Familiensache - Ernst und Manuel Büsser - E-Book

Familiensache E-Book

Ernst und Manuel Büsser

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Beschreibung

Ernst Büsser (66) gründete 1984 eine eigene Firma und inves-tierte bereits damals in die Digitalisierung seines Fachgebietes. Der enorme Wandel prägte die Branche in den folgenden Jahr-zehnten. In die Spitzentechnologie zu investieren blieb eine Pflicht. Als Vater und Sohn 2013 beschlossen, die Übergabe/ Übernahme der Firma familienintern zu regeln, geschah es in der Gewissheit, dass Manuel Büsser (34) ein vernetztes und automatisiertes Unternehmen übernimmt. Die folgenden Jahre wurden für beide durch neue Heraus-forderungen und ungeahnte Hürden geprägt: Der Sohn pro-fitierte vom grossen Wissen, der Erfahrung und der Unter-stützung des Vaters und dieser vom frischen Wind und Elan des zukünftigen Unternehmers. Am Schluss des Prozesses blickten beide auf eine rundum geglückte Übergabe/Übernahme, die im Januar 2018 durch das Handelsregister bestätigt wurde. Obwohl KMUs die Stützen der Schweizer Wirtschaft sind, finden heutzutage viele keine Nachfolger: Das Buch von Ernst und Manuel Büsser ist auch ein Ratgeber für Firmengründer und ihre Nachfolger. In acht O-Ton-Texten werden die wichtigsten Bereiche der KMU-Übergabe/-Übernahme behandelt, wobei Vater und Sohn ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen getrennt darlegen. Leser erhalten so einen genauen und ehrlichen Einblick in einen menschlich wie auch fachlich komplexen Prozess, der gut vorbereitet sein will und von beiden Seiten viel Goodwill erfordert. Interviews mit Spezialisten und die geschilderten Erfahrungen der Mitarbeiter, die im Prozess der Übergabe/Übernahme ebenfalls involviert waren, runden das in jeder Beziehung spannende Buch ab.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 98

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Ernst und Manuel Büsser

Familiensache

Nachfolge leicht gemacht!

© 2020 Ernst und Manuel Büsser

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-09702-5

Hardcover:

978-3-347-09703-2

e-Book:

978-3-347-09704-9

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

VORWORT

Wie so vieles in meinem Leben ist auch dieses Buch dem Zufall zu verdanken. Mein Sohn hat mich dafür begeistert und über Umwege sind wir mit Franziska K. Müller (privatbiografie.ch) in Kontakt getreten. Sie hat uns motiviert, zu schreiben, und vor allem gelehrt, wie man schreibt. Entstanden ist die authentische Geschichte von Manuel (34) und Ernst Büsser (66): Vater und Sohn berichten unabhängig voneinander über die Übergabe und die Übernahme eines KMU-Betriebes. Entstanden ist ein ”Werk”, das es in dieser Form noch nie gegeben hat. Gleichzeitig teilen wir auf den folgenden Seiten unseren Schatz an Wissen mit Menschen, die den Schritt in die Selbständigkeit planen.

Jede Nachfolge/Übernahme hat ihre eigene Geschichte. Den Weg ins Glück, der für mich mit einem selbstbestimmten Leben zusammenhängt, muss jeder selber finden. Mir half sicher, dass ich als Unternehmer aufgeblüht bin; diese Tätigkeit verlieh mir Flügel.

Auch in der heutigen Zeit haben Werte von früher ihre Berechtigung und aus diesem Grund werde ich sie auch meinen Kindern und Enkelkindern vermitteln. Dankbarkeit zu empfinden und ausdrücken zu können, gehört dazu. Darum nutze ich hier die Gelegenheit, um mich bei allen zu bedanken, die mich auf meinem Weg begleitet haben und noch immer begleiten. Bei meinen Grosseltern und Eltern, bei meiner Frau, meinen Kindern, Enkelkindern und meiner Schwiegertochter. Sie alle haben mich viel gelehrt, sie alle brachten und bringen Freude und Zufriedenheit in mein Leben.

