Erstickt an euren Lügen - Inci Y. - E-Book
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Inci Y.

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Beschreibung

Unter dem Pseudonym Inci Y. bricht eine Türkin das Schweigen der Frauen und erzählt stellvertretend für Hunderttausende ihr Leben: als Mädchen eingesperrt, als Frau gedemütigt, geprügelt, vergewaltigt. Von Liebe spricht keiner. Die einen hintergehen ihre Männer, die anderen sind stumme Dulderinnen. In Anatolien genauso wie im Land der Verheißung, in Deutschland.

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Veröffentlichungsjahr: 2017

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Als Kind abgeschoben

Verwechslung

1970 werde ich in einer mittelgroßen Stadt in Deutschland geboren. Mit eineinhalb Jahren setzen mich meine Eltern in Begleitung einer wildfremden Frau in ein Flugzeug nach Ankara. Diese Frau kennt nur meinen Namen und den von Oma, die mich am Flughafen abholen will. Ich soll bei Oma in der Türkei aufwachsen.

Bis heute halte ich es für möglich, daß ich dabei das Opfer einer Verwechslung geworden bin.

Mutter erzählt, ich hätte damals schon alleine stehen können, hätte halblange braune Haare gehabt, sei völlig gesund gewesen. Sie habe mich unmittelbar vor dem Abflug sogar noch einmal fotografieren lassen, die Bilder seien allerdings verschwunden.

Oma versichert dagegen immer wieder, ich hätte in einem Korb gelegen, als sie mich am Flughafen in Empfang genommen hat. Sie sei überzeugt, daß ich noch nicht stehen konnte und völlig kahl gewesen sei. Außerdem seien meine Hände verbrüht gewesen. Unmittelbar vor meiner Abreise sei heißes Wasser drübergelaufen, habe die Frau, die mich nach Ankara mitnahm, gesagt.

Bis zuletzt blieb Oma bei ihrer Version. Sie war sechsundneunzig Jahre und bei völliger geistiger Gesundheit, als sie im Juli 2004 starb.

Eine Möglichkeit, wie es zu einer Verwechslung gekommen sein könnte, wäre in der Darstellung von Oma begründet. Sie erzählte, sie habe mich auf dem Flughafen zum vereinbarten Zeitpunkt erwartet, ich sei aber nicht angekommen. Zwei Tage lang habe sie mich ausrufen lassen, ehe dann plötzlich eine Frau erschien, ihr einen Korb in die Hand drückte, in dem ich lag und sagte: »Das ist Inci.«

Wenn das stimmt, könnten – mit zwei Tagen Abstand – tatsächlich zwei Mädchen Namens Inci in Ankara angekommen und bei den falschen Abholern gelandet sein.

Gegen eine Verwechslung spricht, daß ich meinen drei Geschwistern ähnlich sehe, was allerdings auch mit unserem typisch türkischen Aussehen zu erklären wäre.

Für mich wäre es ein Trost, wenn ich wüßte, daß Mutter in Wirklichkeit nicht meine Mutter ist.

Das Haus

In meiner allerersten Erinnerung taucht unser Haus in Ankara auf. Ich sitze in einer Ecke, ein Stück Brot in der Hand. Das Haus – eines jener üblichen einstöckigen türkischen Altbauten aus der Vorbetonzeit – liegt am Fuß eines Hügels, über den sich ein Neubauviertel erstreckt.

Eine halbhohe, weiß gestrichene Steinmauer umgibt unser Grundstück. Durch ein grün gestrichenes Tor gelangt man in den Garten. Rechts ein Brunnen mit Seil und Eimer. Links die Betten von Opa Hasan und Onkel Halil, dem jüngsten Sohn meiner Großeltern. Beide Männer schlafen im Sommer im Freien unter einem Eukalyptusbaum.

In dessen Schatten steht das Haus. Ockerfarbene Wände, gemauert aus Steinen der Umgebung, zwei Fenster, eine Tür, rotes Ziegeldach. Zwei Zimmer auf sechzig Quadratmetern. Außer einem Küchenschrank gibt es keine Möbel. Matratzen, bedeckt mit bunten Teppichen, liegen nah an den Wänden. Sie dienen als Sessel und Betten, je nach Tageszeit. Gegessen wird auf dem Boden.

In dem einem Zimmer leben Onkel Halil und Tante Fatma mit ihren drei Kindern Sevcan, Filiz und Kemal. Ich schlafe bei Oma und Opa im zweiten Zimmer, in dem auch gekocht wird. Deshalb kann bei uns geheizt werden, im anderen Raum dagegen nicht. In meinem ersten Winter in Ankara erkältet sich Filiz und stirbt. Jahrelang terrorisiert mich Tante Fatma mit der Behauptung, ich sei schuld am Tod ihrer Tochter.

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