Marathon ins Liebesglück - Mira Frey - E-Book
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Mira Frey

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Beschreibung

Leah hat keine Eile damit, den Partner fürs Leben zu finden. Kinder, Küche und an einen Ort wie Valentine gekettet zu sein, ist das, was für sie einem Horrortrip am nächsten kommt. Nein, da erlebt sie lieber viele Abenteuer und bereist die Welt.

Doch dann läuft ihr Jayden über den Weg und gegen die Anziehung, die er auf sie ausübt, ist sie machtlos. Nur gut, dass er ebenfalls von einer Beziehung nichts wissen will …

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Kapitel 1 – Würg! Wie das schon klingt!
Kapitel 2 – Es kribbelt
Kapitel 3 – Nur ein Frühstück
Kapitel 4 – Eine ganz besondere Erfahrung
Kapitel 5 – In die Hose gegangen
Kapitel 6 – Eine Droge
Kapitel 7 – Zu viele Schnittstellen
Kapitel 8 – Märchenstunde
Kapitel 9 – In the Forest
Kapitel 10 – Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden
Kapitel 11 – Träume
Kapitel 12 – Schweigen
Kapitel 13 – Feiglinge
Kapitel 14 – Funkstille
Kapitel 15 – Der Silberstreif am Horizont
Kapitel 16 – Hochzeitsglocken
Epilog
Personenverzeichnis
Die Sweet Valentine-Reihe

Mira Frey

Marathon ins Liebesglück

Über die Autorin:

Mira Frey lebt und schreibt in Südtirol. Wenn sie nicht gerade mit Kindern und Jugendlichen Theater macht, erfindet sie Geschichten, wobei sie sich da nicht gern in Schubladen stecken lässt. Aus ihrer Feder stammen Krimis ebenso wie Wohlfühlromane oder Kinderbücher.

Mit Sweet Valentine erfüllt sie sich selbst einen lang gehegten Traum und reist in Gedanken in das fiktive Städtchen Valentine, in dem die Welt noch in Ordnung ist – mit jedem Happy End noch ein bisschen mehr.

Buchbeschreibung:

Leah hat keine Eile damit, den Partner fürs Leben zu finden. Kinder, Küche und an einen Ort wie Valentine gekettet zu sein, ist das, was für sie einem Horrortrip am nächsten kommt. Nein, da erlebt sie lieber viele Abenteuer und bereist die Welt.

Doch dann läuft ihr Jayden über den Weg und gegen die Anziehung, die er auf sie ausübt, ist sie machtlos. Nur gut, dass er ebenfalls von einer Beziehung nichts wissen will …

Mira Frey

Marathon ins Liebesglück

Sweet Valentine 9

Liebesroman

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind

im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© November 2025 Empire-Verlag

Empire-Verlag OG, Lofer 416, 5090 Lofer

[email protected]

Ansprechpartner: Thomas Seidl

Lektorat: Birgit van Troyen

https://www.korrektorat-adlerauge.de/

Korrektorat: Bianca Kober

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise –

nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.

Covergestaltung: © Traumstoff Buchdesign traumstoff.at

Covermotive © subarashii21, Firsova Kateryna, Arttasty und Doremi shutterstock.com

Kapitel 1 – Würg! Wie das schon klingt!

Leah

Eigentlich hätte ich Besseres zu tun, als hier bei der drölfzigsten Hochzeit zu sitzen und Freude darüber zu heucheln, dass wieder jemand aus meiner Verwandtschaft – in dem Fall Ethan – unter die Haube gekommen ist. Ja, ja, ich weiß. Da gibt es diese blöde Wette, dass bis Thanksgiving jeder von uns zehn Walshs und Fosters den Partner fürs Leben gefunden haben soll, aber – ganz ehrlich – ist das wirklich das einzig Wichtige im Leben? Dass wir unseren Deckel finden, heiraten und tun, was das System von uns verlangt?

Ich bin zweiundzwanzig! Muss ich da wirklich schon wissen, was ich in meinem Leben anfangen will? Glaubt ihr wirklich, dass meine Gedanken schon um Mann und Kinder kreisen? Ich will erstmal selbst leben, Herrschaftszeiten! Wenn ich dreißig bin, ist es immer noch früh genug, um darüber nachzudenken, ob ich in diese verschissene Welt wirklich Kinder setzen will. Ich meine … Was für eine Zukunft haben sie denn überhaupt? Reicht doch, dass ich zusehen muss, wie alles den Bach runtergeht. Oder?

»Du siehst aus, als würdest du gleich wen ermorden.«

Wenig überrascht stelle ich fest, dass Jayden mich beobachtet hat. Jayden ist Jamies Bruder, die die Partnerin meiner Schwester Jenna ist. Ja, ich weiß. Viele Namen, noch dazu beginnen alle mit J. Das Schicksal berücksichtigt solche Überschneidungen nicht. Wenn es zuschlägt, schlägt es zu.