Und immer wieder erlebe ich ”temporäre Symbiosen”, wie ich es nenne. So entstand auch dieses Buch in Zusammenarbeit mit Franziska K. Müller. Ein Buch, das auch mit einer neuen Erkenntnis verbunden ist: Einiges habe ich richtig gemacht. Vieles wurde mir geschenkt.

Ernst Büsser, Oktober 2019

ÜBER DIE AUTOREN

Ernst Büsser (66) erlernte den Beruf des Werkzeugmachers in den 1970er-Jahren und gründete im Jahr 1984 die Büsser Werkzeug & Formenbau. Sein anfängliches Einzelunternehmen startete er ohne Kredite und Hochschulabschluss, dafür mit viel Ehrgeiz, Kreativität und Überzeugungen. Erfolgreich baute er das Unternehmen aus und führte es über dreissig Jahre lang, dann setzte er um, was ihm ein Bedürfnis war: loslassen und das Zepter der jüngeren Generation übergeben. Die frühzeitige Planung als Schlüssel zum Erfolg empfiehlt er heute auch anderen KMUlern: „Damit noch genügend Energie vorhanden ist, um das Leben zu geniessen.” Ernst Büsser ist verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern und lebt in Schmerikon (SG). [email protected]

Manuel Büsser (34) erlernte den Beruf des Polymechanikers zu Beginn des neuen Jahrtausends. Feilen und Handarbeit – das war gestern. Heute ersetzen computergesteuerte Maschinen und Programmiersysteme die Handarbeit, das Berufsbild des Werkzeugmachers hat sich verändert. Als Vertreter einer jungen Generation brachte Manuel die besten Voraussetzungen mit, um einen Betrieb, den er von Kindesbeinen an kannte, zu übernehmen. „Anfänglich prallten allerdings nicht nur zwei Welten, sondern zwei Galaxien aufeinander”, erinnert er sich. Nach fünf intensiven Jahren, die er heute als ”Lernprozess” bezeichnet, ist er nun stolzer Besitzer der Büsser Formenbau AG. Der Jung-Unternehmer will nicht nur erhalten, was sein Vater aufgebaut hat, sondern das bestehende Netzwerk erweitern und neue Wege gehen. Manuel Büsser ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt mit seiner Familie in Schmerikon (SG). [email protected]

SONNTAGSKIND UND SPORTKANONE

Von Ernst Büsser

„Bereits als Kind erlebte ich, wie eine funktionierende Gemeinschaft zum Wohl des Einzelnen beitragen kann. In der Gruppe zu bestehen, bedeutet natürlich auch, dass man seine Kräfte misst, diese einzuschätzen lernt und verbessert. Andererseits: Wenn wir eine Völkerball-Mannschaft zusammenstellten, wurden die Schwächsten zuletzt gewählt. So war es einfach und es zeigte mir früh, dass ich nicht zu den Schwächsten gehören wollte. Gleichzeitig sah ich bei vielen anderen Gelegenheiten, dass man als Team viel erreichen kann, wenn man Menschen als Individuen erkennt und sie aufgrund ihrer Talente richtig gefördert werden. Der Wunsch, ein guter Teamplaner zu sein, begleitete mich im späteren Leben privat und beruflich.

Ich wuchs als zweites von vier Kindern in ländlicher Gegend, im toggenburgischen Ebnat Kappel, auf. Die Dorfbeiz, der Schützenverein und der Turnverein waren wichtig und natürlich – die Kirche. Der Vater war Angestellter, die Mutter Hausfrau. Um die Stube im Winter warm zu halten, scheiteten wir Kinder im Sommer Holz und trugen es in das obere Stockwerk. Die Toilette war ein Plumpsklo und befand sich ausserhalb der Wohnung. Vom Komfort der heutigen Zeit war natürlich keine Rede und gleichzeitig wuchs ich in einer Zeit auf, in der die Technik unglaubliche Fortschritte machte. Im Grossen wie im Kleinen: Kassettengeräte, Telefonapparate, Waschmaschinen, Satelliten. Der Gedanke, dass solche Errungenschaften ebenfalls einer Gemeinschaft zu verdanken sind, weil unzählige Menschen

an ihrer Entstehung beteiligt waren, begeisterte mich bereits als Kind.

