. Das kann wirklich nur mir passieren.«
Im Leben von Kyle, alleinerziehendem Vater und Betreiber des Heart Cafés in Valentine, gibt es kaum Platz für Träume. Noch weniger, als der Tag der Liebe naht und von ihm eine neue Kreation zu diesem Anlass erwartet wird. Schließlich ist Valentine die Stadt der Liebe.
Während Kyles Schwester Savannah Blogger und Fernsehsender organisiert, die über Kyles Kreation berichten sollen, weiß er nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Er braucht dringend Unterstützung. Als sich eine junge Frau um den Job als Servierkraft im Heart Café bewirbt, stellt er sie vom Fleck weg ein und das, obwohl er schnell bemerkt, dass sie ein Geheimnis umgibt.
Mira Frey
Sweet Valentine 3
Liebesroman
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind
im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© Oktober 2025 Empire-Verlag
Empire-Verlag OG, Lofer 416, 5090 Lofer
Ansprechpartner: Thomas Seidl
Lektorat: Birgit van Troyen
https://www.korrektorat-adlerauge.de/
Korrektorat: Bianca Kober
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise –
nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.
Covergestaltung © Traumstoff Buchdesign traumstoff.at
Covermotive © Doremi, ABC vector und Lana_marcy_art shutterstock.com
Dieser Roman enthält Triggerwarnungen auf der letzten Seite, gegenüber der Deckel-Innenseite.
Für alle Olivias in der Welt
mit dem Wunsch, dass solche Geschichten
irgendwann nur mehr im Reich der Fantasie spielen.
Kyle
»Kelsey ist im Krankenhaus!«
Die Gesichter aller meiner Gäste wenden sich Richtung Eingangstür, wo meine Schwester Savannah mit rotgefrorenen Wangen gerade hereingeplatzt ist, meinen besten Freund Tyler … äh … ihren Freund Tyler im Schlepptau.
Mein Magen zieht sich zusammen, mit Mühe stelle ich das Tablett mit den Getränken für Tisch sieben auf dem Tresen ab. Irgendwie fühlen sich meine Arme plötzlich kraftlos an. Meine kleine Schwester Kelsey ist im Krankenhaus? Ich möchte am liebsten sofort losstürmen und nach ihr sehen, gleichzeitig ärgere ich mich ein bisschen über sie. Sie hat in letzter Zeit so viel Unsinn angestellt, dass es für ein ganzes Leben reichen sollte. Und jetzt ist sie auch noch im Krankenhaus?
»Was ist passiert?«, frage ich.
»Ganz habe ich Eric nicht verstanden, aber er sagt, wir sollen uns keine Sorgen machen, nur …«
»Sie ist im Krankenhaus und wir sollen uns keine Sorgen machen?«
»Ruhig, Brauner«, mischt sich da Tyler ein, der als mein bester Freund erkennt, dass ich mich gerade in etwas hineinsteigere. »Das bedeutet, dass es nicht so übel ist. Krankenhaus bedeutet nicht gleich Intensivstation. Wahrscheinlich ist sie auf die Nase gefallen …«
Savannah kichert. »Zuzutrauen wäre es ihr.« Sie wird wieder ernst. »Eric hat sie jedenfalls ins Krankenhaus gebracht und hat sie dort zurücklassen müssen. Sie können Valentine nicht so lange ohne Rettungseinheit lassen.«
Zur Erklärung: Eric ist unser Sicherheitschef. Feuerwehrmann und Rettungssanitäter in einer Person. Zusammen mit dem Arschloch Phil ist er für unsere kleine Feuerwache verantwortlich. Und wenn ihr euch jetzt fragt, warum ich Phil ein Arschloch nenne: Er ist der Idiot, der meine kleine Schwester eine halbe Ewigkeit lang zum Narren gehalten hat. Einmal war er mit ihr zusammen, dann hat er sie aus einer Laune heraus sitzengelassen, dann hat er sie wieder erhört, kurz vor Weihnachten hat er sie wieder sitzengelassen. Angeblich, weil sie ihm zu unsportlich ist und er sich ihretwegen schämt. Ihr könnt euch vorstellen, wie schön unser Weihnachtsfest war. Meine Gefühle für Phil sind daher nicht wirklich freundschaftlich. Eigentlich warte ich nur darauf, dass er sich einmal in mein Café, das Heart Café, traut – oder dass er mir sonst wo über den Weg läuft – dann vermöble ich ihn. Verdient hat er es sich auf jeden Fall.
