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Der Autor erzählt bizarre und amüsante Episoden seines Lebens in Rückschauen, dabei werden die Ereignisse immer wieder durchkreuzt von der Geschichte einer Haustreppe und der tragischen Krankheitsentwicklung seiner jüngsten Tochter. Bizarre Science fiction Elemente, autobiografische Episoden und die tragische Geschichte eines familiären Verlustes sorgen für eine bunte Mischung aus Komik, Tragik und Skurilität....Der Autor bringt den Leser in einem raschem Wechsel der Gefühle. Witzig, schräg und traurig ist der Debütroman von A.A Hoffmann.
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Seitenzahl: 199
Veröffentlichungsjahr: 2020
Die Treppe (Teil 1)
Die Treppe (Teil 2)
Die Treppe (Teil 3)
Die Treppe (Teil 4)
Die Treppe (Teil 5)
Die Treppe (Teil 6)
Die Treppe (Teil 7)
Die Treppe (Teil 8)
Die Treppe (Teil 9)
Die Treppe (Teil 10)
Die Treppe (Teil 11)
Die Treppe (Teil 12)
Die Treppe (Teil 13)
Die Treppe (Teil 14)
Die Treppe (Teil 15)
Die Treppe (Teil 16)
Die Treppe (Teil 17)
Die Treppe (Teil 18)
Die Treppe (Teil 19)
Die Treppe (Teil 20)
Die Treppe (Teil 21)
Die Treppe (Teil 22)
Die Treppe (Teil 23)
Die Treppe (Teil 24)
Die Treppe (Teil 25) - Der letzte Schnee
Die Treppe (Teil 26) - Der 28.1.2015
Die Treppe (Teil 27)
Die Treppe (Teil 28)
Die Treppe (Teil 29)
Die Treppe (Teil 30)
Die Treppe (Teil 31)
Die Treppe (Teil 32)
Die Treppe (Teil 33)
Die Treppe (Teil 34)
Die Treppe (Teil 35)
Die Treppe (Teil 36)
Die Treppe (Teil 37)
Die Treppe (Teil 38)
Die Treppe (Teil 39)
Die Treppe (Teil 40)
Die Treppe (Teil 41)
Die Treppe (Teil 42)
Die Treppe (Teil 43)
Die Treppe (Teil 44)
Die Treppe (Teil 45)
Ich bin kein Revolverheld, mein Name ist nicht Clint Eastwood und ich bin unbewaffnet. Die Grundvoraussetzung, dass ich als Held aus der Geschichte hervorgehe, ist sehr gering, aber ich gebe mein Bestes. Und wie das mit Geschichten so ist, fällt mir der Anfang nicht schwer. Sie dann weiter zu führen, bis zum Ziel und den Faden nicht zu verlieren, liegt oft gar nicht in meiner Hand. Über Seite zwei bin ich nie hinausgekommen. Trallalala, sehen wir es mal optimistisch, fang an und hör nicht auf. Kacken wir doch alle zusammen auf die Pessimisten. Und dann singen wir alle zusammen „I can see clearly now" von Johnny Nash. Denn eins ist völlig klar: Wenn hier einer das Recht hat, optimistisch zu sein, dann bin ich das. Dafür ist einfach zu viel passiert. Man muss Gefühle in Gedanken umwandeln und diese dann zu Worten formen. So hat sich ein Ereignis in meine Erinnerung gebrannt wie nie zuvor. Ich möchte es jetzt nur kurz anschneiden, werde aber wohl immer wieder darauf zurückkommen. Und am Schluss werden wir sehen, wieso ich mir das Recht herausnehme, optimistisch zu sein.
Es geht um eine Holztreppe, die ich in mühsamer Arbeit restauriert habe.
Aber stellen wir die Treppe wieder hinten an die Schlange und behandeln erst die anderen Patienten.
Wo finde ich meine Füße?
Normal reicht ein Blick nach unten.
