Es wird immer wieder Frühling.... - Margret Clemens - E-Book

Es wird immer wieder Frühling.... E-Book

Margret Clemens

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Beschreibung

Zwei Menschen lernen sich kennen und fühlen sich sehr zueinander hingezogen, die ganz große Liebe hatte sie erwischt. Nach der Hochzeit ging ihr beider Wunsch nach einer Familie mit Kinder schnell in Erfüllung. Erkrankungen waren ständiger Begleiter der Ehe. Die Beziehung der Ehepartner wandelt sich und wird immer trüber. Nach 18 gemeinsamen Jahren eskaliert der Zustand und endet mit dem Rauswurf der Ehefrau. Mit Hilfe berappelt sie sich wieder und bekommt nach unendlich viel Aufarbeitung ihr Leben wieder in den Griff. Es gibt mittlerweile selbst einen neuen.........

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Seitenzahl: 359

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Es wird immer wieder Frühling

Margret Clemens

Impressum:

©2017 Margret Clemens

Umschlaggestaltung: Margret Clemens

Lektorat, Layout: Angelika Fleckenstein

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN:

978-3-7439-0909-0 (Paperback)

978-3-7439-0910-6 (Hardcover)

978-3-7439-0911-3 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig.Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche

Margret Clemens

Es wird immer wieder Frühling

Ich bedanke mich gang herglich bei:

Uwe

Sibille

Janine

Daniela

Helga

Jana

Sabine

und Karla

Frühling – die Natur erwacht zu neuem Leben und fängt teilweise von ganz unten wieder an zu wachsen. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen. Die Natur zeigt uns jedes Jahr aufs Neue, dass es sich lohnt wieder und wieder anzufangen.

Die Sonne scheint und es weht ein zartes, angenehmes Lüftchen. Einige Vögel singen, und der Nachbarshund bellt manchmal. Ein wenig entfernt von unserem Garten liegt ein Kinderspielplatz, von dort hört man ab und zu Gelächter und Gekreische der Kinder. Ich schaue mich in unserem Garten um und entdecke immer mehr Pflanzen, die schon erwacht sind. Bei dem Porzellanblumenstrauch erscheinen erst die Blüten und dann die Blätter, bei unserem sind momentan schon ganz viele weiß-rosa Blüten offen. Es blühen auch schon viele gelbe Narzissenbüschel, dazwischen stehen Tulpen, von denen auch schon einige bereits aufgegangen sind. Dadurch entstehen schöne, bunte Farbkleckse, die man gerade nach dem tristen Wintergrau echt genießen kann.

Herrlich, es kommt neue Farbe ins Leben! An manchen Stellen ragen Hyazinthen aus dem Boden, sie verströmen einen unglaublichen Duft. Überall sieht man gelbe, weiße und lila Krokusse zwischen den Sträuchern wachsen. In einer Ecke des Gartens stehen Pflanzsteine, in denen weiße und blaue Veilchen, rosa Bellies und gelbe Schlüsselblumen blühen. Davor wächst Frauenmantel, der momentan zwar noch kleine, aber schöne samtig-grüne Blättchen hat. Auf diesen kleinen Blättern bleiben immer wieder Tautropfen liegen, in denen das Sonnenlicht glitzert. Das sieht echt toll aus! Daneben habe ich einige Anemonen und ein paar Freesien eingepflanzt, die allerdings erst im Juni blühen. Obwohl es in der Jahreszeit doch noch recht früh ist, ist der daran angrenzende veredelte Klatschmohn schon saftig grün. In unmittelbarer Nachbarschaft des Klatschmohns wachsen Lupinen, die beiden verstehen sich recht gut. Dann kommt unser kleiner schnuckeliger Teich mit einigen Goldfischen drin. Umrahmt wird er von einigen Rosensträuchern, die jetzt auch schon zarte Blättchen haben. Um die Ecke steht eine kleine Hortensienhecke, die bereits ausschlägt und ihr schönstes Grün zeigen will. Zwischen sämtliche Pflanzen haben sich Stiefmütterchen, Hornveilchen und Vergissmeinnicht selbst gesät. Traubenhyazinthen und Gänseblümchen trauen sich vereinzelt auch schon zwischen den Grashalmen des Rasens an die Luft. Es sieht so aus als würden sie jeden Sonnenstrahl genießen. Der japanische Mandelstrauch ist auch schon übervoll mit rosafarbenen Knospen. Alle möglichen Bäume und Sträucher in unserem Garten haben dicke Knospen, die kurz vor dem Aufplatzen sind. Ich freue mich jetzt schon auf die Zeit, in der im Garten alles grünt und blüht.

Ein Garten fordert immer wieder neue Kreativität, gleichzeitig schenkt er aber auch Ruhe und Entspannung. Er bereitet zwar auch viel Arbeit, gleichzeitig beschert er innere Zufriedenheit. Ich liebe unseren Garten, er ist unsere Wohlfühloase! Von den Nachbargärten wird unser Garten lediglich getrennt durch kleinere Hecken und einen Holzzaun. Auf diese Weise hat jeder seine Privatsphäre, gleichzeitig ist aber auch eine angenehme Nähe zum Nachbarn vorhanden.

An die Rasenfläche in unserem Garten grenzt ein Pavillon. Er ähnelt einem Pavillon, den ich mal im Schlossgarten von Versailles in Frankreich gesehen habe. Der Pavillon ist insgesamt recht schlicht gehalten, nur am oberen Rand hat er einige kleine Verschnörkelungen. Er hat ein cremefarbenes Dach, das die natürliche Helligkeit erhält, gleichzeitig aber vor gleißendem Sonnenlicht schützt. Er ist nicht nur unglaublich praktisch, sondern auch wunderschön!

Die Verbindung zwischen unserem Häuschen und dem Pavillon wird hergestellt durch alte Mauerreste. Dieses alte Gemäuer aus längst vergangenen Zeiten fügt sich wunderbar ins Gartenbild ein. Auf diese alten Mauerreste haben wir verschiedene Laternen, Windlichtgläser und Kerzen gestellt. Abends erstrahlt die Terrasse dadurch in romantischem Licht und tagsüber sieht es einfach gemütlich aus. Im Anschluss an die Mauerreste haben wir auf der einen Seite eine rote Kletterrose gepflanzt, an der anderen wachsen ein Jasmin-Strauch und ein lilafarbener Schmetterlingsflieder.

