Fast "tot" oder zu blöd für diese Welt - Aglea Smite - E-Book

Fast "tot" oder zu blöd für diese Welt E-Book

Aglea Smite

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Beschreibung

Frau Aglea Smite beschreibt in der ihr eigenen Art ihren Lebensweg in groben Zügen. Hierbei fällt der Lichtkegel vor allem auf die sozialen Komponenten des Lebens, wie Erziehung, Ehe und Mensch sein in der Gesellschaft bzw. den Schichten selbiger. Sie zeigt am eigenen Leben auf, welche Höhen und vor allem Tiefen das Leben zu bieten hat. Vom Mädchen der Nachkriegszeit bis in die heutige Zeit. Augenfällig dabei ist, dass die Autorin sich bei ihrer Suche nach Selbstverwirklichung oftmals selbst im Wege steht - so scheint es. Eine Kurzbiografie der anderen Art.

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Seitenzahl: 71

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Fast „tot“ oder zu blöd für diese Welt

Fast „tot“ oder zu blöd für diese Welt

Aglea Smite -  Fast „tot“ oder zu blöd für diese Welt

Eine Kurzbiografie der etwas anderen Art

Impressum

Texte: © Copyright by Aglea Smite, August 2020

Umschlag:© Copyright by Aglea Smite

Verlag: Aglea Smite Flensburg ([email protected])

Druck: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin

Eine kurze Erinnerung an ein Leben auf etwas andere Art geschrieben.

Die Autorin spricht mehr oder minder mit sich selbst, versucht dabei aber so objektiv wie möglich zu bleiben.

Sie hat vielleicht ihren eigenen Schreibstil, der nicht immer mit der normalen Ausdrucksweise und der Zeitform konform geht, aber im Großen und Ganzen wohl für Jedermann verständlich ist.

Hofft sie jedenfalls.

Quasi bist du schon „tot“… – und du merkst zu Anfang noch nicht mal was davon – weil du intensiv damit beschäftigt bist, den ganzen Dreck, den man dir in den Weg geschleudert hat, weg zu räumen. Das „Sterben“geht relativ schnell und doch für dich wiederum schleichend. Dich hat keiner darauf vorbereitet, schon gar nicht du selbst! Mit keiner einzigen Hirnzelle hast du daran gedacht, dass du eigentlich schon gar nicht mehr so richtig unter den Lebenden weilst und nur noch deine Hülle durch die Gegend wandelt.

Du fühlst dich noch ganz quicklebendig, bist nicht krank (bis auf ein paar kleine Wehwehchen), hast nichts „Ansteckendes“ und bist vom Wesen her immer noch der gleiche Mensch (jedenfalls deiner Meinung nach).

Aber – du hast ja auch ein Hirn. Und dieses Hirn registriert irgendwann einmal (leider viel zu spät), dass sich etwas arg verändert hat. Na ja, vielleicht nicht jedes Hirn, aber deines auf alle Fälle.

Und dann stellst du dir die große Frage :

„Warum?“

Das – solltest du (nach heutiger Erkenntnis) nie machen.

Es sollte dir vollkommen egal sein, warum du „tot“ bist – aber natürlich ist es das nicht.

Und du fängst an, dein bisschen Leben zu hinterfragen. (Was auch nicht gerade dazu beiträgt, dich besser zu fühlen). Weil es im Grunde dafür viel zu spät kommt …

Klar sind da einige Dinge, die du im Nachhinein anders hättest machen können – aber erstens geht das nicht und zweitens – wer macht schließlich keine Fehler im Leben? Bloß waren deine Fehler im Leben zum größten Teil saublöd.

Nun – du stellst nach ewig langer Grübelei fest, dass du dein Leben „anständig“ verbracht hast – so wie man es dir anerzogen hat. Sprich – du hast dein Leben lang mehr oder minder hart gearbeitet, bist dem Staat oder sonst jemandem nicht auf der Tasche gelegen. Blauäugig und blöd, wie du warst, tust du so etwas ja schließlich nicht.