Wir Nachbarskinder waren eine bunte Truppe, Mädchen gehörten selbstverständlich auch dazu. Wenn einer ein Fahrrad besass, fuhren alle damit durch die Gegend. Wir teilten, was wir hatten, und schauten gemeinsam beim Nachbarn – der als Einziger im Besitz eines Fernsehgerätes war – Kindersendungen wie ”Lassie” und ”Fury”. Wichtiger als materielle Güter, von denen es in meiner Kindheit keine gab, erscheint mir im Nachhinein die Freiheit, die wir genossen. Weder mangelnde Fürsorge noch mangelndes Vertrauen waren die Gründe, warum wir meistens machen konnten, was wir wollten. Die Eltern hatten schlicht keine Zeit. Wohlstand war ein Fremdwort, selber machen war selbstverständlich, Geld war eh keines vorhanden. Wir konnten tun und lassen, was wir wollten, Hauptsache, wir fielen nicht unangenehm auf, waren höflich, anständig und rechtzeitig mit gewaschenen Händen am Esstisch. Meine Mutter kochte immer, gegessen wurde gemeinsam und nachdem wir gebetet hatten. Auch ohne materielle Güter waren wir sehr glücklich, und unsere kindliche Fantasie war gefordert. Aus dem Nichts entstanden fantastische Abenteuer und tolle Spielsachen, die wir selbst bastelten. Winnetou und Old Shatterhand waren unsere Vorbilder. Pfeil und Bogen, eine Steinschleuder, ein Floss – im Sommer stauten wir Bäche im Wald, im Winter bauten wir Schneehütten.

In meiner Kindheit wurde mir viel geschenkt – Freiheit, gute Freunde und eine intakte Familie. Als ich im Jugendalter bescheidene materielle Wünsche hatte, war für mich aber klar, dass ich dafür arbeiten musste. Ich hatte Freude an der Arbeit und fand stets Beschäftigungen, mit denen ich mir ein bescheidenes Taschengeld verdienen konnte: Ich putzte Fahrräder, leerte auf der Post das Schliessfach der Kiosk-Frau und als Zeiger und Warner verdiente ich beim Sportschützenverein sogar ein kleines Vermögen: Zwei Franken pro Stunde.

Ein Töffli verbot mir mein Vater, was ich damals nicht verstand, doch heute bin ich ihm dankbar dafür, denn ich lernte früh: Auch mit Muskelkraft und Fantasie erreicht man viele Ziele. Irgendwann wollte ich ein eigenes Fahrrad haben und ab der sechsten Klasse verbrachte ich einen Teil der Schulferien in der örtlichen Fabrik. Nach zwei Jahren war das nötige Geld zusammengespart: über 300 Franken. Ich hatte nie das Gefühl, für etwas kämpfen zu müssen, vieles flog mir einfach zu. Allerdings – das wusste ich ganz genau – bekam man auch nicht einfach alles geschenkt oder auf dem Silbertablett serviert. Andere Einsichten hatte ich ebenfalls früh: Lebensfreude ist unabdingbar, wenn man etwas erreichen will, Talent allein ist nutzlos, wenn man es nicht erkennt und richtig einsetzt.

Mit meinen Ersparnissen kaufte ich einen Halbrenner der Marke Amberg, mit glänzenden Stahlfelgen und 5-Gang-Schaltung. Ein Traum ging in Erfüllung. Bald darauf planten ein Schulkamerad und ich eine zweiwöchige ”Tour de Suisse”, auf die wir uns seriös vorbereiteten. Mit Zelt, Schlafsack und Kochutensilien bepackt fuhren wir los, über Julier, Bernina, Veltlin, Lugano, Centovalli, Simplon, Brig und von Reckingen über Grimsel, Brünig in einem Tag zurück nach Ebnat-Kappel.