Die Form ist klar definiert... Griechisch...
Wobei, wenn man nach unten schaut, sieht man nur Socken oder Schuhe, eher selten Füße.
Socken und Schuhe werden überbewertet. Wozu die ganze Fußpflege, wenn wir die Füße dann wieder einpacken? Vielleicht, weil es sich ohne Hornhaut schlecht läuft? Nun ja, Logik bleibt für gute Optik oft auf der Strecke. Also runter mit der praktischen Schicht.
Ich bin immer sehr gerne barfuß gelaufen, nicht nur drinnen. Gerade draußen spürt man doch die Freiheit der Füße. Man fühlt, dass die Füße fühlen, was du nur siehst.
Wie gesagt, die zwei da unten waren optisch optimal aufeinander abgestimmt. Eher schmal, die Mittelfußknochen waren gut zu erkennen. Es ist sehr wichtig, Dinge an sich selbst gut zu finden. Am besten natürlich alles. Über dreißig Jahre hatte nie einer etwas an meinen Füßen auszusetzen. Dann lernte ich meine zukünftige Frau kennen, die mir sehr schnell zu verstehen gab: „Deine Füße sehen zu abgenutzt aus. Zu viel Horn.“ Sie hat es sicherheitshalber jeden Tag wiederholt.
Doch Horn schützt vor spitzen Steinen, es lässt deinen Gang auch auf Glassplittern elegant erscheinen. Das, was du fühlst, soll dich ja nicht in die Knie zwingen, es soll dich stark und selbstbewusst machen! Sag ich. Aber die kann mir ja viel erzählen, denk ich mir. Ich finde sie super, die Füße............... Oder?
Die Jahre verstrichen. Die Frau von der Fußpflege, beauftragt, von wem auch immer, kam ständig zu mir. Das Thema Füße blieb stets aktuell und so kam in mir dann doch ein Zweifel hoch, der sich wie ein Wurm in meine Gehirnzellen einnistete. Und sein Appetit war nicht zu zügeln. Er bevorzugte meine Selbstachtung und schied sie als Scheiße wieder aus. Haben mir meine Freunde und sogar die flüchtige Verwandtschaft etwas verschwiegen? Was war mit den Beziehungen, die ich vorher hatte? Sind sie deswegen schon nach wenigen Monaten zerbrochen? Ich kann mir nur an den Kopf fassen, war ich so blind? Meine Füße, die ich über alles liebte, haben mich verraten. Man erlöse mich von meinen Füßen. Ich säge sie ab, ich hacke sie ab, dreh sie auf links. Ich will sie nicht mehr sehen. Lass‘ uns Socken kaufen in den buntesten Farben! Lass uns Schuhe kaufen, egal wie viele, egal wie teuer! Modern müssen sie sein, und gefallen sollen sie nur dir, mein Geschmack, egal. Zeig mir deine Welt der Schuhe, meine Welt schmeiß ich über Bord, Tschüssi. Für meine Fußpflegerin lauf ich auf Händen, bis zum Horizont. Und da schau‘, meine ausgestopften Füße stehen auf dem Speicher, bei meiner Plattensammlung. Alles, was ich mal war, hab‘ ich in Kisten gepackt und eingemottet. Spinnen spinnen meine Welt ein und verhungern an ihrer Einsamkeit. Das Licht blättert von den Wänden.
Kleines Gedankenspiel
Die Sonne schweißt sich in mein Gesicht.
Mit zusammengekniffenen Augen fixiere ich mein Ziel.
Das Ziel liegt irgendwo hinter dem Horizont.
Ich mache kleine Schritte, die immer größer werden.
Hätte ich Flügel, würde ich jetzt abheben.
Zu meinem Erstaunen, egal wie schnell ich auch laufe, komme ich dem Horizont nicht näher.
So ist das mit dem Horizont.
Physikalisch völlig logisch.
Doch was interessiert mich die Physik, auch sie werde ich noch überwinden.