»In welches Krankenhaus hat er sie gebracht?«
Savannah hebt die Schultern. »Das hat er nicht gesagt.«
»Er ist auf dem Weg zurück?«
»Zumindest habe ich das so verstanden.«
Ich nicke. »Ich warte in der Feuerwache auf ihn.« Ich will mir schon meine Jacke schnappen, die hinter der Wand Richtung Backstube hängt, da hält mich Tyler zurück.
»Und deine Gäste?«
Erst jetzt realisiere ich, dass da ja noch ein paar Leute sitzen, die gebannt unserer Diskussion gefolgt sind.
»Das Café schließt jetzt.«
»Es ist erst sechs«, mault Reginald Cho, unser stadtbekannter Rentner. Er hat es sich mit seinen Freundinnen Mrs. March und Mrs. Ernestine in der Ecke bequem gemacht, direkt an dem großen Fenster mit Blick auf den Stadtplatz.
»Eben. Ladenschluss«, beharre ich.
»Der ist sonst immer erst um sieben.« Frech grinst er mich an. »Egal, was passiert ist: Wenn Eric sie gleich hätte mitnehmen können, dann hätte er das getan, denke ich mal.«
Stimmt auch wieder.
»Außerdem könntest du Eric auch einfach anrufen, um alle Informationen aus ihm rauszukitzeln, die du brauchst. Da musst du nicht in der Kälte vor der Feuerwache auf ihn warten«, erinnert mich Mrs. March.
Mein Blick fliegt zu Savannah, die die Schultern hebt. Wo die Alten recht haben, haben sie recht.
»Dann bleibt halt sitzen«, knurre ich. Ich weise mit dem Kinn Richtung Tresen, wo immer noch das Tablett mit den Getränken wartet, die inzwischen vermutlich eher lauwarm als heiß sind. »Tisch sieben«, sage ich, Tyler nickt und übernimmt klaglos für mich. Ty und ich sind ein eingespieltes Team. Bevor er mit seiner Holzwerkstatt begonnen hat, hat er für mich gearbeitet. Er und … Heather.
Wie aus dem Nichts überfällt mich die Erinnerung an meine Frau … an meine Ex. Wieder zieht sich mein Innerstes zusammen. Es ist zwei Jahre her, dass sie mich verlassen hat, und es schmerzt immer noch. Nicht wie am ersten Tag, es ist eher ein gärender, immer präsenter Schmerz, der an meinen Eingeweiden nagt, was vermutlich auch damit zu tun hat, dass sie niemals ganz aus meinem Bewusstsein verschwinden kann. Heather hat nämlich unsere zwei Töchter bei mir zurückgelassen, als sie auf diesen Selbstfindungstrip aufgebrochen ist. Paige und Payton. Zwillinge. Und beide das Ebenbild ihrer Mutter.
Ich schüttle die Gedanken ab, ziehe mein Telefon hervor und rufe Erics Kontakt auf. Praktisch, dass er der Feuerwehrmann ist. So hat jeder in Valentine seine Privatnummer. Schließlich muss man ihn ja erreichen können, sollte in der Zeit, wo die Feuerwache unbesetzt ist, etwas passieren.
Er geht beinahe sofort ran. »Kyle?« Im Hintergrund höre ich Motorengeräusche.
»Was ist mit Kelsey?«
»Der Buschfunk arbeitet also immer noch gut«, ist seine Antwort.
»Eric!«
Er lacht leise. »Deine Schwester hat sich beim Eislaufen den Knöchel verknackst. Wir dachten zuerst, er könnte gebrochen sein, aber …«
»Wir?«
»Phil und ich.«
»Hat sich der Arsch schon wieder an sie herangemacht?«
Leises Schnauben. »Phil?«
Aus dem Hintergrund des Wagens klingt beschwipstes Lallen. Ich hoffe mal, dass Phil, der Idiot, nicht am Lenkrad sitzt.
»Nein, er hat sich nicht an sie herangemacht.« Etwas leiser fügt er hinzu: »Dafür habe ich gesorgt.«
»Danke, Mann!« Was er sagt, überrascht mich nicht. Eric ist in meine Schwester verliebt. Einseitig. Sie hängt nämlich aus für mich unerklärlichen Gründen immer noch an diesem Idioten Phil – oder sollte man besser sagen, sie ist irgendwie abhängig von ihm? Erich wäre tausendmal die bessere Wahl, zumindest aus Sicht des großen Bruders, der ich nun mal bin. Ein korrekter Mensch, der sich um andere kümmert. Sie müsste nur die Augen aufmachen und Ja sagen, aber wie das so ist in der Liebe: Solange man nicht schaut, sieht man nicht.
»Wo hast du sie hingebracht?«, frage ich ihn.