»Sieht falsch aus.«

»Dann bist du in den Bräutigam verliebt?«

Ich schnaube. »Der Bräutigam ist mein Bruder.«

»In die Braut vielleicht?«

Ich verdrehe bloß die Augen. Nur weil meine Schwester plötzlich ihre homosexuelle Seite entdeckt hat, muss das nicht auch auf mich zutreffen. Nein, es wird mich auch nicht plötzlich aus dem Hinterhalt überraschen wie bei Jenna, die wohl ihr ganzes Leben lang verdrängt hat, dass sie auf Frauen steht – oder vielmehr auf diese eine Frau. Bei mir ist das nicht der Fall. Ich hab’s probiert auf der Uni. War nichts für mich.

»Ist es eure dämliche Wette?«

Wieder schieße ich ihm einen Blick zu, der jeden anderen dazu bringen würde, das Weite zu suchen. Nicht Jayden. Er war Soldat. Er schreckt vor nichts zurück. Offensichtlich.

»Diese Wette war eine beschissene Idee. Ich kann immer noch nicht verstehen, dass alle auf diesen Karren aufgesprungen sind. Ich tu es halt nicht.«

»Tröste dich. Wie’s aussieht, ist Josh auch noch solo. Zumindest könnt ihr euch die Wäsche zu zweit aufteilen.«

Das habe ich noch nicht erzählt. Der Wetteinsatz dieser dämlichen Wette ist, dass diejenigen, die am Ende ohne Partner sind, den anderen ein Jahr lang die Wäsche waschen müssen. Sage und schreibe acht der Walsh-Foster-Kids sind mittlerweile schon in festen Händen, nur Josh und ich sind noch ungebunden, wie Jayden so treffend festgestellt hat.

»Danke fürs Mitzählen.«

»Immer gern.« Jayden grinst. »Willst du tanzen?«

»Mit dir?«

Er lacht leise. »Ich könnte dir den Ton jetzt übelnehmen. Aber ja, mit mir. Ich langweile mich.«

»Ich mich auch.«

»Na dann. Lass uns ein bisschen tanzen. Schöner Nebeneffekt: Wir geben den anderen was zu tratschen.«

Ich kneife die Augen zusammen und betrachte ihn skeptisch. »Du hast nicht ernstgenommen, was ich heute gesagt habe, oder? Ich will nichts von dir. Nur, dass das klar ist. Du bist zu alt für mich.«

Er greift sich ans Herz. »Mit wenigen Worten machst du meine Hoffnungen zunichte, du grausame Maid.« Dann sieht er mich neugierig an. »Was genau meinst du mit ›zu alt‹?«

»Na, du bist doch mindestens dreißig. Du könntest glatt mein Vater sein.«

Er grinst. »Das wäre ja mal ein Rekord. Ein achtjähriger Vater.«

»Du weißt schon, was ich meine.«

Er schüttelt den Kopf. »Nein, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber keine Angst. Ich will nichts von dir. Aber mir ist fad. Wenn du keine Lust zum Tanzen hast, bleibt mir nur der Tod durch Langeweile.«

»Okay. Dann …« Ich stehe auf, streiche mein Kleid zurecht und warte, dass er ebenfalls in die Gänge kommt. In der Zwischenzeit betrachte ich ihn. Wenn Jayden nicht so alt wäre, könnte er mir gefallen. Diese Augen, die je nach Lichteinfall die Farbe wechseln – manchmal sind sie grün, manchmal graublau –, mit diesen schwarzen Wimpern, die aussehen, als wären sie gefärbt und diesem nachdenklichen, leicht melancholischen Ausdruck darin. Dazu das dunkle Haar, die gebräunte Haut, die paar Sommersprossen auf Nase und Stirn – gar nicht zu reden von seinem Körper … Heiß. Aber … zu alt. Mindestens dreißig, wie gesagt.

»Soll ich mich einmal drehen? Damit du mich auch von hinten begutachten kannst?«, fragt er mit einem Augenzwinkern und ich wende mich ab, die Wangen flammend heiß.

»Nicht nötig. Kannst du überhaupt tanzen?«

»Nein. Aber, wenn du führst, kann eigentlich nichts schiefgehen.«

Ich bleibe stehen. »Ich glaube, ich habe doch keine Lust.«

Er schiebt mich einfach weiter. »Du bist leicht ins Bockshorn zu jagen, Leah Foster. Jetzt geh schon weiter. Ich werde dich schon nicht blamieren. Oder bist in Wirklichkeit du es, die nicht tanzen kann?«

Ich schnaube und marschiere weiter. Auf der Tanzfläche bleibe ich stehen. »Dann los, Mister Morin, zeig, was du kannst.«

In dem Augenblick wechselt die Musik und die Band stimmt einen Salsarhythmus an. Na toll! Jetzt können wir uns nur noch blamieren. Salsa schaut toll aus, wenn man es kann. Und können muss es vor allem der Mann. Der muss nämlich nicht nur die Schritte beherrschen, sondern vor allem führen können. Neun von zehn Männern, die ich in meinem Leben getroffen habe, haben keine Ahnung davon, wie man richtig führt, und auf so etwas habe ich echt keine Lust. Ich will mich schon abwenden, da zieht er mich zurück und legt dann er los. Und – Mannomann! – er kann tanzen.