Zurück zur Treppe, meine Damen und Herren.
Ein Auf und Ab, aber in diesem Fall geht es um den Weg nach oben. Der gar nicht lange genug dauern kann, wenn man weiß, was einen erwartet. Und ich schreie es heraus…., Stille Lärm Erwachen…
Du musst oben ankommen, denn es ist…., Das Leben was uns verlässt…
Zack, da sind wir wieder. Die Musik hämmert dir Zementblöcke ans Ohr. Bamm Bamm, Doppel-D-Sound haut mir in die Fresse. So schnell kann man gar nicht trinken, wie der Bass dir die Promille aus dem Magen boxt. Es ist das Jahr 1989, komme mir vor wie ein Zwerg unter Riesen. Gutaussehende Kellnerinnen, leider zu alt, oder ich eher zu grün. Typen mit Händen so groß wie Bratpfannen. Die, wenn du sie zu lange anstarrst, dir den Sinn des Lebens aus dem Schädel kloppen. Also wohin starren?
Und dann kommt sie und fragt:
„Wer bist du denn?“
„Hab‘ ich gerade im Moment vergessen.“
„Schade.“
Ich glaube, ich bestell‘ noch ein Bier, der Bass liegt mir schon schwer auf dem Magen. Für Frauengespräche fehlt mir im Moment der Tiefgang.
Mag nicht in meine Gefühlswelt tauchen. Mag schwimmen an der Oberfläche. Mag Bier. Mag viel Bier.
„Vier Bier bitte!“
Wo bleibt mein Kumpel?
„Whole lotta love“ von Led Zeppelin schlägt sich eine Bresche durchs Publikum. Die Stimme sägt an meinen Nerven, die Gitarre kompakt, dann ein Break und das Schlagzeug leitet ein. Chaos bricht aus. Wenn du was geraucht hast, bist du jetzt verloren. Da endlich, die erlösende Gitarre kommt zurück. Alles wird gut. Und der Bass schlägt mir wieder in den Magen. Wo bleibt mein Bier?
Hätte jetzt Bock zu vögeln.
Ja 1989 bin ich noch jungfräulich. Welch eine Schande, aus damaliger Sicht. Aus heutiger Sicht, achtundzwanzig Jahre später, unbedeutend. Zurück zum Thema Vögeln…., haken wir hier direkt ab. Vor 1990 passiert da gar nix. Zurück zum Bier. Von den vieren hab ich schon drei vernichtet und glaub immer noch daran, heute entjungfert zu werden. Jetzt weiß ich auch wieder, wo mein Kumpel ist. Der sitzt noch bei mir im Auto. Hab vergessen, ihn wach zu machen. Ich trinke jetzt noch gepflegt 20 Biere, dann schauen wir mal, was der Kumpel macht, beziehungsweise ob er die Heimreise mit mir antritt, mit 2,8 Promille. Wie schnell man 20 Bier trinken kann? Es liegt wohl am Bass. Meine Füße tragen mich nach draußen, mein Oberkörper folgt zögerlich. Mein Kopf dreht sich auf meinem Hals, wie ein Karussell. Die Hände hängen hilflos an den Armen. Das einzige, was an meinem Körper noch funktioniert, sind die zwei da unten. Ich mach‘ meinen Kumpel wach und sage:
„Es geht nach Hause, so Gott will?“
Damals glaube ich noch an Gott, meine ich. Mein Kumpel hat immer Springerstiefel an, weshalb jeder, der ihn nicht kennt, annimmt, er sei ein Nazi. Die Schubladen sind damals genauso schnell belegt wie heute. Ob er einer war? Ich hoffe nicht. Wenn, dann war er ein schlechter.