Du hast deine „Probleme“ selbst gelöst und andere Leute nicht belästigt. Hast am Sozialleben deiner Meinung nach rege teilgenommen und sogenannte Freunde, sowie Familie Zeit deines Lebens mit all deiner Kraft und Habe unterstützt.

So ganz nebenbei hast du einen kleinen Betrieb gegründet und anderen Menschen Arbeit zu einem anständigen Lohn gegeben (du selbst wurdest mit dem Minilohn belohnt), hast immer schön (wenn auch manchmal widerwillig) deine Steuern bezahlt (was dir im Nachhinein unter Anderem das Genick gebrochen hat) und hast all den Blödsinn, den der Staat verzapft hat, mitmachen müssen, weil du ja ein braver Bürger warst.

Und was hattest du davon?

Nun ja …

Dies wäre der sehr grobe Umriss von deinem Leben, aber natürlich hat es da noch einiges mehr gegeben …

Und du fragst dich heute, wie du bis jetzt dieses „Leben“ überhaupt, trotz aller Widrigkeiten, überstanden hast. Es ist schon ein Phänomen, was der Mensch alles so aushalten kann – wenn er denn muss …

Eigentlich fängt das Ganze ja schon bei deiner Geburt an … nur weißt du das da natürlich noch nicht.

Wenn du nämlich das Pech hattest, in der damaligen Zeit als weibliches Wesen auf die Welt zu kommen – war das schon mal dein erster Fehler. Und eigentlich hättest du schon jetzt das Zeitliche segnen sollen, dann wäre dir sehr viel erspart geblieben. Du bist aber am Leben geblieben – und – keine Ahnung, was das Schicksal so mit dir vorhatte – in eine Welt geschleudert worden, die du dir wahrscheinlich nie selbst ausgesucht hättest.

Wenn du dann auch noch Vater und Mutter hast, die aus der Generation der Despoten und Unterdrückten stammen, hattest du sowieso schon verloren. Aber klein, wie du bist, kriegst du davon ja noch nichts mit.

Du wächst heran – mit dem unerschütterlichen Glauben an deine Eltern. Du denkst, alles was die tun und sagen ist normal und muss so sein. Schließlich bist du ja noch klein und völlig naiv.

Gut, du kriegst für irgendwelche Dinge, die du wohl angestellt hast, mal eine „hinten vor“ (ein Ausdruck, der überhaupt nicht passend war, weil auch meist andere Körperteile davon mitbetroffen waren) – aber – da du so aufwächst, kennst du ja nichts anderes.

Die ersten drei Jahre deines Lebens verlaufen so wohl relativ normal, zumindest in der Erinnerung. Obwohl – so kannst du das auch nicht sagen, denn du warst schon im zartesten Alter irgendwie der Anker deiner Mutter.

Tja, und dann …

Plötzlich bist du vier Jahre alt und bekommst einen Bruder – oh Freude!!

Dass deine Mutter dir in dem Alter, in dem du bist, schon die halbe Verantwortung für so ein kleines Bündel aufbürden wird, ahnst du ja nicht – und wenn, hättest du es geistig ja nicht erfassen können.

Aber du bist eine brave Schwester (und Tochter) und kümmerst dich – schleppst das Baby überall herum, windelst und wickelst, fährst im Kinderwagen mit ihm aus, fütterst ihn später (nach der Entwöhnung) – rettest ihm und dir sogar das Leben, weil deine Mutter ja unbedingt auf Nachbarschaft gehen muss und das Essen auf dem Kohleofen vergessen hat – was natürlich durch den Topf gebrannt ist und dadurch eine sehr dichte und starke Rauchentwicklung erzeugt hat.

Um nicht zu ersticken, schleppst du dich und das Baby hustend und keuchend durch die Rauchschwaden nach draußen und stehst nun mit ihm auf dem Treppenabsatz des Hauses. Du schreist dir die Seele aus dem Leib, weil du Angst hast, deinem Kind (du hast wirklich so empfunden) ist nun was ganz schreckliches passiert und du weißt nicht, was du machen sollst.