»Newport. Sie wollten sie zur Beobachtung dort lassen. Kelsey hatte so etwas wie eine Panikattacke auf dem Weg zum Krankenhaus. Sie checken sie durch, um sicherzugehen, dass es nichts Organisches ist. Daher behalten sie sie über Nacht.«
Erics ruhige Worte lassen meine Aufregung abklingen, aber nicht das mulmige Gefühl, das mich befallen hat, seit ich von Kelseys Krankenhausaufenthalt gehört habe.
»Und es geht ihr sicher gut?«
»Sonst wäre ich nicht zurückgefahren.« Auch das glaube ich ihm unbesehen.
Wir vereinbaren noch, dass jemand von uns, also jemand von den Walshs, Kelsey morgen vom Krankenhaus abholt, wobei Eric etwas enttäuscht klingt, es aber ohne Widerspruch akzeptiert.
Dann verabschieden wir uns.
»Und?«, fragt Savannah erwartungsvoll, als ich das Gespräch beendet habe.
»Newport. Wahrscheinlich ein verstauchter Knöchel, aber … sie hatte wohl eine Panikattacke und sie wollen sie über Nacht dortbehalten«, wiederhole ich Erics Informationen. »Wir können sie morgen holen.«
Savannah nickt. Dann tritt ein nachdenklicher Ausdruck in ihr Gesicht und ich ahne, dass sie im Kopf irgendetwas ausheckt. Sie ist durch und durch Werbefrau, denkt strukturiert und kaum, dass sich irgendwo ein Problem auftut, hat sie einen Plan A, B und C parat. So auch jetzt.
»Ich schlage vor, du holst sie ab.«
Ich schaue sie erstaunt an. »Ich? Aber …«
»Ja, klar. Dad hat irgendeine Versammlung, Mom weigert sich, bei solchen Straßenverhältnissen zu fahren …«
Ich habe noch nicht erwähnt, dass wir uns mitten im Winter befinden und die Straßen verschneit und glatt sind.
»… und du kannst fahren, weil Paige und Payton in der Schule sind.«
Mir fehlt in dieser Rechnung noch jemand. »Und du?«
»Tyler und ich übernehmen das Café«, sagt sie, als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt, dass nicht sie fährt, sondern dass ich ihr und ihrem Freund das Café überlasse, um meine verletzte Schwester vom Krankenhaus abzuholen.
»Warum fahrt ihr nicht nach Newport?«
»Kyle«, sagt sie in einem demonstrativ geduldigen Ton, in dem sie auch mit Paige oder Payton spricht, wenn sie gerade einen Trotzanfall erleiden, »du hast einen Pick-Up. Wenn Kelsey wirklich Probleme mit dem Fuß hat, muss sie ihn sicher hochlagern oder zumindest ausstrecken können. Da ist dein Auto das einzige, in dem sie wirklich Platz hat.«
So wie auf der Rückbank jedes anderen Wagens, denke ich, sage aber nichts, denn ich ahne, dass da noch etwas kommt. Und ich behalte recht.
»Außerdem ist es doch gut, wenn du mal rauskommst«, fährt Savannah fort. »Du weißt ja, neue Umgebung, neue Frauen … Wer weiß, vielleicht läuft dir ja eine heiße Krankenschwester über den Weg, die dich heiraten und mit dir noch fünf so süße Mädels in die Welt setzen möchte, wie Payton und Paige das sind.«
Sie klimpert mit den Wimpern, nicht ahnend, dass ich sie gerade am liebsten erwürgen möchte. Sie hat gerade mal seit etwa einem Monat einen Mann an ihrer Seite – vorher hatte sie einen Kevin, bei dem aber niemand weiß, ob es ihn wirklich gegeben hat. Sie hatte ihn in New York versteckt und keiner von uns hat ihn jemals gesehen. Jedenfalls ist es nicht so lange her und sie konnte sich all die Kommentare anhören, von wegen Single in der Stadt der Liebe und wann es endlich bei ihr so weit wäre. Da könnte sie ruhig etwas sensibler sein, wenn es um andere geht.
Savannah kann vermutlich von meiner Miene ablesen, dass ich ihre Bemerkung gerade eben nicht wirklich toll gefunden habe, denn sie setzt ein zerknirschtes Gesicht auf und legt ihre Hand auf meinen Arm. »Sorry, Kyle. Ich … hab’s nicht so gemeint. Andererseits ist es ja wirklich so. Ich meine … bei dir geht doch ganz Valentine ein und aus. Wenn unter all den Leute, die sich von dir mit heißer Schokolade und Pralinen verwöhnen lassen, die Frau deiner Träume gewesen wäre, dann wärst du nicht Single. Vielleicht musst du deinen Radius erweitern.«
Pffft, als wären wir hier im Matheunterricht. Ich verschränke die Arme und schaue sie immer noch recht grimmig an.