Ich setze mich ans Steuer, er ist halb wach. Gang rein, rückwärts. Erster Gang, vorwärts. Es läuft, auch mit ca. 2,8 Promille. Die Mucke voll aufgedreht, das Auto kennt den Weg, auch ohne Navi. Genetisch bedingte Alkoholkontrolle. Bis zu dem Punkt, wo wir den Bordstein streifen. Mein Gefühl sagt mir, das Auto hängt vorne rechts etwas zu tief. Vorne rechts ist auch der Bordstein, und hinten im Kofferraum gibt es keinen Ersatzreifen.
Ich halte an.
Ich steige aus.
Ich gehe nach vorne rechts.
Der Reifen ist platt, zumindest unten.
Rechts, links und oben nicht?
Mein Gefühl sagt mir, dass man mit einem Reifen, der nur unten platt ist, auch nicht weit kommt.
Bin ich ein Pessimist? Ich hole meinen Kumpel.
„Ich nehme den Wagenheber, du das Radkreuz!“
Er sagt nichts, er macht nur. Wir machen uns auf den Weg zum nächsten Auto. Kumpel folgt, ohne ein Wort zu sagen. Den fremden Pkw hochgepumpt, Reifen demontiert, Pkw abgelassen.
So einfach kann das Leben sein…., wenn der Reifen gepasst hätte. Auf zum nächsten Auto.
Selbe Automarke, müsste passen.
Achtzehn Stufen mit einem Teppich überzogen und von Metallstangen gehalten, die alles unter einer gewissen Spannung fixieren. Rostrotbraun gestrichen, das Holz, auch ohne Teppich keine Augenweide. Seit nunmehr siebzig Jahren sieht die Treppe so aus. 2009, nach der Geburt meiner zweiten Tochter, liegt es an mir, dies zu ändern.
Regentropfen perlen ab an diesem Fenster, wo ich von innen nach außen schaue. Ich träume, also bin ich. War ich sieben, zwölf oder vierzehn, irgendwo dazwischen, als ich merkte, dass ich Dinge mit anderen Augen sah? Um mich eine Welt, die auf den ersten Blick kalt und oberflächlich erschien. Leute kreuzen meinen Weg, ohne nach vorne zu sehen. Doch zwischen all dem Grau erblickte ich etwas. Wärme, aber gut versteckt. Liebe, bei einer kleinen Minderheit. So beschloss ich, nie erwachsen zu werden. Erwachsene sind groß, sachlich und ohne Träume, getrieben von der Zeit. Der Beruf löscht den letzten Funken Freiheitsgefühl in uns. So stellen wir uns an, um gleichgeschaltet zu werden. Und die Frage ist, wo ist das Ich geblieben im Streben nach Geld. Nein, ich will nie erwachsen werden. Will mich nicht fügen, nicht anpassen. Will nicht, dass mein Ehrgeiz alles um mich herum zerschlägt und hinter mir nur Scherben hinterlässt. Doch es gibt ihn, den kreativen Fragenbeantworter. Der seinen Antworten aber sehr viel Spielraum gibt.
Die Musik.
Welch geniale Erfindung des Menschen, die dich beflügelt, dich ins Unendliche gleiten lässt. Dazu ein Blatt Papier mit Stift, für Schrift oder Bild. Malen, Schreiben oder Musik. Die Sehnsucht, sein Innerstes zu entdecken. Man versteht das Universum nur, wenn man sich selbst versteht. So viele Mauern um uns, ob von uns oder anderen. Ich mag brüllen, doch der Schrei verstummt, wird verschluckt von der Stille. Schüttelt den Dreck der letzten Jahre von euch ab, oder verpisst euch. Sonst male ich Bilder, die euch beschämen.
Mache Musik, die euch zertrümmert.
Schreibe Texte, wo ihr verwirrt aus dem Fenster springt.
STOP
Luft holen, auf‘s Wesentliche konzentrieren.
Es geht um mich, als ich noch ein Frischling war, nicht um Mitläufer und Anpassungsteams der Gesellschaft. Trotzdem könnt‘ ich mich auf euch übergeben. Aber nicht jetzt, später bestimmt. Lasst uns die Revolution auf morgen verschieben, hören wir Klassik, Bach Cello Suite No. 1 in G Major.
