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Schon als Kind fasziniert von den Erzaehlungen ihrer Großmutter, schreibt die Autorin das spannende Leben dieser Frau nieder. Sie erzaehlt von den vielen Schicksalsschlaegen: Die Vertreibung aus ihrer geliebten Heimat RUMA Die Flucht im offenen Viehwaggon mit drei kleinen Kindern Die Zusammenkunft mit ihrem Mann Ueber die damaligen Kriegsverhaeltnisse Den Aufbau einer neuen Existenz in Oesterreich All diese Ereignisse machten diese Frau stark. Diese Staerke der Großmutter versucht die Autorin ihren Buben auf deren Lebensweg mitzugeben, mit den Worten: "Mit einem starken Glauben kann man vieles schaffen!"
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Eine wahre Geschichte:
In dieser Geschichte geht es um das Leben einer Frau, die 1921 in Ruma zur Welt kam. Das Städtchen Ruma, etwa dreißig Kilometer südlich des heutigen Novisad gelegen, dass damals noch Neustadt hieß, gehörte zu Syrmien, einem Landstrich im Norden des späteren Jugoslawien.
In Ruma verbrachte diese Frau auch ihre Kindheit. Es war eine Zeit, die vom Drang nach großer Selbständigkeit, aber auch von ständig wachsenden Konflikten zwischen den verschiedenen Volksgruppen geprägt war. 1938 heiratete sie und bewirtschaftete hierauf gemeinsam mit ihrem Mann einen fünfundzwanzig Joch großen Bauernhof. Bald darauf brach der Krieg aus. Ihr Mann wurde zum Militär eingezogen. Trotz der vielen Schicksalsschläge, die im Gefolge dieser Einberufung und aller anderen zeitbedingten Ereignisse auf sie zukamen, ging die Arbeit auf ihrem Hof weiter.
Diese Frau zeigte eine Stärke, die niemand von ihr erwarten konnte. Aufgrund ihrer deutschen Abstammung wurde sie 1944 mitsamt ihrer Familie aus Ruma vertrieben. Es begann eine abenteuerliche Flucht, die sie mit ihren drei Kindern im offenen Viehwaggon erst Richtung Norden und dann nach Österreich führte. Trotz schwierigster Bedingungen gelang es etwas später auch ihrem Mann zu flüchten, und so trafen sie sich in Oberösterreich wieder, wo sie es trotz aller Schwierigkeiten verstanden, sich eine neue Existenz zu schaffen.
Für meine beiden Söhne
Alexander und Andreas
Vorwort
Der Anfang
Die Frau in Schwarz
Kindheit – Jugendzeit
Hochzeit
Julchens Leben als Ehefrau
Der erste Schicksalsschlag
Der zweite Schicksalsschlag
Der Zweite Weltkrieg bricht aus
Der dritte Schicksalsschlag
Der Krieg vor Ort
Die Flucht
Die Reise ins Ungewisse
Der Fluchtweg
Die neue Heimat
Die Flucht der Männer
Das Zusammentreffen
Ein guter Freund
Die Nabeloperation
Die Frage der Auswanderung
Arbeit
Ein kleines Fest zwischendurch
Verlust der Arbeit
Zusätzlicher Luxus: Ein Haus aus Ziegeln
Glück im Unglück
Nachwort:
Danksagungen
Ich danke meiner Oma für die vielen schönen Stunden, die wir bei den Gesprächen über die Inhalte dieses Buches zusammen verbrachten.
Meinem „Lektor“ Dir. Mag. Heisler Hermann, der mir bei der Verlagssuche behilflich war und mein Manuskript überarbeitete.
Meiner Freundin Christa Führer, die mich motiviert hat, meine Aufzeichnungen zu veröffentlichen.
Meinen Eltern, Josef und Maria Stadler, weil sie mir das Leben geschenkt haben.
Danke.
Lieber Alexander, Lieber Andreas!
Ich möchte euch einiges vom Leben eurer Urgroßmutter erzählen.
