Elisabeth - Peter M. Richter - E-Book

Elisabeth E-Book

Peter M. Richter

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Beschreibung

Lebensweg und Wortmeldungen einer Kämpferin für Frieden und Freiheit

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 75

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1

Kapitel 2

Wortmeldungen

Zum Schmunzeln

Meine Gedanken über Väter!

Was mir noch so einfiel :

Elisabeth als Poetin

Bleibt noch zu erwähnen:

Anmerkungen:

Vorwort

Wer Elisabeth (Betty) Monsig begegnet, dem fällt sofort ihr wacher Verstand und soziales Gefühl auf. Sie ist voller Lebenserfahrung und Humor. Sie mischt sich ein. Sie kämpft für den Frieden und soziale Gerechtigkeit, gegen Krieg und Armut. Betty kennt sich aus im Klassenkampf. Sie engagierte sich für die Deutsche Demokratische Republik. Sie war ihre Heimat. Nach der friedlichen Konterrevolution kämpfte Betty weiter.

Sie verfaßte Texte und fertigte Zeichnungen an, die sie in Verkaufsstellen, Wartezimmern verteilte und mit denen sie ihren kleinen Opel schmückte.

Ihr Zeichen ist die Friedenstaube. Mit ihr, den eigens dazu verfaßten Texten und Zeichnungen, zog sie von Montagsdemo zu Montagsdemo, von Kundgebung zu Kundgebung, von Versammlung zu Versammlung.

Sie hat viel erlebt. Sie hat viel zu erzählen. Geben wir ihr einfach das Wort!

Wolfgang Herrmann, Dreesch

Elisabeth Monsig 1. Mai 2012

Kapitel 1

Geboren bin ich am 1. Januar 1924 mitten in Köln und war das vierte Kind meiner Eltern. Nach drei Jungs kam ein Mädel und dreieinhalb Jahre später folgte noch meine Schwester. Also waren wir dann fünf Kinder.

In der Zeit, als ich geboren wurde, war der Vater in Arbeit. Als ich vier Jahre alt war, wurde Vater schon arbeitslos und das war er vier Jahre lang.

Eingeschult wurde ich 1930 in Köln in der Weberstraße, das war eine freie Schule. In diese Schule waren auch meine Brüder schon gegangen. Meine Eltern waren damals schon Mitglieder der Kommunistischen Partei und hatten Wert darauf gelegt, daß wir in die freie Schule gingen.

In Köln Holzmarkt wohnte ein Genosse, dessen Tochter hieß auch Lisa, wie ich damals genannt wurde und mein Vater sorgte dafür, daß wir zusammen auf eine Bank kamen. Die freie Schule war dann doch nicht ganz so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Also sie war konfessionslos, weder jüdisch noch evangelisch. Einmal habe ich mich mit meiner Nachbarin ganz leise unterhalten, da mußten wir vorkommen, die Hände vorzeigen und wir kriegten mit dem Stock was auf die Hände. Also ich meine, so war das mit der freien Schule.

Wir sind dann 1934, schon unter Hitler, von der Mittelstadt an den Stadtrand gezogen. Da mußte ich zwanzig Minuten bis zur Schule laufen. Wir wohnten vor der Südbrücke. Hätten wir dahinter gewohnt, hätte ich freie Fahrt mit der Straßenbahn gehabt. Mein Vater hatte mir den Schulweg genau erklärt: „Du mußt immer auf dieses Haus achten, das ist links und dort ist die Stollwerk-Schokoladenfabrik.“

Da durfte ich am Kellerloch mal riechen wie Schokolade riecht. Das roch wunderbar! Da war aber auch ein Obdachlosenasyl, da sollte ich immer einen Bogen drum machen.

Da war ein größeres Mädel, die hat mich an die Hand genommen und hat mich einfach in Köln in die Mainzer Straße in die katholische Volksschule gebracht. Also wußten meine Eltern noch garnichts davon, ich auch nicht. Wir sind einfach dahin und fertig. Da war es aber so streng, die hatten sogar einen getrennten Schulhof, vorn die Mädchen, hinten die Jungs. So waren auch die Klassen getrennt. Und in unserer Mädchenklasse war das Fräulein Buck, eine . . . also schon das Aussehen von ihr war schon so‘n Buck. Die hatte glattgekämmtes Haar mit Mittelscheitel und war ein Nazi bis ins Mark. Sie hatte uns dann schon vorgestellt, das erste Mädel der Klasse, daß schon in diesem Naziverein und in Uniform war, durfte sich selbst vorstellen. Dann wurde jeden Morgen das Buch aufgeschlagen - „wer war heute in der Kirche?“ - der kriegte dann einen guten Punkt. „Wer hat im Religionsunterricht gut aufgepaßt?“ der kriegte auch einen Punkt. Ich hatte keine Punkte, ich war ja in keiner Kirche, ich paßte sowieso nicht. Und die mit den meisten Punkten kamen dann in die oberste Reihe in der Klasse. Ich saß in der dritten Reihe, also war ich ja nicht die ganz Schlechte. Aber neben uns saßen auch verlauste. Na ja, wir waren aus der Arbeiterecke. Wir haben in einem kinderreichen Viertel gewohnt. Das war ein Barackenviertel, so im Quadrat und innen waren Gärten. Aber für mich war das schön.