Bei dieser Musik bin ich ein Vogel, der zum Urknall wird.
Bin ich oder träume ich?
Kann ich ein Vogel sein?
Will ich ein Schiff sein?
So viele Fragen und niemand erkennt den fragenden Ausdruck in meinem Gesicht. Alle reden vom Wetter, vom Geld und vom „Was kommt um viertel nach acht im Fernsehen?“. Wieso stehen die Schuhe mitten im Flur?
Es ist mir scheißegal, wo die Schuhe stehen, wenn ihr nicht wisst, wo ich stehe. Bin noch keine 16 und verstehe eure Welt nicht. Wenn ich ein Engel wäre, würde ich brüllen.
STOPPT DIE ZEIT…. FÜHLT DIE SINNE…. JETZT SOFORT.
Aber ich atme meine Kindheit aus und mit jedem Atemzug mehr Geldgeilheit ein…
2004 wurde meine erste Tochter geboren. Das Treppenproblem wurde weiter nach hinten verschoben. Wie ich schon sagte, bis zum Jahr 2009, der Geburt meiner zweiten Tochter.
Durch einen Gendefekt gibt es mich immer noch.
Gendefekte müssen nicht immer positiv sein, wie in meinem Fall. Doch ist dieser Fall für mich positiv. Im Jahre 1968 geboren, und immer noch weile ich seit 130 Jahren unter den Lebenden und habe doch so viele Lebende für immer verloren. Die meisten der Menschen, die ich kenne, liegen unter der Erde. Es ist nicht abzusehen, wann ich diese Welt verlasse, in welcher Form auch immer. Als Toter, als Zeitreisender oder als Astronaut. Meine Gedanken sind so klar wie schon lange nicht mehr. Meine Musik ist in meinem Gehirn abgespeichert, um jederzeit abgerufen zu werden und nur für mich hörbar zu werden. Peter Gabriel ist jetzt erwünscht. Blood of Eden.
Musik aus einer fernen Zeit, die lange zurück liegt und doch so nah wie nie zuvor. Lass uns die Zeitreise beginnen... in die Vergangenheit. Noch theoretisch in Visionen, aber bald auch praktisch, real.
Man nehme diese Pille und verschlucke sie, um danach diese Art Brille anzuziehen, die aussieht wie eine Brille. Manche Dinge sind so…., unveränderlich. Aber noch nicht jetzt. Die Pille muss warten.
Hab‘ mir nämlich dieses Teil hier gekauft. Einen Wahrheitsverdreher.
Er ist klein, rund und aus Titan. Er leuchtet im Inneren blau. Was er kann?
Selbsterklärend. Er verdreht die Wahrheit ohne zu lügen.
So stand es in der Beschreibung.
Da steckt wohl jahrzehntelange, politische Erfahrung drin. Dieses Teil hat nur einen seitlichen Hebel, den man runter klappen kann. Bevor ich es einschalte, sollten wir die jetzige Wahrheit analysieren.
Ich höre Peter Gabriel, bin mittelprächtig gelaunt. Der Android gießt die Blumen. Ich hänge in der Hängematte.
So, ich drücke diesen Hebel nach unten. Das bläuliche Licht strömt nach außen in kreisende Form. Peter Gabriel singt auf Holländisch. Oh Gott.
Meine Laune ist leicht verwirrt. Der Android wirft die Gießkanne in hohem Bogen, voll gefüllt, in Richtung Sonne.
Meine Güte, kann der hoch werfen.
Die sehen wir die nächsten Sekunden nicht mehr.
