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1944. Mitten in den Kriegswirren wurde Otto Wilhelms in Bredehorn als Sohn eines Landwirts geboren. Trotz der Armut verbrachte er schöne Kindertage in dem friesischen Dorf. Schon früh spürte der Junge, dass man durch Arbeit vieles erreichen kann. Mit Anfang zwanzig entschied er sich für die Selbstständigkeit und wurde ein bis heute erfolgreicher Geschäftsmann. In seinen deutschlandweiten Unternehmen fanden zeitweise bis zu 800 Menschen einen sicheren Arbeitsplatz. Otto Wilhelms wurde durch seine Arbeit, seine Ideen und seinen Mut zum mehrfachen Millionär. Immer wieder wird der mittlerweile 78-Jährige gefragt, wie er das alles geschafft hat. In seiner Autobiografie schreibt Otto Wilhelms offen und ehrlich über sein Leben, über Höhen und Tiefen, über besondere Menschen und weite Reisen.
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Impressum neobooks
Konfetti Verlag 2022
Urwaldstraße 2
26340 Zetel
1. Auflage
Titelbild Foto Sander
Vorwort
Neben Glück und Gesundheit war ich immer aufmerksam und fleißig. „Wie hast du das nur geschafft?“ Oft werde ich nach meinem Erfolgsgeheimnis gefragt.
Mit diesem Buch hoffe ich, alle Fragen zu beantworten. Ich schreibe über mein Leben vom Anfang bis zum heutigen Tag. Viel habe ich erlebt und aus dem Erlebten meine Lehren gezogen. Energie in Erfolg umgewandelt. Es ging nicht immer nur geradeaus. Es gab Höhen und Tiefen, es gab gute und schlechte Zeiten. Auch wenn es manches Mal nicht einfach war, so habe ich mich nicht aus der Bahn werfen lassen und meine Ziele weiter verfolgt.
Wenn ich Umwege nehmen musste, war das kein Grund, an dem Erfolg zu zweifeln. Ganz im Gegenteil, ich war immer ein Kämpfer und wenn es schwierig wurde, war mein Interesse umso mehr geweckt. Nicht aufgeben, das habe ich mir mein Leben lang vor Augen gehalten.
Ich habe viel erlebt und möchte nichts davon missen. Alles gehört zu meinem Leben und hat mich dorthin gebracht, wo ich heute bin.
Kindertage
An einem Montag, im Jahr 1944, wurde ich in dem kleinen friesischen Dorf Bredehorn geboren. Es war eine schwere Zeit. Meine Mutter lebte mit meiner fünfzehn Jahre älteren Schwester Anneliese und unserer Oma auf einer kleinen landwirtschaftlichen Hofstelle. Mein Vater, der ebenfalls Otto hieß, kämpfte damals, wie fast alle Männer, im aussichtslosen Krieg.
„Der Junge soll Otto heißen. Falls mein Otto nicht zurückkommt, habe ich immer eine Erinnerung an ihn“, soll meine Mutter damals gesagt haben. Den Zweitnamen Walter bekam ich von meinem Onkel, der aus dem 2. Weltkrieg nicht zurückkehrte. Von meinem Opa bekam ich den Namen Georg. Er fiel 1916 während des Ersten Weltkrieges in Frankreich.
Mein Vater kam zurück, somit wurde ich Otto Wilhelms Junior und meine Mutter war glücklich, dass sie nun zwei „Ottos“ im Haus hatte.
Die Zeiten waren schwer, doch hatten wir als Landwirte den Vorteil, dass wir uns selbst versorgen konnten. Auf unserer Hofstelle lebten damals sieben Kühe, zwanzig Schweine, ein Pferd, ein Ziegenbock, Hühner, Kaninchen und ein Hund.
Mein Vater ging jeden Tag ins Moor, um Torf zu stechen. Es war eine schwere und harte Arbeit, aber auf diese Weise verdiente er etwas Geld für die Familie dazu.
Ein Auto besaßen wir nicht, dafür waren wir zu arm. Wenn wir nach Wilhelmshaven wollten, konnten wir mit dem Bus fahren. Ich erinnere mich, dass der Mann, der das Dorf mit Lebensmitteln versorgte, uns mal nach Münster gefahren hat. Warum, weiß ich allerdings nicht mehr.
Mit sechs Jahren wurde es Zeit für die Schule. Mit drei weiteren Jungen wurde ich eingeschult. Ich erinnere mich noch an Wilfried Steuer und Sjuit Gerdes, an den dritten Jungen erinnere ich mich leider nicht mehr. Unser Lehrer hieß Specht und der Schuldirektor war Johann Fischer, ein alter Ostpreuße, Jäger und Baumschulist.
Er hatte immer einen Stock vom Nussbaum dabei, mit dem es etwas auf die Finger gab, wenn man sich seiner Meinung nach nicht richtig verhalten hatte. Dazu gehörte zum Beispiel, dass die Hausaufgaben nicht gemacht wurden oder Schüler zu spät zum Unterricht kamen.