Wir fliegen über die Fläche und die ganze Zeit über hält er meinen Blick mit diesen graublauen Augen fest, als gäbe es nur uns zwei auf der Welt. Ohne darüber nachzudenken, lasse ich mich fallen und tanze, wie ich es liebe. Ich vergesse, auf die Schritte zu achten, blende meine Umgebung aus und versinke.

Erst als Jayden uns in eine Schlussfigur führt und plötzlich Applaus aufbrandet, komme ich wieder zurück in die Wirklichkeit und nehme alles wahr, was um mich herum passiert. Jayden, der schwer atmend hinter mir steht, die Hochzeitsgäste, die die Tanzfläche geräumt haben müssen, um uns Platz zu verschaffen und nur noch zugeschaut haben, wie mein Tanzpartner mich herumgewirbelt hat, die Lichter, die Gerüche, das zufriedene Lächeln auf dem Gesicht unserer Kuppelkönigin Mrs. March, die am Rande der Tanzfläche sitzt.

Und da wird es mir endgültig zu viel. Ich renne los. Weg von diesen ganzen Irren, deren einziger Lebenssinn es ist, zu heiraten, sich fortzupflanzen und sich selbst aufzugeben.

»Leah!«, höre ich Jayden noch rufen, aber ich drehe mich nicht mehr um. Ich will nur eines: weg!

Jayden

Diese kleine Irre! Der Beifall der Hochzeitsgäste ist noch nicht verhallt, da dreht sie sich um und haut ab, als wären tausend Teufel hinter ihr her. Ohne eine Erklärung. Nicht einmal auf meinen Ruf reagiert sie noch, stattdessen schleudert sie die Tür zum Festsaal hinter sich zu, dass das Hotel in seinen Grundmauern erzittert. Und dann ist sie weg.

»Du hast eine überwältigende Wirkung, Kumpel«, sagt Ethan, der in dem Augenblick neben mir auftaucht.

»Scheint so.« Ich schaue immer noch zur Tür, als würde ich erwarten, dass sie doch noch einmal zurückkommt, sich entschuldigt – oder zumindest erklärt –, aber die Tür bleibt zu.

Ethan sieht mich forschend an. »Sorry, dass ich frage, Mann, aber … du und Leah …?«

Ich schüttle den Kopf. »Mach dir keine Hoffnungen, Eth. Da ist nichts. Wir haben nur getanzt.«

»Nur … Hast du eine Ahnung, wie heiß das ausgesehen hat? Ich bin sicher, heute Nacht werdet ihr beide in einigen feuchten Träumen die Hauptrolle spielen.«

Würg! Wie das schon klingt! Ich sehe ihn scharf an. »Du bist dir bewusst, dass du von deiner Schwester sprichst, oder?«

Ethan schüttelt den Kopf. »Das da eben … Das hatte so wenig mit meiner Schwester zu tun, wie der Weihnachtsmann mit der Zuckerfee. Das war einfach nur …« Er pfeift durch die Zähne.

»Du spinnst doch.«

»Was ich wirklich meine … Wenn du und meine Schwester … hm … also ich hätte nichts dagegen. Ich hätte schon nichts dagegen gehabt, wenn du mit Jenna …« Er bricht ab, kratzt sich am Kopf. »Ich rede mich echt um Kopf und Kragen, oder?«

Ich kann nicht anders, als zu grinsen. Bis vor ein paar Wochen habe ich bei solchen Anlässen Jennas Fake-Freund gespielt. Sie wollte damit ihre Familie zum Schweigen bringen, damit die ständigen Anforderungen wegen dieser unsäglichen Wette aufhören. Dass Jenna am Ende nicht mich gewählt hat, sondern meine Schwester, scheint einigen hier Kopfzerbrechen zu bereiten.

»Ich werde weder mit Jenna noch mit Leah zusammenkommen, wenn dich das beruhigt. Das hier war ein Tanz. Mehr nicht. Abgesehen davon, dass ich kein Interesse habe, hat Leah mehr als deutlich gemacht, dass sie von so einem alten Knacker wie mir nichts will.«

»Alter Knacker? Du bist gleich alt wie ich, Mann.«

Ich grinse. »Eben.«

»Ihr seid nicht einmal acht Jahre auseinander. Das ist doch kein Grund …«

»Als ich achtzehn war, war sie zehn. Als ich acht war …« Ich lasse den Satz unvollendet und ich muss den Gedanken auch nicht aussprechen, denn Ethan verzieht angeekelt das Gesicht.

»Schon gut, ich kann rechnen! Ich versteh’s trotzdem nicht. Aber …«

»Es ist unsere Sache«, sage ich und er nickt.