»Komm schon, Kyle. Einmal Stadt und wieder zurück. Setz dich in ein Café, schau, was die Konkurrenz so macht, genieß deine Auszeit und dann holst du Kelsey ab. Selbst wenn du deine Traumfrau nicht in Newport triffst, hast du dir mal einen Tag Entspannung erlaubt. Ein Tapetenwechsel, verstehst du? Das wird ein toller Tag, du wirst sehen. Und du weißt, dass Tyler und ich den Laden schmeißen können.«
Ich nicke unwillig. »Ja, das weiß ich.«
»Na, also. Was hält dich zurück?«
Und genau das ist die Frage, die ich mir selbst stelle. Savannah hat nämlich recht. Die Frauen hier in Valentine kenne ich. Ich bin kein wählerischer Mensch. Ich stelle keine hohen Ansprüche an meine Traumfrau. Sie muss weder eine besondere Haarfarbe noch Modelmaße haben. Sie müsste nur auf meiner Wellenlänge sein. Ich möchte mit ihr reden können – über Erwachsenendinge, nicht über »Regenbogenglitzereinhornpegasusse« und Schminktipps. Und es ist nicht so, dass es keine Frauen gäbe, auf die dieses Kriterium zutreffen würde. Nur … meine Töchter sind wählerisch. Kaum sehen sie mich mit einer Frau, gehen sie in den Krawallmodus über. Sie werden zu kleinen Biestern, brüllen, streiten, sind frech und benehmen sich daneben, dass es eine Freude ist … Na ja, Freude trifft es nicht wirklich. Jedenfalls hat bisher jede Frau, die ich selbst auch nur ein bisschen nett fand und meinen beiden Schätzen präsentiert habe, schreiend Reißaus genommen, wenn sie zum ersten Mal auf meine Töchter getroffen ist. Und auch wenn Savannah große Hoffnungen auf die Frauen in Newport setzt, kann ich nicht glauben, dass die Frauen dort härter im Nehmen sind – oder von meinen beiden Töchterchen akzeptiert werden.
Dann fügt sie noch hinzu: »Außerdem könntest du an ein paar Hotspots einen Aushang machen, dass du eine Mitarbeiterin für dein Café suchst. Auch dafür findest du in Valentine selbst offenbar niemanden.«
Ich gebe mich geschlagen. »Okay, du hast recht. Ich fahre. Aber wehe, ihr fackelt mir den Laden ab.«
»Komm, wir entwerfen gleich den Aushang!« Savannah ist Feuer und Flamme.
Ich schüttle den Kopf. »Was ist da groß zu entwerfen?« Mit schnellen Bewegungen skizziere ich die Worte auf das Papier:
»Servicekraft für Café gesucht. Du bist freundlich, geduldig und hast etwas Erfahrung im Service? Dann bist du genau richtig für unser Heart Café. Wir bieten: ein kleines Team, flexible Arbeitszeiten und angemessene Entlohnung.« Der Text ist zugegebenermaßen etwas steril, aber ich will ja keine Literaturkritikerin anheuern, sondern eine Kellnerin – oder einen Kellner.
Doch Savannah entreißt mir das Blatt. »Also so geht das gar nicht.«
Sie dreht es um, schnappt sich meinen Stift und malt in einer wunderschönen Kalligraphie-Schrift die Überschrift: »Das Heart Café sucht eine neue Mitarbeiterin!«
»Oder einen Mitarbeiter!«, werfe ich ein, doch sie übergeht meinen Kommentar.
»Willst du Teil der liebevollen Gemeinschaft in Valentine, der Stadt der Liebe, sein? Weit weg vom Stress der großen Stadt kannst du hier unsere geschätzten Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Streicheleinheiten für die Seele versorgen. Wenn du Lust auf die Arbeit mit Menschen hast, die über das Servieren von heißer Schokolade hinausgeht, dann bewirb dich für eine Stelle im Heart Café. Wir freuen uns auf deine Bewerbung!«
»So ein Unsinn!«, schimpfe ich. »Es geht um einen Job, nicht darum, dass der Kellner …«
»… oder die Kellnerin«, erinnert mich diesmal Savannah.