Zum einen, weil ich sie in ihrer ganzen Persönlichkeit für mich als Vorbild sehe und ihr somit auch von meiner Einstellung zum Leben einiges erfahren könnt.
Zum zweiten, weil es für euch sicherlich interessant ist, etwas über eure Vorfahren und deren Bräuche zu erfahren. So könnt ihr vielleicht die Ursache für die eine oder andere Handlungsweise oder Einstellung, die ihr bei euch selbst entdeckt, erkennen. Warum ihr so und nicht anders reagiert auf die Dinge, die euch im Leben begegnen.
Eure Urgroßmutter hat viel erlebt und durchgemacht.
Sie hat Schicksalsschläge erlitten, die ihr hoffentlich nie erleiden müsst.
Sie hat in oft ausweglos erscheinenden Situationen Ruhe bewahrt und nicht aufgegeben.
Sie hat enormen Kampfgeist entwickelt.
Sie hat die Hoffnung, ihre Ziele zu verwirklichen, nie beiseitegelegt.
Mit ihrem starken Glauben wurde für sie scheinbar Unerreichbares erreichbar.
Sie hat in jeder Lage, in allem, was sie erlebt hat, das Positive gesehen und somit auch aus den unzähligen negativen Ereignissen ihres Lebens ihre positiven Erfahrungen gezogen.
Sie ist/war eine bemerkenswerte Frau.
Lieber Alexander, lieber Andreas, ich hoffe, euch mit nachfolgenden Zeilen einiges für euren Lebensweg mitzugeben!
Das wünscht sich für euch, eure Mama.
Ruma, 7. Oktober 1921: Ein kleines Wesen von rund dreitausend Gramm bemüht sich, trotz schwierigster Bedingungen auf diese Erde zu gelangen. Es kostet ihm viel Mühe und Kraft, endlich den ersten Lichtstrahl zu erhaschen. Gott sei Dank wusste dieses Mädchen noch nicht, was alles in seinem Leben geschehen würde. Vielleicht hätte es sonst sein Vorhaben, um alles in der Welt das Licht des Lebens zu erblicken, noch geändert. Doch es war gleich von der ersten Wehe seiner Mutter an mutig und hielt Ausschau nach seinem Erdendasein, in das es in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg hineingeboren wurde. Sein Leben sollte nicht einfach werden.
Mit seinem kleinen, von den Spuren der Geburt noch etwas verunstalteten Körper blickte es mit großen, dunklen Augen zuerst in das hochrote Antlitz seiner Mutter und begann, als ob es sofort zeigen wollte, dass es in Hinkunft ein ganz wichtiger Mittelpunkt in deren Leben sein werde, kräftig zu schreien. Die Mutter legte sich das Kind an die Brust, so dass sich beide, Mutter und Kind, durch diese große Nähe, diese innige Geborgenheit miteinander verbunden fühlten, als ob sie sich schon immer gekannt hätten. Die Mutter legte ihre Arme sanft um das kleine Wesen und sprach erstmals mit ihm. Es waren die Stimme, der Geruch, ja selbst die Stille im Raum, die sie einander ganz nahebrachten.
Draußen herrschte ein reges Treiben, nur innerhalb der vier Wände breitete sich diese Ruhe der besonderen Art aus. Prägte schon dieser erste Moment das gesamte Leben dieser Frau aus Ruma? Rundherum ein lautes Treiben, eine Unruhe, eine Rastlosigkeit, und in diesen beiden Menschen Ruhe, Liebe, Zuversicht?
Das Mädchen war in eine von enormen Tatendrang der Menschen gekennzeichnete Zeit hineingeboren worden. Der erste Weltkrieg war noch nicht allzu lange vorüber. Die Soldaten kehrten zu ihren Familien zurück. Es wurden viele Ehen geschlossen, und in der Folge kamen viele Kinder zur Welt. Schon jeder Halbwüchsige versuchte damals, sich ein eigenes Heim zu schaffen oder nach den schrecklichen Wirren des Krieges seinen ererbten Besitz wieder in Schuss zu bringen. Allenthalben verspürte man den Aufbruch, ein neues, vor dem Krieg nicht gekanntes Arbeiten war angesagt. Es war so, als wollten die Menschen all das, was sie durch die Katastrophe des Krieges verloren hatten, in möglichst kurzer Zeit wiederaufbauen. Ja, noch mehr. Es sollte alles besser, feiner, ergiebiger werden für die Bewohner von Ruma.