Mit knapp fünf Jahren ja auch kein Wunder. Erst durch die Aufmerksamkeit der Nachbarn wurde deine Mutter schließlich informiert, dass zu Haus etwas nicht stimmt.

Du hättest das, aus deiner späteren Sicht, nie im Leben einem so kleinen Kind zugemutet – aber damals …

In der damaligen Zeit war es scheinbar sehr normal,dass insbesondere weibliche Wesen schon früh lernen sollten, Verantwortung zu übernehmen.

Jedenfalls war unbeschwertes Spielen für dich ab vier Jahren nicht mehr angesagt. Du hast der Mutter im Haushalt helfen müssen, kleine Einkäufe waren auch an der Tagesordnung und dein Kind (Bruder) brauchte dich auch.

Zwischendurch durftest du in dem Alter auch schon mal den Seelendoktor bei deiner Mutter geben – obwohl du vom Leben und von der Ehe speziell ja noch gar keine Ahnung haben konntest. Aber dir waren scheinbar Beschützerinstinkte angeboren worden – das heißt: Mama unter deine kleinen Fittiche nehmen, Kind vor allem Übel bewahren und sich auch noch um jedes Tier kümmern, was dir über den Weg läuft.

Du hast also schon als Kleinkind Dinge stemmen müssen, die ja weiß Gott nicht zu deinem Alter passten – für dich aber irgendwie normal und selbstverständlich waren – weil ja dein Erzeuger ständig beruflich in der Weltgeschichte umherirrte und seltenst zu Haus war und sich ja irgendwer um die Familie kümmern musste.

Somit hattest du für deine Mutter, ganz viel Verständnis und hast geholfen, wo du konntest – weil sie ja sonst sooo allein war … Dass sie selbst zu dem Zeitpunkt noch recht unselbstständig und irgendwie auch sehr naiv war, konntest du ja noch nicht erfassen.

Es ist nicht so, dass du auf deine Mutter im Nachhinein Steine werfen willst, aber sie war schon damals eher ein Mensch, der von seinen Kindern Zuwendungen, egal in welcher Form, rigoros einforderte.

In dem Zusammenhang erinnerst du dich an das erste „Kinderlied“, dass dir immer und immer wieder vorgesungen wurde : „Immer nur lächeln, immer vergnügt, immer zufrieden und niemals betrübt, lächeln schafft Wehmut in den Herzen, doch wie’s da drin aussieht, geht niemand was an.“ Diesen Text hat sie dir mindestens hunderttausendmal vorgesungen – so lange, bis du ihn so verinnerlicht hast („Kind, merk dir diese Sätze unbedingt“), dass er irgendwann zu deinem Charakter gehörte.

An andere, richtige Kinderlieder kannst du dich gar nicht erinnern.

Dir wurde also schon in jüngsten Jahren, eingetrichtert, deine Gefühle im Zaum zu halten, Verantwortung zu übernehmen und überall zu helfen, wo du konntest. Und egal, wie du dich fühltest – du warst nach außen hin immer freundlich und beherrscht. Weil – es ging ja niemand etwas an …!

Immer Verständnis zeigen, immer deine eigenen Bedürfnisse hinten anstellen und immer Verantwortung übernehmen – auch für Andere – das ist zu deiner zweiten Haut von Anfang an geworden.

Deshalb war das mit den Tieren ja wohl doch für dich normal. Denn Angst vor fremden Tieren kanntest du überhaupt nicht. Du bist – sehr zum Leidwesen deiner Mutter – zum Beispiel jedem fremden Hund, der dir begegnet ist, egal welcher Rasse, vor lauter Begeisterung spontan um den Hals gefallen. Dass diese Viecher dich nie gebissen haben, grenzt eigentlich an ein Wunder.