»Von mir aus auch die Kellnerin. Es geht nicht darum, dass sie etwas kauft. Das hier ist eine verdammte Stellenanzeige.«
»Eine Anzeige für einen neuen Mitarbeiter, Brüderchen. Glaub mir, wenn sie darauf anbeißen, dann, weil sie sich schon ein bisschen in Valentine und das Heart Café verliebt haben. Und dann werden sie deine Pralinen lieben und …«, sie wechselt einen spitzbübischen Blick mit ihrem Freund, »… dich.«
Olivia
»No! No! Por favor!« Ich höre meine Stimme in meinen Ohren gellen, aber es ist, als wäre es die einer Fremden. Meine Hände wollen hochfahren, um meinen größten Schatz zu schützen, doch die Bewegung reißt mich aus dem Schlaf. Das Adrenalin rauscht durch meine Adern, mit wachsamem Blick scanne ich den Raum. Erst als ich sehe, dass wir allein sind, weicht die Anspannung aus meinem Körper.
»Mamá«, wimmert ein Stimmchen von meinem Schoß.
Kurz schaue ich nach unten. Der schwarze Lockenkopf meines Schatzes Pablo ist feucht vom Schweiß. Angstschweiß vermute ich. Auch er wird von Albträumen geplagt.
»Nur ein Traum, Pablito«, flüstere ich ihm ins Ohr, während ich über sein feuchtes Haar streiche. »Nur ein Traum.«
Das Geräusch einer Tür, die leise ins Schloss fällt, lässt meinen Kopf wieder hochschnellen. Mit klopfendem Herzen höre ich die Schritte näherkommen. Tränen schießen mir in die Augen, als ich den weißen Kittel eines Arztes erkenne. Er bemüht sich um Neutralität, aber ich sehe das Aufflackern von Mitleid in seinem Blick, als er auf mein Gesicht fällt.
»Ms. García?«
Ich nicke.
»Kommen Sie.«
Als ich aufstehe, sind meine Bewegungen vorsichtig. Mein Schatz, den ich weiterhin fest an mich drücke, soll weiterschlafen.
»Sie können Ihren Kleinen einfach hier liegenlassen. Die Schwester wird ihn im Auge behalten.«
Ich schüttle wild den Kopf. Niemand trennt mich von meinem Schatz. Niemand.
Der Arzt versteht, nickt begütigend. »Kommen Sie«, sagt er noch einmal. Und obwohl ich unter dem Gewicht meines achtjährigen Sohnes beinahe zusammenbreche, folge ich dem Arzt mit erhobenem Haupt.
Kyle
Am nächsten Morgen sitze ich in meinem Pick-up und fahre Richtung Newport. Bereits nach den ersten Kilometern bin ich froh, dass ich das auf mich genommen habe. Die Straßen sind wirklich aalglatt und jeder andere Wagen würde schlingern. Nicht mein Pick-up. Der liegt in den Kurven, als würde er auf bestem Asphalt fahren. Trotzdem bin ich erleichtert, als ich endlich auf dem Parkplatz vor dem Krankenhaus Newport zum Stehen komme.
Ich betrete das Hospital durch den Haupteingang, hinter dem Empfangstresen sitzt eine Frau in Weiß.
»Ich bin auf der Suche nach Kelsey Walsh.«
»Abteilung?«
Ratlos starre ich die Frau an. »Das weiß ich nicht. Sie wurde gestern mit einer Verletzung am Fuß eingeliefert …«
Sie nickt geschäftig, bevor ich weiterreden kann, und meint: »Orthopädie. Zweiter Stock.«
Doch ich setze meinen Satz fort: »… und dann wurde sie hierbehalten, weil sie eine Panikattacke hatte und die Ärzte wollten abklären, dass diese keine organischen …«
Die Schwester seufzt entnervt. »Dann Medizin. Dritter Stock. Fragen Sie sich oben durch.«
Ich bedanke mich und wende mich verwirrt den Aufzügen zu, die mich ins dritte Stockwerk bringen, wo ich auch wirklich meine kleine Schwester finde. Der Anblick, wie sie da schlafend in dem Krankenhausbett liegt, schnürt mir die Kehle zu. Trotzdem zwinge ich mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich setze mich auf ihr Bett und streiche ihr sacht über die Wange. Ihre Reaktion verwundert mich. Sie schnüffelt an meiner Hand, als wäre sie ein Hund, zieht die Augenbrauen zusammen und erst dann öffnet sie die Augen.
»Kyle, was machst du hier?«, fragt sie noch schläfrig.
»Was ich hier mache, willst du wissen? Was machst du, Kelsey? Kannst du mir das mal verraten?«
Sie sieht sich um, runzelt verwirrt die Stirn. »Ich habe nicht die geringste Ahnung.«
»Haben sie dir auch noch einen Schlag auf die Rübe verpasst?«, frage ich. »Weißt du wirklich nicht mehr, was passiert ist, oder spielst du mir was vor?«
Vielleicht ist es doch schlimmer, als alle vermutet haben? Ich sehe mich schon nach einem Arzt um, doch außer der Frau im Bett neben Kelsey ist da niemand.