In diese arbeitsame Gesellschaft des kleinen Städtchens wurde also dieses kleine Geschöpf, meine Großmutter, hineingeboren. Doch standen die Sterne gut für unseren Neuankömmling? Das wird unsere Geschichte noch zeigen.
Das kleine Kind, das so ganz auf die Hilfe anderer angewiesen in seinem Korb lag, gebadet und frisch gewickelt, in einem Raum, den man gut durchgelüftet hatte, wurde von seiner Mutter über alles geliebt, obwohl es kein Kind war, das aus Liebe gezeugt worden war. Die Voraussetzungen für dieses neue Leben waren nicht die besten gewesen. Die Mutter dieses Babys war eine verbitterte Frau. Gegen ihren eigenen Willen, nur auf Anraten oder eher auf die Anordnung ihrer Eltern hin hatte sie den Mann ihrer verstorbenen Schwester geheiratet. Selbst schon beinahe in festen Händen, war sie trotz innerer Ablehnung, traurig und fast verzweifelt, wie es halt im Ruma der Zwanzigerjahre so üblich war, voll Gehorsam der elterlichen Anordnung, den Witwer zu heiraten, nachgekommen.
Ihre ältere Schwester war fünfundzwanzigjährig gestorben und hatte zwei Söhne, den zweijährigen Georg und den fünfjährigen Josef, hinterlassen. Beide sollten so schnell wie möglich eine Stiefmutter bekommen. Es war in Ruma Brauch, dass eine Schwester der Verstorbenen dieser als Ehefrau nachfolgte und somit die Rolle der Mutter für die beiden Buben zu übernehmen hatte. Von den vier Schwestern, die die Verstorbene hatte, war sie gerade im heiratsfähigen Alter. Somit stand sie als Braut für den jungen Witwer und Stiefmutter der beiden Buben fest.
Nach zwei Jahren Ehe, die von wenig Liebe, dafür aber von viel Selbstüberwindung und einer damit einhergehenden großen Traurigkeit geprägt waren, hatte sich die Geburt ihres Töchterchens am 7. Oktober 1921 angekündigt, nachdem das erste Kind, das sie empfangen hatte, ein Knabe, schon nach wenigen Tagen gestorben war. Sie nannte ihr Mädchen Juliane. Sie liebte ihr Kind über alles, denn die Erfüllung, die sie in ihrer Ehe nicht finden konnte, suchte und fand sie jetzt in diesem jungen Lebewesen, in ihrer Tochter.
Ihr müsst wissen, dass diese kleine Juliane dann die Mutter meiner Mutter wurde, also eure Uroma.
Juliane war ein sehr aufgewecktes, wissbegieriges Mädchen. Mit ihren blitzblauen Augen, den dunklen Wimpern und dem unschuldigen Blick war dieses adrette, gepflegte kleine Persönchen sehr bald überall beliebt. Ihre lang gewachsenen Haare trug sie meist zu Zöpfen geflochten. Juliane war ihr Name, doch zumeist rief man sie Julchen. Ich finde, dieser Name passte sehr gut zu ihr.
Auch Julchen liebte ihre Mutter über alles. Nur eines bereitete ihr dabei immer wieder Kopfzerbrechen: Sie fragte sich, warum sie ihre Mutter nur in Schwarz sah. Andere Mütter, überlegte sie, tragen farbenfrohe Kleider, die sie frisch und freundlich erscheinen lassen. Nur ihre Mutter sollte in dieser düsteren Farbe umhergehen und nichts von ihrer Freude und Fröhlichkeit, an die Julchen natürlich glaubte, weitergeben können? Und eines Tages, als Julchen acht Jahre alt war, gab sie sich einen Ruck und sprach mit ihrer Mutter über diese quälenden Gedanken. Da erzählte die Mutter dem Mädchen ihre Geschichte.