Schuldirektor Fischer schlug mit dem Stock auf die Handinnenflächen. Wenn dieser dabei zerbrach, musste der Geschlagene am nächsten Tag einen neuen Stock vom Nussbaum mitbringen; wenn er das vergaß, gab es für jeden Tag einen weiteren Schlag.
Ich erinnere mich an Mitschüler, die laufend von unserem Direktor Schläge kassierten. Es schien ihnen gar nicht auszumachen. Sie machten trotzdem keine Schulaufgaben und waren unordentlich.
Ich hingegen hatte großen Respekt vor dem Stock. Ich wollte mich von dem Direktor nicht durch Schläge demütigen lassen, daher passte ich die ganzen acht Schuljahre auf. Tatsächlich habe ich es geschafft, ohne schlagkräftige Strafen durch die Schulzeit zu kommen.
Damals war es normal, dass Kinder durch Stockschläge erzogen wurden. So kam es auch nie vor, dass Eltern sich über eine Prügelstrafe beschwerten.
Mein Vater war in dieser Hinsicht anders. Ein einziges Mal habe ich von ihm eine Tracht Prügel erhalten. Aus heutiger Sicht kann ich ihn sogar verstehen und muss schmunzeln, wenn ich daran zurückdenke.
Ich war etwa sieben oder acht Jahre alt und klaute heimlich von unseren Hühnern die Eier, um diese beim Kaufmann zu verkaufen. Von dem Geld kaufte ich Zigaretten. Damit fühlte ich mich gleich ein bisschen erwachsener. Unbemerkt schlich ich mich auf den Dachboden, um zu rauchen. Hier lagerten wir trockenes Stroh und Heu.
Mittendrin saß ich und zog genüsslich am Glimmstängel, als plötzlich mein Vater vor mir stand und mir die Zigarette aus der Hand riss.
Nachdem er mit mir fertig war, habe ich nie wieder auf dem Dachboden geraucht. Ich habe mich geschämt, als mir bewusst wurde, dass ich unser aller Leben aufs Spiel gesetzt hatte. Vater hatte sich schon vorher gewundert, dass unsere Hühner plötzlich so wenig Eier legten. Meine Karriere als Eierdieb dauerte jedenfalls nicht lange an.
Mit sieben oder acht Jahren entdeckte ich meine Vorliebe für das Boßeln. Die Boßler saßen damals immer im Stiener Kroog in Bredehorn und nahmen mich bei sich auf. Aus der Vorliebe wurde schnell eine Leidenschaft. Ich wurde ein recht guter Boßler, machte bei Meisterschaften und Punktspielen mit. In der kalten Jahreszeit war das sonntägliche Boßeln eine willkommene Abwechslung. Bis zu meinem 28. Lebensjahr war ich dabei, dann wechselte ich zum Fußball.
Im Ganzen war ich als Kind immer recht fleißig und machte das, was man mir sagte. So gab es keinen Ärger. Mein bester Freund in Kindertagen war damals Heinz Steuer. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht. Leider ist er jung, mit 21 Jahren, verstorben.
Ausbildung und beruflicher Werdegang
Mit vierzehn Jahren beendete ich die Volksschule in Bredehorn. Meine Zensuren konnten sich sehen lassen und so bekam ich gleich zwei Lehrstellen angeboten. Die Vareler Maschinenfabrik Heinen bot mir eine Ausbildungsstelle zum Maschinenbauer an. Bei Olympia in Wilhelmshaven bekam ich die Möglichkeit, eine Lehre zum Feinmechaniker zu absolvieren. Ich entschied mich für Letztere, weil ich mich dort besser aufgehoben fühlte.
Jeden Tag fuhr ich mit dem Bus nach Roffhausen. Mutter packte mir warmes Essen in einen Alu-Pott. Mein monatlicher Lohn lag bei 30 Mark, davon gingen schon 24 Mark für das Busticket drauf. Ich hatte von meinem Lehrgeld 6 Mark im Monat übrig. Das war nicht viel, doch ich verdiente mir immer etwas dazu.
Ich machte den Treckerführerschein und bekam zum 16. Geburtstag von meinen Eltern eine neue Kreidler Florett. Zu damaliger Zeit durfte man das Moped mit diesem Führerschein fahren.
Mit meinen jungen Jahren und damals ohne PKW-Führerschein fuhr ich mit dem Opel Olympia unseres Nachbarn, des Viehhändlers Abrahams, zum Schweine-
wiegen. Bei den Landwirten in der Umgebung lud ich die Tiere auf. Mit meinem Anhänger brachte ich sie zum Stiener Koog, dort gab es eine Viehwaage. Danach lieferte ich sie dem Viehhändler und die Landwirte bekamen ihr Geld. Manchmal wurde meine Arbeit ebenfalls bezahlt und ich sparte, so viel ich konnte.
Meine erste Bekanntschaft mit Alkohol habe ich übrigens auch bei Abrahams gemacht. Er gab mir nach getaner Arbeit einfach ein paar Schnäpse und bedankte sich. Als ich dann abends mit meinem Fahrrad, das mir meine Eltern neu zur Konfirmation geschenkt hatten, nach Hause torkelte und vor die Stufen unserer Haustür fuhr, war mein Vater nicht gerade begeistert.