»Wo sind Paige und Payton?«, fragt sie.
»In der Schule. Und da sie heute Nachmittagsunterricht haben, wurde ich auserkoren, um dich abzuholen. Ty und Sav bewachen das Café. Ich soll ›dich aus dem Krankenhaus holen und schauen, ob ich hier nicht gleich eine heiße Krankenschwester finde, die mich heiraten und noch fünf so süße Mädels mit mir in die Welt setzen möchte, wie Payton und Paige das sind.‹ Savannahs Worte. Nicht meine.« Ich verziehe das Gesicht zu einer gequälten Grimasse.
Sie hat nur ein Grinsen dafür übrig. »Und?«
»Was und?«
»Hast du schon eine gefunden?«
Ha! Ha! Wenn das mal so wäre. Um von meinen Gefühlen abzulenken, mache ich einen auf Clown und sage: »Machst du Witze? Eine? Tausende! Sie stehen gerade Schlange vor der Tür. Ich werde gleich den Kusstest machen. Die, bei der sich meine Zehennägel aufrollen, nehme ich mit. Dann kann sie dich in Valentine gesundpflegen und sofort danach fangen wir mit den fünf Kindern an.«
Ihr Gesichtsausdruck verändert sich. Mitfühlend greift sie nach meiner Hand.
Das ist Kelsey. Dabei hat sie selbst schon genügend Scherereien. Ich wehre ab. »Es ist alles gut. Ich habe schon zwei Frauen. Die sind so eifersüchtig – da hat keine andere Platz.«
»Nicht einmal, wenn sich dir die Zehennägel aufrollen beim Kuss?«
Ich seufze. Erstens wird das nicht passieren und zweitens gibt es da immer noch meine zwei Schätze, die bisher jede meiner Frauen vergrault haben. Ich kann es ihnen nicht verdenken. Insgeheim hoffen sie wahrscheinlich immer noch, dass ihre leibliche Mutter zu ihnen zurückkehrt. Ich unterdrücke ein Seufzen. »Ich fürchte, nicht einmal dann. Aber den anderen Teil des Auftrags kann ich zumindest erfüllen.«
»Der da wäre?«
»Dich nach Hause zu bringen. Der Arzt möchte mit dir noch die Befunde besprechen, dann können wir.«
Nach der Arztvisite und einem kleinen Schockmoment, als meine Schwester sich aus dem Bett hievt und mir ihre ganze Rückseite präsentiert – wer bitte will den Arsch seiner kleinen Schwester nackt sehen? – können wir endlich los. Obwohl es mit dem Gehen gar nicht so schlecht klappt, machen wir uns einen Spaß daraus, Kelsey im Rollstuhl durch das Krankenhaus und bis zu meinem Pick-up zu kutschieren. Dort lade ich sie ab, um dann den Rollstuhl im Empfangsbereich abzugeben. Da fällt mein Blick auf das Schwarze Brett im Wartesaal.
Savannahs Rat klingt in meinen Ohren. Außerdem könntest du an ein paar Hotspots einen Aushang machen, dass du eine Mitarbeiterin für dein Café suchst. Auch dafür findest du in Valentine selbst offenbar niemanden.
Zögernd ziehe ich den zusammengefalteten Zettel aus der Innentasche meiner Jacke. Ich entfalte ihn und überfliege die Zeilen, die ich entworfen habe. Wieder muss ich zugeben, dass es doch sehr distanziert klingt, was ich da geschrieben habe. Doch was Savannah auf die Rückseite geschrieben hat, geht gar nicht. Nein, ich bleib lieber bei Bewährtem.
Vielleicht sollte ich den Zettel besser gar nicht aufhängen? Nachdenklich lasse ich meinen Blick durch den Warteraum schweifen. In der dunkelsten Ecke sitzt eine Frau, die den Kopf über ein schlafendes Kind gebeugt hat. Ihr schwarzes, lockiges Haar fällt ihr übers Gesicht. Offenbar schläft auch sie. Warum sie wohl hier ist? Ist der Kleine krank? Schlagartig überfällt mich ein mulmiges Gefühl, als ich an meine beiden gesunden Mädchen denke. Zum Glück ist das keine von ihnen, die da auf eine Behandlung wartet, denke ich ganz eigennützig. Nur wer Vater oder Mutter ist, kann verstehen, was einem in so einem Fall durch den Kopf geht. In Gedanken wünsche ich der Frau starke Nerven und viel Kraft … und dass dem Kleinen nichts Schlimmes fehlt.