»Klar. Schade irgendwie.«

»Leah wird ihr Glück schon noch finden.« Ich wende mich von der Tür ab, durch die sie heute definitiv nicht mehr kommen wird. »Und? Wie fühlt es sich an, verheiratet zu sein?«

Er lächelt und sieht hinüber zu seiner frischgebackenen Ehefrau Ivy, die gerade mit all ihren vier Schwestern an einem Tisch sitzt und lauthals lacht. »Richtig. Es fühlt sich einfach richtig an. Als wäre ein Puzzleteil, das ich vorher ewig gesucht habe, plötzlich an seinem Platz.«

»Das klingt schön.«

»Es ist schön.«

In dem Augenblick winkt Ivy ihn zu sich.

»Du entschuldigst mich?«, fragt er mich, schon halb im Gehen.

Ich nicke. Doch er sieht es ohnehin nicht mehr.

Nachdenklich kehre ich zu meinem Tisch zurück. Ein Puzzleteilchen, das man vorher ewig gesucht hat, ist an seinem Platz, hat er gesagt. Klingt, als würde er sich jetzt plötzlich vollständig fühlen.

Ich bin neidisch. Wenn es nur so einfach wäre. Die Seelenverwandte finden, heiraten und plötzlich fühlst du dich vollständig. Ich lache unfroh auf. Bei mir müsste man das ganze Puzzle austauschen. Da reicht ein einzelnes Puzzleteil, das an seinen Platz findet, nicht aus. Im Gegenteil. Das ganze Puzzle ist in Unordnung geraten und ohne, dass ich das Gesamtbild kenne, bin ich ziemlich sicher, dass da mehr als ein Teil fehlt. Ich bin innerlich so kaputt, dass es ein Wunder ist, wie ich das bisher vor den anderen verbergen konnte. Nicht einmal Jenna ist mir auf die Schliche gekommen.

Ich sehe hoch. Wenn ich nicht will, dass meine Maskerade genau jetzt auffliegt, sollte ich schleunigst die Gesellschaft der anderen suchen … oder gehen. Ganz allein an einem der Tische zu sitzen, ist etwas auffällig. Ich will mich gerade wieder ins Getümmel stürzen, da fällt mein Blick auf einen Beutel. Es ist ein selbst gehäkeltes, buntes Ding und ich weiß, wem es gehört …

»Cinderella, du hast deinen Schuh verloren«, murmle ich, dann nehme ich den Beutel an mich und stehe auf. Unbemerkt von allen anderen verlasse ich den Raum und gehe Leah nach. Allzu weit kann sie noch nicht gekommen sein.

Kapitel 2 – Es kribbelt

Leah

Fuck! Das ist das Erste, was mir durch den Kopf schießt, als ich vor das Cupid’s Cabin trete. Wir Idioten sind alle zusammen in einem Wagen gekommen. Jenna, Jamie, Josh, Jayden und ich. Ja, ich bin mir bewusst, dass das schon wieder viel zu viele Namen mit J sind, aber so ist es nun mal.

Josh ist inzwischen mit Savannah, deren Fruchtblase geplatzt ist, und dem völlig durchgedrehten Tyler ins Krankenhaus nach Newport gefahren. Wo Jenna und Jamie abgeblieben sind, habe ich keine Ahnung. Zu Jayden werde ich nicht zurückgehen. Nicht nach diesem Tanz!

Shit! Zuerst das ganze Gerede darüber, dass er verdammt noch mal zu alt für mich ist, und dann werfe ich mich ihm beinahe an den Hals und tanze mit ihm, als wären wir die Tänzer in einem verfickten Sexclub. Und es war heiß!

Nein. Ich schüttle den Kopf. Ich gehöre doch in die Klapse! Ich kann doch nichts mit einem alten Mann anfangen! Ich will verdammt noch mal mit überhaupt keinem Mann etwas anfangen. Im Gegenteil! Ich will mein Leben leben, ungebunden sein! Ich will heute entscheiden, dass ich nach Brasilien reisen will – zumindest rein theoretisch, praktisch fehlt mir dazu nämlich das Geld – und morgen mit einem Studium über Quantenphysik anfangen. Auch wenn mir dafür ganz sicher das mathematische Hirn fehlt. Aber ich bin zweiundzwanzig! Ich darf solche Irrwege und Sackgassen gehen. Das ist das Privileg der Jugend.

Und ganz sicher will ich nichts von einem alten Mann, der mit dreißig doch sicher schon darüber nachdenkt, wie er am schnellsten zu Frau und Kindern kommt. Zu einem Stammhalter, jemandem, an den er seine – zugegebenermaßen ziemlich einmaligen – Gene weitergeben kann.

Nein, Finger weg, Leah! Der will nichts Unverbindliches. Der will … etwas für die Ewigkeit. Würg! Wie das schon klingt.

Also auf jeden Fall war es gut, dass ich abgehauen bin, bevor mich meine Hormone noch zu einer Dummheit verleiten konnten. Andererseits war es auch blöd, denn jetzt stehe ich hier vor diesem doofen Hotel. Zwischen unserem Haus und meinem Standpunkt liegt der blöde See, den Onkel Sinclair in Heart Lake umbenannt hat. Durch den Rahmen in Herzform kann ich direkt hinüberschauen zu unserem Städtchen Valentine, das im Dunkeln liegt. Schließlich ist es bereits nach elf Uhr und Onkel Sinclair hat beschlossen, dass Valentine keinen Beitrag zur Lichtverschmutzung beitragen wird.