Und Androido sinkt zu Boden, auf die Knie. Und ich spüre seine Gefühle, die er nicht besitzt. Ich drücke den Hebel wieder nach unten. Das bläuliche Licht wird eingesaugt vom runden Titan. Die Gießkanne kommt zurück, bleibt mit dem Ausguss im Grasboden stecken. Peter Gabriel singt immer noch auf Niederländisch. Der Androide ist verwirrt, so wie ich. Die Wahrheit wurde verdreht, aber die Verwirrung bleibt. So kann es nicht bleiben. Ein depressiver Androide und Peter singt niederländisch. Hebel wieder nach unten. Alles um mich herum wird zum Blauton. Peter singt nicht mehr, dafür der Androide auf Englisch Mercy Street. Und Ik heb verward.
God verdomme.
Ik denken Nederlands.
En nu?
Vertaalprogramma.
Übersetzungsprogramm funktioniert.
Hebel wieder nach oben.
Ik frag mij wo das Niederländisch
herkommt. Leichte vertaling Fehler.
Übersetzungsprogramm bitte snel updaten.
Bedankt.
Bitte.
Der Android wurde doch nicht in Holland hergestellt?
Eher die Gießkanne.
Der Titanverdreher hat ‘ne
Funktionsstörung. Das auch noch!
So, nehme die Pille und setze die Brille auf.
Wir sehen uns im Jahr 1991.
So einem rostigen Rot kann man nur mit Beize begegnen.
Das Rot muss weg. 2009 zum Baumarkt und Beize gekauft. Man sollte viel Geduld mitbringen und stur sein, dann beizt es sich am besten.
Das Outfit des Boogieman brennt in den Augen.
Pinke Schlaghose, mit Glitzerstreifen an der Seite.
Eine Riesensonnenbrille verdeckt das halbe Gesicht. Kotzgrünes Hemd, und ich hoffe, es ist nur ein Traum. Er steht auf dieser Bühne, ich sitze im bestuhlten Saal, ganz alleine. Die Gitarre rührt, der Bass groovt, das Schlagzeug ganz dezent und der Boogieman am Mikro. Seine Stimme will gerade das Mikro befruchten, da kommt dieser Typ auf die Bühne, der so aussieht wie ich, mit einer merkwürdigen Brille und schnappt sich das Mikro des Boogieman. Er trällert direkt los, auf Niederländisch, ich könnte kotzen.
Ein Glück, ich bin wach, war nur ein Alptraum.
Mit einer gewissen Leichtigkeit schlendere ich ins Bad. Die Haare schulterlang und total zerzaust. Schnell einen Zopf angelegt, der nur die hinteren Haare im unteren Bereich fixieren soll.
Das Stichwort... Leichtigkeit...
Ein Wort, das in meinem Leben noch eine wichtige Rolle spielen wird. Doch im Moment, wo ich ins Bad schlendere und meine Haare richte, ist mir nicht bewusst, dass ich diese Leichtigkeit besitze. Erst Jahre später, wo ich sie verliere, wird mir dieses bewusst werden. Bin dreiundzwanzig Jahre und die meisten Erfahrungen, die ich sammeln werde, liegen noch vor mir.
Sie prägen und sie fesseln.
Schlagen tiefe Narben und leuchten als schöne Erinnerung am Himmel. So, die Haare liegen einigermaßen ungeordnet auf dem Kopf, so wie ich es mir vorstelle. Ein kleines Zeichen meiner tiefen Verachtung gegen diese geordnete Welt um mich herum. Die Kassette geschnappt, gefüllt mit 90 Minuten Musik. Ins Auto gestiegen, die Kassette bis Anschlag ins Kassettendeck geschoben und Vollgas. Den Lautstärkeregler ebenfalls bis Anschlag, so wie das Leben.
Das Auto liegt gut in den Kurven, begleitet von quietschenden Reifen.
Ich träume, darum bin ich.
Und die Musik ballert mir die Ödnis, die mich umgibt, aus dem Schädel, und die Unendlichkeit liegt vor mir.
Zeit ist relativ und ich bin Clint Eastwood.