Vorher hatten wir in der Mittelstadt im dritten Stock gewohnt, mit Trockenabort unten. Das war furchtbar. Der Besitzer war Goldschmied und wenn wir vor der Haustür auf den Stufen saßen, hat der einen Eimer Wasser runter gekippt. Da war kein Spielplatz. Da war kein garnichts. Aber dann als wir da draußen bei den Kinderreichen wohnten, haben wir uns alle auch gut vertragen und das war schon in Ordnung.

Vater war Tischler, aber schon lange arbeitslos. Ich weiß noch, er hatte im Flur so einen kleinen Eckschrank für die Schuhe gebaut und darunter waren Waffen versteckt. Er war im Rot Front Kämpferbund. Und einmal hat er mich mit einem Schuhkarton und einer Waffe auf Tour geschickt, aber das habe ich nicht gewußt, was da drin war. Dann hat er gesagt:

„Du gehst jetzt zu deiner Schulfreundin da und da hin, guckst aber erst, ob der Vater da ist, dem gibst du den Karton. Ist jemand anderes da, sagst du nur, daß du nach den Schularbeiten fragen willst und kommst wieder zurück.“

Ich hatte Glück, der Vater war da und ich konnte abgeben, was ich abzugeben hatte. Aber der Rot Front Kämpferbund war schon im Visier der Gestapo.

Meine Mutter war schwanger, war aber in Behandlung wegen der Lunge. Sie war lungenkrank, aber es war abgekapselt gewesen. Sie war deswegen in der Lungenheilstätte in Hehn gewesen, das ist 50 km von Köln entfernt. Da hat Vater uns versorgt, aber er war kein Koch. Er konnte sonst alles, bloß kochen konnte er nicht. Er konnte stricken, Möbel herstellen und Haare schneiden, aber kochen hat eben nicht geklappt. Er fuhr mit dem Fahrrad jeden Sonntag die fünfzig Kilometer zu meiner Mutter. In einem Persilkarton brachte er von dort liegengebliebene Schnittchen und Brötchen und was weiß ich noch alles mit, holte uns aus den Betten und dann haben wir erst einmal gefuttert. Ja, dann hat der Arzt meiner Mutter verboten, daß sie die Sachen sammelt, sonst würde sie entlassen. Später wurde mein Vater verhaftet. Er war in Untersuchungshaft. Ich kann heute nicht mehr sagen, was da genau war und warum. Es hing irgendwie mit den Waffen zusammen und irgendein Mantel soll eine Rolle gespielt haben.

Jedenfalls war er weg. Mutter im Krankenhaus und Vater im Gefängnis. Wir waren ja nun fünf Kinder, der Größte war gerade vierzehn, na ja, ich war neun, meine Schwester war dreieinhalb Jahre jünger. Da haben uns die Genossen aufgeteilt. Ich kam zu einer Familie Dunkel in der Merowinger Straße, die hatten selbst zwei Kinder. Eine Familie Rüttgers, die einen Sohn hatten, hat meine kleine Schwester und die beiden jüngeren Brüder genommen. Der Älteste durfte zu Hause schlafen.

Und das eine Mal hieß es, wir treffen uns mit den Jungs bei den Kleinen und gehen zusammen die Mutter besuchen. Ich habe noch einen Groschen von meiner Pflegemutter bekommen, um Eis zu kaufen. Aber keiner war gekommen und so habe ich mich allein auf die Tour gemacht. Das war ein ganz schön langer Weg durch die Stadt, um dann im Stadtteil Lindental die Universitätsklinik zu finden. Den Groschen in meiner Hand für das Eis habe ich die ganze Zeit aufgehoben. Den Groschen habe ich dann für Veilchen ausgegeben. Meine Mutter war mit noch anderen Frauen dort im Garten, sie haben alle geweint vor Rührung. Na ja, die wußten ja das ganze Thema: Vater eingesperrt, Kinder alle verteilt. Aber meine Mutter hatte irgendwie Befürchtung, daß die Gestapo irgendetwas bei uns finden könnte. Sie wurde nämlich im Krankenhaus aufgesucht und wurde gefragt, wann sie entlassen wird. Sie hat aber einen Tag später gesagt, als sie in Wirklichkeit raus konnte. Der Vater war noch im Gefängnis. Aber die Genossen hatten die Wohnung gesäubert und den Mantel, der irgendwie verdächtig war, entsorgt. Einer von der Gestapo hat sich noch einen Mantel von meinem Bruder genommen, aber der war meinem Vater viel zu klein. Die waren böse, sind dann raus und da hat einer gesagt: „Hat sie uns doch wieder geleimt.“