Im Normalfall würde ich etwa vierzig Minuten gehen, um dorthin zu kommen, oder fünfundzwanzig Minuten laufen. Aber heute ist kein Normalfall. Ich habe so ungefähr die doofsten Schuhe an, die es gibt. Absatzschuhe, die nur von dünnen Bändchen an den Füßen gehalten werden. Passen toll zum Kleid, aber miserabel für eine Wanderung um den See.

Soll ich doch wieder zurückgehen? Und dann? Mich bei Jayden entschuldigen? Ihn wütend darum bitten, Abstand zu wahren? Ihn um einen weiteren Tanz bitten?

»Dafür wäre er sicher zu haben.«

Ich fahre herum. Hinter mir steht Jayden. Hat er gehört, was ich gesagt habe?

»Lass mich raten: Du hast gerade erkannt, dass du entweder zu Fuß zurückläufst oder jemanden darum bitten musst, die Feier zu verlassen, um dich nach Valentine zu chauffieren?«

»Sei nicht allzu stolz auf deine Kombinationsgabe, Sherlock.«

Er lacht leise. »Soll ich dich bringen?«

Ja! Und dann kommst du mit auf mein Zimmer und … »Nein.«

»Also willst du laufen.«

Nein. »Ja.«

»Okay.« Er geht an mir vorbei auf den Weg, bleibt stehen, sieht zu mir zurück. »Was ist? Wolltest du nicht laufen?«

»Ich finde den Weg allein.«

Wieder dieses Lachen, das mir wie ein wohliger Schauer über die Wirbelsäule läuft. »Davon bin ich überzeugt. Aber ich bin ein Gentleman und als solcher lasse ich dich nicht allein im Dunkeln einen Weg von fast vier Kilometern zurücklegen.«

»Ich habe schon größere Distanzen zurückgelegt.«

Er nickt. »Sicher. Aber nicht auf solchen Schuhen.«

Tja, damit hat er recht. »Andere habe ich nicht.«

»Daher gehe ich mit.«

»Wollen wir bei der Hälfte des Wegs Schuhe tauschen? Oder was soll das bringen, wenn du neben mir herläufst.«

»Das wirst du dann schon sehen. Los jetzt. Übrigens … Solltest du etwas vermissen …« Er hält meine selbstgehäkelte Tasche hoch.

»Meine Tasche!« Ich bin heute echt nicht ganz bei mir. Dass ich meine Tasche habe liegen lassen, passt absolut nicht zu mir. Ich mache normalerweise keinen Schritt ohne diese Tasche. Da ist alles drin, was ich irgendwie brauchen könnte. Vom Nagellack bis zur Haarnadel, vom Klebestreifen bis zu Nadel und Faden … und das, obwohl das Täschchen winzig ist. Das ist auch der Grund, warum ich sie statt einer teuren Clutch mit zur Hochzeit genommen habe. Was in meinem Täschchen ist, brauche ich. Alles. Da ändert auch eine Hochzeit nichts daran.

»Lag auf deinem Stuhl.«

»Danke!« Ich strecke meine Hände nach der Tasche aus, doch er zieht sie zurück. »Die trage ich für dich. Wie sich das für einen Gentleman gehört.«

Ich stöhne resigniert. »Tu, was du nicht lassen kannst«, sage ich. Dann stapfe ich los. Zumindest will ich losstapfen, aber es ist mehr ein Staksen und bereits nach den ersten Schritten würde ich am liebsten die doofen Schuhe von mir schleudern. Nur seine Präsenz hindert mich daran.

Mit zusammengebissenen Lippen stöckle ich weiter. Jeder Kieselstein bringt mein Gleichgewicht ins Wanken, jede kleine Unebenheit auf dem Spazierweg lässt mich taumeln. Als ich einmal beinahe kippe, fasst er mich wie selbstverständlich unter dem Arm und stützt mich.

Ich bleibe stehen, sehe ihn an und streife seine Hand von meinem Arm. »Danke.«

Er sieht zurück. »Keine Ursache. Zweihundert Meter haben wir schon geschafft. Der Rest ist ein Katzensprung.«

Ich stöhne. »Okay. Du hast gewonnen. Und jetzt?«

»Jetzt besorge ich entweder einen Wagen oder ich begleite dich den ganzen Weg zurück bis nach Valentine. Spätestens da drüben bei der Fichtengruppe werde ich dir anbieten, dich zu tragen.«

»Und dann willst du mich die ganzen restlichen Kilometer tragen?« Ich starre ihn ungläubig an. Er sieht stark aus und sicher sind die Muskeln nicht bloß Attrappe, aber mich etwas mehr als drei Kilometer durch die Nacht zu tragen, klingt nach einem ziemlich ehrgeizigen Vorhaben.