Als habe sie meine Gedanken gespürt, hebt sie den Kopf. Und da erkenne ich, dass nicht das Kind der Patient ist. Die Frau sieht übel aus. Ein Bluterguss breitet sich über den rechten Wangenknochen und das Auge aus, das blutunterlaufen ist. Ihre Unterlippe ist aufgeplatzt und auf der Stirn prangt ein Pflaster. Doch das Erschreckendste sind ihre Augen. Etwas wie Resignation steht darin, Trauer, Verzweiflung …
Ich habe nicht die Zeit, das Gefühl genau festzumachen, das aus ihren Augen spricht, denn sie wendet sofort den Blick ab und lässt das Haar wieder über ihr Gesicht fallen. Und das schmerzt mich noch mehr. Diese Frau ist misshandelt worden. Das sieht sogar ein Laie wie ich, aber statt ihre Wunden wie eine Heldin zu tragen, statt Zorn über den Täter zu empfinden, schämt sie sich dafür, versteckt sich.
Wut ballt sich in meinem Bauch zusammen. Ich hasse diese Typen, die ihre körperliche Überlegenheit gegenüber Frauen ausnutzen. Aber ich kann nichts tun. Ich bin ein Fremder für diese Frau. Noch dazu ein Mann. Träte ich an sie heran, empfände sie das womöglich als Bedrohung. Und das will ich ihr ersparen. Sie hat wirklich schon genug durchgemacht.
Also tue ich, als hätte ich nichts gesehen, wende mich ab und steuere das Schwarze Brett an, wo ich meine Jobausschreibung anpinne. Dann mache ich, dass ich zu meiner kleinen Schwester komme.
Olivia
Meine Angst, verfolgt zu werde, ist so groß, dass ich sogar die Blicke spüre, die auf mir ruhen. Ich habe gewusst, dass er mich anschaut, trotzdem musste ich mich davon vergewissern, dass ich recht habe. Ich habe.
Da steht er. Ein großgewachsener Mann mit einem freundlichen Gesicht. Das heißt nichts, das habe ich gelernt. Der Teufel selbst hat das freundlichste Lächeln. Darum fallen so viele Menschen auf ihn herein. Trotzdem kann ich nicht umhin, mir vorzustellen, dass dieser Mann ein guter Mensch ist. Ein guter Mann, der sich um die Menschen um ihn herum kümmert, der aufmerksam ist und ihre Bedürfnisse wahrnimmt, der pflegt, tröstet.
Das alles bilde ich mir ein, in dem kurzen Blick zu erkennen, den wir wechseln, bevor ich mein verunstaltetes Gesicht wieder hinter dem schwarzen Vorhang meiner Haare verberge. Durch die Strähnen linse ich nach draußen, wo er immer noch steht. Sein Gesichtsausdruck hat sich inzwischen verändert. Er sieht zornig aus und das bestätigt mir wieder, was ich gelernt habe. Niemand ist vor Wut gefeit, vor Hass und vor dem, was diese Gefühle auslösen. Plötzlich habe ich Angst vor dem Mann und meine Arme verkrampfen sich um meinen Jungen.
Schau weg, flehe ich ihn in Gedanken an. Such dir ein anderes Ziel. Por favor, dios mío!
Als habe Gott mein Stoßgebet erhört, entfernen sich die Schritte des Mannes. Er bewegt sich auf die Wand zu, an der, wie ich weiß, ein Schwarzes Brett hängt, das über und über mit Zetteln bedeckt ist. Wer auch immer hier etwas aufhängt, wird keinen Erfolg haben. Ich höre das leise »Plopp!« eines Pinnnagels, der sich durch Papier und Kork frisst, das leise Rascheln eines Zettels, dann seine Schritte, die sich wieder entfernen. Durch den Warteraum zur Ausgangstür, deren Glastüren auseinandergleiten.
Ein Luftzug weht herein, mischt den abgestandenen Krankenhausgeruch mit frischem Sauerstoff und fährt raschelnd in die Blätter am Schwarzen Brett und dann höre ich das leise Klimpern eines Pinnnagels auf dem Boden und kurz darauf das zischende Geräusch, mit dem ein Blatt Papier am Linoleumboden entlang schabt.
Vorsichtig hebe ich den Blick. Einen Meter von meinen Füßen entfernt liegt ein Blatt, das liebevoll gestaltet ist. Die Überschrift, die in einer Kalligraphie-Schrift geschrieben ist, fällt mir gleich ins Auge: Das Heart Café sucht eine neue Mitarbeiterin!
Ist das ein Wink des Schicksals? Noch vor ein paar Stunden habe ich auf die Frage des Arztes, was ich nun tun wolle, gesagt: »Zuerst einmal suche ich mir einen Job.«
»Haben Sie was gelernt?«, war seine Frage.