Bevor ich weitererzähle, möchte ich mich gerne vorstellen. Mein Name ist Ann-Katrin, und ich bin mittlerweile Mitte 50. Ich wohne mit meinem Partner Ben zusammen in einem traumhaften kleinen Häuschen im südlichsten Zipfel einer wunderschönen, alten Stadt. In unserem gemütlichen Zuhause wohnen noch unsere zwei Hunde und unser Miezekater. Ich habe zwei Töchter, Laura und Leonie, die inzwischen erwachsen sind. Eine Tochter lebt mit einem netten jungen Mann, einem verspielten Hund und zwei Katzen zusammen im gleichen Ortsteil wie wir. Die beiden heiraten noch in diesem Jahr. Die andere Tochter lebt mit Mann, zwei Kindern und kleinem Hund in einem Häuschen im Nachbarort. Da meine Süßen mit ihren Liebsten ganz in unserer Nähe wohnen, sehen wir uns Gott sei Dank öfter, ich brauch das – ich liebe sie. Ein ganz wichtiger Mensch in meinem Leben ist meine Mutter, sie wohnt mit ihrem Mann in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, worüber ich sehr froh bin. Mein Bruder und sein Mann wohnen mit dem Sohn meines Schwagers, einem Hund und einer Katze zusammen ein paar Ortschaften weiter. Alle meine Lieben wohnen somit in meiner Nähe, das ist ganz toll!

Gerade eben habe ich mich in ein gemütliches Sesselchen unserer Sitzgruppe, die unterm Pavillon steht, gekuschelt. Vor mir steht ein kleines Tischchen mit einem leicht verschnörkelten Fuß, darauf habe ich gerade eine dampfende Tasse Cappuccino gestellt, die nur darauf wartet von mir geleert zu werden. Ich genieße diese Ruhe und Gemütlichkeit jetzt und hier – in meinem ersten Leben hatte ich nämlich zu wenig davon!

Zurzeit räkelt sich der Kater in der Sonne, der eine Hund liegt ganz schläfrig neben mir, das Hundemädchen liegt auf dem Rasen. Bis auf einige Vögel, die gerade ein bisschen zwitschern, ist es ganz still. Diese Stille ist traumhaft und verleitet mich stets dazu, meine Gedanken wandern zu lassen. Heute gehen sie zurück zu dem Zeitpunkt, als Henning, mein späterer Ehemann, in mein Leben trat. Er spielte sehr lange Zeit die wichtigste Rolle in meinem Leben. Ich möchte hier von meinen Erinnerungen und über Gedanken, die ich mir zu unserem gemeinsamen Lebensabschnitt gemacht habe, erzählen.

******************

An einem Sonntagnachmittag, Ende der siebziger Jahre, fing alles an!

Meine Freundin Christina und ich beschlossen, ins Nachbardorf zu gehen, denn im dortigen Jugendheim war heute Disco angesagt. An einigen Sonntagnachmittagen wurde dort eine Tanzveranstaltung organisiert. Die Dorfjugend freute sich immer über derartige Veranstaltungen, und dementsprechend rege war natürlich auch die Beteiligung.

Es existierte in diesem Jugendheim ein sehr großer Raum mit angrenzender Küche, dadurch alleine schon bot sich dieser Raum für alle möglichen Veranstaltungen an. Besucher der Disco benutzten einen separaten Eingang, wo der winzige Eintrittsbeitrag für diese Veranstaltungen gezahlt wurde. Vor dem Eingang zur Küche wurden kurzfristig einige Tische aufgestellt, somit war die Theke schon mal fertig. Dann wurde in einer Ecke des Raumes das Equipment für die Musik auf Tische gepackt. Anschließend wurden die Vorhänge zugezogen, buntes Licht angeschaltet, und fertig war die Dorfdisco. Jetzt konnte hier herrlich geschwoft werden!

Während Christina und ich dort rumtanzten, sah ich ihn – er war an diesem Nachmittag der DJ. Sein Lachen – Wow!!! Dieses Lachen kam nicht nur aus dem Mund – die Augen lachten auch mit, und das steckte an. Ich war hin und weg! Er und ich sahen uns über die Köpfe der anderen Discobesucher hinweg an, als würden diese gar nicht existieren, einen kleinen Moment lang gab es außer uns beiden einfach nichts auf der ganzen Welt – wir wurden regelrecht magisch voneinander angezogen. Wie ferngesteuert ging ich auf ihn zu und saß plötzlich auf seinem Schoß. Das erschien uns beiden irgendwie selbstverständlich! Wir alberten rum, lachten und knutschten, worüber er beinahe vergaß, die Musik aufzulegen. Ziemlich zum Ende des Disco-Nachmittages tauschten wir unsere Telefonnummern aus. Obwohl wir im gleichen Ort wohnten, waren wir uns zuvor noch nie begegnet. Nach diesem magischen Disconachmittag fiel es mir verdammt schwer, mich von Henning zu verabschieden, letzten Endes ging ich dann aber doch mit meiner Freundin nach Hause. Ich war total beschwingt und irre glücklich, nichts und niemand hätte mich von Wolke 7 herunterlocken können.

Nach besagter Disco war seltsamerweise zwischen uns erstmal etwa einen Monat Funkstille, es traute sich keiner von uns, den anderen einfach mal anzurufen oder anzusprechen. ‘Man möchte ja schon gerne Kontakt haben – aber lieber nicht einfach so ansprechen, vielleicht kriegt man ja einen Korb, weil der andere gar nix mehr mit einem zu tun haben will – das wäre ja voll peinlich.’ Na, ja – wir waren eben noch Teenies, und da ist das halt so.

Dann kam die Nacht zum 1. Mai – Maibaumsetzen war angesagt. Bis zu dieser Nacht hatten Henning und ich keinerlei Kontakt zueinander aufgenommen, doch das änderte sich Gott sei Dank jetzt!

Zur Erklärung für Menschen, die dieses Spektakel nicht kennen: ‘Maibaumsetzen’ hieß bei uns in den Ortschaften, dass sich eine Gruppe zusammenfindet, um einen großen, toll geschmückten Baumstamm in die Erde zu rammen und ihn dann die ganze Nacht zu bewachen. Man konnte den Baum unmöglich in der ersten Mainacht alleine lassen, denn es wären womöglich einige andere aus den Nachbardörfern vorbeigekommen und hätten ihn abgesägt. Dann hätte unser Dorf keinen schön geschmückten Baum zum 1. Mai gehabt, das ging ja wohl mal gar nicht (Brauchtum)! Während der Bewachung wurde meist um ein Lagerfeuer gesessen, gegrillt und gequatscht. Üblich war damals auch, dass man als Freund seiner Freundin einen sehr kleinen geschmückten Maibaum vor die Tür stellte.

Eine Freundin und ich machten in der Nacht zu jenem 1. Mai eine kleine Rundreise durch einige Nachbardörfer, wir gingen von einem Maibaum zum nächsten. Überall trafen wir auf Bekannte, die uns zum Bleiben überreden wollten. Wir hatten uns aber vorgenommen, sämtliche Maibaumfeten abzuklappern, also zogen wir nach einer bestimmten Zeit immer wieder weiter. Zuletzt kamen wir zum Lagerfeuer am Maibaum bei uns im Ort, dort blieben wir, denn ER – der DJ, mit dem ich rumgeknutscht hatte, war dort. Scheinbar war es für meine Freundin genauso selbstverständlich wie für mich, dass wir dortblieben, sie machte jedenfalls keine Bemerkung, dass sie weiterziehen wollte. Es ergab sich irgendwie ganz von selbst, dass wir uns sofort wieder näherkamen und den Rest der Nacht gemeinsam am Lagerfeuer verbrachten.

Ab diesem 1. Mai gehörten Henning und ich zusammen! Als ich am nächsten Vormittag aufstand, werkelte meine Mutter bereits in der Küche rum. Sie fragte, wie es denn so gewesen sei und sah mich dabei prüfend an. Ich setzte mich zu ihr und erzählte vom vergangenen Abend und, dass ich nun einen Freund hätte. Sie sagte daraufhin: ‘Mach mich de kleene Jong bloß net verröck.’ Sie kannte ihn und wusste, dass er um einiges jünger war als ich, deshalb wollte sie mich ein wenig ermahnen, ihm keine Flausen in den Kopf zu setzen. Sie freute sich allerdings auch sehr für mich, als sie erkannte, wie glücklich ich war. Sie besaß die einzigartige Gabe, mir ständig das gute Gefühl zu vermitteln, dass ich schon richtig entscheiden und dementsprechend auch handeln würde.

Mit Henning hatte ich etwas gefunden, von dem ich noch nicht mal geahnt hatte, dass es so etwas geben könnte. Wenn ich in seine Augen sah, fühlte ich mich erst vollständig. Das Gefühl, zu jemandem dazu zu gehören und sich vollständig geborgen zu fühlen, ist einfach traumhaft! Viele bunte Schmetterlinge waren ständig in meinem Bauch, in meinem Kopf und überall um mich rum.

Etwas später war hier im Ort Schützenfest; das erste Mal, dass wir das gemeinsam feierten. Es war ein tolles Gefühl, es an der Seite des Traummannes zu erleben, so völlig anders als sonst – fast so, als hätte ich noch niemals ein Schützenfest mitgefeiert. Er war Fahnenschwenker und sah ganz in Weiß gekleidet mit einem grün-weißen Gürtel um die Taille und der Fahne in der Hand richtig klasse aus. Die Fahne war recht schwer, wenn er sie während des Umzuges jedoch hochwarf, sie um seine Taille oder um seine Füße drehte, sah es sehr leicht und beschwingt aus. Die Menschen, die den Schützenzug vom Straßenrand aus anschauten, klatschten Beifall, wenn er vorbeimarschierte. Ich war unheimlich stolz die Freundin dieses jungen Mannes zu sein!

Im selben Jahr war ich bei der diesjährig amtierenden Majestät zum Hofstaat eingeladen. Es war das erste Mal, das ich zum Hofstaat eingeladen war, und für mich war das ein sehr aufregendes Ereignis. Ich bekam hierfür mein erstes langes Kleid, das aus fliederfarbenem Chiffon war mit einem V-Ausschnitt und leicht flatternden kurzen Ärmeln. Dazu hatte ich mir weiße Pumps ausgesucht mit kleinen Glitzersteinchen an der Seite. Um den Hals trug ich ein wunderschönes, fliederfarbenes Perlenkettchen mit einer lila-weißen Blüte. Ich war sehr stolz und fühlte mich wie eine Prinzessin!

Als die Feierlichkeiten des Abends zu Ende gingen, brachte Henning mich nach Hause. Der direkte Weg nach Hause war viel zu kurz für ein verliebtes Pärchen, also machten wir einen kleinen Umweg. Wir landeten in einem etwas abseits gelegenen Buswartehäuschen, dort konnten wir völlig unbeobachtet noch rumknutschen und ein bisschen… Hach, wie das kribbelte! Es war der perfekte Abschluss für einen wunderschönen Abend! Anschließend brachte er mich nach Hause, wo wir uns mit einem dicken Schmatzer voneinander verabschiedeten. Wir waren beide ganz traurig, weil wir uns ja schließlich erst am nächsten Tag wiedersahen!

Unsere Beziehung wurde mit jedem gemeinsam erlebten Tag fester, wir gehörten einfach zusammen. Das war tatsächlich nicht nur uns beiden klar, sondern auch unseren Familien, Freunden und Bekannten! Da wir beide (bisher unabhängig voneinander) ehrenamtliche Tätigkeiten im selben Umfeld ausübten, kannten wir fast die gleichen Leute. Schon deshalb war es uns unerklärlich, dass wir uns vorher nie begegnet sind. Die ehrenamtliche Tätigkeit bestand aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, sie war ein ganz großes Steckenpferd für jeden von uns. Da wir beide gerne andere Menschen kennen lernten, vergrößerte sich unser gemeinsamer Bekanntenkreis automatisch. Wir nahmen uns beide oft Zeit, um uns den Bekannten zu widmen und nicht nur, um mit ihnen zu lachen, sondern auch, um sich deren Sorgen und Probleme anzuhören. Es war für uns beide ganz selbstverständlich, dass wir versuchten, ihnen bei der Lösung ihrer Probleme behilflich zu sein. Wir konnten uns beide nicht mehr ernsthaft vorstellen, je eine/n andere/n Partner/in zu haben. Ich fühlte mich sauwohl und unendlich geborgen in dieser Partnerschaft – einfach toll! So unendlich geborgen fühlen, kann man sich in einer Beziehung lediglich, wenn man spürt, dass es dem Partner ebenso geht. Henning hatte sein Leben außerhalb der Partnerschaft und ich auch, aber wo und wann es nur eben ging unternahmen wir gerne etwas zusammen, z. B. einen Stadtbummel, Waldspaziergänge, wir stylten gemeinsam mein erstes eigenes Auto um, planten und organisierten mit anderen zusammen eine Auto-Rally, halfen bei einer Kindergeburtstagsparty, beaufsichtigten einen Malstand für Kinder bei einem Stadtfest usw. Wir führten oft stundenlange Gespräche, planten Ausflüge oder Unternehmungen, natürlich auch für unsere Jugendgruppen, oder wir fuhren mit unseren jeweiligen Gruppenkindern in die Ferien. Bei beiden von uns spielten Kinder stets eine große Rolle – sie sind schließlich die Menschheit von morgen! Auf diese Weise konnten wir eine Kleinigkeit dazu beitragen, dass unsere Welt schöner wird! Selbst wenn Henning und ich in trauter Zweisamkeit beieinandersaßen, konnten andere Personen jederzeit dazukommen ohne sich als drittes Rad am Wagen fühlen zu müssen. Wir brauchten niemals durch ‘Schatzi hier’ und ‘Bussi da’ zu zeigen, dass wir zusammengehörten, das war einfach jedem, der uns näher kannte klar! Jeder, der öfter mit uns zu tun hatte, blickte sich suchend um, wenn er nur einen von uns alleine antraf und fragte sofort, wo der andere denn sei. Es war immer und überall zu spüren, dass wir zusammengehörten, wir hatten unsere fehlende Hälfte gefunden.

Henning war eher der verhaltene Typ, der es immer wieder toll fand, wenn er bei mir sah, wie einfach alles Mögliche war, wenn man nur offen und optimistisch genug auf eine Situation zuging. Damals war ich diejenige von uns beiden, die sich meist mehr zutraute und eigentlich immer positiv dachte. Er hatte dagegen für jedes praktische Problem sofort eine Lösung, was ich von Anfang an bewunderte. Bei sämtlichen praktischen Dingen hatte ich nämlich oft zwei linke Hände und stellte mich teilweise begriffsstutzig und dusselig an. Damals hatte ich viele kreative Ideen, und durch seine praktische Veranlagung konnten wir sie dann in die Realität umsetzen. Das hat uns sehr oft weitergeholfen!

Im Jahr nach unserem Kennenlernen machten wir das erste Mal gemeinsam Urlaub. Wir hatten uns etwas Schnuckeliges (Sonne/Strand/Meer) in Tunesien ausgesucht. Natürlich waren wir nervös, was den Flug und das Einchecken im Hotel anging, schließlich machten wir das beide zum ersten Mal. Aber irgendwann gibt’s ja für alles ein erstes Mal und siehe da: Es hat alles super geklappt! Nach der Landung erwartete uns ein kleiner, klappriger Bus, der alle Urlauber in ihre Hotels brachte. Von der Hotelanlage selber konnten wir bei unserer Ankunft nicht mehr allzu viel erkennen, weil es schon stockfinster war. Das war nicht schlimm, denn wir waren so k. o. von der Aufregung des Tages, dass wir nur noch schlafen wollten.

Am nächsten Tag betrachteten wir uns unsere Unterkunft genauer und fanden sie schön. Es war ein minikleines Häuschen in dem ein großes Bett, ein Schrank und ein winziges Bad Platz hatten, also ein idealer Ort, um glücklich zu sein. Von außen sah man, dass es inmitten einer ganzen Reihe solcher Häuschen stand, alle hatten den gleichen Baustil – rote Backsteinfront, grüne Eingangstür und ein weißes gewölbtes Dach. Wir schauten uns weiter um und sahen wahnsinnig viele Jasmin- und Hibiskushecken in der gesamten Hotelanlage stehen. Wir hatten uns bei der Ankunft schon über den wunderbaren Jasminduft, der überall in der Luft hing, gewundert, jetzt wussten wir wo er herkam. Das duftete nicht nur gut, sondern sah auch sehr schön aus – diese wahnsinnig vielen roten Hibiskusblüten zwischen tausend weißen Jasminblüten. Mitten in der Anlage stand ein rundes Gebäude, und wir stellten fest, dass dort alles Wichtige, wie z. B. die Rezeption mit einer Lounge und das Restaurant untergebracht waren. Neben diesem Gebäude waren ein kleines Café und eine Bar, eine große Terrasse, auf der eine kleine Bühne aufgebaut war und ein Pool schlossen sich daran an. An alldem führte unser Weg vorbei zum Strand, um erstmal das Meer zu sehen und den Strand zu genießen.

Nachdem wir schon so einige Zeit in der heißen Sonne geschmort hatten, machten sich die ersten brennenden und juckenden Hautrötungen bemerkbar. Man sollte sich ja eigentlich vor der ungewohnten Sonne schützen, aber daran hatten wir an diesem Morgen vor lauter Vorfreude einfach nicht gedacht. Wir hatten absolut keinen Sonnenschutz mit zum Strand genommen, und es hatte auch keiner von uns beiden Lust, zurück zum Häuschen zu gehen, um Sonnencreme zu holen. Also kauften wir einem Strandverkäufer zwei knallblaue Kaftans ab und zogen diese kurzerhand über unsere Badesachen an, um keinen richtig heftigen Sonnenbrand zu bekommen. Später erfuhren wir dann durch die Reiseleitung, dass wir die Dinger viel zu teuer bezahlt hatten, handeln wäre angebracht gewesen. So ’n Mist! Wir ärgerten uns allerdings nur kurz, beschlossen dann aber, dass wir uns den Urlaub nicht durch irgendwelchen überflüssigen Ärger vermiesen wollten, also: C’est la vie – abgehakt unter Erfahrungen.

Der erste gemeinsame Urlaub! Es gab einfach nur Henning und mich, traumhaft! Ob wir stundenlang am Strand lagen oder angebotene Ausflüge mitmachten – egal – Hauptsache, wir waren zusammen. Abends trafen wir die meisten Hotelgäste auf der Terrasse am Pool an. Man konnte dort in Ruhe einen Cocktail trinken oder einer Show der Animateure zusehen. Ab und an kam ein Einheimischer vorbei, um Ketten aus Jasminblüten zu verkaufen, herrlicher Duft!

Als wir mal auf einem dieser Ausflüge durch einen Basar schlenderten, lernten wir einen kleinen Jungen kennen. Der Junge bot uns an, uns für ein paar Dinar die Stadt zu zeigen, dieses Angebot nahmen wir natürlich sofort an. Wir interessierten uns nämlich sehr für unsere Umgebung und wollten allzu gerne mehr von Land und Leuten sehen. Wir sind also dem Jungen gefolgt, er war sehr flink, wir mussten regelrecht hetzen, um ihn nicht zu verlieren. Irgendwann hatten wir ihn dann trotz der Hinterherlauferei verloren und standen alleine mitten in der Stadt, von unserem kleinen Stadtführer war weit und breit nichts mehr zu sehen. Und nun? Rechts von uns lag ein landestypischer Friedhof, den schauten wir uns, wo wir nun schon mal da waren, kurz an und suchten dann den Weg zurück zum Basar. Dort herrschte noch dasselbe rege Treiben wie vor unserer ‘Stadtführung’; viele unterschiedliche Menschen hasteten von einem Stand zum nächsten, und es drangen total viele Wortfetzen an unsere Ohren. Das Angebot dort reichte von Souvenirs und verschiedene Parfüms über ganze Schweinehälften bis hin zu sämtlichen Gewürzen, die in Säcken auf dem Boden standen. Die ganze Luft war erfüllt von den verschiedensten Gerüchen und Düften. Nachdem wir noch einige Zeit dort rumgeschlendert waren, machten wir uns auf den Rückweg ins Hotel.

Einige Tage später erfuhren wir, dass sich im Landesinnern verschiedene Ruinen, Überreste wichtiger alter Bauten und sehenswerte Denkmäler befinden. Um das alles besichtigen zu können, wurde ein Ausflug angeboten, und da wir uns ein bisschen für altertümliches Zeugs aus anderen Kulturen interessierten, wollten wir an diesem Ausflug natürlich teilnehmen. Der Ausflug dauerte drei Tage, in denen wir das Gefühl hatten, wir wären in einer völlig anderen Welt.

Der Weg, den wir befuhren, führte vorbei an kleinen Dörfern und durch Teile der Wüste, in der wir Bewohner von Nomadenstämmen vor ihren Behausungen sitzen sahen. Es gab wahnsinnig viel zu sehen und zu bestaunen, es war ein tolles Erlebnis!

Einige Tage vor unserem Rückflug nahmen wir an einer Kameltour durch die Wüste teil. ‘Es reiten zwei Kamele auf Kamelen’ – wir alberten dermaßen rum und lachten uns dumm und dusselig, dass schon Tränen aus den Augen liefen und wir fast nichts mehr erkennen konnten. Vor lauter Gelächter hatten wir kaum noch Halt auf den Kamelrücken, die Kameltreiber sahen uns immer wieder völlig perplex an und wussten nicht, was sie davon halten sollten. Was mögen die wohl damals gedacht haben? Die armen Leute fühlten sich wahrscheinlich völlig verscheißert, sie konnten ja nicht wissen, dass wir einfach nur rumalberten und über uns selbst lachten.

Die letzten gemeinsamen Tage, die uns in Tunesien noch verblieben, verbrachten wir fast ausschließlich am Meer. Wir lagen am Strand und beobachteten die glitzernden Wellen mit ihren kleinen weißen Schaumkrönchen. Der Tag des Abschiednehmens war gekommen – mit einer Nase voll Jasminduft kletterten wir in den gleichen alten Bus, der uns hergebracht hatte. Vom Bus aus warfen wir noch einen wehmütigen Blick zurück zum Hotel, dann fuhren wir ohne Umwege zum Flughafen. Das war das Ende des ersten gemeinsam verbrachten grandiosen Urlaubs!

Diese Zeit damals war wirklich sehr schön, und ich meine nicht nur diesen Urlaub, sondern alles, was wir gemeinsam erlebten, war schön. Da wir beide noch in unseren Elternhäusern wohnten, hatten wir keinerlei Verpflichtung für einen eigenen Haushalt, im Job lief es gut und im Bekanntenkreis stimmte ebenfalls alles. Bedingt dadurch, dass in unseren Leben meist alles glatt und komplikationslos verlief, hatten wir natürlich immer viel Zeit für alles Mögliche. Dazu gehörte genauso ein gemeinsames Wochenende mit allen Gruppenleitern in Kufstein wie auch der Bau einer Krippe für die Weihnachtsmesse in der Kirche.

Ich hatte vor unserer gemeinsamen Zeit schon eine andere Beziehung gehabt, die allerdings überhaupt nicht vergleichbar war mit meiner Beziehung zu Henning. Mit ihm war einfach alles anders – bunter – aufregender – schöner! Mein Glaube an die reine und echte Liebe zwischen uns war unerschütterlich, es gab Nichts und Niemanden von dem ich mir meine Liebe zu Henning hätte zerstören lassen. Wir verstanden uns oft auch ohne Worte, ja wir dachten sogar manchmal das Gleiche. Es muss einfach von Beginn an Seelenverwandtschaft gewesen sein!

An einem wunderschönen Abend im Frühling saßen wir auf einer Bank am Waldrand und blickten gemeinsam in den von Sternen übersäten Himmel. Es war alles ganz friedlich um uns rum, gleichzeitig war die Luft erfüllt von einer eigenartigen Spannung. Wir sahen uns forschend an und wussten, was der andere wollte, wir küssten uns ganz innig, womit dann unsere Verlobung besiegelt war. Ohne Worte – allein durch das Gefühl den Herzenswunsch ausgedrückt – Romantik pur, einfach fantastisch!

Am darauffolgenden Samstag luden wir seine Eltern und meine Mutter in ein China-Restaurant zum Essen ein, dort teilten wir ihnen dann unsere schöne Neuigkeit mit. Es war schön zu beobachten, wie sie sich mit uns freuten und sich gleichzeitig näherkamen. Die eigentliche Verlobungsfeier mit einem großen Teil der Verwandtschaft fand einige Wochen später bei mir zu Hause statt. Mit unseren Freunden feierten wir in einem Lokal kurze Zeit später eine Verlobungsparty, bei der es echt lustig zuging. Es wurde getanzt, viel gelacht und es wurden verschiedene Spiele gemacht. Bei einem dieser Spiele wurde ich mit verbundenen Augen zu einer Reihe von acht Männern (inkl. Henning) geführt; durch tasten an deren Waden sollte ich meinen Verlobten erkennen. Ich habe ihn herausgefühlt und bekam als Siegesprämie einen selbst gebastelten Pokal mit einem kleinen, lustigen Brautpaar drauf.

Wir haben diese Zeit sehr genossen, es war alles so traumhaft und problemlos. Es gab Tage, da wusste man morgens noch nicht, dass man sich abends zum Quatschen mit Freunden traf oder ins Autokino fuhr oder Essen ging, oder, oder, oder... Einmal fuhren wir ganz spontan an einem Sonntagnachmittag mit Bekannten nach Winterberg in den Schnee oder besichtigten mit anderen zusammen eine Tropfsteinhöhle in Attendorn. Mit einem befreundeten Pärchen machten wir einfach spontan Urlaub im Schwarzwald, zum Zelten sind wir zusammen mit Freunden in Neuwied. So ungebunden und frei zu zweit kann man wirklich nur sein, wenn man keinerlei Verpflichtungen für eine eigene Familie mit Kindern hat.

Jeder von uns beiden hatte mittlerweile seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und war vom Ausbildungsbetrieb übernommen worden. Wir brauchten uns in finanzieller Hinsicht also überhaupt keine Sorgen zu machen und konnten getrost von einer gemeinsamen Wohnung träumen. Im November war dieser Traum dann aber erstmal ausgeträumt, denn Henning bekam Unterlagen von der Bundeswehr und sollte im Januar schon antreten. Seine Grundausbildung (damals 3 Monate) sollte in Holland stattfinden, was bedeutete, dass er doppelten Wehrsold bekam, zudem erhielt man noch mehr Wehrsold, wenn man verheiratet war. Und da wir sowieso vorhatten zu heiraten, machten wir das eben vor der Bundeswehrzeit. Im Dezember war es dann schon soweit.

Das hört sich irgendwie nüchtern an, so unromantisch! Der ursprüngliche Gedanke zu heiraten war allerdings aus dem Gefühl der Liebe heraus entstanden, und nur das zählte für uns. Wegen der Bundeswehrzeit ging jetzt eben alles ein wenig schneller als geplant. Na und? Weil wir bei der standesamtlichen Hochzeit auch meinen schon vor vielen Jahren verstorbenen Vater mit einbeziehen wollten, versuchten wir einen Termin für die Trauung an seinem Todestag zu bekommen. Das klappte auch und so wurde am 9. Dezember geheiratet.

Es fühlte sich vollkommen richtig an, verheiratet zu sein, es war unser beider Wunsch, endlich ein Ehepaar zu sein. Henning war mein Zuhause, ich fühlte mich stets sicher und geborgen an seiner Seite, und ich glaube, dass es ihm damals genauso ging.

Einige Zeit vor der standesamtlichen Trauung wurde das Aufgebot bestellt, und wir wurden gefragt, welchen Ehenamen wir tragen wollten. Da wir darüber vorher noch gar nicht gesprochen hatten, musste es also spontan entschieden werden, und weil Henning der Überzeugung war, dass wir seinen Nachnamen nehmen würden, sagte er das dann auch ganz bestimmend. Ich fühlte mich ein wenig überfahren, weil ich überhaupt nicht gefragt wurde, aber wirklich schlimm fand ich es eigentlich nicht.

Unser Tag der Trauung war endlich da, wir freuten uns auf unsere Eheschließung und darauf, dass wir dann ganz offiziell zusammengehörten. Henning trug einen dunkelblauen Anzug, dazu ein weißes Hemd mit einer weiß, dunkel- und hellblau gemusterten Krawatte. Chic war sein Outfit, es wirkte an ihm, als wäre es extra nur für ihn hergestellt worden! Ich trug ein dunkelblaues Kleid mit ganz vielen kleinen weißen Streublümchen. Dazu hatte ich mir extrem hohe dunkelblaue Pumps aus Wildleder ausgesucht, die zwar ganz toll zum Kleid passten, in denen man aber erst neu laufen lernen musste. Mein Brautstrauß bestand aus kleinen weißen und blauen Blumen mit grünen Gräsern und weißem Schleierkraut. Es passte einfach alles! Wir warteten im Vorraum des Trauzimmers, irgendwie muss man uns wohl gut angesehen haben, wie nervös wir waren. Ein Cousin, der Fotos machen wollte, sagte nämlich: ‘He, nun kommt schon wieder runter – es passiert doch nix Schlimmes!’ Über diese kleine Bemerkung musste ich dermaßen lachen, dass ich meine Anspannung gar nicht mehr wahrnahm. Nach einigen endlos erscheinenden Minuten holte uns der Standesbeamte ab und bat uns und unsere Gäste ihm ins Trauzimmer zu folgen. Jetzt ging’s los – wir hatten zuerst nur Blicke für uns, so als gäb’s sonst niemanden anders mehr in diesem Raum.

Während unserer Trauung hat meine Schwiegermutter entsetzlich geweint, sie schluchzte so grauenhaft als würde ihr gerade etwas ganz Böses angetan werden. Das hat mich ziemlich traurig gemacht, weil es mir das Gefühl gab, dass sie glauben würde, dass ich ihr etwas ganz Wichtiges wegnehmen wollte. Dadurch fühlte ich mich sehr unwillkommen in Hennings Familie; nach der Trauung sprach ich sie darauf an. Wir haben es geklärt und jegliches Missverständnis konnte ausgeräumt werden, es wurde ein sehr schönes kleines Fest, das wir bei meiner Mutter zu Hause verlebten. Zuerst wurde Sekt gereicht, um auf das Glück des Brautpaares anzustoßen.

Als alle Gäste am schön gedeckten Tischen Platz genommen hatten, wurden einige lustige Reden gehalten. Henning und ich strahlten immer wieder, wir waren so glücklich! Dadurch, dass einige der Gäste nach dem Essen einen Spaziergang machten oder eine kurze Ruhepause einlegten, hatten Henning und ich mal ein wenig Zeit nur für uns. Obwohl wir uns über unsere Gäste freuten, genossen wir die kurze Zeit, die wir an diesem speziellen Tag nur für uns hatten doch sehr. Am Nachmittag wurde Kaffee serviert und dazu gab es eine wunderschöne selbst gebackene Hochzeitstorte. Zwischendurch klingelte es immer wieder an der Haustüre und es kamen Nachbarn, Freunde und Bekannte, die gerne gratulieren wollten. Es war ein sehr schöner Tag, ich wollte einfach nicht, dass er jemals zu Ende ging. Aber wie alles, hatte auch er logischerweise ein Ende!

Am späten Abend ging Henning mit seinen Eltern nach Hause und ich blieb bei meiner Mutter. Eine gemeinsame Wohnung hatten wir ja leider noch nicht, da wir noch davon ausgingen, dass Henning demnächst zum Bund musste. Es wäre total blödsinnig gewesen, sich eine eigene Wohnung zu suchen, während mein Ehemann beim Bund war! Erstens war ich der Meinung, das Geld für Miete etc. lieber zu sparen, um es später in eine gemeinsame Wohnung zu investieren. Und zweitens dachte ich: Wenn ich schon auf meinen Ehemann verzichten muss, bleibt mir zumindest mein gewohntes Umfeld erhalten, meine Mutter ist dann auch um mich.

Meine Bindung zu meiner Mutter war immer sehr eng, vielleicht, weil ich ohne Vater aufgewachsen bin! Das war sicherlich auch ein Grund dafür, dass ich besonders zu meinem Schwiegervater ein herzliches Verhältnis hatte. Meine Schwiegermutter machte allein durch ihr äußeres Erscheinungsbild einen kühlen Eindruck, spätestens auf den zweiten Blick bemerkte man aber, dass auch sie ein herzensguter Mensch war. Es gab insgesamt sehr selten Meinungsverschiedenheiten zwischen meinen Schwiegereltern und mir. Wenn dann doch mal etwas unklar war, konnte es meistens sehr schnell geklärt werden, und alles war wieder okay. Ich war froh, dass es sie gab und das nicht nur, weil wir uns gut verstanden, sondern hauptsächlich, weil ich es ihnen zu verdanken hatte, dass es Henning gab.

Kurz nach unserer Trauung bekam Henning Post. Die Bundeswehr teilte mit, dass er nun doch nicht eingezogen würde. Es war gerade die ‘3. Söhne-Regelung’ in Kraft getreten, und da Henning zwei ältere Brüder hat, traf dieses Gesetz auch auf ihn zu. Alles, was Henning und die Bundeswehr betraf, fand ich zwar damals irgendwie ein wenig seltsam, aber ich machte mir keine großartigen Gedanken darüber, sondern genoss vielmehr einfach, dass es so war. Ich war froh und glücklich, dass er bei mir bleiben konnte und wir nun schon in eine gemeinsame Wohnung ziehen konnten. Wir liebten uns, und alles andere war für mich zweitrangig!

Jetzt fehlte uns zu unserem vollkommenen Glück nur noch die kirchliche Hochzeit. Die war für den kommenden Sommer geplant. Erstmal zogen wir im Frühjahr in eine gemeinsame Wohnung – endlich hatten wir eine eigene kleine Wohnung und konnten wie ein richtiges Ehepaar zusammenleben. Nach Ansicht meiner Schwiegermutter schickte sich das zwar absolut nicht, weil wir schließlich noch nicht kirchlich verheiratet waren, aber wir taten es trotzdem. Auf dem Land hatte man 1982 noch so seltsame Ansichten. Nachdem wir mit der Schwiegermutter einige Gespräche darüber geführt hatten, fand sie es nicht mehr ganz so schlimm und war genau wie unsere anderen Elternteile einverstanden. Wir konnten also ganz beruhigt unser Zusammenleben genießen und uns auf die bald stattfindende kirchliche Hochzeit freuen.

An einem Samstagmorgen ging jeder von uns beiden getrennt mit seiner Mutter sein Hochzeitsoutfit aussuchen. Meine Mutter und ich wurden schon im ersten Brautstudio fündig. Eine Schaufensterpuppe stand mit meinem Traumbrautkleid dort im Fenster, ich hatte es sofort gesehen und mich verliebt. Die Verkäuferin zeigte mir noch jede Menge anderer schöner Kleider, aber ich hatte mich bereits für das Kleid aus dem Schaufenster entschieden. In keinem anderen Kleid wollte ich vor den Traualtar treten! Damit es allerdings ganz und gar zu meinem Traumkleid wurde, gab es noch einige Änderungen zu besprechen, z. B. sollte am Ausschnitt des Kleides die gleiche Spitze verwendet werden wie sie auch schon im Überwurf vorhanden war. Die Verkäuferin zeigte uns danach den dazu gehörenden Schleier und die passenden Schuhe. Nach Fertigstellung aller Änderungen wollte sie sich zwecks Terminabsprache zur Abholung des Kleides bei meiner Mutter melden. Toll, das war ja alles super gelaufen! Auf diesen relativ schnellen und sehr guten Abschluss tranken wir mit der Verkäuferin zusammen ein Gläschen Sekt und freuten uns, dass alles so vorzüglich geklappt hatte.

Wir wollten und sollten unsere Hochzeitsoutfits vom jeweils anderen vor unserem großen Tag nicht sehen. Es soll ja, einem alten Brauch zufolge, Glück bringen, wenn der Bräutigam seine Braut das erste Mal in ihrem Brautkleid in der Kirche sieht. Wir waren uns beide einig, dass wir das auch so machen wollten, deshalb verheimlichten wir vor unserem Schatz das Hochzeitsoutfit. Einerseits war das aufregend und prickelnd, andererseits hatte man aber seinem Schatz gegenüber ein leicht doofes Gefühl. Denn eigentlich möchte man doch vor seinem Schatz gar keine Geheimnisse haben, oder? Aber so was ist ja auch gar kein schlimmes Geheimnis, sondern eher etwas Neckisches – Surprise, Surprise! Was sich liebt, das neckt sich halt, und das taten wir sehr gerne! Henning hatte sein Outfit, ich hatte meins, und somit war Teil eins der Hochzeitsvorbereitungen erledigt.

Es gab allerdings noch vieles andere zu bedenken und zu planen, hierbei konnten wir stets auf unsere Familien zählen, die alle mithalfen wo wir Hilfe brauchten. Der Termin in der Kirche stand bereits fest, auch die Räumlichkeiten für die Feier war gemietet, und die Einladungskarten waren fertig. Da meine Mutter einen grünen Daumen hat, fragte Henning sie, ob sie meinen Brautstrauß machen würde. Die ganze Planerei war zwar stressig, aber sie macht auch irre viel Spaß! Ein toller Nebeneffekt der gesamten Planerei war außerdem der, dass sich unsere Familien immer näherkamen. Einfach Klasse – alles war richtig – ich fühlte mich immer wohler!

Vom Brautgespräch beim Pastor unserer Pfarrgemeinde weiß ich nur noch, dass er einen echt blöden Spruch von sich gegeben hat. Er fragte Henning und mich, was wir denn für die Krönung der Ehe halten würden. Wir sagten daraufhin: Kinder. Der Pastor sagte ziemlich läpsch: ‘Die sind doch nur ein Betriebsunfall’. Blöd oder? Dieser Pastor hatte an dem Tag, an dem unsere Trauung stattfinden sollte dann gar keine Zeit. Gott, war ich darüber froh. Ich hätte das dämliche Grinsen dieses Pastors an unserem Hochzeitstag nicht ertragen können, aber das musste ich auch nicht, denn geplant war, dass ein Pastor aus Hennings Familie die kirchliche Hochzeitsfeier übernehmen sollte. Das klappte auch, er willigte sofort ein.

Unser Polterabend stand bevor. Vorab will ich schon mal sagen, dass es ein sehr gelungener Abend wurde, an dem alle viel lachten.

Am Morgen des Polterabends trafen wir uns mit verschiedenen Helfern hinter dem Haus meiner Schwiegereltern, denn dort war ein großer Platz vorhanden, den jeder für Feierlichkeiten aller Art nutzen konnte. Dort bauten wir dann Tische und Bänke auf, stellten eine Theke und Stehtische hin, für Musik war im Vorfeld schon gesorgt worden. Falls es regnen würde, brauchten unsere Gäste nicht zu flüchten, denn es wurde über jeden Tisch, und alles andere auch, eine riesengroße Plane gespannt. Bunte Lichterketten wurden angebracht, die Tische dekoriert mit Teelichtgläsern und bunten Gartenblumen. Am Nachmittag wurden die Bierfässer und alle anderen Getränke angeliefert, die belegten Brötchen bereiteten hauptsächlich unsere Mütter. Dann war alles fertig, Henning und ich waren mit Besen bewaffnet und erwarteten ungeduldig unsere Gäste.

Zuerst kamen einige Verwandte, dann Freunde und Bekannte und zum Schluss erschienen Kollegen von uns. Alle brachten altes Porzellan mit und schmissen, was das Zeug hielt. Wir kehrten auf Teufel komm raus und luden jede Menge Scherben in einen bereitstehenden Container. Es flogen Klopapierrollen in die Dachrinne, und nasse Wattebällchen wurden gegen die Hauswand geworfen. Das Klopapier hatte sich beim Wurf abgerollt und hing nun in Streifen bis zum Boden; an derselben Wand klebten auch die bunten Wattebällchen – insgesamt sah es aus wie ein kleines Kunstwerk. Eine Gruppe Bekannter brachte eine Wäscheleine an, auf der verschiedene Babysachen und mit Nutella beschmierte Windeln hingen. Andere montierten einen selbstgebastelten Klapperstorch an der Giebelwand des Hauses. Wieder andere schossen gegen Mitternacht ein tolles Feuerwerk in den Himmel. Ich schwebte im 7. Himmel und war total überwältigt – alles erschien mir viel zu schön, um wahr zu sein. Weil ich glaubte zu träumen, bat ich Henning mich zu zwicken – es war wunderschöne Realität! Gegen 3.30 Uhr ging der letzte Gast, wir genehmigten uns in aller Ruhe noch einen letzten Schluck zum Ausklang dieses tollen Tages.

Der Tag der Hochzeit war da. Henning und ich frühstückten gemeinsam, dann ging er zu seinen Eltern und ich zu meiner Mutter. Der Vormittag ging unheimlich schnell vorbei. Die Friseuse kam ziemlich früh, machte mir eine tolle Frisur und steckte mir den Schleier an, den Rest des Stylings machte ich selbst. Mit Hilfe meiner Mutter stieg ich anschließend in mein wunder-wunderschönes Brautkleid und kam mir vor wie eine königliche Hoheit. Und königlich saß ich auf einem Stuhl im Wohnzimmer und rührte mich nicht mehr vom Fleck bis es hieß: Wir fahren los zur Kirche! Meine Mutter überreichte mir den Brautstrauß, er war wunderschön. Normalerweise bekommt die Braut den Brautstrauß vom Bräutigam, bei uns war das allerdings ein bisschen anders. Meine Mutter hatte ja meinen Strauß auf unsere Bitte hin selbstgefertigt. Er bestand aus weißen, blauen und rosa Blüten, vorne hingen weiße Bänder, grüne Zweige und weißes Schleierkraut herunter. Passend zum Brautstrauß und dem Gesteck auf dem Brautauto hatte sie auch einen Kranz gemacht, der die Eingangstüre zierte. Das Gesamtbild: Sonnenschein, Blumen an der Haustüre, Blumen auf einem schnuckeligen, alten Auto und eine Braut im langen, weißen Kleid mit Blumen in der Hand – das war insgesamt gesehen eine superschöne Kulisse für ein paar schnell gemachte Fotos. „Bitte lächeln!“

Flugs waren wir an der Kirche angekommen, und ihre Hoheit Ann-Katrin verließ mit einem Lächeln im Gesicht das Brautauto. Ich wurde in der Kirche von den Männern der Brautjungfern zum Altar geleitet, wo Henning mich erwartete. Ich werde seinen Blick niemals vergessen. Die Brautmesse begann, der Geistliche hat sehr schöne Worte gewählt, um den Sinn einer Ehe zu verdeutlichen. In dem Augenblick, in dem wir uns das Eheversprechen gaben und ‘Ja’ zueinander sagten, umgab uns eine unsichtbare Glocke unter der wir zu einer Einheit verschmolzen. Alles um uns herum war ganz still und leise, für Sekunden hatte ich das Gefühl, als wären wir alleine auf der Welt. Einen Moment lang gab es für mich nichts Wichtigeres, als Hennings Nähe zu spüren, und ein tiefer Blick in seine Augen ließ mich wissen, dass es ihm ähnlich erging, wir waren eins. Der Pastor sagte, das Brautpaar dürfe sich nun das erste Mal als Ehepaar küssen, diese Worte holten mich in die Wirklichkeit zurück.

Nachdem die Messe beendet war, ging ein ganz süß gekleidetes, kleines Mädchen mit goldblonden Löckchen vor uns her zum Ausgang und streute viele bunte Blümchen. Verschiedene Mitglieder des Schützenzuges dem Henning angehörte, standen in Uniformen gekleidet Spalier vor der Kirche. Im Anschluss daran hielten einige Bekannte ein großes, weißes Tuch mit einem dicken roten Herz bereit. Wir mussten mit Nagelscheren das Herz ausschneiden, dann musste Henning mich hindurch tragen. Das sollte symbolisieren, dass er mich immer auf Händen tragen würde; das ist auch einer jener Bräuche, die Glück bringen sollen. Das war alles wunderschön, allerdings waren wir noch so ergriffen von der Zeremonie, dass wir erstmal nur Augen für uns hatten und das alles gar nicht richtig realisieren konnten. Als dann die ersten Gratulanten auf uns zukamen, um uns zu umarmen, kamen wir wieder in die Gegenwart zurück. Der Himmel lachte mit uns um die Wette – wir hatten traumhaftes Wetter, es war nicht das winzigste Wölkchen in Sicht. Einige Freunde hatten es sich nicht nehmen lassen unzählige weiße Luftballons, versehen mit roten herzförmigen Kärtchen, auf denen die verschiedensten guten Wünsche standen, in den strahlend blauen Himmel steigen zu lassen. Das sah klasse aus, ich war überwältigt!

**********Wir waren verheiratet**********

Das war ein traumhaftes Gefühl – nichts hätte diesen Moment zerstören können. Noch nicht mal ein Erdbeben! (Smile)

Wir stiegen mit strahlendem Lächeln und völlig entspannt ins Brautauto. Alle geladenen Gäste fuhren hupend hinter uns her zu einem nahegelegenen Gasthof, in dem es einen Sektempfang gab. Der Fotograf, übrigens ein lustiger Mensch, tauchte auf und konnte die gesamte Hochzeitsgesellschaft dazu animieren, ein Foto in dem schönen Garten des Gasthofs zu machen. Anschließend machte er noch einige Fotos von uns mit den Eltern und mit den Trauzeugen, dann noch ein paar von uns alleine. Danach gingen wir wieder in den schön geschmückten Saal des Gasthofs wo Kaffee und Kuchen auf uns wartete. Henning und ich schnitten gemeinsam unsere schöne Hochzeitstorte an und fütterten uns gegenseitig mit dem ersten Stück (Brauch). Die dreistöckige Hochzeitstorte war mit weißem Marzipan überzogen, darauf waren rosa Blüten und blaue Perlen die in weiße Marzipanornamente eingelassen waren. Obendrauf stand ein Brautpaar, das fröhlich und modern aussah. Wir hatten uns mit Absicht ein fröhliches Brautpaar für den Kuchen ausgesucht, denn es war ja auch ein fröhlicher Anlass, zudem fanden wir den Kontrast von festlich und fröhlich einfach witzig! Die Anspannung ließ bei allen immer mehr nach, man sah alles nicht mehr so bierernst und total feierlich wie noch vor einer Stunde. Die Männer konnten getrost mal das Jackett ausziehen und über den Stuhl hängen, und die Damen streiften mit einem Seufzer der Erleichterung ihre neuen, hohen Hacken für einige Minuten von den Füßen. Niemand war da, der einem das übelnahm, wir waren einfach allesamt eine lustige Gesellschaft.