»Ich würde die Fahrt im Auto bevorzugen, aber ich richte mich nach dir.«

Da knicke ich ein. Wenn es wirklich dazu kommt, dass er mich tragen muss – und das glaube ich nach den paar Metern auf diesen Mordinstrumenten unbesehen –, bin ich verloren. Knappe drei Kilometer lang an ihn gepresst überlebe ich nicht. Nicht, ohne ein Stückchen von ihm abzubeißen.

»Okay, du hast gewonnen. Wenn du jemanden findest, der dir seinen Wagen leiht, bin ich einverstanden, mich von dir nach Hause bringen zu lassen.«

»Bin gleich wieder da.« Er zwinkert mir zu, dann verschwindet er nach drinnen. Kurze Zeit später kommt er, einen Schlüssel um seinen Zeigefinger kreisend, wieder nach draußen. »Ethan hat sich beinahe überschlagen, mir den Wagen zu leihen. Er meinte, er braucht ihn heute auch nicht mehr und hat mir dabei so seltsam zugezwinkert. Hast du eine Ahnung, was er damit sagen will?«

Ich atme tief durch, dann sehe ich ihn an. »Jayden, egal, was mein Bruder dir sagen will: Ich will nichts von dir. Ich meine, ich finde dich attraktiv und du bist ein toller Kerl, davon, wie du tanzt, will ich nicht einmal reden, aber wir sind zu weit auseinander. Du bist ein Mann, der einen Hafen sucht, ich will aufs weite Meer hinaus. Du bist sicher auf der Suche nach einer Frau, ich will das Leben genießen und nicht an einen Mann gebunden sein. Das. Hier. Wird. Nichts.«

Ich halte die Luft an. Das ist eine ziemlich klare, unverblümte Ansage und ich habe keine Ahnung, wie er das aufnehmen wird.

Doch er überrascht mich.

»Okay«, sagt er völlig gleichgültig und geht in die Richtung der Wiese, auf der all die Autos geparkt sind.

Ich laufe ihm nach, vorsichtig darauf achtend, dass ich mir den Fuß nicht verknackse. »Ich meine, du bist wirklich eine gute Partie. Das will ich damit nicht infrage stellen. Jede Frau würde sich alle zehn Finger ablecken, wenn sie dich bekommen könnte. Auch dass du Soldat warst und so, aber ich … bin einfach nicht interessiert, verstehst du. Ich … bin zu jung. Beinahe noch ein Kind. Ich kann mich nicht an einen alt… an einen Mann in deinem Alter binden, verstehst du.«

»Laut und deutlich«, sagt er, während er weitergeht. Seine Stimme klingt vergnügt. Als würde er sich amüsieren über das, was ich von mir gebe. Und da erst werde ich mir bewusst, dass meine Erklärungen so angestrengt klingen, als müsste ich mir selbst einreden, dass ich nichts von ihm will.

»Ich meine das ernst«, sage ich.

»Alles klar.«

»Ich will nichts von dir.«

»Ist angekommen. Welches ist das Auto von deinem Bruder?«

Ich sehe mich kurz um, dann deute ich auf einen schwarzen Pick-up. Jayden entsperrt ihn, dann öffnet er mir die Tür und hilft mir beim Hochklettern, was sich mit den doofen Schuhen als schwierig gestaltet.

Als er selbst einsteigt, atmet er einmal durch, dann wendet er sich mir zu. »Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, Leah. Ich bin okay. Wir haben getanzt. Mehr war da nicht. Ich mache mir keine Hoffnungen und ich habe nicht vor, im Laufe der Fahrt auf die Knie zu gehen und dich anzuflehen, meine Frau zu werden. Ich glaube nicht, dass ich jemals heiraten werde. Nicht dich und auch keine andere. Du bist safe.«

Puh! Das war eine Ansage. »Okay«, sage ich. »Dann ist ja alles geklärt.«

»Genau.« Er startet den Motor, dann lenkt er Ethans Wagen über die schmale Straße durch den Ahornwald Richtung Valentine. Keiner von uns spricht.

Aus den Augenwinkeln beobachte ich seine kräftigen Hände auf dem Lenkrad, die sehnigen Unterarme, auf denen ich trotz des spärlichen Lichts einen leichten Flaum ausmachen kann. Und ich kann mich nicht gegen das Kribbeln wehren, das sich in meiner Mitte ausbreitet …

Jayden

Ich spüre ihre Blicke, mit denen sie mich mustert. Ich spüre sie auf meinen Händen, auf meinen Unterarmen und natürlich ist es ganz unbeabsichtigt, dass ich meine Muskeln spielen lasse. Welcher Mann liebt es nicht, wenn eine Frau ihn dermaßen bewundernd ansieht?

Trotzdem habe ich nicht gelogen. Ich will nichts von ihr. Ich wäre vielleicht einer unverbindlichen Beziehung nicht abgeneigt. Ein Mann hat Bedürfnisse …

Aber egal, was Leah da von sich gibt, ich glaube nicht, dass sie wirklich davon überzeugt ist. Klar, sie ist jung, und ich bin absolut ihrer Meinung, dass sie mit zweiundzwanzig ihr Leben genießen sollte. Aber ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass es nicht das ist, was sie will. Sie will Sicherheit. Sie will das, was jetzt drei ihrer Geschwister haben. Sie will ein Nest wie Cassandra, Ethan und Jenna, Liebe, einen Menschen, der unverbrüchlich zu ihr gehört. Und dieser Mensch kann nicht ich sein. Dazu bin ich zu kaputt.

Also lasse ich sie reden, verspreche ihr, dass sie vor mir sicher ist und versuche zu ignorieren, dass es in meiner Hose immer enger wird. Damit sie nicht sieht, was mit mir passiert, lege ich meinen Arm locker auf meinem Bein ab, verdecke damit den kleinen Jayden, der freigelassen werden möchte, und richte den Rest an Konzentration, den mein blutleeres Hirn noch aufbringen kann, auf die Straße.

Nach einer Viertelstunde sehen wir endlich die ersten Häuser von Valentine, zu denen auch das der Familie Foster gehört. Erleichtert halte ich davor an, springe aus dem Wagen, wo ich endlich den kleinen Jayden zurechtrücken kann. Dann umrunde ich das Auto und öffne ihr die Tür, um ihr herauszuhelfen.

Vor mir bleibt sie stehen. Verlegen und unsicher. »Entschuldige«, sagt sie leise.

»Wofür?«

»Dass ich mich dir so an den Hals werfe. Ich … Das ist alles völlig falsch rübergekommen. Glaub mir.«

»Alles gut«, sage ich. Doch meine Stimme klingt rau.

Sie hebt den Blick. Ihre schokoladebraunen Augen klammern sich an mich mit einer unausgesprochenen Frage. Zwischen uns flirrt die Luft. Wenn sie jetzt einen Schritt auf mich zu macht, bin ich verloren. Das weiß ich genau. Ich halte den Atem an, bewege mich nicht.

Und da macht sie den Schritt. Sie legt ihre Hände auf meine Brust, fährt darauf hoch zu meinem Hals und umschlingt mich. »Küss mich«, sagt sie und dann tut sie es selbst.

Alles in mir löst sich auf und setzt sich neu wieder zusammen. Ihre Lippen schmecken so süß, dass ich plötzlich die alten Dichter verstehe, die schreiben, dass sie den Honig von den Lippen der Geliebten küssen wollen. Ich knabbere an ihnen, sauge daran, kann nicht genug kriegen von dem süchtig machenden Geschmack, wage mich mit der Zunge vor und streiche damit über ihre Lippen in der Hoffnung, dass sie den Mund öffnet und mich einlässt.

Doch in dem Moment ist sie plötzlich wieder weg. Die Stelle, an der sie mich berührt hat, fühlt sich an, als hätte man mir ein Körperteil weggerissen. Unvollständig und zerfetzt. Ich atme schwer.

Sie ebenso.

»Das hätte nicht passieren dürfen«, flüstert sie.

»Nein.« Sie hat recht. Ich wollte das nicht. Aber ich konnte mich nicht wehren. Sollte sie entscheiden, dass sie mir einen zweiten Kuss rauben will, werde ich mich auch ein zweites Mal nicht wehren können. Ich habe von ihren Lippen gekostet, ich bin süchtig danach.

»Ich habe ernst gemeint, was ich vorhin gesagt habe«, flüstert sie.

Wieso flüstert sie? Kein Mensch hört uns. Das nächste Haus ist das von Mrs. March und die ist noch auf der Hochzeit.

»Ich auch«, sage ich.

»Aber ich will dich doch.«

»Ich will dich auch.«

Wir sehen einander an und der Sog wird so übermächtig, dass wir wieder zusammenprallen wie zwei Magnete. Meine Zunge bahnt sich ihren Weg durch ihre Lippen, umspielt ihre, elektrische Wellen jagen durch meinen Körper bis direkt zu Klein-Jayden, der um Aufmerksamkeit bettelt. Als würde sie sein Jammern hören können, presst sie ihren Unterkörper an meinen und reibt sich an mir. Ein Stöhnen entweicht mir.

Das geht einen ganz falschen Weg, denkt ein kleiner Teil in meinem Hirn, doch er wird übertönt von Klein-Jaydens »Ja! Ja! Ja!«.

Und dann stöhnt auch sie und es ist um mich geschehen.

Leah

»Scheiße. Das war so nicht geplant.« Sein Flüstern klingt verzweifelt.

Ja, er hat recht. Das war nicht geplant und es hätte nicht passieren sollen. Aber … Shit! Es war so heiß!

»Es tut mir leid.« Er dreht sich auf die Seite und mir zu; die Bettdecke raschelt leise.

»Mir tut es auch leid.« Aber anders, als du denkst, füge ich in Gedanken hinzu. Ab jetzt werde ich jeden Mann mit ihm messen, jeden Sex mit diesem hier vergleichen und ich weiß jetzt schon, dass nichts jemals diesen Standard erreichen wird.

»Ich und Beziehungen … Das geht nicht zusammen«, sagt er. Wieder ist da dieser verzweifelte Unterton.

»Alles klar.« Ich ziehe meine Hand unter der Bettdecke hervor und lege sie an seine Wange.