Das Auto ist die Zeitmaschine, die die Zeit stehen lässt, bei jedem Tritt aufs Gaspedal. Die Musik ist ständiger Begleiter bei meiner Zeitreise in die Unendlichkeit. Beide Fenster runter gekurbelt, gibt dem Haar eine gewisse Verwirrung. Ersatzreifen hab‘ ich immer noch nicht, aber einen Teller Kartoffelsalat im Verbandskissen.
Wie der dahin kam?
Unwichtig.
Er ist halt seit zwei Wochen da drin.
Die Polizeikontrolle, die mich dann anhält und meint:
„Zeigen sie mir mal das Warndreieck und öffnen mal das Verbandskissen!“
Sind auch leicht verwirrt.
Wenn man nicht überzeugen kann, muss man verwirren.
Treppe eingebeizt. Die oberste Schicht wirft leichte Blasen, die dann mit einem Spachtel angekratzt werden. Nach diesem ersten Schritt, ist an wenigen Stellen ein Weiß zum Vorschein getreten. Treppe wieder eingebeizt und rostrote Blasen vermischen sich mit weißen.
„Time in a Bottle“ von Jim Croce, oder vielleicht doch besser „Dancing in the Moonlight Harvest?“
Welches Lied passt am besten zu einem heißen Sommertag?
Was inspiriert mich, drückt meine Gefühle nach außen?
„Unendlichkeit“ von CRO ist jetzt angebracht. Zweieinhalb Jahre ist es seitdem, als die Zeit für eine Ewigkeit stehen blieb. Eine Ewigkeit in sechs Monate gepresst. Blind und taub nach außen, in mir hellwach.
Raum und Zeit nur relativ.
„Time“ von Hans Zimmer spiegelt meine Gefühle aus dieser Zeit in Perfektion wider. Das ganze Leben zerrissen, in unendliche viele Puzzleteile.
Ein 28. Januar 2015, der ganz normal begann und am Abend, um 21 Uhr 44, in sich zusammenbrach und alles um sich herum mit in den Abgrund riss.
Übrig blieb nur Stille.
Aus der Realität gerissen mit einem Vorschlaghammer, der mit über 1000 Tonnen auf mich einschlug. Ein Schlag reicht da völlig aus und du verstehst, dass du nichts mehr verstehst.
Und hier bin ich jetzt, heute, 2017. Der Zeiger der Uhr tickt wieder, unaufhörlich, mal laut, mal leise. Das Gras wächst wieder, mal schnell, mal langsam.
Ändert die Farbe, mal tiefgrün, mal strohblond. Mit dem Rasenmäher drüber gehuscht, schnibbel-die-schnibb, weg mit dem Rotz.
Tschüssi.
Bin der Rasenmähermann.
Und plötzlich tippt mir jemand auf die Schulter, ich drehe mich um, leicht genervt. Wer kommt denn jetzt einfach in meinen Garten und stört?
„Ach du bist es, Gott. Siehst wie immer Scheiße aus.“
Gott: „Ja ich weiß.“
Ich: „Du störst wie immer, kann ich was für dich tun?“
Gott: „Wollte nur wissen, wie es dir geht.“
Ich: „Bist spät dran, könntest den Rasenschnitt
entsorgen. Hätte dich was früher erwartet, so ca.
vor zweieinhalb Jahren.“
Gott: „War das Gras so hoch vor zweieinhalb Jahren?“
Ich: „Auch, ... aber du bist wie immer nicht auf dem
Laufenden.“
Gott: „Verstehe nicht.“
Ich: „Wundert mich nicht, soll ich dir ein Butterbrot
machen?“
Gott: „Gerne.“
Ich: „Marmelade oder Sülze?“
Gott: „So wie letztens.“
Ich: „Ach. Ich glaube, du kommst nicht, um zu helfen, sondern nur, wenn du Hunger hast. Rührei, mach‘ ich doch gern.“
Ich latsche in die Küche, er folgt mir schwebend, sein Gewand reißt ein Glas vom Tisch und eine Blumenvase vom Schrank. Der Typ bringt nur Ärger.