Ich war ein Wildfang, ein Draufgänger und – wie sich bereits früh herausstellte – eine absolute Sportkanone. Fussball existierte bei uns nicht, man traf sich in der Jugendriege, in der Pfadi oder im Skiklub. Keiner flitzte schneller die Pisten hinunter als ich, vieles brachte ich mir selbst bei und anderes lernten wir auch in der Gemeinschaft von den älteren Freunden. Optisch war ich kein Kraftprotz, sondern von drahtiger Statur, schnell und wendig. Mein Talent wurde erkannt und gefördert, ich begann eine ”Karriere” als Kunstturner. Diese Sportart verbindet Technik und Eleganz. Salto, Sprünge und die Geräte, vieles gelang mir auf Anhieb, bei Wettkämpfen war ich immer unter den Besten. An einem kantonalen Turnier bestieg ich sogar das Siegertreppchen. Anerkennung und Erfolg: Beides trieb mich rückblickend zu sportlichen Höchstleistungen an.

Meine Mutter erwähnte oft, dass Sonntagskinder wie ich im Leben mit Glück gesegnet seien und zum Glück von anderen Menschen beitragen. Die Eltern waren religiös und konservativ, der wöchentliche Gang in die Kirche war Pflicht. Die zehn Gebote standen bei uns über allem und der liebe Gott wurde als strafende Instanz dargestellt. Kleinste Missetaten machten schnell die Runde und wie damals üblich, wurden kindliche Verfehlungen immer den Eltern angelastet. Ich sagte, was ich dachte, und sorgte mit diesem Verhalten für viel Ärger. Die Erziehungsmethoden jener Jahre waren ruppig, auch im Klassenzimmer und im Religionsunterricht. Viele mussten wir zu Hause verheimlichen, da solche Episoden – bei denen ich immer als Schuldiger dastand – weitere Sanktionen nach sich ziehen konnten.

Im Grossen und Ganzen verhielt ich mich anständig und korrekt, doch ein winziger Grund, eine Bemerkung oder eine eigene Meinung konnten Bestrafungen zur Folge haben. In der Zwischenzeit war ich ein Teenager geworden und weigerte mich, weiterhin die Kirche zu besuchen, was für zusätzlichen Ärger mit meinem Vater sorgte. Ich blieb unbeschwert und optimistisch, denn vieles wurde mir in die Wiege gelegt. Über die Zukunft machte ich mir keine Gedanken, die glückliche Kindheit hatte mich positiv geprägt und mein Selbstvertrauen war grenzenlos. Mit meinen Eltern pflegte ich bis zu deren Tod eine sehr gute Beziehung. Und ja: Man muss im Leben verzeihen können und dankbar sein, weil alles andere der Zufriedenheit im Weg steht.

Als es nach der dritten Sekundarschule um meine berufliche Zukunft ging, suchte ich in der Gemeinde eine passende Lehrstelle. Im Werkunterricht in der Schule gehörte ich zu den Besten, vor allem feinmotorisch war ich besonders begabt. Diese Tatsache war entscheidend für meine Berufswahl: Werkzeugmacher. Ich fand eine Lehrstelle im Ort, nur einen Kilometer von zu Hause entfernt. Dass ich ab Lehrstellenantritt finanziell eigenverantwortlich agierte, war selbstverständlich. Mit meinem knappen Budget leistete ich mir trotzdem einen roten Nylon-Lumber und gleichzeitig liess ich mir die Haare wachsen. Mein Vater war wütend, respektierte jedoch meinen Willen. Mein Lehrmeister war begeistert von meinen Fähigkeiten; er förderte mich entsprechend und erzählte nur Gutes über mich. Die Beziehung zu meinen Eltern veränderte sich darum zunehmend positiv, auch die guten Noten in der Gewerbeschule trugen dazu bei. Die Feinarbeit an den Stahlformen, das Feilen, Fräsen, Schleifen und Drehen galt als Disziplin für die Talentiertesten. Ich entwickelte mich zu einem Perfektionisten, konnte mich komplett in diese sehr präzisen Vorgänge vertiefen und war dabei überglücklich.

In der Zwischenzeit profitierten auch meine Eltern vom damaligen Wirtschaftsboom. Wir zogen in ein älteres Einfamilienhaus und hatten zum ersten Mal in unserem Leben eine Dusche mit Warmwasserboiler zur Verfügung, eine Küche