„Die Trauer darüber, nicht den Mann, den ich wirklich geliebt habe, heiraten zu dürfen, wird mich mein Leben lang begleiten. Sie ist der Grund für mich, mich immer Schwarz zu kleiden. Kind, ich muss Buße tun, deshalb trage ich schwarz!“
Diese Worte schleppte Julchen lange in ihrem Gedächtnis mit, verstanden hat sie sie erst viel später, in der Zeit, als sie selber in das heiratsfähige Alter gekommen war. Denn ihre Mutter meinte immer zu ihr: „Heirate du, wen immer du auch liebst! Ich werde dich nie beeinflussen!“
Julchens Vater bewirtschaftete einen Bauernhof mit zwei Kühen, drei Rössern, sechs bis sieben Schweinen, Hühnern, Enten und Gänsen. Ihre Halbbrüder halfen, als sie zwölf, dreizehn Jahre alt waren, schon fleißig mit. Jeder war stolz, nach der sechs Jahre dauernden Schulzeit auch auf dem Feld seinen „Mann“ zu stellen. Der Arbeitswille dieser jungen Leute war enorm. Diese Strebsamkeit, dieser Fleiß und natürlich auch ihre Bräuche waren die Ursachen für den starken Zusammenhalt dieser Volksgruppe in Ruma. Denn es war nicht immer leicht, sich den anderen gegenüber durchzusetzen. Einerseits wohnten nämlich in der kleinen Stadt Ruma slawische Einwanderer, die ab 1750 den damals noch kleinen Ort aufgebaut hatten. Sie gehören zumeist dem Bauernstand an. Die zweite eingewanderte Volksgruppe, geborene Franken, also Menschen deutschen Ursprungs, erkannte man an ihrer Genügsamkeit und Sparsamkeit. Die serbischkroatischen Volksgruppe hatte eine ganz andere Mentalität, was sich im Alltagsleben immer wieder abzeichnete. Sie waren zwar die Minderheit in Ruma, Kroaten waren es jedoch, die dieses Gebiet regierten. So kam es immer wieder zu Konflikten.
An oberster Stelle der Uneinigkeiten stand der Wunsch der Kroaten, die deutsche Sprache ihrer Mitbürger abzuschaffen. Die Deutschen hielten aber an ihrer Sprache, ihrer Religion und ihren Bräuchen fest. Verlieren wir unsere Sprache, unsere Traditionen, so sind wir verloren, dachten die meisten. Und es sollte die Mehrheit entscheiden, über die auch die Kroaten nicht so einfach hinwegkonnten. Die Deutschen konnten ihre Bräuche und – das war für sie das Wichtigste – den Gebrauch der deutschen Sprache beibehalten.
So ging Julchen selbstverständlich in eine deutsche Schule, in der freilich neben anderen Fächern auch das Unterrichtsfach Kroatisch gelehrt wurde. Deutsche Lehrer unterrichteten die Kinder. Schon durch ihr Vorbild leiteten sie die Schüler an, auf ihre deutsche Herkunft stolz zu sein. Zusätzlich hatte man in Ruma Singschulen eingerichtet, um dort deutsche Lieder für spezielle Angelegenheiten und Feste zu erlernen. Auch regelmäßige Tanzveranstaltungen und die einheitliche Tracht zeigten die Zusammengehörigkeit der deutschen Volksgruppe. Die meisten Bürger deutschen Ursprungs gehörten der katholischen Glaubensgemeinschaft an. Daher war auch eine eigene Kirche errichtet worden, welche heute noch in Ehren gehalten wird.
Julchen wuchs also in Ruma heran, lernte Deutsch als ihre Muttersprache, traf sich regelmäßig zum Erlernen hauswirtschaftlicher Fähigkeiten mit verschiedenen anderen Familien und besuchte die Singschule. Wenn sie nach dem Samstagskino heimwärts zog, hörte man ihre helle Stimme auch in den Gassen des Städtchens. In der Sonntagsmesse konnte man Julchen in einer der vordersten Reihen sitzen sehen.