»Ich meine das ernst. Du willst nicht mit einem Mann wie mir zusammen sein. Ich bin …« Er bricht ab, schluckt.

»Kein Problem«, sage ich. »Ich will auch keine Beziehung. Das hab ich dir doch gesagt. Lass es uns als das betrachten, was es war: eine Befriedigung unserer körperlichen Bedürfnisse, angestachelt durch diesen Tanz, den Druck, den ich aufgrund dieser blöden Wette spüre … Es war ein Ausrutscher. Wir haben uns von unseren Instinkten leiten lassen. Nichts weiter.«

»Nichts weiter«, wiederholt er. Doch er klingt nicht überzeugt.

»Es ist okay.« Meine Hand streicht über sein Haar, sein weiches, seidiges Haar, in das sich meine Finger so gut vergraben können. Das Vibrieren in meinem Unterleib beginnt wieder. Doch diesmal habe ich mich besser im Griff. »Du solltest besser gehen. Früher oder später werden meine Eltern nach Hause kommen. Und ich muss morgen früh raus. Trainieren. Du weißt schon.«

Ich trainiere für den New-York-City-Marathon. Schuld daran hat der Heart-Lake-Marathon, der jedes Jahr hier stattfindet. Die Strecke rund um den See ist ziemlich genau die Distanz, die bei einem Viertelmarathon zurückgelegt wird, also in etwa zehn Kilometer. Bei dem Heart-Lake-Marathon – bis vor ein paar Jahren hieß er Blueberry-Lake-Marathon, was mir persönlich eigentlich besser gefiel – gibt es verschiedene Kategorien, an denen man sich beteiligen kann. Der Viertelmarathon, der Halbmarathon und der richtige Marathon, bei dem man den See viermal umrundet. Alle Läufer starten gleichzeitig und während die einen nur eine Runde laufen, machen die anderen zwei oder gar vier. Ich mache jedes Jahr mit, seit ich als Teenager die Phase hatte, in der jedes Mädchen meint, es sei zu dick und müsse etwas dagegen tun. Ich habe das Laufen gewählt. Zuerst habe ich ganz schön gegen meinen inneren Schweinehund kämpfen müssen, aber irgendwann ging es ganz locker und dann gab es den Punkt, an dem ich fast süchtig wurde. Und so ist es noch heute. Wenn ich mal einen Tag nicht laufen kann, werde ich rastlos und aggressiv, eine Zumutung für meine Umgebung. Ihr habt es ja gemerkt bei der Hochzeit. Im Sommer habe ich mit ein paar Läufern von auswärts gequatscht und die haben mir von der tollen Atmosphäre beim NYC-Marathon erzählt. Jetzt ist mein Ehrgeiz geweckt.

Ein Geräusch an der Eingangstür lässt mich aus meinen Gedanken aufschrecken. »Shit! Meine Eltern! Ich hab dir ja gesagt, dass du gehen sollst!«

Er gluckst leise. »Das war vor drei Minuten.«

Unten ertönen leise Stimmen. Mom lacht. Schritte kommen näher, halten vor meiner Zimmertür an.

»Schnell! Unters Bett!«, zische ich und Jayden rollt sich vom Bett. Gerade rechtzeitig, bevor Mom zur Tür hereinschaut.

»Leah?«

»Mom? Seid ihr zurück?« Ich versuche, meine Stimme schläfrig klingen zu lassen. Mein Herz klopft, als wäre ich gerade den verdammten Marathon gelaufen.

»Ja. Wollte nur sichergehen, dass du gut heimgekommen bist.«

»Alles in Ordnung. Schlaft gut.«

»Hattest du einen schönen Abend?«

Mann! Es ist also einer dieser Momente … »Ja. War nett. Aber jetzt reicht es mit diesen Hochzeiten, oder?«

Sie kichert. »Es sieht nicht so aus. Jenna und Jamie sind vorhin mit Ringen aus dem Garten zurückgekommen. Sieht so aus, als stünde da auch eine Feier an. Und …«

»Mom! Es ist nach Mitternacht!«, unterbreche ich sie.

»Du hast recht. Nur noch eins, das wirst du wissen wollen: Savannah hat das Baby bekommen. Etwas zu früh, aber es ist alles in Ordnung. Es ist ein Mädchen. Claire.«

»Gratuliere«, sage ich und meine es ernst, doch gleichzeitig wappne ich mich gegen das, was jetzt unweigerlich kommen wird.

Und da kommt es auch schon. »Iris ist Großmutter. Kaum zu glauben. Ich werde das wohl nie erleben.«

»Mom!«

»Savannah ist nicht so viel älter als du …«

»Savannah ist achtundzwanzig, Mom!«

»Eben. Nicht einmal sechs Jahre älter.«

»Warum fragst du nicht Cassandra, wann es bei ihr so weit ist? Sie ist siebenundzwanzig.«

»Cassandra muss erst mal ihr eigenes Leben auf die Reihe bekommen, bevor sie Kinder bekommt.«

---ENDE DER LESEPROBE---