Gott: „Das hab‘ ich gehört.“
Ich: „Meine Gedanken oder Glas und Blumenvase?“
Gott: „Alles.“
Ich: „Dein Gehör scheint ja noch gut zu sein, so wie
dein Appetit. Den Rest würd‘ ich mal updaten.“
Gott: „Hab‘ ich einen Musikwunsch?“
Ich: „Klar. U2, ‚A beautiful Day‘ wie immer?
Gott: „Ja zeker.“
Ich: „?“
Gott: „Niederländisch.“
Ich: „Hab ich befürchtet.“
Gott: „Du weißt, wieso ich hier bin?“
Ich: „Ja sicher.“
Gott: „Zeker?“
Ich: „Sicher!“
Gott: „Wieso?“
Ich: „Wegen dem Holländer, der so aussieht wie ich, mit der komischen Brille, in meinen Träumen.“
Gott: „Respekt, hab dich unterschätzt.“
Ich: „Das hast du schon immer. Zwei oder drei Eier?“
Gott: „Vier!“
Ich: „Gierig wie immer. Was ist mit dem Holländer?“
Gott: „Es ist wichtig, dass du ihn nicht verstehst, niemals!“
Ich: „Ich kann kein Niederländisch, aber hier und da verstehe ich schon mal ein paar Brocken. Es werden immer mehr Bröckchen.“
Gott: „Vergiss das Salz nicht!“
Ich: „Niemals.“
Gott: „Der Mensch in ferner Zukunft wird Zeitreisen unternehmen können, was verheerende Folgen haben wird. Ich habe keine Zeit mehr, um mich um das Hier und Jetzt zu kümmern.“
Ich: „Du musst das verhindern, die Zeitreisen?“
Gott: „Ja. Die Vergangenheit würde sich ständig
verändern, damit gäbe es auch eine sich ständig
verändernde Zukunft.“
Ich: „Zu stressig für dich?“
Gott: „Ja.“
Ich: „Depression?“
Gott: „Ja.“
Ich: „Weizen zum Eibrot?“
Gott: „Ja.“
Ich: „Sonst noch was?“
Gott: „Bin stolz auf Dich.“
Ich: „Schleimer.“
Nach mehrmaligem Einbeizen gibt es keine rostrote Farbe mehr. Durch die weiße Farbschicht kommt nun noch ein Grau hervor. Fahr‘ dann nochmal Beize kaufen. Geduld und Sturheit sind gefragt und das Abwehren aller Besserwisser, die sagen, das gibt nie was mit deiner Treppe.
Die erste Geburt und der erste Teilverlust der Leichtigkeit
Morgens um vier, die Wehen setzten ein. Nicht bei mir. Genau, bei meiner Frau. Mein erster Gedanke und Satz:
„Bin aber noch müde und Hunger hab‘ ich auch.“
Frau: „Ich glaube es geht los!“
Was habe ich gelernt bei der Geburtsvorbereitung?
--Schnauze halten--
Da kann man nichts falsch machen. Bin ich generell in der letzten Zeit gut mit gefahren. Schnell in Hose, Hemd und Schuhe geschlüpft. Zähne von links nach rechts geputzt. Gegen die geschlossene Tür gelaufen.
Kurz die Frage gestellt, wie geht es uns denn heute?
Keine Ahnung, beantworte ich morgen.
Jetzt ein Schnitzel mit Pommes zur Beruhigung, wäre eine Möglichkeit.
Ist wohl nicht angebracht, dies zu erwähnen. Einfach Schnauze halten.
„So Frau, ich bin fertig.“
Keine Antwort.
Stimmt ja, Schnauze halten.
Mit einem Strammen Max wäre ich auch schon zufrieden.
Schwein pfeift La Paloma