Ich habe den Kopf geschüttelt. »Nicht gelernt, aber ich habe ein paar Jahre als Kellnerin gearbeitet.« Ich habe nicht dazu gesagt, dass es in einem Nachtclub war. Ob ich jetzt Pizza mit einer langen Kellnerschürze oder harte Drinks in einem Hauch von Nichts serviere, ist am Ende des Tages kein so großer Unterschied.
Dass mir genau jetzt diese Jobanzeige buchstäblich vor die Füße fällt, muss etwas bedeuten, oder? Ich beuge mich vor, so gut es mit meinem Pablo auf dem Schoß geht, und versuche, den Rest des Textes zu entziffern.
Willst du Teil der liebevollen Gemeinschaft in Valentine, der Stadt der Liebe, sein? Weit weg vom Stress der großen Stadt kannst du hier unsere geschätzten Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Streicheleinheiten für die Seele versorgen. Wenn du Lust auf die Arbeit mit Menschen hast, die über das Servieren von heißer Schokolade hinausgeht? Dann bewirb dich für eine Stelle im Heart Café. Wir freuen uns auf deine Bewerbung!
Und plötzlich schlägt mein Herz doppelt so schnell wie noch kurz vorher. Diese Anzeige klingt so … wunderschön, so einladend, so liebevoll, so wie gemacht für mich, dass ich das Gefühl habe, sie wurde eigens für mich entworfen. Ich brauche diesen Zettel!
Vorsichtig strecke ich mein Bein aus, versuche, nach dem Papier zu tasten, komme nicht hin. Dafür erreiche ich, dass mein kleiner Schatz erwacht. Er öffnet verschlafen die Augen, sieht sich um, erblickt mich und … beginnt zu weinen. »Mamá!«
Kyle
Dieser eine Tag, den ich dank der Ungeschicklichkeit meiner kleinen Schwester in Newport verbringen durfte, war wie ein Abtauchen in eine fremde Welt. Kaum passiere ich jedoch mit meinem Pick-up die Grenzen unserer kleinen Stadt, erdrückt Valentine mich schon wieder mit dieser Kleinstadtidylle. Von dem kleinen Pass aus haben wir den perfekten Ausblick über den zugefrorenen See, den unser Dad, der Bürgermeister von Valentine, vor Kurzem mit Zustimmung der Mehrheit unserer Bürger von Blueberry Lake in Heart Lake umbenannt hat, weil der Name besser in sein Marketingkonzept für die Stadt passt. Dahinter breiten sich bewaldete Hügel aus und weit im Norden winken die Green Mountains zu uns. Die ganze Landschaft ist tief verschneit, nur die Rauchsäulen, die aus den Kaminen aufsteigen, verraten, dass Menschen hier leben.
Als Kelsey und mir im selben Augenblick ein Seufzer entfährt, brechen wir in Lachen aus.
»Weißt du«, sagt meine Schwester nachdenklich, »egal, was passiert, egal, ob ich meinen Traummann finde oder nicht. Aus Valentine kriegen mich keine zehn Pferde weg.«
»Mich auch nicht«, stimme ich zu. Ich denke an Heather, die plötzlich das Gefühl hatte, in Valentine zu ersticken. Sie musste hinaus in die weite Welt, sich Großstadtluft um die Nase wehen lassen. Ich wollte nicht weg von hier. Warum auch? Ich hatte mir eine Existenz aufgebaut. Das Heart Café lief gut. Wieso sollte ich das alles aufs Spiel setzen, um in die Großstadt zu ziehen? Wieso sollte ich meine Mädchen einer Kindheit in der Natur berauben? Der Nähe zu ihren Großeltern und Tanten, dem Wissen, dass sie hier eines Tages auch selbst zur Schule gehen könnten, ohne dass ich von der Angst zerfressen würde, ob sie auf dem Schulweg gekidnappt, überfahren oder ausgeraubt würden. Ich dachte, Heather verstünde mich. Doch das war wohl nicht so, denn eines Tages war sie weg. Einfach so. Ohne eine Ankündigung. Ohne einen Abschied.
Wieder seufze ich, Kelseys mitleidiger Blick verrät mir, dass sie weiß, in welche Richtung meine Gedanken gehen. Und plötzlich beginnt sie, leise vor sich hinzumurmeln. Zuerst verstehe ich nicht, dann mache ich die Bedeutung einzelner Sätze aus. »Der Richtige kommt schon noch. Man muss nicht heiraten, um glücklich zu sein. Du stehst aber nicht auf Frauen, oder?«