Quelle: Wilhelm,F., Rumaer Dokumentation 1745-1945, Band II S. 141
Am Sonntagabend schwang sie in der typischen Tracht von Ruma schon in sehr jungen Jahren ihr Tanzbein. Sie richtete sich nach dem Alltag, der in Ruma alle jungen Leute prägte.
Julchen konnte sich glücklich schätzen, eine solche Kindheit, eine solche Jugendzeit zu durchleben. Dann kam es, wie es kommen musste: Sie lernte mit vierzehn Jahren ihren späteren Mann, Josef mit Namen, der ebenfalls aus Ruma stammte, kennen und lieben. Zwei Jahre später wurde Hochzeit gefeiert.
Am 17. Jänner 1938, um elf Uhr Ortszeit stand ein sechzehnjähriges, zartes Geschöpft, dass durch die reinweiße Tracht, die ihre Figur nicht betonte, gar nicht so zart aussah, wie sie eigentlich war, in der katholischen Kirche von Ruma.
Der plissierte Rock und die mit Puffärmeln besetzte Bluse vermochten, wenn es notwendig war, zwar überschüssige Pfunde gut zu kaschieren, aber sie gaben einer Frau, die von Natur aus schlank war, keine gute Figur. Doch darauf kam es nicht an. Am wichtigsten war für die Menschen in Ruma, dass ihre Tracht praktisch war. Der Bund des Rockes war durch seine Weite veränderbar: Sowohl im „Normalzustand“ als auch als „Schwangere“ würden die Frau aus Ruma diesen Rock ein Leben lang tragen können.
In weißen, flachen Schuhen, um den Bräutigam ja nicht zu überragen, stand also Julchen vor dem mit Blumen geschmückten Traualtar. Ihre dunkle Haarpracht war von einem weißen Kopftuch bedeckt.
Draußen vor der Kirche herrschten Temperaturen unter null Grad Celsius. Der heftige Wind ließ es noch kälter erscheinen. Unverkennbar gab sich der kälteste Monat im Jahr. Schnee wirbelte durch die Luft. Alles schien in Bewegung. Alles würde heute anders werden. Eine Schneedecke würde die Landschaft verhüllt haben, wenn die Menschen die Kirche verlassen. Ein neuer Abschnitt im Ablauf des Jahres kündigte sich an.
Und diese Veränderung vor der Kirche machte an der Kirchentür nicht halt. Trotz Prunk und Orgelmusik, trotz der Freude über diesen schönsten Tag in ihrem Leben, wie es die Leute von Ruma verkündeten, durchpflügten so manche gar nicht zur Hochzeit passende Gedanken Julchens Kopf. Ihre blauen Augen starrten fragend zur Decke. Sie wurde an so vieles erinnert und wusste dennoch nicht, was es eigentlich war, was sie bedrückte. Freilich war es ein großer Schritt, den sie da wagte in ihrem zarten Alter. Auch ihr Bräutigam war ja nur zwei Jahre älter als sie. Es kribbelte in ihrem Inneren. Es kribbelte nicht deshalb, weil sie unsicher war, ob, der, dem sie das Jawort gab, der Richtige war. Der Grund Ihres Unbehagens war, weil sie an die Zukunft denken musste. Drehte man das Radio auf, hörte man von Unruhen, von Unruhen überall. Kriegerische Gedanken verbreiteten sich über die ganze Welt! Ging man nur auf die Straße, überfiel einen, obwohl der Alltag in Ruma wie immer war, eine innere Unruhe, ja eine unerklärlich erscheinende Angst. Ein unbeschreibliches Gefühl überkam zu dieser Zeit die Menschen. Auch in Ruma. Die Gedanken der jungen Braut, die eigentlich voll hätten sein sollen von der übergroßen Freude des Hochzeitstages, drehten sich daher in diesen Minuten, in denen die Orgel mit all ihren Registern lauten Jubel zu verkündigen versuchte, um ganz andere Dinge:
